Dr. Inge Hartsch: Korea – Land der Morgenfrische (Eine Reportage)

Osttor

Das Osttor von Pjöngjang wurde originalgetreu wiederaufgebaut

Ist die Koreanische Volksrepublik ein totalitärer Staat, in dem es nur einer kleinen Oberschicht sehr gut geht und der Rest der Bevölkerung in Armut lebt? Diese Frage werden sich viele stellen, die nichts weiter wissen, als das, was von den bürgerlichen Massenmedien verbreitet wird. Die Berichte über dieses kleine Land sind sehr einseitig. Wer jedoch die Geschichte Koreas kennt, der kommt zu ganz anderen Erkenntnissen. Natürlich könnte man sagen: Das ist ja alles nur Propaganda! Doch was wissen wir wirklich? Immerhin ist es den USA und ihren Vasallen bisher nicht gelungen, Nordkorea zu besetzen und es ebenso in Schutt und Asche zu legen, wie das in Libyen, im Irak und in Syrien geschah. Lesen wir nun hier eine Reportage, die geschrieben wurde, als sich Nordkorea gerade erst vom Kolonialismus und von den feindlichen Eroberern befreit hatte. Seitdem hat die Demokratische Volksrepublik Korea einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung genommen. Und das ist ein großes Glück für die Menschen! Denn dort herrscht Sozialismus und den Menschen geht es gut.

Ankunft im „Land der Morgenfrische“…

Besucht man die Koreanische Volksdemokratische Republik (KVDR) im Hochsommer, so ist der erste Eindruck der des fremdartigen, ungewohnten Klimas. Schon auf der Gangway des eben gelandeten Flugzeugs überfällt einen die tropische Schwüle, die im Sommer die ganze Halbinsel von Nord bis Süd einhüllt. Korea steht wie ganz Ostasien unter der Herrschaft von ausgeprägten jahreszeitlich wechselnden Luftströmungen. Im Sommer bringen die maritimen Luftmassen des Sommermonsuns tropische Wärme aus südlichen Richtungen. Dazu tragen aus Westen und Südwesten heranziehende Tiefdruckwirbel heftige Niederschläge heran, die oft Wolkenbruchcharakter haben und manche Flüsse auf das Zwanzig- bis Fünfzigfache der winterlichen Breite anschwellen lassen.

Karte KVDR

Die Landwirtschaft

Durch die hohe Luftfeuchtigkeit herrscht auf der Halbinsel wochenlang eine Treibhausatmosphäre, die Bergspitzen stecken in den Wolken, und dichte Nebelbänke liegen über der Küste. Der koreanische Sommer entspricht dem Dauerklima der immer feuchten Tropen in der Äquatorialzone. Das Zusammenfallen von tropischer Wärme und hohen Niederschlägen macht den Sommer zur Hauptwachstumszeit. Infolge der geringen sommerlichen Klimadifferenzierung zwischen Nord und Süd kann der Naßreisbau weit nach Norden vordringen. Durch Züchtung von widerstandsfähigen Sorten, durch Pionierungsarbeiten, den Bau vieler neuer Bewässerungsanlagen und durch Verwendung von Kunstdünger gelang es in der KVDR, die Anbaufläche dieses Hauptnahrungsmittels beträchtlich zu erweitern und die Erträge zu steigern.

Das Klima

Der Einheitlichkeit des sommerlichen Klimas steht eine scharfe winterliche Zweiteilung gegenüber. Sie macht deutlich, daß Korea Übergangsgebiet vom kontinentalen zum maritimen Klima ist. Den Norden trifft der kalte, trockene Wintermonsun aus dem Inneren Asiens mit voller Wucht und bringt sibirische Kälte, während der Süden der Halbinsel Anteil am milden Meeresklima der japanischen Inseln hat. Zwischen der Nordgrenze der KVDR am Jalu und der Südspitze Südkoreas herrschen dann oft Temperaturunterschiede bis zu 25 °C – ein sonst nirgends auf der Erde anzutreffendes Temperaturgefälle.

Die Geografie Koreas

Noch ehe das Flugzeug in Pjöngjang. der Hauptstadt der KVDR. zur Landung ansetzt, erkennt man aus den Fenstern der Maschine bereits eines der landschaftlichen Hauptcharakteristika der KVDR:  Korea ist weitgehend ein Gebirgsland. Vom ,,weißhäuptigen Gipfel“ des Päktusan (2744 m) im Norden bis zum Diamantgebirge im Süden nahe dem 38. Breitengrad, der die Halbinsel in zwei Staaten zerreißt, begrenzen Berge den Horizont. Tektonisch gesehen, ist Korea Teilgebiet der großen ostasiatischen Staffelbrüche, in denen der Ostrand Asiens vom Rande des tibetischen Hochlandes bis zum japanischen Inselbogen stufenförmig zum Pazifischen Ozean hin abfällt. Diese Staffelbrüche, die der deutsche Forscher Ferdinand von Richthofen 1870 als erster erkannte und als Zerrungsbrüche erklärte, entstanden während der erdumfassenden tertiären Krustenbewegungen. Das Hauptmerkmal jeder dieser Bruchstaffeln ist ihre Asymmetrie, wobei jeweils der Ostrand der Schollen längs der Verwerfungslinien aufgewölbt ist und steil nach Osten abbricht, während sich der Westflügel sanfter abdacht.

Flüsse…

Als Teilgebiet einer solchen Landstaffel gleicht die Halbinsel Korea einer Pultscholle, deren First – ein meridionales Kettengebirge – ganz im Osten der Halbinsel in unmittelbarer Nähe der Japanmeerküste verläuft. Die Steilfront bricht mit glatter Küste nach Osten zur Tiefsee des Japanmeeres ab, die Pultfläche dehnt sich mit Berg- und Hügelländern, die von fruchtbaren Niederungen durchsetzt sind, nach Westen zur flachen, buchtenreichen Gelbmeerküste. Der First der Pultscholle ist zugleich die Hauptwasserscheide des Landes, von der kurze, tiefeingeschnittene, gefällereiche Flüsse zur Ostküste hinunterstürzen, während die nach Westen gerichteten Flüsse, die oft nur wenige Kilometer von der Ostküste entfernt entspringen, mit bedeutend geringerem Gefälle fließen. In ihren Unterläufen lagern sie als träge dahinfließende Flachlandströme große Schlamm- und Geröllmengen ab. Ähnlich dem Hwangho in Nordchina erhöhen sie ständig ihr Flußbett. Vielfach liegt der Flußspiegel höher als das benachbarte Land. Nur eine ständige Erhöhung der Deiche kann Schutz gewähren.

Talsperrenbau

StaudammIn der KVDR ist an einigen Strömen durch den Bau großer Talsperrenanlagen jedoch die Überschwemmungsgefahr bereits weitgehend gebannt. Mit breiten Trichtermündungen ergießen sich die Ströme ins seichte Gelbe Meer. Ein gewaltiger Tidenhub, der stellenweise bis zu 10 m betragen kann, hat sie geformt. Aus dem Flugzeug gesehen, erinnert die nordwestkoreanische Küste in der Nähe der Jalumündung, des koreanisch­chinesischen Grenzflusses, mit den bei Ebbe trockenfallenden, von Prielen durchzogenen Wattflächen, den eingedeichten Poldern und dem grünen Marschland an ein Luftbild der Nordseeküste. Entlang dieser Westküste, deren Stürme, Gezeitenströmungen, Sandbänke, Klippen und Inseln tückische Gefahren für die Fischerei und Schiffahrt bergen, reiht sich von Nord nach Süd ein niedriggelegenes, fruchtbares Becken an das andere. Diese Tieflandskammern, von den Flüssen aufgeschüttete Alluvialebenen, geschieden durch niedrige Hügelländer, sind die hauptsächlichen Ackerbaugebiete des Landes.

Sorgfältiger Ackerbau

Die Kleinkammerung, der ständige anmutige Landschaftswechsel von Bergen und tischebenen, kunstvoll bewässerten Niederungen mit Reisfeldern, von hügeligem Gelände mit Hirse- und Sojabohnenfeldern und gepflegten Obstgärten, zwischen denen sich saubere Dörfchen mit den für Ostasien typischen geschweiften Hausdächern und den freistehenden Schornsteinen der koreanischen Fußbodenheizung schmiegen, oft fast versteckt hinter übermannshohen Hirse- und Kauliangstengeln, ist der immer wiederkehrende reizvolle Eindruck westkoreanischer Landschaften. Das ganze Land ist bis in den letzten Winkel ackerfähigen Bodens sorgfältig bebaut. Sogar auf den niedrigen Erddämmen der die Reisfelder umschließenden Wassergräben wachsen Sojabohnen in buschigen Reihen. Wo fände man sonst Apfelgärten, in denen jede einzelne Frucht am Baum sorgfältig in ein Papiertütchen gehüllt ist, um sie vor Insektenbefall zu schützen?

Unter dem kolonialen Joch Japans

Doch dieses lieblich-ländliche Bild ist nur die eine Seite. Die andere zeigt sich auch hier – wie überall im Lande – in den großen Industriebetrieben. Die koreanische Volksrepublik besitzt – bis auf Erdöl und Zinn – alle wichtigen Bodenschätze. In der Zeit der 40jährigen japanischen Kolonialherrschaft (1905 bis 1945) wurden die Kraftquellen und Rohstoffreserven allein im Interesse Japans ausgebeutet. Das führte zum Aufbau einer völlig disproportionierten Wirtschaft. Durch die japanischen Expansionspläne gegen die UdSSR und China wurde Korea immer stärker zum Nahrungsmittel- und Rohstofflieferanten.

Erfolgreicher Wiederaufbau

Nach der Befreiung durch die Rote Armee im Jahre 1945 war die koreanische Industrie fast gänzlich zerstört. Von 1034 Groß- und Mittelbetrieben blieben nur 19 unbeschädigt. Trotz des Mangels an Fachkräften – alle Facharbeiter und Ingenieure während der Kolonialzeit waren Japaner – gelang es, in der KVDR nach der Nationalisierung der Industrie 1946 dank dem ungeheuren Elan der Koreaner und der Hilfe sowjetischer Spezialisten in kürzester Zeit eine vielseitige nationale Wirtschaft aufzubauen. Doch im Bombenhagel der amerikanischen Aggressoren (1950-1953) sank alles wieder in Trümmer. Die Arbeiter gingen mit ihren Maschinen in die Berge, gruben riesige Tunnel und Hallen und setzten zum Teil unterirdisch die Produktion fort, bis der Waffenstillstand den Neuaufbau ermöglichte.

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Neue Industriezweige

In der Nähe der Hauptstadt Pjöngjang liegen die wichtigsten Eisenerz- und Anthrazitlager des Landes so dicht beisammen, daß das im Tagebau gewonnene Erz an Ort und Stelle im metallurgischen Kombinat Songnim verhüttet und weiterverarbeitet werden kann. Auch Pjöngjang selbst birgt eine große Zahl wiederaufgebauter oder gänzlich neugeschaffener Werke zur Erzeugung von Maschinen, Instrumenten, chemischen und keramischen Produkten, Briketts, Textilien, Schuhen, Zucker usw.

Kultureller Aufschwung

Die 1.500 Jahre alte Stadt verlor wie die meisten Städte ihre altkoreanische Gestalt und Eigenart unter dem Hagel US-amerikanischer Bomben. Von den 33.000 Häusern Pjöngjangs blieb nicht eines unbeschädigt! Nur Kesöng am 38. Breitengrad gibt noch einen Eindruck vom Reiz vergangener Kulturepochen. Voller Enthusiasmus baute die gesamte Bevölkerung Pjöngjangs ihre Stadt neu, die heute den Besucher mit repräsentativen Bauten, der großen Oper, der Kirn-Ir-Sen-Universität, dem großartigen Pionierpalast mit 500 Klubräumen vom Ballettsaal bis zur Sternwarte und unzähligen neuen Wohnblocks in Erstaunen setzt. Die spärlichen Überreste der alten Stadt-. geschichte. die schönen Stadttore, wurden in ihrer ursprünglichen Gestalt wiedererrichtet.

Der besondere Reiz der Hauptstadt

So ist auch das Tädongmun, das große Osttor, dessen Bau vor mehr als eineinhalb Jahrtausenden begonnen wurde, nach der Zerstörung in der Gestalt wiederaufgebaut worden, die es im 17. Jahrhundert hatte. Über einem wehrhaften steinernen Mauersockel, durch den die enge tunnelartige Öffnung des ehemaligen Stadttores führt, schwingt sich die farbenprächtig bemalte Holzarchitektur eines geschweiften Doppeldaches auf. Der besondere Reiz der Hauptstadt liegt aber in der sie umgebenden Landschaft, die mit dem großen Bogen des Tädonggangflusses und zahlreichen bewaldeten Hügeln das Stadtbild bestimmt.

Wahrzeichen der Hauptstadt Pjöngjang

Die weidenbestandenen Uferparks mit ihren Pavillons und offenen Aussichtshallen und der traditionsreiche Morangbongberg mit seinen blühenden Mandelbäumen im Frühling und den roten Eibischblüten im Sommer, deren leuchtende Farbe in den langen Seidengewändern der Koreanerinnen wiederkehrt, sind beliebte Ausflugsziele der Hauptstädter. Der Morangbongberg mit dem Befreiungsobelisken ist nicht nur das Wahrzeichen der Stadt, sondern zugleich Sinnbild für die Zähigkeit, mit der die Koreaner an ihrer altüberlieferten Kultur, an Theater, Musik und Tanz auch in Zeiten stärkster Belastung festhielten. Während der US-amerikanischen Bombardierungen erbaute die Bevölkerung in freiwilliger Arbeit hier das unterirdische Theater für über 600 Besucher in 40 m Tiefe.

Das Kaimahochland

Der Nordostteil Koreas hat einen vom übrigen Land abweichenden Charakter. Jenseits des hier im Norden 40 bis 60 km breiten Japanmeersaumes erstreckt sich vom Nordosten nach dem Südwesten das gebirgige Kaimahochland. Es weist die höchsten Höhen des Landes auf. Die Berggipfel und weiten Hochflächen steigen bis zu 2500 m auf. Große Teile sind noch mit ursprünglichem Wald bestockt, während sonst im Lande die Wälder dem Raubbau der Japaner weithin zum Opfer gefallen sind. Das Kaimahochland ist reich an Bodenschätzen und Wasserkraft. Neben der holzverarbeitenden Industrie finden sich daher hier Kupfer- und Eisenerzbergwerke und bedeutende Großkraftwerke, die die Gefälleunterschiede zwischen der Kaimahochfläche und der Küste ausnutzen.
Landschaft

In mühsamer Arbeit wurden an den Berghängen Terassen für die Aufforstung angelegt

Spuren des Krieges

Eine besondere wirtschaftliche Bedeutung hat für die KVDR der breite, dem Hochland vorgelagerte Küstensaum. Hier sind die Standorte der bedeutenden chemischen Industrie, deren wichtigstes Werk das Chemiekombinat in Hamhung ist. Die während der Kolonialzeit geschaffenen Werke trugen den Stempel der Kriegsvorbereitungen Japans. Der Zerstörung der Fabrikanlagen durch die abziehenden Japaner folgte ein mühevoller Wiederaufbau. Im Krieg von 1950-1953 sank auch dieses Neugeschaffene wieder in Trümmer. Doch die Koreaner stellten ihre Produktion nicht ein. Mitten im Hagel US-amerikanischer Bomben schuf zum Beispiel die Belegschaft des Düngemittelwerkes Hungnam bei Hamhung ein 12 km langes unterirdisches Werk. Nach dem Waffenstillstand wurde Hamhung zum bedeutendsten Industriestandort und zur zweitgrößten Stadt der KVDR mit einer vielseitigen chemischen Produktion, deren Haupterzeugnis, der Kunstdünger, wesentlichen Anteil an der Ertragssteigerung in der sozialistischen Landwirtschaft hat.

Fischfang im Nordosten

Der Nordosten der KVDR ist aber vor allem der Bezirk der großen Hafenstädte. Auf der 500 km langen Küstenstrecke von der Tumengangmündung bis zur Bucht von Wönsan reiht sich ein großer Hafen an den anderen, deren Gesicht vor allem von einer bedeutenden Seefischerei bestimmt wird. Durch den Einsatz modernster Fangmethoden wurde Tschongdschin zu einem der größten Fischanlandeplätze Ostasiens .. Neben Sardinen werden Alaska-Pollack, Hering, Dorsch und Flunder gefangen und in großen Konserven- und Fischölfabriken verarbeitet. Wönsan, die im Koreakrieg besonders stark zerstörte südlichste der großen Hafenstädte am Ostmeer besitzt neben einem Fischereikombinat, einer landwirtschaftlichen Hochschule und zahlreichen anderen Produktionsstätten und Lehranstalten mehrere Sanatorien und moderne Hotels.

Der Kurort Wönson im Diamantgebirge

Die reizvolle Landschaft bietet großartige Voraussetzungen für den im Aufbau befindlichen Kurortkomplex Wönsan: Vom breiten Sandstrand schweift der Blick über die Meeresbucht mit ihren kiefernbestandenen Felseninseln. Dahinter erstrecken sich gepflegte Parkanlagen mit malerischen Lotosblumenteichen und von Tempeln und anderen Architekturdenkmälern gekrönte Hügel vor den kulissenartig aufsteigenden Bergketten. Wönsan ist zugleich Ausgangspunkt für eine Fahrt in den Kymgangsan, in das Diamantgebirge. Mit seinen bizarren Granitgipfeln, die aus dichten Kiefern- und Ahornwäldern bis zu 1638 m emporragen; mit seinen von Wasserfällen durchtosten Felsschluchten und seinen Seen übertrifft es alles, was das an ästhetischen Reizen so reiche Land zu bieten vermag.

Sämtliche Klöster vom Krieg vernichtet

Im alten Korea war das Diamantgebirge Wallfahrtsziel des Buddhismus. Von seinen 25 malerischen Klöstern blieb kein einziges vom Krieg verschont. Nur Steintrümmer künden hie und da von den Resten der zum Teil 2000 Jahre alten Tempel des Kymgangsan. Lebendig aber blieben die Geschichten von Drachen und Feen, von guten und bösen Naturgeistern. von Buddhas und Fabelwesen, die in dieser düster-romantischen Landschaft ihren Ursprung haben. Heute ist das Diamantgebirge, dessen Name auf die Diomontensutra, eine klassische buddhistische Schrift, zurückgeht, mit seinen gepflegten Touristensteigen und schwingenden Hängebrücken über wasserdurchtosten Schluchten und seinen reizvollen Aussichtspavillons beliebtes Ziel in- und ausländischer Touristen.

Das historische „Land der Morgenfrische“

Durch seine Halbinsellage zwischen dem asiatischen Festland und den vorgelagerten Inselketten spielte Korea im laufe seiner langen, wechselvollen Geschichte häufig die Rolle einer Zugstraße von verschiedenen Bevölkerungsgruppen und die einer Kulturbrücke zwischen den kontinentalen und insularen Mächten. Schon in seiner legendären Frühgeschichte bis zum 1. Jahrhundert v. u. Z. bestand eine Verbindung zu China, von dem bereits im 11. Jahrhundert v. u. Z. chinesische Handwerkskunst, die Seidenproduktion und der Anbau von Reis und Gerste ins „Land der Morgenfrische“ kamen. In der Zeit vom 1. Jahrhundert v. u. Z. bis zum 7. Jahrhundert u. Z. bestanden in Korea auf der Grundlage der Sklavenhaltergesellschaft drei Reiche: Kogurjo, Silla und Pektsche.

Kulturelle Schätze der Vergangenheit

Unter chinesischem Einfluß kam es zu einer ersten großen Blütezeit von Kunst und Wissenschaft, besonders der Astronomie. Die erste Sternwarte Ostasiens wurde bereits im 7. Jahrhundert in Korea erbaut. Die von China empfangenen Güter der materiellen und geistigen Kultur gab Korea an das Inselreich Japan weiter: die Kenntnis des Reisanbaus, der Porzellan- und Papierherstellung, die chinesische Schrift und den chinesischen Kalender, künstlerische Anregungen auf dem Gebiet der Malerei und Töpferei, die Seidenraupenzucht, die Tuchweberei und die buddhistische Religion. Korea wurde für Japan „das westliche Land der Schätze“.

Zur Geschichte Koreas

Ende des 7. Jahrhunderts erreicht es zum erstenmal seine territoriale Einheit unter der Führung des Königreiches Silla. In der feudalen Klassengesellschaft, die sich nun herausbildete, war der König Eigentümer des gesamten Grund und Bodens, den er als Lehen an Adel, Beamte und Klöster vergab. Gegen die Ausbeutung durch Grundherren und Staat wehrten sich die Bauern bereits in dieser Zeit in mehreren Aufständen. Perioden feudaler Zersplitterung und solche der Festigung der Zentralgewalt wechselten miteinander ab, wobei die lose Abhängigkeit von China erhalten blieb. In dieser Zeit tauchte erstmals der Name Korijo – Korea – auf, unter dem das Land in Europa bekannt wurde. Ab 1231 verwüsteten Mongolenherrscher das Land.

Blütezeit im Mittelalter

Nach dem Sturz der mongolischen Jüan-Dynastie in China (1392) wurde auch Korea wieder frei und nannte sich jetzt Tschoson. Söul wurde seine Hauptstadt. Es erlebte nun eine 200 Jahre währende Blütezeit, die bestimmt war vom engen kulturellen Kontakt zum China der Ming-Zeit. Die weiße Trauerkleidung der Chinesen dieser Zeit wurde in Korea zur Volkskleidung, die sich zum Teil bis in die Gegenwart erhalten hat. Kunst und Wissenschaft erreichten einen Höhepunkt. 1443 wurde das koreanische Buchstabenalphabet, das Oenmun, erfunden, das den Druck mit beweglichen Lettern 10 Jahre früher als in Europa ermöglichte. Ende des 16. Jahrhunderts ging dieses Zeitalter zu Ende. Durch Fehden der Feudalherren geschwächt, erlag Korea den Einfällen der Japaner.

Das „verbotene Land“ Korea

1598 errang Korea zwar den Sieg – der koreanische Admiral J-Sun-Sin verwendete die ersten gepanzerten Schlachtschiffe gegen die Eindringlinge –, aber das Land war verwüstet, wirtschaftlich zerrüttet und von Hunger und Seuchen verheert. Zum Schutz vor weiteren Überfällen schloß sich Korea in der Zeit von 1640 bis 1885 völlig von der Außenwelt ab, es wurde das „verbotene Land“, in dem jeglicher Kontakt nach außen untersagt war. Die Erstarrung und Verarmung der Kultur und die Stagnation der wirtschaftlichen Entwicklung waren die Folge dieser Isolierung.

Unter japanischer Herrschaft

Hilflos wurde es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Spielball seiner großen Nachbarn – China, Rußland und Japan – im Kampf um die Vorherrschaft in Ostasien. Japan blieb Sieger in diesem Ringen und annektierte 1904 das Land. Es zwang die Koreaner zur modernen Entwicklung der Landwirtschaft, der Fischerei, des Bergbaus und der Industrie, jedoch allein in seinem eigenen Interesse. Verbunden mit der Entwicklung zur japanischen Rohstoffbasis waren die hartnäckigen Bestrebungen zur Zerstörung der koreanischen Nationalkultur; so war es zum Beispiel verboten, im öffentlichen Leben die koreanische Sprache zu benutzen. Das unterdrückte Volk wehrte sich in großen Aufständen, von denen der Märzaufstand 1919 unter dem Einfluß der Oktoberrevolution den Höhepunkt darstellte. Von der Mandschurei aus operierten Partisanenarmeen unter Führung des jungen Kim Ir Sen gegen die Japaner. Aber erst mit Hilfe der Roten Armee gelang 1945 die Befreiung.

Der feindliche Überfall der USA auf Korea

KoreakriegEiner sich machtvoll bahnbrechenden demokratischen Entwicklung in ganz Korea stellten sich die reaktionären, proimperialistischen Kräfte entgegen. Sie erfreuten sich dabei der aktiven Unterstützung durch die USA, die 30 Tage nach der Kapitulation Japans in Südkorea landeten und entsprechend einer Vereinbarung mit der UdSSR das Gebiet südlich des 38. Breitengrades zwecks Entwaffnung des japanischen Heeres besetzten. Während im Norden des Landes die Volksmacht errichtet und demokratische Reformen durchgeführt wurden, verhinderte die amerikanische Besatzungsmacht eine gleiche Entwicklung im südlichen Teil, den sie vielmehr zu einem Stützpunkt der USA ausbaute.

Gründung der Koreanischen Volksdemokratischen Republik

Als Antwort auf die Bildung eines südkoreanischen Separatstaates im Jahre 1948 gründeten die fortschrittlichen Kräfte unter Führung der Partei der Arbeit im Ergebnis gesamtkoreanischer Wahlen die Koreanische Volksdemokratische Republik, die trotz der Verheerungen durch den amerikanischen Aggressionskrieg zielstrebig die Grundlagen des Sozialismus errichtete. Dieser aufblühende Staat des Volkes strahlt immer stärker auf den Süden des Landes aus, denn dort herrscht wirtschaftliche Stagnation, bestimmen riesiger Großgrundbesitz und abnorme Pachtbedingungen für die verarmten, hungernden Bauern, Millionen Arbeitslose, Mangel an Schulen und ein blutiger Terror gegen die Volksbefreiungsbewegung das Bild.

Wohnviertel.jpg

Quelle:
Urania-Universum, Band 15, Urania-Verlag Leipzig-Jena-Berlin, 1969, S.427-436 


Ein Nachtrag

Ein ehemaliger Leser dieses Blog hatte eine Ansichtskarte aus der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) erhalten und schrieb dazu folgende Zeilen:

„Nord Korea ist ein totalitärer Staat. Nord Korea verletzt Menschenrechte, unterdrückt seine Staatsbürger. Nur einer kleinen Oberschicht geht es sehr gut, der Rest der Bevölkerung lebt in Armut. Der Sozialisum ist eine Ideologie welche die natürliche Handlungsweisen von Menschen unterbindet, und das meist mit Macht. Deshalb zäunen sich Sozialistische Staaten meisten ab. Nicht um zu verhindern damit Menschen reinkommen, sondern damit Menschen diesen nicht verlassen. Denn wenn man ihnen die Wahl lassen würde, würden sie das tun. Derzeit gibt es noch drei Staaten mit einem Sozialistischen System: Nord Korea, Kuba und Venezuela. In allen dreien ist der Lebensstandard weit hinter ihren Nachbarländern. Ich kann keine Erfolge sehen oder habe eine andere Definition davon. Erfolge wären für mich Menschen Freiheiten zuzugestehen damit diese frei handeln können und dadurch Wohlstand und Lebensstandard zu erhöhen.“

Was für ein bornierter Kleingeist spricht doch aus diesen Worten!

(abgesehen von den Rechtschreibfehlern, dafür hätten wir in der DDR glatt eine Vier bekommen!)

Siehe auch:
Leben in der KVDR
Warum braucht Nordkorea Atomwaffen?

Dieser Beitrag wurde unter Demokratie, Geschichte, Internationale Solidarität, Sozialistische Wirklichkeit, Was ist Sozialismus? veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Dr. Inge Hartsch: Korea – Land der Morgenfrische (Eine Reportage)

  1. Keiner behauptet, das die DVRK ein Paradies für Menschen ist!!!
    Aber die WIRKLICHKEIT IST, dass dieser kleine Teil der Halbinsel Korea
    FÜR die dort lebenden MENSCHEN ein Paradies IST:
    Alles, was zum Leben in WÜRDE notwendig ist, wird dort ALLEN Menschen gewährt“!!!

  2. Pingback: Korea – Land der Morgenfrische (eine Reportage) – – Sascha Iwanows Welt –

  3. Sascha Iwanow schreibt:

    Mensch Sascha, ein herrlicher Artikel.
    Er ruft viele Erinnerungen wieder wach. So erinnere ich mich an einen Lichtbilder-Vortrag einem Arbeitskollegen, der im Rahmen einer Freundschaftsreise in den späten 70ziger Jahre, die DVRK besucht hatte.
    Er zeigte uns herrliche Bilder und erzählte uns über die gewaltigen Anstrengungen der Menschen, die, nach dem verbrecherischen Krieg der USA, ihr Land wieder aufzubauen. Damals hatte die DVRK noch die solidarische Unterstützung der UdSSR und der DDR.

    Und natürlich: Auf meinen Blog übernommen und kommentiert:
    – Sascha Iwanows Welt –
    https://saschasweltsicht.wordpress.com/

  4. Nadja Norden schreibt:

    Danke Genosse Norbert!
    Solidarität,
    Nadja

  5. ropri schreibt:

    Ich hatte mal, noch bei Robotron, Nord – Koreaner in einem Lehrgang. Die sahen alle gleich aus – gleiche Anzüge, Abzeichen mit Kim Il Sun. Oh, hat das gedauert, bis der Dolmetscher mal einen halben Satz übersetzt hatte… Anfangs haben sie mich nicht gegrüßt; war wohl nicht ihr Ding, daß da eine Frau vor ihnen stand. Dann hatte einer mit mir diskutiert, es ging um hexadezimale Rechnung. Er stellte fest, daß er sich geirrt und ich recht hatte. Am nächsten Morgen begrüßten sie mich alle mit einer tiefen Verbeugung. Da mußte ich schmunzeln.

  6. Joachim schreibt:

    Die USA und ihre Vasallen führen Sanktionen gegen sozialistische Staaten ein, finanzieren Proteste, Terroristen, Unruhen, Anschläge.

    USA sagt: „In sozialistischen Staaten geht alles schief. Es gibt eine unzufriedene Opposition und die Menschen hungern…Sozialismus funktioniert nicht.“

    Was für ne Logik.

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