„Knute, Säbel und Blei“ – Aus der Zeit der Revolution.

BlutzarNikolaus II., der letzte regierende Romanow, der »Blutzar«, wie ihn das Volk nannte, konnte in letzter Minute noch einmal seine »ruhmreiche« Herrscherzeit am armseligen Gehirn vorüberrasen lassen, ehe ihn das tötende Blei niederstreckte. »Gott und das Schicksale hatten ihn an die erste und höchste Stelle im Reiche gestellt. Als »Väterchen seiner Untertanen wandte er die barbarischsten Mittel zur Erziehung der Landeskinder an, mit Knuten- und Säbelhieben und todbringendem Blei nicht geizend, denn die »gottgewollte Ordnung« verlangte das so. Ob Gott und das Schicksal und die heilige Ordnung es wohl auch wollten, daß Menschen, die er wegen ihrer fortschrittlichen Gesinnung verfolgt und bis aufs Blut gepeinigt hatte, ihm ein Quäntchen Blei zurückerstatteten, das ihn auslöschte? Er war ja Fatalist – also mußte es das Schicksal so bestimmt haben! Der Absolutismus stand fest! Bis er morsch wurde, ins Wanken geriet und endgültig stürzte. Einen empfindlichen Stoß versetzte ihm die 1905er Revolution.

Unzählige Opfer des zaristischen Regimes

Lassen wir in den Hauptzügen ein Stück Geschichte sprechen, welch unzähliger Opfer an Blut und Leben es bedurfte, um nur einen kleinen Schritt vorwärts auf dem Wege zur Freiheit zu gelangen. Erst dann offenbart sich die ganze Größe des Geschehens von 1917, wenn wir das Zarenregime in seiner bis ins zwanzigste Jahrhundert hinein erhalten gebliebenen Barbarei erkennen. Schwer waren die Ketten der Unfreiheit, die das werktätige Volk am Vorwärtsschreiten hinderten. Doch getragen von der Überzeugung, daß einst der Tag kommen müsse, an dem die Morgenröte der Freiheit über den weiten Ebenen Rußlands leuchten werde, gingen die Kämpfer für eine bessere Zukunft der Menschheit an die Lösung ihrer historischen Aufgabe.

Der erste Ansturm gegen die absolute Selbstherrschaft erfolgte im Jahre 1905. Die Voraussetzungen dazu sollen hier nur kurz angedeutet werden:

Kapitalistische Entwicklung

Die letzten drei Jahrzehnte des neunzehnten Jahrhunderts können als Entwicklungsperiode des Kapitalismus in Rußland angesehen werden. Der Bau von Eisenbahnen bedingte die gleichzeitige Hebung der gesamten Industrie. Die Verbindung mit den Ausfuhrhäfen des Schwarzen Meeres und der Ostsee war jetzt geschaffen. Rußland spielte auf dem Weltmarkt eine gewichtige Rolle. Infolge des Zuflusses ausländischer Kapitalien wuchsen die industriellen Unternehmungen sehr rasch. Das Proletariat vermehrte sich durch den Zuzug verarmter Bauern nach den Industriezentren. Die Profite der Fabrikherren stiegen zusehends infolge der billigen Arbeitskräfte.

Stagnation der Warenproduktion

So schnell die industrielle Entwicklung vor sich gegangen war, verfiel sie zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts plötzlich in einen Stillstand. Die Aufnahmsfähigkeit des Inlandes konnte mit der Warenproduktion nicht Schritt halten. Die gänzliche Verarmung der Bauernwirtschaft als Folge des noch vorhandenen Feudalismus hemmte jede Weiterentwicklung und schlug die Produktivkräfte in Fesseln. Inzwischen war die politische Bewegung aller Schaffenden im Anwachsen. Das absolutistische Regime suchte nach einem Mittel, die Arbeitermassen in patriotischer Denkart zu erhalten und sie nicht zum Klassenbewußtsein kommen zu lassen. Die Subatowschen Arbeitervereine waren die Sammelbecken der Werktätigen. Ihr Begründer war der Chef der Geheimpolizei Subatow. Schon diese kurze Angabe dürfte genügen, um zu erkennen, was hier gespielt wurde. Diskussionen über politische Fragen waren ausgeschlossen. Zarentreue Professoren – im günstigsten Falle liberale Bürger – hielten Vorträge mit harmlosen Themen in den Subatowschen Arbeitervereinen. Die Zarenhymne vertrat die Stelle der Freiheitslieder.

Eine zerstreute Arbeiterklasse

Trotz aller Versuche des Absolutismus, das Gehirn der Massen zu verkleistern, gelang es der Sozialdemokratie doch hie und da, eine wenn auch nur geringe Aufklärungsarbeit zu verrichten. Es war ja damals äußerst schwer, ein offenes Wort mit den Arbeitern zu reden. Sibirien winkte. Das sozialdemokratische Minimalprogramm enthielt die Forderung des Achtstundentages. Die Berechtigung dieser Forderung leuchtete jedem Arbeiter ein. Doch der Entfaltung revolutionärer Kräfte stand ein von den Machthabern errichteter Damm entgegen in Gestalt der patriotischen und von Polizeispitzeln durchsetzten Arbeitervereine. Der russisch-japanische Krieg 1904 mit seinen Niederlagen trug nicht wenig dazu bei, die revolutionäre Stimmung der Arbeiter zu heben. Als die Situation gefährlich zu werden drohte, ersannen die Befürworter des Absolutismus einen teuflischen Plan, wie sie am wirksamsten und schnellsten Bresche in die vorwärtsstrebende Arbeiterbewegung schlagen könnten.

Der verräterische Pope Gapon

Der Pope Gapon [1] war das Werkzeug für diesen Plan des Massenmordes. Ein Spitzel der Polizei, von dieser mit reichlichen Mitteln unterstützt, hatte er großen Einfluß bei den Arbeitern Petersburgs gewonnen. Niemand durchschaute rechtzeitig diesen Heuchler, der seit 1903 seine Rolle mit Geschick spielte. Unter seiner Füh­rung entstand die »Fabrikarbeitervereinigung«, der zahlreiche Arbeiter angehörten. Diese Vereinigung unterschied sich in nichts von der Subatowschen Organisation.

Provokationen der Fabrikbesitzer

Um das Proletariat zu provozieren, entließ man in den Putilowwerken Ende Dezember 1904 plötzlich vier Arbeiter ohne zureichenden Grund. Versuche bei der Werksleitung zwecks Wiedereinstellung der Entlassenen blieben erfolglos. In den Arbeitervereinen darob Empörung. Die gesamte Arbeiterschaft beschloß, in den Streik zu treten. Gapon pflichtete ihnen bei und überredete sie, eine Petition an den Zaren zu richten, die neben der Forderung auf Wiedereinstellung der Entlassenen auch noch die weitergehende auf Erhöhung der Löhne und Einberufung der Konstituante [2] enthielt. Die Versammlungen der Arbeiter beschlossen einmütig, den »Kreuzgang« zum Zaren anzutreten.

Museum Alabina

Streik (Foto: Музей П.В. Алабина, Самара)

Der Streik hatte im Verlaufe weniger Tage breitere Formen angenommen. über hundertfünfzigtausend Arbeiter feierten. Die Buchdrucker Petersburgs erklärten sich solidarisch und verhinderten das Erscheinen der Zeitungen. Nur Flugblätter der Sozialdemokraten wurden an das Volk verteilt. Unterdessen bereitete man sich in der Umgebung des Zaren auf die Antwort vor, die man den Arbeitern auf ihre »unverschämten« Forderungen zu geben gedachte. Schon lange sehnte man die Gelegenheit herbei, ein Massaker veranstalten zu können. Jetzt war der günstige Moment gekommen. Großfürst Wladimir, ein Oheim des Zaren, erhielt unbeschränkte Vollmacht, mit den schärfsten Mitteln gegen die Rebellen vorzugehen.

Die Revolution 1905 wurde blutig niedergeschlagen. Wir überspringen hier einige Seiten der dramatischen Entwicklung zwischen 1905 und 1917 und setzen fort:

1907_1Was bis dahin die Vorkämpfer der Arbeiterbewegung durch unermüdliche Verkündung des Wortes vom Sozialismus als Endziel der Befreiung aller Schaffenden nicht vermocht hatten, der »blutige Sonntag« brachte es den Arbeitern und Bauern Rußlands eindrücklich zum Bewußtsein, wo sie ihr Heil zu suchen hatten. Alle Enttäuschungen und Niederlagen, alle Verfolgungen und Massaker, alle Leiden und Schrecken waren nicht imstande, die revolutionäre Idee zu ersticken. Die sich nun anschließenden Kämpfe zeigen, daß sich die Arbeiter immer mehr und mehr zu der Erkenntnis durchrangen: der Weg zum Sozialismus konnte nur über den Sturz des Absolutismus führen.

Verbannung, Knute, Säbel und Blei

Es war ein dornen­reicher Weg, der vor den Arbeitern Rußlands lag. Die Kerker wurden in der Folgezeit überfüllt, Verbannungen nach Sibirien erfolgten in ungeheurer Zahl, jede Versammlung wurde bespitzelt, Demonstrationen mit Säbelhieben und Kugelregen auseinandergetrieben, Todesurteile vom Feldgericht massenhaft vollstreckt. Allein in der Periode der Reaktion 1907/1910 wurden 5.086 Todesurteile gegen Arbeiter gefällt. Der »Sozialdemokrat« schreibt: »Ihre volle Bedeutung erlangt diese Zahl erst, wenn man sich vergegenwärtigt, daß in diese Berechnung die zahllosen Blut­opfer des Jahres der Strafexpeditionen (1905) und des Jahres der Feldgerichte (1906) nicht mit einbegriffen sind. Die 3.000 Leichen, die den Terror der großen französischen Revolution mit einem solchen Nimbus des Schreckens umgaben, sind von dem Terror der zaristisch-junkerlichen Konterrevolution längst überholt.«

Und noch einmal überspringen wir einige Seiten und setzen fort:

Zwei Welten bereiten sich vor auf den Kampf bis zur Entscheidung: Sein oder Nichtsein! Diesseits am Ufer die eine Welt – alt, morsch; fluchbeladen –, verkörpert im gegenüberliegenden prächtigen Zarenpalast,in dem Generationen hindurch die gottbegnadeten Häupter des Riesenreiches, die Romanows, saßen und über Millionen von Untertanen herrschten, getreu den Überlieferungen ihrer Vorfahren das Volk peinigend, unterdrückend, marternd, tötend. Und ihre treuen Vasallen und Stützen, der Adel, die Militärs, die gleisnerischen Popen, das ganze Geschmeiß der Schranzen und Speichellecker, die Parasiten der menschlichen Gesellschaft zehrten am Marke des armen, geduldigen, ausgebeuteten Volkes, schlemmten und praßten, wo Millionen hungerten, erhoben für sich, nur ganz für sich allein den Anspruch auf Wohlleben, Bildung, Rang und Besitz der  irdischen Güter, ließen die Geknechteten und Entrechteten hohnlächelnd im Morast ersticken, schickten sie in die Verbannung, in Verzweiflung und Tod. Die Verteidiger der faulenden Reste und Trümmer dieser alten Welt, der Welt, die dem Untergange geweiht ist, sitzen bereits acht Monate in ebendemselben Palast, regieren nach einem sogenannten »demokratischen System, pressen das Volk erneut in den unglückseligen Völkermord des Weltkrieges, versprechen den Hungernden Glück und Zufriedenheit, den Satten Reichtum und Ehre. Sie fühlen, daß ihre Uhr abgelaufen, und sammeln ihre letzten Kräfte zur Abwehr, denn die auf sie herabsausende Faust der Rächer für alle Unterdrückung und Entrechtung wird sie zermalmen!

15Und weit drüben am andern Ufer der Newa, dort, wo die Mauern der alten Zitadelle ihre Schatten auf die rauschenden Fluten werfen, lauern die Apostel einer neuen Welt auf die Stunde der Vergeltung. Das große Ereignis des kommenden Tages liegt noch im Dunkel. Die Erregung, der Tumult der vorangegangenen Stunden lassen den Bürger ahnen, daß etwas Gewaltiges, Rätselhaftes, etwas Unfaßbares, Neues kommen wird. …

Die gesamte internationale Welt der Ausgebeuteten wünscht von ganzem Herzen den unblutigen Verlauf der Umwälzung, doch zeigt es sich, daß der Gegner im Bestreben der Aufrechterhaltung der alten, ungerechten Weltordnung die schärfsten, blutigsten, unmenschlichsten Mittel und Methoden anwendet. Soll sich da die nach Freiheit, Gleichheit und Recht strebende Klasse der Unterdrückten in ihrem berechtigten Kampfe vom Gegner widerstandslos abschlachten lassen?

Der Kampf zweier Welten hatte in Rußland 1905 begonnen. Das erste Gefecht im Kampf um Freiheit und Recht endete mit der Niederlage der Bedrückten. Der Weltkrieg mit seinen Schrecknissen brachte allen Schaffenden eindringlich zum Bewußtsein, daß sie als Werkzeug für die Raubgelüste der Imperialisten dienten. Mit vereinten Kräften wurden die jahrhundertealten Abgötter der Menschheit, die »gottbegnadeten« Herrscher über Land und Volk, beseitigt und so der Weg freigemacht für den weiteren Aufstieg der Geknechteten. Die Arbeiter Rußlands blieben nicht auf halbem Wege stehen, besonders als sie fühlten, daß von den »demokratischen~ Volksbeglückern statt der alten, rostigen, schweren Ketten nunmehr neue, blinkende Fesseln um ihre Glieder gelegt werden sollten. Sie wehrten sich mit vollem Rechte gegen jede weitere Knebelung und eröffneten den Ent­scheidungskampf, der nur mit dem Sieg oder Untergang der Revolution enden konnte. Das fürchterlichste Ringen, das die Weltgeschichte kennt, nahm seinen Anfang.
Die Stunde des Gerichtes war gekommen ….

Fortsetzung →

Quelle:
W.H. Braun: Unter Zarenherrschaft und Sowjetstern. Verlag Rudolf Köstenberger, Graz, 1930, S.84-150 (gekürzt u. mit Zwischenüberschriften versehen, N.G.)

[I] Wegen seiner verräterischen Beziehungen zur Polizei wurde Gapon am 28. März 1906 in Oserki b. Petersburg von den Sozialrevolutionären ermordet.
[2] Konstituante = Versammlung von Volksvertretern, die die Aufgabe hat, eine neue Verfassung auszuarbeiten.
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5 Antworten zu „Knute, Säbel und Blei“ – Aus der Zeit der Revolution.

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  2. In der “westlichen Welt“

    wird der Massenmörder Nikolaus II.und seine gesamte Sippschaft = Klerus und Adel von der Religion der Kirche als Heiliger und die Tötung = Hinrichtung dieses Verbrechers — der “selbstverständlich im Käfig voller Narren nie Herrscher war“ — als Mord verbreitet!

    Aber, ob dieser wahnsinnig GEHALTENE Mensch SELBER ein Verbrechen begangen hat oder nicht:

    ***Als ‚angeblicher‘ Herrscher hatte er die tatsächliche Macht und Gewalt inne, dem Morden, der Sklaverei und der Ungerechtigkeit an seinen eigenen Untertanen ein Ende zu bereiten!!! … aber in einer religiösen Welt GEFANGEN, hat dieser Idiot, sich Selber nie befreit — wie es ihm das Evangelium BEFIEHLT!!! — … und ein Verbrechen und jeden Mord an Menschen GENAUSO unterschrieben – “damit das Recht gewahrt bleibt“ – wie es alle Präsidenten der USA auch weiterhin durch ihre eigene Unterschrift vollziehen [müssen!!!]***

    Sollten bei der Hinrichtung von Nikolaus II. TATSÄCHLICH auch seine Kinder getötet worden sein, muß dies als Mord gewertet werden! … Aber ich habe nun einmal keinen Glauben an irgendwelche Geschichten!!!

    Und dass die westliche Propaganda der Ermordung der Familie des Zaren NICHT wahr sein kann,

    BEWEIST schon die lebendige Existenz des aktuellen Russischen Ministerpräsidenten Dmitri Medwedew, der gemäß der biologischen Genetik (DNA-Abgleich) einer der Nachkommen der angeblich ermordeten Kinder des Zaren SEIN MUß!

  3. Weber schreibt:

    In der Berliner Zeitung vom 7. November 1952 stand folgendes unter der Überschrift:

    Die Zwingburg fiel im Sturm. Der Winterpalast von 1825 bis heute / Zum 35. Jahrestag der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution
    […..]

    Pope Gapon provoziert
    An der Spitze der revolutionären Bewegung stand ein zwar zahlenmäßig noch verhältnismäßig schwaches, aber kampfentschlossenes Industrieproletariat, geführt von einer Partei, die sich in schweren inneren und äußeren Kämpfen zu einem schlagkräftigen Kampfstab der Arbeiterklasse entwickelte.
     Die zaristische Regierung war natürlich bestrebt, die Arbeiter mit allen Mitteln von der Teilnahme am revolutionären Kampf abzuhalten. Die politische Geheimpolizei, die Ochrana schickte ihre Agenten in die Arbeiterklasse, um Zersetzungsarbeit zu leisten. In Petersburg war einer dieser Agenten der Pope Gapon. Er schlug den streikenden Arbeitern der Petersburger Putilow-Werke vor, daß sie eine Demonstration zum Winterpalast durchführen und dem Zaren eine Bittschrift überreichen sollten.

    Die Lehre des 9. Januar
    Trotz der Warnung der Bolschewiki, daß die Arbeiter ihre Freiheit nicht vom Zaren erbitten könnten, sondern erobern müßten, zogen an dem kalten Januarmorgen mehr als 140 000 Arbeiter auf die Straße. Mit Frauen und Kindern ordneten sie sich in lange Kolonnen, trugen sie Zaren- und Heiligenbilder mit und sangen Kirchenlieder. Die Bolschewiki befanden sich mit in den ersten Reihen, weil sie die Arbeiter nicht im Stich lassen wollten.

    Da die zaristische Regierung den ganzen Plan mit dem Popen Gapon abgesprochen hatte, konnte sie sich auf das Ereignis vorbereiten. In der ganzen Stadt hatte sie Truppen zusammengezogen, deren Kommandeure genaue Einsatzbefehle erhalten hatten, wo und wann sie auf die Demonstranten das Feuer eröffnen sollten. Es kam, wie es kommen mußte. Ohne vorherige Warnung wurde ein Schnellfeuer auf die friedliche Prozession eröffnet. Ein fürchterliches Gemetzel begann. Die ersten Reihen der Demonstranten wurden niedergemäht, die nachfolgenden versuchten sich zu retten, wurden aber zum großen Teil während der Flucht von Kugeln getroffen. Fürchterliche Schreie ertönten. Selbst Kinder, die aus Neugier auf die Bäume geklettert waren, um die Prozession zu beobachten, wurden als Zielscheibe benutzt.

    3.000 Tote und Verwundete forderte der Blutsonntag unter den unbewaffneten Arbeitern. Die Gewehrsalven hatten jedoch nicht nur Menschen, sondern auch den letzten Glauben an den Zaren getötet. Noch am gleichen Abend vernichteten die Arbeiter die Zarenbilder und begannen Barrikaden zu bauen. Lenin schrieb über die Ereignisse dieses Tages: „Das russische Proletariat wird diese Lehre nicht vergessen . . . Die Arbeiterklasse erhielt eine große Lehre im Bürgerkrieg, die revolutionäre Erziehung des Proletariats schritt an einem Tage soweit voran, wie sie in Monaten und Jahren grauen, unterdrückten Alltagslebens nicht hätte voranschreiten können. Bis zum letzten Sturm, dem siegreichen Sturm auf den Winterpalast, sollten allerdings noch weitere 12 Jahre vergehen.[….]
    Berliner Zeitung 7. November 1952

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