Warum benötigt die Arbeiterklasse eine wissenschaftliche Weltanschauung?

stabuWir leben in einer komplizierten Zeit. Auf der einen Seite möchten viele Menschen in unserem Land, daß alles so bleibt, wie es ist. Sie möchten arbeiten und Geld verdienen. Und sie möchten ihr Leben auskosten, so gut es nur eben geht. Auf der anderen Seite sehen wir aber auch:  So wie es ist, kann es nicht bleiben! Ausbeutung, Unterdrückung, Ungerechtigkeiten, Kriminalität und Verbrechen, Androhungen von Gewalt und Kriege prägen das nationale und das internationale Geschehen. Und das macht auch um keinen von uns einen Bogen. Wollen wir also den Inhalt der jetzigen Epoche, den Sinn der militärischen, politischen und ideologischen Auseinandersetzungen unserer Zeit verstehen, wollen wir die verschiedenen gesellschaftlichen Kräfte und ihre Ziele richtig beurteilen, dann benötigen wir eine zuverlässige weltanschauliche Orientierung. Diese Orientierung gibt uns der Marxismus-Leninismus. Wollen wir unsere eigene Position als Menschen und als Staatsbürger bestimmen, dann können wir ohne dieses solide weltanschauliche Fundament nicht auskommen.

LENIN: »Die Menschen waren in der Politik stets die einfältigen Opfer von Betrug und Selbstbetrug, und sie werden es immer sein, solange sie nicht lernen, hinter allen möglichen moralischen, religiösen, politischen und sozialen Phrasen, Erklärungen und Versprechungen die Interessen dieser oder jener Klassen zu suchen.« /1/

Nun reden wir mal über die Zukunft…

Warum gehört dem Sozialismus die Zukunft, und worin bestehen seine Vorzüge? Weshalb ist der wissenschaftlich-technische Fortschritt die entscheidende Quelle des ökonomischen und des sozialen Fortschritts? Und warum sehen wir im Sozialismus die unverzichtbare Grundlage für den Frieden? Solche und viele andere Fragen stellen sich jedem denkenden Menschen, sofern er nicht ganz und gar ziellos und gleichgültig in den Tag hineinlebt und von der Politik nichts mehr wissen will. Von deren richtigem Verständnis hängt in bedeutendem Maße ab, welche persönliche Einstellung ein Mensch hat, welche Haltung er einnimmt und wie groß die gesellschaftliche Aktivität ist, die er entfaltet.

Über den Sinn unseres Lebens

Worin besteht der Sinn des Lebens, und wie kann ich selbst mein Leben im Einklang mit den gesellschaftlichen Bedingungen und Erfordernissen sinnvoll gestalten und zu einer reich entwickelten Persönlichkeit werden? Vor dieser großen Lebensfrage steht eigentlich jeder junge Mensch. Ob er es nun wahrhaben will oder nicht. Sie zu bewältigen erfordert als eine wesentliche Voraussetzung die Kenntnis der marxistisch-leninistischen Weltanschauung und die Fähigkeit, sie im eigenen Leben schöpferisch anzuwenden.

Wozu braucht der Mensch eine wissenschaftliche Weltanschauung?

Im geistigen Leben unserer Zeit finden wir eine verwirrende Vielfalt weltanschaulicher Standpunkte. Oberflächlich betrachtet, so scheinen sich zum Beispiel die zahlreichen bürgerlichen Weltanschauungen in vielerlei Hinsicht zu unterscheiden. Doch wenn wir sie genauer analysieren, finden wir, daß die Unterschiede meist nur zweit- und drittrangig sind, während es zugleich grundlegende Übereinstimmungen gibt. Das ist auch ganz erklärlich, denn letzten Endes ist jede Weltanschauung ein ideologischer Ausdruck der grundlegenden Interessen und Ziele einer bestimmten Klasse. Deshalb stehen sich in der Gegenwart – mal grob gesagt – vor allem die Weltanschauung der Arbeiterklasse und die der Bourgeoisie gegenüber.

a) Bourgeoisie: Die Weltanschauung der Bourgeoisie erscheint in einer großen Zahl philosophischer, ökonomischer, politischer, historischer, moralischer und anderer Anschauungen, deren gemeinsame Grundposition in der Verteidigung des Privateigentums an den Produktionsmitteln und der darauf beruhenden kapitalistischen Gesellschaft besteht.
b) Arbeiterklasse: Was unterscheidet nun die Weltanschauung der Arbeiterklasse grundsätzlich von allen Formen der bürgerlichen Weltanschauung? Um diese Frage zu klären, müssen wir uns der Entstehung der Arbeiterklasse, ihren materiellen Existenzbedingungen und ihren grundlegenden Interessen zuwenden.

Die Spaltung der Gesellschaft in Klassen

Wie wir aus der Geschichte wissen, entstand die Arbeiterklasse auf der Grundlage der modernen kapitalistischen Produktionsweise. Im Schoß der Feudalgesellschaft entwickelten sich die industriellen Produktivkräfte, und aus der Manufaktur ging allmählich die maschinelle Großindustrie hervor. Damit entstanden zugleich die beiden Grundklassen der kapitalistischen Gesellschaft: die Bourgeoisie und das Proletariat.

 »Die aus dem Untergang der feudalen Gesellschaft hervorgegangene moderne bürgerliche Gesellschaft hat die Klassengegensätze nicht aufgehoben. Sie hat nur neue Klassen, neue Bedingungen der Unterdrückung, neue Gestaltungen des Kampfes an die Stelle der alten gesetzt. Unsere Epoche, die Epoche der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch aus, daß sie die Klassengegensätze vereinfacht hat. Die ganze Gesellschaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche Lager, in zwei große, einander direkt gegenüberstehende Klassen: Bourgeoisie und Proletariat.«/2/

Beide Klassen beruhen auf der kapitalistischen Produktionsweise und entwickeln sich mit ihr. Aber ihre materiellen Existenzbedingungen und ihre Klasseninteressen sind nicht gleich, sondern stehen in striktem Gegensatz zueinander.

Bourgeoisie und Proletariat

Die Bourgeoisie, die Klasse der Kapitalisten, ist Besitzer der Produktionsmittel. Ihr Klasseninteresse besteht vor ollem darin, das Kapitol durch den Kauf und die Ausbeutung der Arbeitskraft der Arbeiterklasse zu vermehren, durch die Ausbeutung der Arbeiter hohe Profite zu erzielen und zugleich die gesellschaftlichen Verhältnisse zu sichern, die das ermöglichen. Das Proletariat dagegen besitzt keine Produktionsmittel, sondern nur seine Arbeitskraft. Diese muß es als Ware an die Kapitalisten verkaufen, das heißt, es muß sich der kapitalistischen Ausbeutung unterwerfen, um existieren zu können.

»In demselben Maße, worin sich die Bourgeoisie, d.h. das Kapital, entwickelt, in demselben Maße entwickelt sich das Proletariat, die Klasse der modernen Arbeiter, die nur so lange leben, als sie Arbeit finden, und die nur so lange Arbeit finden, als ihre Arbeit das Kapital vermehrt.« /3/

Gegensätzliche Interessen

Aus diesen diametralen materiellen Existenzbedingungen von Bourgeoisie und Proletariat erwachsen völlig entgegengesetzte Interessen und Bestrebungen, die notwendigerweise zum Klassenkampf zwischen ihnen führen. Besteht das grundlegende Interesse der Bourgeoisie darin, den Profit zu erhöhen und die gesellschaftlichen Bedingungen der Ausbeutung zu sichern, so hat das Proletariat objektiv das grundlegende Interesse, sich gegen die Ausbeutung zu wehren, seine Lebensbedingungen. zu verbessern und schließlich die Ausbeutung überhaupt abzuschaffen.

Die Bourgeoisie bemächtigt sich sofort ihrer Interessen….

Doch das Proletariat braucht eine bestimmte Zeit, um sich seiner eigenen Interessen bewußt zu werden, und es benötigt erst längere Erfahrungen im Klassenkampf, um zu lernen, auf welche Weise seine Interessen durchgesetzt werden können.

»Das Proletariat macht verschiedene Entwicklungsstufen durch. Sein Kampf gegen die Bourgeoisie beginnt mit seiner Existenz. Im Anfang kämpfen die einzelnen Arbeiter, dann die Arbeiter einer Fabrik, dann die Arbeiter eines Arbeitszweiges an einem Ort gegen den einzelnen Bourgeois, der sie direkt ausbeutet. Sie richten ihre Angriffe nicht nur gegen die bürgerlichen Produktionsverhältnisse, sie richten sie gegen die Produktionsinstrumente selbst; sie vernichten die fremden konkurrierenden Waren, sie zerschlagen die Maschinen, sie stecken die Fabriken in Brand, sie suchen die untergegangene Stellung des mittelalterlichen Arbeiters wiederzuerringen.« /4/

Die Gegensätze verschärfen sich – es beginnt ein Kampf…

streikDiese noch unreifen Formen des Klassenkampfes zeigen an, daß sich der antagonistische Klassengegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie enorm verschärft hat und bereits zur Lösung drängt. Die Arbeiterklasse lernte im Verlaufe dieses Kampfes aus den geschichtlichen Erfahrungen, daß sie sich zusammenschließen und zu einer politischen Bewegung organisieren muß. Der Klassenkampf des Proletariats war zunächst ein ökonomischer Kampf um die Verbesserung der Lebenslage. In dem Maße, wie er sich gegen die Herrschaft der kapitalistischen Ausbeuterklasse überhaupt, gegen die kapitalistische Gesellschaft direkt richtete, nahm er immer mehr politischen Charakter an.

Die soziale Frage

Doch auf welche Weise konnten die grundlegenden Klasseninteressen des Proletariats durchgesetzt werden? Wie konnten die Ausbeutung und Klassenunterdrückung beseitigt, wie die Not und das Elend der Werktätigen überwunden werden? Diese Frage gelangte immer mehr in den Mittelpunkt des Interesses. Die »soziale Frage« erregte die Gemüter, und verschiedene Theoretiker beschäftigten sich mit ihrer Lösung. Kleinbürgerliche Denker kritisierten die Auswirkungen der kapitalistischen Entwicklung; sie beklagten das Los der Arbeiterklasse und schlugen vor, wieder zu vorkapitalistischen Verhältnissen zurückzukehren.

Der kleinbürgerliche Sozialismus

Dieser kleinbürgerliche Sozialismus will »entweder die alten Produktions- und Verkehrsmittel wiederherstellen und mit ihnen die alten Eigentumsverhältnisse und die alte Gesellschaft, oder er will die modernen Produktions- und Verkehrsmittel in den Rahmen der alten Eigentumsverhältnisse, die von ihnen gesprengt wurden…, gewaltsam wieder einsperren. In beiden Fällen ist er reaktionär und utopisch zugleich«. /5/ Das Proletariat aber ist das Produkt der großen Industrie, es entwickelt sich und erstarkt mit ihren Fortschritten. Es ist eine revolutionäre Klasse, weil es eigentumslos ist. Daher kann es nicht zu überlebten Formen des Eigentums und der Produktion zurückkehren.

Der utopische Sozialismus

Mit dem sich entfaltenden Klassenkampf der Arbeiterklasse entstand auch der utopische Sozialismus. Seine Vertreter »sehen zwar den Gegensatz der Klassen wie die Wirksamkeit der auflösenden Elemente in der herrschenden Gesellschaft selbst. Aber sie erblicken auf der Seite des Proletariats keine geschichtliche Selbsttätigkeit, keine ihm eigentümliche politische Bewegung«. /6/ Deshalb entwerfen sie im Interesse der leidendsten Klasse, des Proletariats, Pläne für eine Verbesserung oder völlige Neugestaltung der Gesellschaft und appellieren an die Vernunft und die Einsicht der herrschenden Klassen. Ihre Hoffnung, daß die besitzenden Ausbeuterklassen freiwillig auf das Privateigentum an Produktionsmitteln und die Ausbeutung des Proletariats verzichten werden, erwies sich als naive Illusion.

Warum führen diese Irrwege nicht zum Ziel?

Alle diese reaktionär-utopischen oder kritisch-utopischen sozialistischen Lehren konnten dem Proletariat den Weg zu seiner Befreiung von kapitalistischer Ausbeutung nicht weisen. Dazu benötigt die Arbeiterklasse die wissenschaftliche Einsicht in ihre materiellen Existenzbedingungen und die sich daraus notwendig ergebenden Interessen. Das aber setzt die Erkenntnis der gesellschaftlichen Entwicklungsgesetze voraus, denn nur von diesem Fundament aus können die historische Rolle des Proletariats, die Ziele und der Weg seines Kampfes richtig bestimmt werden.

Die Arbeiterklasse benötigt klare Vorstellungen!

Mit anderen Worten: Die Arbeiterklasse benötigt als erste Klasse in der Geschichte der Menschheit eine wissenschaftliche Weltanschauung. Sie braucht ein ganzes System philosophischer, ökonomischer, politischer und historischer Erkenntnisse und Anschauungen, um eine klare Vorstellung von ihrer eigenen Stellung in der Gesellschaft, von ihren grundlegenden Interessen, von ihren Zielen und den Wegen zu deren Verwirklichung zu gewinnen. Diese wissenschaftliche Weltanschauung findet sie im Marxismus-Leninismus.

Eine wissenschaftliche Weltanschauung

Die wissenschaftlichen Kenntnisse erwachsen aber nicht spontan aus den Erfahrungen des Klassenkampfes, weil sie umfassende theoretische Erkenntnisse voraussetzen und die theoretische Verarbeitung der praktischen Erfahrungen erfordern. Die wissenschaftliche Weltanschauung der Arbeiterklasse konnte daher nur von Theoretikern geschaffen werden, die einerseits über eine umfassende wissenschaftliche Bildung verfügten und andererseits sich vorbehaltlos auf den Standpunkt des Proletariats stellten.

Diese Leistung vollbrachten Karl Marx und Friedrich Engels. Sie hatten sich das Wissen ihrer Zeit kritisch angeeignet, gingen konsequent und rücksichtslos in der Erforschung der objektiven Wahrheit vor und stellten sich als leidenschaftliche revolutionäre Kämpfer kühn an die Seite des Proletariats. Sie erkannten,

»daß die ökonomische Produktion und die aus ihr mit Notwendigkeit folgende gesellschaftliche Gliederung einer jeden Geschichtsepoche die Grundlage bildet für die politische und intellektuelle Geschichte dieser Epoche; daß demgemäß (seit Auflösung des uralten Gemeinbesitzes an Grund und Boden) die ganze Geschichte eine Geschichte von Klassenkämpfen gewesen ist, Kämpfen zwischen ausgebeuteten und ausbeutenden, beherrschten und herrschenden Klassen auf verschiedenen Stufen der gesellschaftlichen Entwicklung; daß dieser Kampf aber jetzt eine Stufe erreicht hat, wo die ausgebeutete und unterdrückte Klasse (das Proletariat) sich nicht mehr von der sie ausbeutenden und unterdrückenden Klasse (der Bourgeoisie) befreien kann, ohne zugleich die ganze Ge­sellschaft für immer von Ausbeutung, Unterdrückung und Klassenkämpfen zu befreien…« /7/

Damit begründeten sie die wissenschaftliche Weltanschauung der Arbeiterklasse, die später folgerichtig die Bezeichnung »Marxismus« erhielt.

Die historische Mission der Arbeiterklasse

Marx und Engels sahen in der Arbeiterklasse nicht nur eine ausgebeutete, unterdrückte und leidende Klasse wie andere Theoretiker. Sie erkannten in ihr vor allem die kämpfende revolutionäre Klasse, die mit der Großindustrie weiter wächst, im Klassenkampf Erfahrungen sammelt und Selbstbewußtsein gewinnt. Sie erblickten in der Arbeiterklasse die große soziale und politische Kraft, die von ihren materiellen Existenzbedingungen und grundlegenden Interessen her dazu berufen ist, die kapitalistische Ausbeutungsgesellschaft zu beseitigen und die von Ausbeutung freie sozialistische und später die klassenlose kommunistische Gesellschaft zu errichten.

»Wenn das Proletariat im Kampfe gegen die Bourgeoisie sich notwendig zur Klasse vereint„durch eine Revolution sich zur herrschenden Klasse macht und als herrschende Klasse gewaltsam die alten Produktionsverhältnisse aufhebt, so hebt es mit diesen Produktionsverhältnissen die Existenzbedingungen des Klassengegensatzes, die Klas­sen überhaupt, und damit seine eigene Herrschaft als Klasse auf. An die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Klassen und Klassengegensätzen tritt eine Assoziation, worin die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller ist.«/8/

Die wissenschaftliche Begründung

Marx und Engels begründeten diese historische Mission der Arbeiterklasse allseitig, philosophisch, ökonomisch, politisch, historisch, und dies bildet den Hauptinhalt der wissenschaftlichen Weltanschauung des Marxis­mus. Marx und Engels sahen ihre gesamte theoretische Arbeit zur Ausarbeitung der wissenschaftlichen Weltanschauung als notwendigen Bestandteil des Klassenkampfes des Proletariats an. Ihr Hauptanliegen bestand stets darin, dem Proletariat die wissenschaftliche Einsicht in das Ziel und den Weg seines Befreiungskampfes zu vermitteln, um es zu befähigen, seine historische Mission zu erfüllen.


Kontrollfragen:

  1. Weshalb wurde die Ausarbeitung der wissenschoftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse notwendig?
  2. Worin besteht die historische Mission des Proletariats, und welche objektiven und subjektiven Bedingungen befähigen es zu ihrer Verwirklichung?
/1/ W.I. Lenin: Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus. In: Werke Bd.19, S.8.
/2/ Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei. In: Marx/Engels Werke (im folgenden MEW), Bd.4, S.463.
/3/ ebd. S.468.
/4/ ebd. S.470.
/5/ ebd. S.485.
/6/ ebd. S.490.
/7/ Friedrich Engels: Vorwort [zur deutschen Ausgabe von 1883]. In: MEW, Bd.4, S.577.
/8/ Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei. In: MEW, Bd.4, S.482.
/9/ W.I. Lenin: Die historischen Schicksale der Lehre von Karl Marx. In: Werke, Bd.18, S.576.

Quelle:
Hahn/Kosing/Rupprecht: Staatsbürgerkunde. Einführung in die marxistisch-leninistische Philosophie. Lehrbuch für die Abiturstufe und für Lehrlinge mit Abschluß Klasse 10. Dietz Verlag Berlin, 1983, S.8-14. (inhaltlich bearbeitet und aktualisiert, N.G.)

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8 Antworten zu Warum benötigt die Arbeiterklasse eine wissenschaftliche Weltanschauung?

  1. ropri schreibt:

    Seien wir Realisten, Sascha: Wir hatten in der DDR hoch qualifizierte Kommunisten in Schlüsselpositionen, die allesamt den wissenschaftlichen Kommunismus auch anzuwenden wußten. Doch was nützt eine Anwendung im stillen Kämmerlein, während man sich in der Öffentlichkeit einen Maulkorb umhängt, weil man keinen Mut hat, Mängel beim Namen zu nennen? Kommunistisches Verhalten ist, wenn man seiner Verantwortung als Kommunist nachkommt und öffentlich ausspricht, was ausgesprochen werden muß, unabhängig davon, ob es einem Unannehmlichkeiten bereiten würde.

    Wer sich wider besseres Wissen in Schweigen hüllt macht sich mitschuldig. Wenn das Kind erst in den Brunnen gefallen ist und man schreibt hinterher alles nieder, dann ist das Kind eh schon tot und kann nicht mehr gerettet werden.

    Ebenso kann ich nicht nachvollziehen, daß es heute eine gute Anzahl hoch qualifiziereteŕ ehemaliger Funktionäre und Regierungsmitglieder der DDR oder engagierte Menschen, die in ihr gelebt haben, gibt, die sich nur theoretischen Ergüssen hingeben, ohne jedoch praktisch tätig zu werden. Der wissenschaftliche Kommunismus ist das Werkzeug der Vorhut der Arbeiterklasse. Es nützt niemandem etwas, wenn es immer wieder niedergeschrieben wird. Damit lockt man keinen Menschen hervor. Das Herunterbeten dessen, was Marx, Engels, Lenin und Stalin einst ausarbeiteten ist keine Aktion, kein Handeln. – Es ist kontraproduktiv.

    Wer sich die wissenschaftliche Weltanschauung der Arbeiterklasse angeeignet hat sollte Verantwortung übernehmen und sich der Gegenwart widmen, anstelle sich bis zum Tod allein mit Vergangenem zu beschäftigen. Niemand derer, die so hoch gelobt werden ob ihrer theoretischen Ergüsse stellt sich den Tagesaufgaben. Nein, man könnte ja Schwierigkeiten mit diesem System bekommen. Wer wider besseres Wissen auf Handeln verzichtet auch der macht sich mitschuldig am Zerfall der Idee des Kommunismus.

    • sascha313 schreibt:

      Völlig richtig, ropri. Nur sind heute diejenigen, die in der DDR eine führende Stellung hatten, meist schon in einem Alter, wo man nicht mehr im aktiven Arbeitsprozeß steht. Und die Jüngeren haben davon keine Ahnung, haben nicht einmal Kenntnis von alledem, worüber wir hier reden.

      Es gab einmal (vor ein paar Jahren) den Versuch, eine Einigung unter den Kommunisten zu schaffen. Dieser Versuch ist kläglich gescheitert, weil keine Klarheit bestand, was zum Sturz des Sozialismus geführt hatte und was nun zu tun sei.

      In den Jahren nach 1917 war es die erste und vordringlichste Aufgabe, die Menschen vom Kommunismus zu überzeugen und zu begeistern – mit Wort und Tat. Und das gelang!

      • ropri schreibt:

        Ich schrieb: „Kommunistisches Verhalten ist, wenn man seiner Verantwortung als Kommunist nachkommt und öffentlich ausspricht, was ausgesprochen werden muß, unabhängig davon, ob es einem Unannehmlichkeiten bereiten würde.“ – Daran ist der Sozialismus zerstört worden: weil es Kommunisten in Positionen gab, die genau sahen was schief lief und schwiegen, wo sie hätten aufschreien müssen.
        Warum z.Bsp. mußte Lambertz sterben? Diese Dinge werden nie aufgearbeitet.

      • sascha313 schreibt:

        Ganz so einfach ist die Sache nun doch nicht, ropri! Warum mußte (!?) z.B. Prof Iljuchin sterben? Wo doch zuvor schon seine Tochter (eine talentierte Juristin) bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Beim Tod von Werner Lamberz, sind nunmehr aber alle Spekulationen müßig. Ob da nun der KGB seine Finger drin hatte oder die CIA, bleibt sich am Ende völlig gleich. Hier noch etwas von W.L. selbst: https://sascha313.wordpress.com/2014/09/16/werner-lamberz-uber-den-ideologischen-kampf/

        Aber nehmen wir mal ein aktuelles Beispiel: Da gibt es Genossen, die, weil sie keinen Ansprechpartner haben, „irgendetwas“ unternehmen, weil sie sich in der Verpflichtung sehen: als Kommunist darfst Du da nicht schweigen! Gut und schön – vielleicht wäre es aber besser, zunächst ein paar Verbindungen zu Gleichgesinnten aufzubauen und sich darüber abzusprechen, was aktuell am sinnvollsten ist. Leider gibt es heute kein ZK mehr, das solche Bewegungen und Aktionen koordiniert…

      • ropri schreibt:

        Danke für den Link zu Lambertz. Ich habe siene Wirtschaftsberichte stets sozusagen Verschlungen. Sein Tod hat mir viele Fragen aufgeworfen.

        Zu meinem Kommentar: in seinen Memoiren schrieb Kurt Gossweiler ja auch, daß er nicht über seine Bedenken reden konnte und nicht wußte, wem gegenüber er sich öffnen könne, daß er deshalb zu Hause alles niederschrieb. – Kurt war nicht irgendwer. In der DDR Verbindung mit Gleichgesinnen aufbauen? – Wozu gab es Parteiversammlungen und Parteiorgane, auf dennen man sich äußern konnte, nein mußte, wenn man Mißstände bemerkte?

  2. Pingback: Warum benötigt die Arbeiterklasse eine wissenschaftliche Weltanschauung? – Sascha Iwanows Blog

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