Wir befinden uns in einer Krise

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(Karikatur: Krokodil)

»Krise« gehörte bis zum Ende der 1980er Jahre zu den am meisten gebrauchten Wörtern in den Reden und Schriften bürgerlicher Politiker und Ideologen. Man sprach von der Wirtschafts- und Währungskrise, der Krise des Weltmarktes, der Energiekrise, der Bildungskrise, der Umweltkrise und der Krise der Kultur, der Moral, von der Krise der Städte, von der Krise der Menschheit usw. Die gleichen Leute, die viele Jahre lang erklärt hatten, sie wären jetzt in der Lage, Krisen zu beherrschen und zu verhindern, mußten damals »glaubhafte« Erklärungen für die tiefe Krise des Kapitalismus finden. Heute hat sich die Rhetorik geändert, nicht aber das Wesen der Sache selbst.

Nach wie vor stehen Krisen und unlösbare Probleme, ständig neue, kriegerische Auseinandersetzungen, Verbrechen, Lügen und Betrug auf der Tagesordnung sämtlicher kapitalistischen Länder. Nur – es wird nicht immer so benannt. Politiker und Medien tun geradewegs so, als sei dies die normalste Sache von der Welt. Daß es auch anders geht, wird verschwiegen. Kübel von Schmutz, Verleumdungen und Lügen werden heute immer noch über die DDR ausgeschüttet, in der es alles das nicht gab.

Täuschungsmanöver

Die bürgerlichen Ideologen kommen jedoch an den Krisenerscheinungen des gegenwärtigen Kapitalismus nicht vorbei. Sie sind ängstlich bemüht, das Wesen zu vertuschen, das hinter der Vielfalt der einzelnen Krisenerscheinungen versteckt liegt. Zu diesem Zweck erfinden sie zahlreiche neue Begriffe, die alle darauf hinauslaufen, den allgemeinen, alle Bereiche der kapitalistischen Gesellschaft erfassenden Charakter dieser Krisenprozesse zu leugnen beziehungsweise zu verschleiern.

Der Marxismus-Leninismus weist demgegenüber überzeugend nach, daß die vielfältigen Krisen in der Welt des Kapitals eine gemeinsame Ursache haben. Sie sind sowohl Merkmal als auch Erscheinungsform der allgemeinen Krise des Kapitalismus.

Das Wesen der allgemeinen Krise des Kapitalismus

Ist es überhaupt berechtigt, von einer allgemeinen Krise des Kapitalismus zu sprechen? Stellen nicht solche Erscheinungen des heutigen Kapitalismus wie die Leistungen in Wissenschaft und Technik, eine hohe Effektivität· vieler kapitalistischer Wirtschaftsunternehmen oder ein relativ hoher Lebensstandard bedeutender Teile der Arbeiterklasse in vielen entwickelten kapitalistischen Industrieländern die Richtigkeit einer solchen Aussage in Frage? Eine Antwort auf diese Fragen erhält man nur, wenn man nicht einzelne Momente und Seiten aus dem Bild des Kapitalismus herausgreift, sondern den Kapitalismus als Ganzes in seiner historischen Bewegung einzuschätzen imstande ist.

Lenin hatte recht!

Wir hatten in unseren Darlegungen schon darauf hingewiesen, daß Lenin aus dem monopolistischen Charakter des Imperialismus ableitete, daß Imperialismus zugleich sterbender Kapitalismus ist und im Ergebnis der ungleichmäßigen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung zuerst in einern Lande, in Rußland, zur erfolgreichen proletarischen Revolution, zur Großen Sozialistischen Oktoberrevolution 1917, führte. Damit begann der weltweite Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus. Das »Sterben« des Kapitalismus und der Übergang zum Sozialismus im Weltmaßstab ist folglich kein einmaliger, kurzer historischer Akt, sondern ein, langwieriger historischer Prozeß.

Diese geschichtliche Periode, in der das Sterben des Imperialismus bereits begonnen hat, in deren Verlauf er endgültig beseitigt werden wird, ist der entscheidende Ausdruck dafür, daß sich das kapitalistische System in einer allgemeinen Krise befindet.

Der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht…

Mit dem Sieg der Oktoberrevolution hatte das kapitalistische System bereits aufgehört, das einzige, allumfassende und alles beherrschende Gesellschaftssystem unserer Erde zu sein. Der Sozialismus hatte in der Praxis bewiesen, daß er in der Lage ist, die gesellschaftlichen Probleme der Gegenwart im lnteresse der Werktätigen zu lösen; er war zur entscheidenden Kraft im Ringen um Frieden und Sicherheit geworden auf unserem Planeten geworden. Wie Imperialismus und Aggressivität gesetzmäßig untrennbar verbunden sind, ist der Sozialismus ein Synonym für den Frieden. Gerade dadurch hatte der Sozialismus einen großen Einfluß auf die internationale Entwicklung. Er bewies praktisch,  daß ihm die Zukunft gehört.

Quelle:
Reinhold/Stiemerling: Politische Ökonomie, geschrieben für die Jugend. Dietz verlag Berlin, 1985, S,106/207 (bearbeitet, N.G.)

Siehe auch:
Die Illusion von der Überwindung der Krisen im Kapitalismus
Kurt Gossweiler: Die Krise – und wie weiter?

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7 Antworten zu Wir befinden uns in einer Krise

  1. Reinhard Unger schreibt:

    Wir befinden uns in keiner Krise (ich jedenfalls nur Systembedingt)- leider nur das Kapitalsystem mit seinem politischen Überbau.

    • sascha313 schreibt:

      Nein, Herr Unger, Sie befinden sich vielleicht gerade in keiner Krise, Ihre Auftragsbücher sind voll. Möglicherweise. Und die von vielen Unternehmern auch. Und auch Versicherungsvertreter befinden sich in keiner Krise, wenn sie nur genügend Schadensforderungen abwehren. Aber davon reden wir hier nicht…

    • Hanna Fleiss schreibt:

      Da muss dir was entgangen sein, Reinhard Unger. Die bundesdeutsche Wirtschaft stagniert derzeit, zwar auf einem hohen Stand, aber der Abwärtstrend deutet sich bereits an. Und wenn du das noch nicht bemerkt hast, hat das nichts zu sagen, Leute, die es wissen müssen, stellen das jedenfalls fest. Abwarten, Freund, dann geht auch dir ein Licht auf. Von den Krisen in der deutschen Politik auf allen Gebieten mal gar nicht zu reden. Noch nicht gewusst – der Kapitalismus trägt als Geburtsfehler die Krise auf allen Lebensgebieten in sich, besonders aber auf dem Gebiet von Wirtschaft und Politik. Merkel hat da einen Spruch: Aus der Krise wieder gestärkt hervorkommen. Dass die Spirale aber nach unten geht – wer gesteht sich das ein?

  2. Pingback: Wir befinden uns in einer Krise – Sascha Iwanows Blog

  3. Harry 56 schreibt:

    In was für einer Krise soll sich denn der Kapitalismus befinden? Wo sollen denn Zusammenbrüche oder gar Revolutionen zur Zeit stattfinden? Die Eliten, die Herrschenden, das Besitzbürgertum der kapitalistischen Länder hat die Besitzlosen unter weitestgehender Kontrolle. Die einen als brave Lohnknechte, die anderen als asoziale Lumpenproletarier (etwa „Antifas“, „Linke“ „Autonome“..) , andere als internationaler Auswurf sich auflösender, zersetzender Stammes- und Beduinenvölker als „Flüchtlinge“, verwirrte, aber auch hochkriminelle „Islamisten“…., alles unter totalster Kontrolle der staatlichen und auch überstaatlichen Systemschergen des Kapitalismus. Und wo bleiben die angeblichen Kommunisten? Es gibt sie einfach nicht, ausser in rötlich eingefärbten (Faschings)Kostümem als zumeist rein ideologische – daher auch höchst systemkonforme Schwätzer. Und, Freunde, in was für einer „Krise“ sollen sich nun die Eliten des Kapitalismus, die Bourgeoisien aller kapitalistischen Länder, befinden? Vielleicht mal wieder die Augen öffnen, Träumereien und Realitäten auseinanderhalten? Wie wäre es damit?

    • sascha313 schreibt:

      Kommt ganz drauf an, was man unter einer Krise versteht. Wenn man allerdings meint, es sei nun ein entscheidender Punkt, ein Wendepunkt, ein Höhepunkt … (einer Entwicklung) erreicht, dann trifft das freilich nicht uneingeschränkt zu. Schlimmer geht immer!

      Wenn aber selbst bürgerliche Politiker (wie H.W. Sinn) feststellen, die Marxsche Krisentheorie sei hochaktuell, so gibt es heute wohl kaum jemanden, der das ernsthaft zu bestreiten wagt. Die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus ist tatsächlich nicht zu übersehen: „Epidemie der Überproduktion“. Bis zu einer „Revolution“ ist es freilich noch ein weiter Weg…

      „Es genügt, die Handelskrisen zu nennen, welche in ihrer periodischen Wiederkehr immer drohender die Existenz der ganzen bürgerlichen Gesellschaft in Frage stellen. In den Handelskrisen wird ein großer Teil nicht nur der erzeugten Produkte, sondern der bereits geschaffenen Produktivkräfte regelmäßig vernichtet.“ (Manifest der KP)

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