Rubrik: Politische Bildung +++ Warum passiert das alles? Warum all diese Kriege? Warum unterstützen die Regierungen und Medien vermeintlich immer die Falschen?

ParentiIn seinem Buch „Der rationale Faschismus und die Überwindung des Kommunismus“ beschreibt der Autor Michael Parenti ein seltsames Phänomen: Immer mehr Menschen verstehen nicht mehr, was tatsächlich in unserer Gegenwart auf der Erde geschieht. In allen möglichen kritischen Internet-Blogs und in diversen Büchern werden die Geschehnisse mitunter zwar präzise beschrieben, doch der wahre Inhalt, das Wesen der Ereignisse, die wirkenden Kräfte und die historischen Gesetzmäßigkeiten bleiben weiter im Dunkeln. Verschwörungstheorien und politische Orakelei bestimmt die Feuilletons und Kommentarspalten der großen Zeitungen. Elementare Grundkenntnisse zur wissenschaftlichen Analyse historischer Prozesse sind so gut wie nicht vorhanden. Was nicht gewußt wird, wird kurzerhand neu erfunden. Je bizzarer eine Theorie, desto höher ist ihr Verkaufswert. Vom Marxismus-Leninismus haben die wenigsten überhaupt noch eine Ahnung. Und doch gibt es ohne ihn keine politische und historische Klarheit…

Dazu ein Ausschnitt aus dem Buch „Blackshirts and Reds: Rational Fascism and the Overthrow of Communism“ des amerikanischen Historikers und Politologen Michael Parenti, von 1997:

Lernen nach dem „WARUM?“ zu fragen

Wenn wir ohne Marx‘sche Perspektive denken, das heißt, ohne Klasseninteressen und Klassenmacht zu berücksichtigen, fragen wir selten, warum bestimmte Dinge passieren. Viele Dinge werden in den Nachrichten berichtet, aber nur wenige werden erklärt. Es wird wenig darüber gesprochen, wie die soziale Ordnung organisiert ist und wessen Interessen überwiegen. Ohne einen Rahmen, der erklärt, warum Dinge passieren, müssen wir die Welt so sehen wie Mainstream-Medienexperten: als einen Fluß von Ereignissen, eine Streuung von bestimmten Entwicklungen und Persönlichkeiten, die nicht mit einer größeren Menge sozialer Beziehungen zusammenhängen – angetrieben durch Zufälle und Umstände, verwirrte Absichten und individuelle Ambitionen, niemals von starken Klasseninteressen – und doch produzieren sie Effekte, die solchen Interessen mit beeindruckender Regelmäßigkeit dienen. So schaffen wir es nicht, soziale Probleme mit sozioökonomischen Kräften, die sie erschaffen, in Verbindung zu bringen und wir lernen, unser eigenes kritisches Denken zu stutzen.

Zusammenhänge verstehen

Stellen Sie sich vor, wir hätten etwas anderes versucht; beispielsweise, wenn wir versuchen zu erklären, daß Reichtum und Armut gemeinsam existieren, nicht als zufälliges Nebeneinander, sondern weil Reichtum Armut verursacht, als unvermeidliches Ergebnis der wirtschaftlichen Ausbeutung sowohl zu Hause als auch im Ausland. Wie könnte eine solche Analyse in den kapitaltalistischen Medien oder im Leben des politischen Mainstream präsentiert werden?

Zum Beispiel: Kinderarbeit

Nehmen wir an, wir begännen mit einer bestimmten Geschichte darüber, wie Kinderarbeit in Indonesien wird von multinationalen Konzernen auf fast-hunger Lohnniveau in Auftrag gegeben wird. Diese Information würde wahrscheinlich nicht in rechten Publikationen erscheinen, aber 1996 erschien sie – nach jahrzehntelangen Bemühungen einiger Aktivisten – in der zentristischen Mainstream-Presse. Was wäre, wenn wir dann eine Grenze überschreiten würden und sagten, daß diese ausbeuterischen Beziehungen zwischen „Arbeitgebern“ und „Arbeitnehmern“* durch die volle Macht der Indonesischen Militärregierung unterstützt wird. Wenige Medien würden diese Geschichte tragen, aber sie könnte immer noch auf einer Innenseite der New York Times oder der Washington Post erwähnt werden.

Zum Beispiel: Militärisches Eingreifen

Nehmen wir an, wir würden eine weitere Linie überschreiten und sagen, diese repressiven Vereinbarungen würden sich nicht durchsetzen, wenn nicht aus den Vereinigten Staaten großzügig militärische Hilfe geleistet würde und das mörderische indonesische Militär seit fast dreißig Jahren vom US National Security State finanziert, bewaffnet, beraten und ausgebildet würde. Eine solche Geschichte wäre in der liberalen Presse noch unwahrscheinlicher, aber sie ist immer noch themenspezifisch und gefahrlos ohne eine umfassende Klassenanalyse, und sie könnte durchaus ihren Weg in linksliberale Meinungsschriften wie The Nation und The Progressive finden.

Zum Beispiel: Ökonomische Ausbeutung

Nehmen wir nun an, wir wiesen darauf hin, daß die Bedingungen in Indonesien – die herzlose wirtschaftliche Ausbeutung, die brutale militärische Repression und die großzügige Unterstützung durch die USA – in zahlreichen anderen Ländern existieren. Nehmen wir an, wir hätten dann diese ernsteste Linie von allen gekreuzt und anstatt nur diese Tatsache zu bedauern, hätten wir auch gefragt warum sich aufeinanderfolgende US-Regierungen in so unappetitliche Bestrebungen auf der ganzen Welt einmischen.

Die USA und der sogenannte „freie Markt“

Und wenn wir dann versuchen würden zu erklären, daß das ganze Phänomen mit dem Engagement der USA übereinstimmt, die Welt für den freien Markt und die riesigen multinationalen Konzerne sicher zu machen, und daß die angestrebten Ziele (a) die Maximierung der Möglichkeiten zur Ansammlung von Wohlstand durch Drücken des Lohnniveaus der Arbeiter auf der ganzen Welt und Verhinderung dessen, daß sie sich für (den Schutz und die Durchsetzung) ihre eigenen Interessen organisieren, und (b) das globale System der Kapitalmarktakkumulation auf dem freien Markt zu schützen.

Wie ist das mit der „Gier“?

Dann, was ist, wenn wir aus all dem schließen würden, daß die amerikanische Außenpolitik weder schüchtern ist, wie die Konservativen sagen, noch töricht, wie die Liberalen sagen, sondern bemerkenswert erfolgreich darin ist, alle Regierungen und sozialen Bewegungen, die versuchen, mehr den Bedürfnissen der Allgemeinheit zu dienen als der Gier privater Unternehmen, zurückzudrängen.

Die marxistisch-leninistische Wahrheit

Eine solche Analyse, die hier in aller Eile skizziert wird, würde einige Anstrengungen erfordern, um eine marxistische Kritik – eine korrekte Kritik – des kapitalistischen Imperialismus zu erreichen. Obwohl Marxisten nicht die einzigen sind, die dazu kommen könnten, würde es fast nirgendwo außer in einer marxistischen Publikation veröffentlicht werden. Wir haben zu viele Linien überschritten. Weil wir versucht haben, die besondere Situation (Kinderarbeit) im Hinblick auf eine größere Menge sozialer Beziehungen (Klassenmacht der Unternehmen) zu erklären, würde unsere Präsentation als „ideologisch“ abgelehnt werden. Die perzeptiven Tabus, die von den dominierenden Mächten auferlegt werden, lehren die Menschen, nicht kritisch über solche Mächte nachzudenken. Im Gegensatz dazu bringt uns der Marxismus dazu, zu fragen, warum wir die Verbindung zwischen politischen Ereignissen und Klassenmacht sehen.

Übersetzung: Bürgerinitiative für Frieden in der Ukraine. (Danke für den Hinweis!)

*Anmerkung: Natürlich wissen wir, daß diese Begriffe falsch sind!
Siehe: Das Märchen vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

Siehe auch:
Warum sind wir für den Sozialismus?
Warum sind bürgerliche Weltverbesserer entweder Dummköpfe oder Scharlatane?
Sind die Amerikaner bessere Menschen?
Glauben oder Wissen? Über die Wahrheit oder Falschheit.

Dieser Beitrag wurde unter Arbeiterklasse, Kleines Lexikon, Marxismus-Leninismus, Wider den Antikommunismus! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Rubrik: Politische Bildung +++ Warum passiert das alles? Warum all diese Kriege? Warum unterstützen die Regierungen und Medien vermeintlich immer die Falschen?

  1. Pingback: Rubrik: Politische Bildung +++ Warum passiert das alles? Warum all diese Kriege? Warum unterstützen die Regierungen und Medien vermeintlich immer die Falschen? – Sascha Iwanows Blog

  2. gunst01 schreibt:

    All die häßlichen Dinge ereignen sich, weil die allermeisten Menschen einen ökologischen Fußabdruck von knapp 1500m2 und mehr haben. Dieser Mehrverbrauch fördert Ungleichgewichte und fordert unvermeidliche Opfer bei Opferbereiten.

  3. Vielen Dank für das Teilen!
    Zu diesem Buch gibt es auch einen Vortrag.

    Man muss beachten, dass Parenti seine Bücher und Vorträge für amerikanisches Publikum verfasst, für das oft schon eine Krankenversicherung gleichbedeutend mit Kommunismus ist. Er nutzt deshalb die Bezeichnungen „kommunistische Länder“, „sozialistische Länder“ usw. alternierend, um diesem Publikum, mit den aus ihren Medien gewohnten Bezeichnungen verständlich zu machen, wovon er redet.
    Leider gibt es keine deutschen Übersetzungen seiner Arbeiten – mir sind nur meine eigenen bekannt.
    Den ebenfalls empfehlenswerten Vortrag über die Zerstörung Jugoslawiens von 1999 gibt es mit russischen Untertiteln

  4. Erfurt schreibt:

    Krieg und Elend gibt es, weil Menschen die Bibel entweder nicht gelesen oder nicht verstanden haben. Nina Ruge, Journalistin und Moderatorin zum heutigen Allerheiligen.

    RTFM 😉

    • sascha313 schreibt:

      Deswegen sind ja heute Gottesdienste auch erlaubt… solche Menschen sind entweder gläubig, oder sie sind Gauner! (und gläubig zu sein, hat ja nichts mit Klugheit oder Intelligenz zu tun…)

  5. Atomino schreibt:

    Wie meinte schon olle Marx : Religion sei zwar Opium für das Volk, aber dennoch Privatsache. Während heuer der Glaube an den uns alle erlösenden Impfstoff ein kollektiver Imperativ der Nächstenliebe zu sein hat. Sind diese ganzen Zahlen vom RKI nicht auch eine Art Ersatzreligion ?

    Tuet Buße, bleibt alleine
    isoliert und distanziert
    im digitalisierten Gegreine
    dass nichtsmehr so wie vorher wird.
    Professor Drosten wird schon wissen
    was zu tun ist und wieviel
    um uns alle zu erlösen
    von des Virus bösem Spiel.

    Glory, glory, hallelujah

    • sascha313 schreibt:

      Die sollen erstmal die Dissertation von diesem Herrn Drosten finden, angeblich ein Wasserschaden in der Goethe-Universität, hahah ))) alle 30 Expl. unleserlich )))))

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s