Wer war Karl Marx?

Auch wenn es scheint, als dürfte nun endlich jeder halbwegs gebildete Mensch wissen, wer dieser bedeutendste deutsche Gelehrte war, wollen wir hier doch noch einmal zusammenfassend und in aller Kürze das Leben und Wirken von Karl Marx darlegen.

marx_monument

Karl-Marx-Monument des sowjetischen Bildhauers Lew Kerbel

Geboren am 5. Mai 1818 in Trier, war Marx gemeinsam mit Friedrich Engels der Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus (Marxismus), der Führer und Lehrer des Weltproletariats und der I. Internationale. Lenin und Stalin setzten die Lehren von Marx und Engels gewissenhaft fort und gründeten den ersten sozialistischen Staat der Weltgeschichte – die Sowjetunion.

Trotz aller Widerstände und Anfeindungen durch reaktionäre Kräfte der Gesellschaft konnte die Arbeiterklasse ihren Siegeszug auf einem Sechstel der Erde vollenden. Da nichts auf der Welt Bestand haben kann, was sich nicht zu verteidigen versteht, gelang es jedoch der Ausbeuterklasse, den Feinden des Menschheitsfortschritts, das Rad der Geschichte noch einmal zurückzudrehen und die Errungenschaften des Sozialismus gewaltsam zu beseitigen. Und es bewahrheitete sich, was Stalin bereits 1926 gesagt hatte:

stalin-reaktion

Quelle: J.W. Stalin, VII.erweitertes Plenum des EKKI, Werke, Bd.9, S.24.

Doch eines Tages wird der Sozialismus wieder siegen und die Lehren des Marxismus-Leninismus werden sich erneut bestätigen. Allerdings erst dann, wenn die Arbeiterklasse im Bündnis mit den werktätigen Bauern sich wieder ihrer historischen Mission bewußt wird und zu einer revolutionären Veränderung ihrer Lage bereit ist…


Karl Marx (1818-1883)

Karl Marx war am 5. Mai 1818 in Trier an der Mosel als Sohn eines Rechtsanwalts geboren worden. Er wuchs dort in einem vom Geist der französischen Aufklärung und des bürgerlichen Humanismus erfüllten Elternhause auf. Mit zwölf Jahren trat er in das Trierer Gymnasium ein; er war ein fleißiger Schüler und hatte eine leichte Auffassungsgabe. 1835 bestand er mit guten Leistungen die Reifeprüfung.

Prägende Verhältnisse

Trier war zu dieser Zeit der ärmste Regierungsbezirk der preußischen Rheinprovinz. Im Weinbau des Moseltals herrschte der Notstand, und auch in der Stadt, die Mitte der dreißiger Jahre 14.000 Einwohner zählte – neben Beamten und Kaufleuten vorwiegend Handwerker und Arbeiter –, war die Armut weit verbreitet. Diese Verhältnisse prägten sich dem jungen Marx, der selbst keine Not zu leiden brauchte, unauslöschbar ein. Schon in seinem Abiturientenaufsatz erklärte er, er sehe das Glück und die Berufung seines Lebens darin, der Menschheit zu dienen und die Wirklichkeit menschlich zu gestalten.

Studium in Bonn und Berlin

Im Herbst 1835 begann Marx sein Studium an der Universität zu Bonn, hörte juristische, literatur- und kulturgeschichtliche Vorlesungen und nahm lebhaften Anteil am turbulenten studentischen Leben. Nach einem Jahr wechselte er die Universität und setzte auf Wunsch des Vaters seine Studien in Berlin fort. In Berlin bewältigte Marx ein umfangreiches und vielseitiges Pensum. Eigentlich sollte er Jura studieren, doch zog es ihn mit Macht zur Philosophie. So betrieb er ein intensives und kritisches Studium der gesamten klassischen deutschen Philosophie und wurde, obwohl er sich zuerst dagegen wehrte, bald in den Bann der Hegelschen Ideen gezogen.

Hegelsche Dialektik

Er studierte „Hegel von Anfang bis Ende, samt den meisten seiner Schüler und wurde, nunmehr ein glühender Anhänger und Verfechter der Hegelschen Dialektik, Mitglied des junghegelianischen Doktorklubs. Obgleich einer der Jüngsten, war er bald der belebende Mittelpunkt dieses Kreises und wurde von allen hoch geschätzt, vor allem wegen seines Temperaments, seiner Willenskraft und seiner geistigen Überlegenheit.

Ein kühner und kritischer Denker

Marx war ein sensibler, doch durch und durch kämpferischer Mensch. In ihm verband sich die Tiefe eines leidenschaftlichen Gefühls mit einem starken Charakter. Er hatte eine zugleich lebensfrohe und philosophische Natur, war ein selbständiger, kühner und kritischer Denker und zeichnete sich durch sein unbedingtes Streben aus, sich das Wissen der Zeit anzueignen und es für den historischen Fortschritt nutzbar zu machen.

Dissertation in Jena

Im Frühjahr 1841 schloß Marx seine Studien mit einer Dissertation über das Thema „Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie“ ab. Zwar nahm er in dieser Arbeit noch einen idealistischen Standpunkt ein, doch war er kein blinder Anhänger Hegels mehr, noch teilte er alle Auffassungen seiner junghegelianischen Freunde, deren Subjektivismus er ablehnte. Er begann eigene Wege einzuschlagen und strebte danach, Philosophie und Leben, Denken und Tun zu einer Einheit zu verschmelzen, er forderte das Weltlich-Werden der Philosophte“.

Die Junghegelianer von Berlin

Da Marx im April 1841 Berlin verließ, lernte Engels ihn dort nicht mehr kennen. Aber als „schwarzer Kerl aus Trier“, als „markhaft Ungetüm“ war Marx im Kreis der Junghegelianer gegenwärtiger denn je:

„Er gehet, hüpfet nicht, er springet auf den Hacken
Und raset voller Wut, und gleich, als wollt‘ er packen
Das weite Himmelszelt und zu der Erde ziehn,
Streckt er die Arme sein weit in die Lüfte hin.
Geballt die böse Faust, so tobt er sonder Rasten,
Als wenn ihn bei dem Schopf zehntausend Teufel faßten…“

Gründung der „Rheinischen Zeitung“

Die Junghegelianer setzten auf Marx‘ öffentlichen Kampf gegen die feudalen Machthaber und deren Ideologie große Hoffnungen. Sie erwarteten, daß er „der mittelalterlichen Religion und Politik den letzten Stoß versetzen würde. Die Bonner Universität, an der sich Marx um eine Dozentur zu bewerben gedachte, befand sich daher „in einer wahren Todesangst“. Man glaubte, „Marx sei ein Emissär, der das letzte Gericht halten sollte?“. Deshalb durchkreuzte die preußische Reaktion Marx‘ Vorhaben, den feudalen Zuständen vom Katheder aus den Krieg zu erklären. Um so mehr drängte es Marx, unmittelbar in den politischen Kampf einzugreifen. Gelegenheit dazu fand er jn der „Rheinischen Zeitung“, an deren Gründung er sich maßgeblich beteiligte.

Marx als revolutionärer Demokrat

Mit seinen Artikeln in der „Rheinischen Zeitung“ trat Marx als revolutionärer Demokrat direkt in den politischen Kampf ein. Unter dem Einfluß der Schriften Ludwig Feuerbachs entwickelte er sich In dieser Zeit zum philosophischen Materialisten. Im Oktober 1842 wurde Marx Chefredakteur der „Rheinischen Zeitung“. Damit stand er in der vordersten Reihe der antifeudalen oppositionellen Bewegung und wurde als Repräsentant des linken Flügels ihr führender Kopf.

Marx als Anwalt der Besitzlosen

Das Leben verlangte von Marx täglich Parteinahme, und er nahm Partei: Die Philosophie setzte er um in Zeitungskorrespondenz, in ein Mittel zur „Aufklärung des Publikums“, zur „Erreichung äußerer Zwecke“, wie er es naunte. In dieser Zeit wandte sich Marx auch sozialen Problemen zu und erhob – sich seiner Jugenderlebnisse im Moseltal erinnernd – seine Stimme für „die arme. politisch und sozial besitzlose Menge?“. Er fühlte sich als ihr Anwalt, nahm Partei für das „Dasein der armen Klasse […], die in dem Kreis der bewußten Staatsgliederung noch keine angemessene Stelle gefunden“ hatte, und verteidigte die Interessen der Besitzlosen gegen die Besitzenden.

Die Todfeinde jeglicher Demokratie

Durch seine Worte fühlten sich die Regierungsbehörden empfindlich getroffen. Schon im Januar 1843 beschloß daher die Berliner Regierung, die „Rheinische Zeitung“ ab 31. März zu verbieten. Dem revolutionären Demokraten war in Deutschland damit jede Möglichkeit politischen Wirkens genommen. Bereichert um die Erkenntnis, daß die preußischen Junker Todfeinde der Demokratie und des gesellschaftlichen Fortschritts waren, beschloß Marx, nach Paris zu gehen.

Hochzeit mit Jenny von Westphalen und Emigration

Doch zuvor wollte er heiraten. Sieben Jahre hatte seine Braut, Jenny von Westphalen, die er schon von früher Jugend her kannte, trotz mancher Anfeindungen ihrer adligen Verwandten auf ihn gewartet. Im Juni 1843 fand die Hochzeit statt. Jenny war ihm fortan ebenso geliebte Frau und sorgende Mutter seiner Kinder wie eine treue Kampfgefährtin und kluge Ratgeberin. In den Monaten vor der Übersiedlung nach Paris widmete sich Marx umfangreichen historischen und philosophischen Studien: In kritischer Auseinandersetzung mit der Hegelschen Staats- und Rechtsphilosophie gelangte er zu der Erkenntnis, daß die Geschichte nicht von einem „Weltgeist“ bestimmt wird, sondern daß die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse eine entscheidende Rolle im Leben der Gesellschaft spielen.

Unüberbrückbare soziale Gegensätze

Im Oktober 1843 ging Marx mit seiner Frau nach Frankreich. Er wollte von dort aus den Kampf gegen die Reaktion in Deutschland fortsetzen. Zu diesem Zweck gründete er in Paris gemeinsam mit dem bürgerlichen Demokraten Arnold Ruge die „Deutsch-Französischen Jahrbücher“. Was für Engels Manchester war, bedeutete für Marx Paris. Wie dort Engels, so trat Marx hier die Welt des herrschenden Kapitalismus entgegen. Die französische Bourgeoisie hatte wie die englische über die Feudalgewalt triumphiert und ihre ökonomische Macht entfaltet. Nicht anders als in England waren in Frankreich dadurch die Widersprüche der bürgerlichen Gesellschaft offen zutage getretcn. Auch hier war der unüberbrückbare Gegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat bereits zum Inhalt der gesellschaftlichen Bewegung geworden.

Ausbeutung und erbitterte Klassenkämpfe

Das französische Proletariat wurde genauso schrankenlos ausgebeutet wie das englische. Aber ebenso wie die arbeitende Klasse in England hatte sich die französische nicht in ein dumpfes Schicksal ergeben, sondern begehrte auf. Die ersten proletarischen Aufstände – 1831 und 1834 in der französischen Textilmetropole Lyon – waren zwar im Blute erstickt worden, doch schlossen sich die französischen Arbeiter daraufhin in geheimen kommunistischen Organisationen zusammen und führten den Kampf gegen die Bourgeoisie erbitterter weiter als zuvor.

Das Wesen der gesellschaftlichen Entwicklung

Marx studierte diesen Prozeß von welthistorischer Bedeutung. Er knüpfte enge Beziehungen zu den Führern der französischen Arbeiterbewegung und zu den führenden Mitgliedern der Pariser Gemeinde des Bundes der Gerechten. Jedoch auch er trat in keine der bestehenden Vereinigungen ein, weil er die in ihnen vorherrschenden Auffassungen nicht teilte. Im Gegensatz zu Hegel und Feuerbach kam Marx durch seine Forschungen zu völlig neuen Resultaten über das Wesen der gesellschaftlichen Entwicklung.

Marx gelangte zu „dem Ergebnis, daß Rechtsverhältnisse wie Staatsformen weder aus sich selbst zu begreifen sind noch aus der sogenannten allgemeinen Entwicklung des menschlichen Geistes, sondern vielmehr in den materiellen Lebensverhältnissen wurzeln. deren Gesamtheit Hegel […] unter dem Namen „bürgerliche Gesellschaft“ zusammenfaßt, daß aber die Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft in der politischen Ökonomie zu suchen sei.

Der historische Materialismus

Ihren Niederschlag fanden Marx‘ Erkenntnisse in den „Deutsch-französischen Jahrbüchern“. Marx machte dort wie Engels, den er als Mitarbeiter für die Zeitschrift gewonnen hatte, seinen ersten Schritt zur Begründung des historischen Materialismus und der weltgeschichtlichen Rolle des Proletariats. Während aber Engels zu dieser genialen Erkenntnis vornehmlich im Prozeß der kritischen Analyse der bürgerlichen Ökonomie vorgedrungen war, hatte sie Marx vor allem durch eine kritische Revision der Hegelschen Philosophie gewonnen.

Privateigentum an Produktionsmitteln

„Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ – so betitelte Marx auch den Aufsatz, in dem er zum ersten Mal die welthistorische Mission der Arbeiterklasse charakterisierte. Marx hatte erkannt, daß die Arbeiterklasse, ausgerüstet mit der neuen materialistischen Betrachtungsweise, berufen und fähig ist, die bürgerliche Gesellschaft, den bürgerlichen Staat und seine ökonomische Grundlage, das Privateigentum, zu zerschlagen und dadurch die soziale Revolution zu verwirklichen und sich selbst zu befreien.

Das Proletariat – eine revolutionäre Klasse

Das Proletariat, erklärte Marx, sei die Kraft, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ Er war überzeugt von der revolutionären Schöpferkraft der Arbeiterklasse und vertraute darauf, daß das Proletariat die neue, materialistische Betrachtungsweise der Gesellschaft als die ihm gemäße annehmen und ihr entsprechend handeln würde: ,,Wie die Philosophie im Proletariat ihre materiellen, so findet das Proletariat in der Philosophie seine geistigen Waffen.“

Das theoretische System des Kommunismus

Fortan widmete Marx sich völlig der wissenschaftlichen Begründung der historischen Mission des Proletariats und der Ausarbeitung der materialistischen Geschichtsauffassung. Dazu vertiefte er sich in die bürgerliche Ökonomie, ein Studium, für das er durch Engels‘ Aufsatz „Umrisse zu einer Kritik der Nationalökonomie“ wertvolle Anregungen erhalten hatte. Zugleich betrieb Marx eingehende historische Untersuchungen über die Entwicklung der bürgerlichen Gesellschaft. Seine Erkenntnisse hielt er in den umfangreichen „ökonomisch-philosophischen Manuskripten“ fest. Dort versuchte Marx zum ersten Mal, das theoretische System und die Bestandteile des wissenschaftlichen Kommunismus zu skizzieren.

Grenzen der bürgerlichen Ökonomie

Gegen die bürgerliche Ökonomie sowie gegen die Hegelsche Philosophie polemisierend, befaßte er sich ausführlich mit der Rolle der Arbeit bei, der Entwicklung des Menschen und der menschlichen Gesellschaft. Marx wies in den „ökonomisch-philosophischen Manuskripten“ nach, daß die Entfremdung und Ausbeutung des Menschen in der Existenz des privatkapitalistischen Eigentums begründet liegen und erst mit der Beseitigung dieser Ursache durch den Sozialismus aufgehoben werden.

Freundschaftliche Kontakte zu aufrechten Patrioten

Ungeachtet seiner umfangreichen wissenschaftlichen Arbeit, unterhielt Marx weiterhin rege Beziehungen zur demokratischen Öffentlichkeit. Vor allem pflegte er freundschaftliche Kontakte mit vielen aufrechten deutschen Patrioten, die vor der feudalen Reaktion in Paris Zuflucht gefunden hatten. Dazu gehörte insbesondere Heinrich Heine, der oft bei der Familie Marx zu Gast war.

Der Aufstand der schlesischen Weber

Im Sommer 1844 unterbrach Marx die Niederschrift der „Ökonomisch-philosophischen Manuskripte“. Seine Aufmerksamkeit wurde völlig von den Ereignissen in Deutschland gefangengenommen. Hier hatten sich im Juni die schlesischen Weber zum Kampf gegen ihre kapitalistischen Ausbeuter erhoben. Leidenschaftlich verteidigte Marx im „Vorwärts!“ diese erste Klassenschlacht des deutschen Proletariats und würdigte die Arbeiterklasse als das „tätige Element“ der Befreiung Deutschlands.

Was ist die Triebkraft der Geschichte?

Um die historische Mission der Arbeiterklasse klar herauszustellen, sah sich Marx auch genötigt, öffentlich gegen die Gebrüder Bauer und ihre Anhänger aufzutreten. Diese Philosophen spielten sich voller Arroganz als eigentliche Hüter des Hegelianismus auf und trugen Verwirrung in die demokratische Bewegung Deutschlands. Sie verachteten die Volksmassen und erkannten allein den Intellektuellen geschichtsbildende Kraft zu. Dieser Auffassung mußte entgegengetreten und nachgewiesen werden, daß in erster Linie und zu jeder Zeit die werktätigen Massen durch ihre Arbeit und ihren politischen Kampf Triebkraft und Schöpfer der Geschichte waren.

Keine Utopien und sozialen Träumereien

Marx wollte sich mit den Gebrüdern Bauer und deren Anhang in einer Streitschrift auseinandersetzen und begann diese im Sommer 1844 auszuarbeiten. Im Gegensatz zu den Auffassungen der philo­sophischen Idealisten und utopischen Sozialisten seiner Zeit wies Marx in seiner Schrift nach, daß die Arbeiterklasse durch ihre ökonomische, soziale und politische Stellung in der kapitalistischen Gesellschaft dazu berufen ist, die Macht der Bourgeoisie zu brechen und den Sozialismus aufzubauen.

Die entscheidende Frage

Das Proletariat „kann und muß […] sich selbst befreien“, erklärte Marx. „Es kann sich aber nicht selbst befreien, ohne seine eigenen Lebensbedingungen aufzuheben. Es kann seine eigenen Lebensbedingungen nicht aufheben, ohne alle unmenschlichen Lebensbedingungen der heutigen Gesellschaft, die sich in seiner Situation zusammenfassen, aufzuheben. Es macht nicht vergebens die harte, aber stählende Schule der Arbeit durch. Es handelt sich nicht darum, was dieser oder jener Proletarier oder selbst das ganze Proletariat als Ziel sich einstweilen vorstellt. Es handelt sich darum, 1vas es ist und was es diesem Sein gemäß geschichtlich zu tun gezwungen sein wird. Sein Ziel und seine gesd1ichtliche Aktion ist in seiner eignen Lebenssituation wie in der ganzen Organisation der heutigen bürgerlichen Gesellschaft sinnfällig unwiderruflich vorgezeichnet.“

Erneute Begegnung mit Friedrich Engels

Marx hatte gerade mit der Niederschrift seines Manuskripts begonnen, als Ende August 1844 Friedrich Engels auf dem Wege von England nach Deutschland in Paris eintraf. Seit ihrer ersten Zusammenkunft in Köln waren fast zwei Jahre vergangen. An die Stelle der kühlen Zurückhaltung war nunmehr beiderseits eine herzliche Sympathie getreten, die sich vor allem aus einer Reihe grundlegender Gemeinsamkeiten im Denken und Handeln der beiden Männer ergab. Unabhängig voneinander hatten sie in den „Deutsch-Französischen Jahrbüchern“ begonnen, die bisherigen Auffassungen von der Gesellschaft einer kritischen Prüfung zu unterziehen und überholtes zu überwinden. Beide waren sie zu dem entscheidenden Resultat gelangt, daß die Arbeiterklasse die Zukunft der Menschheit verkörpere.

Marks_i_Engels

Памятник К.Марксу и Ф.Энгельсу – Denkmal in Frunse (Kirgistan – ehem.Sowjetunion)

Freunde und Kampfgefährten

Marx war hocherfreut über Engels‘ Ankunft. Zehn Tage blieb Engels in Paris. Marx machte ihn mit den Pariser Kampfgefährten bekannt, und gemeinsam besuchten sie Versammlungen und Zusammenkünfte der Arbeiter. Engels sah bestätigt, was er auch in seinem Verkehr mit den englischen Arbeitern erfahren hatte: Die Arbeiter waren Internationalisten und frei von „dem verderblichen Fluch der nationalen Beschränktheit und der nationalen Überheblichkeit.“ Engels fand, die französischen Arbeiter seien „feine Kerle“

Zusammenarbeit mit Engels

Marx und Engels kamen täglich zusammen, um über ihre wissenschaftlichen Arbeiten zu sprechen. Jeder von ihnen hatte die in den .. Deutsch-Französischen Jahrbüchern“ gewonnenen ersten Grundlagen und Elemente der neuen Anschauungsweise inzwischen weiter vertieft. In seine Forschungen auf den Gebieten der Philosophie, des Rechts und das Staates hatte Marx nun die politische Ökonomie einbezogen und die Analyse der ökonomischen Verhältnisse des Kapitalismus in den Mittelpunkt seiner Untersuchungen gerückt.

Die dialektische Methode

Engels hatte ihn durch seine Beiträge in den „Jahrbüchern“ hierin bestärkt. Zudem hatte Marx jetzt erste Schritte unternom­men, eine Lehre der sozialökonomischen Gesellschaftsformation auszuarbeiten. Außerdem war er darangegangen, sich auf der Grundlage seiner umfangreichen ökonomischen Studien mit der Kritik der Hegelschen Dialektik zu befassen. Er hatte begonnen, die materialistische, dialektische Methode zu entwickeln, die er dann seiner Kritik der bürgerlichen politischen Ökonomie zugrunde legte.

Nun traf er in Engels nicht nur einen gleichgesinnten Kampfgefährten, sondern beide vermochten sich auch als Wissenschaftler gegenseitig zu ergänzen und sich durch ihre Kenntnisse auf spezifischen Forschungsgebieten wechselseitig anzuregen und zu fördern. Mit großer Freude stellten sie fest, daß sie in allen theoretischen Fragen einer Meinung waren. …

Quelle:
Friedrich Engels. Eine Biographie. Dietz Verlag Berlin, 1984, S.87-95.

Beschämend für Jena und für die Friedrich-Schiller-Universität: Nach jahrzehntelangem Streit haben Antikommunisten und notorische DDR-Hasser sich durchgesetzt. Das klammheimlich nach der Konterrevolution 1990 beseitigte Denkmal für Karl Marx soll nun doch nicht wieder aufgestellt werden. Die Büste von Will Lammert, die am 7.5.1953 im Vorsaal der Friedrich-Schiller-Universität in Jena feierlich enthüllt worden war, sollte stattdessen verscherbelt werden. Außer ein paar dummen Sprüchen hat man für Karl Marx in Jena nicht viel übrig. Immerhin wurde Karl Marx 1841 an der Universität Jena promoviert. In einem Gutachten des Dekans der Philosophischen Fakultät, des Philosophieprofessors Karl Friedrich Bachmann (1784-1855), hieß es, der Kandidat sei „vorzüglich würdig“: die Arbeit zeuge „von eben so viel Geist und Scharfsinn als Belesenheit“. Das alles scheint in Jena abhanden gekommen zu sein.

Aus dem Lexikon A-Z:

Marx, Karl Heinrich, * 5.5.1818 Trier, † 14.3.1883 London, gemeinsam mit Friedr. Engels Begr. des wissenschaftl. Sozialismus (Marxismus), Führer u. Lehrer des Weltproletariats u. Organisator der I. Internat. Studierte Rechts-Wiss., Gesch. u. Philos. 1835/36 in Bonn, 1836/41 in Berlin; 1842/43 Red. der »Rhein. Ztg.«.  In dieser Zeit löste sich M. aus dem Kreise der Junghegelianer u. wandte sich dem Materialismus zu. Seit Ende Oktober 1843 weilte er in Paris, gab dort gemeinsam mit Arnold Ruge die »Dt.-Frz. Jahrbücher« heraus, in denen er schonungslos die kapitalist. Ges.ordnung kritisierte u. an die Massen, bes. an das Proletariat, appellierte. Sept. 1844 Zus.-treffen mit Fr. Engels; 1845 aus Paris ausgewiesen; 1845/48 in Brüssel, gemeinsame Arbeit mit Fr. Engels: »Die Heil. Familie od. Kritik der krit. Kritik«, »Die Dt. Ideologie« u.a. Auseinandersetzng mit W. Weitling u. bes. mit der Lehre P. J. Proudhons: »Das Elend d. Philos.«. 1847/48 verfaßten M. u. Engels im Auftrage des »Bundes der Kommunisten« das »Manifest der Kommun. Partei« (erschienen Febr. 1848). Während der Febr.-Revolut. 1848 aus Belg. ausgewiesen, nach Paris u. (nach der März-Revolut.) nach Dtschl. übergesiedelt; in Köln Chef-Red. der »Neuen Rhein. Ztg.« (1. 6. 1848 – 19. 5. 1849) und u.a. Vize-Präs. der Kölner dem. Ges.; Febr. 1849 verhaftet u. ausgewiesen; in Paris bis zur Juni-Demonstration, dann erneute Ausweisung u. Übersiedlung nach London, wo M. bis zu seinem Tode lebte. 1849 »Kritik der Polit. Ökonomie«; nach dem Staatsstreich in Frankr. (1851) Hrsg. des Werkes »Der 18. Brumaire des Louis Bonaparte«. Gründung der I. Internat. Arbeiterassoziation; 1867 erster Bd. von »Das Kapital«. Unter größten Entbehrungen unermüdl. innerhalb der internat. Arbeiterbewegugn tätig. Nach dem Fall der Pariser Kommune (1871): »Bürgerkrieg in Frkr. 1871«. 1875 »Kritik des Gothaer Programms«, in der M. u.a. die Idee der Diktatur des Proletariats zur revolut. Umgestaltung des Kapitalismus in den Sozialismus entwickelt. Nach dem Tode von M. gab Fr. Engels (aus dem lit. Nachlaß) 1885 den zweiten, 1894 den dritten Bd. des »Kapitals« heraus. »Marx war der Fortführer u. geniale Vollender der drei geistigen Hptströmungen des 19. Jh. in den drei fortgeschrittensten Ländern der Menschheit: der klass. dt. Philosophie, der klass. engl. polit. Ökonomie u. des frz. Sozialismus in Verbindung mit den frz. revolut. Lehren überhaupt.« (Lenin). Die Lehre von M. (s. Marxismus) wurde in der Epoche des Imperialismus weriterentwickelt von Lenin u. Stalin im Marxismus-Leninismus.
Quelle: Lexikon A-Z in einem Band, VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1953, S.634.

Siehe auch:
Karl Marx – der größte Sohn des deutschen Volkes

Dieser Beitrag wurde unter Arbeiterklasse, Geschichte, Karl Marx, Kommunisten veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Wer war Karl Marx?

  1. Pingback: Wer war Karl Marx? – – Sascha Iwanows Welt –

  2. Harry 56 schreibt:

    Einsichten Karl Marx und Friedrich Engels, mal aus einer anderen, neuzeitlicheren Perspektive: https://www.youtube.com/watch?v=LyKvWgO-nk4

  3. Rolf schreibt:

    Hier mal ein Link zur Standardaussage vom gesellschaftskonformen OTZ-Chefredakteur!

    http://www.otz.de/web/zgt/suche/detail/-/specific/Leitartikel-Marx-ist-nicht-gleich-Marx-861085993

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Rolf.
      Schon der erste Satz des Herrn Chefredakteurs („Wer nie unter kommunistischer Gewaltherrschaft gelitten hat…“) ist eine Verdrehung der Tatsachen und eine Verhöhnung von über 17 Millionen DDR-Bürgern, die ehrlich und fleißig in der DDR nach dem Krieg den Sozialismus aufgebaut haben. Es ist eine Verhöhnung der Opfer jeglicher imperialistischer Gewaltherrschaft – einer Gewalt nämlich und der Verbrechen des Imperialismus, deren sich die DDR von Anbeginn an zu erwehren hatte.

      Oder meint der Herr Chefredakteur etwa, die faschistischen deutschen Okkupanten seien durch Protestnoten, Demonstrationen oder Wahlveranstaltungen aus der Sowjetunion zu vertreiben gewesen? Meint er, die Überwindung des deutschen Faschismus hätte sich „gewaltfrei“ vollziehen lassen? Oder will er damit gar bestreiten, daß die Hauptkriegsverbrecher des 2.Weltkriegs völlig zurecht verurteilt wurden?

      Und komme er uns nun nicht mit den angeblichen „Millionen Opfern des Stalinismus“ – diese Zwecklügen von Solzhenizyn, Conquest, Roj Medwedjew u.Co. sind längst widerlegt!

      Nein. Die Macht des Proletariats richtete sich in erster Linie gegen seine Unterdrücker, gegen die Ausbeuterklasse, die Kulaken, die Oligarchen, gegen die führenden Nazis, die furchtbaren Juristen und dergleichen verbrecherisches Gesindel. Deren Macht und Gewalt nämlich hatte die unterdrückte Menschheit lang genug zu erdulden,

      Oder ist der Herr Chefredakteur gar der Meinung, daß es rechtens sei, wenn eine Handvoll superreicher Leute auf Kosten von Hunderten, ja sogar Tausenden arbeitender Menschen in Saus‘ und Braus‘ leben, wo Millionen darben und hungern. Völlig zurecht wurden die Unterdrücker und deren gefällige Handlanger im Sozialismus entmachtet und enteignet. Das war nach 1917 so – und nach 1945 in der DDR. Auch da war Gewalt nicht zu vermeiden.

      Zum anderen gibt es wohl niemanden auf der Welt, der einen Karl Marx (oder irgend einen anderen marxistisch-leninistischen Klassiker als „grandiosen, himmlischen Philosophen“ verherrlicht haben dürfte. Da ist wohl mit dem Herrn Chefredakteur die Phantasie etwas durchgegangen. Und es ist – was Marx betrifft – keineswegs eine Neuigkeit, wenn man zur damaligen Zeit bei Dissertationen die Anwesenheit der Doktoranden nicht für erforderlich hielt.

      Man erlasse es uns nun, die Erklärungen eines in philosophischen Fragen offenbar völlig unbedarften Zeitungsfritzen weiter zu zerlegen. Darauf kann man eigentlich nur mit Spott anworten: „Selbst wenn du eine Kuh mit Schokolade fütterst, wirst du nicht Kakao melken.“ (Lec)

  4. Pingback: Klaus Hesse: Zur Lage der Lohnabhängigen in Deutschland | Sascha's Welt

  5. Pingback: 25 Forderungen der „Gelben Westen“ | Sascha's Welt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s