Kleines Lexikon: Ist ein Pluralismus der Meinungen hilfreich, wenn es um die Wahrheit geht?

PluralismusUm es gleich vorweg zu nehmen: Nein! Pluralismus ist im Gegenteil geradezu kontraproduktiv. Sicherlich wird es in der Diskussion möglicher Varianten immer wieder unterschiedliche Meinungen sowie auch „ketzerische“ Ansichten geben (müssen); auch wird man sich mit gegensätzlichen Standpunkten auseinanderzusetzen haben. Doch wenn es um die Wahrheit geht, ist festzustellen, daß es nur eine Wahrheit geben kann. Die Frage ist nun: Was ist eigentlich Pluralismus?

(Es ist ja nicht so, daß wir bei dieser Frage Neuland betreten. Der marxistisch gebildete Mensch wird vielleicht sagen: Das ist alles längst bekannt! Doch davon können wir nicht ausgehen, denn die überwiegende Mehrzahl der Menschen wird nicht darüber nachdenken, wenn Begriffe in den bürgerlichen Massenmedien zur Täuschung falsch verwendet werden.)

Nehmen wir also das Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie:

Pluralismus: 1. idealistische Weltanschauungen, die – im Gegensatz zum → Monismus – nicht die Einheit der Welt, sondern ihre → Vielheit zur grundlegenden Bestimmung der Wirklichkeit erheben; 2. im weiteren Sinne eine bürgerliche politische und ideologische Konzeption, die sich gegen den Sozialismus und den → Marxismus-Leninismus richtet. Der philosophische Pluralismus leugnet die Einheit der Welt, ihren inneren Zusammenhang und das Wirken allgemeiner Gesetzmäßigkeiten.

Einige Spielarten des Pluralismus

Pluralistisch geprägte philosophische Richtungen sind z. B. der → Pragmatismus, der → Personalismus, der → Positivismus. Der Pluralismus in seinen verschiedenen. Erscheinungsformen. ist den unterschiedlichsten bürgerlichen philosophischen, politischen und ökonomischen Richtungen eigen. Er charakterisiert den Versuch imperialistischer Ideologen, die antagonistischen Widersprüche des staatsmonopolistischen Kapitalismus in das Kräftespiele verschiedenartiger Interessen umzudeuten. Er ist Ausdruck ihres Unvermögens, die objektiv wirkenden Gesetzmäßigkeiten der Gesellschaft richtig zu erkennen und die gesellschaftliche Entwicklung wissenschaftlich zu erfassen und zu erklären.

Pluralismus und Demokratie

Im Kampf gegen den materialistischen Monismus und die marxistisch-leninistische Gesellschaftstheorie fand die bürgerliche Pluralismuskonzeption vielfältige Verbreitung. Der politische Pluralismus – von Laski – auf die Staatstheorie angewandt – wird als theoretische Grundlage des bürgerlichen Begriffs der Demokratie eingeführt. In der Ideologie von der pluralistischen Gesellschaft wird die Pluralismuskonzeption genutzt, um die gegensätzlichen Klasseninteressen in der kapitalistischen Gesellschaft zu verschleiern und im bürgerlichen Sinne zu deuten. Damit wird der Pluralismus zugleich zur Alternative gegenüber der Diktatur Proletariats, der sozialistischen Demokratie erhoben.

Antikommunistische Theorien

Einen besonders ausgeprägten Charakter besitzt der Pluralismus in der Ideologie des Sozialreformismus → Reformismus. Hier ist der ausdrücklich programmatisch fixierte weltanschauliche Pluralismus – so im Werte-Pluralismus – eng mit dem politischen Pluralismus – so in der Konzeption des „demokratischen Sozialismus“ oder der „mündigen Gesellschaft“ – verbunden. Im gegenwärtigen → Revisionismus bildet die Pluralismuskonzeption in weltanschaulicher, politischer und ökonomischer Hinsicht ein konzeptionelles Zentrum der Verfälschung und Revision des Marxismus-Leninismus sowie des antikommunistischen Angriffs auf den Sozialismus. Die revisionistischen Auffassungen vom ideologischen, politischen und ökonomischen Pluralismus richten sich gegen die einheitliche Theorie des Marxismus-Leninismus, gegen die Einheit und Geschlossenheit der kommunistischen Weltbewegung, gegen die führende Rolle der Arbeiterklasse, gegen den demokratischen Zentralismus und die sozialistische Planwirtschaft.

Quelle:
Alfred Kosing: Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie, Dietz Verlag Belrin, 1985, S.414f.


Ein paar philosophische Begriffe:

  • Monismus: Alleinheitslehre; philosophische Lehre von einem einheitlichen Weltprinzip;
  • Vielheit: Begriff, welcher eine nähere Bestimmung  des universellen Zusammenhang der objektiven Realität widerspiegelt, nämlich die Tatsache, daß die materielle Welt eine Einheit unendlicher vieler Entwicklungsformen, Gegenstände, Eigenschaften, Prozesse usw. ist;
  • Marxismus-Leninismus: Gesamtheit der revolutionären und wissenschaftlichen Lehren von Marx, Engels, Lenin und Stalin, die der von der marxistisch-leninistischen Partei geführten Arbeiterklasse Richtschnur beim Sturz des Kapitalismus und Aufbau des Sozialismus und Kommunismus sind;
  • Positivismus: subjektiv-idealistische Strömung der bürgerlichen Philosophie des 19. und 20. Jahrhunderts;
  • Pragmatismus: subjektiv-idealistische Richtung des Philosophie, die Denken und Handeln nur vom Standpunkt des praktischen Nutzens aus betrachtet, besonders in den USA;
  • Personalismus: Name für verschiedene idealistische Lehren theistischen, pragmatischen und existentialistischen Charakters;
  • Reformismus: opportunistische Richtung in der Arbeiterbewegung, die auf den revolutionären Kampf verzichtet;
  • Revisionismus: Richtung, die den Marxismus „revidieren“ will und die sozialistische Revolution ablehnt;
  • Opportunismus: Prinzipienlosigkeit, Zurückweichen vor Schwierigkeiten; in der Arbeiterbewegung das Aufgeben der Klasseninteressen des Proletariats und die Unterordnung unter die Interessen der Bourgeoisie

pdfimage  Pluralismus und Wahrheit


Siehe auch:
Wie entstehen Meinungen? Brauchen wir einen Pluralismus?

Philosophisches: Was ist Wahrheit?

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6 Antworten zu Kleines Lexikon: Ist ein Pluralismus der Meinungen hilfreich, wenn es um die Wahrheit geht?

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Hier ist alles zusammengefasst, was wir gegenwärtig bei der Linkspartei erleben: Revisionismus, Opportunismus, Ablehnung des Marxismus-Leninismus und des revolutionären Klassenkampfes.

  2. Hier ist alles zusammengefasst, was wir gegenwärtig bei der Linkspartei erleben: Revisionismus, Opportunismus, Ablehnung des Marxismus-Leninismus und des revolutionären Klassenkampfes.

  3. „Die Wenigen, die das System verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, daß aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, daß das System ihren Interessen feindlich ist.“ (Autor unbekannt, bzw. nicht verifizierbar)

    Richtig müsste es jedoch folgendermaßen heißen:

    „Die Vielen, die das System nicht verstehen, werden so sehr an seinen Profiten interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, daß aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu mutmaßen, daß das System ihren Interessen feindlich ist.“
    Denn die wenigen, die das System verstanden, hatten durch ihre kommunistische Gesinnung
    und vor allem durch ihre Tat bewiesen, daß sie kein Interesse an seinen Profiten haben. Sie machten sich von der Gunst des Systems unabhängig, so daß aus ihren Reihen eine Opposition hervorgehen musste.

    • sascha313 schreibt:

      Der Weg der Erkenntnis, der Einsicht, ist stets ein schwerer Weg, voller Widersprüche und nicht selten voller Zweifel und mit Rückschlägen behaftet. Angelika Petershagen, die 1995 in Greifswald verstorbene Witwe des letzten Stadtkommandanten von Greifswald 1945, der die Stadt kampflos der Roten Armee übergeben und damit ein mörderisches Blutvergießen verhindert hatte, schreibt in ihren Erinnerungen an jene Zeit nach der Befreiung: „Erst allmählich begriff ich, daß nun ein neuer gesellschaftlicher Prozeß mit all seinen Widersprüchen begonnen hatte, dem wir ebenfalls ausgesetzt waren – Peter (Petershagen) in der Fremde in Gefangenschaft, ich in Greifswald. Und es waren viele kleine Schritte notwendig, bis sich die Grundrichtung meines Denkens änderte.“ (Angelika Petershagen: „Entscheidung für Greifswald“, Verlag der Nation Berlin, 1981, S.162.)

      • Ja, die Welt ist ein sonderbarer Ort ….

        … und der Mensch “ein archaisch konditioniertes und empirisch vorbelastetes Lebewesen“ oder wie Marx so treffend formulierte: “Das gesellschaftliche Sein bestimmt (zunächst) das Bewusstsein (eines Menschen).“ Als ich das erstere vor neun Jahren las, ging mir das Licht auf, dass fast all mein Denken auf einer Abrichtung und Dressur beruhte und ich erkannte, dass ich das Denken noch nicht einmal erlernt hatte und das, was ich für Denken hielt, im Grunde bloß aus Meinungen, Annahmen und Vermutungen bestand, und als ich das zweitere vor drei Jahren gelesen hatte, bestätigte sich für mich, dass es richtig war, mir vorgenommen zu haben, das Denken zu erlernen und mich von all dem Firlefanz in meinem Kopf nach und nach selber befreite.

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