„Das Deutsche Gespräch“ – ein Briefwechsel aus dem Jahre 1950

TitelseiteEs ist fast 68 Jahre her, da wandte sich das Redaktionskollegium der großen DDR-Tageszeitung „Neues Deutschlands“ (ND) anläßlich eines in der „Hamburger Freien Presse“ erschienen Leitartikels an den Chefredakteur selbiger Zeitung mit dem Vorschlag, man möge doch die Leser auffordern zu einem gemeinsamen deutschen Gespräch, das dann in beiden Zeitungen abgedruckt werden solle. In seinem Leitartikel vom 6. August 1950 nämlich hatte der Chefredakteur Dr. Alois Winbauer beklagt, daß nur noch Rüstungen, Haß und gegenseitige Anklagen die beiden deutschen Seiten voneinander trenne und es wohl eine „utopische Idee“ sei, miteinander ins Gespräch zu kommen.  So fand also der Vorschlag aus dem Osten offenbar das Wohlwollen der westlichen Seite und man kam tatsächlich miteinander ins Gespräch.

Sehr offen schrieben die Leser beider Zeitungen  über die sie bewegenden Fragen und Probleme. Und genauso wurden diese Briefe dann auch abgedruckt. Daraus entstand eine kleine Broschüre, in der ein kleiner Teil der Leserzuschriften an das ND abgedruckt wurde und somit der Nachwelt erhalten blieb. Wir zitieren hier aus einem Brief des Lesers Karl Hohmann aus dem Eichsfeld vom 16. September 1950:

Endlich erkennen, was die USA wiederholen wollen!

Karl Hohmann
(15a) Ferna/Eichsfeld, Bahnhofstraße 94
Ferna, den 16. September 1950
An die Redaktion des „Neuen Deutschlands“:
Mit großem Interesse verfolgte ich das „Deutsche Gespräch“. Hierbei mußte ich klar feststellen: wie wenig wissen die deutschen Brüder im Westen über die Deutsche Demokratische Republik. Wie wenig kennen sie unsere Regierung! Allem Anschein nach kennen sie nur die volkfeindliche Bonner Spalterregierung und wissen nicht, was uns unsere Regierung wert ist. Ob das Herr Dr. W. auch weiß, daß unser Thüringer Ministerpräsident, Werner Eggerath, sich in einem Kalibergwerk unter Tage kritisch von den Kumpels befragen ließ, welche ihn auf Herz und Nieren prüften, ob er als Kandidat würdig ist? Es wäre angebracht, hier einen Vergleich beider Regierungen zu ziehen. In dieser Hinsicht könnten noch viele Tatsachen vorgebracht werden.
Ihr Antwortbrief hat konkret zum Ausdruck gebracht, was jeder ehrliche, aufrichtige Deutsche in der Deutschen Demokratischen Republik ebenfalls gesagt hätte. Nur auf eins möchte ich Sie noch aufmerksam machen: Ich selbst war in französischer Gefangenschaft und habe dort Erlebnisse gehabt, die noch nie in Erwägung gezogen wurden. Da dieses Problem von großer Bedeutung ist und manches Licht in die dunkle Sache der Vermißten bringt, möchte ich nicht länger schweigen. Gleichzeitig ist es wiederum eine Anklage gegen die Kriegstreiber, wie sie wehrlose Menschen nicht nur in Bombenangriffen in die Massengräber brachten, sondern auch in den Gefangenenlagern.
In den großen Rückzugsschlachten im Osten, als der Krieg dem Ende entgegenging, versuchten viele deutsche Soldaten, durch die antibolschewistische Hetze beeindruckt, nicht Gefangene der Roten Armee zu werden. Sie wählten den anderen Weg und stießen auf die amerikanische Front! Von hier aus wurden sie in die Massengräber Andernach, Bad Kreuznach, Bretzenheim, und wie sie alle heißen, geschickt.
In diesen Lagern sind die Menschen buchstäblich entkräftet und verhungert. Auf engstem Raum zusammengepfercht, mußten sie monatelang unter freiem Himmel kampieren. Obwohl es verboten war, gruben sich viele mit blutenden Händen ein Loch in die Erde, um nicht ständig der Witterung ausgesetzt zu sein, denn Decken kannte man nicht. Wie oft drang der Ruf „Sanitääääter!!!“ durch die Nacht. Eine Höhle war wieder eingebrochen. Aber wer konnte den lebendig Begrabenen helfen? Sie selbst nicht und die Umherliegenden ebenfalls nicht. Alle waren zu schwach. Hacke und Schaufel waren nicht vorhanden. Wie viele fanden ihr Grab, von denen keiner weiß, wer es war.
Erst im August begannen die Abtransporte nach Frankreich. Warum haben die Amerikaner die Skelette an Frankreich verkauft? Hatten sie Angst, daß die vielen Toten in den Hungerlagern ihnen zum Verhängnis werden könnten? In Torrez bei Le Mans, ein Lager mit über 40.000 Mann, kam ich mit diesen Menschen zusammen. Ich selbst war von Herwegen durch Bretzenheim gekommen, wo ich acht Tage in diesem Lager zubrachte, um dann nach Torrez zu kommen. Diese Menschen sahen furchtbar aus. Nur noch Knochen und Haut, wovon der ungewöhnlich große Kopf abstach. Jeden Tag mußten wir Gräber schaufeln, während wir selbst kaum die Schaufel und Hacke tragen konnten. Täglich hatten wir die Vorstellung: Morgen wirst du an der Reihe sein. Es sind In diesen Lagern unzählige Deutsche umgekommen. Ein Schandfleck in der Geschichte der Amerikaner.
Aber ist neben diesem Verbrechen die Tatsache nicht genau so gemein und bestialisch, wenn sie ihre eigenen Schandtaten jetzt noch einem anderen Volke in die Schuhe schieben wollen? Wie viele Frauen und Mütter denken, daß ihr Mann oder Junge sich in der Sowjetunion befindet, während sie in französischer Erde ruhen. Wer kennt die vielen Unbekannten, die wir damals in die Gräber schaufelten? Ist jemals eine Mutter davon in Kenntnis gesetzt worden? Ganz seltene Fälle werden es sein.
Ich wollte diese Tatsachen aufzeichnen, damit wir erkennen, mit welcher Taktik die Amerikaner arbeiten, einmal, um sich sauber zu waschen, ein anderes Mal! um mit neuer Propaganda der Sowjetunion zu schaden. Es wird Zeit, daß auch unsere Brüder im Westen das einsehen. Sie werden sich noch gut der Bombenangriffe erinnern; denn gerade ihre Städte drüben litten am meisten. So etwas kann man doch nicht vergessen. Sie sollen endlich erkennen, was die USA wollen, und was ihr kalter Krieg bedeutet. Sie müßten dann alle im Sinne der Nationalen Front es den FDJlern nachtun und den nationalen Widerstand in einer Weise entfachen, daß nicht noch einmal Bombenteppiche und Gefangenenlager unser Schicksal werden.
gez, Karl Hohmann, 26 Jahre,
(15a) Ferna/Eichsfeld, Bahnhofstraße 94

Quelle:
Verlag Neues Deutschland Berlin (Hrsg.): Das Deutsche Gespräch. Briefwechsel zwischen dem „Neuen Deutschland“ und der „Hamburger Freien Presse“, 1950, S.59-60

pdfimage  Brief Hohmann


Anmerkung: Man braucht diesen Brief eigentlich nicht zu kommentieren. Jeder dieser Briefe spricht für sich. Sehr oft kommt darin zum Ausdruck, wie sehr sich die beiden Welten voneinander entfremdet haben, wie falsch der Eindruck war, den man im Westen von der DDR hatte, mit welchem Mißtrauen sich offizielle Stellen und Behörden auf westlicher Seite zur DDR verhielten und mit welcher großen Achtung die DDR-Bürger sich über unsere sozialistische Deutsche Demokratische Republik äußerten.

Bei der im Leserbrief angesprochenen Frage ging es um ein heikles Thema. Der USA-Besatzungsmacht war die Vermißten-Kartei der Wehrmacht in die Hände gefallen, sie wurde aber nicht, was das normalste gewesen wäre, den deutschen Behörden übergeben, sondern verblieb in den Händen der USA-Besatzer. Zehntausende deutscher Soldaten waren zuvor aus Angst „vor den Russen“ nach Westen geflüchtet, wo sie von den Amerikanern in riesigen Internierungslagern gefangen gehalten wurden. Die Existenzbedingungen in diesen Lagern waren erbärmlich und Tausende verhungerten, erfroren  oder starben an Krankheiten. Darüber wird allerdings noch zu berichten sein…  

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14 Antworten zu „Das Deutsche Gespräch“ – ein Briefwechsel aus dem Jahre 1950

  1. Blogger schreibt:

    Hi Sascha,
    in Bretzenheim war letztes Jahr eine Gedenkveranstaltung. Ich wollte erst hingehen, unterließ das jedoch weil ich nicht genau wusste wie ich das einordnen soll. Jetzt weiß ich es — Danke für diesen Leserbrief!
    MfG

  2. Weber Johann schreibt:

    So berichteten DDR-Zeitungen über die grauenhaften Zustände in den amerikanischen Gefangenenlagern:

    Berliner Zeitung, Sa. 13. Mai 1950
    „Kriegsgefangene im Hungerstreik.
    Seit 30 Monaten nicht vernommen / Seit 5 Jahren in Kriegsgefangenschaft
    Paris (DPA/Eig. Ber.). Um die Einhaltung der vom französischen Hohen Kommissar gemachten Zusagen zu erzwingen, sind am 8. Mai die deutschen Kriegsgefangenen in Frankreich, die unter der Anklage von Kriegsverbrechen stehen, in den Hungerstreik getreten.
     Einzelne der Gefangenen sollen seit 30 Monaten nicht verhört worden sein. Die etwa 100 Gefangenen im Pariser Militärgefängnis in Fresnes. die sich seit mehr als fünf Jahren in Kriegsgefangenschaft befinden, begannen den Hungerstreik, damit die gerichtlichen Verfahren gegen sie endlich abgewickelt werden und die Verhältnisse im Gefängnis gebessert werden, wie der Militärgouverneur der Strafanstalt bestätigen mußte.
    Wie die „Aachener Nachrichten“ dazu bemerken, begann der Hungerstreik der Unzahl deutscher Kriegsgefangener, die heute noch in Frankreich in Haft und Elend lebt, am fünften Jahrestag der Kapitulation. Die ersten Vernehmungen erfolgten meist nach Jahren oder lägen schon Jahre zurück.
    In diesem Zusammenhang wird auch an die Aufstellung des „Badischen Tagblatt“ erinnert, das am 4. Mai in größter Aufmachung meldete, daß noch immer 120.000 Deutsche — diese Mindestzahl scheine festzustehen — von den imperialistischen Mächten als Söldner an den verschiedensten Fronten mißbraucht würden, so in Indochina, Nord- und Zentralafrika, Madagaskar, Ägypten, Syrien und im Irak. Die Bonner Behörden hätten sich gegenüber der rigorosen Anwerbungsaktion von Fremdenlegionären als vollkommen hilflos erwiesen. Der deutsche Anteil in der französischen Fremdenlegion werde auf 90 % geschätzt.“

    Berliner Zeitung, 21. Juni 1950:
    „Wo bleiben die Vermißten
     Berlin (Big. Ber.). In dem amerikanischen Kriegsgefangenenlager Kreuznach, in dem nach Kriegsende 85 000 deutsche Kriegsgefangene festgehalten wurden, starben infolge der schlechten Verpflegung täglich etwa 100 Mann. Im Block 10 wurden die Toten ohne Registrierung verscharrt. Bei Ausbruch der Ruhr im Juni 1945 wurden die Toten mit Benzin übergossen und verbrannt. Das geht aus den Aussagen von Karl Göttel, Berlin N 54, Lothringer Straße Nr. 36/37, hervor.
     Im Lager Bingen, wohin die Franzosen später etwa 35 000 der Kriegsgefangenen überführten, waren infolge schlechter Verpflegung und Unterbringung bei Auflösung des Lagers kaum noch 20.000 am Leben. Im Lager Bretzelburg, wohin ein anderer Teil der Gefangenen kam. wurde Munition verladen, wobei es häufig Unfälle gab. An einem einzigen Tage kostete eine Explosion 23 Kriegsgefangenen das Leben.
     Göttel fordert Ausschachtungsarbeiten im ehemaligen Block 10 in Kreuznach zum Beweis dieser ungeheuerlichen Tatsachen.“
    ————————————————————————————–

    Und so berichteten Zeitungen in der Alt-BRD über die Kriegsgefangenen in der Sowjetunion:

    Artikel aus dem Ostpreußenblatt vom 13. November 1954:
    „Der Ruf aus den Massengräbern. Dem Gedenken der Opfer des Stalinismus
    Am Volkstrauertag gedenken wir auch der vielen Toten, die als Zivilisten in sowjetische Gefangenschaft gerieten und in den Weiten Rußlands, der Sowjetzone oder in den Ostblockstaaten ein furchtbares Ende fanden. Ihr Tod hat der Welt die Augen darüber geöffnet, was dem Abendland bevorsteht, wenn der Bolschewismus weiter vordringt. Ihr Opfer verpflichtet auch uns. [..] Die Zahl der Männer und Frauen, die in der Nachkriegszeit in sowjetischen Lagern eines qualvollen Todes starben, wird sich niemals genau feststellen lassen. Nach den Ermittlungen der Vereinigung der Opfer des Stalinismus sind allein mehr als hunderttausend Menschen in den Speziallagern in Mitteldeutschland umgekommen. Weit größer ist die Zahl derjenigen, die auf den Transporten in die Sowjetunion und in den dortigen Zwangsarbeitslagern ihr Leben lassen mußten. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes wurden mehr als 750 000 deutsche Zivilisten, Männer, Frauen und Kinder, nach Rußland verschleppt; davon sind über 500 000 gestorben. […] Aber auch viele Frauen und Kinder wurden verschleppt. Da es unterwegs meistens kaum Verpflegung gab und die vernagelten und verdrahteten Waggons selbst zum Verrichten der Notdurft nicht geöffnet wurden, kam die Menschenfracht mehr tot als lebendig am Bestimmungsort an. Aus vielen Waggons konnten nur noch Leichen geborgen werden. Die Menschen waren entweder verhungert oder erfroren. Erst im Mai 1945 wurde auf Einspruch der West-Alliierten diesem Treiben Einhalt geboten, und die Zwangsverschleppungen im großen hörten auf. Unzählige haben die körperlichen und seelischen Torturen in den fahrenden Särgen nicht überstanden.[..] Schon in den ersten Monaten waren die meisten Internierten, die die sowjetischen Menschenjäger oft wahllos zusammengetrieben und in die Lager gesteckt hatten, zu Skeletten abgemagert. Da aber nach Ansicht der Russen immer noch zu wenig starben, kam im November 1946 der berüchtigte Hungerbefehl heraus. […] Im Frühjahr 1947 waren in Buchenwald die meisten Baracken fast ausgestorben. Aber die Russen wußten sich zu helfen. Es wurden neue Massenverhaftungen durchgeführt, das Lager wurde wieder aufgefüllt, und das grausame Ausrottungswerk begann von neuem. Auf diese Weise ist das Lager Buchenwald dreimal ausgestorben und wieder aufgefüllt worden. Nicht minder groß war die Zahl der Toten in Sachsenhausen bei Berlin und in den vielen anderen Lagern, die die Sowjets in Mitteldeutschland unterhielten. […]“

    Höhepunkt Adenauers Kriegsgefangenenhetze gegen die Sowjetunion:

    Am 5. Mai 1950 erklärte Adenauer im deutschen Bundestag, dass sich noch 1,5 Millionen Kriegsgefangene in der Sowjetunion befinden. Dies obwohl am 29. März 1950 das Presse- und Informations­amt der Bundesregierung in Bonn unter dem Akten­zeichen Nr. 377/50 eine offizielle Mitteilung an die Presse bekannt gab. In dieser amtlichen Mitteilung der Adenauer­Regierung wird erklärt: Die im Bundesgebiet und in Westberlin durchgeführte Kriegsgefangenen-Registrie­rung hat die Gesamtzahl von 69 000 Kriegsgefangenen ergeben, und zwar nicht nur in der Sowjetunion, son­dern in allen Ländern der Erde zusammen. Jedem ehrlich rechnenden Menschen ist es klar, daß aus 69 000 deutschen Kriegsgefangenen, Straf- und Unter­suchungsgefangenen in der ganzen Welt am 29. März 1950 nicht 1,5 Million deutscher Kriegsgefangener allein in der Sowjetunion am 5. Mai 1950 werden können.

    • sascha313 schreibt:

      Das Ostpreußenblatt strotzt ja nur so von Russenhetze… Goebbels könnte glatt neidisch werden! Und Adenauer lügt frech!

  3. Blogger schreibt:

    Letztes Jahr war in Bretzenheim eine Gedenkveranstaltung. Jetzt kann ich das richtig einordnen, Danke Sascha!
    Also wenn ich das richtig verstanden habe, wurden die Leichen toter Gefangener nach Frankreich verbracht und dort als Gefallene deklariert — sehe ich das so richtig!? Das ist ja der Hammer!
    MfG

  4. Weber Johann schreibt:

    Noch zwei Beispiele:
    Entnommen aus der Niederbayerischen Zeitung vom 30. Juli 1948
    „KZ mitten in Berlin
    Berlin, 28. Juli (MZ-g.m.). Mitten Im Berliner Stadtgebiet, in der Freienwalder Straße In Hohenschönhausen befindet sich ein von den Sowjets eingerichtetes Konzentrations- Lager, wie der „Sozialdemokrat“ von entlassenen Häftlingen erfahren hat. Die Zustände dieses Lagers entsprechen völlig den der Nazi-KZ’s. Nach der Einlieferung werden die Häftlinge nackt verhört und solange mißhandelt, bis sie die gewünschten Geständnisse ablegen. In besonderen Strafzellen, die nur 45X45 cm groß sind und einen ausgerundeten Zementfußboden besitzen, müssen die Gefangenen mehrere Tage stehend zubringen, nachdem sie 2 Liter Tee zu trinken erhielten. Es Ist ihnen verboten, ihre Notdurft außerhalb der Zelle zu verrichten, so daß sie bald in eigenem Unrat stehen. Die normale Arbeitszeit beträgt 15 Stunden bei mangelhafter Verpflegung. Täglich sollen 30-40 Todesfälle zu verzeichnen sein. Wer entlassen wird, erhält vorher Sonderverpflegung und eine Geld- entschädigung von 1-3000 DM, sowie ein Lebensmittelpaket. Dafür muß eine Schweigeverpflichtung unterzeichnet werden.“
    http://digipress-beta.digitale-sammlungen.de/de/fs1/calendar/1948-07-30.1437944-2/bsb00064727_00057.html?zoom=1.25

    Entnommen aus der Niederbayerischen Zeitung vom 10. August 1948
    „Lieber in ein NAZI KZ….
    Berlin, 8. August (MZ – g. m.). Mehrere aus den Zwangslagern der Ostzone entlassene Internierte, berichteten auf einer Freiheit-Kundgebung in Berlin über ihre Erlebnisse als politische Gefangene der SMA. Danach bestehen insgesamt 13 Zwangslager in der sowjetischen Besatzungszone, darunter so berüchtigte wie Buchenwald und Sachsenhausen. Ein Häftling, der lange in einem Nazi-KZ gewesen war, erklärte: «Lieber 6 Jahre Sachsenhausen unter den Nazis, als 6 Wochen in diesem neuen Jammerlager.“ Männer, Frauen und Kinder zwischen 12 und 82 Jahren befinden sich in dem Lager Mühlberg. Schläge und Vergewaltigungen gehörten ebenso zur Tagesordnung wie etwa 20—30 Todesfälle täglich. In den Internierungslager der Ostzone sind vor allem im Winter 1945/46 viele tausend Häftlinge verstorben, wie die jetzt entlassenen Internierten übereinstimmend berichten. Die Toten wurden in Massengräbern beigesetzt, ohne daß Verstorbenenlisten geführt wurden. Die Entlassenen haben Dutzende und Hunderte von Namen und Anschriften der Toten auswendig gelernt, um die Familienangehörigen benachrichtigen zu können.“
    http://digipress-beta.digitale-sammlungen.de/de/fs1/calendar/1948-08-03.1437944-2/bsb00064728_00019.html?zoom=1.25

    Sind das nicht menschenverachtende Hetzartikel?

    Folgender Artikel bringt Klarheit, wer und warum solche grauenhafte Hasspropanda täglich in den Zeitungen in der Alt-BRD erschienen sind. Ich stelle mir die Frage: „Hat sich seit dem 9.10.1989 daran etwas geändert?
    Berliner Zeitung vom 10. August 1960:
    „Ich wurde gefoltert!“
    Sensationsberichte — und wie sie gemacht werden
    Von HORST CZERNY
    Als ich kürzlich mit der U-Bahn von Stadtmitte zum Bahnhof Friedrichstraße fuhr, saß neben mir ein älterer, ehrenwerter Herr, offensichtlich ein westberliner Pensionär, der aufmerksam eines der sattsam bekannten Revolverblätter studierte. Sein Gesichtsausdruck verriet Unmut, was sicherlich von dem Artikel herrührte, dessen fette Balkenüberschrift sofort ins Auge fiel: „In den Klauen des SSD!“ (Bonner Bezeichnung für die Sicherheitsorgane der DDR). Seine Begleiterin, die eifrig mitlas, flüsterte ihm zu: „Da sieht man’s wieder“.
    Dasselbe sagte ich mir auch ….
    Im Jahre 1948 war ich Volontär der „Niederbayerischen Nachrichten“ in Straubing, einer Tageszeitung auf „Christlich-bürgerlicher Grundlage“. Ich wollte Redakteur werden, und ich war der Meinung, in dieser Redaktion auf dem richtigen Dampfer zu sitzen.
    Meine Meinung änderte sich bald; genauer: an jenem Tage, da ich einsehen mußte, daß die Liebe zur journalistischen Wahrheit sich in der westzonalen Presse keiner sonderlichen Pflege erfreut. An jenem Tage nämlich kam unser Chef vom Dienst, Dr. Karl-Heinz Lange, heute Chefredakteur der „Bayerischen Staatszeitung“ in München, in die Redaktion und verkündete atemlos, er habe soeben vom Oberbürgermeister und vom amerikanischen Stadtkommandanten eine ordentliche Standpauke zu hören bekommen. Der Grund: „Seit acht Tagen haben wir keine einzige Zeile gegen die Ostzone gebracht. Man verdächtigt uns schon kommunistenfreundlich zu sein. Für die morgige Nummer brauchen wir einen Knüller. Hat einer was in petto?“
    Mein damaliger Kollege Oscar Hatz hatte etwas. Und mit dem „Knüller“, den er für die nächste Ausgabe schrieb, hat er sein Meisterstück geliefert, das ihn befähigt, heute bestens dotierter Mitarbeiter des berüchtigten „Radio Freies Europa“ zu sein.
    Der Artikel trug vielversprechende Oberschrift „Ich wurde vom SSD gefoltert!“ Darin war von einem beklagenswerten Tropf die Rede, der angeblich aus einem nichtigen Anlaß in der damaligen sowjetischen Besatzungszone verhaftet und grausam zugerichtet worden war: Beamte der Sicherheitsorgane hätten ihm glühenden Draht in die Fußsohlen getrieben, seinen armen Rücken mit Stahlruten bearbeitet und was es an dergleichen Torturen mehr gibt, die uns aus den mittelalterlichen Hexenprozessen geläufig sind,
    Der Artikel erregte ungeheures Aufsehen, aber jeder in der Redaktion wußte, daß er von Anfang bis Ende erstunken und erlogen war. Hatz machte auch kein Hehl daraus. Zudem kannten wir alle das „Opfer“: Ein junger wendiger Mann namens Hans-Jürgen Wischnewski war von Berlin nach Straubing gekommen und brauchte dringend Geld: denn man schrieb Juli 1948, und die sogenannte Währungsreform war erst ein paar Wochen alt.
    Auf Kosten der Redaktion wurden ihm fünfzig Mark ausgehändigt, dazu ein Anzug und ein paar Schachteln Zigaretten. Und da besagter Wischnewski nun schon als „Opfer des Polizeistaates der Zone“ eingeführt war, gab man ihm auch einen Posten — er durfte die Gelder des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Straubing verwalten. Indes, diese Tätigkeit währte nicht lange, weil bald darauf etliche Hundertmarkscheine fehlten. Jahrelang war es dann still um den wendigen jungen Mann aus Berlin. Heute ist er Bundestagsabgeordneter der SPD und gehört zu jenen wüsten Hetzern in der rechten SPD-Führung, die die wahren Interessen unseres Volkes mit Füßen treten.
    Der Oscar Hatz aber hat diese Art von Journalismus zum geschäftlichen Prinzip erhoben. Er lebt heute ausschließlich von „Knüllern“ solcher und ähnlicher Beschaffenheit, und er verfaßt sie am laufenden Band für „Radio Freies Europa“, für die „Isarpost“ in Landshut und für das Nürnberger „8-Uhr-Blatt“.
    Geld stinkt nicht, und die Wahrheit gehört nun einmal nicht zum Handwerkszeug geschäftstüchtiger Scribenten der Westzone.

    • Blogger schreibt:

      Interessanter Zeitungsartikel: 1000 Tote bei Explosion in Fabrik in Lu-Hafen….
      Danke für die Links!
      Schönes Wochenende!

  5. Henk Gerrits schreibt:

    Danke fur diese wichtige information Sacha. Schonen Abend wunsch iech dir und Rote Gruse aus meine stad Enschede

  6. Pingback: Eduard Limonow: Kennen Sie Auschwitz? | Sascha's Welt

  7. Blogger schreibt:

    Nochmal Danke Sascha, ich linke hier mal gegen:
    http://blog.rolfrost.de/auschwitz.html
    http://blog.rolfrost.de/adenauer.html

    Wenn ich mich nicht irre, haben die im Lager Buchenwald Internierten zumindest schon begonnen mit dem Aufbau der Gedenkstätte. Mein Onkel E. war nach 1945 in Buchenwald interniert aber mehr weiß ich auch nicht. Ich kann mir nur erinnern, daß es ihn von Weimar aus regelmäßig zum Ettersberge zog, er kannte da oben jeden Trampelpfad…

    Schöne Grüße.

  8. Pingback: Das deutsche Gespräch (Teil 2) | Sascha's Welt

  9. roprin schreibt:

    Hallo, Du hast ja meinen Kommentar gelöscht??? Was hat Dir nicht gefallen? – Petra

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