Das deutsche Gespräch (Teil 2)

TitelseiteVor kurzem hatten wir hier schon einen Beitrag zu einem bemerkenswerten Briefwechsel zwischen den Lesern und Redakteuren der großen DDR-Zeitung „Neues Deutschland“ (ND) und den Lesern und der Redaktion der „Hamburger Freien Presse“ aus dem Jahre 1950, also kurz nach dem Untergang Hitlerdeutschlands. Natürlich ist das ND in keiner Weise mehr zu vergleichen mit dem ND von damals. Und die Gedanken der heutigen Leser sind geprägt von den zwei unterschiedlichen Gesellschaftssystemen, dem Sozialismus in der DDR und dem Kapitalismus in Westdeutschland. Hier nun noch ein kleiner Beitrag, der zeigt, wie unterschiedlich schon damals die aus dem Lebensumständen entsprungenen Denkweisen waren und wieviel Fingerspitzengefühl notwendig war, um das Gespräch nicht vorzeitig zum Abbruch zu bringen…

Lesen Sie zunächst das Vorwort der Redaktion des ND (leider wurden hier nur die DDR-Briefe wiedergegeben, vermutlich gab es da rechtliche Bedenken, aber das spielt heute keine Rolle mehr).

Seite 3

Seite 4

Und hier nun noch drei Briefe aus der DDR:

Seite 47  Seite 48

Quelle:
Verlag Neues Deutschland Berlin (Hrsg.): Das Deutsche Gespräch. Briefwechsel zwischen dem „Neuen Deutschland“ und der „Hamburger Freien Presse“, 1950

Siehe auch: Das Deutsche Gespräch – ein Briefwechsel aus dem Jahre 1950

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16 Antworten zu Das deutsche Gespräch (Teil 2)

  1. Weber schreibt:

    Lieber sascha, mit Deiner Bemerkung „leider wurden hier nur die DDR-Briefe wiedergegeben, vermutlich gab es da rechtliche Bedenken“. Ja, den Leserbriefschreibern in der Alt-BRD drohte, angeklagt zu werden.

    Im „Neuen Deutschland“ stand am 18.8.1964 folgender Artikel. Beachte, im Jahr 1964.
    Querschüsse gegen Zeitungsaustausch
     Hannover (ADN/ND). Der Leiter der Lüneburger Staatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Bollmann, behauptet gegenwärtig in Briefen an westdeutsche Bürger, die er im Zusammenhang mit politischen Strafverfahren verschickt, daß jeder Kontakt zu einer Zeitungsredaktion in der DDR eine strafbare Handlung sei. Ganz offensichtlich sind die fälschlichen Behauptungen Bollmanns von höhere Stelle inspiriert, zumal so weitreichende politische Äußerungen in Amtsbriefen erscheinen. Kenner der niedersächsischen Verhältnisse vermuten dahinter den Versuch der niedersächsischen Landesregierung, gegen den von Walter Ulbricht vorgeschlagenen Zeitungsaustausch zwischen beiden deutschen Staaten zu intrigieren.“

    Weiter schreibst Du: „aber das spielt heute keine Rolle mehr“. Es sollte heute doch eine Rolle spielen. Den Menschen in der Alt-BRD, in der DDR und jetzt in der BRD wurde und wird weiterhin eingetrichert, das in der DDR die Post geöffnet wird bzw. wurde.

    Was Josef Foschepoth 2012 in seinem Buch „Überwachtes Deutschland. Post- und Telefonüberwachung in der alten Bundesrepublik.“ schrieb, konnten die Menschen in der DDR bereits am 18.8.1964 im „Neuen Deutschland“ lesen:

    Bonner „Freiheit“ DDR-Post landet im Reißwolf
    800.000 Sendungen werden in jedem Monat vernichtet / Vielschichtiges Schnüffelsystem Strafgefangene lesen Privatpost
     Berlin (ND). Tag für Tag vernichtet ein Beißwolf im Keller des Strafgefängnisses Hannover riesige Stapel von Briefen — Briefe, die von Bürgern der DDR an Freunde. Verwandte und Bekannte in der Bundesrepublik gerichtet sind und ihren Empfänger nie erreichen. 800 000 in jedem Monat! Tag für Tag zerfetzen die eisernen Zähne der Papierverwertungsmaschine in Hannover die Bonner Beteuerungen von einer deutschen Verständigung. […]
    Ein Apparat speziell geschulter Leute siebt diese Post. Den einzelnen Beamten ist es überlassen, welche Briefe aussortiert, welche weiterbefördert werden. Nächste Instanz ist ein speziell für diesen Zweck eingerichtetes Zollamt. Hier werden „verdächtige“ Briefe aufgeschlitzt, durchschnüffelt und wiederum aussortiert. Weitere Zensurstation ist die Staatsanwaltschaft. Die Post wird genau gelesen und gegebenenfalls eingezogen. Schließlich treten auch noch die Gerichte als Postzensoren auf den Plan. [..]
     Daß tagtäglich große Mengen rein privater Post im Keller des Strafgefängnisses Hannover landen, beweist das Nachrichtenmagazin „Spiegel“, das in seiner jüngsten Ausgabe über diese Zensurmaschinerie berichtet:
    Der Brief von Frau Stahnke aus Lichtenberg an ihren Sohn Egbert nach Darmstadt, in dem unter anderem stand: „Morgen backe ich Kuchen, und übermorgen geht ein Paket ab … Laß es Dir gut gehen“, kam in den Reißwolf.[..]
     Privateste und intimste Post wird im westdeutschen Staat zur beliebten Lektüre der Strafgefangenen, die die Papiermühle bedienen.“

    Ergänzung: Die Schnüffelei hatte für viele Menschen in der Alt-BRD tragische Folgen. Aus dieser Post hatten die Staatsanwaltschaften viel „Munition“ gefunden um gegen Menschen vorzugehen, denen dann ein Verstoß gegen das KPD-Verbot „untergejubelt“ wurde.

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Weber, das stimmt. man muß das natürlich erklären. Die BRD hat auf brutale Weise bei jeder Gelegenheit versucht, der DDR Schaden zuzufügen. Das soll heute verschwiegen werden, soll „keine Rolle“ mehr spielen in der offiziellen kapitalistischen Geschichtschreibung. Die DDR wird als „zweite Diktatur“ verunglimpft (von Biermann auch noch zynisch und verlogen als „kuschelige“ Diktatur) – und die Bemühungen der SED um die Einheit soll der Vergessenheit anheimfallen. Sie wurde von den Westmächten, den Konzernherren und den zahlreichen ehemaligen Nazis in Bonner Diensten gezielt hintertrieben. So müßte man sagen. Mit dem Verschweigen solcher Briefe fängt die Geschichtsfälschung an! Wer damals in dem schweren Aufbaujahren der DDR noch dabei war, kann das bestätigen.

  2. roprin schreibt:

    „geprägt!“ waren 1950 die Menschen im Osten noch nicht vom Sozialismus – Wie auch?! Aber der Sozialismus stand im Osten auf der Tagesordnung. U.a. sollten solche Briefen, die von Kommunisten geschrieben wurden, noch unschlüssige und zögernde Mensch zum Denken bewegt werden.
    Ich lese gerade mit viel Wehmut „Der Friede im Osten“ von Erik Neutsch. Wenn Du das liest, Sascha, das 1. und 2,Buch, weißt Du, wovon die Menschen 1950 auch im Osten am meisten gepragt waren: vom Krieg, von Hitler… sie fingen gerade an, ihre bisherigen Ideale zu überdenken.

    • sascha313 schreibt:

      Das „geprägt“ bezieht sich auf den heutigen Leser! Immerhin deutliche Unterschiede machten sich in den briefen schon bemerkbar…

      • Blogger schreibt:

        „Immerhin deutliche Unterschiede machten sich in den briefen schon bemerkbar…“ danke das bestäigt meine Feststellung hinsichtlich der Entwicklung einer unterschiedlichen geistigen Grundhaltung!

    • Weber Johann schreibt:

      roprin schreibt:
      „„geprägt!“ waren 1950 die Menschen im Osten noch nicht vom Sozialismus – Wie auch?! Aber der Sozialismus stand im Osten auf der Tagesordnung.“

      In dieser Zeit waren die Menschen in der sowjetisch besetzten Zone und in der DDR ständigen terroristischen Aktionen (bis hin zu geplanten Morden, Brückensprengungen, Giftgasanschlägen usw.) ausgesetzt.
      Siehe einen der wenigen Filme, die über diese Terroranschläge von Alt-BRD-Gruppen (finanziert von den Alt-BRD-Regierungen sowie allen Parteien) informieren. Gedankenstütze: „Warum so wenige!“

      In dem von Dir aufgeführten Buch „Friede im Osten“ Band zwei, ist gut beschrieben, welchen Gefahren die Menschen in der SBZ und DDR ausgesetzt waren. Hier nur drei Beispiele:
      Seite 18:
      „Der Vorsitzende verzog wie bei einem Zahnschmerz das Gesicht. »Ich versetze mich in die Lage der sowjetischen Genossen. Ich hätte an ihrer Stelle, nach solch einem Krieg, nicht anders gehandelt. Kurz zuvor war in Graubrücken der erste rote Bürgermeister von Werwölfen ermordet worden. Und unsere Köpfe waren noch wirr. Prien und Mölders und der ganze faschistische Germanenquatsch, als spielten wir Winnetou und Old Shatterhand. Wie sollten da nicht auch solche wie wir verdächtig sein? Doch ihr seht ja, es ist gut gegangen. Wir haben es hinter uns.«
      »Hinter uns? Der Bolschewistenhaß ist noch immer eine Geißel der Menschheit«, sagte der Vorsitzende. „

      Seite 71:
      „Als sie am nächsten Tag spät erst erwachten, in die Kan­tine gingen, vernahmen sie dort die unglaubliche, unfaß­bare Nachricht. Der Damm war an einer anderen Stelle ge­brochen, und zwar im Ostbogen der Schleife, wo die Saale ihre größte Wucht längst verloren hatte. Die Baugruben der Kranbahn waren voll Wasser gelaufen.“
      Seite 79:
      „Bitter, mit einer Stimme, als sei ihm zum Heulen zumute, sagte der eisenharte Fritz Diepold: »An alles hatten wir ge­dacht, daran nicht. Wir hatten dort nur ein paar Wächter aufgestellt. Der Damm wurde durchstochen. Es war Sabo­tage.« […] Gewiß, seine und Achims Abfahrt hatte sich nochmals verzögert. Nach dem Vorfall im Gasthof Mägdesprung waren sie und Erich in das Kreisamt der Graubrückener Volkspolizei bestellt und als Zeugen vernommen worden. Inzwischen hatte man die Männer vom Nebentisch bereits überführt, die Eisenkeile in die Weichen der Werkbahn ge­klemmt und den Damm am Ostufer der Saale durchstochen zu haben. Ihm war jetzt danach, davon zu erzählen.“

      Weiter schreibt roprin: „U.a. sollten solche Briefen, die von Kommunisten geschrieben wurden, noch unschlüssige und zögernde Mensch zum Denken bewegt werden.“
      Auch hier muss ich Dir widersprechen. Wenn monatlich 800.000 DDR-Briefsendungen geschreddert wurden, dann waren ein Großteil dieser Briefsendungen, die ihren Empfänger nicht erreichten, ganz schlicht und einfach private Post.
      Nochmals, diese DDR-Briefsendungen wurden „durchforstet“ um sogenannte „Beweismittel“ zu bekommen, damit die Alt-BRD-Staatssicherheit Menschen zur Anklage bringen konnte, die sich für eine Wiedervereinigung, Friedensvertrag, die gegen die Remilitarisierung waren, oder ganz allgemein, die sich für den Frieden einsetzten.

      • sascha313 schreibt:

        Danke, Weber Johann, für diese Ergänzungen! Im Westen erwacht, so merke ich, immer mehr das Interesse an der DDR. Ein junger Mann (Jg.’82), der lange Zeit in München gearbeitet hat und dort bekannt war, wurde ständig gefragt: „Ja wie war das damals in der DDR?“ – und er war ja noch ein Kind damals…

        Wir (DDR-Bürger) wußten damals nicht, was mit unserer Post geschah. vielleicht wunderte sich nur der eine oder andere, daß aus dem Westen so wenig Rückmeldung kam…

  3. Blogger schreibt:

    Vielen Dank für diese Post!
    Sie widerspiegelt eine unterschiedliche geistige Grundhaltung die beide, nunmehr verschiedene Völker in Ost und West entwickelten — dank Marshallplan und Propaganda.
    Ja, die Bestrebungen zur Einheit der Deutschen Nation gingen vom Osten aus und 1950 war ja die Teilung praktisch vollständig ausgebildet.

    MfG

    • Weber schreibt:

      Zum Thema „dank Marshallplan“ einmal eine andere Sichtweise:

      „Ein Berater der amerikanischen Militärregierung sprach es aus: «Das deutsche Volk soll sich keinen Illusionen hingeben. Der Marshallplan ist die konsequenteste Restauration des Privateigentums. Mit ihm ist keine Art von Sozialismus zu vereinbaren.» Das verriet deutlich die amerikanische Interessenpolitik, die mit der Lieferung von Roh- und Brennstoffen sowie Lebensmitteln sowohl den angeschlagenen Kapitalismus in den Empfängerländern als auch deren Abhängigkeit vom amerikanischen Imperialismus stärken wollte.“ (Milliarden für den Geier, Manfred Ohlsen, Verlag der Nation 1985)

      Wunder, wie konnte aus 6,4 Mrd DM ein Wirtschaftswunder entstehen. Was sind schon 6,4 Mrd. DM. Ehemalige hohe NS-Funktionäre und Hitler-Generale erhielten Pensionen von jährlich 1,3 Mrd DM(Pressedienst SPD 1958). Diese Kriegsverbrecher hatten in 5 Jahren die gesamte Marshall-Plan-Hilfe bereits verbraten. Diese bekamen aber weiterhin jährlich 1-2 Mrd. DM an Pensionen. Nach diesen 5 Jahren mussten Millionen von Familien für diese Kriegsverbrecher fleißig Steuern bezahlen, damit diese „Herren“ mit Pensionen von mtl. ca. 2000 DM (eine Arbeiter verdiente ca. 300 DM) ein gutes Leben führen konnten.
      Oder noch eine andere Zahl. Im Jahr 1956 betrug der BRD-Wehretat 9 Milliarden. Die Bundeswehr hatte den Gesamtbetrag des Marshall-Plans bereits nach 8 Monaten verpulvert.

      Oder ist es nicht so, dass Schulden das Lebenselixier des sogenannten Wirtschaftswunders war!
      Die BRD Verschuldung betrug 1950 bereits 9,5 Mrd. DM. Die Staatsverschuldung stieg in den ersten 10 Jahren sprunghaft auf 25,5 Mrd. DM an.

      • Blogger schreibt:

        Danke für die Ergänzung! Die Marshallpläne für Syrien, Albanien, Jemen, Iran, Ukraine usw. sind entweder schon in Aktion oder zumindestens startklar.
        Neuer Ordner auf meinem Blog: Propaganda! Und der erste Artikel http://blog.rolfrost.de/ac2.html ist auch schon in Arbeit.
        Wenn Schnitzler noch leben würde, wir würden heute noch zusammenarbeiten (beachte das Wort noch).
        MfG

        PS: Gesiste wiederholt sis doch! Und zwar am laufenden Band!

      • sascha313 schreibt:

        Ja, die Geschichte wiederholt sich. Und ich stelle fest, wir haben als Jugendliche auch versäumt, nachzufragen. Vielleicht hätten wir’s damals aber auch gar nicht verstanden, wenn die ältere Generation versucht hätte, uns ihre Erfahrungen zu erklären…
        Der Marshallplan ist moderner Kolonialismus mit Hilfe finanzieller Fußfesseln.

  4. Ulrike Spurgat schreibt:

    Geschichte wiederholt sich ?
    Wie das ? Wenn alles immer in ständiger Bewegung ist ? (Nicht Bernsteins „Bewegung“ ist gemeint).
    Man mag auf „Bewährtes“ zurückgreifen können. Die Herrschenden haben nix anderes. Hab ich was falsch verstanden mit der Dialektik ?
    Würde mich freuen diesbezüglich mehr zu erfahren.
    Vielen Dank.

  5. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    „Der Marshallplan ist moderner Kolonialismus mit Hilfe finanzieller Fußfesseln.“

  6. @ Sascha
    „Wir (DDR-Bürger) wußten damals nicht, was mit unserer Post geschah. vielleicht wunderte sich nur der eine oder andere, daß aus dem Westen so wenig Rückmeldung kam…“

    Ich frage mich immer wieder, warum die DDR-Regierungen die Bürger der DDR nicht darüber (scheinbar?) informiert/aufgeklärt hat. Das Auslesen hunderttausender von Sendungen jedes Jahr, musste doch durch tausende von Mitarbeitern durchgeführt werden: dies kann also weder verborgen noch geheim geblieben sein!

    Eine Anekdote dazu aus meiner Kindheit und Jugend.

    Meine Mutter kommt aus Sachsen-Anhalt und befand sich am Wochenende, an dem die DDR sich gegen die ständigen Provokationen der USA, NATO, FR, GB und BRD durch SABOTAGE und MORD an DDR Grenzsoldaten durch den Bau der Grenzsicherungsanlagen zu schützen begann, in Westberlin. Dort wurde ihr vorgelogen, dass sie nicht mehr nach Ostberlin (wo sie damals lebte und arbeitete) zurückkehren kann, weil die (“bösen“) Kommunisten, die Grenze dicht gemacht haben.

    Zu Weihnachten 1968 besuchte eine Tante meiner Mutter uns in Hamburg. Von da an sandte meine Mutter ihrer Tante jedes Jahr zwei Pakete mit Kaffee und anderen Luxusartikeln. Und um Weihnachten herum sandte die Tante ihr jedes Jahr einen selbstgebackenen Dresdner Christstollen und einen selbstgemachten Eierlikör.
    Nun, die Pakete meiner Mutter kamen immer heil bei ihrer Tante an; aber die Pakete ihrer Tante waren meistens aufgebrochen und kontrolliert worden. Meine Mutter — so naiv, wie sie nun einmal war — glaubte natürlich der Mitteilung der ‚Deutschen Post‘ (West), dass „diese Pakete in der DDR“ (“absichtlich“: das stand da natürlich nicht, sondern war der Glaube meiner Mutter) “einen Transportschaden erlitten haben“. — Eines stand für meine Mutter jedenfalls fest: Schuld war immer die DDR!

    Ich nenne dies: Sabotage und Propaganda auf der ‚kleinen‘ Ebene, um Menschen, wie meine Mutter – von denen es Millionen gibt – unzufrieden zu machen und entsprechend aufzuhetzen, ohne daß die Betroffenen überhaupt bemerken, welch abgefeimtes Spiel mit ihnen betrieben wurde (immer noch wird).

    Und obwohl ich den Schlußfolgerungen von Václav Havel, 1978 in: Versuch, in der Wahrheit zu leben; nämlich: “Es gibt keinen Ausweg aus dem Marasmus der Welt“, niemals zustimmen kann, so hat er doch — im Gegensatz zu dem, was viele denken (sollen?) — nicht wirklich die sozialistischen Länder angreifen wollen, sondern beschreibt “verklausuliert“ die Schein-Demokratien des “Freien Westen“. Damit spreche ich ihn jedoch keineswegs von seinem Renegatentum und seinem Kampf gegen den Kommunismus frei. Denn wie ich es auch drehe oder wende: Er hat mit seinen Aufsätzen eben keine Kritik an den Verhältnissen im Sozialismus geübt (vermutlich nicht einmal üben wollen!), sondern den Sozialismus VERRATEN! mutmaßlich, ohne sich darüber jemals im Klaren geworden zu sein. „Als Belohnung“ ist er dann Präsident der Tschechoslowakei geworden und konnte erfolgreich die Teilung zwischen Tschechien und der Slowakei “umsetzen“ …

    Dennoch hier ein Auszug von Václav Havel, 1978 in: ***Die Macht der Ohnmächtigen***

    „Das […] System verfolgt mit seinen Ansprüchen den Menschen fast auf Schritt und Tritt.
    Es verfolgt ihn freilich in ideologischen Handschuhen.

    Deshalb IST das Leben in diesem System von einem Gewerbe der Heuchelei und Lüge durchsetzt:

    Die Gewalt der Bürokratie wird Macht des Volkes genannt;
    im Namen der Arbeiterklasse wird die Arbeiterklasse versklavt;
    die allumfassende Demütigung des Menschen wird für seine definitive Befreiung ausgegeben;
    Isolierung von der Information wird für den Zugang zur Information ausgegeben;
    die Manipulierung durch die Gewalt nennt sich öffentliche Kontrolle der Macht,
    und die Willkür nennt sich Einhaltung der Rechtsordnung;
    die Unterdrückung der Kultur wird als ihre Entwicklung gepriesen;
    die Ausbreitung des imperialen Einflusses wird für Unterstützung der Unterdrückten ausgegeben;
    Unfreiheit des Wortes für die höchste Form der Freiheit;
    die Wahlposse für die höchste Form der Demokratie;
    Verbot des unabhängigen Denkens für die wissenschaftliche Weltanschauung;
    Okkupation für brüderliche Hilfe.

    Die Gewalt muss fälschen, weil sie in [ihren] eigenen Lügen gefangen ist.
    Sie fälscht die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft.
    Sie fälscht statistische Daten.
    (siehe Orwells 1984)
    Sie täuscht vor, daß sie keinen allmächtigen und zu allem fähigen Polizeiapparat hat,
    sie täuscht vor, daß sie die Menschenrechte respektiert,
    sie täuscht vor, daß sie niemanden verfolgt,
    sie täuscht vor, daß sie keine Angst hat,
    sie täuscht vor, daß sie nicht vortäuscht.“

    — Václav Havel, 1978 in: Versuch, in der Wahrheit zu leben. (Originaltitel: Die Macht der Ohnmächtigen) Rowohlt, Reinbek 1978, ISBN 978-3-499126222.
    Auszug: http://www.ddr-bilder.de/Fotos/Parolen/Parole_G.htm

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