Ljubow Pribytkowa: Sage mir, mit wem du umgehst…

goworuchinVor kurzem starb der bekannte Filmschaffende, der Regisseur, Schauspieler und Schriftsteller Stanislaw Goworuchin. In der UdSSR kannten ihn alle. Wir haben seine schönen Filme „Die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn“, „Das Leben und die merkwürdigen Abenteuer des Robinson Crusoe“, „Den Treffpunkt darf man niemals ändern“ und andere gern gesehen. Wir respektierten deren Schöpfer.

Ein nicht wieder gutzumachender Schaden…

Aber mit der Perestrojka hat sich vieles geändert. Es geschah eine bürgerliche Konterrevolution. Sie hat nicht nur die Wirtschaft, die Politik, das Gesundheitswesen und das Bildungssystem, sondern auch die Kultur des sowjetischen Staates zerstört. Sie hat der Geisteswelt des sowjetischen Volkes einen nicht wieder gutzumachenden Schlag versetzt. Sie hat einen großen Teil der sowjetischen Intelligenz, bekannte Wissenschaftler und Gesellschaftswissenschaftler, Regisseure und Schauspieler, Schriftsteller und Journalisten in den Sumpf der moralischen und politischen Prostitution gezogen. Hunderte und Aberhunderte in der UdSSR bekannte Menschen gingen buchstäblich auf dem Strich, sie wurden gekauft vom Geld des amerikanischen Finanziers George Soros.

Sie wähnten sich als Hirn der Nation

Den Erzfeinden der Sowjetunion Andrej Sacharow und Alexander Solschenizyn haben sich der Ideologe des ZK der KPdSU Alexander Jakowlew und der General Dmitrij Wolkogonow, die Schriftsteller Daniil Granin und Andrej Wosnessenski, die Gesellschaftswissenschaftler Jegor Gaidar und Gawriil Popow, sowie Jurij Afanasjew und Nikita Michalkow, Wachtang Kikabidse und Oleg Bassilaschwili, Oleg Tabakow und Bulat Okudschawa, Mstislaw Rostropowitsch und Galina Wischnewski und andere angeschlossen. Sie haben die Interessen des werktätigen Volkes verraten. Sind in die Dienste der Bourgeoisie getreten und haben ihr geholfen, die Volksmacht zu zerstören. Sie wähnten sich einst als das Hirn der Nation und wurden zu deren Scheiße. Der Verrat der Intelligenz erschütterte die anständigen Menschen mehr, als die Zerstörung ihrer Betriebe. Nicht nur die bei uns beliebte Dichterin Julia Drunina, konnte das nicht ertragen und schied freiwillig aus dem Leben…

Sage mir, mit wem du umgehst und ich sage dir, wer du bist.

Nach dem Tod Stanislaws Goworuchins waren die offizielle Presse und die Webseiten im Internet voll von Beileidsbekundungen. Worte zum Abschied sprachen das Oberhaupt des bürgerlichen russischen Staates, Wladimir Putin, seine Freunde und Kollegen. Es verabschiedete sich sein Freund, der Vorsitzende des ZK der KPRF Gennadij Sjuganow. Die „Prawda“ veröffentlicht auf ihrer Titelseite seinen Nachruf an die Adresse „der hervorragenden Persönlichkeit des öffentlichen Lebens und des Politikers“. Dabei erinnert uns diese unangebrachte Einschätzung Goworuchins durch Sjuganow an die Volksweisheit: Sage mir, wer deine Freunde sind, und ich sage dir, wer du bist!

Schmutz über die Sowjetunion ausgestreut

Stanislaw Goworuchin hat sich ab 1985 leidenschaftlich in die Politik eingereiht. Er geriet in Verzückung über den „demokratischen“ Aufbruch der Intelligenz, in einem – wie er schrieb – „totalitären“ Staat. Aktiv hat er sich damit beschäftigt, die sowjetische Vergangenheit in den Schmutz zu ziehen. 1990 flimmerte sein Film „So darf man nicht leben“ über die Fernsehbildschirme. Er sammelte und verstreute viel Schmutz über die sowjetische Wirklichkeit. Es wurde klar, daß der Regisseur, auch wenn er nicht wenige gute Filme über die sowjetische Zeit gemacht hat, das Wesen der sowjetischen Ordnung nicht begriffen hatte. Paradox, aber so ist es.

Geistige Prostitution

Von der Pseudodemokratie der Perestrojka war er so begeistert, daß er sogar Abgeordneter in der Staatsduma und Fraktionsvorsitzender der Demokratischen Partei Rußlands wurde. Und 20 Jahre nachdem die Zerstörung des Landes offenkundig geworden war, gestand er öffentlich ein, daß er Gorbatschow, der selbst nichts verstanden habe, der einfach ein Idiot, ein Feind des Vaterlandes gewesen sei, geglaubt habe. Vor dem applaudierenden Hörsaal nannte er die schöpferische Intelligenz eine Prostituierte. Er hatte wirklich nicht begriffen, daß er selbst einer ihrer Anführer war…

Schmutzige Verleumdungen

Nach diesem Film, der im wesentlichen nichts anderes tat, als die sowjetische Wirklichkeit auf übelste Weise zu bespucken, brachte er einen weiteren Film heraus: „Das Rußland, das wir verloren haben“. Und es war das Gejammer über das vorrevolutionäre Rußland – ein berstendes, bettelarmes und ungebildetes Land. Dieser Blinde hatte sich also entschlossen, jenes Rußland zu besingen, das bei den bedeutendsten russischen Schriftstellern und Dichtern nur Schmerz und Leid, anstatt Begeisterung, hervorgerufen hat. Lenin und die Bolschewiki nannte Goworuchin nun nicht mehr Gründer des ersten, gerechten Arbeiter- und Bauernstaates in der Welt, sondern bezeichnete sie als die Schuldigen an diesem „Verlust“. Er erklärte: „Zurück zu Lenin bedeutet, die Geschichte überhaupt nicht zu kennen. Durch die Hungersnot der Jahre 1921-22 sind 5 Millionen Menschen umgekommen, die alle Lenin auf dem Gewissen hat“. Wie versaut muß man sein, so etwas zu behaupten!

Goworuchin als Handlanger Sjuganows

Es wäre wünschenswert, wenn man sich solche groben Ausdrücke ersparen könnte, doch gegen solche Anwürfe kommt man nicht anders an. Man muß die Dinge beim Namen nennen. Vom Beginn der Perestrojka bis zum letzten Tag baumelte dieser „große“ Filmschaffende in der Politik, wie ein Haar in der Suppe1. Urteilen Sie selbst. 1996 war er während der Wahlkampagne Vertrauensperson beim Führer der „Kommunisten“ Gennadij Sjuganow. Die KPRF verlor. Dann wechselte er auf antikommunistische Positionen über und fing an, die Menschen zu überzeugen, daß ein „Zurück zu Lenin – der Untergang“ ist. Im Buch „Die Große kriminelle Revolution“ schrieb er haßerfüllt über die hervorragende Persönlichkeit, den langjährigen Führer der Sowjetunion, Stalin: „Wir werden schonungslos gegenüber Stalin sein (und gerecht!), und wir werden schonungslos gegenüber jedem sein, der in seine Fußstapfen tritt!“

Diebe und Banditen an der Macht

Goworuchin sagte offen heraus: „Ich bin ein überzeugter Gegner des Kommunismus“. Obwohl er den Lesern im Buch bewies, daß unter Jelzin ein verbrecherischer Staat geschaffen worden war, in dem Diebe und Banditen die Macht übernommen hatten, hob er hervor, daß man damit brechen müsse, allmählich und schrittweise… die Unstimmigkeit mit den Konterrevolutionären bestand bei ihm nur darin: „Ich war von der Dauerhaftigkeit einer solchen Konstruktion, wie des sowjetischen Imperiums niemals überzeugt…, doch man darf einen solchen Bau nicht sprengen, man muß die Bausteine ordnen. Und sie haben es gesprengt.“ Goworuchin war ein ausgesprochener Konjunkturritter. Als er die Wahlen der KPRF verloren hatte, lief er zu der bürgerlichen Partei „Einiges Rußland“ über. Und 2004 verhehlte er nicht sein Glück und er schrieb in „Argumente und Fakten“ über Putin: „Es ist ein Mensch gekommen – klug und gebildet, alle mögen ihn…“ – und so kam er 2012 dazu, den Vorbereitungsstab für die Präsidentschaftskandidatur Putins zu leiten.

Verstand ist nicht mehr notwendig

Der sowjetische Staat oder ein bürgerlicher, Kommunismus oder Kapitalismus, gesellschaftliches Eigentum an Produktionsmitteln oder Privateigentum, Arbeiterklasse oder Bourgeoisie, kommunistische Partei oder eine bürgerliche – diese Begriffe der marxistischen Ideologie, die er in der UdSSR zu beherrschen wußte, hat er als unnötig hinausgeworfen, sie haben aufgehört, für ihn einen Sinn zu haben. Emotionen sind vorhanden, Verstand ist nicht mehr notwendig. Nur noch oben bleiben und bekannt sein – das war seine Devise. Das Buch „Die Große kriminelle Revolution“ und die zahlreichen öffentlichen Auftritte Goworuchins während der bürgerlichen Konterrevolution haben gezeigt, daß er, nachdem er sich in die Politik gestürzt hatte, als Persönlichkeit nicht gewachsen, sondern gefallen ist. Er ging dorthin, er machte dies und jenes. Doch nichts von dem Geschehenen hat er verstanden. Das Schwarze nannte er weiß, das Weiße schwarz. Er begann, den Feinden der Arbeiterklasse zu dienen. Eine traurige Gestalt!

War Sjuganow blind?

Und der „oberste Kommunist“ Rußlands, Sjuganow, hat nichts mitgekriegt von der moralischen Tragödie dieses Intellektuellen, als er Goworuchin in seinem Nachruf als „hervorragende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens und Politiker“ bezeichnete? Hat er ihn nicht verstanden? Hat denn Goworuchin seine antikommunistische Position so verheimlicht? Nein, natürlich nicht. Sjuganow hat das alles sehr gut verstanden. Aber er ist selbst ein solch begabter Konjunkturritter wie der Verstorbene. Und es war kein Zufall, daß er in den Minuten des Abschieds neben Putin, dem Führer der bürgerlichen Politiker, stand. Schon vor einer Ewigkeit hat selbiger sich von seinen kommunistischen Positionen losgesagt, anders ist es nicht zu erklären, daß im Druckorgan der KPRF „Otjetschestwennyje Zapisky“ („Vaterländische Notizen“) im Mai 2018 auf der Titelseite das Bild des russischen Zaren Nikolaj II. steht, mit den Worten „150. Geburtstag des letzten russischen Imperators“.

Der blutige Zar Nikolaj II. als Vorbild

Die „kommunistische“ Zeitung hat das Porträt des blutigen Zaren veröffentlicht, doch warum hat sie ihre älteren Leser nicht daran erinnert, und den jungen Lesern nicht erklärt, daß der 9. Januar 1905 in die Geschichte eingegangen ist, als der „Blutsonntag“, nachdem Nikolaj II, den Schießbefehl auf die unbewaffneten, friedlichen Menschen gegeben hatte, die mit einer Petition über ihre Wünsche zu ihm gekommen waren. Warum hat sie nicht mitgeteilt, dass im Oktober 1905 in Hunderten Städten Rußlands etwa 4.000 Arbeiter erschossen wurden. Warum hat sie nicht berichtet, daß im November 1905 in der Stadt Sewastopol auf dem Panzerkreuzer „Potemkin“ unter dem Kommando des Leutnants P.P.Schmidt ein Aufstand ausbrach und dieser Aufstand grausam unterdrückt wurde. Der Kommandeur des Schiffes und drei Matrosen wurden erschossen.

Die KPRF: Wie ihr Führer so ist auch die Partei…

Über die Hauptsache, warum Nikolaj II. als „der blutige Zar“ in die Geschichte einging, wurde nämlich nicht geschrieben, weil das unvorteilhaft ist. Das Prinzip der KPRF ist es, mit jeder beliebigen Partei ein Bündnis einzugehen, wenn damit nur mehr Stimmen zu den Wahlen einzufangen sind, um an der Macht zu bleiben und in der Staatsduma zu sitzen. Das unkommunistische Wesen der KPRF ist seit langem bekannt. Und daher muß man sich nicht wundern, wie die Partei, so ist auch ihre Presse und so ist auch ihr Führer. Und mit wem er umgeht, so ist er selber.

Ljubow Pribytkowa

Quelle: Kommunistische Allunions-Partei (Bolschewiki)

(Übersetzung: Florian Geißler, Jena, Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

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13 Antworten zu Ljubow Pribytkowa: Sage mir, mit wem du umgehst…

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  2. Valeri Maser schreibt:

    Es ist richtig. Und seine Film „so darf man nicht leben „würde auf Verlangen das oberen Bonzen gedreht, da bin mir hundert Prozent sicher.

  3. Valeri Maser schreibt:

    Sascha, im russland heißt kprf – Kapitalistische Partei Russische Föderation )

  4. Valeri Maser schreibt:

    ЛОГИКА)
    wir sind so nah und gleizeitig SOOO weit.

    • sascha313 schreibt:

      Знаешь, я думаю, мы можем связывать наши силы. Как уже Маркс сказал: „Каждый шаг действительного движения важнее дюжины программ.“ (Карл Маркс: Письмо В.Бракке 5 мая 1875г. – ПСС, т.19, стр.12)

      • Valeri Maser schreibt:

        О вы русский?
        Или просто знаете русский язык?

  5. Hanna Fleiss schreibt:

    roro, wachsam war die DDR schon. Am schlimmsten war es ja bei den Schriftstellern und auch Filmemachern, die heute im MDR gezeigt werden. Und dann redeten sie sich raus damit, dass sie ja nur zeigen, was ist. Es wurde Kunst für die DDR verlangt, nicht Verherrlichung, aber progressive Kunst. Was aber an solchen Filmen gedreht wurde, das ist heute zu besichtigen, nihilistisch, Bauchnabelphilosophie, mitunter auch direkte Diskriminierung von Vertretern des Staates. Oder blick in die Literatur: Dasselbe in Grün. Und wenn man weiß, wer solche „Werke“ lobt, dann hat man die richtige Spur. Ich kann mir sehr gut vorstellen, was heutzutage auf diesem Gebiet in Russland geschieht. 1990 wurden „neue“ Filme gezeigt, wo ich mich fragte, was mir da eingetrichtert werden soll.

  6. Hanna Fleiss schreibt:

    Nein, roro, es war das Gegenteil von sozialistischem Realismus. Das Noch-Fernsehen der DDR zeigte russische Filme aus der neuesten Produktion, aus der Gorbatschow-Ära. Das hatte nichts mit sozialistischem Realismus zu tun, sondern mit Hetze gegen die Sowjetunion. Und dass man da nicht von Kunst reden konnte, versteht sich von selbst. Übrigens, ich bin sicher: Was eigentlich sozialistischer Realismus sein soll, ich glaube, das hatte kaum einer begriffen, weder die Künstler selbst noch die Stellen, die sich mit Kunst beschäftigten. Ich war in Berlin vor zwei Jahren in einer Ausstellung zur bildenden Kunst der DDR. Es war eine Hetz-Ausstellung, dort wurden bewusst Bilder gezeigt, die sich bestimmt niemand ins Wohnzimmer gehängt hätte, sie stammten vorwiegend aus Betrieben, die Künstler finanziert vom Staat. Die Ausstellung sollte, ohne dass es irgendwo erwähnt wurde, zeigen, dass die bildende Kunst der DDR nichts taugte. Das, was ich da sah, taugte in der Tat nichts. Das ist wie mit den Filmen, die heute vom Fernsehen gezeigt werden: Die DDR bloßlegen, seht her, das ist euer Sozialismus! Das war nicht unser Lebensgefühl, vielleicht das von Leuten, die sich Jahre vor 1990 im Westen wiederfanden.

    • sascha313 schreibt:

      Können wir bitte wieder von der Ornitologie zum Thema übergehen….

      • Ein “Thema“ — selbst hier:

        … und dann wird ins “Unendliche“ abgeschweift!

        STATT uns gegen den Kapitalismus zu organisieren!!

        Geht nicht!“, IST die Leier, die ich mir seit 35 Jahren anhören muß!

        Dabei GEHT “alles“, selbst das sogenannte “Unmögliche“!

        Ich bin Vater von ACHT ‚eigenen‘ Kindern *mit* zwei Frauen, die sich sogar miteinander zum Wohle ihrer Kinder, deren Vater ich bin, unterhalten können und sich darüber hinaus – man will es nicht glauben – gegenseitig unterstützen!

      • sascha313 schreibt:

        Das „GEHT NICHT“ ist ja die typische Assoziation, die mittels bürgerlicher Medien in die Köpfe gehämmert wird. Es ist eine Variante zu „es gibt ja keine Alternative“. Allerdings wissen wir sehr gut, daß (lt. Engels Anti-Dührung) Entscheidungs- und Handlungsfreiheit eben nur darin besteht, daß wir Menschen mit Sachkenntnis zu handeln verstehen. Und es bleibt uns vorserst nichts anderes zu tun, als Sachkenntnis und Wissen zu verbreiten (auch und vor allem über die Geschichte). Denn – davon kann man sich überzeugen – die Menschen nehmen es nicht länger hin, daß sie von allen bürgerlichen Eingflüssen immer mehr verblödet werden sollen. Siehe: Kirchenaustritte, Widerspruch gegen Schulausfälle, Suche nach der Wahrheit im Internet usw.. (letzeres verlangt natürlich auch die Fähigkeit, falsch von richtig zu unterscheiden). Also – nichts bleibt wie es ist!

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