Kleines marxistisches Lexikon: Der Wille

FaustWarum sind die bürgerlichen Gesetze für die sozialistische Gesellschaft unbrauchbar oder nur bedingt verwendbar? Warum muß der bürgerliche Staat erst einmal zerschlagen werden, bevor der Sozialismus aufgebaut werden kann? Oder schließlich eine ganz andere Frage: Warum gibt es gegenwärtig in der Arbeiterklasse so ein geringes Interesse, sich mit dem Marxismus zu beschäftigen? Anders gefragt: Warum gibt es heute ein so geringes Interesse an der Abschaffung des Kapitalismus? Es ist eigentlich ganz einfach: Es fehlt der politische Wille der ausgebeuteten und unterdrückten Klasse zur Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse.

In seinem Entwurf zum „Manifest der Kommunistischen Partei“ hat Marx eine interessante Bemerkung gemacht. Marx schrieb an die Adresse des Bürgertums gewandt:

„Eure Ideen selbst sind Erzeugnisse der bürgerlichen Produktions- und Eigentumsverhältnisse, wie Euer Recht nur der zum Gesetz erhobene Wille Eurer Klasse ist. Ein Wille, dessen Inhalt bestimmt ist durch die materiellen Lebens­bedingungen Eurer Klasse.“ [1]


Was versteht man unter dem Willen?

Der Terminus „Wille“ bezeichnet die Seite des psychischen Lehens, die ihren Ausdruck in bewußten, zielgerichteten Handlungen des Menschen findet. Die Handlungen eines Menschen gehen von bestimmten Motiven aus und sind auf bestimmte Ziele gerichtet. Ein Motiv ist das, was den Menschen zum Handeln anregt, und ein Ziel das, was der Mensch als Ergebnis dieser Handlung zu erreichen sucht.

Aufstellung eines Ziels

Wenn sich ein Mensch dieses oder jenes Ziel steckt, wird er immer von be­stimmten Motiven, von bestimmten Antrieben geleitet. Das Aufstellen eines Zieles kann nicht ohne Ursache erfolgen. Irgend etwas muß den Menschen veranlassen, seine Tätigkeit auf ein gegebenes Ziel zu richten. Ein Motiv ist das, was den Menschen zur Aufstellung dieser oder jener Ziele anregt. Ohne Kenntnis der Motive kann man nicht verstehen, warum ein Mensch nach dem einen und nicht nach einem anderen Ziele strebt. Folglich kann man auch nicht den wahren Sinn seiner Handlungen verstehen.

Materielle und geistige Bedürfnisse

Die erste Anregung zur Tätigkeit ist das Bedürfnis, das heißt der von dem Menschen empfundene Bedarf an etwas. Man kann materielle Bedürfnisse – Bedürfnis nach Nahrung, Kleidung, Wohnung usw. – und geistige oder kultu­relle Bedürfnisse – Bedürfnis nach Umgang mit Menschen, Bedürfnis nach Bildung, nach einem Buch, nach Musik usw. – unterscheiden.

Das Bedürfnis nach Arbeit

Die geistigen Bedürfnisse sind historisch entstanden bei der gesellschaftlichen Arbeit in dem Maße, wie die ursprünglichen materiellen Bedürfnisse be­friedigt, weiterentwickelt und verfeinert wurden. Die Arbeitstätigkeit selbst entstand aus der Notwendigkeit, diese vorhandenen materiellen Bedürfnisse zu befriedigen. Aber weiterhin wurde sie die Quelle neuer Bedürfnisse, von denen das wichtigste das Bedürfnis nach Arbeit selbst ist. [2] Ihm liegt einerseits das organische Bedürfnis nach Aktivität zugrunde und andererseits das Bedürfnis nach Umgang mit Menschen, dessen hauptsächliche und ursprüngliche Form der Verkehr bei der Arbeit und bei der Produktion ist.

Die volle Entwicklung konnte dieses Bedürfnis nach Arbeit erst in der sozialistischen Gesellschaft erhalten, als die Arbeit, nachdem sie tatsächlich frei geworden war, sich „aus einer schimpflichen und schweren Last, als die sie früher galt, in eine Sache der Ehre, in eine Sache des Ruhmes, in eine Sache des Heldentums und des Heroismus verwandelte“ [3].

Triebe und Wünsche

Das Bedürfnis ruft das Streben nach seiner Befriedigung hervor und kann sich im Trieb oder Wunsch ausdrücken.

  • Trieb nennt man ein unklares Streben, das nicht mit einer klaren Vorstellung vom Ziele verbunden. ist. Die Eigenart des Triebes ist in dem berühmten Wort Puschkins „Wenn nicht der dunkle Trieb der nach etwas dürstenden Seele wäre…“ treffend wiedergegeben. [4]
  • Wunsch nennt man das bewußtgewordene Streben nach einem bestimmten Ob­jekt, einem bestimmten Ziel.

Die Umwandlung der dunklen Triebe in bewußte Wünsche ist die notwendige Vorbedingung für bewußte und zielgerichtete Tätigkeit, in der der Wille des Menschen in Erscheinung tritt.

Wirksame und unwirksame Wünsche

Nicht jeder Wunsch führt jedoch zur Tat. Der Mensch kann auch das wünschen, was ganz und gar nicht in seiner Macht steht und was niemals von seinen Handlungen abhängt: Er kann wünschen, daß morgen schönes Wetter ist, daß ein Buch, das er braucht, sich in der Bibliothek befindet und nicht aus­geliehen ist, daß in einem Schauspiel ein ihn interessierender Schauspieler mit­wirkt usw. In diesen Fällen ist ein bewußtes Gerichtetsein auf ein bestimmtes Ziel vorhanden, aber kein Streben, für die Erreichung dieses Zieles zu wirken, weil nicht das Bewußtsein davon besteht, daß seine Erreichung von dem Wünschenden abhängt. Solche Wünsche kann man unwirksame Wünsche zum Unterschied von wirk­samen Wünschen nennen, die nicht nur mit dem Gedanken an ein Ziel ver­bunden sind, sondern auch mit dem Gedanken an die Mittel zu seiner Er­reichung und mit dem Bewußtsein, daß es möglich ist, dieses Ziel zu erreichen, sowie mit dem Streben, in dieser Richtung zu handeln.

Wirksame Wünsche liegen auch der Willenstätigkeit des Menschen zugrunde. Bedürfnisse sind die Voraussetzung dafür, daß die Motive für die mensch­liche Tätigkeit entstehen. Auf der Grundlage der Bedürfnisse entwickeln sich im gesellschaftlichen Leben die Gefühle des Menschen und insbesondere seine gesellschaftlichen Gefühle, entstehen seine Interessen, bilden sich seine An­sichten und Überzeugungen und gestaltet sich schließlich seine Weltanschau­ung. In den Gefühlen, Interessen und Überzeugungen und in der Weltanschauung des Menschen treten, soweit sie die Quelle wirksamer Wünsche werden, die Motive seiner Tätigkeit hervor.

Anmerkungen:
[1] Siehe: Entzifferung der einzig erhaltenen Originalseite des „Manifests der Kommunistischen Partei“
[2] Über das Bedürfnis nach Arbeit siehe: Der Wert der Arbeit…
[3] siehe: J.W. Stalin: Politischer Bericht des Zentralkomitees an den XVI. Parteitag der KPdSU (B). Dietz Verlag, Berlin 1949, S.79.
[4] Da kann man interessante Vergleiche ziehen:
Mephisto: „Es irrt der Mensch, solang er strebt“ und „der Herr“ darauf:
„Ein guter Mensch, in seinem dunklen Drange,
Ist sich des rechten Weges wohl bewußt.“
(Goethe: Faust 1, Prolog im Himmel)

Wer hat nun recht?

Quelle:
B.M. Teplow: Psychologie, Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1957, S.175f. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

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25 Antworten zu Kleines marxistisches Lexikon: Der Wille

  1. sascha313 schreibt:

    Soziale Probleme sind schon lösbar, allerdings nicht durch Reformen und nicht unter den gegebenen Verhältnissen, sondern erst durch eine Revolution. Und zwar deshalb, weil im Unterschied zu allen bisherigen Gesellschaftsformen die Eigentumsverhältnisse geändert werden.

    Der sog. „Prager Frühling“ ist wieder mal so ein Nebenthema, was aufgebauscht wird. Da bekanntlich die Konterrevolution in der UdSSR den Anstoß dazu gab, war der „Einmarsch der russischen Truppen“ eher ein „Freundschaftsbesuch“… doch immerhin konnte eine Okkupation durch die NATO damit verhindert werden.

  2. sascha313 schreibt:

    Na, was wollen die uns denn weismachen? Daß die SPD eine „Arbeiterpartei“, eine „Volkspartei“ ist? Wer’s nicht glaubt, kommt auch in den Himmel…
    „Revolution“ von oben, hahahaha!

  3. Ulrike Spurgat schreibt:

    Danke, Danke, die Argumentation wird immer besser und stabiler, weil das Fundament hält und ich hier von einem Wissen gefesselt bin, dass mir ganz viel Respekt und Zuneigung abverlangt, denn das da eine jahrzehntelange Arbeit hinter steckt ist leicht erkennbar. Und immer wieder darauf zurück greifen zu können macht es entspannter und natürlich muss es verteidigt werden; egal wo: Einknicken gilt nicht. Es bleibt dabei: Hinterfragen, nachdenken und dann folgen ein Baustein auf den anderen.
    Herzliche Grüße

    • sascha313 schreibt:

      …ebenfalls Dank für Dein Lob. Es ist ja kein unerfüllbarer Wunsch, wenn wir uns wünschen, daß möglichst viele Menschen das noch erkennen sollten. was wir wissen. Doch ohne ein Motiv gibt es eben keine Änderung der gesell. Verhältnisse. Und das ergibt sich eben immer aus der Ausbeutung und Unterdrückung (die ja heute möglich abgefedert oder vertuscht wird).

  4. Ulrike Spurgat schreibt:

    So ist es, Sascha und mein Motiv ist völlig klar, seit ich erkennen konnte über Rubinstein, Wygotsky, Leontjew, Marx usw und dem Alltag, dass es wichtig ist eine verdammt gute, tragfähige Argumentation zu haben, mit Motiv und das setze ich nun einmal voraus, bevor es ums weitergeben geht, da sind wir uns doch sicher einig. Im Westen haben Holzkamp, Osterkamp und Jantzen eine gute Grundlage für uns hingelegt, für die, die an einer der fortschrittlichsten Universitäten studieren konnten. Als „Arbeiterkind“ mit acht Jahren grottenschlechter Schulbildung, 2 Klassen, mit jeweils vier Klassen und nach acht Schuljahren war empty. Dem folgte eine kapitalistische Höllenfahrt, die hier den Rahmen sprengen würde,

    Jedenfalls habe ich mit der treuen Hilfe und Unterstützung meiner Genossen der DKP die Prüfung zur Zulassung zum Hochschulstudium erkämpft, neben vielen anderen Arbeiterkindern und sowohl die Prüfung, als auch ein abgeschlossenes Pädagogik Studium auf den Tisch des Hauses gelegt. An dieser Uni gab es Marx, Lenin, und in den Erziehungswissenschaften die vorherigen Genannten. Nichts ist mir zugeflogen oder in den Schoss gefallen. Alles habe ich erarbeiten müssen und das ist bis Heute so, und dass das Lernen etwas leichter ist, habe ich dem Motiv und den Menschen zu verdanken, die die Suche nach der Wahrheit immer mit unterstützt haben.

    Ihr könnt wahrscheinlich nicht mal, wenn ihr euch viel Mühe gebt einordnen, was es für uns bedeutet hat einen Schritt dieser Größenordnung zu gehen. Versagensängste, es nicht zu schaffen, die anderen können mehr, einige schauten auf die herab, weil wir ja keine richtigen Studenten waren, wir hatten das Fachabitur und das war eben in meinem Fall, bezogen auf die Erziehungswissenschaften.

    Den ersten Schein, den ich machte, war über die Gleichberechtigung in der BRD-DDR. (Gleiche Arbeit gleicher Lohn). Es gab viele Widerstände, denn mit den Arbeiterkindern zog ein anderes Bewusstsein in einige der Universitäten und es ging im wesentlichen nicht um Konkurrenz, sondern um ein solidarisches Miteinander und ich bin mir sicher, dass ohne die echte, konkrete Hilfe und meinem unbedingten Willen genau das schaffen zu wollen es zu damaliger Zeit nicht möglich gewesen wäre und das verdanke ich meinen Genossen der DKP, wo einige sich zu meinem tiefen Bedauern an einem späteren Zeitpunkt sich für einen anderen Weg entschieden haben.

    Falls ich mich nicht klar genug ausgedrückt habe, bitte ich um Nachsicht. Mitglied der Partei bin lange nicht mehr, weil die Revisionisten nicht konsequent raus geschmissen worden sind. Müssig sind und bleiben die Diskussionen, ob das denn demokratisch sei? Nun, wenn man einen Beschluss gefasst hat, kann nicht alles wieder bei der nächsten Gelegenheit umgedreht werden und die ganze Leier geht von vorne los. Kommunist zu sein ist ganz sicher kein Selbstzweck. Es ist gut, wenn verschiedene Werdegänge ab und an zur Sprache kommen. Das fördert das gegenseitige Verständnis,
    Danke für die Aufmerksamkeit.

    • Weber schreibt:

      Zum Thema Gleichberechtigung ist dem „Neuen Deutschland“ vom 20. August 1946 zu entnehmen:

      Eine alte sozialistische Forderung erfüllt
      Gleiche Arbeit – gleiche Löhne für Frauen und Jugendliche in der sowjetischen Zone. Befehl des Marschall Sokolowskij / Durchbruch zur wahren Gleichberechtigung.
      Aus dem Stabe der Sowjetischen Militärverwaltung

       Berlin, 17. August (SNB). Der Oberste Chef der Sowjetischen Militärverwaltung in Deutschland hat einen Befehl erlassen, um die Diskriminierung der Arbeitsentlohnung nach Geschlecht und Alter zu beseitigen, so wie um günstigere Bedingungen für den Arbeitseinsatz von Frauen und Jugendlichen in Industrie, Transportwesen, Handel, Landwirtschaft und bei Behörden zu schaffen:

      1. Festgesetzt ist eine einheitliche Arbeitsentlohnung an Arbeiter und Angestellte für gleiche Arbeitsleistung, Unabhängig von Geschlecht und Alter,
      2. Aufzuheben sind einschlägige deutsche Gesetzes- und Tarifbestimmungen, die einen Unterschied bei der Entlohnung der Arbeit nach Geschlecht und Alter der Arbeitenden machen.

      Die Deutsche Zentralverwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge ist beauftragt, notwendige Änderungen, die sich bei der Anpassung dieses Befehles an die bestehenden Tarifbestimmungen und Verträge ergeben, einzubringen. Gleichzeitig hat die Deutsche Zentralverwaltung für Arbeit und Sozialfürsorge gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden und mit der Freien Deutschen Gewerkschaft .. innerhalb von zwei Monaten die Aufstellung der Berufe zu überprüfen, gemäß der der Arbeitseinsatz von Frauen aus verschiedene n Gründen beschränkt oder verboten war und nur solche Berufe in der Aufstellung zu belassen, die bestimmt gesundheitsschädlich für Frauen sind.

      Ein großer Schritt vorwärts
      Unser erstes Wort des Kommentars kann nur Dank, tiefempfundener Dank im Namen unserer werktätigen Frauen und Jugendlichen an Marschall Sokolowskij und darüber hinaus an das Land sein, dem wir so grauenvolles Leid zugefügt haben und das uns dennoch heute bei unserem demokratischen Neuaufbau so uneigennützig hilft. Dieser soziale „Befehl“ verwirklicht erstmalig in Deutschland und erstmalig in Europa außerhalb der Grenzen der Sowjetunion eine der ältesten Forderungen der sozialistischen Arbeiterbewegung. […] Wer hätte das noch vor 15 Monaten für möglich gehalten, wer von den Frauen und Jugendlichen, denen Hitler zwar für seinen fluchwürdigen Krieg schwerste Männerarbeit verrichten ließ, niemals aber die Gleichberechtigung gab.

      • sascha313 schreibt:

        Danke! Ganz große Klasse! Das ist ein wertvoller Beitrag, der noch einmal unterstreicht, welche großartige Unterstützung wir von der UdSSR erhielten, und daß die DDR den sozialistischen Entwicklungsweg eingeschlagen hatte!

  5. sascha313 schreibt:

    Danke, Ulrike, wir hatten es in der DDR dagegen wirklich einfach. Jeder durfte studieren, wenn er das wollte und wenn er fleißig genug war (selbst diejenigen, die die DDR ablehnten, konnten studieren. Die Schulbildung der DDR bot die besten Voraussetzungen dafür. Und wir wußten auch auch, daß es in der BRD nicht nur diese miserable Schulbildung, sondern auch einen horrenten Gesinnungsterror gab, der unsere damalige Vorstellungskraft deutlich übertraf. Die Dummheit (und Verdummung) ist geblieben, einiges ist subtiler geworden.

    Ein bekannter Soziologie-Professor hat einmal erklärt: Armut verhindert die Partizipation, erzeugt Lethargie und wirkt disziplinierend auf die Massen – vor allem auf diejenigen, die eigentlich das größte Interesse an einer Änderung haben müßten. Armut und die Angst vor Verarmung seien „der beste Garant“ dafür, daß die Leute die Klappe halten und nicht aufbegehren. Er verschweigt aber, daß es gerade die Arbeiterklasse ist, die die Möglichkeit und Macht zur Veränderung hat… Das aber ist eine Frage des Klassenbewußtseins, das erst durch den Klassenkampf entsteht!

  6. Hanna Fleiss schreibt:

    roro, Rubikon windet sich in vielen Beiträgen zwischen gemäßigter Kritik und Anpassung. Es gibt da nur einige Beiträge, die kann man mit Einschränkungen akzeptieren. Ich lese jede Ausgabe (ich habe Rubikon abonniert, um auch auf diesem Feld informiert zu sein) und muss ehrlich sagen, dass ich nicht weiß, wer von den Autoren eigentlich angesprochen werden soll. Die meisten der Autoren sind so in das öffentliche Leben der BRD involviert, dass denen gar nicht eingeht, dass sie kaum Leser haben werden, die sie angeblich ansprechen wollen.

    Im Grunde wird hier immer der angepasste, gutsituierte und arbeitsplatzbesitzende westdeutsche BRD-Bürger angesprochen, der so einiges an der Bundesregierung und ihren Maßnahmen und Institutionen zu kritisieren hat, aber das selbstverständlich im Rahmen der Gesetze. Dass Rubikon eindeutig SPD-lastig ist, beweist dieser Satz, den du zitierst. Solche Sätze zu allen möglichen Themen findet man bei Rubikon gehäuft. Ist ja kein Wunder, die Journalistin, die Rubikon leitet, kommt aus der Ecke der enttäuschten SPDler, die sich ja immer darauf berufen, dass die SPD das soziale Gewissen gepachtet hat.

  7. Weber schreibt:

    Ein kleiner Hinweis. Sprechen wir hier nicht von Warschauer Pakt sondern nur vom Warschauer Vertrag. Warschauer Pakt ist die Sprache der DDR-Gegner bzw. Antikommunisten.

    • sascha313 schreibt:

      Absolut richtig! Das habe ich doch glatt übersehen. (Üblicherweise habe ich Kommentare, die wiederholt solche antisozialistischen Formulierungen gebrauchen, von weiteren Diskussionen ausgeschlossen!) – also bitte beachten!

  8. Weber schreibt:

    Kurz zum „Prager Frühling“. „Frühling“ dürfte doch heute jedem bewusst sein, was sich dahinter verbirgt. So auch beim „Prager Frühling“ (Westlicher Umsturzversuch). Solange in den Medien nicht Fakten genannt werden, die jeder Bewohner in Osteuropa lesen konnte, ist und bleibt die Berichterstattung die Sprache des Antikommunismus.

    Hier nur ein Beispiel. Wer hat schon so etwas gelesen bzw. gehört? Im Neuen Deutschland steht am 24. August 1968 (!) folgende Hintergrundmeldung:

    Was wollten die Bundeswehroffiziere
    in der sozialistischen CSSR?

    München (ADN). Ein in München ansässiger Journalist wies am Freitagvormittag darauf hin, daß das offizielle Bonn bereits seit langem Kontakte zu „Oppositionellen“ In der CSSR unterhalten habe. Das sei meistens auf „legalem Wege“ vor sich gegangen. Schon im vergangenen Jahr wäre von Bundestagsabgeordneten, „Firmenvertretern“ und Journalisten das „Terrain ständig sondiert“ worden.

    Als sensationell, so hieß es in München, dürfte jedoch angesehen werden, daß auch wiederholt Bundeswehroffiziere in die verschiedensten Landesteile der CSSR zu Aufklärungszwecken eingereist seien. Das beziehe sich vor allem auf Offiziere des II. westdeutschen Armeekorps, dessen Divisionen im Grenzraum zur CSSR stationiert sind. Der Münchner Journalist nannte unter anderem den Kommandeur der Hammelburger Panzerbrigade 35, Oberst i. G. Trentzsch, verschiedene Stabsoffiziere der 4. Panzergrenadierdivision, die auch als „Grenzlanddivision“ bezeichnet wird, und den Chef der PSK-Kompanie 281 (Einheit für psychologische Kampfführung). Oberst Trentzsch war ebenfalls vor Übernahme des Kommandos über die Panzerbrigade 35 auf dem Gebiet der psychologischen Kriegführung tätig. Er leitete im Bonner Kriegsministerium das Referat 9 (Allgemeine psychologische Kampfführung). Weiter wurde bekannt daß im Herbst vergangenen Jahres der Kommandeur der 7. Panzergrenadierdivision der Bundeswehr, Generalmajor Molinari, in Marianske Lazne den „Urlaub“ verbrachte.

    Kleiner Hinweis. Befinden sich heute nicht auch Bundeswehroffiziere in Kiew, zu „Ausbildungszwecken“!

    • sascha313 schreibt:

      Die Kritik war berechtigt. Wie soll man es nennen, wenn man liest: „Ostblock“, „Eiserner Vorhang“, „Friedliche Revolution“ oder „Warschauer Pakt“, und zwar ohne Anführungszeichen? Dazu braucht man kein Worterbuch. Diese Formulierungen sind nicht „oppositionell“, sondern feindlich. Viele solche ideologischen Kampfbegriffe aus den „Denkfabriken“ des Imperialismus werden „eingeschmuggelt“ und von den meisten auch oft unbewußt verwendet. Der Soziologe Prof. Mausfeld sagt dazu: „Wir schwimmen in der herrschenden Ideologie wie Fische im Wasser und bemerken sie daher gar nicht mehr.“

      Und noch so ein Zitat von Mausfeld: „Servile Intellektuelle, Journalisten und Professoren wetteifern mit Politikern darum, sich in den Dienst der totalitären Ideologie des »Marktes« zu stellen und ihr durch eine Eroberung des Denkraumes eine vermeintliche Rechtfertigungsgrundlage zu liefern.“ – Da kann man nur sagen: aufmerksam sein beim Fomulieren!

    • Weber Johann schreibt:

      Kleiner Nachtrag. Auch interessant das Protokoll des Österreichischen Ministerrat:

      Österreich – Ministerratsprotokolle, Nr. 91a, 21. August 1968:
      BM.Dr.PRADER: Ich habe schon vor einiger Zeit für einen solchen Fall Vorsorge getroffen. Über meinen Auftrag wurde das Bundesheer in Alarmbereitschaft versetzt, und zwar die 1., 3., 4. und 9.Panzergrenadierbrigade.
      http://www.oesta.gv.at/DocView.axd?CobId=67584

  9. Hanna Fleiss schreibt:

    roro, es gibt eine realistische Darstellung der Ereignisse in Prag aus marxistischer Sicht in dem Buch „Wir riefen Moskau zu Hilfe“ von Vasil Bilak, Edition Ost 2006.

    Ich habe mir die Dokus zum „Prager Frühling“ angesehen. Es ist das Übliche: Hetze, Hetze, Hetze gegen sowohl die Sowjetunion unter Breshnew als auch gegen die DDR, die angeblich in Prag einmarschiert sein soll. Interessant: Die Konterrevolution in Prag war im Prinzip Vorbild für die Konterrevolution in der DDR.

  10. Ulrike Spurgat schreibt:

    Hallo und Guten Tag.
    Dem Land fehlen echte Analytiker, sowohl in den Geistes- als auch Erziehungswissenschaften. Für mich stellt sich die Frage, warum Prof. Mausfeld, der zwar die gesellschaftlichen Verhältnisse oft zutreffende beschreibt, das allerdings können andere auch, aber es dann dabei belässt solch eine Bedeutung findet? In einer anderen Zeit im Land wäre er sicherlich nicht zu Ruhm und Ehren gekommen. Das Niveau der Bildung ist gen Null und so finden Bewertungen und Analysen eine Bedeutung, die ihr, wie ich finde nicht zustehen. Da haben die Klassiker, wie z.B. Rubinstein um einiges mehr auf der Pfanne.

    • sascha313 schreibt:

      Nein, dieser Mausfeld ist kein Revolutionär. Er ist ein biederer, wenig origineller Erklärer dessen, was alle Welt schon längst vermutet… Er verpackt es nur in ein paar schlaue Sätze und gibt seinen Zuhörern das Gefühl, die Vorgänge nun endlich auch zu durchschauen. Mehr nicht. Bei Ganser und KenFM ist es das gleiche. Und dabei wußten Marxisten es längst: Massenunterdrückung und Massenverführung sind die zwei Wege des Imperialismus, um die Beherrschten zu willigen und zugleich willenlosen Untertanen zu machen. .

      Bereits 1968 schrieben die DDR-Autoren im Vorwort zu einem Sachbuch über die staatsmonpolistische Bewußtseinsindustrie: „Jede Gesellschaftsordnung benötigt zu ihrer Existenz und Entwicklung ein historisch bestimmtes Bewußtsein und bringt dieses auch hervor. … Soll also die Herrschaft der hundert westdeutschen Familien über 54 Millionen Bundesbürger weiter funktionieren, so sind sie mehr denn je gezwungen, diese Millionen an sich zu binden, ist es für sie zur Lebensnotwendigkeit geworden, nicht nur die Wirtschaft mit Hilfe des Staates zu regulieren, sondern auch das politische und geistige Leben.“ (Quelle: Manipulation. Dietz Verlag Berlin, 1968,)

      Von Bewunderern solcher Vorträge wird jeder akademische Schwindel als Offenbarung wahrgenommen. Der Schwindel besteht darin, daß revolutionäres Handeln damit eher verhindert, denn motiviert wird!

    • sascha313 schreibt:

      hahaha! Haben wir in der DDR alles mal in Biologie gelernt. Es gibt heute reihenweise solche akademischen Idioten, die sich die Unwissenheit der Schulabgänger zunutze machen.

  11. Henk Gerrits schreibt:

    Prima.Schade das zu wenig leute das Wissen.

  12. Ulrike Spurgat schreibt:

    Grüße und Danke für die Antworten, mit denen ich was anfangen kann. Sascha, das bestellte Buch ist da von T. und da bin ich gespannt.

  13. roprin schreibt:

    Und es fehlt am Vorhandensein einer revolutionären Situation, in der die Arbeiterklasse nicht länger so leben will und die Imperialisten ihre Macht nicht mehr so wie bisher erhalten kann.

    • sascha313 schreibt:

      roprin, die Frage ist doch, daß alles sich entwickelt … vom Einfachen zum Komplizierten, vom Niederen zum Höheren. Es entsteht eine gewisse Eigendynamik.

      Doch je komplizierter eine Maschine ist, desto schwerer ist sie beherrschbar. Sie entgleitet gewissermaßen ihren Entwicklern, die sie vielleicht noch einigermaßen zu steuern, aber schon nicht mehr zu reparieren vermögen. Man wirft sie weg! Und der Mensch?

      Solange der Mensch an der Entwicklung beteiligt ist, wird er immer nach besseren Lösungen suchen. Das trifft sowohl auf die Maschinen zu, wie auf die „Maschinisten“, die Gesellschaft! Andernfalls wird der Mensch sich – wie anno dunnemals die Bilderstürmer – der Entwicklung immer widersetzen. Doch wie engstirnig ist das! Wie beschränkt!

      Wir müssen wieder lernen, die Bildung als Mittel zur Beherrschung der Natur (und der Gesellschaft!) zu begreifen!

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