Aktuell: Luftkriegsübungen über Ostdeutschland

no-edr401Es läßt sich nicht mehr verheimlichen. Schon seit geraumer Zeit häufen sich die Mitteilungen, daß Kampfflugzeuge der Bundeswehr im Luftraum von Mecklenburg regelmäßig ihre Kriegsmanöver durchführen. Vielleicht macht es den jungen Piloten auch Spaß, jeden Tag ungestört ein bißchen in der Luft herumzukreuzen und dabei sinnlos Hunderte von Euro zu verpulvern. Ganz so nutzlos und marode scheint die Ausrüstung dieser kriegslüsternen Truppe doch wohl nicht zu sein. Die betroffenen Anwohner können ein Lied davon singen. Eine Bürgerinititative dieser Region schreibt:

Kampfjetlärm von Berlin bis an die Ostsee, über der Mecklenburger Seenplatte, dem UNESCO Weltnaturerbe und Nationalpark Müritz, den Feldberger Seen, der Rheinsberger Seenkette, dem Naturpark Stechlin-Ruppin, den Inseln Hiddensee und Rügen, über Zingst/Darss, Stralsund, der westlichen Uckermark, über Greifswald, Neustrelitz, Neubrandenburg, dem Ex-Bombodrom, über Wittstock und Kyritz und anderswo.

Nachtflugübungen mit Luftbetankung

Am 17.8.18 lancierte das Geschwader Laage in der Lokalausgabe des Nordkurier für die Mecklenburgische Schweiz die Meldung, daß eine sogenannte Alarmrotte – bestehend aus zwei Eurofightern – in der nächsten Zeit für erhöhten Flugbetrieb sorgen würde. Das ist eine falsche Darstellung, denn was wir seit Montag jeden Abend bis 23 Uhr erleben, sind Luftkriegsübungen über dem gesamten Gebiet der Zone E-DR401 MVPA. Die Anwohner werden verhöhnt und für dumm verkauft. Die Flächenverlärmung des heutigen Abends reicht von der Boddenkette Vorpommern bis hinunter in die Rheinsberger Landschaft, von Anklam bis nach Schwerin.

Luftkriegsübungen

Am 23.8.18 um 22:15 läuft eine bereits seit zwei Stunden andauernde Luftbetankungsübung über dem Warnowtal, einer Landschaft, die auch Liebschaft Mecklenburg genannt wird (http://www.liebschaft-mecklenburg.de/). Ein Airbus mit der Kennung COBO31 fliegt zwischen Rostock und dem Ostufer des Schweriner Sees Schleifen, während sich immer wieder Kampfjets andocken und Flugbenzin übernehmen.

Luftkrieg

Der Ordnung halber: Diese Radarbilder beruhen auf einem Internetservice, der von den Flugzeugen ausgesendete Positionsdaten (Mode-S Transponder) auswertet, und können aus technischen Gründen unvollständig und/oder ungenau sein.

Quelle: edr401 – Nachtflügübungen


Ein Blick zurück in die Geschichte

Als 1945 nach dem schrecklichsten aller bisherigen Kriege endlich die Waffen schwiegen und das ganze Ausmaß der Zerstörungen und des Leids den Menschen bewußt wurde, da schworen sich viele Deutsche, nie wieder eine Waffe in die Hand zu nehmen. Lieber wollten sie ein Leben lang trocken Brot essen, als jemals wieder in Luftschutzkellern um ihre Existenz bangen zu müssen.

Gründung der Bundeswehr

Doch bereits 1955 trat die BRD dem imperialistischen NATO­-Bündnis bei. Mit der Bundeswehr entstand eine 500.000 Mann starke deutsche Armee. Nach allen vorliegenden historischen Erfahrungen durfte sie nicht ignoriert werden. Die DDR nahm deshalb 1955 an der Gründung des Warschauer Vertrages teil und baute ab Frühjahr 1956 die Nationale Volksarmee auf.

Die internationale Lage

Trotz großer Opfer war die Sowjetunion als eine der Hauptmächte der siegreichen Antihitlerkoalition gestärkt aus dem zweiten Weltkrieg hervorgegangen, ihr Einfluß, und damit der Einfluß des Sozialismus auf die Weltpolitik, wuchs. Darüber hinaus entstanden in etlichen be­freiten Ländern Volksdemokratien, rückten auch in Westeuropa Kom­munisten in die Regierungen ein. Diese antiimperialistische Entwick­lung behagte den aggressiven Kreisen in den Westmächten nicht. Sie zerstörten das internationale Bündnis und begannen einen kalten Krieg gegen die UdSSR und alle Staaten, in denen sich gesellschaftli­che Veränderungen abzeichneten. Hilfreich schien ihnen dabei das US-amerikanische Atomwaffenmonopol.

Aggressivität des westlichen Imperialismus

Nach dem Abwurf von zwei Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki im August 1945 triumphierte der damalige Präsident der USA Harry S. Truman, daß man nun endlich einen „Knüppel“ besäße, um die „russischen Boys in die Knie zu zwingen“. In der 1947 verkündeten Truman-Doktrin maßten sich die USA das Recht an, gegen nicht ge­nehme fortschrittliche Entwicklungen in anderen Ländern zu interve­nieren. Das geschah wenig später in Griechenland, wo die USA den re­aktionären Kräften und Großbritannien bei der Bekämpfung der Volksbefreiungsarmee tatkräftig beistanden. Im Juni 1950 griffen US­-Truppen in den Krieg gegen die Koreanische Volksdemokratische Re­publik ein.

Gründung der NATO

Statt gemeinsam mit der Sowjetunion die internationale Sicherheit zu gewährleisten, wie es die Vereinbarungen von Jalta und Teheran und Potsdam sowie die Grundsätze der Vereinten Nationen vorsahen, wurde eilig Kurs auf antisowjetische Militärbündnisse genommen. Be­reits 1949 entstand die NATO – die sog. „Nordatlantiksicherheitsorganisa­tion“ – das Kernstück aller imperialistischen Paktsysteme.

Aufrüstung und Bedrohung durch die USA

Ausgehend von einer „Politik der Stärke“ sollte der Sozialismus zurückgerollt und die europäische Nachkriegsordnung zugunsten des Imperialismus korrigiert werden. Dabei scheuten die USA – wie es ihr Außenminister John Poster Dulles ausdrückte – bewußt nicht vor einer „Balance am Rande des Krieges“ zurück. Die aggressive Doktrin der NATO führte dazu, daß sich Mitglieder dieses imperialistischen Militärpaktes bis zum heutigen Tage an mehr als 100 militärischen Aggressionen, Interventionen und Konflikten beteiligten.

Eine gewaltige militärische Kraft

In der strategischen Planung der imperialistischen Mächte hatten die westlichen Besatzungszonen und später die Bundesrepublik Deutschland ein besonderes Gewicht. John F. Dulles verkündete 1946: „Neben der Atombombe ist Deutschland mit seinen Möglich­keiten eine gewaltige militärische Kraft, die man auf keinen Fall aus der Hand geben darf.“ So verwunderte es nicht, daß das Abkommen, das Bundeskanzler Konrad Adenauer am 22. November 1949 mit den Hohen Kommissaren der Westmächte unterzeichnete, eine Geheim­klausel enthielt. Diese sah vor, sobald als möglich westliche Mili­tärkontingente aufzustellen und die BRD in das imperialistische Paktsystem einzugliedern. Ein Jahr später entstand das „Amt Blank“, das den Aufbau der westdeutschen Armee vorbereitete und leitete.

Quelle:
Joachim Heise/Jürgen Hofmann: Fragen an die Geschichte der DDR. Verlag Junge Welt Berlin, 1988, S.14-126.

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7 Antworten zu Aktuell: Luftkriegsübungen über Ostdeutschland

  1. Henk Gerrits schreibt:

    Interesant.Danke.

  2. Pingback: Aktuell: Luftkriegsübungen über Ostdeutschland — Sascha’s Welt | Schramme Journal

  3. roprin schreibt:

    …und schon brennen die Wälder bei Berlin – mehr als 400 Fußballfelder groß. Da wissen die Berliner jedenfalls, wer das verursacht! Hauptsache man übt das Betanken bei fast 40 !C.Da sprüht doch eine Menge Kerosin in der Luft zum Boden.

  4. giskoe schreibt:

    Zur Ergänzung: Über dem Südwesten tobten sich in dieser Woche die US-Airforce, Italiener, Belgier, Holländer und die Luftwaffe aus – jeden Tag.
    Militärischer Fluglärm zum Abkotzen!
    Die Friedensaktivisten, die Büchel blockierten werden von Pax Christi angeführt. Daß die Vatikanbank die größten Rüstungskonzerne finanziert, sollte eigentlich hinlänglich für die Doppel“moral“ der Kirchen bekannt sein.
    Ach ja, es gibt ja immer noch die Miltärseelsorger 😦

  5. Ein Friedensfreund schreibt:

    Die dreisten Lärmbelästigungen kann ich als Rostocker nur bestätigen. Es sind ja auch meine Steuergelder, die dafür herhalten müssen.

  6. Pingback: Verborgene Informationen | Die Warnowregion

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