Die Sowjetunion und wir…

ND48Der später völlig zurecht von seinem Posten als Chefredakteur des „Neuen Deutschlands“ abgesetzte Rudolf Herrnstadt hatte 1948 mit seinem Artikel „Über ,die Russen‘ und über uns“ in der sowjetischen Besatzungszone eine heftige Debatte ausgelöst, die weit über das hinausging, was einige führende Genossen des Politbüros als zuträglich empfanden. War es Wasser auf die Mühlen des Klassenfeinds? War Herrnstadts Kritik am zwiespältigen Verhältnis der Deutschen zur Sowjetunion unberechtigt? War Herrnstadt „zu weit gegangen“, indem er seiner Enttäuschung über die deutsche Arbeiterklasse Ausdruck gab? Nein keineswegs.

Wahrheiten des Hauptmanns Tregubow

Am 19. November 1948 erschien in der Tageszeitung „Neues Deutschland“ der Artikel ihres zeitweiligen Chefredakteurs Rudolf Herrnstadt „Über die Russen und über uns“. (s.Anhang). Der „RotFuchs“ berichtete bereits darüber. Der Autor ging von zwei Feststellungen aus:

  1. Es gibt für die deutsche Arbeiterschaft keine Orientierung im Klassenkampf, keine Überwindung der materiellen und ideologischen Schwierigkeiten, keinen Weg zum Sozialismus ohne richtige Einschätzung der Rolle der Sowjetunion, ohne rückhaltloses Bekenntnis zu ihr, ohne uneingeschränkte Unterstützung der UdSSR.

  2. Sogar die Einstellung der SED zur Sowjetunion, also des fortschrittlichsten Teils der deutschen Arbeiterbewegung, ist in dieser Frage nicht frei vom Einfluß des Gegners. Die Folge besteht bis heute darin, daß allein das Thema von Teilen der Partei als „Belastung“ empfunden wird.

Rudolf Herrnstadts Artikel löste in der sowjetischen Besatzungszone lebhafte Debatten aus. An zwei Diskussionsabenden wurde im großen Saal des Berliner Hauses der Kultur der Sowjetunion – dem späteren Maxim-Gorki-Theater – über diesen Artikel stürmisch diskutiert.

Das Wort hat Hauptmann Tregubow…

Am 7. Januar 1949 erteilte der Gesprächsleiter Prof. Peter Alfons Steiniger dem sowjetischen Hauptmann Tregubow das Wort. Angesichts der Greueltaten der deutschen Faschisten an der sowjetischen Bevölkerung und der Verwüstung weiter Landesteile der UdSSR zeigte dieser menschliche und politische Größe. Hier einige Ausschnitte aus seinen Ausführungen:

Wann begann das Problem eigentlich?

„… In der Diskussion über die ‚Russen und über uns‘ möchte ich zu Ihnen als ein Vertreter jener Nation sprechen, die heute hier zur Debatte steht. Aber ich möchte das Thema so formulieren: ,Über die Deutschen und über uns.‘ Ich hoffe, daß Sie mir das gestatten. Wie ich aus der Diskussion ersehe, ist die Problemstellung für Sie erst im Mai 1945 entstanden. Für uns aber ist das Problem ‚Die Deutschen und wir‘ bereits am 22. Juni 1941, als Hitlerdeutschland wortbrüchig die Völker der Sowjetunion überfiel, akut geworden. Tatsächlich entstand es für uns noch früher, nämlich an jenem Tage, als auf dem Opernplatz in Berlin die Bücherverbrennungen stattfanden, als Werke von Thomas Mann und Maxim Gorki, Marx und Lenin den Flammen zum Opfer fielen, ja überhaupt seit dem Tag des Machtantritts der Hitleristen.

Enttäuscht von der deutschen Arbeiterklasse…

Ich bin seit dem 22. Juni 1941 in der Sowjetarmee und weiß sehr gut, welche Gedanken die russischen Soldaten und Offiziere am Tage des Überfalls hatten. Jeder von uns wußte, daß der Hitlerismus alle demokratischen Kräfte Deutschlands zerschlug. Aber jeder von uns glaubte, daß die Arbeiter und Bauern Deutschlands doch nicht gegen die Macht der Arbeiter und Bauern in der Sowjetunion kämpfen würden. Mich, den einfachen Soldaten der Roten Armee von 1941, haben die deutschen Arbeiter und Bauern sehr enttäuscht. Nehmen Sie mir das nicht übel! Sie haben mich gezwungen, vier Jahre hindurch ununterbrochen die Waffe nicht aus der Hand zu legen.

Unsägliches Leid in der Sowjetunion

Vier Jahre lang dauerte der grausame Krieg, der durch den deutschen Hitlerismus entfesselt worden war. Vier Jahre lang floß das Blut von Millionen sowjetischer Menschen. Vier Jahre lang und noch heute weinten und beklagten Millionen russischer Frauen ihre Männer, Brüder und Kinder. Kein Land, welches von den Hitlerhorden überfallen wurde, hat so große Verluste erlitten wie meine Heimat und mein Volk. Ungeheure Anstrengungen kostete uns der Sieg über Hitlerdeutschland. Die Faschisten zerstörten 1710 sowjetische Städte, über 70 000 Kleinstädte und Dörfer. Sie zerstörten mehr als sechs Millionen Häuser und machten damit 25 Millionen sowjetische Menschen obdachlos.

Ein riesiger Schaden

Der Schaden, welcher der Volkswirtschaft und den Bürgern der UdSSR zugefügt wurde, überstieg die Summe von 128 Mrd. Dollar. Aber kann man den Wert des Lebens der Millionen und aber Millionen Gefallenen, der Wunden und des Blutes der Verstümmelten und des Leids der Hinterbliebenen ermessen?! Diese großen Opfer waren der Preis für den Sieg über den Faschismus. Die Rote Armee rettete nicht allein das eigene Land und dessen Menschen vor dem sicheren Untergang, sondern auch andere Länder und Völker, darunter das deutsche Volk. Wäre die Sowjetarmee 1945 nicht nach Deutschland gekommen, hätten sehr viele der hier Anwesenden den Tod in den Konzentrationslagern gefunden.

Der Unterschied

Doch seit dem ersten Tag des Krieges unterschieden die Russen, zu denen auch ich gehöre, zwischen dem Hitlerstaat und dem deutschen Volk. Wir kämpften gegen die Hitleristen, gegen den Hitlerismus, aber nicht gegen das deutsche Volk, nicht gegen seine Kultur, nicht gegen seine demokratischen Traditionen und seine nationale Souveränität. Die Sowjetarmee zerschlug den Faschismus und schuf dadurch die Voraussetzungen für den Aufbau eines neuen demokratischen Deutschlands.

Der sowjetische Soldat

Was war das für ein Soldat, der im Mai 1945 nach Berlin kam? War das ein Tourist, oder kam er etwa auf Einladung der Deutschen dorthin? Nein, das war ein Soldat, der 3000 Kilometer verbrannter sowjetischer Erde hinter sich gelassen hatte. Er zog vielleicht an seiner eigenen Heimatstadt vorbei, wo er sein Haus und seine Angehörigen nicht mehr fand. Seine Braut war vielleicht als Sklavenarbeiterin nach Deutschland verschleppt worden. Dieser Soldat befreite nicht nur seine Braut, sondern auch einen Teil der Deutschen, die zwölf Jahre lang Sklaven waren.

Aufregung? – Worüber?

Die Schreiberlinge bei den Zeitungen „Kurier“, „Telegraf“ und ähnlichen Tagesspiegeln, die sich mit Hetze beschäftigen, regen sich gar nicht darüber auf, daß jemand bei den Kriegshandlungen die Uhr abhanden gekommen ist, sondern sie regen sich darüber auf, daß dank der Sowjetarme in einem Teil Deutschlands den Kriegsverbrechern und Großindustriellen ihre Werke und den Großagrariern ihre Güter abgenommen und dem deutschen Volk übergeben wurden!

Nein, nicht Haß oder Rache!

Wir Russen ließen uns niemals von den Gefühlen des Hasses und der Rache leiten. Unser Volk will vergessen und hat schon fast alles vergessen, was uns Deutsche angetan hatten. Unser Volk führt einen hartnäckigen Kampf für die Einheit, die Souveränität und die Demokratie Deutschlands. Lesen Sie eine x-beliebige sowjetische Zeitung oder Zeitschrift! Hören Sie unseren Rundfunk! Sie werden dort keine Spur des Hasses gegen das deutsche Volk finden. Kübel von Schmutz einer verleumderischen Propaganda aber werden Tag für Tag über das Sowjetvolk ausgegossen.

„Sag mir, wie du zu den Russen stehst…“

Dieselben faschistischen Kräfte sind noch am Werk. Aber ich glaube, daß für die Mehrheit des deutschen Volkes klar ist: Wie sich auch der Faschismus tarnen möge, wie er sich kleiden und wie er heißen mag – daß er doch immer abscheulich und völkerfeindlich bleibt. Dieses Gift ist sogar in homöopathischen Dosen gefährlich und, wie Sie wissen, verabfolgen es manche dem deutschen Volk sogar eimerweise. Gegen solches verbrecherisches Tun muß es Stellung nehmen, wenn es für den Frieden sein will. Früher pflegte man zu sagen: Sag mir, mit wem du verkehrst, und ich sage dir, wer du bist. Heute kann man das in die Worte fassen: „Sag mir, wie du zu den Russen stehst, und ich werde dir sagen, wer du bist.“ (Stürmischer Beifall)

Quelle: RotFuchs Nr.217 vom Februar 2016 (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

pdfimage  Wahrheiten des Hauptmanns Tregubow

Die Rede des Hauptmanns Trebugow ist u.a. nachzulesen in dem Beitrag „Russen und Deutsche im Gespräch“ in : Tägliche Rundschau 7 (1118), vom 09.01.1949

Nachbetrachtung

Nicht erst seit der Bemerkung Churchills in seiner berüchtigten Rede in Fulton, man habe (mit Hitler) das „falsche Schwein geschlachtet“ [1] brachten die imperialistischen Westmächte ihre Wut über den Sieg der Sowjetunion und ihren Haß auf den Kommunismus zum Ausdruck. Wie war nun die Haltung der Deutschen gegenüber ihren Befreiern? Hatten nicht viele Deutsche doch Angst vor „den Russen“? Herrnstadt wies 1948 daraufhin: „..erst die zulängliche Teilnahme am eigenen Klassenkampf schafft jede Einsicht in die Zusammenhänge, jene Erfahrung und Bereitschaft, die uns die Möglichkeit geben, uns in der Welt zu orientieren und – was ein Teil davon ist – die Argumente des Gegners zulänglich zu beantworten.“Das scheint mir ein wichtiger Satz zu sein. Welche Erfahrungen hatte denn die deutsche Arbeiterklasse (also nicht die Kommunisten, nicht die antifaschistischen Widerstandskämpfer!) im Kampf gegen den Faschismus gesammelt? Das Ergebnis war doch recht enttäuschend! Ähnlich enttäuschend wie der Widerstand gegen Gorbatschow u. Co.

Als er gefragt wurde: „Sie verteidigen also alles hinsichtlich der Sowjetunion?“ antwortete Herrnstadt, wohl wissend, welcher tödlichen Gefahr durch die äußeren und inneren Feinde die Sowjetunion ausgesetzt war und mit welchen Schwierigkeiten sie von Anfang an zu kämpfen hatte, ganz klar:  „Jawohl alles – prinzipiell alles! Sie haben recht, die Frage so zu stellen, denn das ist eine entscheidende Frage.“ Und er legte noch einmal nach, indem er sagte: „Alles, alles, alles!“ – Das besagt nichts anderes als das, was Hauptmann Tregubow auch versuchte, seinen Zuhörern begreiflich zu machen: 3000 km verbrannter sowjetischer Erde, Millionen und Abermillionen Gefallene und ein wirtschaftlicher Schaden von umgerechnet über 100 Milliarden Dollar – das war das Ergebnis dieses mörderischen „Blitzkrieges“ der Deutschen.

Herrnstadt hatte sich 1948 ganz gewiß nicht geirrt, als er zur Verbundenheit mit der Sowjetunion mahnte. Doch auch er konnte damals sicher nicht ahnen, daß nach dem verräterischen Auftritt Chruschtschows auf dem XX.Parteitag der KPdSU ein Antikommunist an die Spitze der Regierung gelangen würde. Auch hätte sich nie und nimmer vorstellen können, daß ausgerechnet in der Sowjetunion eine wütende stalinfeindliche Kampagne einsetzen würde. Semjonow hatte damals Herrnstadt unter der Drohung „…in 14 Tagen werden Sie vielleicht schon keinen Staat mehr haben“, gezwungen, eine Mitteilung zu veröffentlichen, die die Arbeiter in der DDR verunsicherte und empörte. Grotewohl und Herrnstadt wußten,  daß das so kommen würde. Und dann kam, was kommen mußte: der 17. Juni.

Seiner Überzeugung treu bleibend ließ sich der Kommunist Herrnstadt von den revisionistischen Kräften in der UdSSR vor den Karren spannen, indem er versuchte, Walter Ulbricht zum Rücktritt zu bewegen. Das war sein Fehler! Denn die Entscheidung Ulbrichts, zum Aufbau des Sozialismus überzugehen, hat sich später für viele Millionen Menschen nicht nur in der DDR als richtig erwiesen und begründete den erfolgreichen Aufbau des Sozialismus. Zurecht war also Herrnstadt aus dem ZK 24./25. Juni 2017 ausgeschlossen und nach Halle auf den Posten eines Archivars versetzt worden. (Interessant ist, was Kurt Gossweiler zu Herrnstadt sagt – siehe weiter unten).

Walter Ulbricht, auf dessen Veranlassung Herrnstadt seines Postens enthoben wurde, hatte damals schon sehr gut erkannt, daß mit Chruschtschow ein Antikommunist an die Spitze der Parteiführung der Sowjetunion gelangt war. 1985 sprach der Sozialdemokrat Willy Brandt aus, was viele in der DDR nicht wahrhaben wollten. Nach einer Begegnung mit Gorbatschow in Moskau, sagte er: „Ich habe in meinem Leben schon viel gesehen, aber noch nie einen Antikommunisten an der Spitze des Kreml.“ [2] Vier Jahre später resümierte er: “Ich habe mal 1960 (!) auf einem Parteitag der SPD in Hannover gesagt – da bin ich zum erstenmal zum Kanzlerkandidat nominiert worden – ich kann mir denken, daß sich die Enkel Chruschtschows noch Kommunisten nennen, auch wenn sie es vielleicht nicht mehr sind. Das ist nicht mehr Zukunftsmusik, sondern ziemlich aktuell.“ [3]

Sehr treffend beschreibt Prof. Schützler im ND vom 24./25. Juni 2017 die damalige Situation –  u.a. das Verhältnis zu „den Russen“, wie auch die Diskussion darüber. Doch dann kommt’s: In diesem ND-Artikel schreibt H.Schützler: „Doch die »Wahrheitsfindung« war begrenzt. Sie ging einher mit der Verbreitung eines geschönten Gesamtbildes; die Menschen erdrückende und vernichtende harte Wirklichkeit der stalinistischen Diktatur geriet nicht in den Blick.“ [4] Das ist auch die typische Sichtweise eines Antikommunisten! Daß er das hier so beschreibt, ist beschämend für einen DDR-Professor, der sich nach 1956 offenbar nicht mit mehr der Geschichte der Sowjetunion befaßt hat und nur noch die revisionistischen Fälschungen der Chruschtschowisten im Kopf hat. Und das schreibt er heute! Hätte es nämlich diese „harte Wirklichkeit“ nicht gegeben, wäre die Sowjetunion schon kurz nach dem faschistischen Überfall untergegangen und der Faschismus hätte gesiegt!

[1] Rede von Winston Churchill in Fulton/USA, 5. März 1946.
[2] Zit. in Humanité, Paris, 10. Okt. 1992.
[3] Interview der “Süddeutschen Zeitung” mit Willy Brandt, 8./9.4.1989.
[4] neues deutschland, Sonnabend/Sonntag, 24./25. Juni 2017


Der Historiker Dr. Kurt Gossweiler schreibt dazu:

Bei den Versuchen, Walter Ulbricht von der Spitze der SED zu beseitigen, nutzten Chruschtschow und seine Verbindungsleute in der DDR die Meinungsverschiedenheiten und persönlichen Animositäten, die es im Kreise der Parteiführung gab, zu dem Versuch aus, eine Politbüro- und ZK-Mehrheit gegen Ulbricht zustande zu bringen. Das war der Hintergrund für die „Affären“, die mit dem Ausschluß Rudolf Herrnstadts und Wilhelm Zaissers 1953 und Karl Schirdewans und Ernst Wollwebers 1958 aus der Führungsspitze und aus der Partei (Herrnstadt/Zaisser) endeten.

Meine persönliche Ansicht ist, daß die meisten der Genossen, die damals gegen Walter Ulbricht auftraten, dies nicht aus revisionistischer Gesinnung taten – es handelte sich dabei größtenteils um Genossen, die sich als Kommunisten und antifaschistische Widerstandskämpfer erwiesen hatten –, vielmehr in Unkenntnis dessen, daß sie Schachfiguren in einem ihren Interessen ganz fremden Spiel darstellten. Andererseits war es Walter Ulbricht natürlich nicht möglich, diese Hintergründe, über die er selbst sich als einer der erfahrensten Spitzenfunktionäre der Kommunistischen Internationale ganz gewiß im klaren war, im Zentralkomitee oder auch nur im Politbüro darzulegen.

Aus: STÄRKEN UND SCHWÄCHEN DER SED IM KAMPF GEGEN DEN REVISIONISMUS. (Referat, am 2. Mai 1993 auf der 1.Mai-Veranstaltung der Partei der Arbeit Belgiens in Brüssel in gekürzter Form gehalten)

Quelle: http://kurt-gossweiler.de/?p=757


Anhang:

Hier nun der Artikel Rudolf Herrnstadts „Über ,die Russen‘ und über uns“:

pdfimage  Herrnstadt: Über die Russen und über uns

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16 Antworten zu Die Sowjetunion und wir…

  1. Pingback: Die Sowjetunion und wir… – – Sascha Iwanows Welt –

  2. roprin schreibt:

    Lieber Sascha, es ist ein Wahnsinn, wieviel Artikel hier in kürzester Zeit erscheinen. Mein Kompliment! Das ist ja ein Arbeitsaufwand den einer allein kaum bewältigen Kann. Ich vermute ein ganzes Team, das hier recherchiert, auswertet und einstellt. (Spaß).
    Danke von mir für diese offensichtlich nicht endende Mühe.

  3. roprin schreibt:

    Ach ja! Walter Ulbricht verstarb ja während der in Berlin stattfindenden Weltfestspiele urplotzlich ohne daß es in der DDR einen Staatstrauertag gab. Gibt es eine Überlieferung, ob Ulbricht wirklich an Krebs verstarb? – Ich vermute nämlich, daß da jemand nachgeholfen hatte, um den Weg für Honecker freizumachen (wie bei Lambertz). Die Weltfestspiele lenkten ab und hinterher wurde nicht mehr drüber geredet. Ich fand das damals scheußlich!

    • sascha313 schreibt:

      Ich kann es mir nicht vorstellen. Ulbricht starb 1973. Er war damals 80 Jahre alt. Was hätte es für einen Sinn gehabt „nachgeholfen“ zu haben, Und hätte man deshalb die ganzen Weltfestspiele beenden sollen? Der Schaden wäre größer gewesen, als der „Nutzen“ einer großen Trauerfeier, mal ganz nüchtern gesagt. Das wäre sicher nicht in seinem (Walters) Sinne gewesen.

  4. Hanna Fleiss schreibt:

    roprin, ausgerechnet die Linkspartei hatte anlässlich eines Jahrestages (Todestag) vor einigen Jahren den Herrn Krenz im Friedhof der Sozialisten in Friedrichsfelde eine „bedeutende Rede“ halten lassen. Übrigens mit allen Schwenkern, die er draufhatte. Ich war dabei, habe mir das angehört und habe mir gesagt, Walter Ulbricht würde sich im Grabe umdrehen, wenn er diese „Gedenkrede“ gehört hätte. Nicht, dass Krenz irgend etwas verfälscht hätte, aber zwischen jedem Krenzschen Atemzug merkte ich, dass er sich überwinden musste. Oder: Dass er seine üble Rolle bei der Konterrevolution schlicht vergessen hatte. Insofern klang das, was er am Grabe von Walter Ulbricht von sich gab, nicht gerade aufrichtig. Die Umstehenden, vermutlich in der Mehrzahl Linksparteiler, ließen das Wortgeprassel ungerührt über sich ergehen, und ich hätte ihm am liebsten ein paar Takte erwidert. Habe es dann aber unterlassen, weil ich mich sehr in der Einzahl fühlte.

  5. grfinx schreibt:

    „..erst die zulängliche Teilnahme am eigenen Klassenkampf schafft jede Einsicht in die Zusammenhänge, jene Erfahrung und Bereitschaft, die uns die Möglichkeit geben, uns in der Welt zu orientieren und – was ein Teil davon ist – die Argumente des Gegners zulänglich zu beantworten.“ – Das scheint mir ein wichtiger Satz zu sein. Welche Erfahrungen hatte denn die deutsche Arbeiterklasse (also nicht die Kommunisten, nicht die antifaschistischen Widerstandskämpfer!) im Kampf gegen den Faschismus gesammelt? Das Ergebnis war doch recht enttäuschend!…“

    …ich denke, diese Erfahrung steht der dt. Klasse der Werktätigen / Lohnempfänger / Jenen also, die Ihre eigene Arbeitskraft verkaufen, in großen Teilen noch bevor.

    Dennoch zeigt die Entwicklung in der DDR doch deutlich, wozu die menschliche Gesellschaft in der Lage ist, wenn die Macht des Kapitals einmal gebrochen ist.

    • sascha313 schreibt:

      Diese Klassenkampferfahrung war in Teilen der deutschen Arbeiterklasse schon vorhanden.

      Darauf hatte sich auch Lenin gestützt, indem er bemerkte: „Nach der Bewegung von 1848/1849 beschäftigten sich Marx und Engelsim Exil nicht nur mit wissenschaftliche Arbeiten. Marx gründete 1864 die ,Internationale Arbeiterassoziation‘ und leitete die Vereinigung im Laufe eines vollen Jahrzehnts. Auch Engels nahm an ihrer Arbeit lebhaften Anteil. Die Tätigkeit der ,Internationalen Arbeiterassoziation‘, die nach dem Plane von Marx die Proletarier aller Länder vereinigen sollte, war für die Entwicklung der Arbeiterbewegung von ungeheurer Tragweite.“ (Lenin: Friedrich Engels, in: Werke Bd.2, S.1-14)

      Und 1920: „Wir müssen außerordentlich vorsichtig sein, Unsere Politik erfordert vor allem Achtsamkeit. … sie [die Herren Repräsentanten… N.G.] halten die Nachrichten über … Streiks geheim und verschärfen die Zensur. … Die neue Phase, die neue Stufe des revolutionären Aufschwungs in Deutschland, wo die Arbeiter nach dem deutschen Kornilowputsch [ein konterreolutionärer Putsch in Rußland im Sept. 1917 zur Errichtung einer Militärdiktatur, der von der Arbeiterklasse unter Führung der Bolschewiki zerschlagen wurde. N.G.] rote Armeen zu schaffen, beweist eindeutig …, daß der Kampfwille der Arbeiter immer größer wird.“ (Lenin: IX.Parteitag, in: Werke Bd.30, S.435-454)

      • grfinx schreibt:

        Ja, das ist richtig. Und auch Anfang des 20. Jahrhunderts konnten diese Erfahrungen weiter ausgebaut werden. Später sehen wir das „Versagen“ der Weimarer Republik in Bezug auf die Übereignung der Macht in die Hände der Faschisten. Diese Entwicklung war mit einer Veränderung des gesellschaftlichen Bewusstseins des werktätigen Volkes verbunden. Viele haben sich – aus welchen Gründen auch immer – von den Versprechungen / Verlockungen des Nationalsozialismus verleiten lassen. Viele und dennoch zu wenige wiederum nicht. Und was hatten „wir“ dann nach 1945? Ein in der Mehrzahl noch von der „Gehirnwäsche“ und Manipulation des Nationalsozialismus gezeichnetes Volk mit all seinen Illusionen und deren Trümmern sah sich der Aufgabe gegenüber, das Land wieder aufzubauen. Kommunisten und progressive Sozialdemokraten konnten unter dem „Protektorat“ der UdSSR auf dem späteren Gebiet der DDR die Initiative ergreifen und ein demokratisches Deutschland aufbauen. Im Westen gelang das nicht. Was fehlte war die revolutionäre Situation, die diese Veränderungen erzwungen hätte. Deren Voraussetzung wiederum u.a. ein Klassenbewusstsein – mit all seinen Erfahrungen – gewesen wäre. Insofern: ja, die deutsche Arbeiterklasse hat Kampferfahrungen gesammelt. In der Gesamtheit war es zu jener Zeit nicht ausreichend, aus wirklich eigener Kraft den Faschismus zu bekämpfen und später einen sozialistischen Staat aufzubauen. Somit kann ich die Wahrnehmung des Hauptmann Trebugow gut nachvollziehen. Dennoch – und das ist für mich das Wichtigste – sind die Erfahrungen der Arbeiterklasse aus der Existenz der DDR eines der kostbarsten Güter der deutschen Geschichte. Ich schreibe das bewusst so. Denn ich denke, dass die Zukunft einen „anderen Blick“ auf diesen Teil deutscher Entwicklung gewähren wird, als bürgerliche Polemik und Demagogie heute gerne zulassen wollen. Und: wir haben sie erlebt.

      • sascha313 schreibt:

        So ist es! Danke.

  6. Weber Johann schreibt:

    Am 6. März 1967 fand in Düsseldorf eine Konferenz zur Problematik des KPD-Verbots statt. Walter Fabian, Chefredakteur des DGB-Organs „Gewerkschaftliche Monatshefte“, sprach zum Versagen der Arbeiterbewegung. Hier einige Auszüge:

    „[..] Wenn die Frage der Wiederzulassung der KPD auf der Tagesordnung der politischen Diskussion in der Bundesrepublik steht und von dieser Tagesordnung wohl nicht mehr verschwinden wird, und wenn diese Konferenz stattfinden kann, so ist das verhältnismäßig wenigen Männern und Frauen und ihrer unermüdlichen Arbeit zu danken. Es wäre fast möglich, aber vielleicht doch auch ungerecht, sie beim Namen zu nennen; ich will die Namen nicht nennen, wir alle kennen sie, und die meisten von ihnen haben wir heute hier schon gehört oder wenigstens gesehen. Aber wir können, wenn wir uns diese Männer und Frauen vergegenwärtigen, sagen: Es sind Professoren, Wissenschaftler, es sind Schriftsteller, es sind Juristen, es sind tapfere Anwälte, die vor Gericht mit Mut und Intelligenz die wegen ihrer Gesinnung Verfolgten verteidigen, […]

    Aber es ist nicht die deutsche Arbeiterbewegung, die heute hier ver­treten ist. Und es ist sicher kein Zufall, daß wahrscheinlich niemand auf den Gedanken gekommen ist, es könnte an diese Konferenz eine Grußbotschaft – so wie von der Deutschen Friedensgesellschaft durch un­seren Freund Martin Niemöller – vielleicht auch von der Sozialdemo­kratischen Partei oder vom Deutschen Gewerkschaftsbund oder auch nur von einer einzelnen deutschen Gewerkschaft gerichtet werden. [..]

    Warum ist das so?
    Und ich glau­be, daß es zwei oder drei Gründe gibt, weshalb das so ist und weshalb wir gerade bei denen, von denen wir es eigentlich doch erwarten sollten, daß sie auch in dieser Frage für Recht und Gerechtigkeit und für Solida­rität mit Verfemten und Verfolgten eintreten, bisher nicht dieses Ver­ständnis gefunden haben. Ich glaube, der erste und wahrscheinlich wichtigste Grund ist der, den in anderer Form Professor Ridder an einer ganz zentralen Stel­le seines Referats angedeutet hat – nämlich als er von jener gefährli­chen, verhängnisvollen Gleichsetzung von Rechts- und Linksradikalis­mus sprach. Anders ausgedrückt: Die deutsche Arbeiterbewegung hat, aus welchen Motiven auch immer, nach 1945 nicht das getan, was sie hätte tun müssen – nämlich eine gründliche Überprüfung der Ur­sachen und Gründe, die zum Zusammenbruch der Weimarer Republik von 1933, zum Zusammenbruch und zum Versagen der deutschen po­litischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung geführt haben. Ich sage: Aus welchen Gründen auch immer. Und da sehe ich durch­aus auch ehrenhafte Gründe – nämlich die Entschlossenheit, sehr schnell und unter sehr schwierigen Bedingungen an einen Wiederaufbau der deutschen Arbeiterbewegung heranzugehen. Gewiß, so war es; aber man kann eben nicht neu aufbauen, wenn man sich nicht vorher mit dem Alten kritisch und selbstkritisch auseinandergesetzt hat.[..]

    Wer selber vielleicht einmal illegal gearbeitet hat (und einige in die­sem Saal – und ich darf mich auch dazu rechnen – haben gewisse Er­fahrungen auf diesem Gebiet), der weiß, daß die Illegalität nicht günstig ist für eine ruhige, sachliche und dabei scharfe geistige Auseinanderset­zung. Das ist schon aus rein praktischen Gründen und wegen der sich einschleichenden Spitzel, wegen der Überwachung durch Gestapo oder Verfassungsschutz oder wen immer, gar nicht möglich.[..]

    Der dritte und letzte Grund, den ich nennen möchte und der nach mei­ner Meinung auch dazu beiträgt, daß wir hier die deutsche Arbeiterbe­wegung nicht so vertreten sehen, wie sie vertreten sein müßte, ist ein Man­gel an Solidarität. Kein Zweifel: der Solidaritätsgedanke, der nach mei­ner Ansicht der zentrale und wichtigste Gedanke der modernen Arbei­terbewegung seit den Zeiten von Marx und Engels und allen Vorkämp­fern des 19. Jahrhunderts ist, ist sehr schwach geworden. Ich weiß, daß es noch viel Solidarität innerhalb der Gewerkschaften zwischen starken und schwachen Gewerkschaften und so weiter gibt; aber ich weiß auch, daß es nicht genug Solidarität gibt. Und ich glaube, weil dieser Gedanke der Solidarität seinen zentralen Platz in unserer Arbeiterbewegung verloren hat, darum erkennen wir nicht, daß dort, wo Menschen verfolgt werden, die entweder wirklich Kommunisten sind oder auch nur so genannt wer­den, daß da auch wir verfolgt werden, daß da die Sache der Freiheit ver­folgt wird. [..]

    Eigentlich sollten wir es ja wissen – zumindest wir Älteren aus der Zeit vor 1933. Auch damals meinten lange Zeit Sozialdemokraten oder Zentrumsleute oder bürgerliche Demokraten, es würden ja nur die Kom­munisten verfolgt und niedergeschlagen, und das sei zwar vielleicht traurig, aber eigentlich nicht so schlimm und betreffe uns andere nicht. Wir haben dann schnell genug einsehen müssen, daß es uns auch betraf. Und wenn heute – um nur drei Länder zu nennen – wenn heute in Grie­chenland, in Spanien und in Vietnam Menschen verfolgt, ermordet, hin­gerichtet, mit Napalm-Bomben und anderem umgebracht werden, Men­schen, die entweder Kommunisten sind oder die man als solche bezeich­net, so haben wir, wenn Arbeiterbewegung und Freiheitskampf über­haupt einen Sinn haben sollen, die Verpflichtung der Solidarität mit allen, die dort verfolgt werden. [..]“ (Hervorh. von mir, N.G.)

    Ich frage mich, wo ist heute die Arbeiterbewegung? Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter. Wird es jemals wieder eine Arbeiterbewegung geben?

    Noch eine Anmerkung zu Walter Fabian:
    Der Chefredakteur des DGB-Organs „Gewerkschaftliche Monatshefte“, Dr. Walter Fabian, ist unter dem massiven Druck der CDU/CSUund des stellvertretenden SPD- Vorsitzenden Herbert Wehner zum Rücktritt gezwungen worden! Wie Dr. Fabian in Hamburg erklärte, sollte es ihm unmöglich gemacht werden, unangenehme, nicht mit der Bonner Regierungspolitik übereinstimmende Meinungen drucken zu lassen. Die Hauptangriffe der Wehner-Leute und der CDU/CSU-Führer richteten sich gegen einen in der Märzausgabe der „Gewerkschaftlichen Monatshefte“ veröffentlichten Artikel des westdeutschen Publizisten Dr. Helmut Lindemann. Dr. Lindemann schrieb u. a .:

    „Solange die Bundesrepublik an der Fiktion festhält, daß es die DDR nicht gebe, und solange es stillschweigend oder ausdrücklich ihr Ziel bleibt, das dortige Regime zu beseitigen, werden wir Deutsche in der deutschen Frage nicht einen Schritt weiterkommen.„

  7. tommmm schreibt:

    „…Andererseits war es Walter Ulbricht natürlich nicht möglich, diese Hintergründe, über die er selbst sich als einer der erfahrensten Spitzenfunktionäre der Kommunistischen Internationale ganz gewiß im klaren war, im Zentralkomitee oder auch nur im Politbüro darzulegen….“ (Gossweiler)

    Ich habe jetzt 2 Tage überlegt, warum ich diese Ansicht falsch finde. Manchmal geht es mir so, dass ich etwas lese und irgendwie denke….was stimmt hier nicht?

    –> Angenommen, Walter Ulbricht hat die Ansicht von Kurt Gossweiler geteilt, und seine Meinung bewußt zurückgehalten, heißt das doch, dass er kein Vertrauen in die Führung unseres Staates hatte?????

    –> Angenommen, es hatte einen anderen Grund, dann heißt das, dass Kurt Gossweiler 1993 der Meinung war, dass man damals den Politbüro nicht vertrauen konnte.

    Beide Varianten stimmen mich sehr nachdenklich. Wo soll dann noch Vertrauen in das Volk herkommen, wenn man sich selbst nicht über den Weg traut. Wie sollen Probleme gelöst werden, wenn sie nicht offen benannt werden.

    Ich denke, die Wahrheit muss auf den Tisch. Das sollte doch das grundlegende Unterscheidungsmerkmal zu den gekauften Politikern des Kapitalismus sein.

    • sascha313 schreibt:

      Du sprichst da eine wichtige Frage an, tommmm. Ich denke, bei aller Klugheit (und bei dem Wissen, das wir heute haben), wäre es damals nicht möglich gewesen, bestimmte Kenntnisse in die Öffentlichkeit zu tragen, schließlich war die DDR abhängig von der Sowjetunion und der kalte Krieg lief auf Hochtouren. Der Trotzkismus, der ja auch erst nach 1956 wieder populär wurde, hatte sich in der öffentlichen Diskussion in der SU ja 1940 bereits erledigt. Es ist immer die Frage, wie geht eine Partei mit Abweichungen um – öffentlich oder nicht? Letzteres ist immer problematisch! Und nun erst recht, nachdem die DDR von bestimmten Leuten in der SU zu Disposition gestellt worden war.

      Herrnstadt hatte z.B. den Mut, die Frage „Russen und wir“ ins Gespräch zu bringen, hat aber dann nicht verstanden (oder wußte es einfach nicht), daß die Losung „Von der Sowjetunion lernen…“ nach Stalins Tod nicht mehr güklltig war und auch zum Untergang der DDR führen mußte. Und wie groß wäre das Geschrei derer gewesen, die dann gesagt hätten: „Siehste, das ham wir schon immer gewußt: Der Sozialismus ist doch nur Propaganda!“ – Also hat Walter Ulbricht das damals einzige richtige getan, was möglich war: Herrnstadt, Zaisser u. Co müssen raus aus der Partei! Das war ganz sicher nicht Ulbrichts einsame Entscheidung, auch das war vorher im PB diskutiert worden. Große öffentliche Erklärungen, warum und wieso – dafür war wohl die Zeit einfach auch nicht da, denn die Ereignisse hatten sich sowieso schon überschlagen: die Ereignisse in der DDR, dann zugespitzt – Ungarn 1956. Und Semjonow hatte das damals schon durchblicken lassen – die Revisionisten wollten die DDR fallenlassen. Sie waren gegen den Aufbau des Sozialismus in der DDR. Und Chruschtschow ist ja dann auch zurückgerudert, als er sah, welche Konsequenzen das haben würde…

      Im Spiegel (24/1990) wurde das auch schon höhnisch kommentiert. Was da aber verschwiegen wird, ist die Tatsache, daß mittlerweile auf dem „Schachbrett“ (Brzezinski) mit Chruschtschow und Banditen schon ganz neue Figuren aufgestellt worden waren. Ein Lehrstück des Stalinismus? Nein. Eine konsequent marxistische Linie. Und warum gab es nach der „Geheimrede“ keine Proteste im PB der KPdSU? Das wird uns wohl immer ein Rätsel bleiben. Die „Geheimrede“ war ja schon geduckt (!), als Chruschtschow sie vorlas…

    • Weber Johann schreibt:

      Tommmm Du schreibst:
      „Ich denke, die Wahrheit muss auf den Tisch.“
      Aber wie kommt man zur Wahrheit? Man muss bereits sein, gewisse Fakten zu berücksichtigen. Fakt ist, das deutsche Volk wurde mit aller Brutalität auf die Vernichtung des Bolschewismus mobil gemacht. Mit dem Tag der Befreiung haben sich die Antibolschewisten nicht in Luft aufgelöst. Ich konnte in eine der ersten Ausgaben der Berliner Zeitung (SBZ) vom 2. Juni 1945 einen Kommentar finden, der das entscheidende Problem ansprach:

      Faschistische Überreste ausrotten
      In der Geschichte Deutschlands gab es keine dunklere Periode als die zwölfjährige Herrschaft der Hitlerbande. Die endlose Kette dieser Verbrechen, die in allen Ländern Europas verübt wurden, kennzeichnet diese Herrschaft. In den von den Deutschen eroberten Ländern ging eine grausame und kaltblütige Vernichtung ganzer Völker vor sich; Städte und Dörfer wurden vom Antlitz der Erde weggefegt, wertvollste Denkmäler der Kunst und wissenschaftliche Institutionen von Weltbedeutung wurden vernichtet. Hitler strebte danach — und es gelang ihm in bedeutendem Maß — die Deutschen zu grausamen und skrupelosen Wesen zu erziehen, Wesen die die anderen Völker hassen, Wesen die die in Jahrhunderten von anderen Völkern geschaffene Kultur verachten.
      Ja, mehr noch! Die Hitlerherrschaft war auch ein ununterbrochenes Verbrechen gegen das eigene Land, gegen das eigene Volk: Massenmorde, Konzentrationslager für zehntausende Menschen, Vernichtung der Existenzmöglichkeit Andersdenkender — das wurde zum System der Hitlerpolitik. [..]

      Aber einige noch nicht ausgerottete faschistische Verbrecher suchen hier und da noch ihrem eigenen Volke zu schaden. Es gibt noch immer Leute, die bis jetzt noch nicht verstanden haben, auf welch katastrophalen Weg Hitler Deutschland geführt hat: diese Leute wollen nicht von seinen wahnsinnigen Ideen und seiner verbrecherischen Politik Abschied nehmen. Sie versuchen, für ihre niedrigen Ziele Jugendliche zu gewinnen und weihen diese damit dem unvermeidlichen Untergang. [..]

      Und was könnten diese kümmerlichen Mißgeburten mit ihren verbrecherischen Handlungen heute am Ablauf der Ereignisse ändern?! Wem aber können sie Schaden bringen? Sie können nichts am Lauf der Geschichte ändern, aber sie können dem deutschen Volk schaden. Es ist ganz klar, daß jeglicher Versuch sich den Anordnungen der Sowjettruppen zu widersetzen oder die Ordnung in Berlin zu verletzen, von den Sowjetbehörden streng und schonungslos bestraft wird. Jede x-beliebige, dafür notwendige Maßnahme wird mit äußerster Strenge durchgeführt. Die Berliner sind an der Ruhe ihrer Stadt interessiert, sie sind an schnellster Herstellung des normalen Lebens interessiert.“

      Darauf aufbauend kommt der nächste Schritt. Ich muss mich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass die Westzonen, aber auch sehr viele in der SBZ, die von der Vernichtung des Bolschewismus weiter überzeugt waren und sich den Kräften in den Westzonen andienten, die das Deutschland von 1937 wollten oder den Drang nach Osten wieder beginnen wollten.

      Jetzt nur noch Stichpunkte, die berücksichtigt werden müssen, sonst kommst du nicht weg von dem von Adenauer verordneten Antikommunismus, um zu verstehen, welchen Gefahren die Regierenden während der SBZ und der DDR ausgesetzt waren.
      – Verhinderung der Bodenreform, mit allen Mittel bis hin zum Mord.
      – Spionage, Sabotage der Terrorgruppen von Adenauer (Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit, Untersuchungsausschuss freier Juristen), Schumachers Terrorgruppe SPD-Ostbüro, DGB-Ostbüro, CIA, Britischer Geheimdienst, Umsturzversuch 17. Juni 1953, eine Medienwelt in den Westzonen und der Alt-BRD die volle Hetzpropaganda gegen die Menschen in der SBZ und der DDR täglich starteten usw.
      – Alle Aktionen gegen die SBZ und der DDR wurden mit West-Mark bezahlt. Und das nicht schlecht.

      Erst wenn Du dies gemacht hast, dann wird Dir klar, dass Ulbricht fast niemanden trauen konnte. Ich komme nochmals zurück auf den Titel des Kommentars in der Berliner Zeitung: „Faschistische Überreste ausrotten“. Ist dies in der SBZ und der DDR gelungen? Nein. In den Westzonen und der Alt-BRD kamen diese Elemente wieder zu „Wohlstand“ und „Ansehen“.

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