Geschichte: Was ist wahr und was wurde gefälscht?

Titelbild

Fake News: „Vorsicht Fälschung!“

Da wird zum Beispiel von „Geschichtsklitterung“ oder „Geschichtsfälschung“ gesprochen, wenn zufällig mal woanders als in den Mainstream-Medien, vielleicht sogar auf einer sozialkritischen Seite oder Gott bewahre! auf einer marxistischen Seite die Vorzüge des Sozialismus in der DDR oder die Erfolge der Sowjetunion unter Stalin auch nur erwähnt  werden.  Keine Frage dieser Vorwurf bedarf nicht des geringsten Beweises. Es sind Behauptungen, die  nur den einen Zweck erfüllen: ich habe recht und du bist ein Opfer der kommunistischen Propaganda! Das gleiche gilt in etwa auch für den Vorwurf der Verschwörungstheorie.

Über die Wahrheit

Nun ist allerdings die Frage: Wer hat recht und was ist wahr, und was ist falsch? An dieser Stelle muß man schon etwas gründlicher an die Sache herangehen, als nur dem Gesagten wiederum neue, haltlose Behauptungen hinzuzufügen. Das einzige gültige Argument kann nur der Realität entsprechend sein. Doch allein schon das dürfte mit gewissen Schwierigkeiten verbunden sein:

Zeitzeugen vermitteln aufgrund ihrer eingeschränkten, subjektiven Wahrnehmung nicht in jedem Falle ein objektives Bild. Dokumente, Berichte und wissenschaftliche Analysen sind nicht sofort und für jedermann verfügbar. Und bekanntlich wurden ja nicht nur in der Vergangenheit Dokumente und Berichte zweckentsprechend gefälscht, wenn damit  bestimmte politische Absichten zu verwirklichen waren. Wir sehen also – die Darstellung der geschichtlichen Wahrheit hängt sehr davon ab, welchen politischen Standpunkt derjenige vertritt, der historische Ereignisse beschreibt und bewertet.

Was ist Wahrheit?

Wahrheit ist eine philosophische Kategorie, welche die Adäquatheit der Erkenntnis, ihre Übereinstimmung mit den objektiv-realen Erkenntnisgegenständen widerspiegelt. [2]


Was ist Geschichte?

Ein gesetzmäßiger Prozeß

Ganz allgemein gesagt, verstehen wir darunter einen Entwicklungsprozeß. Im engeren Sinne ist Geschichte: der objektive, einheitliche,  in seiner Vielfalt gesetzmäßige, unendliche Entwicklungsprozeß der menschlichen Gesellschaft vom Niederen zum Höheren, ihre Entwicklung vom Tierreich bis zur Gegenwart. Die Geschichte vollzieht sich aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungsgesetze, die unabhängig vom menschlichen Bewußtsein und außerhalb des Bewußtseins, d.h. objektiv, real exisistieren.

Was ist der Unterschied zu den Naturgesetzen?

In Gegensatz zu den Naturgesetzen, die sich durch Naturvorgänge durchsetzen, welche unbhängig vom Menschen und seiner Tätigkeit vor sich gehen, wirken die gesellschaftlichen Gesetze jedoch nicht unabhängig vom Menschen, sondern nur durch seine materielle gesellschaftliche Tätigkeit. Demzufolge ist die Geschichte das Ergebnis der produktiven Tätigkeit der Volksmassen und ihrer auf dieser primären Tätigkeit beruhenden politischen, kulturellen und geistigen Tätigkeit:

„Die Menschen machen ihre Geschichte, wie diese auch immer ausfalle, indem jeder seine eigenen Zwecke verfolgt, und die Resultante dieser verschiedenen, in verschiedene Richtungen agierenden Willen und ihrer mannigfachen Einwirkung auf die Außenwelt ist eben Geschichte.“ (Engels) [3]

„Was du ererbt von deinen Vätern…“

Die Kontinuität der Geschichte ergibt sich daraus, daß die Menschen nicht aus freien Stücken, unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen, überlieferten Umständen wirken müssen, d.h. daß insbesondere jede neue Generation die von der altenen Generation übernommenen Produktivkräfte als Rohmaterial für neue Produktion benutzen muß.

Wer macht die Geschichte?

In sozialökonomischen Gesellschaftformationen, in denen die Produzenten der materiellen Güter nicht Besitzer der Produktionsmittel sind, d.h. unter Produktionsverhältnissen der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, machen die Volksmassen nicht nur durch ihre Produktionstätigkeit, sondern auch durch ihren ständigen Kampf um den Fortschritt der Gesellschaft Geschichte. Der Klassenkampf ist unter diesen Bedingungen die Triebkraft der gesellschaftlichen Entwicklung; durch ihn wird der Widerstand der reaktionären Klassen gegen den gesellschaftlichen Fortschritt überwunden und den gesellschaftlichen Entwicklungsgesetzen zum Durchbruch verholfen. Die höchste Form des Klassenkampfes sind die Revolutionen.

Wohin führt der Klassenkampf?

Der Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Arbeiterklasse führt notwendigerweise zur sozialistischen Revolution und zum Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus, d.h. zur endgültigen Beseitigung jeglicher auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beruhenden gesellschaftliche Ordnung. Auch auf der Grundlage des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln bleibt die Geschichte ein objektiv-realer Prozeß, vollzieht sich aber durch die Bewußtheit.

Quelle:
Sachwörterbuch der Geschichte (2 Bde.), Dietz Verlag Berlin, 1969, Bd.1, S.672f.


Wie ist das mit der Geschichtsfälschung?

Hier muß man sich die Frage stellen: Cui bono? (Wem nützt es?) Wer schreibt über die Geschichte? Und wer hat eigentlich Interesse daran, die Geschichte anders darzustellen, als sie wirklich war?

Falsche Vorstellungen, Irrglaube und Wahn…

Es gibt sehr viele verschiedene falsche Vorstellungen, abhängig vom jeweiligen Bildungsgrad, vom Wissen, von der Erziehung (einschl. religiöser Beeinflussung) und von geistigen Zustand des Gesprächspartners, resp. des „Patienten“. Was sagt nun der Psychologe dazu? Der Wahn ist beispielsweise „eine verfälschte Widerspiegelung der objektiven Realität mit subjektiv hohem Überzeugungswert bei Unzugänglichkeit für Kritik. Wahnideen können psychoreaktiv entstehen, sind aber dann grundsätzlich unterscheidbar als affektbetonte und überwertige Ideen, schiefe Einstellungen und Eigenbewertungen Gesunder im Unterscheid zu den Wahnideen der Schizophrenen und bei organischen Psychosen.“ [4]

Politologische Ostforschung

Solange es Ausbeuterklassen gab, in denen sich einzelne Wenige auf Kosten der großen Masse der Arbeitenden bereichen konnten, hatten diese den Wunsch, das Volk sicher in den Griff zu bekommen. Hier nun noch ein weiteres Zitat:

„Um dem Antikommunismus als offizieller Staatsdoktrin einen Abglanz von Wissenschaftlichkeit zu geben, hat die ,Ostforschung‘ im Rahmen der Politikwissenschaft einen besonderen Platz erhalten. das wird vor allem an den Summen deutlich, die regierungsamtlich für Ostforschungsinstitutionen ausgegeben wird. Das Bonner Innenministerium sieht dafür in seinen Etat allein 14,6 Millionen vor. Das Bonner Auswärtige Amt stellt jährlich eine halbe Millionen Mark für ,Gesellschaften‘ und ,Arbeitskreise‘ zur Verfügung, die sich mit ,Ostproblemen‘ beschäftigen. Das ,gesamtdeutsche‘ Ministerium verzeichnete für 1965 unter dem Titel 600 ,Zuschüsse an Forschungsinstitute für kultur- und volkspolitische Zwecke und ähnliche Einrichtungen‘ einen Betrag von 42,6 Millionen Mark.“ [5]

Heute steht die DDR im Visier solcher „Politikwissenschaftler“. Ziel aller dieser „Forschungen“ ist die antikommunistische Manipulation der Menschen in der kapitalistischen Gesellschaft: die Verleumdung des Sozialismus, die Delegitimierung der DDR und Fälschung ihrer Geschichte.

Was kam dabei heraus?

Für derartige Forschungszwecke standen allein der Bundesstiftung „Aufarbeitung…“ für das Jahr 2010 über 5,6 Millionen Euro zur Verfügung [6]. (Zum Vergleich: Das ist mehr als das Fünffache dessen, was heute jährlich für die Verfolgung von Naziverbrechen bereitgestellt wird.) Das Ergebnis: Trotz dieser enormen Summen, die für die Aufklärung von (angeblichem!) „DDR-Unrecht“ zur Verfügung gestellt wurden, konnte Angeklagten aus der DDR bisher keine einzige Straftat nachgewiesen und kein einziges Ermittlungsverfahren zum Erfolg geführt werden [7]. Anders verhielt es sich mit den Nazi- und Kriegsverbrechen des sog. „Dritten Reiches“. Der internationale Nürnberger Gerichtshof fällte 12 Todesurteile, verhängte 7 Haftstrafen und entschied gegen die Stimme des sowjetischen Anklagevertreters für 3 Freisprüche. Die juristische Aufarbeitung von Nazi- und Kriegsverbrechen in der BRD gilt jedoch gemeinhin als „gescheitert“. Daß dieser Begriff nicht angemessen ist, ersieht man allein schon daraus, daß es nach 1990 in der BRD zu solch skandalösen Vorgängen kam, wie der „Kassation des Urteils“, der Haftentlassung und Zahlung einer „Kriegsopferrente“ an einen in der DDR rechtskräftig zu lebenslanger Haft verurteilten Nazi-Kriegsverbrecher, des Mörders von Oradour, Barth.

Zitate:
[1] Claude-Adrien Helvetius (1715-1771): Vom Menschen, von seinen geistigen Fähigkeiten und von seiner Erziehung. Aufbau Verlag Berlin und Weimar (DDR), 1976, S.14.
[2] vgl. Alfred Kosing: Wörterbuch der marxistisch-leninsitischen Philosdophie. Dietz Verlag Berlin, 1985, S.547.
[3] Friedrich Engels: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klasssischen deutschen Philosphie. In: Karl Marx/Friedrich Engels: Werke. Dietz Verlag, Berlin, 1975, Bd. 21, S.297.
[4] Günter Clauß (et al.): Wörterbuch der Psychologie. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1979, S.572.
[5] Manipulation – Die staatsmonopolistischer Bewußtseinsindustrie. Dietz Verlag Berlin, 1968, S.183
[6] siehe: Stiftung „Aufarbeitung…“, 5.Anhang. CDU/CSU-Fraktion H.Koschyk (MdB)
[7] siehe: Welt, vom 1.10.2015

Siehe auch:
Albert Norden: Fälscher der Geschichte
Auf der Suche nach der historischen Wahrheit
Wie Trotzkisten die Geschichte fälschen
Geschichtsfälschung beim Russensender „Sputnik“
L.Pribytkowa: Der Lügenpatriot
Der Betrug der USA mit der angeblichen Mondlandung
Im Dienste der Unterwelt
Gefälschte Zitate

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21 Antworten zu Geschichte: Was ist wahr und was wurde gefälscht?

  1. Wolfgang Schumann schreibt:

    Könnte Helvetius auch heute gesagt haben. Danke „Sascha“

    • sascha313 schreibt:

      🙂 erstaunlich, nicht wahr? (aus dem DDR-Zitaten-Lexikon)
      …bei „geistlosen Büchern“ müßte man noch hinzufügen „keine“ – das Lesen scheint aus der Mode gekommen zu sein! Kleiner Hinweis: Es gibt überall in den östlichen Bundesländern und über „booklooker“ noch die Möglichkeit, DDR-Bücher für ein geringes Entgelt (oft nur 50 Cent pro Buch) käuflich zu erwerben.

      • Weber Johann schreibt:

        Sascha, ich muss Dir Recht geben. Nur wer sich dieser Quellen bedient, wird die antikommunistische „Mauer“ aufbrechen und die Aktivitäten, der mit Milliarden Euros an Steuergeldern geförderten Akteure der DDR-Aufarbeitungsindustrie, durchschauen. Hier ein Auszug aus einem DDR-Buch:

        Entnommen aus dem Buch „Fälscher“ von Albert Norden.
        Tscherwonzenfälscher, Dietz Verlag Berlin 1967

        „[…] In ebendiesen Februartagen 1930 kam es noch einmal zu dem Versuch, eine große internationale Front des Krieges gegen die Sowjetunion zu bilden. Was dem englischen Öltrust mißlungen war, worum sich die Bankhaifische der kapitalistischen Mächte vergeblich bemühten, was französische Marschälle und deutsche Generale nicht geschafft hatten, was der amerikanische Präsident Hoover ersehnte, aber nicht verwirklichen konnte, das unternahm nun der Papst in Rom. In einem am 8. Februar 1930 (dem Tag des Berliner Tscherwonzenfälscher-Freispruchs) publizierten Schreiben eröffnete dieser Pius Xl. einen Weltfeldzug gegen Moskau. Er teilte mit,

        1. daß er schon 1922 während der Konferenz von Genua – an deren Rand es zur historischen Regelung der deutschsowjetischen Beziehungen durch den Vertrag von Rapallo gekommen war – die Regierungen aller Länder aufgefordert habe, mit der Sowjetunion erst dann diplomatischen Umgang zu pflegen, wenn die russisch-ortliodoxe Kirche wieder in den Besitz ihrer ungeheuren Ländereien und sonstigen Schätze gelangt sei;

        2. daß er jetzt eine Kommission für Rußland eingesetzt habe, „um die Welt von den Scheußlichkeiten des Bolschewismus zu unterrichten“;

        3. daß er Gebete zur Befreiung Rußlands vom Bolschewismus mit Ablässen versehen habe;

        4. daß er „die ganze christliche Welt aufrufe, sich am 19. März 1930 betend zu versammeln, „damit endlich diese große Heimsuchung aufhöre“.

        Vielsagend schloß die Botschaft: „Wir sind sicher, daß die göttliche Vorsehung die nötigen Mittel vorbereitet und in dem von ihr bestimmten Augenblick geben wird, um die sittlichen und materiellen Verwüstungen jenes unermeßlichen Landes wiedergutzumachen.
        […]
        In der „Germania“ vom 6. April erwog der katholische Bischof von Berlin, Dr. Schreiber, den „Einsatz politischer und militärischer Machtmittel“ wie die Frage des möglichen wirtschaftlichen Widerstandes, als welcher sich beispielsweise der Boykott anbietet“. Das war ein Wink mit dem Zaunpfahl. Noch deutlicher wurde der damals weithin bekannte äußerst betriebsame antisowjetische Ideologe und Aktivist, der Jesuitenpater Friedrich Muckermann. In seinem Buch „Der Bolschewismus droht“ forderte er unverblümt die Aufnahme des Krieges gegen die Sowjetmacht: „Kein Pazifismus kann hier helfen.““

        Eine andere DDR-Quelle:
        Im Neues Deutschland vom 25. Dezember 1956 steht folgendes:
        „Im August dieses Jahres fand vor der 8. Strafkammer des Dortmunder Landgerichts ein Prozeß gegen den wegen seiner politischen Gesinnung angeklagten 27jährigen Lothar Quast statt.
        27 Monate Gefängnis, 13 500 D-Mark Geldstrafe und Zahlung der Verfahrenskosten so lautete das Urteil des Gerichts. Dieses Urteil wurde mit der Behauptung begründet, der junge Patriot sei einer der Organisatoren des „Treffens der Jungen Generation“ am 11. Mai 1952 in Essen gewesen. Jenes Treffens, bei dem die jugendlichen Gegner des Bonner Kriegskurses von Bonner Bereitschaftspolizei überfallen und der junge Friedenskämpfer Philipp Müller von eben diesen Polizisten ermordet wurde.“

        Anmerkung: Der Durchschnittsjahresbruttolohn eines Arbeiters betrug 1956 in der Alt-BRD 2000 bis 3000 DM. Zehntausende politisch Verfolgte in der Alt-BRD wurden neben Gefängnisstrafe,, Verlust ihres Arbeitsplatzes, noch hohe Geldstrafen plus Gerichtskosten auferlegt. Für viele bedeutete dies den finanziellen Ruin.

      • sascha313 schreibt:

        Danke – solche Informstionen sind außerordentlich wichtig – gerade in Zeiten, wo versucht wird, führende Persönlichkeiten des antiimperialistischen Widerstandkampfes durch Attentate zu beseitigen und die Bevölkerung einzuschüchtern. Nur wenn die Volksmassen die Hintergründe durchschauen und ins Handeln kommen, werden solle Vorfälle keine dauerhaften Auswirkungen auf den gesellschaftlichen Fortschritt mehr haben. Sie verlieren damit ihren Sinn.

  2. Rolf schreibt:

    Richtig Sascha!
    Diese Quelle sollte man auch nutzen, man kann es der Jugend auch nur bestens und wahrheitsgemäß empfehlen.
    Erstens steht in den DDR-Büchern die Wahrheit und zweitens gibt es so gut wie keine Rechtschreibfehler … im Gegensatz zur heutigen Zeit.
    Egal ob es sich um politische, fachliche oder andere Literatur handelt.
    Also dann … wieder ran an die DDR-Literatur!

    Rolf

    • sascha313 schreibt:

      Außerdem halte ich die Amerikanisierung der deutschen Sprache für unnötig und häßlich. Ganz abgesehen davon, daß sie ein Mittel der ideologischen Manipulierung ist…

      • olivia2010kroth schreibt:

        Sehr richtig, das sehe ich ganz genauso. Die Amerikanisierung der deutschen Sprache ist so, wie wenn man ein knatschendes Kaugummi an ein gutes deutsches Vollkornbrot pappt. Scheusslich! Knatschig! Eklig!

  3. Weber Johann schreibt:

    Wer hat solches Unrecht schon in einer BRD-Zeitung gelesen?

    Neues Deutschland, So. 16. August 1964:
    Mutig vertreten die Kommunisten in der Bundesrepublik Ihre Sache, die die Sache aller friedliebenden Bundesbürger ist. In den Terrorprozessen, mit denen Bonn sie zum Schweigen bringen will, werden sie zu Anklägern der westdeutschen Ultras.

    MANFRED FACKEL,
    Autoschlosser aus Ludwigshafen, vor der Politischen Strafkammer des Landgerichts Lüneburg:  „Ich habe keine Kriegsverbrechen begangen, und ich sehe auch in meiner Tätigkeit für die KPD kein verbrechen. Ich bin stolz auf meine Überzeugung Nach dem Grundgesetz habe ich das Recht und die Pflicht, für Frieden, Abrüstung und Verhandlungen einzutreten, um unser Volk und meine Familie vor dem Krieg zu schützen. So habe ich gehandelt. Ich bin Kommunist, und ich bleibe es!“ Das Urteil: 27 Monate Gefängnis

    ANDREAS STOCKL,
     süddeutscher Arbeiterfunktionär, vor dem Politischen Sondergericht in München;  „Die Kommunisten haben in der Nazizeit den größten Blutzoll zahlen müssen. Die Äußerungen des Staatsanwalts gegen die KPD sind eine Beleidigung aller antifaschistischen Widerstandskämpfer, aller Jener Genossen, die wir verehren, Das Urteil: 8 Monate Gefängnis

     WERNER WISCHMANN,
     norddeutscher Gewerkschafter, vor dem Strotsenat des Karlsruher Bundesgerichtshofes:  „Unser erstes Anliegen war und ist die Sicherung des Friedens — ein Anliegen das unser Eintreten gegen die Bonner Rüstung einschloß. Die Geschichte der Arbeiterbewegung zeigt, daß wir nicht vorsätzlich illegal arbeiten, sondern daß wir immer den Kampf um die Legalität führen. Die Einheit der Arbeiterklasse, für die wir eintreten, ist die Voraussetzung dafür, daß nicht wieder Hitlergenerale das deutsche Volk ins Unglück stürzen. Das Urteil: 30 Monate Gefängnis

    EDELTRAUT KUBLIK,
     Arbeiterfunktionärin aus Bochum-Weitmar, vor der Politischen Sonderstrafkammer des Landgerichts Dortmund:  „Ich stehe hier zum zweitenmal vor einem westdeutschen Gericht. Nicht wegen einer bewiesenen strafbaren Handlung, wie selbst der Staatsanwalt einräumen mußte. Ich stehe hier, weil ich Kommunistin bin. Diese meine Gesinnung soll bestraft werden, Das Urteil: 16 Monate Gefängnis

     WILLI GERNS,
     ehemaliqer Vorsitzender des gewerkschaftlichen Vertrauensmännerkörpers eines Metallbetriebes in Hannover, vor der Politischen Strafkammer des Landgerichts Lüneburg:  „Mit Hilfe der KPD-Verbotsparagraphen, mit Hilfe der antikommunistischen Peitsche wird hier gegen die Gewerkschaften vorgegangen. Ich soll verurteilt werden, weil die Krankenkassen- Reformpläne wieder von der Bundesregierung auf den Tisch gelegt worden sind. Mit meiner Verurteilung sollen die Arbeiter, die Gewerkschaft vom Kampf gegen diese Pläne abgehalten werden. Doch das wird nicht gelingen!“ Das Urteil: 12 Monate Gefängnis

     WILLI HALLER,
     ehemaliger Betriebsrat der Schachtanlage Osterfeld-Sterkrade, vor der Politischen Sonderstrafkammer des Landgerichts Düsseldorf:  „Mein Großvater wurde unter dem Sozialistengesetz als Agent angeklagt, weil er am 1. Mai unter einer roten Fahne marschierte. Meinen Vater verurteilten die Nazis als Agenten und brachten ihn im KZ um. Heute stehe ich, der Enkel und Sohn, unter der gleichen Anklage vor Gericht. Aber wir tragen nur eine Schuld. Wir haben uns leiten lassen von dem Ziel, das Beste für unser Volk und unsere Klasse, für die arbeitenden Menschen zu erreichen. Das Urteil: Willi Haller und vier seiner mitangeklagten Kollegen erhielten 49 Monate Gefängnis

    • sascha313 schreibt:

      …ein Unrechtsstaat, der solche Urteile fällt! Muß man mehr dazu sagen? Ich denke: Nein! Gerade weil fast jeden Tag irgendwelche halbwahren oder erfundenen Geschichtchen in der Zeitung stehen, in denen man die DDR mit Schmutz zu bewerfen versucht. Schwer ist es allerdings, das Gegenteil zu beweisen, weil die staatsoffziellen Medien sämtliche DDR-Archive requiriert haben und kaum jemand die Chance hat, jedes Detail zu widerlegen. Die Lügr muß nur allzu groß sein und oft genug wiederholt werden, dann denken einige: Da wir wohl was dran sein. Danke für die Recherche!

    • … und weitere 200.000 (oder mehr Strafverfahren) gegen Kommunisten in der BRD.

      Darüber hinaus die subtile Art der Verfolgung: Kindesentzug, Ächtung der Kommunisten, so dass ihre Kinder kein Gymnasium besuchen durften; Verlust des Arbeitsplatzes und Abstieg in die Sozialhilfe bis hin zu Folter und Mord.

  4. Ulrike Spurgat schreibt:

    Danke, Weber, mit einem Kloß im Hals.
    Sie haben den Tausenden Kommunisten der BRD einen Namen, ein Gesicht, ihre Geschichte wieder gegeben und das ist ein Wert an sich und dass nach Jahrzehnten , wo die Töchter und Söhne immer noch kämpfen um dem Erbe und dem Schwur von Buchenwald, den die Frauen und Männer am Tag ihrer Selbstbefreiung, dem 11.4.1945 versprochen haben „……..wir werden unseren Kampf erst einstellen, wenn auch der Letzte vor den Richtern der Völker stehen wird.“ gerecht zu werden.

  5. Weber Johann schreibt:

    Ulrike Spurgat, auch ich sage danke. Ich war langjähriger Vereinsfunktionär. Deshalb berührt mich folgender Fall besonders. Ich bringe jetzt den Fall von Willi Altenwerth, der nur das normalste auf der Welt unternommen hat, er organisierte zwei Fußballspiele gegen eine DDR-Fußballmannschaft. Hier eine Kurzform aus einem Bericht aus dem „Neuen Deutschland“ vom 9. März 1964. Ist das nicht das staatliche Verhalten eines Unrechtsstaats, wenn er Menschen, die nur ihr Menschenrecht auf freie Ausübung sportlicher Betätigungen mit staatlicher Gewalt niederschlägt, Menschen ins Gefängnis steckt, Menschen krank macht und eine Familie ruiniert. Die Prozesskosten dürften damals bei tausenden DM-Mark gelegen haben. Ich vermute, mindestens ein Jahresbruttogehalt.

    215 Tage für 90 Minuten Fußball
    […] Also fuhr Willi Altenwerth mit seiner Mannschaft nach Leipzig-Engelsdorf, und Ostern 1962 kam es zu einer Begegnung, die mit 4 : 4 einen sportlich gerechten Ausgang nahm. Willi Altenwerth, seit 22 Jahren Anhänger des Fußballsports und in seinem Verein Jugendleiter, Mitglied des Ehrenausschusses und Fußballobmann, erinnerte sich der jahrzehntealten Gewohnheit deutscher Fußballmannschaften, den Gegner nach einem Besuch zum Rückspiel einzuladen. [..] aber die Politische Polizei nahm Willi Altenwerth am 29. Mai 1962 in Haft. Als er verblüfft nach dem Grund fragte, antwortete man ihm: „Wegen staatsgefährdender Umtriebe.“ [..] Zwei Tage später bestritten die Engelsdorfer Fußballspieler dennoch ihr Rückspiel in Bochum — es endete 4 : 4 wie in Leipzig. Am Abend aber umstellte die Polizei das Vereinslokal, verhaftete sieben Engelsdorfer Spieler und geleitete die gesamte Mannschaft am nächsten Morgen mit Motorrädern, einem Wagen des Verfassungsschutzes (BO W 141) und einem weiteren Funkwagen bis zur gut zweihundert Kilometer entfernten Grenze zur DDR.  Die Engelsdorfer kehrten heim, aber Willi Altenwerth blieb in Haft. Monate gingen ins Land. Man entließ ihn bis zur Verhandlung. […]

    Hier die Schlagzeilen zweier bürgerlicher westdeutscher Zeitungen über diesen Prozeß: Zu sieben Monaten Gefängnis wurde Altenwerth verurteilt. Dazu muß er die Kosten des Verfahrens tragen. Inzwischen wurde seine Wohnung gekündigt, seine Frau leidet an einer schweren Nervenentzündung. Mit einem Wort: Der begeisterte Fußballanhänger und Vereinsfunktionär Willi Altenwerth ist ruiniert. Was warf man ihm vor? Wofür verurteilte man ihn zu sieben Monaten Gefängnis? Zitieren wir wörtlich, was der Gerichtsberichterstatter der „Westfälischen Rundschau“ bei seinem Bemühen notierte, das Urteil zumindest für vertretbar zu halten: „Daß auch der DTSB (Anmerkung: DDR) zu diesen Massenorganisationen mit politischer Zielsetzung gehöre, zeige schon sein Statut. Es trage so ausgesprochen politischen Charakter, daß jeder — auch A. — sofort stutzig werden müsse, wenn er es mit dem Statut eines westdeutschen Sportvereins vergleiche. Willi A. müsse also, so folgerte das Gericht, wegen Fortsetzung der verbotenen Kommunistischen Partei und wegen Geheimbündelei bestraft werden. In den „Ruhr-Nachrichten“ las man: „Von der Anklage blieb am Schluß nicht mehr viel übrig. So mußte schon Staatsanwalt Pohlmann folgende Punkte fallenlassen: In staatsgefährdender Absicht Rädelsführer in einer verfassungsfeindlichen Organisation gewesen zu sein, in der gleichen Absicht Kontakte zu ostzonalen Führungsstellen aufgenommen und diesen Nachrichten geliefert zu haben.“

    So blieb also von der Anklage nichts weiter übrig als Willi Altenwerths Reise mit seiner Fußballelf nach Leipzig und die Einladung zum Rückspiel nach Bochum-Hordel. Das wäre eine Fortsetzung der Kommunistischen Partei, „folgerte“ das Gericht, weil das Statut des DTSB „politisch“ sei. Zunächst sei vermerkt, daß das Gericht ein altes Statut des DTSB als „Beweis“ vorlegte, ein längst außer Kraft gesetztes, ungültiges Statut. Altenwerth hätte, um unbestraft bleiben zu wollen, bei seiner Ankunft in Leipzig zunächst sämtliche Statuten des DTSB seit seiner Gründung studieren und dann entscheiden sollen, ob er in der DDR mit seiner Elf Fußball spielen würde oder nicht. [..] „

  6. Weber Johann schreibt:

    Nachtrag zum Bericht über den Fussballtrainer Altenwerth.
    Das „Neue Deutschland“ berichtete am 4. Juni 1962 über das gewaltsame Vorgehen der Alt-BRD Staatssicherheitsorgane gegen die Sportler aus der DDR::
    „In Bochum Polizeihunde gegen DDR-Fußballer
    [,,]  Am 30. Mai traf in Leipzig ein Telegramm ein. „Einreise nicht erwünscht. Willi Altenwerth“. lautete der Text. Ein Anruf in Bochum ergab, daß niemand von dem Telegramm wußte. Doch sollte sich das noch aufklären. [..]
    Am 1. Juni rollte der Bus mit den Engelsdorfer Fußballern über die Grenze. Am 2. Juni spielten sie gegen Bochum-Hordel. 4 : 4 wie in Leipzig. Als die beiden Mannschaften am Sonnabendabend im Vereinslokal der Bochumer zusammensaßen, umstellte gegen 22 Uhr ein Polizeikommando das Lokal: Vier Funkwagen, zwei Kräder, Hundeführer. Das Telefon des Lokals wurde gesperrt. Tumultartige Szenen, handfeste Auseinandersetzungen, als die Polizei eindrang und sieben DDR-Sportler verhaftete. Die anderen waren mit ihren Gastgebern unterwegs. Im Polizeipräsidium war man mit dem Ergebnis der Aktion offensichtlich unzufrieden. Die Unzufriedenheit verbarg man nicht. Der erste Befehl, die Engelsdorfer bei Ihrem Eintreffen in Bochum vor dem Spiel zu verhörten, war gescheitert. In einer Diskussion klärte sich auch die Frage nach dem Telegramm. Einem der „Männer“ vom Verfassungsschutz entfuhr die Bemerkung: „Wir haben doch ein Telegramm geschickt.“ „

    Das Ost-CDU-Blatt „Neue Zeit“ berichtet am 5. Juni 1962 dies:
    „….. griff die Dufhues-Polizei Nordrhein-Westfalens ganz im Sinne der sportfeindlichen Düsseldorfer Beschlüsse ein. Schon während des Spiels zwischen der Engelsdorfer Fußball-Elf von Lokomotive und dem gastgebenden Ballspielclub 1919 Bochum/Hordel umkreisten Polizeifunkwagen den Sportplatz.“

  7. Weber Johann schreibt:

    2. Nachtrag.
    Die Berliner Zeitung vom 16.8.1962 berichtete:
    Bochumer Funktionär entfloh Bonner Terror
    Um dem Terror der Bonner Polizeischergen gegen alle verständigungswilligen Kräfte in Westdeutschland zu entgehen, hat der bisherige Geschäftsführer des 1919 Bochum- Hordel e. V., Walter Werner, die DDR-Behörden um politisches Asyl gebeten. Werner war neben dem Vereins-Vorsitzenden Willi Altenwerth Mitunterzeichner einer Einladung an die BSG Lok Leipzig-Engelsdorf, im Juni dieses Jahres ein Freundschaftsspiel in Hordel auszutragen. Bereits zwei Tage bevor die Leipziger Fußballer, mit denen die Mitglieder des BC Hordel eine langjährige Bekanntschaft verbindet, in Bochum eintrafen, wurde Altenwerth verhaftet und Verhören nach Gestapomanier ausgesetzt, so daß er im Gefängnis schwer erkrankte. Jetzt drohte nach zahlreichen Repressalien Walter Werner das gleiche Schicksal. [..]

    Wie Werner weiter berichtete, wurden auch gegen die Familie Altenwerths Repressalien schlimmster Art, wie die fristlose Kündigung des Arbeitsplatzes — 900 m unter Tage in der Grube — ohne Angabe von Gründen, mit gleichzeitiger Erhöhung der Miete und der späteren Kündigung der Werkswohnung, unternommen. Des weiteren wurden Verhöre und Haussuchungen bei über 50 Vereinsangehörigen des BC Hordel, die den Leipziger Sportlern Quartiere und Gastfreundschaft gewährt hatten, durchgeführt. Der ehemalige Geschäftsführer, der sich Leipzig als neue Heimatstadt auserwählt hat, forderte abschließend alle deutschen Sportler auf mit ihm für die Freiheit von Willi Altenwerth und für Freundschaft und Verständigung einzutreten.“

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