Marx und Heine…

Nikolai Shukow Heine und Marx

Nikolai Shukow: Heine und Marx

„Bei der einzigartigen Bedeutung, die Heinrich Heine im nationalen deutschen Kulturerbe zukommt,“ so schreibt Walther Victor im Vorwort zu seinem Büchlein über Karl Marx und Heinrich Heine, „bleibt es eine von der Literaturgeschichte nicht ausreichend gewürdigte historische Tatsache, daß Heine derjenige große deutsche Dichter ist, der die Bekanntschaft und den persönlichen Umgang mit Karl Marx genoß.“ Zu den wenigen erhaltenen Dokumenten mit der Handschrift Heinrich Heines, die gedruckt wurden und nicht der Zensur zum Opfer fielen, zählt auch seine auf Französisch geschriebene Vorrede zur Lutetia. Dort äußerte sich Heine auch zur Frage des Kommunismus.

Mit dem Umsturz der alten Glaubensdoktri­nen, so schreibt Heine da, ist auch die ältere Moral entwurzelt. Die Deutschen werden doch noch lange an letztere halten. Es geht ihnen wie gewissen Damen, die bis zum vierzigsten Jahre tugendhaft waren, und es nachher nicht mehr der Mühe wert hielten, das schöne La­ster zu üben, wenn auch ihre Grundsätze laxer geworden. Die Vernichtung des Glau­bens an den Himmel hat nicht bloß eine moralische, sondern auch eine politische Wichtigkeit: die Massen tragen nicht mehr mit christlicher Geduld ihr irdisches Elend, und lechzen nach Glückseligkeit auf Erden.

Der Kommunismus ist eine natür­liche Folge dieser veränderten Weltanschauung, und er verbreitet sich über ganz Deutschland. Es ist eine eben so natürliche Er­scheinung, daß die Proletarier in ihrem Ankampf gegen das Be­stehende die fortgeschritten­sten Geister, die Philosophen der großen Schule, als Führer besitzen; diese gehen über von der Doktrin zur Tat, dem letzten Zweck alles Denkens, und formulieren das Programm.

Quelle:
Walther Victor: Marx und Heine, Henschel-Verlag Berlin 1952, S. 96.

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Алиса Ивановна Порет (1902-1984): Marx und Heine beim Spaziergang

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2 Antworten zu Marx und Heine…

  1. Ulrike Spurgat schreibt:

    Danke.
    Heinrich Heines schrieb 1845 „Die schlesischen Weber“
    „Im düstern Auge keine Träne, sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne .
    Deutschland, wir weben dein Leichentuch, wir weben hinein den dreifachen Fluch-
    Wir weben, wir weben!
    Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten
    In Winterskälte und Hungersnöten; Wir haben vergebens gehofft und geharrt. Er hat uns geäfft und gefoppt und genarrt- Wir weben, wir weben!
    Ein Fluch dem König, dem König der Reichen, Den unsere Not nicht konnte erweichen, Der den letzten Groschen von uns erpresst und uns wie Hunde erschießen lässt.- Wir weben, wir weben!
    Ein Fluch dem falschen Vaterlande, Wo nur gedeihen Schmach und Schande, Wo jede Blume früh geknickt, Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt- Wir weben, wir weben!
    Das Schiffchen webt, der Webstuhl kracht, Wir weben emsig Tag und Nacht- Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch – wir weben hinein den dreifachen Fluch- Wir weben, wir weben!
    Um 1840 war die industrielle Revolution noch in den Anfängen, lediglich 5% der Bevölkerung arbeiteten in Fabriken, während Tausende ihr Geld in Heimarbeit verdienten, die Weber Familien gehörten dazu und an mehreren Webstühlen wurde gearbeitet.
    Sie kauften ihr Ausgansmaterial von den Großhändlern, die ihr Gewebtes abnahmen und den Weber Familien einen erbärmlichen Hungerlohn zahlten.In England gab es mechanische Webstühle , die den schlesischen Familien die Existenzgrundlagen raubten. Die englische Konkurrenz ließ die Fabrikbesitzer immer weniger den Weber Familien zu zahlen und als es 1844 nach mehreren Missernten hintereinander gegeben hatte, verschlechterte sich die Lebenswirklichkeit der Weber Familien in solch drastischer Weise, dass Familien nahezu verhungerten , weil das bisschen Geld, dass sie verdienten nicht einmal für ein Brot reichte.
    Knapp 50 Taler verdienten die Weber Familien jährlich. (Heute wären es unter 10 000 Euro im Jahr).
    Am 3. Juni 1844 kam es zu einem Protestmarsch von ca. 3000 Webern in Peterswaldau, die vom Großhändler und Fabrikanten Zwanziger höhere Stücklöhne forderten.
    Zwanziger verdiente an dem, was die Weber Familien erarbeitet hatten das hundert- tausendache , weigerte sich jedoch, mehr zu bezahlen, den Webern empfahl, sie
    „….möchten nur, wenn sie nichts anderes hätten, Gras fressen; das sei heuer (bezogen auf die Jahreszeit) reichlich gewachsen“…., eskalierte die Situation , die Weber stürmten sein Haus, zerschlugen die Einrichtung und verwüsteten das Fabrikgebäude. Anschließend marschierten sie weiter ins benachbarte Langenbielau und kämpften weiter um höhere Löhne.
    Am 5. Juni wurden preußische Soldaten zur Wiederherstellung der Ordnung eingesetzt, weil die Demonstrationen anhielten. Die Weber warteten geduldig. Als sie aufgefordert wurden zu gehen, dieses nicht taten ordnete ein Offizier an, auf sie zu schießen. 11 Tote, darunter Frauen und Kinder. 24 wurden schwer verletzt. Mutig wehrten sich die Weber mit Knüppeln Steinen und Äxten und jagten das Militär aus dem Dorf hinaus. Ein kurzer Sieg für die Weber. Am 6. Juni 1844 besetzten die Soldaten mit Artillerie und Kavallerie die schlesischen Weberdörfer. Über hundert Weber wurden verhaftet und in Breslau vor Gericht gestellt. Der jüngste war 15 Jahre alt. 80 Arbeiter wurden insgesamt 293 Jahre Zuchthaus und Festungshaft, sowie 330 Peitschenhiebe verurteilt.
    Der Weberaufstand, obwohl nicht organisiert, unterschied sich im wesentlichen dadurch ,von der Maschinenstürmerei, dass er sich vor allem gegen die Feinde der Arbeiterklasse, gegen die Kapitalisten richtete.
    Der Schriftsteller Wilhelm Wolff über die Not der schlesischen Weber
    „Oftmals bin ich im Winter solchen Armen begegnet, die in dem schrecklichsten Wetter , hungrig und frierend , viele Meilen weit, ein fertig gewordenes Stück zum Fabrikanten trugen. Zu Hause warteten Frau und Kinder auf die Rückkunft des Vaters ; sie hatten 1,5 Tage nur eine dünne Kartoffelsuppe gegessen. Der Weber erschrak bei dem auf seine Ware gemachten Gebot; da war kein Erbarmen, die Kommis (Angestellten) und Gehilfen begegneten ihm wohl noch obendrein mit empörender Härte. Er nahm, was man ihm reichte, und kehrte , Verzweiflung in der Brust, zu den Seinigen zurück:“
    Zitiert nach: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Bd. 1, Berlin 1966, S. 488
    Dass Heinrich Heine hier eine Bedeutung findet ist besonders zu erwähnen.

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