Der Milliardenraub: Fake News? oder echte Kriminalität?

Vice schreibt: „55,2 Milliarden Euro. Das ist die Summe, die ein Netzwerk aus Anwälten, Investment-Bankern und superreichen Investoren den Steuerzahlern in ganz Europa geklaut hat. Das meiste davon kommt vom deutschen Staat, den sie am energischsten geplündert haben: 31,8 Milliarden Euro. Das sind 31,8 Milliarden Euro, die der deutsche Staat eigentlich in das Gemeinwohl hätte investieren sollen. Stattdessen ist das Geld direkt in der Tasche der Investoren und ihrer Handlanger gelandet. Um das greifbar zu machen: Das ist genug Geld, um in jede Schule in Deutschland rund eine Million Euro zu investieren.“

Siehe auch: The CUMEX Files

Ein kleiner Rückblick in die Geschichte des Bankwesens

Mit der Entwicklung der Produktivkräfte wuchs der Kapitalbedarf der Industrie. Die bisherigen Banken hatten vor allem das Kaufmannskapital finanziert; die Finanzierung des industriellen Kapitals stellte den Banken neue Aufgaben, und diese wurden durch neue Banken gelöst.

Mobilisierter Kredit

Der Credit mobilier – und mit ihm die in jener Zeit neu entstandenen Aktienbanken – „mobilisierte“ das industrielle Kapital durch die Ausgabe von Obligationen, die er an der Börse handelte. Er stellte den Industrieunternehmungen Leihkapital zur Ver­fügung, das diese als industrielles Kapital anwandten. Die Mittel dazu ver­schaffte er sich von der breiten Masse kleiner Geldbesitzer, deren Spekulations­lust er ausnutzte. Er spekulierte selbst an der Börse mit fiktivem Kapital, den von ihm herausgegebenen Obligationen.

Spekulation

Der Credit mobilier war also eine reine Spekulationsbank. In den ersten Jahren seines Bestehens erzielte er dabei dank der Konjunktur große Gewinne, aber schon bald geriet er in Schwierigkeiten und mußte mehrmals gestützt werden. 1902 wurde er endgültig liquidiert. Mit dem aufkommenden Imperialismus änderten sich die Methoden der Kapitalbeschaffung, und nur die Banken, die sich dieser Entwicklung anpaßten und ihre Finanzierungsmethoden änderten, wurden mit der Entwicklung der industriellen Monopole zu Monopolbanken.

Wie war das doch gleich mit dem „Überfall auf eine Bank“…?

Als Beispiel für die Banken jener Perioden soll die Tätigkeit der Darmstädter Bank in ihren ersten Jahren dienen. Zwar heißt es in deren Geschäftsbericht vom Gründungsjahr 1853:

„Die Bank hat keineswegs die Aufgabe, das Kapital zu unproduktivem Börsen­spiel anzuregen, sie ist vielmehr berufen, durch eigene Beteiligung und durch Anlage fremder Fonds solide und große Unternehmungen zu fördern und nach Kräften durch die auf einem hohen Standpunkt sich darbietende Einsicht in die Gesamtlage der deutschen Industrie dabei mitzuwirken, daß Unternehmungs­geist und Kapital in die richtigen, dem Bedürfnis des Augenblicks entsprechen­den Bahnen geleitet werden.“ [1]

Das Aktienkapital der Darmstädter Bank – 25 Millionen Gulden in 100.000 Aktien – fand im damaligen Großherzogtum Hessen weder in der Industrie noch im Handel genügend Beschäftigungsmöglichkeit. So verlegte sich die Bank – trotz der Ausführungen im Geschäftsbericht von 1853 – auf die Aktien­spekulation. Daß sie dabei keine schlechten Geschäfte machte, beweisen die Kurse ihrer Aktien. Sie standen am 14.1.1856 auf 285 und am 2.6.1856 bereits auf 438. Im Dezember 1857 stand der Kurs trotz der inzwischen herein­gebrochenen zyklischen Krise immer noch auf 204. Der ursprüngliche Spekulationscharakter der Darmstädter Bank kommt auch in ihrer Satzung zum Ausdruck, die eine fast wörtliche Kopie der Satzung des Credir mobilier war.

Das Kreditwesen

Erst mit der Entwicklung der großen Industrie wurde auch das Kreditwesen in Deutschland in zunehmendem Maße bedeutungsvoll für die Finanzierung der neu entstehenden Aktiengesellschaften. Die Darmstädter Bank, die durch ihre Spekulationen freies Geldkapital an sich zu reißen vermochte, gewann jetzt neben anderen Großbanken an Bedeutung. Das Kreditwesen beschleunigte vor allem die Zentralisation des Kapitals und trug zur Beschleunigung der kapita­listischen Entwicklung bei. Gleichzeitig wurde damit eine immer stärkere Arbeiterklasse geschaffen, in die zahlreiche Handwerker und Heimarbeiter hin­eingestoßen wurden. Die selbständige Existenz dieser Schichten wurde ver­nichtet, bald aber auch die Existenz vieler kleiner Industrieller.

Die Rolle, die dabei das Kreditwesen spielte, schildert Weber, wenn auch unbewußt, so doch treffend:

„Der kleine und mittlere Kreditbedürftige hatte bei den lokalen Banken und den Privatbankiers viel mehr Entgegenkommen gefunden als bei den Leitern der Filiale einer Großbank … nur die Kleinindustrie hatte Grund, mit der Kreditgewährung unzufrieden zu sein.“ [2]

Die Aktienbanken förderten die Entwicklung der großen Industrie und trugen gleichzeitig zur Vernichtung der Handwerker und Heimarbeiter sowie auch der kleinen Industrie bei. Die Entwicklung drängte immer mehr dazu, daß ein ein­heitlicher deutscher Staat geschaffen wird. Unter den gegebenen Voraussetzungen konnte es nur eine gewaltsame Einigung Deutschlands „von oben“ sein. Mit der Einigung Deutschlands durch das Preußen Bismarcks „tauchte ein neuer Räuber auf, im Jahre 1871 entstand ein neuer kapitalistischer Staat.“ [3]

Die Gründung des deutschen Reiches erleichterte die weitere Entwicklung des Kapitalismus in Deutschland und damit auch des kapitalistischen Geld- und Kreditwesens.

Anmerkungen:
[1] Geschäftsbericht der Darmstädter Bank von 1932.
[2] Weber: Geld, Banken, Börsen, 4. Aufl. 1951, S. 1S2.
[3] Lenin, Werke Bd. XXX, S. 337, russ.

Quelle:
Zimmermann/Fraas/Rätzer: Geld und Kredit. Verlag Die Wirtschaft Berlin, 1957, S.19-20


Bertolt Brecht: „Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ – und was ist die Gründung eines Staates gegen die fast lächerliche Gründung einer Bank? Und was ist nun die fast lächerliche Gründung eines Staates gegen die Ausplünderung eines solchen Staates durch ein Netzwerk aus Anwälten, Investment-Bankern und superreichen Investoren?

Siehe auch:
Die schwierige Finanzkrise
Wer finanzierte die Nazis? Oder wie kamen deutsche Konzerne zu ihrem Reichtum?

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2 Antworten zu Der Milliardenraub: Fake News? oder echte Kriminalität?

  1. Im Vergleich zur jährlichen Abzocke der Kirche
    von >100 Milliarden allein in DE, sind dies doch
    eher kleine Fische, oder???

    Hinzu kommt die Kirchensteuer von 12.100 Millionen Euro (2017) – jährlich steigend;

    weitere Staatsleistungen von 538 Millionen Euro (2017);

    Subventionen durch den Staat in Höhe von 17.000 Millionen und — das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht –

    weitere 50.000 Millionen vom Staat für deren “Sozialeinrichtungen“ (Kindergärten, Schulen, Pflegeheime, Krankenhäuser, Diakonie und Caritas).

    Summa-Summarum 79,638 MILLIARDEN (~80 Mrd.) Euro steuerfrei!

    Allein die römisch-katholische Kirche ist mit 8.250 km² Grundeigentum größter privater Grundbesitzer in Deutschland. (Zahlen der Evangelischen Kirchen dazu liegen mir nicht vor, dürften aber in der gleichen Größenordnung zutreffen.) 2,3% des Landes befinden sich also im Eigentum der RKK allein.

    Und wenn jemand denken sollte: “Jetzt ist aber nun wirklich das Ende der Fahnenstange erreicht“:

    Irrtum!

    Zusätzlich erwirtschaften die RKK und die Evangelischen Kirchen in Deutschland einen Umsatz von 210 Milliarden Euro pro Jahr — steuerfrei versteht sich!

    => ~80 Mrd + 210 Mrd. = 290 Milliarden Euro Einnahmen.

    Der Umsatz erwirtschaftet — niedrig gerechnet — einen Nettogewinn von 21 Milliarden.

    => 80 Mrd. + 21 Mrd. = 101 Mrd. Euro pro Jahr CASH (ich hätte fast geschrieben: “Bares für Rares“ 😉 )

    Ich bin dabei von den Daten von 2005 bis heute ausgegangen.

    ALLEIN von 2005 bis 2017 hat sich bei den “deutschen“ Kirchen ein CASH-Vermögen von 1.014 Milliarden Euro angesammelt.

    Auf die letzten 49 Jahre hochgerechnet ergibt sich daraus ein Vermögen der Kirchen NUR IN DEUTSCHAND von 3.253 Milliarden Euro — und zwar in CASH zur Verfügung stehende Mittel!

    [Nur mal so zum Vergleich:
    Das BIP der BRD betrug im Jahr 2017 rund 3.204 Milliarden Euro;
    der Bundeshaushalt umfasste 329,1 Milliarden Euro
    und die Mittel der BRD-Regierung beliefen sich auf 500 Milliarden (von denen aber nur “Eingeweihte“ wissen, wie die eingesetzt werden).]

    Die größte Volkswirtschaft und Handelsmacht der Welt — CHINA — mit einem BIP von 60.000 Milliarden = ~43% des Welt-BIP von 140.000 Milliarden oder wenn die offiziösen Zahlen verwendet werden (Welt-BIP = 80.000 Milliarden => dann 75%) verfügt offiziös angeblich “NUR“ über 3.000 Milliarden CASH. (Das ist selbstverständlich Unsinn, denn China investiert jährlich 10.000-Milliarden allein in ihre eigene Volkswirtschaft!)

    Das weltweit einsetzbare “Finanzvermögen“ = CASH soll sich auf 200.000 Milliarden belaufen. Ob das stimmt, weiß ich nicht! Aber unter der Annahme, dass das richtig ist, verfügt China über 40%, die Kirchen über 40% und der Rest der Welt über 20% dieses Finanzvermögens.

    Und nun können wir uns dem Gipfel nähern: Noch hundert Meter und wir haben ihn erreicht!

    Die Kirche hat überall auf der Welt PRIVATE Zentralbanken gegründet. Stellvertretend dafür nehme ich nur die “Reichsbank“ von 1875 deren rund 6.000 Aktionäre aus Kirche und “Adel“ rund 40.000 kg Gold eingezahlt haben, um diese PRIVATE Bank zu gründen, die dann über die “Geldzuteilung“ im sogenannten “Deutschen Reich“ verfügte. …

    1930 wurde von der “Reichsbank“ und anderen sogenannten “europäischen“ Zentralbanken und anderen privaten Banken und Banken-Zusammenschlüssen – wie der FED und in ihren Eigentümern (wiederum private Banken!) – gemeinsam mit Japanischen Banken: Die BIZ gegründet.

    Sieben Banken-Kartelle gründeteten diese Private Bank. Jede zahlte 20.000 kg Gold ein. => Die Reichsbank mit 40.000 kg Gold im Bestand, zahlte 20.000 kg ein.

    140.000 kg Gold hört sich nicht viel an – ist es auch nicht!

    Aber damit BESTIMMT die BIZ über die Zuteilung der Währungen an die USA, Japan und die europäischen Länder, die alle von der jeweilige Währungs-Zuteilung durch die BIZ abhängig sind.

    Die BIZ ist eine PRIVATE Bank. Ihre Anteilseigner sind private Banken, deren Eigentümer die Kirche ist!

    Soll mir niemand wieder damit kommen: „Die Juden“ oder “die Rothschilds“!!!

    Quellen:

    https://www.goldreporter.de/200-billionen…/news/16962/

    https://www.focus.de/…/konzern-kirche-das-irdische…

    https://www.welt.de/…/Die-soziale-Wirtschaftsmacht.html

    http://www.spiegel.de/…/staat-zahlt-an-kirchen-so-viel…

    https://de.statista.com/…/kirchensteuer-einnahmen-in…/

    https://fowid.de/…/kirchensteuer-aufkommen…

    http://stop-kirchensubventionen.de/

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