Der Dreher Pawel Bykow

DSFEs war einmal eine Zeit, da stand die deutsch-sowjetische Freundschaft hoch im Kurs. Man schrieb das Jahr 1961. Da wußten wir in der DDR: Dort im großen Sowjetland leben unsere Freunde. Sie hatten uns befreit ’45 – da ging die Nacht des Faschismus über Europa zu Ende. Es war eine schwere Zeit des Beginnens nach dem Krieg. Immer noch gab es Menschen bei uns, die wußten nicht wohin sie gehören. Sie mußten erst lernen: Das ist unser Aufbauwerk! Wir sind die Herren der Betriebe, der Bergwerke und der Felder. Uns gehört die Zukunft! Und immer noch drohten Sabotage, Diebstahl und Eigennutz durch Agenten des Westens. Doch wir lernten, wie man sich schützt, sicherten die Grenzen, steigerten die Produktion, waren erfinderisch. Von Tag zu Tag wurde es besser, denn wir wußten: nur der Sozialismus gibt uns den Frieden und ermöglicht uns ein erfülltes und glückliches Leben. Doch nur wenn wir zusammenhalten und uns zu verteidigen wissen…

BykowPawelBykow Pawel Borissowitsch [geb. 28.3 (10.4).1914, in Tjumenewo, heute im Gebiet Rjasan], war ein sowjetischer Arbeiter, Neuerer der Produktion und einer der Initiatoren der Methode der Schnellmetallbearbeitung. Mitglied der KPdSU seit 1947. Als Dreher in einem Moskauer Betrieb für Schleifwerkbänke, hatte er 1938 begonnen, sich die Methode des Schnellschneidens anzueignen. Er verwendete dazu speziell gehärtete Werkzeuge, verbesserte die Geometrie des Drehmeißels und veränderte von Grund auf die Bearbeitungstechnologie. Er modernisierte die Werkbank und konnte damit die Arbeitsproduktivität um ein Vielfaches erhöhen. 1949 erhielt er dafür den Stalinpreis 1. Klasse. 1950 arbeitete er mit einer Geschwindigkeit von 1000-2400 U/min. und 1957 beendete er sein Studium am Technikum, wurde Ingenieur und war Deputierter des Obersten Sowjet.

Быков Павел Борисович [р. 28.3(10.4).1914, с. Тюменево, ныне Рязанской области], советский рабочий, новатор производства, один из инициаторов освоения методов скоростной обработки металла. Член КПСС с 1947. Будучи токарем Московского завода шлифовальных станков, Б. в 1938 начал осваивать метод скоростного резания. Б. применил твердосплавный инструмент, улучшил геометрию токарного резца, изменил коренным образом технологию обработки деталей, модернизировал станок, благодаря чему добился повышения производительности труда. Государственная премия СССР (1949). В 1950, работая на скорости 1000—2400 м/мин, выполнил 25 годовых норм, в 1953 добился скорости резания 3800 м/мин. В 1957 окончил станкоинструментальный техникум. С 1959 инженер-технолог того же завода. Депутат Верховного Совета СССР 3—4-го созывов. Б — автор книг: “Наш вклад в пятилетку” (1947), “Путь к счастью” (1951).

Rudi Berger
FREUNDSCHAFT

Allen bekannt und geehrt ist Pawel Bykow,
Schnelldreher und Stalinpreisträger,
Bester auf seinem Gebiet,
der uns wieder besuchte, mit uns zu beraten,
freundschaftlich Erfahrungen zu tauschen.
Denn schneller wollen wir das rohe Metall zerspanen!
Und schneller auch wollen wir
den Menschen verändern und formen!

Das wollen auch die Erbauer
des großen Werks an der Elbe.
Stahl für die himmelstürmenden Vögel
und für die einst so zerstörte Stadt,
viel Stahl brauchen sie, die Flugzeugbauer,
die Schnell­dreher. Und sie schmückten ihr Werk
und verlangten mehr Putzwolle als sonst.

Noch, als er kam, forschten ihre Blicke
nach Unzulänglich­keiten. So ehrten sie ihn;
Was er schon geprüft, ergriffen sie;
alles betrachteten sie noch einmal aufs allergenaueste.
Und sie nickten sich zu, selbstbewußt,
denn ihre Arbeit war gut. Und als stolze Besitzer
gingen sie mit ihm, das Werk zu besichtigen.

Augenscheinlich war die Kunst
der schnellen Zerspanung. Neue Methoden,
bislang nur im eigenen Betrieb erprobt,
wurden erläutert und vorgeführt.
Unbesorgt fand einer zum andern,
auch der Mürrischste sagte, was er wußte,
und verbarg nichts. Das hatte seinen Grund:
Die Zeiten der Ausbeutung waren vorbei,
die Zeiten einer verderblichen Konkurrenz.

Soviel Neues fand Pawel
– auch an den Menschen – ;
daß es ihn drängte, auf seine Weise zu danken.
– Wie? Hatten sie richtig gehört?
Sechzehn mal hundert Umdrehungen „pro Minut“?
Ein Drehmeißel mit einem Blättchen Keramik –
und solche Geschwindigkeit?

Immer größer wurde der Kreis der Bewunderer.
Selbst die Alten schüttelten die Köpfe:
Die Glätte des Werkstücks und die gedrehte Stärke
waren nicht zu bemängeln.
Unglaublich, solch ein Schwung!
Weithin sprühte der Span,
nur sichtbar als halbrot glühender Funke.
– So lehrte Pawe1 sozialistische Methode
auf sozialistische Art.

Voller Bewunderung
war auch ein junger Dreher.
Er hatte den, Ehrgeiz, Pawel Bykow
begegnen zu können. Nun war es soweit.
Auch seine Methode war unbekannt:
Mit Hartmetallblättchen
– gut aufgelötet und scharf –
große Gewinde mit großer Spantiefe
zu schneiden und mit hohen Touren.
Ein Meisterstück! Es gelang ihm
unter den Augen des Gastes sauber
und mit wenig Spänen.

Würdig des Tages und des Besuches
war seine Tat. Denn viele Baustellen gab es
und viele Werke, die seinen Vorschlag brauchen.
So trat er hervor, der junge Dreher,
seinen Lehrer vor aller Augen zu ehren
mit seinem Geschenk: Er übergab ihm
die lange durchdachte, verworfene und
aufs neue durchdachte Schneidevorrichtung
mit allem Dazugehörigen.
Und der Beifall wollte nicht enden.

Pawel Bykow – wer wüßte mehr
vom Preis eines solchen Geschenkes als er –
dankte bewegt und versprach,
daheim die Neuerung zu verwenden
und ihre Methode weiterzugeben.
Und er bat den jungen Neuerer,
mitzukommen in sein Land
und dabei zu helfen.

Ein alter Metallarbeiter, der neben ihm stand,
im KZ war er schmalbrüstig geworden und grau,
– ihn drängte es, daß er Pawel
noch einmal begrüßte. Und sie verstanden ihn,
die Schmiede und Schweißer.
die Techniker und Nieter,
die Zeichner und Dreher.
Denn jeder von ihnen sah es:
Welch eine Kraft hatte die Klasse!
Alles war verändert von Grund auf. Sie wußten:
Diese Kraft ist von allen Kräften die größte.

Quelle:
Frühlingssonate. Anthologie. Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin, 1961, S.228-231.


Der Autor

RudiWBergerDieses Gedicht schrieb Rudi Berger aus Langenwetzendorf als 36jähriger junger Redakteur einer Betriebszeitung und früherer Tischler für eine Sammlung von Berichten, Erzählungen und Gedichten, die 1961 im Auftrag der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft erschienen war. Pawel Bykow war damals zu einem Besuch in die DDR gekommen, um sich mit Arbeitern über Neuerermethoden auszutauschen. Es gab keine Geheimnisse zwischen den Arbeitern und den sozialistischen Betrieben, denn Konkurrenz war für uns damals ein Fremdwort. Im Gegenteil: gegenseitige Hilfe und kameradschaftliche Unterstützung waren eine Selbstverständlichkeit – wie es sich für Arbeiter gehört. Die Betriebe waren Volkseigentum und man hatte auch in der DDR gelernt, die Freundschaft zur Sowjetunion hoch zu schätzen. Der Kommunist Rudi W. Berger (93) lebt heute in der Nähe von Greiz im schönen Vogtland.

Eine kleine Anmerkung gibt es jedoch: Im Text wurde 1961 vom Verlag eine unauffällige, aber doch gewichtige Fälschung vorgenommen, die wir hier korrigiert haben. Bykow hatte nicht den „Leninpreis“ erhalten, wie es im Buch gedruckt stand, sondern den „Stalinpreis 1. Klasse“. Das wußte freilich auch Rudi Berger. Diese Fälschung war die Folge des berüchtigten XX.Parteitages der KPdSU (1956), bei dem der Antikommunist Chruschtschow an die Spitze der Sowjetmacht gelangt war. Er hatte seinen Vorgänger Stalin in übelster Art und Weise beschimpft und verleumdet. Und dem konnte man sich nun auch in der DDR nicht gänzlich entgegenstellen, denn die DDR befand sich nicht nur in großer Dankesschuld gegenüber der Sowjetunion, sondern war auch ökonomisch von ihr abhängig. Dieser Revisionismus in der Sowjetunion und die ständige Einmischung und Sabotage durch den westlichen Imperialismus führten schließlich zur Zerstörung des Sozialistismus im Weltmaßstab.

Übrigens handelt es sich bei oben erwähnten „Werk an der Elbe“ um das Flugzeugwerk in Dresden, wo das erste in den 1950er-Jahren entwickelte deutsche Passagierstrahlflugzeug und das wichtigste Projekt des Flugzeugbaus in der Deutschen Demokratischen Republik hergestellt worden war. Dieses Projekt wurde auf Weisung Chruschtschows 1961 gestoppt (…und ist nicht „gescheitert“, wie heute lügenhafterweise oft behauptet wird!).

pdfimage Pawel Bykow

Siehe auch:
Der Aktivist Adolf Hennecke

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