Die Nachforschungen der DDR über Nazi- und Kriegsverbrechen

buchNach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus durch die Sowjetunion und dem Ende des braunen Terrors in Deutschland wurden in der DDR umfangreiche kriminalistische Ermittlungen eingeleitet und zahlreiche wissenschaftliche Forschungen durchgeführt, einerseits um die beteiligten und geflüchteten Straftäter doch noch ihrer gerechten Strafe zuzuführen, andererseits um die Ursachen und Hintergründe der faschistischen Gewaltherrschaft vor aller Welt offenzulegen. 

Den westlichen Besatzungmächten USA, Frankreich und Großbritannien war dieses Bestreben jedoch mehr und mehr ein Dorn im Auge. Sie und insbesondere die USA machten aus ihrer Feindschaft gegenüber der sozialistischen Sowjetunion nunmehr keinen Hehl mehr, da sie befürchten mußten, daß ihre Mittäterschaft zu Tage kommen würde, und die  sich unter ihrem Schutz befindlichen Nazi- und Kriegsverbrecher schließlich doch noch verurteilt werden könnten. Damit wären dann auch sämtliche Pläne für einen erneuten Überfall auf die Sowjetunion mit Hilfe dieser Nazi-Banditen zunichte gemacht. Und tatsächlich scheiterte dieser Versuch mit der Sicherung der Staatsgrenzen zur BRD bereits im seinem Anfangsstadium.

Der DDR gelang es indes, weitere belastende Dokumente zu veröffentlichen – Nachweise über Verbrechen, die von den westlichen Geheimdiensten bisher sorgsam unter Verschluß gehalten worden waren. Und schließlich erschien 1965 in der DDR das Braunbuch über die Nazi- und Kriegsverbrecher in der Bundesrepublik Deutschland. Über seine Nachforschungen schrieb 1970 der DDR Kriminalist Julius Mader im Vorwort:

Hitlers Spionagegeneräle sagen aus…

Anstoß für diese Nachforschungen waren eigentlich fünf Sätze, die der Chef von Hitlers Wehrmachtführungsstab, Generaloberst. Alfred Jodl, am 14. Mai 1945, also noch eine Woche nach der bedingungslosen Kapitulation des niedergekämpften Hitler­deutschlands, seinen Kriegstagebuchführer, Major i.G. Joachim Schultz-Naumann, notieren ließ:

»14. 5. Nach Ansicht Generaloberst legen Alliierte besonderen Wert auf Abwehr-Unterlagen; sind nicht vorhanden. Wir können nur immer wieder betonen, daß Wehrmacht in entscheidenden Abwehrfragen durch Befehl des Führers ausgeschaltet worden ist. Er übertrug Abwehr dem Reichs­sicherheitshauptamt, da er zur Wehrmacht nicht das Vertrauen hatte, daß sie Abwehr in seinem Sinne durchführe. Hierin liegt schon ein sehr entlastendes Moment für die Wehrmacht … Aus­blick für die Zukunft: Kommende Möglichkeiten der Orientierung, basierend auf Gegensatz zwischen Ost und West.« [1]

Wie man Jodl und die Wehrmacht zu entlasten versuchte

Generaloberst Jodl glaubte alle Agentenkarteien und Archive der »Abwehr« – gemeint ist damit das Spionage- und Sabotage-Amt Ausland/Ab­wehr des Oberkommandos der Hitlerwehrmacht – befehlsgemäß verbrannt, versenkt, unauffindbar versteckt. In dieser Situation gab er schon im Mai 1945 eine Sprachregelung heraus, nach der sich seitdem Dutzende Historiker und Bücherschreiber der BRD, mitunter aber auch anderer NATO-Staaten diensteifrig zu richten suchen. Dem galt es unumstößliche Beweise entgegenzustellen…

…doch auch Jodl endete am Strick!

Arm von John WoodHistorisch ist indes zunächst belegt, daß die Mär von Hitlers Bannstrahl gegen den OKW-Spionage- und Sabotageapparat, von der Unschuld der Wehrmacht »in entscheidenden Abwehrfragen« aus dem Hirn Jodls stammt, genauso wie schon vor den Kriegsverbrecherprozessen gegen die Naziführungsclique die »auf den Gegensatz zwischen Ost und West« orientierende Konzeption. Der Henker setzte dem Leben des Generalobersten, den der Internationale Militärgerichtshof als einen der Hauptkriegs-verbrecher abgeurteilt hatte, am 16. Oktober 1946, also siebzehn Monate nach der zitierten Tagebucheintragung, in Nürnberg ein Ende.

Massenhafte Geschichtsfälschungen in der BRD

In den folgenden Jahren wurden in der Bundesrepublik Deutsch­land Dezitonnen Druckerschwärze und viele Tonnen Papier, auch kilometerweise Kinofilm eingesetzt, um die geschichtliche Wahr­heit über die verbrecherische Tätigkeit des Spionage- und Sabotage­Amtes der Hitlerwehrmacht, an dessen Spitze von 1935 bis 1944 ununterbrochen Admiral Wilhelm Canaris gestanden hat, im Jodlschen Sinne verfälschen und Zwecklegenden verbreiten zu helfen.

Eine peinliche Klarstellung: Alles gelogen!

Dieses Unternehmen war und blieb so penetrant, daß sich bei­spielsweise der bürgerliche österreichische Historiker Dr. phil. Karl Bartz, der sich speziell mit diesem zeitgeschichtlichen Kom­plex beschäftigte, darüber entrüstete:

»Bald mußte ich feststellen, daß über die Gründe, die zum Untergang des Amtes Canaris, des Admirals selbst und einer Anzahl seiner Mitarbeiter führten, kaum dokumentarische Unterlagen vorhanden sind. Einige wenige Fragmente geben keine geschichtsfesten Hinweise … Ebenso stellte sich heraus, daß der Inhalt der umfangreichen Literatur über Canaris und die Abwehr sich zum größten Teil nicht mit den wahren Tatbeständen deckt. Ein kürzlich erschienener Film entbehrt leider der historischen Wahrheit.« [2]

Weiße Flecken im Geschichtsbuch

Kurz danach fand in Leipzig die 1. Wissenschaftliche Tagung der Kommission der Historiker der DDR und der UdSSR statt, die sich mit den wichtigsten Richtungen der reaktionären Ge­schichtsschreibung über den zweiten Weltkrieg auseinandersetzte. Dort verwies Generalleutnant a.D. Rudolf Bamler die Ge­schichtsforscher nachdrücklich auf einen offenkundigen Mangel:

»Bei dem Bemühen, das Geheimnis der Vorbereitung von Kriegen zu lüften, wie Lenin es fordert, stößt die progressive Geschichtswissenschaft auf einen weißen Fleck, und zwar deshalb, weil einer der Faktoren, der keine unerhebliche Rolle auch gerade bei der Vorbereitung des zweiten Weltkrieges gespielt hat, nämlich das Wirken der Geheimdienste, bisher in der Geschichtsschreibung über den zweiten Weltkrieg aus leicht verständlichen Gründen entweder überhaupt nicht oder doch nur sehr spärlich behandelt worden ist.« [3]

Es kam also darauf an, diesen weißen Fleck mit zu beseitigen.

Julius Mader: Die Wahrheit kommt ans Licht!

Genau ein Vierteljahrhundert nachdem Generale und Admirale des deutschen Imperialismus ihre Unterschriften unter die Kapitu­lationsurkunden setzen mußten, erschien erstmalig dieses Buch. Viele sagen, das sei reichlich spät. Doch aus verschiedenen Grün­den konnte es einfach nicht früher verlegt werden … Übrigens bin ich der Meinung, es kam noch nicht zu spät heraus, denn es ent­spricht seinem Charakter, nicht schlechthin irgendwelche Meinun­gen zu verbreiten, sondern Tatsachen zu registrieren und zu be­werten, um daraus ebenso fundierte wie hochaktuelle Schlußfolgerungen ziehen zu können.

Bericht über ein in der BRD makuliertes Buch…

makuliertDie in diesem Buch abgehandelten Ereignisse erstrecken sich im wesentlichen etwa über den Zeitraum von 1935 bis 1944. Dennoch will es bewußt keine zusammenhängende Geschichte des militäri­schen Geheimdienstes Hitlerdeutschlands sein. [4] Die besondere Aufgabenstellung ließ es nur zu, stellenweise gewissermaßen blitz­lichtartig das Dunkel in der und um die »Abwehr« zu durchdringen. Der Wert der Publikation dürfte darin liegen, daß erstmalig der oberste Führungskreis der den zweiten Weltkrieg überlebenden Spionage-, Diversions- und Gegenspionageexperten persönlich zu Worte kommt und daß aus seinem spärlich erhalten gebliebenen, zudem sehr verstreuten Geheimaktenbestand. umfangreich zitiert wird.

Nicht benutzte Cyankali-Kapseln…

Geheimdienstexperten nehmen im allgemeinen ihre Kenntnisse und Erfahrungen mit ins Grab. Das ist ein ungeschriebenes Gesetz in diesem Metier. Doch Hitlers Spionage- und Sabotagegenerale Hans Piekenbrock, Erwin Edler von Lahousen-Vivremont und Franz Eccard von Bentivegni sowie Oberst Erwin Stolze machten dabei Ausnahmen. Sie, die ihre Agenten in alle Windrichtungen über den Erdball verteilt hatten und ihnen vorsorglich Zyankali­kapseln mit der Instruktion hatten mitgeben lassen, sich jeder Gefangennahme und jedes möglichen »Geheimnis«verrats durch Selbstmord »fürs Vaterland«, einer besonderen Form militaristi­schen »Heldentods«, zu entziehen, überlebten nicht nur wohl­behalten den zweiten Weltkrieg, sondern sagten auch – viele hundert Protokollseiten füllend – aus. Allein dieser Fakt dürfte interessant sein zum Verständnis der Psyche dieser Hitlergenerale, die zu den höchsten Geheimnisträgern des deutschen Imperialis­mus zählten.

Die »untadeligen« Kriegsverbrecher

landserZwar ist der Buchmarkt in der BRD mit militaristisch und revanchistisch verfaßten Memoiren vieler Generale und Admirale der Wehrmacht überschwemmt, aber aus der Feder jener, die in diesem Buch erfaßt sind, kamen auffallenderweise keine Vorkriegs- und Kriegserinnerungen. Warum? Offenbar wollten die Betreffenden gegenüber ihren ehemaligen Agenten­divisionen hinsichtlich ihres Treueids auf Hitler »untadelig« erscheinen beziehungsweise fühlten sie sich als Geheimnisträger Hitlerdeutschlands auch in dem Nachfolgerstaat des »Dritten Reiches« – nicht zuletzt für höchste Pensionen – zum Schweigen verpflichtet.

Sie haben aus der Geschichte nichts gelernt –

Denn in und von der Bundesrepublik Deutschland werden ja längst wieder – original, variiert und entsprechend teil­weise modernisiert – jene verbrecherischen Aufgaben und Metho­den praktiziert, die jene Spionage- und Sabotagegenerale einst zur Blitzkriegsstrategie beigetragen hatten. Vielleicht läßt sich aus den abgedruckten Passagen von Aussagen der faschistischen Sub­versionsstrategen herauslesen, daß sie generell nicht unbegabt waren. Mit Sicherheit aber läßt sich aus ihren Geständnissen ent­nehmen, wie hochgradig perfide sie handelten, wie sie sich vor­behaltlos darauf konzentriert haben, verbrecherische Ziele mit verbrecherischen Methoden· und Mitteln zu erreichen.

Unwiderlegbare Beweise

beweiseBleibt die Frage zu beantworten, woher die jetzt publizierten Unterlagen stammen: in den Fällen Piekenbrocks, von Bentivegnis und Stolzes aus der Zeit ihrer Kriegsverbrecherhaft in der UdSSR. Die Masse der nachfolgend gedruckten Geständnisauszüge lag oder liegt mir von den Genannten handschriftlich vor, einige Beweisstücke daraus werden faksimiliert geboten. Aus der personellen Zusammensetzung des aussagenden Kreises von Hitlers Subversionsführern – darunter befinden sich ein Spionagegeneral, zwei Diversantenkommandeure und ein Spionageabwehr- be­ziehungsweise Gegenspionageexperte – ergibt sich zwangsläufig, daß die Schilderung von Spionage-, Diversions- und Sabotage­operationen dominiert.

Angst vor der Wahrheit

Es liegt am enthüllenden Inhalt des Buches, daß sein Zustande­kommen von der Geheimdienst- und Bundeswehrführung der BRD mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln sabotiert werden sollte. Offenbar haben diese Gremien, die die kriminelle Tradition von Hitlers gescheiterten Spionage- und Sabotage­generalen hegen; pflegen und fortsetzen, Angst vor der Wahrheit wie der Leibhaftige vor dem Weihwasser. So brachte beispielsweise die »Wehrkunde – Zeitschrift für alle Wehrfragen«, das offizielle Organ der militaristischen Gesellschaft für Wehrkunde in der BRD, schon im Dezember 1966 folgende Warnmeldung:

»Neuer­dings wendet sich Mader in ,treudeutschen‘ Briefen an ehemalige Abwehroffiziere mit der Bitte um Überlassung von Auskünften lind Berichten usw., die für eine in Vorbereitung befindliche Dokumentation … bestimmt seien. Tatsächlich handelt es sich hier um einen raffinierten Angriff auf die ehemalige Abwehr und den Bundesnachrichtendienst (das ist der dem Bonner Bundes­kanzleramt direkt unterstehende führende Geheimdienstzweig der BRD – J.M.) und nicht zuletzt auf das vor kurzem erschienene Buch ,Der deutsche Geheimdienst – Geschichte der militäri­schen Abwehr‘ von Gert Buchheit. … Daher ist nachdrücklich davor zu warnen, an sowjetzonale (gemeint ist DDR-)Stellen Material zu geben oder Auskünfte zu erteilen … « [5]

Eine vergebliche »Sonderwarnung«

Vier Monate später wiederholte auch der gemeinsam vom »Bundesverband der (West-)Deutschen Industrie« und-vom so­genannten Bundesamt für Verfassungsschutz herausgegebene »Industrie-Warndienst« der BRD die »Sonderwarnung«, in der folgende Anweisung gegeben wurde: »Wenn Sie von einem gewissen Julius Mader … ein Schreiben erhalten – antworten Sie nicht und übergeben Sie diesen Brief den zuständigen Sicherheits­behörden … Seine nächste in Vorbereitung befindliche Publikation soll unter dem Titel Hitlers Spionagegenerale sagen aus‘ erscheinen.«

Warum fürchtet man sich in der BRD vor der Wahrheit?

Aus diesen Zeitdokumenten, die übrigens die Notwendigkeit und Aktualität dieses Buches unterstreichen, läßt sich einiges sachlich entnehmen:

  1. sind heute die westdeutschen Schlupfwinkel vieler Komplizen von Hitlers Spionagegeneralen nicht mehr unbekannt.
  2. hatte jeder der persönlich dazu aufgeforderten ehe­maligen Geheimdienstoffiziere der Hitlerwehrmacht die Möglich­keit zu demonstrieren, wieweit er mit seiner faschistischen Ver­gangenheit gebrochen hat oder wenigstens gewillt ist, einen geschichtsklärenden Beitrag zu leisten.
  3. sehen sich Konzernherren und bestimmte Führungs­stellen der BRD offenbar streng verpflichtet, einen wesentlichen Teil der Naziverbrechen unentdeckt und – ununtersucht zu lassen …

Der Dank des Verfassers

In diesem Sinne gilt mein Dank den Persönlichkeiten und Lei­tnngen all jener in- und ausländischen Institutionen sowie Staats­- und Betriebsarchive, die mir aktiv halfen. In den vergangenen zwölf Jahren erschien dieses Buch bereits in sechzehn Auflagen mit weil mehr als einer Viertelmillion Exemplaren in sieben Sprachen, darunter in fünf sozialistischen Staaten, aber auch schon 1973 mit zwei Editionen in Frankreich. Die vorliegende elfte DDR-Auflage ist vom Autor und Verlag aktualisiert und ergänzt worden. Sie erscheint in einem Stadium zugespitzter antisozialistischer Aktivi­täten aller Geheimdienste der NATO-Staaten, in einer Zeit des im erforderlichen Maße verstärkten Kampfes gegen imperialistische Droh- und Kriegspolitik und soll dazu beitragen, an Hand geradezu »klassischer« historischer Beispiele das immer besonders streng gehütete Geheimnis subversiver Vorbereitung verheerender Aggressionen generell erforschen zu helfen.

Berlin, Sommer 1982                                                                                    Julius Mader

Quelle:
Julius Mader: Hitlers Spionagegeneräle sagen aus. Ein Dokumetnarebrichtüber Aufbau, Strukturund Operationendes OKW-Geheimdienstamtes Ausland/Abwehr mit einer Chronologie  seiner Einsätze von 1933 bis 1944. Verlag der Nation, 1983, S.3-10.

Siehe auch:
BRD (1959): Alte Nazis – neue Uniformen
Der imperialistische Polizeistaat BRD
Die Enteignung der Nazi- und Kriegsverbrecher in der DDR

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9 Antworten zu Die Nachforschungen der DDR über Nazi- und Kriegsverbrechen

  1. Atomino schreibt:

    Antifaschismus in der DDR : Analyse, Aufklärung, Bekämpfung.
    Antifaschismus in der BRD : Verdeckung, Verklärung, Kungelei und Verfassungsschutz.

    Alte Nazis werden im Neudeutschland wieder eingeladen, um auf Kameradschaftsabenden von den guten alten Zeiten zu erzählen. Die erzählen dann im engeren Kreis bei Freibier und aufgehängter Reichskriegsflagge in der Traditionsecke auch gerne mal genau die alten Storys, die auch heute noch Neonaziaugen leuchten lassen.

    Da opfern die auch gerne mal ihren alten Adolf auf dem Altar der gescheiterten Existenzen. Hauptsache Deutschland lebt! Hitler hatte noch so seine Mühe, die arbeitende Bevölkerung in seine Kriegspläne einzubeziehen. Heute reicht ein dröger Höcke, und die Schmeißfliegen stehen stramm bei Fuß!

    • sascha313 schreibt:

      Man fürchtet in der BRD ja nicht nur die Wahrheit über die alten und neuen Nazis (in einer thüringischen Kleinstadt hat ein Wehrsport-gruppen-Nazi ca. 20 Häuser gekauft; ein bayrischer Milchproduzent spendet regelmäßig an die NPD… – das ließe sich fortsetzen, wie ist es mit AfD, Pegida usw.) doch man fürchtet sich ja noch viel mehr vor der Wahrheit über die DDR: Da gibt es regelrecht fanatische DDR-Hasser, die sich gerne zu Diskussionen einladen lassen, Lehrer werden gemaßregelt, wenn sie mit ihrer Meinung angeblich gegen ein sog. „Neutralitätsgebot“ verstoßen, da wird jemand wegen „Billigung einer Straftat“ verklagt, wenn er sich kritisch zu Verleumdungen über die DDR äußert usw. – ein Vogelschiß ist zwar unangenehm, doch relativ ungefährlich. Na, wie ist das nun mit der Meinungsfreiheit?

  2. Atomino schreibt:

    ach Kleinstadt ! Von Suhl bis Sonneberg machen die auf Außenwirkung. Schlimper, Schaller, Frenck und Konsorten. Thüringen ist Hochburg von solch erzreaktionärem Gebräu. Die wollen nicht nur spielen, die haben eine ganz klare Vorstelllung von der Zukunft Deutschlands. Hitlers letzte Leibdiener. Thügida, Sügida und Köckert in Personalunion. Es gibt noch viel zu tun !

  3. greg tejero schreibt:

    Zu diesem Thema kann ich im indirekten Bezug auch so ein „nettes“ Anekdötchen beisteuern. Dabei möchte ich nochmals betonen, das es mir hier nicht um ein Reden um des Redens willens oder die Distribution von irgendnem esoterischen Scheiß geht. Jedenfalls hab ich im zarten Alter von 15 Jahren in diesem KapitalherrenSStaat BRD auch so mein wirklich einschneidendes Erlebnis mit diesem NS-CDU-Rechtskatholiken-Komplex gehabt. Von meinem Erlebnis her kann ich übrigens auch die Religionshasser indirekt ein wenig verstehen. Aber erzählt, was sich zutrug wie folgt:

    In dieser Kapitalkolonie BRD gab es ja das Schulfach Religion, welches man in NRW damals mit fünfzehn abwählen konnte, was ich als einziger in einem erzkatholischen Kaff in der Nähe Bonns auch machte. Der Religionslehrer war ein Sudetendeutscher, der vor den bösen Slawen aus der Heimat abhauen mußte, weil ihn dort die bösen, gottlosen Kommunisten verfolgten. Dieser Mann war also der übliche Verdächtige, ein mieser, sexualfeindlicher Verklemmer-Katholik, der in einer Schulstunde dann in historischen Reminiszenzen zu schwelgen anfing. Wie andächtig u. erhebend es doch gewesen wäre, als Schulbub irgendeinen blöden Wallfahrer-Berg im tiefsten Winter halb auf Knien hinaufzukraxeln; das Sex ohne Kinderwunsch eine Todsünde sei, das der Pole ein geborener Verbrecher u. Stalin der schlimmste von allen Verbrechern dieser Welt gewesen sei. Darauf ich mit meinen zarten fuffzehn: „der Hitler war doch schuld am Krieg, oder?“ Darauf dieser dreckige Masochistenfettsack mit Donnerstimme zu mir, sein Hosenbein hochreißend, auf eine Narbe zeigend: „Du Saubeutel, DU! Diese Narbe hab ich, weil mir ein polnischer Straßenjunge einen Stein ans Bein geworfen hat!“ Ich wieder: „aber der Hitler hat doch Polen überfallen, oder? Er: „Du Lump, DU! Dein Vater ist wohl ein Linksextremist, oder WAS?! Der Hitler ist dem Stalin zuvor gekommen, der Stalin hat 20 Mio. Ukrainer verhungern lassen. Der Stalin hat Polen nach westwärts verschoben, u. der Brandt hat meine Heimat an die Polacken verschachtert. Mein Vater als 100%-Sozi am nächsten Tag zu dem hin..muß ihn wohl ziemlich zur Sau gemacht haben, weil die Nazischwabbelbacke von Lehrer am übernächsten Tag ganz lammfromm tat.

    Was aber passierte im Hintergrund? Einer der mächtigsten grauen Wirtschaftseminenzen in den Kaff war der frühere Waffen-SS-Offizier Mertins, seines späteren Zeichens Waffenhändler im Auftrag der Bumsregierung, Sponsor des örtlichen Tennisvereins, u. eines sog. „Haus Schlesien“, also Revanchistenpalast für Fluchtnazis, u. da wurde mir durch die Blume zugesteckt, in der Gegend besser keine Lehrstelle später zu suchen, auch den öffentlichen Dienst besser zu meiden, u. wohl auch überhaupt zukünftig eher die Klappe zu halten. Die zumindest klandestine Ächtung als „rote Ratte“ (O-Ton FJStrauß) war schon da. Du hast schon gemerkt, das Du so in gewissen Kreisen persona non grata bist. Auf richtige Kommunisten bin ich übrigens erst im Studium in München dann getroffen, u. zwar – kurioserweise – über´s Gitarre spielen 🙂 Sollte mal erzählt werden hier. Nix seltsam! 🙂

    • sascha313 schreibt:

      Tja, da könnten wir „Ossis“ ganz andere Geschichten erzählen…

      • greg tejero schreibt:

        Vielleicht beherrscht mich ja tatsächlich ein Mitteilungsdrang, den ich besser zügeln sollte. Demjenigen, der den Link , nochmals Dank übermittelt. Gehe jede Nacht vier bis fünf Kapitel durch, danach raucht dann die Birne 🙂 Der Mitteilungsdrang entsteht eben aus dieser fast schon lebenslangen inneren Emigration. Was aber fasziniernd ist: die mittlerweile achtzigjährige Mutter unseres Vermieters lebt hier im Haus, u. ihr Mannheimer Vater war ein großer Bewunderer Stalins. Mit der kann man sich besser unterhalten, als mit zehn Achtzehnjährigen 🙂 Die konnte diese sog. „Vertriebenen“ aus Schlesien u. dem Sudetenland auch nie leiden. Nach dem Krieg, so munkelte man, hatten da manche Leute mit VitaminB wohl großzügige Entschädigungen erhalten, wohl auch für Besitz, den sie gar nicht verloren hatten. Und eine Menge strammer Nazis waren auch darunter. Das schuf hier entlang des Rheines viel böses Blut zu der Zeit.

        Was Ihr da in der DDR gelernt habt – davon hat man hier als junger Mensch aus einer stinknormalen Facharbeiterfamilie im Westen nie ein Sterbenswörtchen erfahren. Das furchtbare ist ja auch – was ich durch meinen Dolmetscherberuf dann später mitbekommen habe – das viele Altnazis dann in Lateinamerika ihr Teufelswerk fortsetzen konnten, wo sie als Militaristen u. Folterhelfer in den faschistischen Militärdiktaturen Verwendung fanden, wie in Argentinien u. in Paraguay z. B.

        Ich hätte mich politisch mehr bilden können u. müssen, aber das Fremdsprachen- u. Wirtschafts-Studium hatte mich dann 110%ig in Beschlag genommen. Und zudem ist ja im Kaputtalismus u. seiner Kleinbürgerwelt ein Dogma allgegenwärtig, wie es so gut wie jedem jungen Menschen in die Birne gepreßt wird bis hin zur Ich-Auslöschung: „Lern was gscheites, u. guck, das du´s zu was bringst! Das Gedanken machen überlaß anderen“. Nicht das Ehrgeiz per se was schlechtes wär, aber dieser grausige bürgerliche Wahn „wenn jeder an sich denkt, ist an Alle gedacht“ – das kann kein geistig gesunder Mensch freudig mitmachen – dazu muß er entweder sein soziales Gewissen abschalten, oder sich mit Konsum u. (auto-) suggerierter Heiler-Welt-Idylle betäuben.

        Ich habe mal vor Jahrzehnten von irgendwelchen DDR-Kritikern den Begriff „Datschismus“ gelesen: gab´s das wirklich? Und wenn ja – steht das in Zusammenhang mit dem Revisionismus? Ich wäre auch dankbar für Theorien über den „sozialistischen Markt“ – also inwiefern geregelte Marktangebote in der soz. Planwirtschaft denkbar bzw. praktikabel sind. Und pardon nochmal bitte, wenn Textchen hier wieder zu lang. Theoriekopf arbeitet wie AK-47 🙂

      • sascha313 schreibt:

        Danke, Greg, für Deinen informativen Bericht. Der Begriff „Дача“ – also Datsche kommt aus dem Russischen und bezeichnet ein Gartenhaus, Datschismus ist unsinnigerweise abwertend gemeint. Und Marktangebote (z.B. Wochenmärkte) gab es bei uns natürlich auch. Das ist auch im Sozialismus sehr sinnvoll, weil es eben doch viele Alltagsbedürfnisse gibt, die man unmöglich alle planen kann.

        Vielen war ja nach 1945 Stalin in sehr guter Erinnerung. Stalin war weltweit beliebt und wurde aufrichtig bewundert. Ganz im Gegensatz zu dem imperialistischen Gesindel der Westmächte, mit denen er offiziell zu tun hatte. Obwohl die Bewunderung ja vor allem auch das ganze Sowjetvolk (diese vielen Nationen ) betraf. Und viele einfache Menschen waren erleichtert, als die Durchhaltenazis mit Sack und Pack nach dem Westen flüchteten. Das kann man sehr schön nachlesen bei Petershagen („Gewissen in Aufruhr“) – und der war übrigens kein Kommunist! Oberst Petershagen hatte Greifswald 1945 vor der totalen Zerstörung gerettet. Eine wahre Heldentat! Und ein völliger Bruch mit der Vergangenheit.

        Und was war mit uns – den Kindern dieser Generation? Wir lernten, wir lebten – und wir liebten unsere sozialistische Heimat. Ohne Arg und Sorge! Eine Aufbruchszeit, wie sie Deutschland vordem noch nie erlebt hatte. Die Faschisten waren wir losgeworden, die Anpasser (Opportunisten) hielten erstmal ihre Klappe und ordneten sich dann dem neuen Zeitgeist unter. Ja – und von Stalin war nach 1956 nicht mehr die Rede. Darüber bin ich heute noch wütend, weil ich nun auch weiß, welche verbrecherischen Absichten dahintersteckten… das habe wir 1990 dann auch schmerzlich erfahren müssen!

  4. Rolf schreibt:

    Die Kapitalisten wissen woher die Gefahr droht – wen sie bekämpfen müssen.
    Nein, nicht von der Linken, AfD oder so … Die Kommunisten werden bekämpft – wie immer. Und das ist ja auch gesellschaftsbedingt!

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