Bundesdeutsche Arroganz gegenüber dem polnischen Nachbarland

polishflag(GERMAN FOREIGN POLICY – Eigener Bericht) – Polens Botschafter in der Bundesrepublik erhebt schwere Vorwürfe gegen Deutschland. Wie der Warschauer Diplomat auf einer Tagung in Berlin erklärte, seien „mehr als die Hälfte der letzten hundert Jahre deutscher Polenpolitik eine Katastrophe gewesen“. In die Kritik bezog er auch den deutschen Umgang mit Polen seit 1990 ein.

In der Tat setzt die Bundesrepublik, wie selbst Berliner Beobachter bestätigen, die der aktuellen polnischen Regierung kritisch gegenüberstehen, ihre ökonomischen Interessen in Osteuropa gegen Warschau durch. Zudem nutzt sie die EU, um ihren politischen Zielen auch gegen polnische Widerstände zum Durchbruch zu verhelfen. Der polnische Botschafter fordert jetzt einen Dialog „auf Augenhöhe“ und verlangt einen neuen Umgang mit den deutschen Massenverbrechen in Polen im Zweiten Weltkrieg.

Berlin weist Entschädigungsforderungen zurück und will sich auf kostengünstiges Gedenken beschränken. Dies trifft auch eine weithin vergessene Opfergruppe – zur „Zwangsgermanisierung“ ins Reich verschleppte polnische Kinder.

Weiterlesen
https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/7789/


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Eine DDR-Briefmarke aus dem Jahre 1970.

Die DDR und die VR Polen

Nun muß man allerdings sagen, daß sich der polnische Botschafter hier durchaus noch deutlicher hätte ausdrücken können. Die Wahrheit ist immer konkret. In Bezug auf das Verhältnis der Deutschen Demokratischen Republik zur Volksrepublik Polen und die Politik unserer, der DDR-Regierung, trifft dieser Vorwurf an die BRD-Regierung für uns natürlich nicht zu. Wir als DDR-Bürger sind stolz darauf, daß die Grenze der DDR zur VR Polen im beiderseitigen Einvernehmen als „Oder-Neiße-Friedensgrenze“ anerkannt wurde, und daß beide Länder 40 Jahre lang durch zahlreiche freundschaftliche und oft sogar familiäre Beziehungen miteinander verbunden waren. Es gab eine Klassen- und eine Waffenbrüderschaft seitens beider Länder. Das geschah jedoch in einer Zeit, da sowohl die DDR als auch die VR Polen Länder mit einer sozialistischen Gesellschaftordnung waren.

Im Juli 1950 weilte eine Regierungsdelegation  der DDR zu Verhandlungen in Warschau, Prag und Budapest. Das Ergebnis der Beratungen mit der Volksrepublik Polen bestand in der Deklaration über die beiderseitige Markierung der Oder-Neiße-Grenze als eiener Grenze des Friedens und der Freundschaft zwischen dem polnischen und dem deutschen Volk. Am 6. Juli 1950 unterzeichneten die Ministerpräsidenten beider Staaten ein entsprechendes Abkommen in der polnischen Grenzstadt Zgorzelec. Es leitete eine grundlegende Wende in der Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen ein.

Mir diesem ersten völkerrechtlichen Vertrag der DDR wurden die Voraussetzungen für friedliche und gutnachbarliche Beziehungen zwischen der DDR und Volkspolen geschaffen. Er errichtete eine Barriere gegen die revanchistischen Kreise in der BRD, die die Ergebnisse des zweiten Weltkrieges nicht anerkennen wollten. Das Abkommen verdeutlichte, daß die DDR radikal mit der aggressiven Außenpolitik der deutschen Großbourgeoisie gebrochen hatte und willens war, als deutscher Friedensstaat in Europa zu wirken.

Quelle:
Geschichte, Lehrbuch für Klasse 10. Volk und Wissen – Volkseigener Verlag Berlin, 1980, S.139.

Zur Erinnerung an ein wunderschönes Freundschaftstreffen im Mai 1988

przewodnikLiebe Freunde!
Über 1,4 Millionen Kinder und Jugendliche aus der Deutschen Demokratischen Republik und der Volksrepublik Polen hatten seit 1983 die Möglichkeit, einen Teil ihrer Ferien oder ihres Urlaubs gemeinsam zu verbringen. In dieser Zeit sind zahlreiche Freundschaften entstanden. Das Interesse am Nachbarland, an seiner Sprache und Kultur ist gewachsen.


Siehe auch:
Der Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen
Die Befreiung Polens vom deutschen Faschismus
Über die Beziehungen zwischen Polen und Rußland

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16 Antworten zu Bundesdeutsche Arroganz gegenüber dem polnischen Nachbarland

  1. Greg Tejero schreibt:

    Ganz kurz: Revanchismus u. Geschichtsrevisionismus haben in der Affen für Deutschland-Partei ein warmes Plätzchen gefunden. Vor allem dieser ewiggestrige (Ost-)Preußenadel, der darauf lauert, Restitutionsforderungen gg. Polen anbringen zu können. Darum gilt: „wer AfD wählt, wählt Krieg u. Polizeistaatsdiktatur. Und da haben die Antikommunisten u. Globalisierungs-hysteriker in der PdL („nie wieder Deutschland, dafür aber refugees welcome, egal, was passiert“ – u. ähnlicher Blödsinn) ganze Arbeit geleistet. Viele frühere DDR-Bürger fallen auf die AfD rein, u. das blindwütige linksradikale Nazis-Raus-Geschrei treibt ihr auch noch halbwegs Intelligenteren zu. Solche Demagoginnen wie Fr. Lengsfeld, Vera, füttert dann eifrig die Nazipropaganda mit eben solchen Haßparolen wie: „Merkel macht linksextreme Politik“. Eine ultraperfide Verhetzungs- u. Vernebelungs-Kampagne, die da von da oben oktroyiert wird, u. alle da oben spielen sie mit (vielleicht die Sahra Wagenknecht nicht, aber die steht ja unter Dauerbeschuß von allen Seiten).
    Grüße an Alle: Gregor

    • sascha313 schreibt:

      Leider ist das nicht immer einfach auseinanderzuhalten. Selbst im Straßenverkehr gibt es rechts, halbrechts, links und umkehren. Doch vor dem Umkehren sei gewarnt. Sicher gibt es für die Zukunft keine Straßenkarte, aber auch nicht nur Visionen und Utopien, sondern das reale Beispiel des Sozialismus, der natürlich von allen möglichen rechten oder „linken“ „Aktivisten“ verunglimpft („delegitimiert“) wird.

      Wenn man also auch ein bestimmtes Ziel zusteuern will, muß man zunächst die Mitreisenden befragen, ob sie nicht vielleicht woandershin wollen. Aber nehmen wir einmal an, es gäbe einen gewissen Konsens darüber, daß eine sozial gerechte Gesellschaft das erstrebenswerte Ziel wäre, so muß doch damit gerechnet werden, daß alle die „Sozialschmarotzer“, die auf Kosten anderer leben, dagegen auf’s heftigste protestieren würden.

      Der Kapitalismus besteht im wesentlichen aus dem Gegensatz zwischen denen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um leben zu können und denen. die von fremder Arbeit leben. Letzteres geht freilich nur, wenn sich Kapital und Produktionsmittel in Privathand befinden. Und es ist nun einmal so, daß dieser Privatbesitz den Kapitalisten es ermöglicht, die Arbeitskraft der Lohnempfänger bis zur Schmerzgrenze auszunutzen.

      Schon heute betragen die Ausgaben für „Arbeit und Soziales“ knapp das Dreifache des Rüstungshaushaltes. Beides ist zum Erhalt der kapitalistischen Geselschaftsordnung zu Überleben ebenso notwendig, wie die nach wie vor hohen Ausgaben für „Bildung und Forschung“ – ersteres für eine Politik der Ruhigstellung und Repression, letzeres für eine Politik der Demagogie und Irreführung.

      • Greg Tejero schreibt:

        Wobei die sog. „Arbeitgeber“ sich per Sozialstaat eben auch bequem ihrer sozialen Mitverantwortung entledigen. Solche Sprüche wie: „den Depp kann ich nimmer brauchen, soll der zum Amt gehen, da kriegt´er ja sein Geld. Kann eh nix, die Pfeife“. Hab ich MEHR als einmal gehört. Teilweise sogar noch im Beisein des Betroffenen. Warum glaubst Du, saufen sich hier im goldenen Westen soviele Leute kaputt oder hängen sich auf? Weil sie so sehr geliebt werden? Kapitalismus ist halt auch undialektisch formuliert mieseste, primitivste Leuteschinderei wie im Mittelalter. Redet bloß keiner gern drüber, weil es so „uncool“ wirkt. Man will ja wer sein. Immer Kohle im Portemonnaie, dicke Muckis, fetter Schlitten, u. jede Menge Weiber im Bett. Meiner ist größer als Deiner, usw…Sorry: mußte mal diese Prollhaftigkeit des Wessis hier rüberbringen – hat mich selber ein Leben lang angewidert, diese Dumpfbackigkeit.

    • Hoffmann schreibt:

      Die AfD ist ein Kind der CDU CSU FDP. Das sollte man nie vergessen. Auch diese wollen im Grunde den Geschichtsrevisionismus. Die DDR Bürger sind auch nach der Wende auf die CDU und Kohl reingefallen während damals als Lafontaine Kanzlerkandidat war im Westen die Mehrheit für Lafontaine stimmte. Und von den heutigen Olivgrünen und der heutigen SPD kann man auch nichts mehr erwarten. Die sind komplett in neoliberaler Hand.

  2. Ulrich Schliz schreibt:

    Sicher ist die Kritik an der deutschen Polenpolitik richtig. Leider muss man aber auch sagen, dass Polen Deutschand im Bezug auf andere seiner Nachbarn in nichts nachsteht, zumindest für die Zeit vor und nach den sozialistischen Jahren. Wenn ich mir diese ewige hysterische Russlandphobie angucke und auch sonst diesen polnischen Nationalismus und Chauvinismus, mit seiner katholischen Borniertheit, verliere ich so langsam den Respekt. Es geht mir nicht in den Kopf, dass man den 600 000 sowjetischen Soldaten, die die Polen als Volk sprichwörtlich vor der hundertprozentigen Vernichtung bewahrt haben und dabei ihr Leben opferten, noch ins Grab hinterherspuckt, Es wird Zeit – genauso wie in Deutschland – dass die wirklichen polnischen Patrioten und Demokaraten aktiv werden, um der Welt ein anderes Gesicht ihres Landes zu zeigen

    • sascha313 schreibt:

      Es sind immer nur ein paar wenige, die der Welt ein anderes Gesicht zeigen (als die Fratze des Nationalismus und Chauvinismus)…, und in Polen ist es noch gewagter, den Mund aufzumachen! Da wurde die komplette sozialistische Vergangenheit aus dem Internet getilgt. Die sog. KP Polen ist trotzkistisch (also antikommunistisch) und die Schulbildung wird von der erzreaktionären Regierung und der Kirche bestimmt.

  3. tommmm schreibt:

    Dieser Artikel reiht sich nahtlos ein in das Bestreben, das deutsche und das polnische Volk aufeinanderzuhetzen. Hier ein Vorwurf an die deutsche Politik und gleich die Gegenvorwürfe. Es ist die typische imperialistische Art und Weise ihren Konkurrenzkampf auf dem Rücken der Völker auszutragen. Immer werden die Emotionen genutzt, um den Haß zu erzeugen. Einfach widerwärtig.

    • sascha313 schreibt:

      Nein, lieber tommmm, der Artikel von GFP beschreibt nur, was längst schon vorhanden ist. Was wir hier hinzufügen konnten, sind unsere eigenen, persönlichen und natürlich die geschichtlichen Erfahrungen, die wir mit der deutsch-polnische Freundschaft hatten.

      Und natürlich nicht der Artikel erzeugt solche Zustände, sondern die Zustände haben zu so einem Artikel geführt. Die Widersprüche zwischen den imperialistischen Mächten sind schon lange vorhanden, und sie haben sich sogar noch verschärft. Eine deutsche Politikerin hatte sogar die Chuzpe, dem polnischen Botschafter sozusagen ins Wort zu fallen und irgendwelche bedeutungslosen Schüleraustausche als Beweis für „Freundschaft“ aufzuführen…

      • tommmm schreibt:

        Lieber Sascha,
        Ich wollte dir schon am Freitag antworten, habe es aber nicht mehr geschafft. Am Wochenende habe ich meine Tochter besucht und diesmal ganz unerwartet eine Bestätigung meiner Meinung erhalten. Ich glaube ich habe mich nicht richtig ausgedrückt, so dass nicht ganz verständlich geworden ist, was ich sagen wollte. Erst mal ganz allgemein gesehen hast du natürlich recht, das Sein bestimmt das Bewusstsein.

        Ich möchte jetzt mal eine persönliche Erfahrung beschreiben und dann versuchen zu erläutern, was ich mit meiner letzten Antwort sagen wollte. Ich habe in diesem Jahr eine Reise nach Polen unternommen, weil meine Tochter dort geheiratet hat. Ihr Mann ist in Deutschland geboren, seine Eltern sind 1987 nach Deutschland „abgehauen“ wie ihr Schwiegervater sagt.

        Von dem Schwiegervater, den ich sehr gerne mag, hatte ich immer den Eindruck, dass er unpolitisch ist oder sein will. Ich habe bei der Hochzeit am fortgeschritten Abend eine Rede halten müssen…mich dann irgendwann verhaspelt und die die Situation mit einem Tost auf die deutsch-polnische Freundschaft gerettet. Dieses Wochenende haben wir zusammen einen Familienabend verbracht und auf einmal kamen wir auf Politik und der Schwiegervater meinte so sinngemäß „…da gibt es doch schon wieder welche die nach Wiedergutmachung für die Schäden vom 2. Weltkrieg schreien“. Ich darauf: „…da brauchst du nicht lange warten, das hier irgendwelche „Vertriebenen“ melden, die die deutschen Ostgebiete zurückfordern“ Der Schwiegervater geriet in Rage Bezug auf die Politik in Polen: „…seit Jahren kriegen sie nichts gebacken und nun suchen sie eine Gelegenheit die Schuld abzuwälzen“.

        Und das ist genau das, was ich ausdrücken wollte. Wenn wir uns zum Frieden äußern z.B. du mit deinem Blog wird es ja kaum gehört. Aber jeden von diesen Nationalisten auf beiden Seiten wird freudig ein Plattform geboten um Ihre Haßbotschaften zu verbreiten. Und genauso kommt es auch bei den einfachen Menschen an: „Die Polen wollen schon wieder unser Geld“. Das der normale Bürger davon sowieso nicht hat, sehen ja die meisten nicht. Ich denke schon, dass es in Polen „Bild“-ähnliche Zeitungen gibt, die Ihre Aufgabe darin sehen, die Völker aufeinander zu hetzen. So wie früher Krupp Kanonen an die Franzosen und das Deutsche Reich verkauft hat. Die deutsche Politikerin war meiner Meinung nach nicht konsequent. Sie hätte die öffentliche Äußerungen, mit dem Hinweis auf Einmischung in die inneren Angelegenheiten unterbinden müssen.

        Um noch mal auf das Grundproblem zwischen Sein und Bewusstsein zurückzukommen. Ich denke das da auch eine Wechselwirkung besteht. Man darf nicht die Wirkung der Medien unterschätzen. Ständig wird die Flamme des Hasses am Köcheln gehalten. Und auf diesem Zusammenhang bezog ich mich in meiner Kritik an den Artikel in der GFP. Wer ist da Autor? Aus welchem Grund diese markige Überschrift, die sofort die emotionale Seite bedient und einen Abwehrreflex auslöst? Wer gibt ihnen das Recht uns mit solchen tendenziösen Meinungen vom Klassenkampf abzuhalten?

        Ist wieder etwas länger geworden, aber ich wollte mir Zeit nehmen um nicht missverstanden zu werden.

      • sascha313 schreibt:

        Danke, tommmm, ich weiß wie schwierig es ist, sich immer so verständlich zu machen, daß Mißverständnissen aus dem Weg gegangen werden kann, zumal wenn es auch noch sprachliche Unterschiede gibt. Ich denke da immer an Bertolt Brecht, der sich den Spruch Lenins übers Bett gehängt hatte: „Die Wahrheit ist immer konkret.“

        Nein- es gibt wirklich keinen Grund, sich der Hetze der bürgerlichen Medien auch nur andeutungsweise anzuschließen. Am besten ist es immer, auch in solchen Situationen einen klaren Klassenstandpunkt zu vertreten – von Arbeiter zu Arbeiter sozusagen. Über die Bourgeoisie wollen wir hier ja gar erst nicht reden…

        „Bundesdeutsche Arroganz…“ – was ist gemeint? Ja es ist die Arroganz der herrschenden Klasse in der BRD. Und was die „Vertriebenen“ betrifft, denke ich, daß der Revanchismus in der BRD (mit Steinbach u.Co.) mit „Nichtanerkennung der Oder-Neiße-Grenze“ doch sehr deutlich ausdrückt, was mit bundesdeutscher Arroganz…“ gemeint ist.

        „Die Polen wollen schon wieder unser Geld“ – was ist gemeint? (Eine „Bild“-Schlagzeile!) Nein, nicht „die Polen“ wollen „unser Geld“, sondern der polnische kapitalistische Staat fordert vom deutschen Imperialismus irgendwelche Entschädigung, die dann aber ohnehin nicht dem „polnischen Volk“, d.h. denen, die unter dem Hitler-Krieg zu leiden hatten, zugute kommt, sondern wiederum nur der in Polen herrschenden Klasse.

        Also, will sagen: grundsätzlich ist die polnische Forderung gegenüber dem deutschen Staat nach Wiedergutmachung für die erlittenen Schäden und Verluste (z.B. die totale Zerstörung Warschaus usw.) ja berechtigt, doch – wem kommen sie am Ende denn tatsächlich zugute? (bei Griechenland ist es ähnlich)

  4. Weber Johann schreibt:

    Seit über 50 Jahren höre ich nur „Unrechtsstaat“, „SED-Regime“, „SED-Diktatur“, „DDR-Regime“ und noch vieles mehr. Im September 2017 lag wieder einmal eine Forderung Polens, zwecks Reparationszahlungen auf dem Tisch. Regierungssprecher Seibert erdreistet sich nicht, diese Forderung ab zu lehnen. Auf Spiegel-online vom 11.9.2017 wird Regierungssprecher Seifert wie folgt zitiert:

    Verzicht von 1953 verfassungswidrig – Gutachten bestätigt polnische Forderung nach Reparationen von Deutschland.
    Die Bundesregierung weist dies zurück. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte am Freitag, Polen habe den Verzicht von 1953 später mehrfach bestätigt. ,Es gibt für die Bundesregierung gar keinen Anlass, an der völkerrechtlichen Wirksamkeit des Reparationsverzichts von 1953 zu zweifeln.‘ “

    Der entscheidende Punkt jedoch war, dass die DDR-Regierung mit der Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze am 6. Juni 1950 ihre Friedenspolitik zum Ausdruck brachte. Wie sah aber die Friedenspolitik der Adenauerregierung gegenüber Polen aus? Stichwortartig hier Auszüge aus einer der ersten Bundestagssitzungen (22.9.1949) in Bonn. Max Reimann (KPD) würdigte die Oder-Neiße-Linie als Friedenslinie. Die Tagesordnung hat einen einzigen Punkt: Fortsetzung der Aussprache über die Erklärung der Bundesregierung.

    „Max Reimann (KPD) führt aus:
    [..] Die Oder-Neiße-Grenze ist die Grenze des Friedens.
    (Andauernde erregte Rufe: Pfui! Pfui! — Lärm. — Glocke des Präsidenten. — Erregte Zurufe: Abtreten! Abtreten!) —
    Ich trete hier nicht ab, bis ich nicht alles gesagt habe!
    (Fortgesetzter Lärm. — Glocke des Präsidenten.)
    Präsident Dr. Köhler: Herr Abgeordneter Reimann, ich habe seit gestern — (Andauernde große Unruhe und Rufe: Pfui! Raus! — Abg. Strauß: Schickt ihn nach Moskau! Ziehen Sie die Uniform an! — Abg. Reimann: Ich werde hier nicht gehen!)
    Meine Damen und Herren!
    (Andauernde große Unruhe. – Zurufe: Moskauer Agent! Bezahlter Provokateur! — Abg. Reimann: Das sind Sie! — Lärm.)
    Herr Abgeordneter Reimann, Sie haben eben ausgesprochen, daß die Oder-Neiße-Linie die Friedenslinie ist.
    (Anhaltende große Unruhe.) [..] Es ist eine Provokation der überwältigenden Mehrheit dieses Hauses, wenn Sie derartige Ausführungen machen. Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung! (Bravorufe und Händeklatschen in der Mitte und rechts. — Zurufe und Lachen bei der KPD.) [..]
    Meine Damen und Herren, ich werde das Stenogramm der Rede des Abgeordneten Reimann nachprüfen und das Nötige veranlassen.“ [..]

    Später entzog Köhler Reimann das Wort.
    „Präsident Dr. Köhler: Meine Damen und Herren! Der Herr Bundeskanzler hat ums Wort gebeten. Ich erteile ihm das Wort.

    Dr. Adenauer, Bundeskanzler: Meine Damen und Herren! Der Herr Abgeordnete Reimann hat erklärt, wenn die katholische Regierung in Polen noch bestünde, würde ich die Revision der Oder-Neiße-Linie nicht fordern. Ich bitte den Herrn Präsidenten, den Abgeordneten Reimann wegen dieser Beleidigung zur Ordnung zu rufen.
    (Lebhafte Rufe: Sehr gut! und Händeklatschen. — Abg. Renner: Alles nach Kommando!)
    Ich habe weiter im Namen der Bundesregierung folgende Erklärung abzugeben: Wir bedauern, daß dieser Saal und diese Rednertribüne durch eine solche Rede des Abgeordneten Reimann, die den deutschen Interessen absolut zuwiderläuft, entweiht worden sind.
    (Lebhafte Zustimmung und Händeklatschen.)
    Die Bundesregierung erachtet es weder mit ihrer Stellung und ihrer Verantwortung noch mit ihrer Würde für vereinbar, in Zukunft solche Reden anzuhören.
    (Anhaltender Beifall und Händeklatschen. — Abg. Renner: Der letzte Satz war sehr schwach!)[..]

    Wer die Rede von Max Reimann nachlesen will, hier der link zum Protokoll:
    http://dipbt.bundestag.de/doc/btp/01/01007.pdf – Seite 58C bis 67 C

    Diese Rede ist jedem zu empfehlen, der einmal wissen will, welcher Hass damals den Mitgliedern der KPD, aber auch den Menschen in der DDR bwz. Sowjetunion von den übrigen Bundestagsmitgliedern entgegen gebracht wurde.

    Noch ein Hinweis:
    In diesem Bundestag saßen über 110 Abgeordnete, die Nazi´s waren.

    Bei solch einen Hass, kann der Reparationsverzicht Polens, nur gegenüber den Menschen in der DDR gegolten haben. Unsere Politiker haben aber keine Skrupel (trotz jahrzehntelanger menschenverachtender DDR-Hetze) sich heute hinzustellen, und zu bhaupten „Polen habe den Verzicht von 1953 mehrmals bestätigt“. – Stimmt, aber nur gegenüber den Menschen in der DDR.

    • sascha313 schreibt:

      Abgelehnt – klar! Man müßte diesen Herrn mal das Bundestagsprotokoll von 1949 unter die Nase halten… Eine solche Impertinenz ist nicht zu überbieten. Mit entmündigten Völkern kann man’s ja machen… Da aber im Moment nicht zu erwarten ist, daß die so Geschlagenen sich gegen ihre Herren auflehnen, werden die Herren Profiteure den Ball wohl noch eine Weile hin- und herwerfen…

  5. Henk Gerrits schreibt:

    Sehr interesant ist das hier. https://www.lupoc…. (gelöscht: Admin.)

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