Das Gesindel – oder: Aller schlechten Dinge sind drei…

dasboeseHeutzutage lugen sie aus alles Ecken und Verstecken hervor – Welterneuerer, Revoluzzer, braune und pseudolinke Gestalten, die vorgeben, den Kapitalismus zu bekämpfen, die aber in Wirklichkeit genau das Gegenteil tun. Gefährlich ist dabei nur das Gesindel – die „rechtzeitige Flucht“ nach Westen (solange das noch ging, d.h. bis 1961) und das MfS der DDR haben uns, die DDR-Bürger, ja nun glücklicherweise 40 Jahre lang davor bewahrt! Doch heute haben die neue „Freiheit“ und der Pluralismus den alten und neuen Nazis Tür und Tor geöffnet und Unbeteiligte, die auch nur ums Überleben kämpfen, werden dabei gleich mit beschädigt. Doch Vorsicht: „Das Böse ist oft schön!“ (so der DDR-Schauspieler Rolf Hoppe)


Petershagen_originalDer Retter von Greifswald [1], Rudolf Petershagen, war unter einem undurchsichtigen Vorwand vom USA-Geheimdienst CIC entführt und verhaftet worden. Dabei wurde er, wie er schreibt, nach Gestapo-Manier gefoltert und ihm wurden die Zähne ausgeschlagen. Er lernte die USA-Besatzungspolitik in der BRD sozusagen aus nächster Nähe kennen. Daß dabei auch ein solches faschistisches Gesindel eine Rolle spielte, war kaum anders zu erwarten. Es waren Kriminelle und überzeugte Nazis, die noch vor der Sicherung der DDR-Staatsgrenze 1961 [2] die DDR fluchtartig verlassen hatten. Zum Glück für uns gab es in der DDR das Ministerium für Staatssicherheit [3] und die Nationale Volkarmee, die uns vor solchen zwielichtigen Figuren und vor deren „amerikanischen Freunden“ bewahrten. Einigen von denen gelang es dennoch, sich bis 1990 in der DDR versteckt zu halten. Doch darüber später mehr. Lesen wir nun, wie Rudolf Petershagen dieses Gesindel so treffend charakterisierte:

In Westdeutschland verwirklichen die Amerikaner ihre Kriegspolitik mit Hilfe von Deutschen. Die Taktik, Deutsche gegen Deutsche auszuspielen, wandten sie auch gegen mich an. Hinter den Kulissen ließen sie eine Reihe von zwielichtigen ehemaligen Greifswaldern antanzen, die mich belasten sollten. Es waren Republikflüchtige und Agenten, manche waren beides zugleich, Heimatlos und ohne Existenz waren sie auf ihre amerikanischen Gast- oder Auftraggeber angewiesen und nur allzu willfährige Werkzeuge in deren Hand. Sie waren charakterlos, korrumpiert und boten ein beschämendes Bild.

Figur Nummer 1

Hauptfigur war der ehemalige Verwaltungsdirektor der Uni­versität Greifswald, Rüdiger von Hagen. Im Kriege verstand er es, sich zu drücken. Die Tatsache, daß sein Bruder am 20. Juli 1944 gehenkt worden war, verstand der edle Rüdiger in bare Münze umzuwandeln: Er erschlich sich die Anerken­nung als „Opfer des Faschismus“.

Auf dieser Basis begann er seine östliche Laufbahn. In seinen Lebensläufen schrieb er 1945 und 1946 wörtlich:

,,In den Jahren meiner Ausbildung erkannte ich die Fehler unseres gesellschaft­lichen Aufbaues. Mein Bestreben ging dahin, einmal in soziali­stischer Hinsicht führend zu sein. Und ich geriet daher oft in Gegensatz zu nationalsozialistischen Dienststellen, wenn ich den meiner Ansicht nach wahren Sozialismus vertrat. Bereits im Dezember 1944 war ich führend in der Widerstandsgruppe auf Hiddensee tätig. Am 5. Juni 1945 übergab ich mit den auslän­dischen Arbeitern des Klostergutes die Insel kampflos der Roten Armee und bewahrte sie so vor einem harten Schicksal!“

Aus diesem Klostergut auf der 18 Quadratkilometer großen, militärisch nicht verteidigten „geretteten“ Insel riß sich der „alte“ Kämpfer bei der Bodenreform zunächst einmal einen stattlichen Besitz unter den Nagel. Um aber von Arbeit ver­schont zu bleiben, verpachtete er ihn und sicherte sich so in dem beliebten Seebad Hiddensee einen ständigen Sommersitz. Neben diesen Einnahmen bezog er jahrelang an der Universität Greifswald Spitzengehälter, hatte ein eigenes Auto und lebte auf großem Fuß. Kurz vor meiner Verhaftung setzte sich der „Altsozialist“ Rüdiger von Hagen nach dem Westen ab. An seinen ehemaligen Rektor, Professor Dr. Beyer, schrieb er einen höflichen Brief:

„Das Steueramt Greifswald fordert eine völlig ungerechtfertigte Summe von 9.267,14 DM für Einkommensteuer aus meiner Neubauernsiedlung auf Hiddensee. Ein Denunziant hat mir diese Angelegenheit verschafft. Damit ist mir die Exi­stenzgrundlage in der DDR genommen. Mit dem Ausdruck mei­ner vorzüglichen Hochachtung bin ich Euer Magnifizenz sehr ergebener R.v.H.“

Jener „Denunziant“ sollte ich nun plötzlich gewesen sein.

Figur Nummer 2

Der nächste, der sich beim Amerikaner auf meine Kosten lieb Kind zu machen versuchte, war der ehemalige Kohlenhändler Blunck. Er war nach 1945 einer der reichsten Einwohner Greifs­walds geblieben. Sein Kohlenhandel florierte; aber Blunck machte sich eines leichten Verstoßes gegen die Wirtschafts­gesetze schuldig. Irgend jemand suchte ihn auf und warnte: „Sie sollen morgen verhaftet werden!“ Und Blunck fiel darauf her­ein und verschwand. Nicht einmal seine Frau orientierte er über seine Flucht nach dem Westen.

Figur Nummer 3

Aller guten Dinge sind drei, aller schlechten auch. Dieser Dritte im Bunde kam mit ruhig festem Schritt: Pfarrer Fichtner aus Greifswald. Bis 1945 trug er neben dem schwarzen Talar die braune Uniform eines SA-Mannes. Er verstieg sich jetzt zu der wahrhaft erschütternden Aussage, daß ich „die Sache über die Person gestellt“ habe. Im allgemeinen ist das ein hohes Lob. Aber da meine Sache des Friedens nicht die Sache dieses alten Faschisten im Priestergewand ist, war mein Verhalten in seinen Augen verwerflich.

Wer sind diese drei Figuren der deutschen Geschichte?

Diese drei Figuren der deutschen Misere sind trotz aller Verschiedenheit typische „politische Flüchtlinge“. Ob Krieg oder Frieden war, Rüdiger von Hagen hat es stets verstanden, weni­ger zu arbeiten, aber besser zu leben als seine deutschen Lands­leute. Hagen ist der Typ eines Schiebers, vor allem eines mo­dernen Gesinnungsschiebers. Nachdem ihm der Status „OdF“ aberkannt worden war und er hinterzogene Steuergelder nachzahlen sollte, zog er es vor, sich nach Westdeutschland abzusetzen. Dort spielte er den „vertriebenen, armen adligen Ritter­gutsbesitzer“, um Schutz und Unterstützung zu finden. – Blunck hätte für seinen Verstoß gegen die Wirtschaftsgesetze, wenn überhaupt, nur mit einer geringfügigen Geldstrafe rechnen müs­sen. Zu feige, für seine Handlungen einzustehen, ließ er kopflos alles im Stich. Einfacher liegt der Fall bei dem SA-stürmischen Pfarrer Ficht­ner. Er blieb, was er war: Faschist. ,,In ruhig festem Schritt“ marschiert er wieder mit, stellt nach wie vor seine faschistische Person über seine christliche Sache.

Quelle:
Rudolf Petershagen: Gewissen in Aufruhr. Verlag der Nation, Berlin (DDR), 1961, S.166-168. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

Dazu hier eine interessante Beobachtung aus einer persönlichen Sicht:

Greg schrieb (gekürzt): „Habe in FB auch einen kennengelernt, der macht auch nichts anderes, als die ganze SU zu verdammen. ,Bürokratismus u. Nationalbolschewismus‘ – sind da so die Standardsätze. Allgemein habe ich aber schon mitbekommen, daß alle, die auf Trotzki stehen, auch auf Phantastereien, u. so eine Art ontologischer Utopisierei abfahren, also z. B. ,von den indigenen Völkern am Amazonas können wir lernen, wie eine kommunistische Gesellschaft auszusehen hat‘ – u. dergleichen mehr. Oder halt so Sprüche wie ,planetarische Zivilgesellschaft‘, oder auch generell so eine Abdrift ins Religiöse. Dieses Element ,offene Grenzen um jeden Preis‘, oder ,meine Nationalität heißt Mensch‘ kommt ja auch vehement von der PdL. Zugleich auch dieses komische Beharren darauf, daß Globalisierung dem proletarischen Internationalismus gleichzusetzen sei.
Kritiker werden dann allen Ernstes auch noch als potentielle Antisemiten diffamiert, oder ,Querfrontler‘. Wobei ich mir ja sicher bin, daß solche Kampagnen vom Kapital gezielt gesteuert werden. Alle Parteien in der BRD sind ja korrumpiert worden. Interessant ja auch, daß die ach so ,basisdemokratischen‘ Grünen viel linkes Gehupe verbreiteten, das sie vermutlich bereits bei ihrer Gründung selber nicht ernst nahmen. Sehr ärgerliche Strömung auf jeden Fall.
Umso ärgerlicher noch, das das alles argumentative Steilvorlagen für die Bürgerlichen liefert. Für nicht wenige Leute ist polit. Aktivismus eben auch eine Art Job, von dem sich´s leben läßt. ,Kauft mein neues Buch!‘ – so wertvoll Bücher auch sind, aber zum hundersten Mal ,Empört Euch‘ zu lesen, bringt´s dann wohl auch nicht!? Zumal das professionelle Dauerempören auch von den Neonazis mittlerweise gut beherrscht wird. Die satteln auf dieser linken Rhetorik auf, u. verkaufen einem ihren irren Hitler (irre deshalb, weil er an seinen Wahnsinn wohl selber glaubte) dann als Antikapitalisten, der die ach so phänomenale Kreditgeldschöpfung ,aus dem nichts‘, was angeblich die bösen Juden erfunden hätten, bekämpfte.
Und die Bolschewiki waren natürlich jüdische Agenten, die von der Hochfinanz gesponsort wurden. Ein Wahnsinn, wie tief diese schweinischen Lügenparolen mittlerweile eingesickert sind. Und wenn de was dazu sagst, wirste sogar noch von ,Linken‘ blöd angemacht, weil ja Verschwörungstheorien sozusagen die ,Freiheit‘ verkörpern. Natürlich gibt´s Verschwörungen, die niemand kategorisch in Abrede stellen will, aber diese Sucht nach Dunkelmännergeschichten führt irgendwo immer ins Braune. Wenn man dann auf die Notwendigkeit der breiten antikapitalistischen Front wie o. g. hinweist, kommen noch blöde Sprüche, wie: ,bist wohl selber so´n kleiner Diktator?‘. – Beängstigend ist das!“

Danke Greg!


Anmerkungen

[1] Der Oberst der Wehrmacht und Ritterkreuzträger Rudolf Petershagen war nach seiner Kriegsverwundung, die er in Stalingrad erhalten hatte, nach Greifswald befohlen und als Stadtkommandant eingesetzt worden. Beim Vorrücken der sowjetischen „Roten Arbeiter- und Bauern-Armee“ hatte die Oberste Heeresführung der faschistischen Wehrmacht befohlen, jede Stadt und jeden Kilometer des „Deutschen Reiches“ bis zum letzten Blutstropfe des letzten Soldaten gegen die vorrückenden „bolschewistischen Horden“ (d.h. die siegreichen sowjetischen Befreier vom Faschismus!) zu verteidigen. Eingedenk der Tatsache, welche Verbrechen die faschistischen Eroberer in den besetzten Gebieten v.a. der Sowjetunion angerichtet hatten, entschloß sich Oberst Petershagen, die berühmte Stadt Greifswald mit ihrer traditionsreiche Universität und ihren Kunstschätzen vor der sinnlosen Zerstörung zu bewahren. Dies gelang im auch. Mit einer weißen Fahne fuhren Petershagen und seine Begleiter, Professoren der Universität, ins sowjetische Lager und erreichten dort eine kampflose Übergabe der Stadt. Dafür wurde Petershagen von den Nazis und ihren „amerikanischen Freunden“ aufs Äußerste gehaßt. In der DDR wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Greifswald ernannt.
[2] Grenzsicherungsmaßnahmen der DDR zum Schutz vor Sabotage und Diversionsakten durch westdeutsche Geheimdienste und Agenten des Imperialismus. Siehe: Der 13. August 1961
[3] Danach [nach dem Ende der DDR, N.G.] wurde eine Bundesbehörde geschaffen und mit einem der Regierung genehmen und ihren politischen Vorgaben verpflichteten Management besetzt, das die verbliebenen Aktenberge sortieren, aufbereiten und zur innenpolitisch gewollten Verwendung bereithalten sollte: die Behörde mit der langen, bereits im Namen Fälschungsabsicht bekundenden Bezeichnung „Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.“ Nun kann zwar jeder auch nur wenig gebildete Deutsche wissen, daß es das Wort Staatssicherheitsdienst (SSD) in der DDR niemals gegeben hat. In der DDR gab es ein MfS! Aber wer wird sich schon über so eine kleine Ungenauigkeit aufregen wollen? Und so bleibt diese Sprachschöpfung aus dem Umfeld des Gehlen-Dienstes hinter der westlichen Front des kalten Krieges eine psychologisch wirkende Strahlendosis mit Langzeitwirkung. Denn der Begriff SSD und vielleicht auch sein schlagzeilenträchtiges Kürzel STASI sollen unterhalb der Schwelle des Bewußtwerdens die historischen Konturen der zwei Diktaturen in Deutschland verwischen helfen: Staatssicherheitsdienst (der DDR) = Sicherheitsdienst (Himmlers); Stasi = Nazi. (Quelle: https://www.mfs-insider.de/Abhandlungen/Franz.htm
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3 Antworten zu Das Gesindel – oder: Aller schlechten Dinge sind drei…

  1. Weber Johann schreibt:

    Zu einer Grenzsicherung war die Regierung der DDR bereits 1952 gezwungen. Heute fordern die Leute, die damals in diesem Gebiet wohnten, Steuergelder als Entschädigung, weil sie „Zwangsvertriebene“ waren. Was waren die Gründe für die Grenzsicherung? Besonders wichtig der letzte Satz. Hier mehr:

    Grenzordnung eingeführt (26./27. Mai 1952)
    Vom westdeutschen Imperialismus werden die offenen Grenzen der DDR ausgenutzt, um in zunehmendem Maße Spione, Diversanten und Terroristen in das Gebiet der DDR einzuschleusen und den wirtschaftlichen Aufbau zu stören. Die dabei provozierten Grenzzwischenfälle fordern mehrere Opfer unter den Angehörigen der Deutschen Grenzpolizei und bedrohen ernsthaft den Frieden. Angesichts dieser Lage und in Übereinstimmung mit den Interessen des ganzen deutschen Volkes beschließt der Ministerrat der DDR am 26. Mai, unverzüglich Maßnahmen zu treffen für die Verstärkung der Grenzsicherung gegenüber Westdeutschland. Dementsprechend werden mit Wirkung vom 27. Mai ein 10-Meter-Kontrollstreifen, ein 500-Meter-Schutzstreifen und eine 5-Kilometer-Sperrzone an der Staatsgrenze der DDR zu Westdeutschland errichtet. Im Juni 1952 tritt eine ähnliche Grenzordnung für die Ostseeküste in Kraft, da die Provokationen von westdeutscher Seite aus auch in den Küstengewässern der DDR ständig zunehmen.

    Mit diesen Maßnahmen wird seit dem Bestehen der DDR erstmalig eine besondere Grenzordnung in einem relativ schmalen Grenzstreifen eingeführt. Die westdeutsche Regierung hat bereits am 9. Juli 1951 eine besondere Verordnung über die Schaffung eines Zonengrenzbezirkes bis zu einer Tiefe von 10 Kilometern erlassen, obwohl ihr seitens der DDR dazu keine Veranlassung gegeben worden war. Die neuen Aufgaben und die Tatsache, daß auf westdeutscher Seite neben den imperialistischen Besatzungstruppen nunmehr auch die mobilen und modern ausgerüsteten und bewaffneten Verbände des Bundesgrenzschutzes konzentriert sind, machen es erforderlich, die Grenzsicherungskräfte der DDR weiter zu stärken. Gleichzeitig stellt die SED die Aufgabe, aus den fortschrittlichen Kreisen der Grenzbevölkerung Grenzpolizeihelfer zu gewinnen.

    Im Unterschied zu den Grenzsicherungsmaßnahmen des Jahres 1961 wird 1952 noch nicht die offene Grenze zu Westberlin beseitigt und werden an der Staatsgrenze zu Westdeutschland noch keine ausgebauten Grenzsicherungsanlagen geschaffen. Bezeichnend für das Bemühen der Regierung der DDR, alle Möglichkeiten für eine Verständigung zwischen beiden deutschen Staaten offenzuhalten, ist die Festlegung in der Verordnung vom 26. Mai 1952, alle Bestimmungen unter dem Gesichtspunkt zu erlassen, „daß sie bei einer Verständigung über die Durchführung gesamtdeutscher freier Wahlen zur Herbeiführung der Einheit Deutschlands auf demokratischer und friedlicher Grundlage sofort aufgehoben werden können“.“

    Entnommen aus dem Buch „Vom Werden unseres Staates 1949-1955“ Staatsverlag der DDR Berlin 1968

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