Gegen die Objektiven

objektivJa, es ist wahr: Es gibt sie – diese „Objektiven“. Sie standen immer „auf der richtigen Seite“, sie haben immer „alles schon kommen sehen“, sie waren in der DDR „Bestarbeiter“ (angeblich!) oder sogar Intellektuelle, und sie wußten natürlich von Anfang an, daß Stalin kein Verbrecher war, wie Chruschtschow lügnerisch behauptet hatte.  Und natürlich waren sie in der DDR in keiner Partei, da die DDR ja „bekanntermaßen revisionistisch“ war und von der „revisionistischen Honecker-Clique“ angeführt wurde. Wie hätte da die SED da auch eine kommunistische Partei sein können! Und selbstverständlich mußte „auch die Stasi“ dann einsehen, den Falschen verhaftet zu haben… naja, weil man ja schließlich „objektiv“ war; man hat sich herausgehalten aus dem Kämpfen der Zeit, war damit stets auf der sicheren Seite, war in Sicherheit, hat nichts gesagt, weil man ja seine Meinung in der DDR sowieso „nicht öffentlich sagen“ konnte (angeblich!).

Und schließlich ist die DDR ja zurecht „gescheitert“! Sie mußte ja scheitern – eben: „weil sie revisionistisch“ war! So sind sie: „die Objektiven“. Sie haben immer recht. Aber zum Kämpfen gegen das Unrecht sind sie zu feige! Sie beklagen nachträglich lieber „den Revisionismus der SED“ und die vom Kapitalismus zeitweilig Besiegten. Sie kämpfen gegen die Bekämpfer des Unrechts: gegen die Kommunisten. Denn da sind die „Objektiven“ heute wiedermal auf der richtigen Seite, nämlich auf der Seite der BOURGEOISIE.

War der Untergang des Sozialismus „vorhersehbar“?

Das ist natürlich Unsinn. Der Niedergang und nicht zuletzt auch die Niederlage waren freilich erkennbar. Aber sie waren ebensowenig zwangsläufig, wie vorhersehbar. Schon Lenin hatte gewarnt:  „Man darf nicht vergessen, daß man zugrunde gehen kann unter Verhältnissen, wo die Schwierigkeiten zwar groß sind, der Untergang aber nicht im allergeringsten zwangsläufig ist.“ (Lenin) [1] Aber eine Warnung ist eben keine Vorhersage. Sicher hatten einige sogar gehofft, der Sozialismus möge untergehen. Dazu gehörten Churchill, A.Dulles, Truman und andere Antikommunisten. Von Seiten der Feinde des Sozialismus kamen also tatsächlich solche „Vorhersagen“. Wer also heute behauptet, der Sozialismus sei gescheitert, und sein Ende sei „vorhersehbar“ gewesen, der gibt nachträglich all jenen recht, die keinen sehnlicheren Wunsch hatten, als daß der Sozialismus scheitern und untergehen möge.

Wer sind heute die „Objektiven“?

Es sind diejenigen, die „gesichert“ sind. Sie leben unter „geordneten Verhältnissen“, sie haben sich mit dem Kapitalismus arrangiert, sie nutzen seine „Vorzüge“ – d.h. die Profitmacherei, die Macht der Mächtigen und die Privilegien der Begüterten. Und sie sind bestechlich. prinzipienlos, egoistisch. Die Objektiven ordnen ihre Interessen denen der herrschenden Klasse unter – der Bourgeoisie. Oder um das mal zeitgemäß zu formulieren: Die Objektiven lassen sich „aus Solidarität“ mit experimentellen mRNA-Substanzen „impfen“, und sie glauben freiliuch auch, daß „Putin ein Aggressor“ ist. Genauso, wie es in der Zeitung steht…


Gegen die Objektiven

Bertolt Brecht

Wenn die Bekämpfer des Unrechts
Ihre verwundeten Gesichter zeigen
Ist die Ungeduld derer, die in Sicherheit waren
Groß.

Warum beschwert ihr euch, fragen sie
Ihr habt das Unrecht bekämpft! Jetzt
Hat es euch besiegt: schweigt also!

Wer kämpft, sagen sie, muß verlieren können
Wer Streit sucht, begibt sich in Gefahr
Wer mit Gewalt vorgeht
Darf die Gewalt nicht beschuldigen.

Ach, Freunde, die ihr gesichert seid
Warum so feindlich? Sind wir
Eure Feinde, die wir Feinde des Unrechts sind?
Wenn die Kämpfer gegen das Unrecht besiegt sind
Hat das Unrecht doch nicht recht!

Unsere Niederlagen nämlich
Beweisen nichts, als daß wir zu Wenige sind
Die gegen die Gemeinheit kämpfen
Und von den Zuschauern erwarten wir
Daß sie wenigstens beschämt sind!

Text: Bertolt Brecht [2]

[1] W.I. Lenin: Notizen eines Publizisten, Werke Bd. 33, S. 194.
[2] Zitiert nach Ernst Buschs Rezitation auf der Luis Corvalán gewidmeten Sonderproduktion Solidarität mit Chile (Eterna 4 15 140). Hrsg. 1975.

Was heißt „objektiv“?

In der marxistisch-leninistischen Philosophie wird der Begriff „objektiv“ in zwei verschiedenen Bedeutungen gebraucht. 1. Objektive Existenz bedeutet, daß der betreffende Gegenstand oder die Erscheinung unabhängig vom einzelnen Subjekt und dessen Bewußtsein existiert. In dieserm Sinne haben z,B. die Naturgesetze oder die ökonomischen Verhältnisse einer bestimmten Gesellschaftsformation objektive Existenz. 2. Im Zusammenhang mit der menschlichen Erkenntnis sprechen wir von ihrem objektiven Inhalt und Charakter, von ihrer Objektivität. Die Objektivität der Erkenntnis besteht darin, daß das Subjekt die objektive Raelitätadäquat widerspiegelt, daß die Erkenntnis mit dem Objekt übereinstimmt.

„Objektiv“ ist auch nicht identisch mit „materiell“. Materiell ist alles, was unabhängig und außerhalb des Bewußtseins schlechthin existiert, im Gegensatz zum Ideellen, welches nur im und durch das Bewußtsein des einzelnen Subjekts existiert. Formen des gesellschaftlichen Bewußtseins, wie die Wissenschaft, Religion usw. existieren demzufolge zwar objektiv, da sie unbhängig vom individuellen Bewußtsein sind, haben sie aber zugleich als Formen des Bewußtseins ideellen und nicht materiellen Charakter.

„Objektiv“ ist auch nicht identisch mit „real“. Der Inhalt des Begriffs „real“ ist weiter nichts als der des Begriffs „objektiv“. Real existiert nicht nur das Objektive, das unabhängig vom individuellen Bewußtsein ist, sondern auch das individuelle, subjektive Bewußtsein selbst. Real es kann sowohl materiell als auch ideell, sowohl objektiv als auch subjektiv sein. Aus dem Inhalt der Begriffe „objektiv“ und „real“ ergibt sich als Bestimmung des Objektiv-Realen, soweit es unabhängig und außerhalb jeglichen Bewußtseins existiert, der Begriff des Materiellen.

Objektivismus ist eine weltanschauliche und methodologische Denkhaltung, der zufolge die wissenschaftliche Forschung sich jeglicher kritischer Bewertung, klassenmäßiger Einschätzungen und parteilicher Schlußfolgerungen hinsichtlich des Gegenstandes der Forschung enthalten müsse, da diese angeblich der Wissenschaftlichkeit der Untersuchung abträglich sei. … Der Objektivismus ist heuite zu einem wesentlichen Merkmal der bürgerlichen Ideologie geworden, die sich als klassenindifferent und über den Klassen und Parteien stehend ausgibt.

Quelle:
Georg Klaus/Manfred Bu hr (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch (2 Bde.), VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1975, Bd. 2, S. 885.
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3 Antworten zu Gegen die Objektiven

  1. dersaisonkoch schreibt:

    Jetzt wird es sehr hoch. Der gemeine Arbeiter kennt dafür andere Begriffe. Dünnbrettbohrer und Verräter z.B.. Duckmäuser war, glaub ich, sogar mal eine Romanfigur im „Untertan“ und vielen anderen Schriften. ‚Und ist die Hos auch noch so voll, wir finden das Leben immer toll:-))‘

    • sascha313 schreibt:

      …naja – ich kannte so einen „Objektiven“, er hat sich in der DDR aus allem herausgehalten, hat angeblich aber alles schon kommen sehen – weil ja der „reale Sozialismus“ angeblich kein Sozialismus gewesen sei und die Partei aus lauter Opportunisten und Karrieristen bestanden habe. Ein widerlicher Typ!

  2. Hanz29 schreibt:

    Dazu ein schönes, neues Lied aus Russland:

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