Gründung der Polnischen Volksrepublik

UIG Initial HDD July 2014 SovFotoDie Geschichte der Gründung der sozialistischen Polnischen Volksrepublik ist beispielhaft für die Gründung eines sozialistischen Staates.  Bereits im Vorfeld hatten sich progressive Kräfte des Landes zusammengeschlossen und das Nationale Befreiungskomitee (PKWN) gegründet. Die reaktionäre Exilregierung in London und die volksfeindlichen Kräfte im Lande versuchten alles, und eine solche Entwicklung zu verhindern. Auf Grund des großen Rückhalts, den das PKWN im Volke genoß, und Dank der Unterstützung durch die Sowjetunion waren alle diese Versuche zum Scheitern verurteilt. Aus den bitteren Erfahrungen der faschistischen-deutschen Besatzung heraus stimmten mehr als drei Viertel aller Einwohner Polens für ein unabhängiges, sozialistisches Polen. Der Kommunist Bolesław Bierut wurde der erste Staatspräsident.

Polen. Unmittelbar nach seiner Bildung ging das Polnische Komitee der Nationalen Befreiung an den Aufbau eines neuen, demokratischen Staatsapparates. Die Macht übernahmen die neugebildeten Nationalräte, die auch eine Bür­germiliz zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Sicherheit organisierten. Große Bedeutung für die Entwicklung der jungen Volksmacht hatten die Hilfe und Unterstützung, die ihr die Sowjetunion erteilte. In einer Erklärung des Volkskommissariats für Auswärtige Angelegen­heiten vom Juli 1944 hieß es, daß die Sowjet­regierung „die militärischen Operationen der Roten Armee auf dem Territorium Polens als Operationen auf dem Gebiet eines souveränen, befreundeten und verbündeten Staates betrach­tet“. Aufgrund der Siege der Sowjetarmee, unterstützt von zwei polnischen Armeen, konnte die neue Volksmacht in Polen errichtet werden. Am 31. Dezember 1944 wurde das Polnische Komitee der Nationalen Befreiung (PKWN) in die Pro­visorische Regierung Polens umgewandelt.

Geschichte01

Die Bevölkerung von Poznań begrüßt Ende 1945 die sowjetischen Befreier

Bodenreform

Von größter Bedeutung für den Fortgang der revolutionären Veränderungen war zunächst die Durchführung der durch Gesetz vom 6. Septem­ber 1944 beschlossenen Bodenreform. Für die von der Polnischen Arbeiterpartei geführten demokratischen Kräfte kam es vor allem darauf an, die berechtigten Forderungen der werktäti­gen Landbevölkerung zu verwirklichen, die Klein- und Mittelbauern zu einem zuverlässigen Verbündeten der Revolution zu machen. Die Großgrundbesitzer trachteten ihrerseits danach, sich ihre ökonomischen Grundlagen für eine direkte Einflußnahme auf die politische Ent­wicklung des Landes zu erhalten.

Bewaffnete Banden

Die reaktionären Kräfte, die zu dieser Zeit noch einen beträchtlichen politischen Einfluß im Lande besaßen und auch über bewaffnete Kräfte verfügten, taten alles, um die konse­quente Durchführung der Bodenreform zu ver­hindern. Der Klassenkampf nahm zum Teil, besonders im Südosten des Landes, bür­gerkriegsähnlichen Charakter an. Bewaffnete Banden in einer Stärke von über 30.000 Mann verübten Sabotageakte, terrorisierten die Be­völkerung und ermordeten, bis zu ihrer Ver­nichtung Ende 1947, etwa 20 000 Funktionäre des neuen Staatsapparates und der Volksfront, unter ihnen vor allem Kommunisten.

Bodenreform erfolgreich – Nationalisierung begonnen

Geschichte02Dennoch trugen die fortschrittlichen Kräfte gerade im Kampf um die Bodenreform einen bedeutenden Sieg davon. Unterstützt von Ar­beiter- und Bauernbrigaden sowie von Soldaten und Offizieren der polnischen Armee gelang es, die Bodenreform bis zum Ende des Jahres 1945 im wesentlichen zum Abschluß zu bringen. Bis auf 12 Prozent der landwirtschaftlichen Nutz­fläche, die staatlichen Gütern übergeben wurden, wurde der gesamte polnische Grundbesitz über 50 Hektar enteignet und an die landarmen Bauern und Landarbeiter aufgeteilt. Etwa ein Drittel aller Bauernwirtschaften erhielt durch die Bodenreform Land. Trotz erbitterten Widerstandes der Reaktion wurde Anfang 1946 die Nationalisierung der Großindustrie, der mittleren Industrie des Transports und der Banken begonnen. Bis Ende 1946 gingen rund 3 400 Unternehmen, das heißt etwa 86 Prozent, der polnischen Schlüsselindu­strie in Staatseigentum über, sie bildeten die ökonomische Grundlage der volksdemokra­tischen Staatsmacht.

Freundschaft zur Sowjetunion

Für die Festigung der internationalen Stellung der neuen Volksmacht in Polen besaß der Vertrag über Freundschaft, gegenseitige Hilfe und Zusammenarbeit nach dem Kriege, den die Sowjetregierung und die Provisorische Regie­rung Polens im April 1945 abschlossen, große Bedeutung. Die Bildung der Provisorischen Regierung der Nationalen Einheit Polens Ende Juni 1945, in der die bürgerlichen Kräfte aus Polen und der polnischen Emigration fünf Ministerposten (von insgesamt 21) erhielten, brachte dem neuen Polen auch die internationale Anerkennung durch die imperialistischen Großmächte USA und Großbritannien.

Volksbefragung: 77,3 Prozent für politische Veränderung

In einem Referendum (Volksbefragung) ent­schieden sich am 30. Juni 1946 77,3 Prozent aller Polen für die Veränderungen im gesell­schaftlichen Leben Polens nach 1944, besonders für die Bodenreform und die Nationalisierung in der Industrie, und bekundeten damit ihre Entschlossenheit, die neue Volksmachtin Polen als ihre Interessenvertretung zu betrachten. Doch die reaktionären Kräfte in Polen gaben den Kampf um die Erhaltung und Rückgewinnung ihrer ökonomischen und politischen Macht­positionen nicht auf. Ihr bekanntester Vertreter war der aus dem Londoner Exil gekommene Mikołajczyk. Im Sommer 1945 stellte er sich an die Spitze einer neugegründeten „Polnischen Volkspartei“. Mit Hilfe dieser Partei wollte er bei den für Januar 1947 angesetzten Sejm-Wahlen die Mehrheit der Abgeordnetensitze erlangen. Das sollte zum Ausgangspunkt für die Beseitigung der Errungenschaften des pol­nischen Volkes gemacht werden.

Wahlen zum polnischen Parlament

Geschichte03Die Sejm-Wahlen vom 19. Januar 1947 besie­gelten indes die Niederlage der Reaktion. 80 Prozent aller Wahlteilnehmer gaben ihre Stimme den Kandidaten des demokratischen Wahlblocks. Die Polnische Volkspartei konnte nur 10 Prozent der abgegebenen Stimmen für sich verbuchen und erhielt damit die Quittung für ihre reaktionäre Politik. Präsident der Re­publik wurde der Kommunist Bolesław Bierut*. Am 19. Februar 1947 nahm der Sejm die erste Verfassung der Volksrepublik Polen an. Zur Wiederherstellung der Volkswirtschaft wurde der Dreijahrplan 1947 bis 1949 beschlossen. Mit der Vereinigung von Polnischer Arbeiterpartei und Polnischer Sozialistischer Partei zur Pol­nischen Vereinigten Arbeiterpartei (PVAP) im Dezember 1948 fand der Prozeß des Zusammen­wachsens beider Parteien, der mit der Aktions­einheit im antifaschistischen Befreiungskampf begonnen hatte, seinen Abschluß. In Polen hatte die Diktatur des Proletariats gesiegt. Der Weg zu einer sozialistischen Entwicklung unseres Nachbarlandes war endgültig frei.

Quelle: Lehrbuch „Geschichte Klasse 10, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin 1980, S.21-23. (Zwischenüberschriften einegfügt, N.G.)

*Anmerkung: Wie eine ganze Reihe anderer hervorragender kommunistischer Persönlichkeiten wurde auch der Generalsekretär der PVAP, Bolesław Bierut, ermordet. Am 12. März 1956 starb Bierut „an Herzmuskelinfarkt“ in Moskau, wo er am XX. Parteitag teilnahm. Das Gutachten der Ärztekommission über die Todesursache trägt als erstes die Unterschrift von W. Wassilenko. Genosse Kurt Gossweiler schrieb: „Damals konnte ich auch nicht voraussehen, was mich nachträglich davon überzeugen würde, daß die damaligen Prozeß-Feststellungen über die medizinische Ermordung unbequemer Persönlichkeiten verdienen, nicht einfach als stalinistische Erfindungen vom Tisch gewischt zu werden, nämlich die Serie von ,plötzlichen und unerwarteten Todesfällen‘, durch die merkwürdigerweise der rehabilitierten Ärzte. An erster Stelle: W. Wassilenko.“ (Quelle: Die Taubenfußchronik, 2 Bde. Bd.1, S.381-385. )

Mit der Ermordung Stalins und dem berüchtigten XX.Parteitag der KPdSU wurden in allen sozialistischen Ländern konterrevolutionäre Veränderungen eingeleitet, die schließlich auch in Polen zum Sturz des Sozialismus führten. Reaktionäre und antikommunistische Kräfte gelangten an die Macht, beseitigten nach und nach sämtliche sozialistischen Erungenschaften und restaurierten in Polen ein kapitalistisches System der Unfreiheit und Unterdrückung des werktätigen Volkes.

Siehe:
Warum wurde Georgi Dimitroff ermordet?
Der Überfall Hitlerdeutschlands auf Polen
Von der Befreiung Polens bis zum Untergang des Sozialismus

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2 Antworten zu Gründung der Polnischen Volksrepublik

  1. Eleonore Kraus schreibt:

    Informativ und wichtig. Danke.

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