Christen in der DDR – gleichberechtigte Bürger

Pfarrer Franz

Pfarrer Peter Franz

Im Sozialismus waren mit der Beseitigung von Ausbeutung und Unterdrückung und mit der Tren­nung von Staat und Kirche Be­dingungen geschaffen worden, die es ermöglichten, alle Bürger in die aktive Gestaltung der Gesellschaft einzubeziehen. Weltanschauliche Meinungs-verschiedenheiten wurden dem gemeinsamen Interesse an der Gestaltung der sozialistischen Gesellschaft un­tergeordnet. Auf der Grundlage der verfassungsmäßig garantierten Glaubens- und Gewissensfreiheit (Verf. der DDR, Art. 20,39) wurden in der DDR alle Werktätigen in die Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft einbezogen. Die Leistungen gläubiger Bürger waren dabei genauso geschätzt und gefordert wie die aller anderen, weil die Errungenschaften des Sozialismus jedem zum Nutzen gereichten, auch den Gläubigen. Die aktive Teilnahme Gläubiger an der Gestaltung der sozialistischen Gesellschaft zeigte, »daß ein dem tätigen Huma­nismus verpflichteter christlicher Glaube und staatsbürgerliche Verantwortung für den Sozialismus durchaus zu vereinbaren sind« (Kurt Hager, Unser Staat – unser Stolz. „Einheit“, 8/1979, S.807).

Den folgenden Beitrag schrieb Pfarrer Peter Franz im Jahre 1977 für die Zeitung „Neue Zeit“ der CDU in der DDR:


Gleichberechtigt und gemeinschaftsfähig

von Pfarrer Peter Franz

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Ohne die welt­anschaulichen Gegensätze von Religion und marxistisch-leninistischer Weltanschauung zu negieren, hatte sich in der DDR eine fruchtbringende Zusammenarbeit von Kommunisten und Gläubigen entwickelt. Die weltanschauliche Arbeit der marxistisch-leninistischen Partei konzentrierte sich nicht auf Religionskritik, son­dern auf die Erläuterung der auf dem theoretischen Fundament des dialektischen und historischen Ma­terialismus beruhenden wissen­schaftlichen Politik der SED, und war darauf gerichtet, die Werktätigen, darunter auch gläubige Bürger, ohne deren religiöse Gefühle zu verletzen, zu tieferen Einsichten in ihre objek­tiven Interessen und in die Gesetz­mäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung zu führen.

Quellen:
NEUE ZEIT, Nr.221, 17. September 1977,
Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin, 1986, S.811 (Zeitformen aktualisiert)

Siehe auch:
Eine BRD-„Behörde“ und Verschwendung von Steuergeldern
Kurt Gossweiler: Wider die linke Resignation

pdfimage Peter Franz Walter Schilling und das MfS

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3 Antworten zu Christen in der DDR – gleichberechtigte Bürger

  1. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    Ohne die welt­anschaulichen Gegensätze von Religion und marxistisch-leninistischer Weltanschauung zu negieren, hatte sich in der DDR eine fruchtbringende Zusammenarbeit von Kommunisten und Gläubigen entwickelt. Die weltanschauliche Arbeit der marxistisch-leninistischen Partei konzentrierte sich nicht auf Religionskritik, son­dern auf die Erläuterung der auf dem theoretischen Fundament des dialektischen und historischen Ma­terialismus beruhenden wissen­schaftlichen Politik der SED, und war darauf gerichtet, die Werktätigen, darunter auch gläubige Bürger, ohne deren religiöse Gefühle zu verletzen, zu tieferen Einsichten in ihre objek­tiven Interessen und in die Gesetz­mäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung zu führen.

  2. Hanna Fleiss schreibt:

    Ja, Sascha, das war das Offizielle, aber erst in den letzten Jahren. Wobei die Praxis sich nicht immer der offiziellen Haltung der DDR-Regierung fügen wollte. Im Jahre 1956 sah es wesentlich anders aus. Kleine Story aus dem Leben: Ich kam von der Jugendweihestunde, und mir kamen aus meiner Klasse einige Mitschüler, Jungen und Mädchen, entgegen, sie kamen vom Konfirmationsunterricht. Ich war damals die einzige in der Klasse, die Jugendweihe machte. Ich glaube, es war erst die zweite Jugendweihe in der DDR. Damals gab es da eine Pfarrerin namens Berli, eine Hetzerin gegen die DDR, die sich gewaschen hatte, und die Junge Union der DDR-CDU versuchte die Jugendlichen sehr aggressiv an sich zu ziehen. Die meisten fielen darauf rein. Meine Klassenkameraden provozierten mich, und es kam zu einem Gerangel unter wüsten Beschimpfungen der DDR und der Jugendweihe, das in einer ausgemachten Keilerei endete. Ein Mann, der vorüberging, mischte sich ein und beendete den Spaß. Ich hinkte nach Hause, blutend und mit zerrissenem Rock.

    Noch eine Geschichte aus dem Leben: Im Jahre 2012 war ich mit einer Reisegruppe in Brandenburg, nahe Angermünde. Dort war die Sippe derer von Arnim ansässig. Ich weiß allerdings nicht, ob sie es heute wieder ist, ist mir nicht bekannt. Ehm Welks Bücher sind in dieser Gegend angesiedelt. Ein Dorfkirchlein, der junge Pfarrer erzählte uns von der Geschichte des Dorfes, kein Wort natürlich zu den elenden Verhältnissen, unter denen die Brandenburger Bauern oder besser: halbe Sklaven lebten, sondern nur die Geschichte der abwechselnden adligen Sippen, denen das Dorf gehörte, und ein paar Informationen zum Alten Fritzen. Ansonsten alles paletti heute. Ich sah mich in der Kirche um und fand sie sehr schön renoviert. Der Pfarrer redete und redete dann von den „Leiden unter dem Kommunismus“. Ich fragte ihn, wann die Kirche renoviert wurde. Seine Antwort: „1984!“. Ich sagte nur: „Aha.“ Das brachte einen unschönen Touch in den beseligten Vortrag des Pfarrers. Zum Schluss wurde gesungen: „Ein feste Burg ist unser Gott“. Und als wir draußen waren, sagte eine Frau zu mir: „Die DDR musste die Kirche ja renovieren! Die war ja am Zusammenbrechen! Was Sie immer haben!“

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Hanna. Ich weiß nur, daß Pfarrer Franz von „seiner“ Kirche wegen seiner positiven Haltung gegenüber unserem Staat, der DDR, aufs schmählichste beleidigt und bekämpft wurde. Interessant ist auch sein Beitrag über diesen haßerfüllten, DDR-feindlichen Pfarrer Schilling. Peter Franz: Walter Schilling und das MfS (pdf-Datei)
      (Solche widerlichen, antikommunistischen Hetzer, wie diesen Pfaffen Schilling, gibt es auch heute noch in Kirchenkreisen.)

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