Ein Tatsachenbericht: Das von den Häftlingen selbst befreite Nazi-KZ Buchenwald unter US-amerikanischer Besatzung

1-486Zwei Tage, nachdem sich die Häftlinge des KZ Buchenwald unter Führung ihres lnternationalen Komitees am 11. April 1945, von der SS befreit hatten, erschienen die ersten amerikanischen Truppen im Lager. Es soll dahingestellt bleiben, ob sich die amerikanische Armee um Buchenwald besonders be­eilt hat, ob sie nicht mit einem etwas ener­gischeren Vormarsch mühelos noch Tausenden Antifaschisten aller Länder das Leben hätte retten können. Dank unserer Befreiungsaktion ist es uns jedenfalls gelungen, 21.000 Anti­faschisten aller Länder vor dem Untergang, für die Demokratie zu retten.

Das „Wunder“ von Buchenwald

Die amerikanischen Offiziere des Geheim­dienstes gaben ihrer Verwunderung, sie sagten auch „Bewunderung“, Ausdruck. Nur zu gerne hätten sie uns die „Geheimnisse des Buchen­walder Wunders“, Angaben über unseren unterirdischen Kampf, Namenslisten be­währter Kommunisten und Antifaschisten entlockt und waren recht enttäuscht, als ihnen das nicht gelungen ist.

Soldarisches Verhalten der amerikanischen Negersoldaten

Gewiß gab es unter den Offizieren und Sol­daten der amerikanischen Armee zahlreiche ehrliche antifaschistische Demokraten, die ihre Solidarität mit uns unter Beweis gestellt haben. Rühmend soll besonders auch die Haltung der Neger-Offiziere und Neger-Sol­daten hervorgehoben werden. Wer aber im Frühjahr 1945 noch die Illusion haben mochte, die amerikanische Armee wäre zur Beseitigung des Faschismus nach Deutschland gekommen, war bald eines besseren belehrt.

Die ersten Befehle der Besatzer

Die fortschrittlichen demokratischen Elemente der Armee hielten selbst uns gegenüber mit dem Ausdruck des Unwillens über die reaktio­näre Haltung ihrer Führung nicht zurück. Diesem reaktionären Geist entsprachen die ersten Maßnahmen. Die Aufforderung an die internationalen Häftlingsbataillone, ihre im Kampf gegen die SS gebrauchten Waffen ab­zugeben, konnte noch mit militärischen Notwendigkeiten begründet werden. Die Auf­lösung des internationalen Lagerkomitees, der Befehl, daß die Häftlinge nach Nationen getrennt unterzubringen sind, und die Erklärung, nur mit Vertrauensmännern dieser ge­trennten nationalen Gruppen zu verhandeln, war aber schon ein offenkundiger Versuch, unsere bewährte internationale Kampfsoli­darität zu zerschlagen. Man beabsichtigte sogar, auch noch in die Reihen der deutschen Antifaschisten durch Absonderung der Kameraden jüdischer Abstammung einen Keil zu treiben. Allerdings sind alle diese Versuche an unserer festen internationalen Verbundenheit schmählich gescheitert. Das internationale Lager­komitee fungierte weiter und erzwang sich die Anerkennung.

Werbung für polnische Emigrantenarmee

Das Schändlichste, was sich die Amerikaner in Buchenwald geleistet haben, war ihre Wühlarbeit unter den polnischen Häftlingen. Reaktionäre polnische Ver­bindungsoffiziere des amerikanischen Haupt­quartiers wurden ins Lager geschickt, um dort eine antidemokratische (schon damals, noch mitten in den Kampfhandlungen) antiso­wjetische Propaganda zu betreiben, die polnischen Häftlinge an der Rückkehr in ihre Hei­mat zu hindern, für die reaktionäre polnische Emigranten-Armee zu werben. Auf Veranlassung dieser amerikanischen Verbindungsoffiziere wurden gegen aufrechte polnische Antifaschisten im Lager förmliche Pogrome veranstaltet, sie wurden mißhandelt und blutig geprügelt. Bezeichnend für die geschaffene Lage war, das die aufrechten polnischen Antifaschisten und Demokraten der Möglichkeit beraubt wurden, sich in ihrer eigenen Lagerzeitung Gehör zu verschaffen, Ihre Mitteilungen zwecks Veröffentlichung mir als dem Redak­teur der deutschen Lagerzeitung übergeben mußten.

Fortsetzung der nazistischen Methoden

Statt die jahrelang im Lager leidenden Anti­faschisten auf dem schnellsten Wege in ihre Heimat zu befördern, wurden sie wochen- ­und monatelang weiter als Gefangene behandelt und im Lager behalten. Unter den fadenscheinigsten Vorwänden sind insbesondere die in der sowjetisch besetzten Zone heimatzu­ständigen Häftlinge zurückgehalten worden. Während dieser Zeit versuchten Offiziere des amerikanischen Geheimdienstes durch krimi­nelle Elemente Anklagematerial gegen aufrechte Antifaschisten zusammenzutragen und zeigten nicht übel Lust, manchen von uns auf Grund von Lügen krimineller Denunzianten Kriegsgerichtsverfahren anzuhängen. Mit allen Mitteln sollte verhindert werden, daß die Buchenwalder Antifaschisten ihre Tätigkeit in der Heimat fortsetzten.

Verhinderter Antifaschismus

Vor dem l. Mai 1945 sind in zahlreichen Thüringer Städten antifaschistische Maikomitees zu einem großen Teil trotz der Amerikaner heimgekehrte Buchenwalder Häftlinge, in Haft genommen worden. Daß die amerikani­schen Armeeangehörigen den Befehl hatten, die als antifaschistische Völkerverbrüderung veranstaltete internationale Maifeier des Lagers zu boykottieren, hat uns nach all dem nicht weiter gewundert.

Amerikaner helfen den Nazis und bestrafen Antifaschisten

In der Umgebung Buchenwalds, besonders in Weimar, wo wir trotz des amerikanischen Verbots unsere antifaschistische Tätigkeit aufgenommen und an der Säuberung mitgeholfen haben konnten wir bald die Praxis der Amerikaner kennenlernen. Sind von uns Nazi-­Aktivisten aufgestöbert und festgenommen worden, so konnten wir sicher sein, daß sie von den Amerikanern in einigen Tagen wieder freigelassen werden – und wir hatten noch Rüffel des amerikanischen Kommandanten zu gewärtigen, weil wir so verdienstvolle Männer von ihrer Arbeit abhalten. Dagegen werde ich nie vergessen, mit welchem Hohn wir von einem amerikanischen Kommandan­ten in Weimar abgefertigt worden sind, als wir die Freilassung eines Antifaschisten er­wirken wollten, der sich als Deserteur der Hitlerarmee in Weimar versteckt hielt, von den Amerikanern aber als Kriegsgefangener festgenommen worden war.

Beseitigung der Spuren der Nazi-Verbrechen

Die amerikanischen Kommandostellen hiel­ten mit ihren Sympathien für die Nazis schon damals nicht zurück. Wir haben z.B. durchgesetzt, daß Nazis aus dem benachbarten Weimar zur Besichtigung des Lagers gezwun­gen wurden, um die Schandtaten ihres Regimes mit eigenen Augen zu sehen. Der amerikanische Kommandant hat in zarter Rücksichtnahme auf Nerven von Nazi-Dämchen sehr bald die Einstellung dieser Besichtigungen und das Wegräumen der sichtbaren Spuren von Nazi-Bestialitäten, wie Leichenberge, offene Massengräber, Hinrichtungsstätte, halbverkohlte Leichenteile und ähnlichem angeordnet. Als wir erwirkt haben, daß zur Verrichtung von Dreckarbeiten im Lager nunmehr nicht die jahrelang gequälten Häftlinge, sondern Weimarer Nazis heran­gezogen werden, hat uns der amerikanische Kommandant in rührender Fürsorge für die Nazis eingeschärft, es dürfe ihnen im Lager nichts passieren, sie dürften nicht beschimpft, bespien oder gar mißhandelt werden.

Plünderungen durch die US-Armee

Die Amerikaner machten seinerzeit große Reklame mit ihren dem Lager erwiesenen Wohltaten. Tatsache ist, daß sie zur Ver­pflegung des Lagers nichts beigesteuert haben. Kleider, Wäsche und Decken wurden aus Lagerbeständen abtransportiert, statt sie an die notleidenden Häftlinge zu verteilen. Der amerikanische Lagerkommandant hat es trotz des Protestes der Häftlings-Lagerleitung zu­gelassen, das Trupps amerikanischer Soldaten und Offiziere aus der Effektenkammer Wert­gegenstände und Kleidungsstücke der Häftlinge raubten, die wir jahrelang vor dem Zu­griff der SS retten konnten. Die von der SS uns geraubten, in einer Weimarer Bank an­gelegten Gelder wurden uns nicht zurückgegeben, sondern von den Amerikanern für sich beschlagnahmt. Die Abwicklung der primitivsten Lagerverwaltungs-Maßnahmen in einer Barackenstadt mit 21.000 Einwohnern haben sie uns durch rücksichtslose Wegnahme von Büroeinrichtungen und Scbreibmaschinen fast unmöglich gemacht.

US-Besatzer: reaktionär, nazifreundlich, antidemokratisch…

So haben wir Buchenwalder Antifaschisten die amerikanische Armeeführung schon da­mals kennengelernt: reaktionär, nazifreund­lich, Feind jeder Demokratie. Das werden die Widerstandskämpfer nicht vergessen, wenn sie zum 11. April, der zum Gedenken der Befreiung Buchenwalds von der Internationalen Vereinigung der Widerstandskämpfer der FIAPP zum internationalen Freiheitstag er­hoben worden ist, in der ganzen Welt für Demokratie und Frieden, gegen Kriegshetze und Faschismus ihre Stimme erheben und die internationale Verbundenheit den Antifaschisten aller Länder demonstrieren im Geiste unserer internationalen Solidarität in den Konzentrationslagern.

Georg Krauß, Buchenwald-Häftling-Nr.3732

490410 ND Buchenwald

Quelle:
Zeitung Neues Deutschland, 10. April 1949, Nr.85, Seite 3. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

Am 11. April 1945 befreiten sich die Häftlinge von Buchenwald unter Führung des ILK, unter dem Einsatz einer kampfesmutigen, zumeist von Kommunisten geführten Militärorganisation, aus der SS-Hölle. Sie sprengten den Zaun, eroberten die Wachtürme, nahmen SS-Leute gefangen. Wenige Stunden später trat das illegale ILK aus der Konspiration in die Legalität als Führung der 21.000 befreiten Häftlinge. Erst zwei Tage später kam eine USA-Abteilung, um das Lager zu übernehmen. (Walter Barthel)

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9 Antworten zu Ein Tatsachenbericht: Das von den Häftlingen selbst befreite Nazi-KZ Buchenwald unter US-amerikanischer Besatzung

  1. Henk Gerrits schreibt:

    Da fehlen die worte.

  2. Rolf Becker schreibt:

    wer all das wirklich wissen wollte, weiss es schon lange -Auch die US Verbrechen auf den Rheinwiesen….

  3. CarpeDiem2018 schreibt:

    Alles Geschwurbel.
    Die Welt ist seit 700 Jahren in Hunnen Hand und die Masken sind „Vatikan, Staat, EU, „Länder, Kommunismus, Marxismus…
    Alles ist so herrlich anonym und man kann so gut ausrauben ohne erkannt zu werden… Alle Turkvölker sind Nachfahren der Hunnen…
    Seit den Nibelungen kamen sie in unser Land und sind nie mehr gegangen. Afrika soll einwandern damit die offene Machtübernahme der Türken verschleiert werden soll. Sie haben als Adel und Klerus eine lange Erfahrung im Betrug, Mord, Diebstahl. Denn auch dieses sind Masken der Hunnen…

    • sascha313 schreibt:

      „Geschwurbel“ eben, „CarpeDiem2018“! Sie sollten den Tag lieber nutzen, um ein wenig in die Geschichte des 20.Jahrhunderts einzusteigen. Da gäbe es sicher noch eine Menge zu lernen. Nationalismus war schon immer ein engstirniges Phänomen, das wußten schon die Nazis. Aber sie verfolgten ja nicht nur die Juden, sondern zuallererst die Kommunisten!

      Stalin, den Sie sicher nicht so sehr mögen, schrieb einmal (1913):

      Die Peride der Konterrevolution in Rußland brachte nicht nur
      „Donner und Blitz“, sondern auch Enttäuschung über die Bewegung, Unglauben an die gemeinsamen Kräfte. Man hatte an eine „lichte Zukunft“ geglaubt – und da hatte man gemeinsam gekämpft, einerlei zu welcher Nationalität man gehörte: Die gemeinsamen Fragen vor allem! Zweifel schlichen sich in die Seele, und man begann auseinanderzugehen, jeder in sein nationales Kämmerlein: Ein jeder baue nur auf sich selbst! Das „nationale Problem“ vor allem!

      (Stalin, Werke, Bd.2, Dietz Verlag Berlin, 1950, S.266)

      Sind wir nicht heute in einer ähnlichen Lage? Stalin war übrigens Georgier. Und die Sowjetunion war ein großer Vielvölkerstaat, in dem nach 1917 und bis 1990 viele unterschiedliche Nationalitäten gemeinsam und friedlich miteinder lebten: Russen, Ukrainer, Nnzen, Tschetschenen, Moldawier, Armenier,Tadshiken, Litauer usw.

  4. lotharfinger schreibt:

    Was für ein wichtiger und mutiger Komentar!Danke ich habe Buchenwald mehrmals besucht und glaubte mich der Wahrheit nahe! Wie man sich täuschen (lassen) kann. Gerne würde ich diesen Beitrag auf meinem blog verbreiten!
    Mit liebem Gruß
    L.J. Finger

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