BRD-Lügenpresse. Über Sensationsberichte und wie sie gemacht werden…

zeitungenNicht nur in den westlichen Boulevardblättern, sondern auch in der sogenannten seriösen Westpresse wird gelogen. Das war schon immer so. Es wird gelogen, was das Zeug hält. Je dicker die Lüge, desto größer der Verkaufserfolg. Ab und zu kommt so ein Betrug auch mal ans Licht, dann wird einer dieser kleinen Zeitungs-Redakteure hinausgeworfen – ein Bauernopfer sozusagen. Doch danach geht das Treiben weiter, man lebt ja schließlich davon. Aber es sind nicht nur die großen Lügen, sondern auch die kleinen, die unauffälligen. Es sind die Weglassungen, die Einseitigkeiten, Verleumdungen und Unterstellungen – alles das, was heute zum fragwürdigen Handwerkzeug eines solchen Schreiberlings gehört. Der Kapitalismus hat darin eines seiner Fundamente…

Hier nun der Beitrag von Horst Czerny aus der Berliner Zeitung (DDR) von 1960:

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Als ich kürzlich mit der U-Bahn von Stadtmitte zum Bahnhof Friedrichstraße fuhr, saß neben mir ein älterer, ehrenwerter Herr, offensichtlich ein Westberliner Pensionär, der aufmerksam eines der sattsam be­kannten Revolverblätter studierte. Sein Gesichtsausdruck verriet Unmut. was sicherlich von dem Artikel herrührte, dessen fette Balkenüberschrift sofort ins Auge fiel: „In den Klauen des SSD!“ (Bonner Bezeichnung für die Sicherheitsorgane der DDR). Seine Begleiterin, die eifrig mitlas, flüsterte ihm zu: „Da sieht man’s wieder.“

Dasselbe sagte ich mir auch … Im Jahre 1948 war ich Volontär der „Niederbayerischen Nachrichten“ in Straubing, einer Tageszeitung auf „christlich-bürgerlicher Grundlage“. Ich wollte Redakteur werden, und ich war der Meinung, in dieser Redaktion auf dem richtigen Dampfer zu sitzen.

Meine Meinung änderte sich bald – genauer: an jenem Tage, da ich einsehen mußte, daß die liebe zur journalistischen Wahrheit sich in der westzonalen Presse keiner sonder­lichen Pflege erfreut. An jenem Tage nämlich kam unser Chef vom Dienst, Dr. Karl-Heinz Lange, heute Chefredakteur der „Bayerischen Staats­zeitung“ in München, in die Redaktion und verkündete atemlos, er habe soeben vom Oberbürgermeister und vom amerikanischan Stadtkom­mandanten eine ordentliche Stand­pauke zu hören bekommen. Der Grund: „Seit acht Tagen haben wir keine einzige Zeile gegen die Ost­zone gebracht. Man verdächtigt uns schon, kommunistenfreundlich zu sein. Für die morgige Nummer brau­chen wir einen Knüller. Hat einer was in petto?“

Mein damaliger Kollege Oscar Hatz hatte etwas. Und mit dem „Knüller“, den er für die nächste Ausgabe schrieb, hat er sein Mei­sterstück geliefert, das ihn befähigt, heute bestens dotierter Mitarbeiter des berüchtigten „Radio Freies Europa“ zu sein.

Der Artikel trug die vielversprechende Überschrift „Ich wurde vom SSD gefoltert!“ Darin war von einem beklagenswerten Tropf die Rede, der angeblich aus einem nichtigen Anlaß in der damaligen sowjetischen Besatzungszone verhaftet und grau­sam zugerichtet worden war: Beamte der Sicherheitsorgane hätten ihm glühenden Draht in die Fuß­sohlen getrieben, seinen armen Rücken mit Stahlruten bearbeitet und was es an dergleichen Torturen mehr gibt, die uns aus den mittelalterlichen Hexenprozessen geläufig sind.

Der Artikel erregte ungeheures Aufsehen, aber jeder in der Redak­tion wußte, daß er von Anfang bis Ende erstunken und erlogen war. Hatz mochte auch kein Hehl daraus. Zudem konnten wir alle daß „Opfer“: Ein junger wendiger Mann namens Hans-Jürgen Wischnewski war von Berlin noch Straubing gekommen und brauchte dringend Geld; denn man schrieb Juli 1948, und die sogenannte Währungsreform war erst ein paar Wochen alt.

Auf Kosten der Redaktion wurden ihm fünfzig Mark ausgehändigt, da­zu ein Anzug und ein paar Schach­teln Zigaretten. Und da besagter Wischnewski nun schon als „Opfer des Polizeistaates der Zone“ eingeführt war, gab man ihm auch einen Posten – er durfte die Gelder des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Straubing verwalten. Indes, diese Tätigkeit währte nicht lange, weil bald darauf etliche Hundertmark­scheine fehlten. Jahrelang war es dann still um den wendigen jungen Mann aus Berlin. Heute ist er Bun­destagsabgeordneter der SPD und gehört zu jenen wüsten Hetzern in der rechten SPD-Führung, die die wahren Interessen unseres Volkes mit Füßen treten.

Der Oskar Hatz aber hat diese Art von Journalismus zum geschäft­lichen Prinzip erhoben. Er lebt heute ausschließlich von „Knüllern“ solcher und ähnlicher Beschaffenheit, und er verfaßt sie am laufenden Bond – für „Radio Freies Europa“, für die „lsarpost“ in Landshut und für das Nürnberger „5-Uhr-Blatt“.

Geld stinkt nicht, und die Wahrheit gehört nun einmal nicht zum Handwerkszeug geschäftstüchtiger Scribenten der Westzone.

Quelle: Berliner Zeitung (DDR), 10. August 1960, Seite 3.

Sensationsberichte

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3 Antworten zu BRD-Lügenpresse. Über Sensationsberichte und wie sie gemacht werden…

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Heute machen sie es eleganter und erfolgreicher: auf jeden Tropfen Wahrheit drei Liter Lügen. Sie haben dazugelernt. Der Spiegel-Redakteur, den sie vor kurzem aus ihrem „ehrbaren Stand und Haus“ gefeuert haben, hatte sicher Neider, die nicht ganz so phantasie- und erfolgreich ihre Brötchen verdienen müssen. Sie bedienen mit ihren Stories die Dummen, die sie selbst verdummt haben, die Politik der herrschenden Klasse bietet ihnen ja ein reiches Reservoir an Verdummungspotential, sie müssen doch nur hineingreifen. Und wenn es dann gegen Russland geht oder die DDR, gibt es keinerlei Zweifel an der Tüchtigkeit des jungen, aufstrebenden Redakteurs, „aus dem wird mal was“. Über seine Berufskollegen hatte sich schon Mark Twain bitter lustig gemacht. Was ja auch nicht viel mehr als Kapitulation war, wie ja jede politische Satire im Grunde nur ein machtloses Schwimmen gegen den Strom ist.

    Aber das schlimmste ist, wenn einer die Wahrheit weiß und die Lügen verkündet. Das war sehr gut zu beobachten an den Journalisten des Fernsehens der DDR ab 1989. Sie glaubten, indem sie sich an den Feind anbiederten, er würde ihnen Pardon geben und den in Deutscher Fernsehfunk umbenannten Sender bestehen lassen. Ich habe mich für so manch einen früheren Kollegen einfach nur geschämt. Aber das hat meinen Blick nur noch stärker geschärft. Aber ich frage mich, was wurde an ihnen versäumt?

  2. Weber Johann schreibt:

    Wer kennt Sie nicht die Lügen über den Zusammenschluss der SPD mit der KPD im April 1946 in der Sowjetzone. Seit diesem Tag lautet die Hetzparole „Zwangsvereinigung“ aller Parteien und Medien in den Westzonen. Wer glaubte mit dem Anschluss der DDR würde dies aufhören sah sich getäuscht. Die Medien bleiben bei „Zwangsvereinigung“.

    Lassen wir Max Reimann (KPD-West) sprechen. In dem Bildband „Die Vereinigung von KPD und SPD zur SED“ Dietz Verlag 1976 Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED erinnert sich Max Reimann an diese Vereinigung und wie die Westalliierten einschließlich die SPD-Schumacher-Gruppe darauf reagierte. Wo herrschte Zwang? Leider wieder viel Text. Es geht aber nicht anders.

    „Max Reimann (Erinnerung)
    Als wir Delegierte aus den Westzo­nen vom Vereinigungsparteitag zu­rückkehrten, berichteten wir in zahl­reichen Veranstaltungen, vor Be­legschaften und Gewerksshaftsgrup­pen, in Kundgebungen und Diskus­sionsabenden unserer Partei. Auf Maikundgebungen in Düsseldorf und Essen, in Hamburg und Dort­mund, in Solingen und Frankfurt, in Kassel und Augsburg forderten die Werktätigen, die Einheitspartei der Arbeiterklasse zu schaffen, einig gegen die Reaktion aufzutreten, die Schwerindustrie und den Großgrund­besitz zu enteignen, damit ein ein­heitliches, demokratisches Deutsch­land entstehe.

    Inzwischen blieben auch die Fein­de der Arbeitereinheit nicht un­tätig. Das Signal zum Angriff gab die britische Besatzungsbehörde. Die aus der britischen Besatzungs­zone gewählten Mitglieder des Par­teivorstandes der SED waren kaum zurückgekehrt, als sie von der bri­tischen Militärregierung mit Schrei­ben vom 23. April 1946 die Anwei­sung erhielten, «sofort aus dem neu­gebildeten Zentralausschuß der SED auszuscheiden». Die SED sei von der britischen Militärregierung in der britischen Zone nicht anerkannt.

    Was die britische Militärregie­rung begann, setzte die Schu­macher-Gruppe fort. Auf dem SPD-Parteitag in Hannover (9. bis 11. 5. 1946) sprachen sich führende Funktionäre der westdeutschen So­zialdemokratie erneut gegen die Ein­heit der deutschen Arbeiterbewe­gung aus. Wir hatten uns mit einer Botschaft aller KPD-Bezirksleitun­gen der britischen Besatzungszone an den Parteitag gewandt und ihm gemeinsame Maßnahmen zur Siche­rung und Verbesserung der Ernäh­rung, zur Vorbereitung einer Boden­reform, zur Zusammenarbeit in den Entnazifizierungsausschüssen, zur gemeinsamen Durchführung des Wahlkampfes und zur Unterstüt­zung der Gewerkschaften bei der Durchsetzung der Mitbestimmung vorgeschlagen.

    Auf Betreiben der Schumacher-Gruppe ging der Par­teitag über unser Angebot hinweg und erklärte die Mitgliedschaft in der SED und die Werbung für sie als unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der SPD. Mit diesem von anti­kommunistischer Verblendung dik­tierten Beschluß nahm der Parteitag erneut die verhängnisvolle Politik der Spaltung der deutschen Arbei­terbewegung auf. Dieser Beschluß durfte uns im Kampf um die Aktionseinheit und für die Vereinigung beider Parteien nicht beirren. Dabei halfen uns die Genossen der SED. Auf Massen­kundgebungen in Braunschweig, Essen und Wuppertal, München, Nürnberg, Fürth und Hof sprachen Wilhelm Pieck, Otto Grotewohl, Walter Ulbricht und Max Fechner vor Zehntausenden Teilnehmern über den Vereinigungsparteitag und über die Grundsätze und Ziele der SED …

    Der Gegner hatte die Gefahr, die seiner Politik von der Einheitsbe­wegung drohte, nur zu gut erkannt. Wo Kommunisten und Sozialdemo­kraten zur Vereinigung von SPD und KPD schritten, griff die Besatzungs­macht ein und verbot die Vereini­gung von SPD und KPD. Kenn­zeichnend dafür ist ein Schreiben der britischen Militärbehörden des Sieg-Kreises, in dem es heißt, es liege nicht in der Politik der briti­schen Militärregierung, eine Ver­schmelzung der SPD mit der KPD zuzulassen: «Infolgedessen sind alle Versammlungen, die eine solche Verschmelzung zum Ziel haben, nicht zugelassen.» Wenig später ver­bot die britische Militärregierung dem gemeinsamen Komitee von Kommunisten und Sozialdemokra­ten in Braunschweig, eine Groß­kundgebung mit Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl durchzuführen, und wiederum kurze Zeit darauf wurde den führenden Genossen der SED der weitere Aufenthalt in der briti­schen Besatzungszone verboten.

    Un­ter dem Schutz dieser Verbote konnte die Schumacher-Gruppe dazu über­gehen, ihren Kampf gegen die Ein­heitsbewegung weiter zu verschär­fen und einheitswillige Sozialdemo­kraten aus der SPD auszuschließen. Wo also wurde die Demokratie un­terdrückt – in der sowjetischen Be­satzungszone, wo die Parteiführun­gen dem Willen der Mehrheit ent­sprochen und die Vereinigung durch­geführt hatten, oder in den Westzo­nen, in denen der gleiche Wille zur Einheit im Zusammenspiel von im­perialistischen Besatzungsmächten, deutscher Großbourgeoisie und rech­ten sozialdemokratischen Führern durch rigorose Verbotsmaßnahmen unterdrückt und im Spätsommer 1946 zum Stillstand gebracht wurde?“

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