Handlungsrichtende Momente

motivkritischNicht erst seit gestern befassen sich Psychologen damit, das oft unerklärliche Verhalten von Menschen in der Gesellschaft zu studieren, um mögliche Ursachen aufzudecken und daraus Schlußfolgerungen ziehen zu können – wenngleich das individuelle Verhalten in letzter Instanz freilich immer auch auf die objektiven sozial-ökonomischen Verhältnisse zurückzuführen ist. Aber eben nur in letzter Instanz. Und es ist nicht allein mit der Unwissenheit oder geistigen Verwirrung zu erklären oder zu entschuldigen, wenn Dummheit, Ignoranz, Rechthaberei (und spontanes Handeln) die Oberhand gewinnen über den besonnenen, sich klar artikulierenden Klassenstandpunkt, wie ihn nicht erst Marx, Engels, Lenin oder Stalin vertraten, sondern bereits vor ihnen schon viele klassenbewußte Kämpfer (und deren bewußtes Handeln) gegen das Unrecht der Ausbeutergesellschaften. Zu nennen wären da beispielsweise Spartacus, Thomas Müntzer, Heinrich Heine, Sándór Petőfi oder auch Taras Schewtschenko, um nur wenige zu nennen. Der DDR-Pädagoge Hans Böttcher schreibt:

Warum tut der Mensch nur so etwas?

Jede Handlung hat ein Ergebnis, sei es nun ein objektiv feststellbares oder­ bloß ein subjektives. Jedoch widerfährt es uns alle Tage, daß wir mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind. Es deckt sich nicht mit der Zielvorstellung, die wir uns gebildet hatten. Solche zukunftsbezogenen, vorwegnehmenden Vorstellungen nennt man Antizipationen. Sie richten das Handeln dadurch aus, daß in ihnen festgelegt wird, welches Ergebnis erzielt werden soll.

Zielbestimmtheit

Wir müssen beachten, daß nicht immer eine prägnante Zielvorstellung im Handeln mitwirkt. Manchmal hat man nur ein vage umrissenes Ziel, manchmal auch gar keines. Krankhafte Drangzustände definiert der Psychiater geradezu damit, daß aus ihnen heraus ungerichtet gehandelt wird (Thiele). Nur das besonnene und beherrschte Handeln ist straff ausgerichtet durch ein genau festgelegtes Ziel.

Die eigenen Wertvorstellungen

Im Alltag interessiert hauptsächlich, welche Ziele sich jemand bildet. Der gesellschaftliche Wert eines Menschen hängt ja entscheidend vom Wert sei­ner Ziele ab, wenn auch nicht nur davon. In der psychologischen Handlungs­analyse fügen wir dieser Betrachtungsweise noch andere hinzu.

Das perspektivische Denken

So beachten wir, wie weit hinein ins Zukünftige der gedankliche Vorgriff reicht. Natürlich hat jeder Mensch sowohl Nah- als auch Fernziele. Wir finden aber Menschen, die vorwiegend „von der Hand in den Mund leben“ und der Anstrengung, die die Bindung an ein Fernziel bedeutet, ausweichen. Wir kennen auch andere, die mit einem weitgespannten Zukunftsbewußtsein leben. Kinder stellen sich gewöhnlich kurzfristiger erreichbare Ziele als Er­wachsene, sieht man von spielerischen Phantasien ab.

Luftschlösser oder die Realität

Solche Phantasien können allerdings insofern bedeutsam sein, als der Re­alitätsgrad einer Zielvorstellung für das Handeln wichtig wird. Wir mei­nen mit dem Begriff „Realitätsgrad“, daß ein Ziel der Wirklichkeit mehr oder weniger angemessen ist und demzufolge größere oder geringere Ver­wirklichungschancen hat. Pläne beziehen sich streng auf gegebene Umstände. Das unbeherrschte Wünschen malt Wunschbilder, baut phantastische „Luftschlösser“, schafft Utopien.

Versachlichung der Ziele

Vielen bedeutsamen persönlichen Handlungen geht beides voraus: Die Bedürfnisspannung regt dazu an, ein Wunschbild zu schaffen, das dann intellektuell im Sinne der Anpassung an die Wirklich­keit bearbeitet wird. Diesen Vorgang nennen wir Versachlichung der Ziele. Je ferner und ungewöhnlicher ein Ziel ist, desto schwerer fällt es uns, uns sachlich vorzustellen, wie es zu erreichen wäre; denn wir sind der Umstände nicht sicher, mit denen zu rechnen ist. Die Abfolge ist nicht selten auch um­gekehrt. Wir denken über die Lage und über das Morgen nach und bilden uns auf diese Weise ein Ziel. Dieses schafft, wenn an ihm festgehalten wird, nach und naoh einen bedürfnisähnlichen Zustand. Menschen, die wenig Ziele bilden, nennt man phantasielos. Bildet jemand lebhaft Ziele, ohne sie aber festzuhalten, zu versachlichen und anzustreben, so bezeichnet man ihn als Phantasten oder Projektemacher.

In letzter Instanz: Gesellschaftliche Bedingungen

Bisher sprachen wir von den Zielen so, als handle jeder für sich allein. Das müssen wir unbedingt korrigieren. Nur ein kleiner Teil unserer Ziele sind Individualziele; denn wir befinden uns meist in Handlungsgemeinschaft mit anderen. Die Gemeinschaft bestimmt unsere Ziele mit. Sie läßt uns nur mithandeln, wenn wir uns in unserer Zielbildung ihren Zielen anpassen oder sie zu besseren Zielen anregen.

Quelle:
Hans Böttcher: Zur Analyse und Beurteilung von Handlungen. Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1959, S.12f. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)


Wie Genosse Fred Müller Lenin mißdeutet

Kurt Gossweiler nennt folgendes interessante Beispiel. Er schreibt:

Weil der Revisionismus – trotz der Warnungen der Beratungen der kommunistischen Parteien vor dem Revisionismus als der Hauptgefahr für den Bestand des Sozialismus – in der führenden Partei des sozialistischen Lagers, in der KPdSU, über den Marxismus-Leninismus siegte, konnte der Imperialismus über den Sozialismus in der Sowjetunion und Europa siegen.

Und leider gehören zu denen, die dieser Feststellung widersprechen und sie zu widerlegen suchen, auch so erprobte und geschulte Kommunisten wie der im vorigen Jahr verstorbene Antifaschist, Spanienkämpfer und Hochschullehrer in Fragen des Marxismus-Leninismus, Genosse Fred Müller….

Fred Müllers Erklärung lautet, kurz gesagt, so: Der Niedergang des Sozialismus ist nicht die Folge falscher Politik, sondern die Folge dessen, daß er infolge des Ausbleibens der Weltrevolution nicht nur die ganze Zeit über schwächer blieb als der Imperialismus, sondern nach dem Sieg der Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg im Verhältnis zum Imperialismus sogar noch schwächer wurde als vor dem Kriege. Deshalb war sein Untergang unvermeidlich, denn über Sieg oder Niederlage entscheidet nur das Kräfteverhältnis, nicht die höhere gesellschaftliche Qualität.

Bei Fred Müller liest sich das so:

Lenin hat zur Hauptfrage ‚wer – wen‘ nie ein Hehl daraus gemacht, daß es der Stärkere sein wird, der sie zu seinen Gunsten entscheidet. … Wenn eine real existierende sozialistische Gesellschaft nicht mehr die wirtschaftliche Potenz besitzt, um im internationalen Kräfteverhältnis die erforderliche politische und militärische Unabhängigkeit zu garantieren, ist sie dem Niedergang und schließlich der Niederlage ausgesetzt. … Das internationale Kräftemessen stand seit der Oktoberrevolution unerbittlich vom ersten Tage an für die beiden antagonistischen Systeme auf der Tagesordnung und wurde nicht dadurch entschieden, wer die historisch höhere Stufe der gesellschaftlichen Entwicklung, sondern wer zur Aufrechterhaltung seiner Ordnung die dazu erforderliche Macht besaß!“1

1Prof.Dr.Dr.  Fred Müller, Probleme des Sozialismus. Beiträge zur Geschichte des Sozialismus, Heft II, Offen-siv, Nr. 9/2000, S.16, 14.

Fred Müller hat mit diesen Sätzen Lenin kräftig mißdeutet. Lenin sagte nirgends, daß im Kampfe „Wer-Wen?“ gesetzmäßig der Stärkere siegen müsse. Wäre es so, brauchte man den Kampf erst gar nicht anzufangen. Denn jede neue Gesellschaftsordnung, die aus der alten hervorgeht, ist zunächst einmal für längere Zeit der schwächere Teil. Lenin sagte vielmehr, der Kampf ‚wer-wen‘ werde in letzter Instanz durch die höhere Arbeitsproduktivität entschieden.

Müller hat nicht beachtet und nicht erwähnt, daß die Sowjetunion in den ersten drei Jahrzehnten ihrer Existenz aufgrund der höheren Arbeitsproduktivität der sozialistischen Planwirtschaft einen Großteil des Rückstandes Rußlands aufgeholt hat und nach nur zwei Jahrzehnten, zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, in der Liste der Industriemächte bereits den zweiten Platz hinter den USA einnahm und imstande war, nach deren Überfall auf die Sowjetunion die bis dahin größte und stärkste imperialistische Kriegsmaschine, die des deutschen Faschismus, zu zerschmettern.

Rolf hatte natürlich recht mit der Feststellung, alle politischen Veränderungen grundsätzlicher Art hätten ihre Ursache in letzter Instanz in der Ökonomie. Aber eben – in letzter Instanz! Und mitunter durch eine lange Kette von Vermittlungsgliedern im nicht-ökonomischen Bereich! Ohne Erforschung und Kenntnis dieser Vermittlungsglieder direkt auf die Ökonomie als Verursacherin zu schließen muß zu Fehleinschätzungen führen, wie das auch Rolf in diesem Falle passiert ist.

Quelle: http://kurt-gossweiler.de/?p=846

 

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9 Antworten zu Handlungsrichtende Momente

  1. Eleonore Kraus schreibt:

    Unerlässlich für jahrelange pädagogisch/psychologische Arbeit. Vielen Dank.
    Dem liegt eine Akzeptanz zugrunde, eine dem Menschen zugeordnete schöpferische Kraft, deren Nutzung und Ausbau vorhandener Fähigkeiten aktiv den Aneignungs- und Lernprozess befördern. In der Arbeit mit jugendlichen Drogenabhängigen, in der Erwachsenenbildung, in Beratungsstellen, mit jugendlichen „Schulabbrechern,“ In der Arbeit mit alten Menschen, die ihrer Menschenwürde beraubt werden, sie alle haben etwas, was sie verbindet und das ist bei den meisten, der unbedingte Wille zum Leben und zum Lernen.

    Bemerkenswert ist, dass weder bei jung noch alt (Altenarbeit), es einen wesentlichen Unterschied im Ergebnis des Lernens gibt, weil immer die „Zone der nächsten Entwicklung“ die Grundlage für das Individuum war und nur von diesem Stand der nächste Schritt aktiv umgesetzt werden kann. Dieses setzt das Wissen des Pädagogen/Psychologen um die menschliche Entwicklung voraus, denn wenn nicht, stochert er im Nebel, wie Tausende, die zwar guten Willens sind, natürlich Erfolge erzielen, sie aber letztendlich auf die Verwertung des Menschen im Kapitalismus hin arbeiten, weil die eigene Zielsetzung fehlt.

    Gruppenarbeit, von- und miteinander Lernen war eine der wichtigsten Erkenntnisse und Instrumente der pädagogisch/psychologischen Arbeit, weil gemeinsames Lernen, die Anerkennung, die Unterstützung von besonderer Wichtigkeit war und ist und nicht zuletzt die Kritik, als notwendige Korrektur, die keinen Zweifel am Wert des Menschen an sich hat aufkommen lassen, weil es eben nicht um den kapitalistischen „Wettbewerb“ ging und geht den Menschen „runder“ werden lassen kann. In der DDR gehörte das zum Alltag, für uns ein Kampf, sich gegen verkrustete Lernstrukturen durch zu setzen und es Praxis im Berufsleben werden zu lassen,

    Jantzen, der sich in seiner langjährigen Forschungsarbeit auf Leontjew, Wygotsky, Achnoch, neben anderer sowjetischer Wissenschaftler bezieht hat den Pädagogen, Psychologen Lehrern, Sozialarbeitern ein scharfes Schwert als zu bearbeitenden „Gegenstand“ in die Hand gegeben,nämlich, sich nicht verwirren zu lassen, im sowohl als auch, oder in der idealistischen Denke, sondern zielorientiert, immer auf das Leben, auf das Lernen, auf die Erweiterung des Horizontes bedacht ,auch für eine bessere Gesellschaft, verbunden mit der Erkenntnis, dass wir gesamtgesellschaftliche Wesen sind, die ein Recht auf ihren Platz in der Gesellschaft haben und denen alles zuteil werden muss, was ihnen den Weg zur weiteren Entwicklung ebnet.

    Den geistigen Freunden danke ich dafür, dass die pädagogisch/psychologische Arbeit, auch mit hat weiter lernen lassen und so war es oft ein gegenseitiger Lernprozess, der sich an Erfolgen, z. B. einer „Schulschwänzerin“ zeigt, der ich vor einiger Zeit begegnete, die eine Kochlehre gemacht hat und heute als Köchin arbeitet. Kollegen haben mehr gezweifelt, dass „aus denen noch was werden kann.“ So wurden sie eines besseren belehrt und das war mein Lernprozess, der grundsätzlich von der Lernfähigkeit des Menschen ausgehend, seiner Natur sich entwickeln zu wollen und die Überprüfbarkeit in der Praxis nicht dem Zufall überlassen bleiben darf, weil nur sie der Maßstab des Handelns sein kann.

    Besinnliche Weihnachtstage, Ruhe und Erholung und ein Jahr 2019, dass uns von den Irren dieser Welt befreit, die zündeln, die provozieren, die uns an den Rande des letzten Krieges, aller Kriege bringen, wenn sie so weiter machen. Bei all der berechtigten Kritik, denn Russland ist ein kapitalistisches Land baue ich auf Präsident Putin und den weltweit anerkannten Diplomaten und Außenminister Lawrow, dass sie alles, aber wirklich alles tun um die Irren dieser Welt zu stoppen und aktiv an weiteren Lösungen arbeiten, die die Welt wieder sicherer machen.
    „Nie wieder Krieg!“

  2. Ulrich Schliz schreibt:

    Mein Kommentar ist ein sehr subjektiver, der sich nur auf meine eigene Lebenserfahrungen berufen kann. Vielleicht liege ich schief und bin über jede Dikussion dankbar.

    Ich habe zwei gesellschaftliche Systeme voll durchlebt. Die kapitalistische Industriegesellschaft in mehreren Gesellschaftsklassen und eine informelle tumulthafte Dritte-Welt-Gesellschaft mit ihrem bizarren, höchst subjektiven und unstabilen Wertesystem. Ich habe disziplinierte Klassenkämpfe und Kämpfer erlebt, den bodenlosen Opportunismus, Krieg, viel gemeinen Verrat – offen und versteckt -, bittere Armutsverhältnisse, Heldentum und Edelmut, Tapferkeit und Feigheit auf Leben und Tod, Angst und Hoffnung, soziale Begeisterung, Brüderlichkeit und Solidarität, sozialen kalten Egoismus, etc, etc.

    Ich habe mir natürlich tausend Mal immer die Frage gestellt, inwieweit ein menschliches Individuum wirklich verantwortlich ist für das, was es tut. Ganz klar spielen die sozialen objektiven Umstände eine wesentliche Rolle. Trotzdem ganz am Ende neige ich zu der Auffasung, das ganz hinten, ganz innen drin jeder im Grunde weiss, was er tut. Sonst könnte man ja auch alle Kriegsverbrecher entschuldigen – z.B.. Ich kenne Menschenschicksale, von denen man eigentlich annehmen könnte, dass sie entgleisen, die aber einen anständigen Menschen hervorgebracht haben und genauso umgekehrt. Armut erzeugt Kriminalität. Ich kenne aber auch viele Arme die trotz allem sehr anständig geblieben sind.

    Das ist wie gesagt meine rein subjektive Erfahrung. Und ich bin immer noch offen für jede weitere und jedes weiteres Argument, um sie zu überprüfen.

    • sascha313 schreibt:

      Danke. lieber Ulrich. Ich habe lange überlegt, was man darauf antworten kann. Kann man einen einzelnen Menschen verantwortlich machen für sein Tun oder Nicht-Tun? Was Du schreibst, das deckt sich mit den Erfahrungen, die auch Kurt Gossweiler gemacht hat. Er schrieb (als Replik auf Fred Müller):

      „Bleibt noch die immer durchaus zurecht gestellte Frage, was denn die Chruschtschow und Gorbatschow bewogen haben soll, eine auf den Untergang des Sozialismus hinauslaufende Politik zu betreiben. Gegenfrage: Ist es denn eigentlich so außergewöhnlich und beispiellos, daß Leute, die als Revolutionäre und Marxisten begonnen haben, als Revisionisten und Antimarxisten endeten? Bietet die Geschichte der deutschen und der internationalen Arbeiterbewegung nicht zahlreiche Beispiele für führende Persönlichkeiten, die in bestimmten kritischen Kampfsituationen auf eine Position der Verständigung mit dem überlegenen Gegner anstelle der Weiterführung eines aussichtslosen oder allzu opferreich scheinenden Kampfes übergingen?“

      Schon Friedrich Engels warnte vor dem Versöhnlertum der Linken!
      Tja, und wie geht man nun um mit der Feigheit, mit dem Versöhnlertum, mit dem Opportunismus der Linken?

      Eine Erfahrung, die uns allen fehlt, und die man auch nicht wiederholen möchte, ist der unmittelbar erlebte Krieg, der z.B. 1941-45 auf sowjetischer Seite massenhaft so einen unvergleichlichen Heroismus hervorgebracht hat. Oder auch die Einsatzbereitschaft vieler (oft namenloser) Kommunisten während der Nazizeit im Kampf gegen den Faschismus. Eine Eigenschaft übrigens aller großer Revolutionäre! Friedrich Wolf sagte: „Es gibt kein größeres Verbrechen, als nicht kämpfen zu wollen, wo man kämpfen muß!“ Man darf aber auch nicht vergessen, daß im Großen Vaterländischen Krieg der offensichtliche Verrat sehr hart bestraft wurde: hier. Warum? Ein Verräter hätte den Tod einer ganzen Kompanie zur Folge gehabt… oder Schlimmeres

      • Eleonore Kraus schreibt:

        Gestern las ich hier eine Aussage, der ich mich gerne anschließen wollte und nun ist sie weg. Schade, denn Kommunist zu sein, heißt sich messen lassen zu müssen, egal wie und wo, denn erkennbar muss man sein und für seine Überzeugung einstehen habe ich gelernt, und damit bin ich wieder beim Klassenstandpunkt gelandet.

        Noch etwas las ich, was aus meiner Sicht völlig richtig war, nämlich, ob man den vielen „Rudi Schulte“ (Degenhardt) jemals in der Geschichte gerecht wird, wage ich einmal mehr zu bezweifeln, zumal ich es heute hier nicht mehr so klar lesen kann, was ich mehr als bedauere, denn ihnen steht zu, dass sie immer wieder einer Erwähnung wert sind.

        Ich bitte um Nachsicht, aber tatsächlich bin ich überzeugt, dass die Frauen und Männer niemals im Strudel der Geschichte vergessen werden dürfen. Es reicht, dass in der BRD sie alle totgeschwiegen werden und sich die aber auf mandeln, die in der faschistischen Tradition ihrer Eltern und Großeltern in der Politik mit mischen.

        Eine Schande, dass der Faschist Globke (Adenauers Liebling) immer noch im Kanzleramt hängt und so frage ich, wo denn der Aufschrei der Jüdischen Gemeinden und Organisationen bleibt ?

      • sascha313 schreibt:

        Das ist richtig, ich finde oft, nachdem ich etwas hingeschrieben habe, daß es vielleicht mißverständlich sein könnte, lösche es wieder und schreibe etwas Neues, wo ich dann etwas sicherer bin, daß es so bleiben kann (mein Radiergummi)

  3. Eleonore Kraus schreibt:

    Danke, lieber Sascha. Es war für mich völlig klar und unmissverständlich, Kann selbstverständlich einordnen, dass ich nicht so einfach verallgemeinern darf und klar bin ich kompromisslos, wenn es um die geht, wo mir immer wieder der Atem stockt, wenn ich an deren heldenhaften Mut denke, an die Solidarität, an die konkrete Hilfe, denen zu helfen, die Hilfe brauchten, ohne Rücksicht auf die eigene Person wirklich selbstlos, sich schützend vor die Schwächeren zu stellen. Zuallererst waren es die Kommunisten und das kann gar nicht oft genug beim Namen genannt werden und Brecht fand ich übrigens genau richtig und zutreffend in dem was du geschrieben hattest und ich gelesen habe. So und nun geb ich Ruhe!
    Nichts für ungut und einen schönen Sonntag.

    • sascha313 schreibt:

      Also dann hier noch einmal BRECHT:

      GEGEN DIE OBJEKTIVEN

      Wenn die Bekämpfer des Unrechts
      Ihre verwundeten Gesichter zeigen,
      Ist die Ungeduld derer, die in Sicherheit waren
      Groß

      Warum beschwert ihr euch, fragen sie.
      Ihr habt das Unrecht bekämpft! Jetzt
      hat es euch besiegt: schweigt also!

      Wer kämpft, sagen sie, muß verlieren können.
      Wer Streit sucht, begibt sich in Gefahr.
      Wer mit Gewalt vorgeht
      Darf die Gewalt nicht beschuldigen.

      Ach, Freunde, die ihr gesichert seid,
      Warum so feindlich? Sind wir
      Eure Feinde, die wir Feinde des Unrechts sind?
      Wenn die Kämpfer gegen das Unrecht besiegt sind,
      Hat das Unrecht doch nicht recht!

      Unsere Niederlagen nämlich beweisen nichts,
      als daß wir zu wenige sind,
      Die gegen die Gemeinheit kämpfen.
      Und von den Zuschauern erwarten wir,
      Daß sie wenigstens beschämt sind.

      (B. Brecht, Gegen die Objektiven, GW 9, S. 492)

      Dazu muß man sagen:
      Gemeint hat Brecht, die Bekämpfer des kapitalistischen Unrechts, die Kämpfer für den Sozialismus! Niemand anderes ist damit gemeint! Ich weiß sehr genau, daß auch Antikommunisten gerne die eine oder andere Zeile davon für sich mißbrauchen. Doch auch Brecht war ein Bekämpfer des (kapitalistischen!) Unrechts.

      Und mit den Zuschauern, mit den „Objektiven“, sind diejenigen gemeint, die sich aus allem Streit der Welt heraushalten: die Opportunisten, die Renegaten, die Revisionisten… mit einem Wort alle diese Heuchler, die schon immer wußten, was „richtig“ gewesen wäre, und wie man den Sozialimus hätte aufbauen sollen. Es sind diejenigen, die selbst nie Hand angelegt haben, wenn es galt aufzubauen. Und natürlich diese Leute haben keine „verwundeten Gesichter“. Auch Ernst Busch, der dieses Gedicht einst rezitierte, war keine „Ikone des Kommunismus“, sondern er war Kommunist! Ein Mensch mit Charakter!

  4. Eleonore Kraus schreibt:

    Danke sehr !

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