Sportler in der DDR: Monika Zehrt

zehrt

Monika Zehrt

Sie war eine der erfolgreichsten Sportlerinnen der DDR. Der Leistungssport in der DDR – ohne Profit und ohne Doping –, war nicht nur sportlich ein erstaunliches Phänomen, er widerspiegelte zugleich das hohe Kulturniveau unseres sozialistischen Staates. Niemals war der Sport in der DDR ein Geschäft, niemals haben Firmen oder Sportfunktionäre sich daran bereichert, wie das heute fast überall üblich ist. Der Sport und das organisierte Training unter Anleitung erfahrener Trainer stand jedem Bürger unseres Landes allezeit kostenlos zur Verfügung. Nur so konnten sich hervorragende Sportler von Weltrang entwickeln. Monika Zehrt war eine von ihnen. Die Liste ihrer Erfolge ist beeindruckend…

Monika Zehrt war bereits Ende der 1960er Jahre bei der Kinder- und Jugendspartakiade der DDR sehr erfolgreich. Sie gehörte in den 70er Jahren zur Weltspitze im 400-Meter-Lauf. Bei den Olympischen Spielen 1972 in München gewann sie zwei Goldmedaillen – im 400-Meter-Lauf und mit der 4-mal-400-Meter-Staffel (mit Dagmar Käsling, Rita Kühne und Helga Seidler). Mit ihren damals 19 Jahren ist sie bis heute die jüngste 400-Meter-Olympiasiegerin. Hier nun ein kurzer Bericht über eine Begegnung mit Monika Zehrt:

Klaus Ullrich: Monika Zehrt erzählt

(Protokoll einer Jugendstunde)

Die FDJ-Sekretärin: Zu unserer Jugend­stunde begrüßen wir heute herzlich unsere Olympiasiegerin Monika Zehrt. Sie errang zwei Goldmedaillen, eine im 400-m-Lauf und eine in der 4 x 400-m-Staffel. In beiden Disziplinen ist sie, wenn man das so sagen darf, Mitinhaberin des Weltrekordes. Aber das wißt ihr ja alle. Ich denke mir, daß unsere Jugendstunde spannend wie ein Wett­kampf wird. Was soll ich noch weiter sagen: Wir alle freuen uns sehr darüber, daß Mo­nika Zehrt trotz des vielen Trainings die Zeit gefunden hat, zu uns zu kommen. Vielleicht ist es für sie auch einmal interessant, eine Jugendstunde zu erleben.

Monika Zehrt: Ich danke für die herzliche Begrüßung und will gleich sagen, daß wir zu Hause sieben Kinder sind. Da ist öfter mal Jugendweihe, und ich kenne mich da sehr gut aus. Von meinen Geschwistern und mir weiß ich, wie das so ist, wenn man sich auf die Jugendweihe vorbereitet und dann der große Augenblick kommt. Der Anzug oder das Kleid sind noch so neu, daß man es andauernd spürt. Alle gratulieren, dann die Feierstunde, und wenn es niemand merkt, lächelt man ganz schnell mal vor sich hin, weil man es noch nicht so ganz ernst neh­men kann, daß man plötzlich erwachsen sein soll. So auf einmal, meine ich. Das ist ein klein wenig auch so, wenn man Olympiasiegerin wird.

Auf dem Siegerpodest

Zwar gab es einige, die mir dies und das prophezeit hatten, aber – ich blieb vorsichtig und skeptisch. Im Sport gibt es jeden Tag Überraschungen und oft genug auch böse. Aber geträumt habe ich manchmal schon ein wenig davon. Als es dann soweit war, wollte ich es doch nicht glauben. Ich bekam die Medaille, die Foto­grafen riefen mir zu, ich sollte hierhin gucken und dann dorthin und die Arme heben und zum dreißigsten Mal lächeln. Trotzdem, richtig geglaubt habe ich es erst viel später.

Vorbereitet zu sein ist im Leben immer wichtig.

Mein Vergleich zwischen dem Olympiasieg und der Jugendweihe hinkt natürlich, weil jeder die schöne Stunde der Jugendweihe erleben kann, doch nur we­nige Olympiasieger für die DDR werden. Er hinkt aber nicht so sehr, wenn wir uns überlegen: Man kann nicht unvorbereitet ein Olympiasieger und auch nicht un­vorbereitet ein Erwachsener werden. Als Olympiasiegerin, Europameisterin, Spartakiadesiegerin und Rekordhalterin sage ich euch: Vorbereitet zu sein ist im Leben immer wichtig. Je besser man sich vorbereitet hat, desto besser kommt man voran, und desto besser meistert man seine Aufgaben. Ihr könnt mir glauben, ich habe da so meine Erfahrungen gesammelt.

Ein Arbeiterkind als erfolgreiche Sportlerin

Oft, auch im Ausland, hat man mich nach meinem Weg befragt. Viele staunten über meine Antwort, weil sie Fabelvorstellungen vom Leben eines DDR-Sportlers besaßen. Wie schon gesagt, wir sind sieben Ge­schwister. Sicherlich gibt es in eurer Klasse auch einige, die mehrere Geschwister haben. Die können sich ganz bestimmt genau vorstellen, wie bei uns zu Hause so ein Tag abläuft. Mein Vater arbeitet im Stahlwerk Riesa und meine Mutter als Köchin im Kindergarten. Da muß eben jeder zupacken und sehen, daß er irgendwie helfen kann.

Gute Leistungen im Sport und in der Schule

Eines Tages ging ich zur Sportgemein­schaft Dynamo in Riesa und meldete mich an. Natürlich kam niemand in unserer Familie auf den Gedanken, daß ich nun etwas Besonderes wäre oder etwas Be­sonderes werden könnte. Ich mußte jetzt meine Zeit noch besser einteilen und mich auch in der Schule noch mehr anstrengen, weil man mit einigen meiner Leistungen nicht ganz zufrieden war. Auch euch ist sicherlich bekannt, daß ein Leistungs­sportler mit schlechten Schulzeugnissen undenkbar ist. Gern wäre ich manchmal mit den anderen ausgegangen, aber mir fehlte es an der Zeit. Mir blieb nur die Wahl, mich entweder auf die Schule und den Sport zu konzentrieren oder auf die Schule und eine Freizeit mit Tanzen und anderen Vergnü­gungen.

Man muß im Leben immer wissen, was man will…

Versteht mich jetzt nicht falsch, ich tanze gern, freue mich auf einen Theaterbesuch, wenn ich Zeit habe, ich bummele auch einmal ganz gern, aber ich habe auch die Erfahrung gesammelt, daß das Leben nicht Platz und Zeit für alles hat. Zuerst muß man wissen, was man will, und dann muß man sich darauf konzentrieren. Nun aber genug der guten Ratschläge. Sicherlich habt ihr noch eine Menge Fra­gen?

Siegfried Schütz: Ja, ich hätte mal eine Frage. Sie sind doch in Paris Weltrekord gelaufen. Was hat Ihnen dort am besten gefallen?

Monika Zehrt (lachend): Na, am besten der Weltrekord. Aber ich hatte in Paris auch ein Erlebnis, das ich sicher nie vergessen werde. Meine Trainerin lnge Utecht war vor Jahren auch einmal eine bekannte Leicht­athletin gewesen. Sie hatte als Sekretärin in einem Büro der Sportbewegung gearbeitet und dort oft genug gehört, wie dringend unsere Republik gute Sportler brauchte. Also entschloß sie sich eines Tages, nicht nur für unsere junge Sportbewegung zu schreiben, sondern auch zu laufen. Aber es fehlte ihr sehr an Trainingserfahrungen und vor allem an internationalen Vergleichen.

Die Feinde der DDR sabotierten auch den Sport

Da geschah es, daß sie zum Cross der «Humanite», der Zeitung der Französischen Kommunistischen Partei, nach Paris ein­geladen wurde. Sie flog also dorthin, es muß so um 1957 gewesen sein. Aber als sie alles in ihren Schrank geräumt und die Spikes ausgepackt hatte, um zu trainieren, erfuhr sie, daß sie nicht starten durfte. Man hatte gegen ihren Start und den ihrer Freunde protestiert, weil die DDR noch nicht Mitglied der Internationalen Leicht­athletikföderation war. Diesen Beitritt aber hatten dieselben verhindert, die nun in Paris protestierten – die Feinde unserer Republik.

Der Lauf der Arbeitersportler

Schließlich fanden die französischen Kommunisten doch noch einen Ausweg. Sie organisierten einen zweiten Lauf, an dem nur Arbeitersportler teilnahmen. Hier konnte nun niemand mehr den Start von lnge verbieten. Diese Episode erzählte sie mir an dem Tag, an dem ich Weltrekord lief. Wir saßen zusammen in einem Bus, der großes Aufsehen erregte. Wir mußten nämlich durch den größten Verkehr ins Stadion, und deshalb sorgte eine Motor­radstaffel des Staatspräsidenten dafür, daß wir die Kreuzungen ohne Aufenthalt passieren konnten. So haben sich die Zeiten geändert.

Respekt vor Eltern, Lehrern und Trainern

Aber gerade in solch einer Stunde wie unserer heute sollten wir daran denken, wie hart und schwer der Weg unserer Eltern, Lehrer, Trainer und Ausbilder gewesen ist. Darauf will man zwar nicht jeden Tag auf­merksam gemacht werden, aber wir würden vieles verlieren, wenn wir es vergessen würden.

Heide Held: Muß ein Olympiasieger auch immer sein Zimmer aufräumen?

Monika Zehrt: Ja. Beinahe hätte ich «lei­der» gesagt, denn dabei bin ich nicht ganz so schnell wie auf der Laufbahn.

llse West: Darf eine Olympiasiegerin immer das essen, was sie möchte?

Monika Zehrt: Nein, das ist eine Frage der Disziplin. Sicher hat von euch noch nie­mand eine Läuferin gesehen, die sehr schwer und trotzdem sehr schnell war. Das ist auch so eine Sache, die mit dem Tag zusammenhängt, auf den ihr euch heute vorbereitet. Ist man nämlich erst er­wachsen, dann wird verständlicherweise noch mehr Disziplin verlangt als von einem Kind.

Wie wichtig ist die Disziplin?

Dabei geht es gar nicht darum, ob man Olympiasieger werden will. Disziplin wird überall im Leben gebraucht, deshalb sollte man sie trainieren. Dabei meine ich nicht nur die Disziplin, die sich auf das Essen bezieht, sondern die, die uns jeden Tag immer wieder abverlangt wird. Ich meine damit das Sich-selbst-bezwingen-Können, daß man sich nicht nur treiben läßt und macht, wozu man gerade Lust hat. Ich meine das Einordnen in die Gemeinschaft und das Unterordnen unter die gemein­samen Interessen.

Wie im Sport, so ist das auch im Leben…

Was glaubt ihr denn, was aus einer Staffel wird, wenn die vier, die da miteinander laufen, nicht diszipliniert un­tereinander sind? Das müssen nicht immer die besten Freundinnen sein – was für unsere Staffel nicht gilt, weil wir uns präch­tig verstanden haben -, doch es kommt durchaus vor, daß vier miteinander laufen müssen, die privat gar nicht so gut über­einstimmen. Geht es aber um den sport­lichen Erfolg, um den Einsatz für ein ge­meinsames Ziel, dann muß jeder seine per­sönlichen Vorbehalte zurückstellen. Allein das Interesse der Staffel gilt. Na ja, ihr wer­det mich schon verstehen, so ist das nicht nur auf der Aschenbahn.

Die FDJ-Sekretärin: Ich glaube, euer Bei­fall war schon der allerbeste Dank. Bestimmt werden wir einiges, was uns unsere Monika Zehrt hier über ihren Weg und ihre Erfahrungen verraten hat, noch ein bißchen bedenken müssen; denn das hat sie uns doch wohl ganz klar bewiesen: Sie kann nicht nur ausgezeichnet rennen. Recht vielen Dank also noch einmal für den Be­such.

Quelle: Der Sozialismus – Deine Welt. Verlag Neues Leben, Berlin, 1975, S.439-443 (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

 

zehrt_medaillen

DDR-Medaillengewinne (1964-1975)

Nachtrag: DDR-Sportler errangen bei Olympischen Spielen, bei Welt- und Europameisterschaften über 6.000 Medaillen. Bei keinem einzigen dieser DDR-Medaillengewinner war jemals ein Dopingtest positiv. Man muß noch einmal hervorheben, was Täve Schur gesagt hat: „Der DDR-Sport war nicht kriminell, sondern vorzüglich aufgebaut. … Der Sport in der DDR war gut, weil er beispielhaft den Aufbau der Gesundheit vorantrieb und dabei auch noch international erfolgreich war.“ Daran gibt es nichts zu rütteln. Anders als im Westen war der Sport in der DDR niemals ein Geschäft, niemals konnten Firmen oder Sportfunktionäre der DDR sich auf Kosten der Sportler bereichern. Es gab in der DDR keine Profisportler und kein Doping. Leistungsfördernde Mittel und Methoden wurden in der DDR gewissenhaft überprüft. Auch nach dem Ende der sportlichen Karriere stand der Mensch – also hier der Sportler – im Mittelpunkt, wurde unterstützt und beruflich gefördert.

Siehe auch: Leistungssport in der DDR

Dieser Beitrag wurde unter Meine Heimat DDR, Sozialistische Wirklichkeit, Was ist Sozialismus?, Wider den Antikommunismus! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Sportler in der DDR: Monika Zehrt

  1. Weber Johann schreibt:

    Liebe Sascha, vielen Dank, dass Du auch einmal eine sehr erfolgreiche Sportlerin aus der DDR zu Wort kommen lässt. Als Ergänzung zu der tollen Sportlerin, ein Auszug aus einem Interview, das Monika Zehrt am 23. Juli 1972 dem „Neuen Deutschland“ gab. Das Interview trug die Überschrift:

    Monika Zehrt wird beim Festival eigene Rekorde angreifen
    Gedanken der zweifachen Olympiasiegerin und frisch gekürten DDR-Meisterin vor dem Treffen der Weltjugend

    Frage des Journalisten:„Was könntest Du aus Deiner Sicht denn so über unsere Republik erzählen?“
    Monika Zehrt: „Zum Beispiel auch, wie es in einer kinderreichen Familie bei uns zugeht, denn wir waren neun zu Hause, und da ist das Leben oft nicht ganz so einfach. Aber immerhin blieb Zeit und war vor allem Gelegenheit, meiner Liebe zum Sport nachzugehen.“

    Ich hatte nur einen Gedanken. Ich kann mir nicht vorstellen, dass bei uns in der Alt-BRD eine Sportlerin oder Sportler mit so vielen Geschwistern die Möglichkeit hatten, Olympiasieger zu werden.

    Weiter vielen Dank, liebe Sascha. Dein Artikel enthält noch ein zweites Thema. Es geht um die Trainerin von Monika Zehrt, die Inge Utecht 1957 in Paris erleben musste. Es war nicht das Jahr 1957 in Paris. Inge Utecht und ihre Sportkameranden waren 1954 in Paris bereits den Attacken der Adenauer-Politiker ausgesetzt. Im „Neuen Deutschland“ vom 14.9.1970 beschrieb Klaus Ullrich was sich 1954 zugetragen hatte. Die Adenauer-Politiker wollten den Start der DDR-Sportler mit allen Mitteln verhindern. Hier ein Auszug:

    „[…] 1954: Abenteuer Paris
    In den Geburtsstunden unserer Sportbewegung war Inge Utecht aus Mecklenburg nach Berlin gekommen, hatte die ersten Erklärungen, Protokolle, Beschlüssse des Deutschen Sportausschusses getippt. [..] Vom vielen über- den-Sport-Schreiben und Stenografieren manchmal sicher kreuzlahm, verlegte sie sich auf den Mittelstreckenlauf: Lauf dich gesund! Die muntere Inge Utecht errang Titel und Plätze in unserer Nationalmannschaft. Und eines Tages, im Jahre 1954, stieg das erste ganz große Abenteuer ihres Lebens: Start in Paris. Eingeladen hatten sie die Genossen der „I Humanite“. Indes: Andere, die das Wort vom „Bruder“ gern im Munde führen, intervenierten und die Genossen in Paris gerieten in eine kritische Lage. Sie hatten berühmte Gäste eingeladen, und denen wurden Sperren und Strafen angedroht, wenn sie gegen Inge Utecht und ihre Mannschaft laufen würden, die, weil Inge Utecht und ihre Mannschaft ein Land vertraten, das eben auf Grund westdeutscher Interventionen bis dahin von der Internationalen Leichtathletikföderation nicht anerkannt worden war.

    Der Ausweg
    Es ergab sich also, daß Franzosen nach einem Weg suchten, der die Deutschen aus der DDR starten lassen könnte, obwohl gegen deren Start Westdeutsche protestiert hatten. Nach vielen Stunden — Inge und die anderen waren schon fast sicher, umsonst nach Paris gefahren zu sein — fand man das Nadelöhr. Es wurden zwei Läufe gestartet. In dem einen liefen Inge und ihre Mannschaft gegen französische Arbeitersportler und im anderen all jene, die noch zu Gast geladen worden waren. Unsere Freunde und Genossen hatten sich durchgesetzt.[..]“

    Wer glaubt, dies sei eine einmalige Schikane der Adenauer-Politiker, sah sich getäuscht. Es war erst der Anfang.
    Die Sportler, die Sportfunktionäre und die Sportsfreunde in der DDR wurden jahrzehntelang aus politischen Gründen von vielen Alt-BRD-Regierungen verfolgt. Grundlage dieser politischen Verfolgung war eine im März 1960 vom dritten Senat des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe Erklärung, dass faktisch den gesamtdeutschen Sportverkehr für strafbar und den DTSB (DDR) zur verfassungsfeindlichen Organisation erklärte. Ab diesem Zeitpunkt wurden auch BRD Sportsfreunde von den BRD-Sicherheitskräften verfolgt, sobald sie mit den Sportsfreunden aus der DDR in Kontakt traten.
    Erst die Bewerbung der Alt-BRD für die Olympischen Spiele in München 1972 stoppte vorübergehend die Verfolgung der DDR-Sportler durch staatliche Sicherheitsdienst der Alt-BRD. Nach dem Anschluss 1990 setzte sich die „Verfolgung“ der Sportler in der DDR wieder fort. Stichwort: sogenanntes „DDR-Zwangsdoping.“

    • sascha313 schreibt:

      Der Antikommunismus und der blindwütige Haß, der nicht nur unseren Sportlern sondern allen DDR-Bürgern entgegenschlug, war enorm. Nach 1990 setzte sich das auch in den Familien fort, die Westverwandtschaft hatten. Die anfängliche Euphorie schlug um in eine abfällige Arroganz gegenüber allen Ostlern (außer denen, die vorzeitig die DDR verlassen hatten) und verwandelte sich in Habgier, möglichst viel von dem zu erraffen, was einst Volkseigentum gewesen war oder „Familienbesitz“. Wieviele ehrliche DDR-Bürger sind daran zugrunde gegangen! Einfach nur widerlich!

  2. Weber Johann schreibt:

    Nachtrag: Wer sich in den DDR-Sport und vor allem an die Schikanen gegen die DDR-Sportler der Adenauer-, Erhard- und Kiesinger/Brandt-Regierungen einlesen will, den empfehle ich die Sportbücher von Klaus Huhn allias Klaus Ullrich.
    In dem Büchlein „Sportgeschichte – DDR“ von Dr. Irene Köhler, Sportverlag Berlin 1981 werden die Schikanen der Adenauerregierung gegen die erste DDR Goldmedaillengewinnerin bei Olympischen Winterspielen, Helga Haase beschrieben. Es soll nur ein Beispiel sein, wie die Alt-BRD und die NATO-Staaten den Sportlerinnen und Sportlern ihr Menschenrecht auf die Freiheit der Ausübung des Sports beraubt werden sollte. Sehr oft wurden den DDR-Sportlern dieses Menschenrecht von den NATO-Staaten und den DDR-Hassern in der Alt-BRD verwehrt..

    „Olympische Winterspiele in Squaw Valley 1960
    Schikane im Tal der lndianerfrauen
    Zur Vorgeschichte:
    Es war ein Jahr vor den Olympischen Winterspielen in Squaw Valley. Die besten Wintersportler aus aller Welt trafen sich im abgelegenen Tal der lndianerfrauen, um die olympischen Wettkampfstätten kennenzulernen. DDR-Sportler waren nicht dabei! Das amerikanische Außenministerium hatte die Einreise verweigert.
    Zum Olympiajahr:
    Stellt euch vor, das Organisationskomitee der VIII. Olympischen Winterspiele hatte ordnungsgemäß die Trainer und Betreuer sowie alle Journalisten der DDR akkreditiert, und dennoch verwehrte die USA­Regierung auf Anraten der Bonner Machthaber einem großen Teil von ihnen erneut die Einreise. Oie Empörung über dieses unolympische Verhalten der Gastgeber nahm internationales Ausmaß an.
    Viele unserer Athleten standen im fernen Amerika ohne Trainer vor ihrer ersten olympischen Bewährung. So auch Helga Haase, unsere Eissprinterin. Zum ersten Mal waren für Frauen Eisschnellauf-Wett­bewerbe auf dem olympischen Programm, und zum ersten Mal startete Helga Haase bei einem so schweren Wettkampf ohne ihren Trainer. Ihr Mannschaftskamerad Helmut Kuhnert sprach ihr Mut zu. Helga trainierte selbständig und zielstrebig. Sie überwand alle Schwierig­keiten und schaffte im olympischen Wettkampf mit 45,9s über 500 m die schnellste Zeit des Tages. Die erste Goldmedaille für die DDR bei den Olympischen Winterspielen war der verdiente Lohn. Sie wurde traditionsgemäß zum Siegerinterview vor das amerikanische Fern­sehen gerufen und erklärte damals: ,,Ich hatte mir für diesen Tag viel vorgenommen und hatte meinen besonderen Grund dafür. Mein Mann, der auch mein Trainer ist, hat, wie Sie sicher wissen, kein Visum erhalten, nach Squaw Valley zu kommen. Es ist nicht ideal, ohne Trainer in einen so schweren Wettkampf zu gehen. Aber denen, die das veranlaßt hatten, wollte ich beweisen, daß es im Notfall auch mal so gehen muß.“
    Helga Haase, die obendrein noch über 1 000 m die Silbermedaille gewonnen hatte, gab den sportfeindlichen Kräften die richtige Antwort. Gleichzeitig aber hat sie mit ihren Worten die Gelegenheit genutzt, viele amerikanische Fernsehzuschauer zum Nachdenken über die Verhält­nisse, über Recht und Freiheit in den USA anzuregen.“

  3. Pingback: „Ein großer Tag für Amerika!“ – Ein US-amerikanische Haß-Olympiade | Sascha's Welt

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s