Der Kommunist und Schriftsteller Ludwig Renn (1889-1979)

ludwig_rennEr hatte nie gewollt, daß man ihn mit seinem richtigen Namen anspricht. Ludwig Renn war von adliger Abstammung. 1928 wurde er Mitglied der KPD und nahm 1936-39 als Stabschef am Freiheitskampf des spanischen Volkes teil. Sein Vater, Carl Johann Vieth von Golßenau (1856–1938), war Mathematikprofessor und Erzieher am Dresdner Königshof. Mit seinem ersten Buch „Krieg“ (1929), erreichte er ein Millionenpublikum in aller Welt. Man schrieb darüber: „Das erste Volksbuch vom Krieg. Keine Episode, keine Tendenz, sondern erschütternd und wahr der ganze Krieg. Hier spricht zum ersten Mal der einfache Frontsoldat. Er allein kann sagen: SO WAR DER KRIEG!“

Über Ludwig Renn steht in „Übersichten und Biographien zum Literaturunterricht“ (Klasse 8-10) der DDR:

 „Wir sind Gegner des Krieges, nicht im Sinne einer frommen, vertrauensseligen Wehrlosigkeit, sondern in dem einzig wirksamen Sinn, daß wir durch gesellschaftliche Veränderungen den Krieg als Mittel der Auseinandersetzung zwischen den Völkern abschaffen wollen.“

Dieser wahrhaft humani­stischen Aufgabe hat der Schriftsteller Ludwig Renn sein Leben in Wort und Tat gewidmet. Ludwig Renn ist adliger Herkunft (sein eigentlicher Name lautet Arnold Friedrich Vieth von Golßenau).

Nach dem 1. Weltkrieg

Gemäß den Traditionen seiner Familie wurde er Offizier. Er nahm am ersten Weltkrieg teil. Die Erleb­nisse jener Jahre ließen ihn die Ungerechtigkeit des Krieges, die Unehrlichkeit und Hohlheit der An­gehörigen seiner Klasse immer deutlicher erkennen. Bei den einfachen Frontsoldaten dagegen fand er Halt, zu ihnen fühlte er sich hingezogen. Nach der Novemberrevolution 1918 wollte er mithelfen, ein demokratisches Deutschland aufzubauen, aber angewidert vom Verrat der rechten SPD-Führer, schied er 1920 aus dem Polizeidienst in Dresden aus. Nun folgten Jahre des Studiums, Reisens, kauf­männischer Tätigkeit: „Ich war entwurzelt und hoffnungslos. Sieben Jahre habe ich dieses Leben geführt, bis ich endlich den Weg zum Kommunis­mus fand.“ 1928 trat Ludwig Renn der Kommuni­stischen Partei Deutschlands und dem Roten Front­kämpferbund bei. Im gleichen Jahre erschien sein erster-Roman „Krieg“ (1925 vollendet), in dem er ver­suchte, den Krieg in seiner grausamen Wirklichkeit aus der Sicht des einfachen Soldaten zu schildern. Dieses Buch wurde ein Welterfolg.

Von 1928 bis 1932 war Ludwig Renn Sekretär des Bundes proletarisch-revolutionärer Schriftsteller und Mitherausgeber zweier Zeitschriften. Zweimal reiste er in die Sowjetunion („Rußlandfahrten“, 1932, ein Reportageband).

Von den Nazis verhaftet, dann Spanienkrieg und Emigration

1933 wurde Ludwig Renn wie zahllose andere auf­rechte Antifaschisten verhaftet. Gegen alle Bestechungsversuche der Nazis blieb er standhaft. „Ich bin, ich war, ich bleibe Kommunist!“ schleuderte er ihnen entgegen. Nach zweieinhalb Jahren endlich aus der Haft entlassen, gelang ihm mit Hilfe seiner Genossen die Flucht ins Ausland. Sofort reihte er sich wieder ein in den Kampf gegen den Faschismus: als Führer des Thälmann-Bataillons und als Stabschef der XI. Internatio­nalen Brigade nahm er am spanischen Freiheitskampf (1936-1939) teil („Der spanische Krieg“, 1955). Unter großen Schwierigkeiten emigrierte Renn 1939 nach Mexiko. Hier war er unter anderem Leiter zweier antifaschistischer Komitees. In Mexiko erschien 1944 das autobiographische Werk „Adel im Untergang“, in dem er mit der überlebten Adels- und Militärkaste vor dem ersten Weltkrieg abrechnete.

Seine Heimat – die Deutsche Demokratische Republik

1947 kehrte der Dichter in seine Heimat zurück. Als seine wichtigste Aufgabe sah er es an, der Jugend auf literarische Weise Lehren aus der Geschichte zu vermitteln. Wohl auch darum hat sich Ludwig Renn in besonderem Maße der Kinder- und Jugendliteratur gewidmet. 1954 erschien „Trini“, die Geschichte eines armen Indianerjungen, der am mexikanischen Befreiungskampf teilnimmt. In dem Kinderbuch „Nobi“ (1955) erzählt der Dichter vom Leben eines afrikanischen Jungen, der durch seine Klugheit und Tapferkeit zum Führer im Kampf der Afrikaner gegen die weißen Unterdrücker wird. „Herniu und der blinde Asni“ (1956) und „Herniu und Armin“ (1958) sind Erzählungen aus der germani­schen Geschichte. Nach Kuba führt Renns neuestes Jugendbuch „Camilo“ (1963).

Der Schriftsteller Ludwig Renn

Ludwig Renn lebte bis zu seinem Tode im Jahre 1979 als freier Schriftsteller in Berlin. 1963 veröffentlichte er seinen Roman „Inflation“. Danach arbeitet er an seinem Buch, das autobiographische Züge trägt: „Zu Fuß zum Orient“. Nach seinem Tode 1980 erschien seine Autobiographie „Anstöße in meinem Leben“. Der Dichter erhielt viele Ehrungen. Für „Trini“ und für sein gesamtes literarisches Werk wurde er 1955 und 1961 mit Nationalpreisen ausgezeichnet.

Quelle:
Übersichten und Biographien zum Literaturunterricht (Klasse 8-10), Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1965, S.84 (ergänzt)


renn_kriegHier nun ein Ausschnitt aus seinem berühmten Buch „Krieg“. Darin schildert Ludwig Renn die Sinnlosigkeit und das Grauen des ersten Weltkriegs.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


…Neben Hartmann werfen sich zwei, neben mich der Leutnant.
Ich schieße.
Drei neue erscheinen in der Lücke. zwei Schüsse neben mir!
Einer läuft drüben zurück. Ein Schuß dort! Er stürzt zusammen. Die Patrouille von Boehm ist wahrscheinlich noch dort.
Ein Gewehrschuß von links fährt dicht über uns weg.
„Kommen Herr Leutnant von dem Haufen herunter!“ schreie ich, es ist aber gerade still.
Indem sehe ich den Leutnant an und er mich, leer, mit grauem Blick.
Er sieht sich ruhig um. Ganz auf dem linken Flügel knallt noch ein Schuß. Er steht ruhig auf: „Ordonnanzen!“ und geht langsam nach seiner Fichte.
„Der ist alle“, sagte Hartmann ohne Bewegung. Nach einiger Zeit merkte ich, daß mein Rücken von der Sonne unangenehm warm war.
Stunden vergingen. Die Sonne brannte. Ein paar Mal drohte ich einzuschlafen.
Ich hatte großen Hunger. Meine Feldflasche hakte ich ab und schichtete einen kleinen Stein­haufen darüber, um den Kaffee zu kühlen.
Süi-krapp! kam eine Granate und fuhr zwischen uns und dem Leutnant in den Boden.
Sch-bra-rrr! Die Splitter sausten.
Ich sah mich um. Die Ordonnanzen und Weiß sahen nach den Granateinschlägen. Der Leutnant lag und schien es gar nicht zu bemerken.
Pramm! Zwei Schritt hinter meinem früheren Loch.
Die Einschläge wanderten nach der Mitte der Kompanie. Alle lagen zu weit. Die meisten gingen blind in den Boden. Nur jede dritte bis vierte Gra­nate krepierte.
Auf einmal klang eine Granate anders, Ich sah mich um. Wohin sie jetzt gingen, konnte ich nicht sehen. Wahrscheinlich schlugen sie in die Nähe der Feldscheune, in der wir übernachtet hatten.
Ich wurde stumpf. Es krachte immer gleich­mäßig.
Die Sonne stand schon schräger und schien uns ins Gesicht. Seit einiger Zeit schlugen die Granaten wieder in unsre Nähe.
„Sanitäter!“ Das war Lehmann im Nachbarloch. Von hinten kam Weiß gelaufen. Er sah blaß aus. Die Einschläge lagen in der Nähe des Baumes, unter dem Fabian lag.
Kramms! Ich fuhr zusammen. Es war sehr nah.
Weiß wischte etwas Rotweißes aus dem Gesicht. Dann wischte er die Hand im Gras ab. Lehmann schrie und wurde undeutlicher.
„Was ist geschehen?“ fragte ich.
„Es hat mich von Lehmann bespritzt, Gehirn.“
„Hat dir‘ s auch was getan?“
„Ich weiß nicht. Der Ärmel ist mir aufgerissen.“ Ich kroch zu ihnen hinüber. Lehmann war schon still geworden. Sein Hinterkopf war aufgefetzt, mit schwarzen Haaren. Dem Weiß war der rechte Aermel am Oberarm aufgeschlitzt.
„Gib mal dein Messer her!“
Ich schnitt ihm den Rockärmel ab. Am Hemdärmel war ein Blufleck…

Quelle:
Ludwig Renn: Krieg. Frankfurter Societätsdruckerei G.M.B.H. Abteilung Buchverlag, Frankfurt am Main, 1929, S.106-108.

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22 Antworten zu Der Kommunist und Schriftsteller Ludwig Renn (1889-1979)

  1. Thomas Weger schreibt:

    Als es noch das geteilte Deutschland gab, konnte der interessierte Leser in West-Berlin im damaligen Buchladen: Das Europäische Buch – so manch aufschlussreiche Lektüre erwerben von Schriftstellern und Zeitzeugen, die in der alten Bundesrepublik nur am Rande erwähnt wurden: Regler, Kantorowitcz, Renn, Koestler, Kolzow, Borkenau etc. Alles ehemalige Spanienkämpfer mit bewegtem Leben. Der Kampf der aufrechten Kommunisten (wird ja auch heute noch oft als Stalinismus verfemt) gegen die Trotzkisten der POUM in Barcelona oder die diskussionsfreudigen – aber sich all zu oft verheddernden Anarchisten an der Aragón-Front vor und nach Buenaventura Duruti – wird schon bei Renn beschrieben. 1986 wurde zum 50. Mal an den Spanischen Bürgerkrieg gedacht. Die DDR hatte da schon vorher auf hervorragend gestalteten Briefmarken etc. an diese schreckliche Zeit des Franquismus und Faschismus in Europa und der Welt gedacht und den Internationalen Brigaden ein künstlerisches Erbe gesetzt. Bücher geben aber leider immer nur erste Eindrücke wieder – und wer nie an den eigentlichen Orten des historischen Geschehens in Spanien (Madrid, Aragón-Front oder Katalonien gewesen ist oder gar in diesem Land gelebt hat, kann nur die halbe Wahrheit erfahren. Noch in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts konnte man bei Tardienta (Aragón), Belchite (abgesehen von nervigen Touristen bis heute im klimatisierten Reisebuss), Ebrofront bei Fatarella, Gandesa, Mora d´Ebre u.s.w. auf den ehemaligen Schlachtfeldern bergeweise verrostete Munition finden. So mancher Militaria-Sammler in Tarragona, Barcelona, Lleida, Zaragosa oder Madrid macht noch heute eine runde „Mark“ damit!

    • sascha313 schreibt:

      Danke Thomas. Die „ganze“ Wahrheit wird mal wohl immer erst nach eingehender Beschäftigung mit dem Thema erfahren. Letztlich ist es aber eben vom Standpunkt des Betrachters abhängig, und davon welchen Standpunkt man selber vertritt – den Klassenstandpunkt meine ich.

      • Thomas Weger schreibt:

        Einheitsbrei in Politik, Kunst, Kultur, Bildung und Leben im Allgemeinen haben vielen Menschen leider das richtige Bewusstsein für den Klassenstandpunkt ausgetrieben. Die Zeit wird aber wieder kommen – schon allein deshalb, weil der Gegensatz von arm und reich nicht kleiner geworden ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Kommen wir weg vom Eurozentrismus und den USA. Es tut sich was in der Welt – wenn auch mit Hindernissen wie in Lateinamerika, Afrika oder den arabischen Ländern.

      • sascha313 schreibt:

        …die auf der Brühe ganz oben schwimmen werden immer sagen: die Zeiten sind doch gar nicht so schlecht!

  2. Thomas Weger schreibt:

    ANHÖHE 705
    Hinter Ascó versteckt sich die alte verborgene Bunkeranlage in der neuen Straßenkurve. Diese bietet gerade einmal genügend Schutz für den wachsamen Posten. Autos fahren übereilt vorbei auf dem Weg an die Küste. Die Eisenbahntrasse nach Tortosa liegt noch heute im Schussfenster des geübten Schützen. Die Abzweigung der letzten Bahngleise verliert sich in den weglosen Steilhängen der nahen Serra de Pàndols vor Prat de Comte und der gut verdeckten tiefen Schlucht von La Fontcalda in den engen Berghängen vor Katalonien.
    Sommertouristen gleiten ungeübt auf ihren Mountainbikes die Berge herab und tauchen in die klaren Quellwasser des Riu Canaleta der Terra Alta ein. Der steile Waldweg zum Gipfel hinauf und an der Kapelle Santa Magdalena vorbei ist mit Schotter ausgebessert. Katalonien und Aragón vereinte nicht immer das liebliche Gezwitscher brütender Vögel.
    Zu Füßen der wichtigen Anhöhe 705 teilen sich Oliven- und Mandelhaine den trockenen Boden mit Weinreben und Pistazienkernen. In El Pinell de Brai verstauben die alten Vorratslagerhallen und Lazarettbetten für die freiwilligen Kämpfer der • Zweiten Spanischen Republik • von 1938. Gedenktafeln werden erneuert und der vergilbte Marmor im April 2011 und in den kommenden Jahren von der Gewerkschaft restauriert.
    705 Meter über dem Meeresspiegel und fast hundert Kilometer Sichtweite sollen die Republik vor dem nahenden Ungewitter schützen. Hier befindet sich der militärische Hochstand der Republik unter General Enrique Líster, um noch einmal die anrückenden Feinde abzuwehren. Heute ist dort das Denkmal zu Ehren der Toten und ihrer Träume und Hoffnungen zu besichtigen. Ein paar unscheinbare Staubkörner und Mikropartikel gebleichter Knochen wehen aus anderen Feldern und kahlen Wäldern ganz Spaniens herüber und setzen sich auf das Monument zu Ehren der vielen gefallenen Brüder und internationalen Kämpfer. Persönliche Eintragungen und auch Gedenkschriften lehnen an der Wand der Erinnerungen.
    Auch noch mit 93 Jahren müht sich einer der letzten Söhne des Lincoln-Bataillons, aus den USA kommend, den Berg hinauf ehe die getrübten Augen in das zu Blut geronnene Tal seiner Jugend und des vergangenen Grauens hinabblicken. Andere Bataillone kreuzten ehedem sein Leben: Thälmann, Dombroski, André-Marty, Garibaldi etc.
    Im August 1938 geht die Spanische Republik in die letzte Gegenoffensive und überquert den Ebro. Der Faschismus soll endlich zum Stehen gebracht werden.

    Ein anderer Wanderer macht noch mit dem Bleistift ein paar hastige Skizzen. Sicher wird er wiederkommen, um Farben und Leinwand tanzen zu lassen. Die mehr als 70 jährige Stille zwängt sich beklemmend in den Kopf des Betrachters.
    Haben Bäume oder Steine eigentlich ein Gedächtnis? Wer macht den ersten Kniefall der Vergebung vor der geschundenen Natur? Wen soll man nach der alten Geschichte befragen, wenn die letzten Überlebenden nur noch durch die Enkel überleben?
    Spitz zum Himmel emporsteigende weiße Berggipfel tauchen in einem vorbeiziehenden Wolkenbad unter. Der Adlerhorst im Fernglas verschwimmt im grellen Gegenlicht. Auch der Blick des flüchtigen Beobachters bleibt ein wenig getrübt und verliert sich in Richtung Westen, wo heute nur noch bunte Segelflieger ihre „Bombenlast“ der Einwegdosen abwerfen.
    P. S. für die verlorenen Seelen.
    Nach gesegneter Geburt, asketischer Mission, schmerzhafter Kreuzigung und kryptischer Auferstehung ging er letztlich in den erlösenden Untergrund ‒ sowie viele andere verbannte, verfolgte, vergessene, verkannte, verleugnete und verlorene Weltenbummler und Heilserlöser der gebeutelten Geschichte.

    • sascha313 schreibt:

      Danke für die anschauliche Beschreibung – was man nun noch sagen müßte: Warum waren denn die Interbrigadisten aus aller Welt nach Spanien geeilt, den spanischen Patrioten im Kampf gegen die Franco-Faschisten zu helfen? Es war die internationale, proletarische Solidarität! Poetisch gesagt: Es war der Geist des Roten Oktober, der damals viele beflügelte…

      • Thomas Weger schreibt:

        Genau lieber Sascha – es fehlt mal wieder ein Ernst Busch mit seinen Liedern! Abgesehen davon – viele gute Ansätze für eine Veränderung in der Gesellschaft finden sich auch heute schon wieder bei den Menschen. Jetzt ist die Zeit aber gekommen für eine neue ehrliche Kaderpartei, die die Massen leiten und unterrichten kann, ehe wieder einmal alles im Nebel der Massenmedien und Lügenpresse á la Springer verpufft. Wie schon Erich Mühsam dichtete: Der Revoluzzer verkommt nur zum Lampenputzer, wenn er sich als Sozialdemokrat outet (oder heute als Oliv-NATO-Grüner bei den rechts gewordenen: Die Grünen oder anderen CIA-NGOs etc.) und nicht als aufrechter Kommunist agiert!

      • sascha313 schreibt:

        Richtig. So einen wie Ernst Busch hätten wir heute gut brauchen können. …und es gilt behutsam zu sein, mit wem man sich verbündet und was man beschließt zu tun – und immer die Arbeiterklasse im Blick!

      • marie schreibt:

        einen ernst busch ohne einen bertold brecht hätte es wohl SO nicht gegeben … beide waren freigeister und künstler auf einen niveau und mit einer überzeugenden authetizität!

        eine frage nach einer „ehrlichen kaderpartei“ (denn beide waren ja keine mitglieder davon – ja mußten sich sogar GEGEN kaderparteien durchboxen … für DIE sache … und m.m.n. ist der ruf nach einer „EHRLICHEN kaderpartei“ vielleicht verständlich – aber auch realitätsfremd … denn ich kenne KEINE … ich kenne nur kurzzeitige umstände, die nie von langer dauer waren … genau wegen der KADER-MACHT-Kämpfe

        mir gefällt sehr gut was diese drei franzosen = Didier Eribon, Edouard Louis und Geoffroy de Lagasnerie in der gegenwart dazu zu sagen haben:

        https://www.republik.ch/2019/01/12/die-herrschenden-haben-angst-und-das-ist-wundervoll?fbclid=IwAR1gIWhnqrd3MrsVSva4-PNtqkCSxIEJFKfdxUKi_WimeKMQVGLJ3iFMuwU

        sorry, wenn ich als freigeist mir eine ganz eigene meinung leiste … die zum teil natürlich aus meiner ddr-biografie stammt, aber neben dieser wichtigen erfahrung und bereicherung, in der gegenwart VOR ALLEM nach den gründen für deren scheitern fragt … die muß es ja geben … für mich liegen sie auch in der zunehmenden eitelkeit der kader selbst … die zwar gegenüber feinden gut angebracht sein mag, aber generell eher die bodenhaftung verlieren läßt … und reflektionen über veränderungen verhindert >>> also nur unter völlig „idealen“ bedingungen erfolgreich funktionieren KANN … die es NIEMALS auf dauer gibt …

      • sascha313 schreibt:

        Jeder hat das Recht auf eine eigene Meinung!
        …das erste ist völliger Unsinn – beide Busch und Brecht waren eigenständige Persönlichkeiten und keine „Freigeister“!
        Ernst Busch war Kommunist und Brecht in diesem Sinne auch (selbst wenn er nie in einer Partei war!). Und was heißt hier „Kaderpartei“? Es gibt nur eine kommunistische Partei – oder keine!

        Siehe auch:
        Hermann Matern: Bedingungen für eine neue KPD
        Die Kommunistische Partei (10 Thesen)
        War die SED eine kommunistische Partei?

      • marie schreibt:

        Ernst Busch trat 1916 der Sozialistischen Arbeiterjugend bei, 1918 der SPD. Unter dem Eindruck des Kieler Matrosenaufstandes 1918 ließ er sein Parteibuch Anfang 1919 auf die USPD umschreiben.

        ps. wenn die wahrheit dir nicht gefällt – dann wird sie als unsinn bezeichnet … ich kenne die suche und widersprüche von ernst busch sehr gut … und ein partei-kader war er niemals … aber träumt nur weiter … hilft gegen die realität … mußten schon der parteikader erich honecker u.v.a. erfahren

      • sascha313 schreibt:

        Was soll der Unsinn. Ich kannte Ernst Busch persönlich. Er war Kommunist. Punkt! Wir brauchen hier keine üblen Nachreden! Und übrigens:
        1. die DDR ist nicht „gescheitert“! Sie wurde zerstört!
        War der Untergang der DDR unvermeidlich?
        2. BB schrieb sich „Bertolt“ mit hartem t – er legte Wert darauf!
        3. Ach, und diese netten intellektuellen Schweizer Jungs… was haben die mit Kommunismus zu tun? Nix. Absolut nichts!
        4. Mit „DDR-Biografien“ haben wir ja auch so unsere Erfahrungen… z.B. auch mit den sog. Oppositionellen

  3. Eleonore Kraus schreibt:

    wieder eine der unfruchtbaren Debatten………
    Deine Geduld, dein Langmut, dein tiefes menschliches Verständnis, dein Wissen darüber und so könnte ich weiter machen sind mehr als erwähnenswert.
    Brecht hat den Stalin Preis bekommen und ich weiß wieder einmal nicht, wo ich das wieder hingekramt habe, um den Beweis zu erbringen.
    Brechts Klassenstandpunkt ist sowas von klar, präzise und eindeutig, dass er weh tun kann, wenn man das erkennt. Buschs Lieder sind im Alltag ein Begleiter in meinem Leben und ich bin diese Versuche satt, dass einige hier meinen, mit irgendwelchen Links Überzeugungen und Klassenstandpunkt beeinflussen zu können. Wohl eher nicht und wem soll das nutzen ?

    • Hanna Fleiss schreibt:

      Du hast völlig recht, Eleonore, Brecht hatte den Stalinpreis bekommen. Du musst keinen Beweis erbringen, das ist in vielen Schriften zu lesen. Und nein, er war nicht in der SED. Und ich glaube sogar, das war gut so. Was Brecht angeht, so war er Künstler, sah als Dialektiker sehr genau, dass mitunter etwas schieflief in der jungen DDR. Nicht immer wurde er verstanden, und es gab Auseinandersetzungen, besonders mit der Bürokratie, sowohl der künstlerischen als auch der politischen. Aber er stand mit seiner ganzen Persönlichkeit hinter der unvollkommenen DDR. Und wenn man sich nur auf die Auseinandersetzungen sowohl auf künstlerischem als auch politischem Gebiet konzentriert, bei denen es immer um die Überwindung von Widersprüchen ging, niemals aber um Feindschaft, kann man natürlich aus kleinbürgerlicher Sicht zu gänzlich anderen Schlüssen kommen. Wäre er aber ein Feind der DDR gewesen, zu dem ihn die westliche Propaganda machen will, besonders nach dem 17. Juni 1953 („… soll sich die Regierung ein anderes Volk wählen“) wäre er niemals fähig gewesen, diese Literatur schreiben zu können, die ganz auf marxistischem Denken basiert. Seine Feinde versuchen ihm am Zeug zu flicken, aber da bellen Möpse einen Elefanten an.

  4. Hanna Fleiss schreibt:

    Marie, lass es sein. Das ist so viel gequirlter Unsinn, dass du noch ein ganzes Leben brauchst, um dein eigenes Leben zu begreifen. Übrigens, wusstest du schon, dass du die geplante Rechtschreibreform der Nazis schreibst, wenn du die Substantive klein schreibst? Diese Reform fiel nur unter den Tisch wegen des Krieges. Übrigens, das Wort „Reflexionen“ wird immer noch so geschrieben, trotz des Elends der „neuen“ Rechtschreibung.

    • marie schreibt:

      an alle hier: schon spannend, wie ihr meine worte interpretiert – deshalb nur in einem punkte nochmal klartext: ich bin ein großer fan von ernst busch … und auch von brecht – diese beiden gehören für mich mit zu dem besten, was es in der ddr gab. PUNKT.

      soso ich verwirkliche nazi-pläne mit meiner kleinschreibung??? ihr habt doch ein ding am kopp … und gehört zu der sorte von menschen, die sich „kommunisten“ nennen, mit denen ich nichts zu tun haben will – die die idee des kommunismus gar nicht verstehen – purer stalinismus – nix für eine zukunft nach meiner vorstellung … einfach nur dogmatiker und inquisiteure eines selbst geschaffenen dogmas …

      was sind denn eure „helden“ der gegenwart????? oder seht ihr euch als einzige lebenden in der tradition von toten??? viel weihrauch im angebot von inhalt und sprache – oder folterwerkzeuge für andersdenkende???

      • sascha313 schreibt:

        …ach, du armes Menschlein – wir sind alle Betonköpfe, meinst du wohl? Was hast du eigentlich von alldem, was hier geschrieben wurde, begriffen? Und – von Stalin? Nichts!

  5. Eleonore Kraus schreibt:

    Marie, nun werden Sie mal nicht persönlich, weil Ihnen die Argumente ausgehen, mit ihrem Psycho-Unsinn von „Freigeist“ und bla bla bla.
    Im übrigen würde ich all den Schwätzern ans Herz legen, sich vorzustellen, wie es ist, mal einen Tag gejagter und verfolgter Kommunist im Faschismus zu sein. Ihr, die ihr solch Unsinn verbreitet, seid doch so gut im Verstehen und Nachvollziehen. Ich erlaube mir, sicher zu sein, dass allein der Gedanke bereits die Hosen voll macht.
    In diesem Sinne: Rotfront !

  6. Eleonore Kraus schreibt:

    Danke Hanna, für die Informationen zu Brecht.
    Gut, die andere Seite zu hören.
    Bei uns im Westen waren die Informationen eher dürftig und wenn dann antikommunistisch, was nichts daran ändern konnte, wie sehr Brecht, bei uns zu Hause geschätzt wurde.
    Me-ti mag ich besonders und lese immer wieder darin, weil es jedesmal neues zu entdecken gibt.
    (Parteilichkeit und Objektivität)
    Me-ti wurde gefragt: Wie könnt ihr verlangen, daß jemand objektiv und parteiisch sei ?
    Me-ti antwortete: Wenn die Partei objektiv das Richtige ist, besteht kein Unterschied mehr zwischen objektiv und parteiisch.“
    Bertolt Brecht, Me.ti Buch der Wendungen, Suhrkamp Verlag, S. 71

  7. Hanna Fleiss schreibt:

    Marie, das ist überhaupt nicht abwegig. Ich glaube dir, dass du das nicht weißt, dass die Nazis den Deutschen eine neue Rechtschreibung aufoktroyieren wollten, natürlich im Sinne der Nazi-Ideologie. Wer weiß das heute auch schon. Das hat ja nun die BRD geschafft. Noch konnte sie sich nicht ganz zur Nazi-Rechtschreibung bekennen, das wäre aufgefallen, und es hätte sicher geharnischte Proteste gegeben.

    Wer die alte Rechtschreibung aus dem Effeff beherrschte, und das sind vor allem literarisch Tätige, für sie ist die geschriebene Sprache Handwerk und Mittel zugleich, der fasst sich an den Kopf, was aus ihr gemacht wurde. Das Diffizile der deutschen Sprache geht verloren. Schreibt man zum Beispiel „Alles bleibt beim Alten“ nun klein oder groß? Und wer oder was ist der oder das Alte? Da werden Adjektive plötzlich zu Substantiven, die Interpunktion zerstört die Logik und damit das Verständnis des Satzgefüges, es geht Kraut und Rüben zu, und das alles unter der Prämisse: Die Schüler sollen es leichter haben. Sie haben die Logik des geschriebenen Deutsch zerstört. In Wirklichkeit ging es natürlich um den Profit. Da wurden hochwertige Bücher eingestampft, nur deshalb, weil sie in der „alten“ Rechtschreibung gedruckt worden sind. Die Schulbuchverlage machten einen Riesenreibach.

    Die Nazirechtschreibung sah vor, das jedes Wort grundsätzlich klein geschrieben wird. Es ist aber eine Eigenart des geschriebenen Deutschen seit Erfindung der Druckerpresse, dass Substantive groß geschrieben werden, weil sie sonst mit gleichlautenden, aber nicht gleichbedeutenden Wörtern verwechselt werden können. Ist natürlich alles eine Gewöhnungsfrage, aber es liest sich schwer, und ich denke, man sollte es dem Empfänger einer Nachricht schon aus Höflichkeit nicht erschweren, sie ohne Grübeln (wie ist denn das gemeint?) lesen zu können. Und wer weiß, dass die Nazi-Rechtschreibung die durchgehende Kleinschreibung vorsah, ist unangenehm berührt, wenn er so geschriebene Texte lesen soll.

    Dass meine Replik dich aber nun zu einem solch unverständlichen Rundumschlag veranlasst, ist schon ein bisschen kurios. Habe ich da ins Schlimme getippt?

  8. sascha313 schreibt:

    Thema verfehlt. Was hat das noch mit Ludwig Renn zu tun?
    Wenn von allen Seiten Kritik und Ablehnung kommt, dann sind natürlich immer die anderen schuld, niemals der oder die Kritisierte selbst. Wir sind hier kein Diskussionsklub über dies und das und alles mögliche! Und ehrlich gesagt, habe ich diese endlosen, überheblichen Belehrungen und Beschuldigungen satt! Und damit adieu, Madame! Überflüssige und beleidigende Diskussionen werden demnächst kommentarlos entfernt.

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