Der verbrecherische Kurs der Adenauer Regierung und die Freilassung von unzähligen Nazi- und Kriegsverbrechern in der westdeutschen Bundesrepublik

MahnrufIn der österreichischen Nationalbibliothek befindet sich ein interessantes Dokument. Unter der Überschrift „So sieht es in Westdeutschland aus“ veröffentlichte im Jahre 1953 die österreichische Zeitung „DER NEUE MAHNRUF“ den folgenden aufsehenerregenden Beitrag. Anhand von zahlreichen Beispielen faschistischer Massenmörder, deren Untaten im Verlaufe der Nürnberger Prozesse bereits nachgewiesen worden waren, und die das Gericht zum Tode oder zu hohen Haftstrafen verurteilt hatte, weist die Zeitung nach, daß in der BRD nach 1953 fast alle diese faschistischen Bestien wieder auf freiem Fuße waren, und zwar fast immer auf unmittelbare Veranlassung der US-amerikanischen Besatzungsbehörden.

Hier nun der Bericht der Zeitung:

Mahnrufvorpann

Nachstehend eine Auslese dieser Verbrecher, die im Dienste der Bonner Regierung und Ihrer Hintermänner stehen:

Generalfeldmarschall Albert Kesselring: 1945 von einem alliierten Militärgericht in Italien zum Tode verurteilt. Zwei Wochen später Umwandlung der Todesstrafe in lebenslängliche Haft. Im Oktober 1952 wurde er auf Anweisung des britischen Außenministers Eden freigelassen. Kesselring ist verantwortlich für die Ermordung von 1500 wehrlosen Menschen in Italien. Aus Marzabotto ließ er durch die SS ein italienisches Lidice machen. Er befahl die Niedermetzelung von 335 Frauen und Männern in den Ardeatinischen Höhlen bei Rom und ließ 23 Kinder, Frauen und Männer bei Caiazzo erschießen. Heute ist er Präsident des „Stahlhelms“.

Generalfeldmarschall Wilhelm List, zu lebenslängllcher Haft verurteilt, wurde im Dezember 1952 freigelassen. Er ist verantwortlich für den Mord an Hunderttausenden von Südosteuropäern. Er ordnete Geiselerschießungen als Vergeltungsmaßnahmen für die Partisanentätigkeit in den von seinen Heeresgruppen besetzten Gebieten an. Er gab Befehle zur Plünderung, Zerstörung ganzer Ortschaften, zum Raub von privatem und öffentlichen Eigentum, zur widerrechtlichen Behandlung von Kriegsgefangenen und zur Deportation von Zivilisten. Er verfügte Massenerschießungen von Zigeunern und Juden und die Ermordung von hunderten Serben für einen getöteten Deutschen. Während des Krieges gegen die Sowjetunion war List Oberbefehlshaber der Heeresgruppe A mit dem Hauptquartier in Poltawa und Stalino.

General Eberhard von Mackensen, 1946 zum Tod verurteilt, kurze Zeit später begnadigt und im Oktober 19S2 freigelassen. Ist mitverantwortlich für die Geiselermordung in den Ardeatinischen Höhlen.

Generalfeldmarschall Erich von Manstein, von einem britischen Militärgericht zu 18 Jahren Haft verurteilt, im August 1952 freigelassen. Auf seinen Befehl wurden nach der Einnahme von Simferopol durch die Hitler-Faschisten alle Juden ausgerottet und Tausende polnischer und sowjetischer Staatsbürger hingerichtet.

General Gallenkamp, im April 1947 von einem britischen Militärgericht zum Tod verurteilt, wurde im Februar 1952 auf freien Fuß gesetzt. Er ist unter anderem des Mordes an 31 alliierten Kriegsgefangenen und drei verwundeten britischen Fallschirmjägern schuldig.

General Otto WöhIer, im Prozeß gegen das Oberkommando der Wehrmacht in Nürnberg zu acht Jahren Gefänignis verurteilt, Im Februar 1951 freigelassen. In Poltawa ließ er hunderte Zivilisten erschießen.

SS-Obersturmbannführer Fritz Schwalm, im Volkstumsprozeß von einem amerikanischen Gericht in Nürnberg zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, wurde im Februar 1951 von den Amerikanern freigelassen. War leitender Beamter des nazistischen „Rassen- und Siedlungshauptamtes“. Ist mitverantwortlich für die barbarische Ausrottung von „rassisch minderwertigen Bevölkerungsteilen“ und für die Entführung von Kindern aus den besetzten Gebieten.

SS-Obersturmbannführer Hans Bobermin, für den der Staatsanwalt die Todesstrafe beantragte, wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. Seine Strafe wurde herabgesetzt, und im Februar 1951 wurde er freigelassen. Während der Besetzung Polens eignete er sich 400 Ziegeleien an, deren Besitzer er deportieren ließ. Die Ziegelarbeiter machte er zu KZ-Häftlingen, um ihnen keinen Lohn zahlen zu müssen.

Erwin Tschentscher, SS-Standartenführer, Hans Lörner, SS-Oberführer, Hans Hohberg, SS-Hauptquartier, die gegen alle drei beantragten Todesurteile wurden in Gefängnisstrafen in der Höhe von zehn Jahren umgewandelt. Ihre Freilassung erfolgte im Februar 1951. Sie leiteten die Zwangsverschleppung von Polen und Juden aus Ost- und Südosteuropa. Keiner der auf ihren Befehl Verschleppten kehrte in die Heimat zurück.

Hermann Pook, SS-Obersturmbannführer, Chefzahnarzt der SS, zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, im Februar 1951 wurde er auf freien Fuß gesetzt. Er ließ Goldzähne und Goldplomben den Häftlingen vor ihrer Ermordung ausbrechen. Er widersetzte sich der Einführung von Krankenrevieren und Spitälern in den Konzentrationslagern und verbot, daß Medikamente in die Lager geliefert würden.

August Frank, SS-Obergruppenführer, war zu lebenslänglicher Haft verurteilt, wurde im Februar 1951 freigelassen. War stellvertretender SS-Gerichtsherr für die Konzentrationslager. Ihm unterstanden 165 Arbeitslager und 20 Konzentrationslager. Die Massenmorde an den Häftlingen dieser Lager wurden auf seine Anordnungen hin ausgeführt.

Max Kiefer, SS·Obersturmbannführer, zu Iebenslänglicher Halt verurteilt, trotzdem die Todesstrafe für ihn beantragt wurde. Das Urteil wurde bald in 20jähriges Gefängnis umgewandelt. Er wurde im Februar 1951 freigelassen. Kiefer baute die Todeskammem in Dachau. Auschwitz und Buchenwald. Er war einer der Leiter des Wirtschafts- und Verwaltungshauptamtes der Waffen-SS, dem die Verwaltung der KZ und der Wirtschaftsbetriebe SS (Deutsche Erd- und Steinwerke, Deutsche Ausrüstungswerke) unterstand. Beteiligte sich durch seine Funktion an der Ausbeutung von Häftlingen aus fast allen Ländern Europas, er ist mitschuldig am Tode vieler von ihnen. Er war einer der Nutznießer der Gewinne aus der Verwaltung des Vermögens jüdischer und polnischer Deportierter und aus der „wirtschaftlichen“ „Verwertung“ der Leichen.

Karl Mummenthey, SS-Obersturmbannführer, seine Freilassung erfolgte im Februar J951, nachdem er schon entgegen dem Antrag der Staatsanwaltaschaft statt der Todesstrafe zu, lebenslänglicher Haft verurteilt worden war. Leitete den Arbeitseinsatz in allen Konzentrationslagern. Als Direktor der Deutschen Erd- und Steinwerke beutete er Hunderttausende von KZ-Häftlingen in seinen Betrieben aus.

Dr. Hans Eisele, SS-Arzt in Buchenwald, 1947 in Nürnberg zum .Tod verurteilt, Im Jänner 1952 auf freien Fuß gesetzt. Er gab Häftlingen Apomorphinspritzen und nahm ohne Narkosen nicht erforderliche Operationen und Amputationen vor. An einem einzigen Tage tötete er 30 Häftlinge, indem er ihnen eine starke Chloralhydratlösung „verordnete“. Im Sommer 1941 ging er dazu über, Tbc-Kranke durch intravenöse Einspritzungen oder durch Herzstich von Evipan-Natrium zu ermorden.

Helmut Poppendieck, SS-Offizier, zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Im Februar 1951 entlassen. Unter seiner Leitung wurden an den Häftlingen Höhenversuche in Unterdruckkammern und Kälteexperimente durchgeführt. Sie wurden mit Malaria- und Fleckfiebererregern geimpft. An Ihnen wurden ferner neue „Heilmittel“ durch Wundinfizierungen und die furchtbare Wirkung von Gasen erforscht. Bestimmte Häftlinge wurden ermordet, um die Skelett- und Schädelsammlung der Reichsuniversität Straßburg zu vervollständigen.

Dr. August Render, zweiter Lagerarzt im Lager Buchenwald. Im August 1947 in Nürnberg zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, 1950 freigelassen. Er verbot die ärztliche Behandlung der kranken Häftlinge. Wurde schuldig befunden, die Auswahl arbeitsunfähiger Gefangener zu Vernichtungstransporten durchgeführt zu haben.

Gustav Heigel, SS-Hauptscharführer in Buchenwald. 1947 In Nürnberg zum Tod verurteilt. Als Blockführer mißhandelte er grausam die Gefangenen und tötete viele von ihnen.

Angesichts dieser unbestreitbaren Tatsachen kann nur noch ein entschlossener Kampf gegen den Wahnsinnskurs Adenauerschen Politik geführt werden.

Quelle: Der neue Mahnruf, April 1953, Nr. 4, S.5.

http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-plus?aid=dnm&datum=1953&page=25&size=34&qid=T3YD05R0300F7OJFD73YLXNWFGN3EW


Siehe auch:
Die DDR-feindliche Hetze…
Was geschah in der DDR mit den Nazi- und Kriegsverbrechern?

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28 Antworten zu Der verbrecherische Kurs der Adenauer Regierung und die Freilassung von unzähligen Nazi- und Kriegsverbrechern in der westdeutschen Bundesrepublik

  1. Louis Brunner schreibt:

    Die andere Seite:
    „NS-Täter hatten in der DDR eine große Chance…
    (gelöscht: Provokationen und DDR-feindliche Hetze werden hier nicht veröffentlicht! Admin.)

  2. Ulrich Schliz schreibt:

    Die Kommunisten und andere Anti-Faschisten vertraten nachdem zweiten Weltkrieg die Linie, die Justiz mit diesen Tieren politisch und juristisch zu bewältigen. Das war sicher ein edler Standpunkt. Heute – und nehmt es mit nicht übel – bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das richtig war. Das ist rein subjektiv. Man stellt immer die Frage nach dem Recht auf Töten. Keiner stellt die Frage nach dem Recht auf Leben-lassen – jedenfalls wenn es sich um solche Kaliber dreht. Sorry – das ist ziemlich hart und wenn mich einer von was anderem überzeugt, wäre es mir eine Erleichterung.

    • sascha313 schreibt:

      Ulrich, Du weißt sicher, daß es gerade auch in der BRD in den Anfangsjahren heftige Klassenkämpfe gegeben hat, die in den 68ern erneut aufflammten. Kein geringerer als Max Reimann nutzte bis zum Verbot der KPD den Bundestag, um die Interessen der Arbeiterklasse gegenüber der Adenauer-Clique vehement zu verteidigen. Um was anderes ging es denn da, als um das „Leben-lassen“? Und wie hätte man gegen die Übermacht des USA-Imperialismus und gegen deren militärischen und politischen Einfluß die Verurteilung der zu Tausenden nach Westen geflüchteten Kriegsverbrecher durchsetzen können? Unter Bruch des Potsadamer Abkommen wurde die Militarisierung der BRD und damit – wenn Du so willst – auch das „Recht (des kap. Staates!) auf Töten“, d.h. die militärische „Abschreckung“, vorangetrieben. Gegen wen? Natürlich in erster Linie gegen das eigene Volk!

  3. Atomino schreibt:

    @Louis Brunner. Naja, sollte es wirklich so gewesen sein, ließe sich darüber diskutieren. Ich kann es mir nicht vorstellen. Zumal die DDR als sozialistischer Friedensstaat es sich einfach nicht leisten konnte, irgendwelche faschistischen Hardliner in Lohn und Brot zu stellen.

  4. Henk Gerrits schreibt:

    West Deutschland weigerte sich hollandische kriegsverbrecher auszuliefern. und die Bundesrepubliek ist ein Nachfolger von Dritten Reich.

  5. Rolf schreibt:

    Da hätte ich gern mal gewusst, welchen NS-Täter der Herr Brunner da wohl gemeint hat… Zu den beim Nürnberger Prozess verurteilten Verbrechern, die dann auf freien Fuß gesetzt wurden, macht der Herr wohl gar keine Bemerkung. Das ist für ihn bestimmt normal …

    • sascha313 schreibt:

      …was dieser „Louis Brunner“ hier behauptet, ist die typische, anerzogene Verhaltensweise bürgerlicher Hetzpropagandisten: Nicht auf Fragen und Argumente antworten, sondern ablenken und Behauptungen aufstellen, die sich gegen die DDR und den Sozialismus richten.

  6. Weber Johann schreibt:

    Lieber Sascha, sehr gut reagiert. Solchen Erfüllungsgehilfen der DDR-Delegitimierer muss mit äußerster Entschiedenheit entgegengetreten werden.
    Vorweg eine Bitte um Nachsicht. Wieder viel Text. Aber dieses sehr wichtige Thema unserer Geschichte kann nicht im Stile dieser Erfüllungsgehilfen dargestellt werden.

    Aber zurück zu den ungeheuerlichen Vorgängen, die in der österreichischen Zeitung „Der neue Mahnruf“ aufgedeckt wurden.

    Adenauer hat Massenmörder, deren gerechten Strafe entzogen.
    Wie ging aber die Justiz in der DDR mit solchen Kriegsverbrechern um.
    Hier ein Auszug aus der Geschichtsaufarbeitung, Extremismus und Diktaturenvergleich JENAER FORUM FÜR BILDUNG UND WISSENSCHAFT e.V.
    Schriftenreihe Heft 33:
    „[..] Die Feststellung sei an einem Beispiel illustriert.
    In der Ansprache zur Eröffnung einer Ausstellung zur Justiz in der DDR im Foyer des Bundestages am 9. September 1997 sprach der Bundesminister der Justiz, Edzard Schmidt-Jortzig (F.D.P.), am Beispiel der Waldheimer Prozesse 1950 davon, daß dort etwa 3.000 „Systemgegner“ angeklagt wurden. In der Sitzung der Enquête-Kommission zur justizielen Aufarbeitung von SED-Unrecht am 9. Oktober 1997 dazu angesprochen, rechtfertigte der Minister jene Aussage mit dem Hinweis darauf, daß es ihm vor allem um die rechtsstaatlich fragwürdige Verfahrensweise in jenen Sonder- und Schnellverfahren gegangen wäre. Die Erwiderung ist unbefriedigend und zugleich symptomatisch für den verbreiteten willkürlichen und selektiven Umgang mit DDR-Geschichte, die damit vielfach – wie in diesem Fall – verzerrt und verfälscht wird. Es ist bei aller notwendigen und legitimen Kritik an der Art und Weise der Durchführung der Waldheimer Prozesse und der dort gefällten Urteile nicht zu akzeptieren, daß der entscheidende geschichtliche Hintergrund und Bezugspunkt – die Verbrechen des NS-Regimes – aus der Beurteilung praktisch völlig ausgeschlossen werden.
    Dies umso mehr, als Schmidt-Jortzig mit seiner Aussage selbst die wissenschaftlich dokumentierten Sachverhalte bezüglich der angeklagten Tätergruppen und der zu verhandelnden Straftatbestände grob entstellt. Wolfgang Eisert hat in einer sehr kritischen Darstellung jener Prozesse eine Aufschlüsselung der betroffenen 3.442 Häftlinge vorgelegt. Danach waren über 50 % der aus den sowjetischen Internierungslagern Überstellten Funktionäre der NSDAP und ihrer Gliederungen; Angehörige der Polizei, der Gestapo, des Sicherheitsdienstes, der SA und der SS (einschließlich Bewacher von KZ) sowie andere Staatsbeamte des Dritten Reiches. Darüber hinaus befanden sich unter den Häftlingen u.a. Richter, Staats- und Rechtsanwälte, Justizbeamte und Gefängnisaufseher, Wehrmachtsangehörige, Fabrikanten, Betriebs- und Bankdirektoren sowie Personen – insbesondere Landwirte, Gutsbesitzer- und -pächter -, denen eine unmenschliche Behandlung von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern vorgeworfen wurde. Mehr als 160 Inhaftierte – nicht über 3.000 wie Schmidt-Jortzig behauptete – sahen sich mit dem Vorwurf der Sabotage gegen die Besatzungsmacht und die neue Ordnung konfrontiert.“

    Bei dieser Faktenlage mussten die Adenauergetreuen damit rechnen, dass diese Nazi vor DDR-Gerichten ihrer gerechten Strafe zugeführt werden. Es musste eine Hetzkampage gestartet werden um die Prozesse in Waldheim so zu beieinflussen, damit sie glaubten, dass „milde Urteile“ gesprochen würden.
    Adenauers Terrorgruppe „Untersuchungsausschuss Freiheitlicher Juristen“ startete eine Hetzkampagne von ungeheuren Ausmaßes, die bis heute noch von den Erfüllungsgehilfen, für viel Steuergeld, fleißig verbreitet werden.
    Thile Bode schriebt am 19.4.1951 in der Frankfurter Zeitung:

    „Ein Ort Namens Waldheim
    [..] Die Kenntnis über diese Verfahren, die in größter Heimlichkeit abgehalten wurden, verdankt die Öffentlichkeit der Forschungsarbeit des „Untersuchungsausschusses Freiheitlicher Juristen der Sowjetzone“, dessen Ermittlungen später eine aus Waldheim geflüchtete Protokollführern einer der Waldheimer Strafkammern bestätigt hat.[…]“

    Bereits am 4. Juli 1950 befasst sich Berliner Zeitung mit dieser Hetze:
    „[…]  Faschisten waren sie und sind sie heute noch diese ehemaligen Insassen der Interniertenlager, die jetzt in Waldheim, Erfurt und anderen Städten unserer Republik zur Verantwortung gezogen werden. Jeder ihrer Rechtfertigungsversuche ist noch ganz von der Nazi-Ideologie durchsetzt und ruft unter den Werktätigen, die an den Verhandlungen teilnehmen können Entrüstung hervor. Sie sind Faschisten geblieben, obwohl sie während ihrer Haft genügend Zeit hatten, über ihre Untaten nachzudenken, obwohl ihnen die faire Verhandlungsführung Gelegenheit gibt, durch ehrliche Reue mit ihrer Vergangenheit zu brechen.
     Unmenschlichkeit — das ist der einzige Begriff, unter dem man die Untaten dieser Nazis zusammenfassen muß. Unmenschlichkeit — das ist aber auch ein Schlagwort, das eine sogenannte „Kampfgruppe“ in Westberlin dauernd im Munde führt. Wir sagten Schlagwort, denn diese Kampfgruppe hat es sich keineswegs zum Ziel gesetzt, solche Verbrecher wie den ehemaligen DAF-Gauobmann von Sachsen, Peitsch, den berüchtigten SS-Schläger Baumann vom ..Blutsturm Limbach“, den Gestaposekretär Beyerlein oder den KZ- Lagerkommandanten von Hohnstein, Heinicker, der gerechten Bestrafung zuzuführen. Im Gegenteil, sie hat eine wüste Hetze gegen die Sowjetunion und die Deutsche Demokratische Republik gestartet. und sich dieser „Unschuldigen“ liebevoll angenommen, die da angeblich zu unrecht festgehalten werden.
     Die Internierungslager sind aufgelöst. Die weniger Belasteter, wurden entlassen, um sich durch ihre Teilnahme am Aufbau der Republik bewähren zu können. Rund 3100 ehemalige Internierte aber stehen jetzt vor Gericht. Und um was für „Unschuldslämmer“ es sich bei ihnen handelt, haben nicht zuletzt die gerade beendeten Waldheimer Prozesse gezeigt. Jedem Westberliner Sozialdemokraten müßte die Schamröte ins Gesicht steigen, wenn er hört, daß seine Parteiblätter“Telegraf“ und “BS“ sich durch ihre Hetze für Bestien in Menschengestalt eingesetzt haben, die während des „Tausendjährigen Reiches“ Genossen ihrer Partei mißhandelt, gefoltert und ermordet haben. Da ist der schon genannte KZ-Kommandant Heinicker. unter dessen Befehl in Hohnstein Hunderte von Funktionären der SPD und KPD gefangengehalten wurden. Da ist der DAF-Häuptling Peitsch, der am 2. Mai 1933 die Freien Gewerkschaften „übernahm“, ihre Gelder stahl und rund 30 führende sozialdemokratische Gewerkschaftsfunktionäre verhaften ließ, von denen die meisten im KZ ums Leben kamen.
    Die Frontstellung der Hannoveraner SPD-Führung gegen den Vollzug der Gerechtigkeit und gegen die Liquidierung der letzten Überrest« des Faschismus ist keine Überraschung. Schließlich ist ja die Schumacher-Clique (Anmerk: Schumacher SPD-Parteivorsitzender) selbst für die Verhältnisse im Westen unserer Heimat mit verantwortlich, wo Leute vom Schlage eines Heinicker und Peitsch schon wieder in Amt und Würden sitzen und aktiv politisch tätig sind, wo die ehemals internierten Verbrecher gegen die Menschlichkeit freigelassen oder zu ganz geringen Strafen verurteilt wurden, weil man auf dem gleichen Wege weitergeht, der uns in zwei Weltkriegskatastrophen gestürzt hat und in eine dritte führen soll. [..]“

    Und wie wurde nach der Wiedervereinigung von den BRD-Gerichten mit diesen Waldheim-Prozessen verfahren.

    Die CDU-Zeitung Neue Zeit 10.11.1992 verkündigte:
    „Angeklagt wegen Mordes
    In Leipzig beginnt Prozeß gegen Waldheim-Richter
     M.P. Leipzig. Im Bezirksgericht Leipzig beginnt am heutigen Dienstag der erste Prozeß gegen einen der sogenannten Waldheim-Richter. Die Anklage wirft dem heute 86jährigen Otto Jürgens vor, in der ersten Hälfte des Jahres 1950 „teils als beisitzender Richter des Landgerichtes Chemnitz in einem in Waldheim errichteten Sondergericht und teils als Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft an der Verhandlung und Aburteilung mehrerer Personen mitgewirkt zu haben“.[..]  In einem Fall sei die Todesstrafe verhängt und vollstreckt worden. Jürgens wird wegen Mordes, Rechtsbeugung und Freiheitsberaubung angeklagt.[..]“

    Anmerkung: Der Leser soll sich selber ein Bild verschaffen, wie die DDR-Justiz mit diesen Kriegsverbrechern verfahren ist. Fest steht: Sie wurden zur Verantwortung gezogen. Jedoch anders wie unter Adenauer u.v.a.

    • sascha313 schreibt:

      Danke für die ausführliche Ergänzung. Allein schon der Blick in Veröffentlichungen von DDR-Zeitungen jener Zeit zum Thema genügt, um zu zeigen, welche große Bedeutung man in der DDR der Verfolgung der Nazi- und Kriegsverbrechen beimaß. Um, so unverständlicher ist es, wenn Kommentare, wie der oben gelöschte, die Tatsachen weiterhin zu ignorieren versuchen, um damit ein Weltbild zu stützen, dessen historische Überlebheit schon lange nicht mehr zu übersehen ist.

  7. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    Wie die CDU/CSU die Nazis schützte!

  8. Weber schreibt:

    Die österreichische Zeitung „Der neue Mahnruf“ vom 15. Februar 1949:

    „Wie der bayrische Erziehungsminister mitteilte, wurden nahezu sämtliche Lehrkräfte in Bayern denazifiziert und wieder in den Dienst gestellt.“

    Ich war seit 1957 diesen Ergüssen „Revanche gegen die Russen“ oder „die Russen stehen vor Tür“ ohne Schutz ausgeliefert. Uns wurden diese denazifizierten Lehrkräfte aufgezwungen.
    Dieses blieb den Schülern in der DDR erspart. Sie hatten die Freiheit ohne naziverseuchte Lehrer eine gute Schulbildung zu genießen.

    • sascha313 schreibt:

      Unser Staatsbürgerkundelehrer war ein ehemaliger Arbeiter und Neulehrer – er hat es immer interessant gemacht. Wir mochten unsere Lehrer fast alle sehr gern. Es waren natürlich nicht alle in der Partei, Aber niemand wurde wegen einer anderen Meinung schief angesehen. Jeder durfte sagen, was er denkt, ohne irgendwelche Konsequenzen befürchten zu müssen. Mit einigen Lehrern haben wir heute noch herzlichen Kontakt

  9. Hanna Fleiss schreibt:

    Thom Ram, ich finde deine Ansichten interessant für uns. Weil wir, wie ich glaube, besser begreifen können, wie sehr die Hirne der Menschen im Westen manipuliert worden sind. Im Grunde können wir keinerlei Verständnis für unsere Ansichten und Erfahrungen voraussetzen, wenn ein Mensch ab Windelalter im Westen gelebt hat und nur diese Umwelt als die richtige empfindet. Aber, Thom, vergiss nicht, es gibt nicht nur deine Umwelt, wir DDR-Deutschen haben eine andere, eine menschlichere Welt erfahren. Du musst auch mit uns Geduld haben, wenn wir alle zu richtigen Schlussfolgerungen gelangen wollen.

    • sascha313 schreibt:

      Aber Hanna, wer muß denn mit uuns „Geduld“ haben? Wir haben nichts aufzuholen und haben uns auch für nichts zu entschuldigen! Die Schlußfolgerungen zu denen wir bisher gelangt sind, haben überhaupt nichts mit der DDR zu tun. Im Gegenteil – es wird Zeit, daß endlich mal der verblödet erzogene Westbürger begreift, in welcher surrealen Welt er bisher gelebt hat und mit welcher frechen Dreistigkeit er immer noch durch die Massenmedien verblödet wird und von der Bourgeoisie am Nasenring durch die manege geführt wird.

  10. Hanna Fleiss schreibt:

    Du hast völlig recht, Sascha, aber das Begreifen ist ein Prozess, und zwar mitunter ein recht langwieriger und schmerzvoller. Das geht nicht holterdipolter mit ein paar Zeilen, und seien sie noch so inhaltsträchtig. Wir DDR-Bürger hatten doch Glück, dass wir in der Welt der Vernunft, Menschlichkeit und Völkerfreundschaft leben durften. Diese Chance hatten die Westdeutschen nie, zu keiner Zeit. Ich habe eben noch mal Kurt Gossweilers Beitrag zu den beiden Strategien des Westens gegen den Sozialismus gelesen. Hervorragend analysiert!

    Sascha, bei den Westdeutschen können wir im Grunde nichts voraussetzen, sie wurden ihr ganzes Leben lang manipuliert, und du kannst jederzeit noch lesen, dass sogar überzeugte westdeutsche Linke die Politik der „Annäherung“ als einen positiven Schritt in Richtung Völkerverständigung begreifen. Da muss alles vom Kopf auf die Füße gestellt werden, mit viel Geduld, viel Begreifen, mit welcher Persönlichkeit man es zu tun hat, ehe das Dickicht des Gegenüber sich ein wenig öffnet. Mit Ungeduld erreicht man gar nichts. Das ist zugegeben kompliziert mittels Schreiben, wenn man dem Menschen nicht in die Augen sehen kann, aber man muss es versuchen. Und das machst du ja auch sehr gut. Aber, wie gesagt, das Begreifen ist ein Prozess.

    • sascha313 schreibt:

      Nun darf man natürlich nicht vergessen, daß es in der ganzen Zeit auch in der BRD Kommunisten gegeben hat, die mit ihrer Freiheit, mit ihrer Gesundheit und unter hohen finanziellen Verlusten dafür eingestanden sind, daß das, wofür Ernst Thälmann, Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht und Hundertausende andere ehrliche Kommunisten gekämpft hatten (und was in der DDR verwirklicht worden war!) auch in der BRD wenigstens in Teilen erhalten bleibt. Was ist ein David gegen einen hochgerüsteten, stinkreichen imperialistischen Goliath! Nicht ohne Grund hat die SED immer wieder versucht, die DKP zu stärken. Doch das blieb vergeblich (Ergebnis: Steigerwald, Mayer, Köbele, Hager = keine Kommunisten mehr, sondern Opportunisten)

      • Eleonore Kraus schreibt:

        …….auch gekämpft haben, als die KPD 1956 verboten wurde.
        Johann hat oft darüber recheriert und die Fakten auf den Tisch gelegt und wer das nicht berücksichtigt, hat den wahren Kampf der Kommunisten im Nachkriegsdeutschland nicht begriffen und was es für ihre Freunde und Familien hieß, als sie wieder abgeholt wurden, dass kann keiner ermessen, außer die, die es erlebt haben und dabei gewesen sind. Immer werde ich dafür aufstehen und niemals werde ich zulassen, egal wo, dass die Würdigung dieses Kampfes, der Kommunisten in Adenauers Republik verloren geht. Für einige mag das nicht so wichtig sein, für mich um so mehr.

        Gut, in der DDR waren die Bedingungen geschaffen worden und in Adenauers Republik waren mit einem Haufen Alt Faschisten die wichtigen Ministerien besetzt, dass Innen- und Justizministerium, wo die saßen, die im Faschismus die Kommunisten verfolgt und weggesperrt hatten und warm und trocken mit dafür sorgten, dass das KPD Verbot umgesetzt wird. Mir kommen diese Themen zu kurz.

        Wer über die DDR schreibt, darf die kämpfenden Kommunisten, egal, wo sie in der Welt kämpfen und gekämpft haben, nicht vergessen. Hunderttausenden, ging es wieder an den Kragen. Es gab genügend Kommunisten, die wären nie in die DKP eingetreten, für sie wäre es Verrat an den Grundsätzen einer kommunistischen Partei gewesen.

        Das Verbot von 1956 muss aufgehoben werden, denn der DKP fehlt das „Herz,“ nämlich die „Diktatur des Proletariats,“ ein Grund, warum die Partei so ist wie sie ist. Bis 1989 hat sie eine nicht unwesentliche Bedeutung, auch für die Friedensbewegung. Der „Krefelder Apell“ ist der DKP zuzuordnen und ihr aktiver Kampf darf nicht vergessen werden.

  11. Eleonore Kraus schreibt:

    Was mich an deinem Beitrag stört, Hanna, ist folgendes: „Bei den Westdeutschen können wir nichts voraussetzen……..“ Was soll denn der Quark ?
    Ziemlich überheblich und unangebracht, aus meiner Sicht.

    • Hanna Fleiss schreibt:

      Mit Überheblichkeit hat das nichts zu tun, sondern mit leidiger Erfahrung. Ich habe über drei Ecken Bekannte in Westdeutschland, da kriege ich immer eine Gänsehaut, sobald die den Mund auftun. Und das ist der normale westdeutsche Durchschnitt, kleinbürgerlich, nicht arm, nicht reich, aber eingerichtet. Du bist hoffentlich eine Ausnahmeerscheinung. Aber wer war bzw. ist denn schon in der DKP? Der durchschnittliche Westdeutsche hat Angst vor dem Kommunismus, ohne es zu glauben, vertraut Regierung und Medien und richtet sich auf dem Sofa ein, sofern er nicht nach beruflicher Karriere geilt. Und gerade Letztere gibt es massenhaft.

      Diese Leute sind angepasst an ihre Welt, die sie kennen, ein bisschen Meckern gehört dazu, die können aber mit deinen Beiträgen hier gar nichts anfangen. Das müsstest du als Westdeutsche doch am besten wissen, oder hast du keinen Kontakt zur allgemeinen westdeutschen Bevölkerung? Natürlich gab und gibt es auch Kommunisten in Westdeutschland, verunsichert, suchend und meist ganz gut informiert, aber dass ich die nicht meine, dürfte doch klar sein. Im übrigen weiß ich, was ich schreibe, und muss mich nicht dauernd entschuldigen.

  12. Eleonore Kraus schreibt:

    Was weißt du denn über Kommunisten in Westdeutschland ? Differenzieren ist wichtig, denke ich. Vor allem, wie sie sind oder auch nicht sind ? „verunsichert, suchend?“ Entschuldigen, wofür denn ? In diesem Zusammenhang hat es keinerlei Bedeutung. War mir ausgefallen, die Überheblichkeit und die Besserwisserei.

    Ob ich was besser weiß, wage ich zu bezweifeln. Was ich weiß ist, dass das Leben für Millionen ein schweres ist, dass sie zwei, drei Jobs haben, um über die Runden zu kommen, dass sie meist Angehörige noch pflegen, viele Alleinerziehend sind, das Geld hinten und vorne nicht reicht. Die Zustände in den Altenheimen, in den Krankenhäusern unerträglich sind. Meine Kollegen erschöpft, müde und überarbeitet, selber meist noch Eltern haben und auf die Straßen gehen, für mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen und das ist nur eine Momentaufnahme.

    Und ja, da kenn ich mich aus und deswegen stehe ich bei ihnen, völlig egal, wo sie stehen. ES sind die, die bei eisiger Kälte jede Nacht, mit dem Kältebus unterwegs waren, wenn die Stadt schlief und die Obdachlosen Mitmenschen, mit warmen Getränken, Essen, Kleidung und Decken versorgt haben. Meine Hochachtung für meine Kollegen.

    Was ich hier oft lese, ist eine Analyse, die die Verhältnisse beschreibt, aber was das mit den Menschen im Land macht, das gehört auch zur Wahrheit dazu.
    Schlafmützen und solche, die sich abgefunden und eingerichtet haben machen einen großen Teil der Gesellschaft aus, leider ist das so. Die Angst, die Arbeit zu verlieren, ins Bodenlose zu stürzen, machen sie zu willenlosen, ängstlichen Wesen und das ist gewollt. Und trotz allem denke ich, dass sie es selber merken müssen, sich ihrer Situation bewusster werden, dabei kann man unterstützen und das ist eine, wie ich finde, große Verantwortung.

    Was kann man tun, was kann man erwarten, wenn man um dieses alles weiß ? Und ja, Vogel Strauß ist bei vielen die Devise, denn dann man nicht, wer einen in den Hintern tritt, etwas vereinfacht gesagt. Ein Bekannter meinte vor kurzem, dass ich durch mein Tun, in der Sozialarbeit, in der Altenbetreuung, das System unterstütze und ich habe ihn gefragt, ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Sicherlich wusste ich, was er mit dieser Frage bezwecken wollte, mit seiner intellektuellen Gehirnwi……., doch sei’s drum. Wie gesagt, wir leben in schwierigen Zeiten.

    • Emil Schaarschmidt schreibt:

      Es ist leider so: Solange wir nicht aufmucken unterstützen wir alle das System. Aber es gibt Unterschiede, nämlich im Bewusstsein und erst damit kommen wird zum Begriff Mittäterschaft. Und wenn ich in meinem nun gottseidank hinter mir liegenden Arbeitsleben genauso wie heute nachgedacht hätte, ich hätte vieles nicht ertragen. Wahrscheinlich wäre ich daran einfach nur zugrunde gegangen.

  13. Hanna Fleiss schreibt:

    Eleonore, ich glaube, ich bin einige Jahre älter als du, habe eine Menge erlebt und leisten müssen. In der DDR habe ich in den Medien gearbeitet. Du kannst mir glauben, wir gehörten zu den bestinformiertesten DDR-Bürgern, und natürlich wussten wir Bescheid über Westdeutschland und auch über die Stellung der Kommunisten in der BRD, wir wussten um die Standhaftigkeit und Opferung des persönlichen Lebens vieler Genossen, kannten sehr genau Zusammenhänge und Richtungskämpfe usw. Auf jeden Fall waren wir besser über die gesellschaftliche Realität der BRD informiert als die Westdeutschen über die Realität in der DDR. Das merke ich in jedem Beitrag von dir, wo du den meisten von uns längst bekannte Dinge zur Kenntnis gibst wie das Neueste unter der Sonne. Aber mach weiter so, denn es gibt bestimmt auch Leser, denen vieles neu ist. Man kann es eben nicht oft genug sagen.

    Wobei ich Emil Schaarschmidt in gewisser Beziehung beipflichten würde. Sieh mal, ich habe nach 1990 ein paar Jahre in Westberlin gearbeitet und fragte mich beinahe jeden Tag: Hast du dafür an dir dein Lebenlang so intensiv gearbeitet, höchste Leistungen zu bringen, um jetzt den Kerl in seiner Grunewald-Villa noch reicher zu machen? Was meinst du, wie gut ich dort am eigenen Leibe das kapitalistische System begriff, das ich bis dahin nur in der Theorie kannte. Und vor allem, was ich begriff: Wie ich mit meiner Tätigkeit in der DDR für die DDR arbeitete, so war ich jetzt gezwungen, mit meiner Tätigkeit für den Kapitalisten zu arbeiten. Und ich lernte das Konkurrenzdenken meiner „Kollegen“ kennen, die mich als Ostdeutsche für unfähig hielten, obwohl ich mich bei der Bewerbung gegen 56 andere Bewerber durchsetzen musste. Ein Heidenspaß für mich, die affige Überheblichkeit mitzukriegen. Eines war mir klar: Alles, was ich tue, tu ich für den Erhalt des kapitalistischen Systems. Es war eine enorme Entfremdung von meiner Arbeit, die ich in der DDR auch nur theoretisch begriffen hatte und nun praktisch erfuhr.

    Und noch etwas: Sei ein bisschen vorsichtiger in der Beurteilung anderer Leute, die du nicht kennst. Du scheinst mir noch ein bisschen ungeschliffen zu sein. Oder ist es einfach nur das Dicketun, die Überheblichkeit der Westdeutschen, dis wir DDR-Bürger nach 1990 so gut kennengelernt hatten?

    Du arbeitest in der Altenbetreuung? Was ist darunter zu verstehen? Eine bezahlte Arbeit oder ein Ehrenamt? Was ich vom Ehrenamtgewese halte, muss ich dir nicht erklären – oder doch?
    Dir persönlich wird diese Arbeit etwas geben, und du siehst einen Sinn darin, aber fragst du dich als Kommunistin, die du zu sein vorgibst, nicht, wem du damit am Ende dienst? Es ist eine verzwickte Sache, ohne Frage, jeder Mensch sucht seinen Lebenssinn, etwas tun ist besser als nichts zu tun. Aber stellst du dir auch die Frage: Wem nützt es? Wie gesagt: verzwickt.

  14. Eleonore Kraus schreibt:

    Ich denke, ich sollte einiges klar stellen. Von Beruf bin ich Diplom Pädagogin mit dem Schwerpunkt: Sozialarbeit, Sozialpädagogik, Ausbildung zur Sozialtherapeutin – 13 Jahre therapeutische Begleitung alter Menschen, in der ambulanten Pflege. Selbstverständlich Universitätsabschluss
    Als Tochter eines Kommunisten, verfolgt, gefoltert, geflohen. Pflasterermeister, Jahrzehnte im Straßenbau, eigentlich habe ich kein Interesse noch mehr zu sagen, dass muss reichen.
    Klar werde ich meine Bewertungen selber vornehmen, denn selbstständiges Denken ist für mich selbstverständlich. 15 Jahre Mitglied der DKP, aber sicherlich muss ich mich für nichts rechtfertigen.
    Und wie gesagt, Überheblichkeit, Arroganz und Besserwisserei habe ich nicht nötig.

  15. sascha313 schreibt:

    Hanna Fleiß,
    Ein für allemal: Solche Angriffe und Herabsetzungen dulde ich hier nicht! Sie sind hier nicht erwünscht!
    (Zugang gesperrt! Admin.)

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