Sozialismus aufbauen!

gossweilerKurt Gossweiler (1917-2017) war eine hervorragende Persönlichkeit, was nur diejenigen ermessen können, die ihn kannten und die wußten, mit welcher unerschütterlichen Zuversicht er stets für den Sozialismus eintrat, wie klug und überlegen er argumentierte und mit welcher noblen Höflichkeit – und doch hart in der Sache – er selbst seine Gegner behandelte. Unsereinem wäre da wohl schon längst der Kragen geplatzt angesichts der Engstirnigkeit und Unverschämtheit solcher Gestalten wie R.Steigerwald, Walter Ruge, Harry Nick und anderer. Doch noch zu einer seiner letzten Begegnungen, schon liegend, erhob Kurt zum Abschied die Faust: „Rot Front!“ – Hier nun einige Worte von ihm und Lenins Bemerkungen zur Initiative. Nichts ist unmöglich, wenn der vereinte Wille der Unterdrückten sich regt…

Der Weißenseer Kreis

Die Entdeckung dieses Kreises und diese neue Erkenntnis waren ein unerwarteter Gewinn im Gefolge der Niederlage. Und womit ich auch nie gerechnet hatte: Ausgerechnet dieser Kreis eröffnete mir die Möglichkeit, meinerseits „Signale“ auszusenden, will sagen, meine Gedanken und Auffassungen über die Ursachen unserer Niederlage zu publizieren, nachdem mir dafür keine anderen Möglichkeiten mehr zur Verfügung standen, (schon gar nicht in den Organen der PDS, deren Mitglied zu bleiben ich bis Januar 2001 aushielt).

Zurück zu Stalin!

Diese meine Signale blieben nicht unbeachtet. Sie gelangten auch bis München und zu den dort wirkenden Genossen des „Arbeiterbundes für den Wiederaufbau der KPD“, deren eine Fraktion eine Zeitung, die „KAZ“ (Kommunistische Arbeiterzeitung) herausgab, und führten dadurch schließlich „gesetzmäßig“ dazu, daß auch Rolf VELLAY in mein Blickfeld geriet, und zwar mit einem Artikel von ihm mit dem Titel: „Zurück zu Stalin!“ in der Beilage zur „KAZ“, Nr. 219 vom 18.Juni 1991. Über das, was ich da aus Rolfs Feder las, konnte ich nur hocherfreut staunen: besser hätte auch ich nicht meine Position zur „Stalinfrage“ in Worte fassen können:

„Lächerlich und absurd ist es, heute, nahezu vierzig Jahre nach seinem Tod, Stalin, dem erfolgreiche Architekten …des Sozialismus in der Sowjetunion und dem Sieger über den Faschismus, die Verantwortung für den heutigen kläglichen und jämmerlichen Zusammenbruch aufbürden zu wollen. Natürlich weiß ich, welchen Widerspruch ich mit dem Rekurs auf Stalin provoziere. Doch – den klugen Theoretikern, die mir vom Wissen her zehn- oder zwanzigmal überlegen sind, gebe ich zu bedenken: Ihr seid alle gescheitert, von Titos ‚Jugoslawischem Weg zum Sozialismus’ über die ‚Eurokommunisten’ bis zu den Konstrukteuren der ‚antimonopolistischen Demokratie’, von den Quacksalbereien über den ‚Dritten Weg’ und ‚Demokratischen Sozialismus’ gar nicht zu reden. Stalin ist nicht gescheitert!
Den Moralisten gebe ich ein kluges Wort von Winston Churchill zu bedenken, zitiert in der FAZ vom 6. September 1990: ‚Wenn die Gegenwart über die Vergangenheit zu Gericht zu sitzen versucht, wird sie die Zukunft verlieren.’ Damit wird genau das getroffen, was den Kommunisten seit der Verdammung Stalins aus ‚moralischen Gründen’ auf dem XX. Parteitag der KPdSU widerfahren ist.
Und den Hochmütigen und Arroganten gebe ich zu bedenken: Vor anderthalb Jahren noch habt ihr Herrn Gorbatschow bei seinem Besuch in der Bundesrepublik als ‚Schöpfer des Neuen Denkens’ begrüßt und quasi wie einen neuen ‚Messias des Sozialismus’ gefeiert. Ich habe bereits vor drei Jahren auf der ‚Perestroika’-Konferenz des IMSF in Frankfurt erklärt: ‚Gorbatschow als Generalsekretär – das ist die Konterrevolution an der Spitze der KPdSU! Gorbatschow an der Spitze der UdSSR – das ist das Ende des Sozialismus in der Sowjetunion!
‚Neues Denken’ das ist die Paralyse des revolutionären Gehalts der kommunistischen Weltbewegung.’ …All das gebe ich den hoch gelehrten Theoretikern, den unanfechtbaren Moralisten und den hochmütigen und arroganten Kritikern zu bedenken, wenn ich hier erkläre: Vorwärts in der revolutionären Weltbewegung bedeutet heute: Zurück zu Stalin – unter Vermeidung dogmatischer, jedoch sinngemäßer Anwendung seines fast seit vierzig Jahren totgeschwiegenen theoretischen Werkes auf die inzwischen veränderten Bedingungen.“

Siehe: Gedanken einees Kommunisten nach der Niederlage 1989.

Lenin sagte einmal 1898: „Wir (Komunisten) sind ein Tropfen im Ozean.“ Doch was ist 1917 daraus geworden! Und welche wunderbaren, mutigen Menschen hat der Kommunismus hervorgebracht! Hier nun ein Auszug aus „Die große Initiative“:

Initiative29-412Initiative29-413

W.I. Lenin: Die große Initiative, LW Bd.29, S.412f.


Siehe auch: Kurt Gossweiler (1917-2017)

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5 Antworten zu Sozialismus aufbauen!

  1. Thomas Weger schreibt:

    Es ist schon schlimm, mit wie viel arroganter Dummheit der eine oder andere Zeitgenosse geschlagen ist. Auf Reisen im Ausland kann vielleicht darüber hinweggesehen werden, wenn man als Deutscher auf seine eigene leidige Geschichte angesprochen wird. Nun ja – die Schulbildung in modernen Zeiten ist eben auch dem amerikanischen Mainstream untergeordnet. Fragt mich doch da ernsthaft so ein Ausländer im benachbarten Land, ob sich der Besuch im Stasi-Museum in Berlin lohnen würde, um kommunistische Diktatur und Menschenrechtsverbrechen besser verstehen zu können. Ja und da ist dann noch unser alter Freund und Satan aus der Hölle: Genosse Stalin – eben schlimmer als Hitler…blablabla! Man kann gar nicht so viel in sich hineinstopfen, wie man kotzen möchte. Ich kann nur sehr empfehlen – heute mehr denn je, die richtigen Historiker zu studieren und sich nicht von Fox-News, Springer-Presse und anderen Geistesverrenkungen oder äthylischen Umnebelungen gefangenzunehmen. Hier also eine richtige Analyse zu vielen Fragen – Stalin und die Wahrheit über den real existierenden Sozialismus:
    Die Wahrheit über Stalin: Gespräche mit Richard Iwanowitsch Kosolapow und Gespräch von Viktor Koschemjako mit den Autoren des Buches: Stalin als Feldherr von Wladimir Suchodejew und Boris Solowjew. Im Internet als PDF-Ausgabe zu lesen.

    • sascha313 schreibt:

      Wir tun hier unser möglichstes! Sicher – man muß genau hinsehen, lieber einmal mehr prüfen als einmal zuwenig. Und nicht der Name ist entscheidend oder der Titel, sondern ein für allemal der Klassenstandpunkt. Über Stalin wurde viel geschrieben, viel Ungeprüftes, viel Falsches – es gibt da eine regelrechte Konjunktur.

      Dr.Kurt Gossweiler (und nicht „Professor“ wie auf einer Website fälschlich tituliert) hat selbst vieles im Original studiert, wovon es keine Übersetzung gibt, so z.B. Чуев Феликс – Сто сорок бесед с Молотовым. (F.Tschujew: 140 Gespräche mit Molotow). Man ist natürlich klar im Vorteil, wenn man die Sprache versteht.

      Zu Kosolapow hier folgendes: Gefälschte Stalin-Bände

  2. Pingback: Und wir müssen doch über den Kapitalismus sprechen, Herr Jebsen! | Sascha's Welt

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