Ljubow Pribytkowa: Was wird der morgige Tag uns bringen?

Shukov monumentIn Irkutsk befindet sich im Wohnkomplex „Der Sonnige“ am Denkmal für Marschall Shukow ein gemütlicher kleiner Platz, wo wir, die Rentner, gern spazieren gehen. Wir unterhalten uns miteinander, tauschen uns über Probleme des Alltags aus, und wir erinnern uns auch gern an die Vergangenheit. Irgendwie hörte ich mal von einer älteren Frau, die mit ihren Urenkel spazierenging: „In der Sowjetunion lebten wir doch wie im Paradies…“. Darüber wollte ich nicht streiten … ich lächelte nur. Und ich dachte darüber nach.

War die Sowjetunion ein „Paradies“?

Natürlich lebten wir zur sowjetischen Zeit in der UdSSR nicht im Paradies. Mit biblischen Begriffen kommen wir der Sache nicht näher. Aber mir war schon klar, was diese Frau damit sagen wollte. Bei uns wurde anstelle des zaristischen Rußland, dem „Land Herren und Sklaven“, wo das einfache Volk kein normales, menschenwürdiges Leben führen konnte und wo 80% der Bevölkerung weder lesen noch schreiben konnte, der erste Arbeiter-und-Bauern-Staat der Welt geschaffen.

Schwierigkeiten der Sowjetunion

Die Sowjetmacht tat alles, damit Menschen tatsächlich auch wie Menschen leben konnten. In seiner Entwicklung hatte unser Land viele Schwierigkeiten zu überwinden. Es mußten komplizierte Aufgaben in der Industrie, der Landwirtschaft, der Bildung und Kultur gelöst werden. Vieles andere war noch zu bewältigen. Und nicht immer ging alles glatt. Vor den Schwierigkeiten des Lebens waren weder das Land noch die einzelnen Menschen geschützt. Und von Ungerechtigkeit oder Gefühllosigkeit so mancher Vorgesetzter, von denen oft das eigne Schicksal abhing, blieb man auch nicht immer verschont.

Eine Gesellschaft der sozialen Gerechtigkeit

Der Sinn dessen, was die alte Dame sagte, lag natürlich tiefer, als das von ihr verwendete biblische Wort. Doch in der Tat – zu welchen Höhen hatte sich die Gesellschaft erhoben, als sich dem einfachen Volk zum ersten Mal die Möglichkeit bot, sein Schicksal selbst zu bestimmen, indem es sich der Mühe unterzog, seine Interessen und die Interessen der ganzen Gesellschaft zu verwirklichen. Sieht man die uns umgebende Welt, in der ein Drittel der Bevölkerung in Elend und Hunger lebt, so hatten es unsere Eltern und wir sehr gut verstanden, daß es in unserer sowjetischen Gesellschaft keine soziale Ungleichheit, keine Unterdrückung und keine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen gab. Wir glaubten daran, daß bei uns der Mensch dem Menschen ein Freund, Genosse und Bruder ist. Und das waren nicht einfach nur schöne Worte. So war es auch in Wirklichkeit!

Wir freuten uns über unser Leben!

Alles wurde in unserem Leben besser und besser. Es triumphierte die Gerechtigkeit! Da sind nicht nur Häuser gebaut worden, sondern ganze Städte. Die Menschen konnten aus Erdlöchern und Elendsvierteln in normale Wohnungen umziehen. Fabriken und Betriebe wurden gebaut, und es gab Arbeit. Es entstanden Schulen, fabrikeigene Bildungseinrichtungen und Hochschulen. Den Menschen in der UdSSR wurden aber eben nicht nur Grundkenntnisse vermittelt, sondern sie erhielten Bildung und einen Beruf. Klubhäuser, Volkstheater und Bibliotheken wurden geschaffen. Und damit waren die Voraussetzungen gegeben, daß sich im einfachen Volk die reichsten schöpferischen Fähigkeiten entfalten konnten. Wir freuten uns über dieses Leben!

Die soziale Sicherheit im Sozialismus

Doch die Hauptsache: Die Menschen hatten Gewißheit über den morgigen Tag. „Du hast Bildung und Beruf erhalten – dann geh und arbeite!“ Befürchtungen, daß man keine Arbeitsstelle finden würde, gab es nicht. Und wer einen Arbeitsplatz hatte, bekam auch Geld. Sorgen um das tägliche Brot gab es nicht. Ich kann mich noch erinnern, wo sich an der Essensausgabe der Mensa einer von uns Studenten anstellte, bis wir dran waren, während wir uns an die Tische setzten und einstweilen das Brot aßen. Auf großen Tellern stand es auf allen Tischen – bezahlen mußten wir es nicht. Das Brot war kostenlos.

Der Antrieb des gesellschaftlichen Fortschritts

Doch das Leben war nicht leicht. Jede Familie hatte ihre Schwierigkeiten und Probleme. Schon immer mußten Menschen sich immer entscheiden, welche Dinge ihnen wichtig sind. Die Bedürfnisse eines Menschen, einer Familie und der Gesellschaft übersteigen immer die Möglichkeiten ihrer Befriedigung. Das ist eine Gesetzmäßigkeit und der Motor des gesellschaftlichen Fortschritts.

Die Enttäuschungen nach 1990

Und heute, nachdem die Konterrevolution den sowjetischen Staat zerstört, und die Bourgeoisie sich alle natürlichen und nationalen Reichtümer des Landes unter den Nagel gerissen hat, wo alle Werktätigen erneut, wie schon vor 1917, zu Lohnarbeitern, d.h. zu Arbeitssklaven wurden, hat die Mehrheit der Menschen keine optimistische Einstellung mehr. Die Menschen haben keine Gewißheit mehr über den morgigen Tag. Sie sind tief enttäuscht von ihrem Leben.

Wer kann heute noch optimistisch sein?

Optimismus besitzen nur die Reichen. Sie werden durch die unbarmherzige Ausbeutung der Arbeiter, der Intelligenz und der Angestellten immer fetter. Die gesamte Bourgeoisie – es sind alles Räuber. Ihr wichtiges Lebensziel ist der Profit, Profit und noch einmal Profit. Ihr Gott ist das Geld. Sie haben keine Nationalität oder die Nationalität derer, die sie ausplündern – es interessiert sie nicht.

Die Unmoral der „Eliten“

Die Bourgeoisie hat keine menschliche Moral. Ihre Habgier und Bereicherungssucht sind grenzenlos. Die Kapitalisten haben nur eine menschliche Gestalt, wenn sie im Saale sitzen, wo sie den schönen Reden der Politiker zuhören. Es ist garantiert nicht übertrieben, wenn ich sage, daß diese „Elite“ – wie sie die offizielle Presse nennt – über Leichen gehen wird, wenn eines Tages im Land wieder ein neuer Oktober kommt.

Die Lebensumstände im heutigen Rußland

Und woher soll beim einfachen Volk der Optimismus auch kommen, von welcher Gewißheit über den morgigen Tag kann man überhaupt reden, wenn es im Land mehr 10 Millionen Arbeitslose gibt? In Rußland eine Arbeit zu finden, ist nicht leicht, denn ein großer Teil der Betriebe und Fabriken wurde in Handelszentren umgewandelt, und viele arbeitende Unternehmen befinden sich im Vorstadium der Insolvenz. Welche Stimmung kann ein Familienvater haben, der über Jahre keine Arbeit finden kann, der kein das Geld nach Hause bringt – und dennoch muß die Miete bezahlt werden, müssen teure Lebensmittel, Kleidung und Medikamente und anderes gekauft werden. Heute muß man für alles bezahlen – für das Gesundheitswesen, die Bildung, die Kultur. Und deshalb lasten Schwere und Pessimismus dem Ernährer auf der Seele. Oft endet das im Alkohol. Nicht wenige gesunde junge Männer laufen aus der Not heraus den Wachschutzfirmen zu, verwandeln sich in bewegungsunfähige Götzen und bekommen dafür einen Lohn, von dem man kaum leben kann.

Wer aber eine Arbeit hat…

Aber auch denen, die eine Arbeit haben, geht es auch heute nicht gut. Sie wissen nicht, ob sie morgen noch arbeiten können. Vor ihren Augen werden Betriebe, Schulen und Krankenhäuser geschlossen. Die Kürzung der Löhne der Arbeiter und Angestellten wurde zur Regel, Sozialleistungen werden gekürzt, die Beschäftigungsquote wird verringert und die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich. Es gab auch schon Fälle, wo Hausbesitzer ihre Mieter wegen Mietschulden aus der Wohnung gewiesen haben. Ungewißheit und Sorgen begleiten das Leben der Mehrheit der Menschen.

Unzufriedenheit

In vielen Unternehmen des Landes wurden die Löhne für einen Monat oder zwei zurückgehalten, und das ein ganzes Jahr lang. In großen Firmen gibt es einen Achtstunden-Arbeitstag, in mittleren und kleinen Firmen wird oft sogar 10-12 Stunden gearbeitet. Die Kürzung der Gehälter erfolgte schon beinahe gewohnheitsmäßig. Der Urlaub wird gekürzt. Und da, wo Migranten arbeiten, gibt es weder Urlaub, noch freie Tage, nicht einmal bei Krankheit wird gezahlt. Und wer seine Unzufriedenheit offen ausspricht oder Ansprüche stellt, der wird umgehend entlassen.

Das bittere Los der Arbeitssklaven

Einige Unternehmer haben großes Interesse daran, ihre Arbeitssklaven noch weiter auszusaugen – durch Bestrafungen. Es gibt so eine Redensart: 2 Minuten außerhalb der Mittagspause geraucht – einfache Strafe, 5 Minuten auf der Toilette geblieben – doppelte Strafe. Flüchtlinge trauen sich nicht, einem Journalisten ihren Namen zu nennen, wenn sie von den furchtbaren Arbeits- und Lebensbedingungen in der Firma sprechen, weil sie fürchten, entlassen zu werden… Ein russisches Sprichwort lautet: „Eine Ahle läßt sich im Sacke nicht verbergen.“ – Manchmal wird sogar wegen der Strafen am Lohntag nichts ausgezahlt. Es ist schon eine Mode geworden, junge Leute für eine Probezeit einzustellen. Nach einem Monat erhalten sie eine Absage, und der Mensch bekommt nicht eine einzige Kopeke dafür bezahlt.

Es war nur ein kleiner Streik…

Ende November 2018 streikten im autonomen Bezirk der Jamal-Nenzen 200 Schichtarbeiter des Peszower Gasvorkommens (eine Tochter von „Gazprom“). Sie hatten einige Monate keinen Lohn bekommen und erhielten auch keine Lebensmittel. Ihnen fehlte das Geld, um nach Hause zu fahren; und die Arbeitsverträge hat man ihnen abgenommen. Vorstandsmitglieder der Gesellschaft „Gazprom“ bekommen 3 bis zu 11 Millionen Rubel im Monat (rd. 40.000 bis 140.000 €). Einer der Geschäftsführer, Miller, ist schon seit langem Rubel-Milliardär. Und so mögen sich diese fetten Kater freuen, wenn ihre Arbeiter so feinfühlig protestieren – und nur streiken…

Die Armut in Rußland

In heutigen Rußland ist die Armut für große Teile der Bevölkerung zur Normalität geworden. Im Februar 2019 nannte der Präsident Rußlands Wladimir Putin gegenüber der Presse und den Politikern die Zahl von 19 Millionen armen Menschen im Land. Immerhin – man kann sich freuen: von den 7 Milliarden auf diesem Planeten lebenden Menschen sind 2,5 Milliarden arme Menschen – da ist das Verhältnis bei uns nicht ganz so tragisch. Obwohl die reale Zahl der armen Menschen in Rußland vielen Angaben zufolge – dreimal so hoch ist.

Leben von der Hand in den Mund

Das Staatliche Amt für Statistik Rußlands teilte mit, daß 15 % die Bevölkerung, das heißt jeder siebente, unterhalb der Armutsgrenze, also im Elend, lebt. Und ohne Wohnung, ohne Brot und ohne jede Hoffnung leben – nein: vegetieren – dagegen Millionen sogenannte „Penner“. Wenn in den ersten Jahren der Sowjetmacht mit der Obdachlosigkeit und der Verwahrlosung Schluß gemacht wurde, so blüht sie heute um so mehr – im „demokratischen“ und „zivilisierten“ Rußland. Millionen Menschen leben von der Hand in den Mund. Die Regierung erklärt diese Situation mit der Wirtschaftskrise, doch die Zahl der Rubel-Milliardäre im Land nimmt ständig zu, und für Polizei, Bundessicherheitsdienst und Nationalgarde (Gendarmerie) ist es um das Geld nicht schade.

Der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit

In Rußland verschärft sich von Jahr zu Jahr der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit. Und heftig nimmt die Ausbeutung der Arbeit zu. Es wächst die soziale Spaltung in der Gesellschaft. Die Hälfte der Bevölkerung des Landes erhält etwa 20.000 Rubel (rd. 250 €) im Monat. Doch die Mitglieder der Regierung und die höheren Staatsbeamten erhalten von 400.000 Rubel (rd. 5.300 €) im Monat und mehr. Zudem haben sie noch eine Menge Vergünstigungen. Sie werden zusehends fetter…

Das Leben der anderen

Und die Milliardäre, die man Oligarchen nennt, besitzen einen Großteil des Kapitals des Landes: Abramowitsch und Prochorow, Deripaska und Miller, Setschin und Wekselberg, Jakunin und Rosenberg – und noch einige Dutzend andere. Sie werfen mit Geld nur so um sich, kaufen Yachten zum Preis von einigen Milliarden Euro, Basketballklubs, bewohnen Paläste am Mittelmeer und sie tragen brillantenen und goldenen Schmuck. Um den morgigen Tag brauchen sie sich keine Sorgen zu machen. Wozu auch…

Karl Marx: Kapitalismus – das ist Habgier, Gewalt und Krieg

Das Leben bestätigt die Worte des genialen Karl Marx – wo Kapitalismus herrscht, dort gibt es auch eine Klassenspaltung der Menschen in Reiche und Arme, Herren und Sklaven, Unterdrücker und Unterdrückte, Satte und Hungrige. Der Kapitalismus führt zu Ungleichheit und Ungerechtigkeit, zu Armut und Elend. Er ist schuld am Rassenhaß, an nationaler und religiöser Feindschaft. Wo Kapitalismus herrscht, dort gibt es Habgier und Grausamkeit, Gleichgültigkeit und Mitleidlosigkeit, Gewalt und Kriege, Blut und Tränen.

Was nützen solche Gewerkschaften?

Die Spannungen im Land nehmen zu – Streik, Arbeitsniederlegungen und Hungerstreik. Die Arbeiter stellen Forderungen, mehrmonatige Lohnrückstände endlich auszuzahlen, sie wehren sich gegen die Höhe der kommunalen Gebühren, sie fordern, die Insolvenz des Unternehmens zu verhindern usw.. Der ökonomische Kampf trägt hauptsächlich spontanen und friedlichen Charakter. Das ist auch sehr wichtig, und man darf das nicht unterschätzen. Erfolge dabei zu erzielen ist nicht einfach. Der Staat hat viele Gesetze geschaffen, um Proteste im Keime zu ersticken. Und die Gewerkschaften mit Schmakow [1] sind beim Kampf keine Unterstützung. Sie kleben den Behörden schon seit langem am Maul.

…nicht durch gutes Zureden, sondern durch Druck!

Mit ökonomischen Kämpfen kann man allerdings noch keine grundlegenden Veränderungen erreichen. Die Arbeiter müssen verstehen, daß es keinen Sinn hat, um den Lohn zu bitten. Den eigenen Verdienst und den der Kollegen muß man einfordern. Und nicht durch gutes Zureden, sondern durch Druck. Wenn eine Gesellschaftsordnung auf dem Privateigentum an Werkzeugen und Produktionsmitteln beruht, wenn in einer Gesellschaftsordnung eine Minderheit die Mehrheit unterdrückt und ausbeutet und wenn die Mehrheit hungert und eine Minderheit sich auf deren Kosten bereichert, dann muß man eine solche Gesellschaftsordnung vernichten.

Die Macht der Arbeiterklasse

Der Führer der russischen Arbeiterklasse Wladimir Iljitsch Lenin schrieb, daß man den Staatsapparat, der auf der Verteidigung einer solchen Gesellschaftsordnung besteht, „von oben bis unten zertrümmern und zerbrechen muß, um die Diktatur des Proletariats zu verwirklichen, um von der bürgerlichen Demokratie zur proletarischen Demokratie überzugehen”. [2] Er fürchtete sich nicht, zu sagen, daß „alle wichtigen Fragen der Politik überhaupt nicht durch das Stimmrecht, sondern durch den Bürgerkrieg entschieden werden, wenn die Geschichte die Diktatur des Proletariats auf die Tagesordnung gesetzt hat.“ [3]

Was wollen die Kommunisten?

Die Kommunisten haben nicht nur Rußland, sondern die ganze Welt als strategisches Ziel. Deshalb wenden sie sich an sie mit der Losung „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ Und die Arbeiter Rußlands müssen nach der Arbeit nicht zum Fernseher oder in die Bierstube gehen, sondern zu den Kommunisten. Im „Manifest der kommunistischen Partei“ wird gesagt: „Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung. Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu gewinnen.“ [4]

Irkutsk. 23. Februar 2019.

(Übersetzung: Florian Geißler)

[1] Michail Wiktorowitsch Schmakow (*1949); Vorsitzender des Bundes der unabhängigen Gewerkschaften Rußlands.
[2] W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1984, Bd.29, S.502.
[3] ebd. S. 503.
[4] Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei.In: Werke Dietz Verlag Berlin, 1977, Bd.4, S.493.

pdfimage  Ljubow Pribytkowa: Leben in Russland


Nachgelegt.

Nun braucht sich hier natürlich niemand die Hände zu reiben und mit Fingern auf andere zu zeigen. Auch in der BRD gibt es Kapitalismus. Es gelten freilich ein paar andere Bedingungen als in Rußland. Niemand hat die BRD mit Sanktionen unter Druck gesetzt, nirgends funktioniert die Meinungsmanipulation so perfekt wie in der BRD, kaum ein anderes kapitalistisches Land hat so brutale Exportmethoden und Einkünfte durch Billiglohnländer, die für deutsche Firmen produzieren, wie die BRD, nirgends auf der Welt werden so viele Milliarden Euro ausgegeben, um einen so gewaltigen Verwaltungsapparat am Laufen zu halten, wie die deutsche Bürokratie, kaum ein Land der Welt hat so schön herausgeputzte Dörfer und Städte wie unser Land – kein Wunder, wenn Migranten ein Leben in Deutschland allen anderen Ländern vorziehen. Doch auch hier wird die Arbeiterklasse ausgebeutet, auch hier gibt es Armut, auch hier gibt es Gewalt, Mobbing, Ausländerfeindlichkeit, Haß und Kriminalität. Und wem das nicht gefällt, der sollte sich mit anderen unterhalten, denen es genauso geht…

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7 Antworten zu Ljubow Pribytkowa: Was wird der morgige Tag uns bringen?

  1. Eleonore Kraus schreibt:

    Erst einmal meinen allerherzlichsten Dank für einen Einblick in das heutige Russland, zurückgeschmissen in Zeiten, die man überwunden glaubte. „Glauben kannst du in der Kirche“, dass sind die Worte eines Kommunisten und ich bin froh, dass er das wofür er gekämpft, gelitten, gefoltert wurde nicht mehr erleben muss: Im „Grab würde er sich umdrehen.“

    In unserem Land ist der Notstand vieler Menschen groß und die „Soziale Frage“ muss gestellt werden, insofern schwierig, weil der MSM, der verlängerte Arm von Politik und Kapital alles so hindrehen, dass die gesellschaftliche Wirklichkeit, nur für die sich widerspiegelt, denen es gut geht und der bittere Rest, immerhin bis 10 Millionen Niedriglöhner, (der größte Sektor in der EU) wird vergessen, unter den Teppich des Kanzleramts, (ein roter Teppich), das versteht sich von selbst, gekehrt und die Lebenswirklichkeit der Alten, Kranken, der Kinder, und der Obdachlosen vertuscht, und verheimlicht werden, Für das Jahr 2019 liegt die Schätzung, der WH bei ca. 1 Millionen Betroffener, von denen ca. 50.000 immer, also das ganze Jahr auf der Straße leben, in Parks und stillgelegten Bahnhöfen und Brücken übernachten, wo sie um Leib und Leben fürchten müssen. „Jeder ist seines Glückes Schmied,“ „Selber schuld,“ wer kennt nicht diese sinnentleerten, dämlichen Sprüche?

    Die „Agenda 2010,“ ein Sozialkahlschlag, wie er schlimmer für Millionen von Menschen, nicht hätte sein können, sie wurden in eine bodenlose Existenzangst und Krise gestürzt, mit unüberschaubaren Konsequenzen, bis jetzt. Sicher weiß man heute, wieviele seelische Erkrankungen durch die Situation sich entwickeln konnten, wieviele Kinder an der Situation der Eltern leiden, denn denen kann man schlecht sagen: „Selber schuld,“ zumal die Schulen ihrem Auftrag nur halb gerecht werden, da sie die Probleme an die Eltern zurückgeben.

    Erwähnt werden muss die Kranken- und Altenpflege, die katastrophalen Bedingungen in den Pflegeheimen, die Not vieler alter Mitmenschen alleine zu leben, da die Kinder meist in anderen Städten wohnen und die Isolation ist für viele unerträglich, so zieht Alkohol und Medikamente in das Leben nicht weniger ein und gestorben wird meist allein. In den Heimen fehlt die Zeit für den Menschen wirklich da zu sein, ihm zuzuhören, ihm die Hand zu halten, ihn trösten, wenn er es braucht, ein freundliches Wort…..Meine Kollegen in der Pflege verdienen 30% weniger als die, die in den Krankenhäusern arbeiten. Große Töne spuckt Meister Spahn, 13.000 neue Stellen in der Pflege, seit langer Zeit im Gespräch, nur das ist noch nicht einmal für jede Einrichtung eine Stelle, sondern eine Mogelpackung und das wir Ruhe geben sollen doch die Zeiten sind vorbei.

    In der langjährigen päd. Arbeit und Sozialarbeit ist ein Thema besonders schwerwiegend für die Betroffenen zu gewichten, nämlich das der Arbeitslosigkeit, wo man in einem Teufelskreis, in einer Zwangsjacke steckt und trotz strampeln , in die Isolation, in die Armut und in die Krankheit gestoßen wir und weiter kämpfen muss, um diesen unwürdigen Ort wieder verlassen zu können. Die Solidarität darf nicht vergessen werden.

    Arbeitslosigkeit und Armut wurden privatisiert. Armut hat kein Gesicht, bleibt ein Randthema und die Politik kann damit „keinen Blumenpott“ gewinnen und so wird es den Betroffenen überlassen einen Weg zu finden im gnadenlosen Kampf ums eigene Überleben. Es ist der mörderischen Kapitalismus, der das Heer von Arbeitslosen produziert.

    Neoliberaler Dreck ist seit den neunziger Jahren in die Herzen und Köpfe vieler Menschen eingezogen und „Das kalte Herz“ wurde zum Mantra und die gesellschaftlichen Bedingungen veränderten sich in rasender Geschwindigkeit. Errungenschaften, die meist mit einem Blutzoll im Faschismus erkämpft wurden, hätten es wahrlich verdient, dass man sie standhafter verteidigt hätte. Künstlich erzeugte Bedürfnisse, die dieses System mit am Leben halten, lösen immer mehr die echten, menschlichen Bedürfnisse ab und machen den Menschen und alles was ihn betrifft zur Ware.

    Der Mensch ist ein gesamtgesellschaftliches, soziales Wesen und Arbeitslosigkeit ist eine Form isolierender Bedingungen der Menschen.Wenn sie nicht aufgehoben werden können, kommt es zu individuellen Verarbeitungsmechanismen, die ÜBERLEBENSNOTWENDIG sind, weil so das eigene Leben abgesichert wird. Krankheiten, Schwermut, Wesensänderungen, Rückzug, um nur einige zu nennen sind oftmals die Folgen für unsere Mitmenschen, denn Kooperation ist Teil der menschlichen Natur. Isolierende Bedingungen können krank machen.

    Entfremdung und Isolation gehören zusammen und zeigen einmal mehr, die Brutalität und die Verachtung des Menschen im Kapitalismus. Arbeitslosigkeit ist ein Gewaltakt, ein Anschlag auf die körperliche und geistige Integrität und Unversehrtheit der betroffenen Menschen. Sie ist Raub und Enteignung der Fähigkeiten, Eigenschaften und Talenten, die in Ausbildungen, in den Familien, im Studium oftmals mühsam erworben wurden. Jeder Mensch hat Fähigkeiten und Talente, die brach liegen, die verkümmern, wenn sie nicht gebraucht werden und der Mensch sich wertlos, überflüssig, an den Rand gedrängt fühlt und auch wird.

    Friedrich Engels sprach am Grab von Karl Marx in englisch am 17. März 1883 folgende Worte, (die am 18.3.1883 niederschrieb, und die am 22.3.1883 im „Sozialdemokrat“ veröffentlicht wurden): ………dass die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken und sich kleiden müssen…….

    • Emil S. schreibt:

      DDR hat Großartiges geleistet
      Wenn wir von wirtschaftlichen Ursachen reden, die den Untergang der DDR beschleunigten, dann reden wir von der Unterminierung Volkseigener Betriebe durch westliches Kapital. Das ist der wesentliche Unterschied zu den (wie Sie es nennen) Krisen früherer Jahre wie 1953 oder 1961. Was diese Krisen ursächlich gemeinsam haben, ist der westliche Einfluss, der zur massiven Abwanderung von Fachkräften führte. Wirtschaftlich jedoch hat es die DDR 1953 und auch später stets geschafft, die Bedürfnisse des Volkes zu befriedigen, siehe Wohnungsbauprogramm, siehe Versorgung mit Nahrungsmitteln usw. Hinzu kam, dass Reparationsleistungen an die UdSSR zu zahlen waren. Und hinzu kamen Verbindlichkeiten, die sich aus dem Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) sowie aus der internationalen Solidarität mit sozialistischen Bruderländern auf der ganzen Welt ergaben. Wirtschaftlich hat die DDR Großartiges geleistet, das steht völlig außer Frage!
      Emil S.

      Auch auf Junge Welt: https://www.jungewelt.de/aktuell/rubrik/leserbriefe.php?letterId=42852

  2. Emil S. schreibt:

    Mein Name ist Emil,
    1885 im zaristischen Russland geboren, war ich 30 Jahre alt als die Barbaren des deutschen Kaiserreiches über mein Heimatland herfielen. Mit dem Sieg der Oktoberrevolution begann eine lange Zeit des Friedens und ich dachte schon daß es für immer so bliebe.
    Es kam jedoch anders, mit ende 50 brachen die Schrecken des Krieges erneut über unser Land. 1942 wurde ich nach Deutschland verschleppt aber ich hatte Glück und wurde einem Bauernhof in einem kleinen Dorf in Thüringen als Landarbeiter zugeteilt. In dieser Zeit lernte ich ein bischen Deutsch und meine spätere Frau kennen. Wir waren viele der sogenannten Ostarbeiter und uns ging es verhältnismäßig gut. Nach dem Krieg bin ich in Thüringen geblieben, meine Familie in Litauen gab es nicht mehr. Eine eigene Wohnung bekamen wir nicht, aber mit meiner Frau zusammen hatte ich ein schönes Zimmer. Wir haben in der DDR geheiratet, dort eine neue Heimat gefunden und verbrachten eine glückliche Zeit bis zu unserem Ende. Meine Frau starb 1968 mit nur 66 Jahren. Vier Jahre später starb ich, fast 90 Jahre alt.
    Heute leben in diesem kleinen Dorf immer noch Leute die sich an mich erinnern und sogar unseren Grabstein pflegen. Und auch die Listen auf denen mein Name neben vielen anderen Namen der Zwangsarbeiter zu lesen ist, gehen durch die Hände junger Leute die meine Sprache sprechen.
    Sie wollen wissen wer ich war, was ich gelernt hatte und was aus meiner Familie in Litauen geworden ist. Denn mein Schicksal ist auch ihr Schicksal.

    • Emil S. schreibt:

      Nachgeforscht:
      Emil hat Mist erzählt. Denn es gibt 2 Geschichten und die andere Geschichte will einfach nicht zu Zwangsarbeit passen denn die ganze Familie (Frau und Kinder!) sind beim Umzug nach Deutschland zusammengeblieben. Das sieht eher nach einem freiwilligen Umzug aus.
      Wie wollen wir sie nennen? Umsiedler? Flüchtlinge? Asylanten? Betrüger?
      Ich habe nun eine bestimmte Vermutung aber warten wir mal ab was der Kollege aus Moskau noch so rauskriegt. Um Himmels Willen glaubt nicht alles was Flüchtlinge erzählen!

      • sascha313 schreibt:

        Emil, aus meiner Familie sind 1865 und in der Krisenzeit nach 1920 auch Angehörigen ausgewandert. Da waren die USA noch das „gelobte Land“, wo man angeblich vom Tellerwäscher zum Millionär werden konnte. Daß aber diese Propagandalüge nicht stimmen konnte, zeigte sich für viele erst später. Ähnlich mag es den Deutschen gegangen sein, die der Zar nach Rußland geholt hat – es waren Siedler, Abenteurer, Entwurzelte, vor allem aber Arbeitssuchende… Was waren das doch für die Arbeiterklasse für schlimme Zeiten! Wie heute…

  3. Pingback: Ljubow Pribytkowa: Aus den tragischen Lektionen der Geschichte muß man lernen. | Sascha's Welt

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