D.H. Pritt: Besuch in einem sowjetischen Arbeitslager

kolonija332Die Lügen und Verleumdungen über die Geschichte der Sowjetunion und insbesondere über die sowjetischen Arbeits- und Erziehungslager, nehmen kein Ende. Es ist klar, daß in den westlichen Massenmedien immer wieder vor allem Horrorgeschichten über die sowjetischen Arbeitslager verbreitet werden, um damit von den Verbrechen des Kapitalismus abzulenken und die eigene Bevölkerung zu betrügen. Die Zahlen der Strafgefangenen in den USA (aber auch in der BRD) haben im Vergleich zur DDR und den anderen sozialistischen Ländern eine astronomische Höhe erreicht. Kriminalität ist ein Wesenmerkmal des Kapitalismus. Und die Brutalität des Polizeiterrors ist nicht nur in den USA, sondern auch in anderen kapitalistischen Ländern besorgniserrregend. Wenn also hier von den Arbeitslagern in der Sowjetunion die Rede ist, so hat das eine besondere Bedeutung. Kein Zweifel, daß ein so weltweit angesehener Jurist wie der britische Kronanwalt Pritt die Tatsachen ebenso ausführlich wie wahrheitsgenmäß beschreibt.

Mahnruf Workuta

(Der bekannte englische Kronanwalt D.N. Pritt gibt hier eine Schilderung der Zustände in einem sowjetischen Arbeitslager, das er vor einem Jahr besichtigte.)

Man sagt uns, es gäbe in der UdSSR zwei, fünf, sieben, neun, ja zwölf Millionen Menschen, die in „Sklavenlagern“ schmachten würden. Jedwede Zahl wird angegeben, und ein reichlich bezahlter englischer Journalist schätzte die Zahl der in den Sklavenlagern lebenden Häftlinge sogar auf 18 Millionen!

Man möchte uns glauben machen, daß diese Lager einen alltäglichen Anblick in der Sowjetunion darstellen. Und trotzdem … kann man in diesem Land die Entwicklung das Unterrichtes, der Kunst und der Wissenschaften, die Anwendung des neuen Konstruktionsprogramms und die Erhöhung des Lebensstandards feststellen!

All dieses Gerede ist unverschämter Unsinn wie alles andere antisowjetische Geschwätz. Ich werde es beweisen.

Die Absurdität der Verleumdungen kommt in voller Klarheit an den Tag, wenn man die Feindschaft; die nach gewissen Legenden zwischen Sklaven und dem Regime bestehen soll, vergleicht mit dem Anblick der Sowjetvölker, die für ihr Land arbeiten und kämpfen, im Frieden wie Im Krieg.

1427297924_i_048In der Tat, nehmen wir an, die antisowjetischen Legenden seien wahr. Wenn es also, so w!e es die antisowjetischen Hetzer zu glauben wissen, zehn Millionen Erwachsene in diesen Lagern gibt und drei Millionen jährlich sterben, müssen alle fünf Jahre fünfzehn Millionen neue Internierte gefunden werden, um den Bestand von zehn Milnonen zu erhalten. Diese ungewöhnlichen Zahlen, welche sich auch auf Frauen und Kinder der „Sklaven“ sowie auf die Reserve der zukünftigen Häftlinge, die das System voraussetzt, beziehen würden, sagen, daß rund die Hälfte der ganzen sowjetischen Bevölkerung dem Regime abhold sei!

Stellen wir uns dann die Frage: Wie haben es die sowjetischen Bürger angefangen, während des Krieges dem Eindringling zu widerstehen, ohne nur von dem Heroismus, der Zähigkeit und dem Mut, der alles Gesehene übertrifft, und von der militärischen sowie industriellen Fähigkeit der UdSSR zu sprechen?

Vergessen Sie nicht, daß die sowjetische Industrie, sogar nachdem die .UdSSR die Wichtigsten industriellen Regionen des europäischen Rußland eingebüßt hatte, 90 Prozent des von den sowjetischen Armeen gebrauchten Kriegsmaterials erzeugt hatte. Die Anleihen an die Sowjetunion waren eine großzügige Tat; sie waren willkommen, und ihre Nützlichkeit kann nicht geleugnet werden, aber sie stellten nur vier Prozent des totalen Kriegsmaterials, das die UdSSR benötigte, dar. Auch erhielt die Sowjetunion, was Tatsache ist, weniger als die Hälfte an Anleihen, die Großbritannien erhielt.

Was ich gesehen habe

Lassen Sie mich jetzt erzählen. Was ich im Jahre 1950 gesehen habe. Ich habe von 1932 bis 1936 sowjetische Gefängnisse und Wiedererziehungsanstalten besucht, und ich habe festgestellt, daß sie mit Humanität und Intelligenz verwaltet wurden. daß man darin die Häftlinge so gut wie möglich sich selbst dirigieren ließ, daß man die kleinlichen Schikanen verhinderte, daß man endlich den Gefangenen eine nützliche Arbeit gab und sie anständig behandelte. Der wichtigste soziale Vorzug des Systems bestand darin, daß nach ihrer Freilassung der Prozentsatz der Rückfälligen sehr klein war.

Aber mein erster Besuch in einem Besserungsarbeitslagers fand im September 1950 statt.

Ich muß zunächst genau angeben, wieso die Leute in ein solches Lager kommen. Es werden dahin nur diejenigen gebracht, die eines Verbrechens von gewöhnlichen Gerichten für schuldig befunden waren und in der Folge eine sehr lange andauernde Strafe erhalten hatten. Dies, damit ihr Aufenthalt im Lager Chancen von befriedigender Wiedererziehung gäbe. So gar in diesem Fall werden die schwersten Verbrechen mit gewöhnlicher Haft bestraft, denn das Gefängnisregime wird als strenger betrachtet als dasjenige der Arbeitslager.

Frauenarbeitslager1Ende September besuchte ich das Lager von Krukowo, Es befindet sich rund 40 Kilometer von Moskau, nahe an der Straße und der nach Leningrad führenden Eisenbahnstrecke, auf dem Punkt, wo sich der deutsche Eindringling im Herbst 1941 Moskau am meisten genähert hatte. Es besteht aus Backsteingebäuden, die in einer Linie stehen. Es sieht gewöhnlich aus, ist mit einem Gitter umgeben und nimmt eine Fläche von rund einer halben Million Quadratmeter ein. Im Innern wohnen 1000 Häftlinge, 700 Männer und 300 Frauen, die meisten vierzigjährig, die Strafen von fünf bis zehn Jahren absitzen.

Das Lager ist in zwel Teile geteilt: das Aufenthaltsquartier und die Fabrik. In der Fabrik arbeiten die Häftlinge: sie haben dort soviel Bewegungsfreiheit wie jeder Fabrikarbeiter, nicht mehr und nicht weniger. In ihrer Freizeit müssen sie im anderen Teil des Lagers sein und selbstverständlich im Abschnitt, der ihrem Geschlecht vorbehalten ist. Aber sie haben jedwede Bewegungsfreiheit in der Kantine, im kleinen Klub, im Lesesaal, im Garten und in der Genossenschaft.

Jeder Sträfling hat 15 Tage Urlaub

Die Schlafsäle besitzen harte, in zwei Reihen aufgestellte Betten. Sie sind sauber, luftig und geruchlos, und man bemerkt Zeichen von Komfort, wie zum Beispiel die mit Vorhängen behangenen Fenster. Die Gefangenen können Bettüberzüge und andere von zu Hause kommende persönliche Gegenstände erhalten. Die Frauen selbstverständlich besitzen deren mehr als die Männer. Die Häftlinge stellen in den Zimmern Marmeladegläser auf, die aus dem Garten stammende Blumensträuße enthalten; es gibt einige Tische sowie einen für die Schachspieler reservierten Platz.

Die qualifizierten Arbeiter und jene, die fünfzehn Tage Ferien haben, auf welche jeder Häftling jährlich Anrecht hat, lebten in bequemeren und werniger gedrängten Schlafsälen. Die Aborte waren sauber, wie es sich geziemt, und ebenfalls geruchlos.
Jeder Arbeiter nimmt ein Bad und wechselt die Wäsche alle zehn Tage oder, wenn er eine schmutzige Arbeit zu verrichten hat, täglich oder alle zwei Tage.

KolonijaFür ihre Zerstreuung gibt es eine Vereinigung für Theaterliebhaber sowie andere Vereinigungen, Zeitungen, Bücher, Rundfunk und Konferenzen; die Vortragenden werden durch das Zentralinstitut von Moskau dort hingeschickt, wie es dieses Zentralinstitut für jedwedes Publikum durchführt.

Die Zelt, die die Häftlinge im Aufenthaltsteil des Lagers verbringen, ist vielleicht ein wenig eintönig, aber nicht unerträglich, und tagsüber gewahrt man nur selten einen Aufseher, außer demjenigen, der die Tür kontrolliert, die das Aufenthaltsquartier vom Fabriksektor trennt.

Es gibt nur 40 Wächter

für tausend Häftlinge. Auch werden einige Gefangene als Hilfswächter gebraucht; man schenkt ihnen Vertrauen, das sie nachdem was man mir gesagt hat, nicht mißbrauchten. Einige der Häftlinge arbeiten außerhalb des Gefängnisses, begeben sich von Zeit zu Zeit zu ihrer Arbeit und kehren unbeaufsichtigt zurück. Aber die meisten unter ihnen verbleiben im Lager, sogar während der Ferien.

Die Fabrik produziert verschiedene Gegenstände aus Aluminium, Autoschilder, Löffel und Gabeln, Becher, kleine Platten, verschiedene Behälter, Siegerpokale usw. Männer und Frauen arbeiten miteinander neun Stunden pro Tag (an Stelle von acht Stunden, wie dies außerhalb des Lagers geschieht) und sechs Tage pro Woche für Löhne, die fast Normallöhnen ebenbürtig sind. Die meisten arbeiten im Stücklohn.

15 Prozent des Verdienstes der Häftlinge werden zurückbehalten, um Ihnen als Ersparnisse bei ihrer Entlassung übergeben zu werden; eine andere Summe wird ihnen monatlich zurückbehalten, um ihre normalen Lebensmittelrationen zu bezahlen. Der Rest, der

wöchentlich zwei Pfund Sterling

beträgt (das sind ungefähr 112 Schilling), steht dem Gefangenen zur Gänze zur Verfügung. Dieses Geld kann er nach Hause schicken; er kann es sparen, weitere Nahrung damit kaufen oder es in der Kantine des Lagers in Schokolade, Zigaretten, Weißbrot oder andere Kleinigkeiten umwandeln.

Die Nahrung ist gut. Dies bezieht sich auf die Menge wie auf die Mannigfaltigkeit der Lebensmittel, die durch die Verordnung festgesetzt werden. Ich konnte es selbst in den Kantinen bei der Verteilung feststellen.

Das Lager besitzt ein kleines Spital, und Aerzte betreuen hier alle Krankheitsfälle, die schwersten ausgenommen (die Aerzte wechseln einander von Zeit zu Zeit ab). Die Gesundhelt der Häftlinge, hat man mir angegeben, sei genau so wie diejenige derer, die außerhalb des Lagers arbeiten.

Die Gefangenen können schreiben sowie Briefe und Besuche, die sie wünschen, erhalten. Sie haben das Recht, ihre Beschwerden dem Direktor persönlich vorzulegen. Sie können ihm auch schriftliche Reklamationen zukommen lassen: die Antwort muß ihnen in den drei darauffolgenden Tagen erteilt werden. Wenn sie sich beim Ministerium, daß sich ihrer annimmt, beklagen wollen, muß der Direktor ihren Brief, ohne daß er vorher geöffnet wurde, dem. Ministerium zuschicken und letzteres muß darauf antworten.

Jeder Fall wird sehr häufig nachgeprüft, um zu sehen, ob das Betragen des Gefangenen zum Beispiel einen sechsmonatigen Nachlaß verdient. Es besteht auch eine Verordnung, nach welcher Gefangene mit guter Führung vorfristig entlassen werden können unter der Bedingung, daß sie eine angegebene Stadt bewohnen und daß sie sich eine bezeichnete Fabrik während einer Zeit, die mit dem Rest ihrer Strafe übereinstimmt, als Arbeitsplatz aussuchen. In letzterem Fall besitzen sie jedwede Freiheit, die Verpflichtung, am bezeichneten Ort zu verbleiben, ausgenommen.

Mein allgemeiner Eindruck war, daß das Lager mit Menschlichkeit und Verständnis verwaltet wurde, daß die Disziplin darin strikt, aber nicht brutal war, daß das Lagerleben eintönig, aber nicht schwer war, daß es vielmehr erträglich und besser als das Leben Millionen „freier Menschen“ in gewissen anderen Ländern war. Schließlich konnte ich feststellen, daß die Sowjetunion die Kriminalität schneller heilte als die meisten der anderen Länder. ·

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Quelle: „Der Neue Mahnruf“ – 4. Jahrgang Nr. 10, Oktober 1951.

Anmerkung:

Denis Nowell Pritt (* 22.September 1887 – † 23.Mai 1972) war britischer Jurist und Politiker. Er war seit 1918 Mitglied der Labour Party. 1927 wurde er Kronanwalt (King’s Counsel). 1935 bis 1940 war er Parlamentsabgeordneter der Labour Party. Pritt wurde 1940 wegen der Befürwortung des Einmarschs der Roten Armee in Finnland aus der Partei ausgeschlossen und war von 1940 bis 1950 parteiloses Parlamentsmitglied. 1933 war Pritt Vorsitzender der „Internationalen Untersuchungskommission zur Aufklärung des Reichstagsbrandes“, des sogenannten „Londoner Gegenprozesses“ zum Leipziger Reichstagsbrandprozeß. Pritt erhielt 1954 den Internationalen Stalin-Friedenspreis und wurde 1957 zum Ehrenbürger der Stadt Leipzig ernannt. 1965 wurde er mit dem Stern der Völkerfreundschaft in Gold geehrt. Er war Mitglied der Internationalen Vereinigung Demokratischer Juristen und Ehrendoktor der Lomonossow-Universität Moskau (1961)

Schriften:

  • Light on Moscow (1939)
  • Must the War Spread? (1940)
  • Federal Illusion (1940)
  • Choose your Future (1940)
  • The Fall of the French Republic (1940)
  • USSR Our Ally (1941)
  • India Our Ally? (1946)
  • Revolt in Europe (1947)
  • A New World Grows (1947)
  • Star-Spangled Shadow (1947)
  • The State Department and the Cold War (1948)
  • Spies and Informers in the Witness-box (1958)
  • Liberty in Chains (1962)
  • The Labour Government, 1945–1951 (1963)
  • Neo-Nazis, the Danger of War (1966)
  • The autobiography of D.N. Pritt. Lawrence & Wishart, London 1965–1966
    • I. From right to left.
    • II. Brasshats and bureaucrats.
    • III. The defence accuses

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34 Antworten zu D.H. Pritt: Besuch in einem sowjetischen Arbeitslager

  1. Ulrich Schliz schreibt:

    Gibt es diesen text auf englisch?

  2. Thom Ram schreibt:

    Wieder mal hochinteressant, das. Vielen Dank für die Veröffentlichung!

    Ist es okay, dass ich den gesamten Beitrag übernehme und in bb raushänge?
    https://bumibahagia.com/2019/03/05/d-h-pritt-besuch-in-einem-sowjetischen-arbeitslager/

    • sascha313 schreibt:

      Selbstverständlich, Thom! Ich habe lange gesucht, um an russische Quellen heranzukommen.

      Diese hier hat mir J.W. zur Verfügung gestellt. In Rußland betreibt die Stiftung „Memorial“ eine antikommunistische Seite. Sie wird von den Russen aber vor allem wegen der umfangreichen Datenbank genutzt – auf der Suche nach ihren Angehörigen, die von den Faschisten verschleppt oder ermordet wurden.

      • Thom Ram schreibt:

        Prima.
        Danke, Sascha. Wir machen ja nicht Blog für Klick, wir machen Aufklärung, so gut wie uns möglich ist.

        Dass du erfolgreich forschest, bewundere ich. Ich bin in diesem Leben forscherig wenig talentiert.

      • sascha313 schreibt:

        Ich bin’s auch nicht, Thom. Aber ich habe in den letzten 10 Jahren mehr gelesen, als all die Jahre vorher. Und jetzt lese ich auch die Bücher aus der Sowjetunion und der DDR mit anderen Augen, verstehe vieles und sehe die Zusammenhänge viel deutlicher.

        Ach, was hatten wir doch in der DDR für ein sorgloses und freies Leben. Ljubow Pribytkowa hat vollkommen recht und Schäuble lügt, wenn er sagt: „Die Geborgenheit innerhalb nationaler Grenzen gibt es nicht.“ – Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (76, CDU) … Er lügt, denn wir hatten Geborgenheit in der DDR!

      • Thom Ram schreibt:

        Lieber Sascha, wir sind hier es bitzeli off topic. So es dich nicht stört, würde ich von dir gerne hören, inwieweit du / die Deinen euch durch den Stasi eingeschränkt fühltet.

        Dazu muss ich sagen: Deutschland war mir zeitlebens wichtig. Als wir am Radio hörten, dass man mit Mauerbau beginne, stellten sich meine Rückenhaare. 88 schaffte ich es, ich reiste (Vorwand) auf den Spuren Bachs Eisenach Weimar Leibpzig, per Motorrad (als Schweizer durfte ich das).

        Was ich sah und erlebte, entsprach meinen Erwartungen. Freundliche Menschen, gastfreundlich auch, graue Häuser, im Restaurant keine Freiheit bei der Platzwahl (hihi), aber gesamthaft eine Art von Deutschland in deutschem Sinne.

        Mein bester Freund, in Berlin lebend, Jahrgang 54, der ist/war Ossi, war Koch. Seine Erzählungen haben mir eine bunte freie Kindheit gezeigt.

        Also Stasi. War da Angst vor Bespitzelung?

      • sascha313 schreibt:

        Naja, Thom… „Stasi“, das ist ja auch so ein Begriff wie „Mauer“,“Eiserner Vorhang“, „Ostzone“ oder „Ost-Berlin“ usw. aber sei’s drum…. Damit wird heute die Sprache genauso manipuliert, wie mit „es macht Sinn“ (it makes sense)

        Ich glaube, ich hatte es schon mal irgendwo geschrieben – wir waren in der DDR irgendwie erleichtert, als 1961 die Grenze endlich zugemacht wurde. Natürlich gab es in vielen Familien Verbindungen nach dem Westen, teils „Geflüchtete“, teils Reste der Familie usw. Und daher hatte wohl jeder schon mal irgendwie mit dem MfS Kontakt. Nicht, daß es ungewöhnlich war, man wußte das ja nicht. Sonst gäbe es ja auch keine Staatsgeheimnisse. Aber was wir wußten (oder zumindest konnte man das bei uns in der Zeitung immer wieder lesen) – es gab Verbrechen, Sabotage, Entführung, Boykott, Währungsbetrug, Grenzverletzungen, die von westlicher Seite in und gegenüber der DDR begangen wurden.

        Und was ich heute weiß: Es gab im Westen eine unglaubliche Hetze und Verleumdung gegenüber der DDR (und nicht nur über den RIAS). Die Mitarbeiter des MfS waren für uns also nicht etwa „gefährlich“ (wie auch ein Polizist für uns nicht „gefährlich“ war). Aber ich glaube, die Wachsamkeit gegenüber der BRD allgemein und gegenüber dem Imperialismus hatte sehr nachgelassen. das Eigentümerbewußtsein (das Klassenbewußtsein der Arbeiterklasse) war in einen sanften Schlummer gefallen. Aber auch das war natürlich kein Zufall! Was ich sagen will – wir lebten im Sozialismus in sozialer Sicherheit und Geborgenheit, obwohl das in der westlichen Welt bei weitem keine Selbstverständlichkeit war.

        Ich kann mich noch erinnern, wie hatten zu Hause bis 1956 die „Sowjetunion“, eine große, prächtig bunte sowjetische Illustrierte – danach nicht mehr. Heute weiß ich, daß der Verrat schon damals begann, als mit Chruschtschow ein Antikommunist an die Spitze der KPdSU gelangt war. Ich war in fast allen sozialistischen Ländern damals. Das war durchaus nicht ungewöhnlich, denn eine Reise z.B. in den Kaukasus oder nach Ungarn kostete nicht viel mehr als ein Monatslohn. Nach Ungarn viel weniger. Und bei den sozialen Leistungen der DDR konnte man sich gut etwas beiseite legen und sparen, was heute in einer Famuilie nicht mehr möglich ist. Du weißt, daß ein Fünftel der BRD-Bürger in der Armutszone leben (vor allem Kinder) – und ich weiß wovon ich rede. Also kurz und gut. „Stasi“ war für ich nie ein Problem – wer ein Problem damit hatte, der hatte meist schon vorher auch ein Problem mit den Gesetzen der DDR oder gehörte zu denen, die abseits standen, unauffällig waren und sich nie beteilgt hatten am Aufbau – und die dann als erste schrien: Wir sind ein Volk!

        Also – nichts gegen Abschweifungen – wir können ja nunmal leider schlecht beisammensitzen und locker reden, obwohl das ja immer einfacher ist und schöner wäre…

      • Thom Ram schreibt:

        Sascha, du setzest mir Puzzleteile ein, welche mir wichtig sind. Vielen Dank.
        Was die BRD betrifft…ich meine, für einen auf Bali lebenden ehemaligen Orgelisten und Mulscheister recht gut informiert zu sein. Ein einziger Punkt von einem Dutzend nur: Was an der umgeleiteten Spree über die Bühne geht, ist Show, aufgeführt von sehr gut bezahlten, handverlesenen Akteuren, ist Ablenkung in Reinkultur.

        Frage an dich, Sascha. Weisst du mehr? War das beschriebene Lager ein Vorzeigeobjekt? War es repräsentativ für die russischen Lager damals?

      • sascha313 schreibt:

        Thom – ich war ja sehr oft in der UdSSR, in vielen Gegenden das Landes, und Russisch hatten wir in der Schule gelernt. Man hätte uns also niemals ein X für ein U vormachen können. Und wenn Du z.B. heute Bücher von John Reed, Sayers/Kahn, Georges Soria oder W.H.Braun liest, die länger in der UdSSR gelebt haben, dann wirst Du feststellen, daß es im großen und ganzen dort eine ziemliche Offenheit gegeben hat, und einen großen Enthusiasmus für den Aufbau des Sozialismus!

  3. Hanna Fleiss schreibt:

    Thom Ram, falls du Wert auf meine Meinung zur Tätigkeit des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS) legen solltest: Ich habe das MfS immer als einen Schutz gegenüber dem, was da aus der BRD herüberschwappte, empfunden. Ich kannte nämlich Westberlin noch aus meiner Kindheit sehr gut, habe als Kind den ganzen Antikommunismus erlebt und war froh, dass diese Leute hinter der Mauer eingesperrt waren. Da wurde ja immer geredet, wir seien eingesperrt – nein, wir haben die ausgesperrt! Das hatten sie sehr wohl begriffen. Angst hatte ich niemals, obwohl ich den Ruf des MfS in Teilen der Bevölkerung kannte (es wurde ja allerhand dummes Zeug gemunkelt) und wusste, dass es in meinem Betrieb auch eine Abteilung Sicherheit gab, und ich kannte sogar einige Mitarbeiter. Nichts da mit irgendwelchen Vorstellungen von fürchterlichem Geheimdienst mit Wasserfolter, wie das heute dargestellt wird. Natürlich, wer der DDR feindlich gegenüberstand und dies auch aktiv betrieb, hatte schon allen Grund, seine Befürchtungen zu haben. Und das war gut so! Das MfS war nach meinem Eindruck sehr gut informiert, was zum Beispiel ökonomisch und politisch in der DDR lief, vielleicht sogar besser als Günter Mittag, der für die Wirtschaft der zuständige Mann war und auf den sich Erich Honecker zu sehr verlassen hatte.
    Und wenn ich allein daran denke, was Rainer Rupp im Auftrag des MfS für den Frieden getan hat, steigt meine Achtung vor dem MfS immer mehr. Die Herrschenden wussten schon, wem sie ihre Niederlagen verdankt hatten. Dass dann aber zum Beispiel Markus Wolf die Seiten wechselte – das habe ich nie begriffen, konnte mir das nur damit erklären, dass für ihn die Sowjetunion unter Gorbatschow noch immer die Sowjetunion war, ohne die die DDR nicht existieren konnte.

    Heute läuft das doch genau umgekehrt. Heute habe ich wirklich Angst vor Leuten vom Geheimdienst, das sind Verbrecher, schließlich sind das alles Geheimdienste des Klassenfeinds, also auch meine Feinde – und das in einem Staat, in dem ich niemals mehr leben wollte. Ich hatte bereits als Kind von ihm genug! In meinen Kindheitserinnerungen beschreibe ich, warum das so war. Und ich bin der DDR wirklich sehr dankbar, dass sie mich davor beschützt hat.

    • Thom Ram schreibt:

      Danke, Hanna, für deine Illustration, für deine Ergänzung.

      Du kannst dir leicht denken…ich bin Schweizer, war der Westindoktrination ausgesetzt von Kindesbein an. Erste Zweifel an der Wahrheit der Darstellungen in Medien und Schulbüchern kamen mir erst im Alter von fuffzich, lange Jahre erst ma sachte sachte.

      Mit Vergnügen revidiere ich restliche falsche Vorstellungen vom Leben in der DDR.

      Angst vor Geheimdienst und you Rist ik. Monika Schaefer. Udo Ulfkotte. Und so weiter.
      Ich selber sass vorletzten Dezember, in der Schweiz ankommend, direkt ab Flugzeug willkommen geheissen, für 30 Stunden im Hotel zur gesiebten Luft, drückte dann 2000 Kröten ab. Weil ich Rass ist sei (Thema Gen oh zieht an you den, „verübt“ durch Teutsche). Harmlos, während des Erlebens allerdings schon einigermassen äh irritierend. Ich bin kleiner Fisch. Doch immerhin interessant, wie kleiner Fisch behandelt wird.

      • sascha313 schreibt:

        Danke, Thom, für alles – für Deine Offenheit! Und auch Hanna, vielen Dank!

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Thom Ram, das hätte mir genauso gehen können, wenn meine Eltern nicht im Dezember 1949 in den sowjetischen Sektor gezogen wären. Wir wurden vom Hausbesitzer exmittiert. Denn mein Vater arbeitete im sowjetischen Sektor, meine Mutter auch, und (das beschreibe ich auch in den Kindheitserinnerungen) es war so, dass die DDR nicht das volle Gehalt in Westmark zahlen konnte, sondern nur 40 Prozent. Für die anderen 60 Prozent haben wir eine Querstraße weiter im sowjetischen Sektor eingekauft. Aber die 40 Prozent Westmark reichten nicht für alle Abgaben für die Wohnung (die Gehälter waren ja damals sehr klein), und so entstanden Mietschulden. Und da mein Vater Kommunist war und das in der ganzen Straße bekannt war, kannst du dir vorstellen, mit welcher Freude der Hausbesitzer uns auf die Straße setzte: drei Kinder, das jüngste kein Jahr alt. Wir kriegten dann in Köpenick (sowjetischer Sektor) eine sehr schöne Wohnung, für mich war sie das Paradies: ein Bad und Balkon! Daran hätten wir in Westberlin niemals denken können. Und die Miete war wirklich sehr niedrig: 53 Mark. Diese 53 Mark hatte meine Mutter bis in die siebziger Jahre bezahlt, bis sie umzog. Ich habe das meiner Mutter immer gesagt: Dass wir 49 nach Köpenick gezogen sind, war das Beste, was ihr uns Kindern antun konntet.

    • Johann Weber schreibt:

      Thom Ram „Also Stasi. War da Angst vor Bespitzelung?“

      Warum immer gleich die Frage Stasi? Warum nicht ein Blick auf die Staatssicherheitsorgane aller Alt-BRD-Regierungen? Weil die Parteien keinen müden Euro bezahlen würden, wenn jemand über diese vielen dunklen Punkte der Alt-BRD aufklären würden.

      Wie wichtig das Ministerium für Staatssicherheit (Mfs oder Stasi) für die Menschen in der DDR war, aber auch für die Menschen in der Alt-BRD oder andere Europäische Staaten, ist aus dem Bericht von Franz Josef Strauß in seinem Buch „Die Erinnerungen“ von Franz Josef Strauss Seite 380-388 zu entnehmen. Die NATO plante Atombombenabwürfe auf das Gebiet in der DDR. Er bedankte sich ausdrücklich für den Bau der Mauer um Westberlin.
      Unter dem Kapitel „Berlinkrisen und Mauerbau“ schreibt Franz Josef Strauß:

      „Die Gespräche im NATO-Hauptquartier in Paris sind in kurzen Abständen wiederholt und fortgesetzt worden. Eines Tages kam Foertsch zu mir – es muß nach der Auseinandersetzung mit den Engländern gewesen sein, bei der sich die Franzosen im übrigen ziemlich zurückhaltend gaben -, um mir aufgeregt das Neueste aus dem NATO Hauptquartier zu berichten. An dem Gespräch nahmen meiner Erinnerung nach noch General Schnez und Staatssekretär Hopf teil. Für den Fall, daß der von den Amerikanern geplante Vorstoß zu Lande nach Berlin von der Sowjetunion aufgrund ihrer Überlegenheit aufgehalten werde, hätten die USA die Absicht, so Foertsch, bevor es zum großen Schlag gegen die Sowjetunion komme, eine Atombombe zu werfen und zwar im Gebiet der DDR. Ich fragte nach: »Im Gebiet der Sowjetunion?« Nein, so die Antwort, im Gebiet der DDR.

      Die Amerikaner brachten diesen Gedanken ernsthaft ins Gespräch was schon daraus hervorgeht, daß sie uns nicht nur allgemein gefragt haben, sondern daß sie von uns wissen wollten, welches Ziel wir empfehlen. Das war die kritischste Frage, die mir je gestellt wurde. Ich sagte “ diese Verantwortung könne niemand übernehmen. Ein Ziel wie Hiroshima oder Nagasaki komme, so meine eiserne Position, nicht in Betracht, damit würden wir uns trotz eines eventuellen Erfolges, nämlich Erzwingung der Zugänge zu Berlin, eine solche politische Last auferlegen, daß der Preis in keinem Verhältnis stünde zum Ergebnis. Es war dann von einem russischen Truppenübungsplatz die Rede, auf der große Mengen russischer Truppen konzentriert waren. Wenn diese Atombombe präzise geworfen und wenn sie einen begrenzten Wirkungsradius haben würde, dann wären die Opfer unter der Zivil-Bevölkerung weitgehend auf die Menschen beschränkt, die auf diesem Truppenübungsplatz arbeiteten. Einen Truppenübungsplatz, den ich kannte, habe ich namentlich genannt – ich war dort im Jahre 1942 eine Zeitlang bei der Aufstellung einer neuen deutschen Panzerflakeinheit. Dies erschien mir, wenn es schon dazu kommen mußte und wir Amerikanern nicht in den Arm fallen konnten, unter den gegeben Übeln das geringste zu sein, obwohl es noch immer schlimm genug war. Der amerikanische Gedanke eines Atombombenabwurfs auf einen sowjetischen Truppenübungsplatz hätte, wäre er verwirklicht worden den Tod von Tausenden sowjetischer Soldaten bedeutet. Das wäre der Dritte Weltkrieg gewesen. Die Amerikaner wagten einen solchen Gedanken, weil sie sehr genau wußten, daß die Sowjets damals nicht über präzise treffende und zuverlässig funktionsfähige Interkontinentalraketen verfügten, auch nicht über einsatzgenaue Mittelstreckenraketen, die in Stellung zu bringen gewesen wären. Der Krieg hätte weitgehend in Europa stattgefunden, und zwar als konventioneller Krieg, dem die USA eine nukleare Komponente hinzufügen konnten.
      Solche Überlegungen sind am Sonntag, dem 13. August 1961 zum Glück Makulatur geworden.“

      Einige Seiten weiter:
      „Bei der Betrachtung der Berlinkrise, wie sie sich anbahnte, wie sie sich dramatisch zuspitzte, wie sie abklang, ist meine Bewertung, die ich als Verteidigungsminister vor bald dreißig Jahren getroffen habe, aktuell geblieben. Ich hätte nur gewünscht, daß die Alliierten wenigstens den Versuch machten, jenseits der Sektorengrenze tätig zu werden, den zuerst gezogenen Stacheldrahtzaun niederzuwalzen und den Mauerbau zu verhindern. So aber habe ich in dem ganzen Ablauf der Krise eine Bestätigung der Torheiten der Amerikaner gesehen. Gravierende Irrtümer, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit zu den Fehleinschätzungen und Fehlern der amerikanischen Politik geführt hatten, trugen 1961 immer noch ihre schlimmen Früchte.“

      Hier ein Beispiel, wie in der Alt-BRD in Betrieben ein Vertreter des Verfassungsschutzes ein festes Büro hatte und mit Geschäftsleitung, Personalchef, Betriebsräten, Gewerkschaften zusammenarbeiteten um die von den Alt-BRD-Regierungen des Kommunismus verdächtigen Mitarbeiter zu entlassen und vor Gericht zu zerren. Folgen: Fast immer Arbeitsplatzverlust, geächtet und viele gingen ins Gefängnis.

      „VERFASSUNGSSCHUTZMOSAIK – EINIGE STEINCHEN
      ZUR AKTIVITÄT DES VERFASSUNGSSCHUTZES
      IM BETRIEBLICHEN UND GEWERKSCHAFTLICHEN
      BEREICH
      I. Vorfälle in Bremen und überall in der Bundesrepublik

      „Ein Artikel in der Illustrierten „Der Stern“ vom 19.7.1979 (Nr.30/1979) berichtet unter dem Stichwort Verfassungsschutz aus Bremen: „Unter dem Vorwand Kampf gegen den Linksextremismus werden seit über einem Jahrzehnt alle Kandidaten der Wahlen überprüft, auch wenn sie etwa der CDU nahestehen. Kontaktmann zu den Sicherheitsbeauftragten und Personalchefs der großen Firmen ist Oberinspektor Steel. Er sammelt die Listen mit allen Kandidatennamen ein, wenn auf der Krupp-Werft AG Weser, bei Siemens, bei den Vereinigten Flugtechnischen Werken, bei der Vulkan-Werft, bei Radio Bremen, der Bremer Straßenbahn oder der Tageszeitung „Weser-Kurier“ der Betriebsrat gewählt wird. Die Namen werden dann zur Abteilung 5 „Registratur und Datenverarbeitung“ gegeben. Hier steht ein Eingabegerät des Verfassungsschutz-Computers „Nadis“. …
      Über jede Betriebsratswahl wird eine „S-Akte“ (Sachakte) angelegt. Taucht der Name eines Kandidaten zum zweitenmal auf, so wird für diesen eine „P-Akte“ (Personen-Akte) angelegt. Hier landen dann auch die Informationen, die dem Verfassungsschutz über V-Leute zugetragen werden. Liegen dem Amt über die Betriebsratskandidaten schon Erkenntnisse vor, so werden die Firmenleitungen darüber von Oberinspektor Steel vertraulich informiert.“ [..]

      http://de.scribd.com/doc/45317146/Nordbruch-Der-Verfassungsschutz

      Ich kann Hanna Fleiss nur zustimmen. Obwohl ich in Bayern geboren bin, kann ich heute feststellen wie wichtig das Mfs für die Menschen in der DDR war. Ich musste aber erst in Rente gehen um diese menschenverachtenden Attacken aller Alt-BRD-Regierungen gegen die Menschen in der DDR zu verstehen.

      Folge: Die antikommunistische Mauer, die mir durch den von Adenauer verordneten Antikommunismus eingehämmert wurde, hat sich in Luft aufgelöst. Erst wenn dieser verdammte Antikommunismus nicht mehr in unseren Köpfen verankert ist, dann sind wir in der Lage unabhängig unsere gemeinsame deutsche Geschichte aufzuarbeiten.

      • sascha313 schreibt:

        Danke, Johann Weber, für diesen Blick „von der anderen Seite“ Uns wirft man immer vor, wir hätten doch „die Mauer“ gebaut. Und heuchlerisch werden die „armen Brüder und Schwestern in der Zone“ (die DDR-Bürger) immer wieder bedauert, wie unfrei wir doch gewesen seien. Und dabei war es ein Riesen-Glück für uns, daß wir mit dem ganzen herrschenden Nazi-Gesindel im Westen nichts mehr zu tun hatten….

        Ach, und „Bespitzelung“ – wie ist das denn heute? Das ist doch millionenmal schlimmer! – Der Antikommunismus ist heute sowas wie eine „Lebensversicherung“ des versumpfenden und vermodernden Kapitalismus … doch eine Police ohne Deckung! Denn die Wahrheit des Kommunismus ist stärker als alle noch so fein gesponnenen Lüfgen der Apologeten des Kapitalismus.

      • Johann Weber schreibt:

        Nachtrag. Ich lese gerade das Buch „Die Killer lauern“ von Julius Mader, Deutscher Militärverlag Berlin 1961. Auf Seite 171 informiert Walter Ulbricht die Öffentlichkeit über die Bombenabwurfziele auf das Gebiet der DDR:

        „Über die Kette der Mißerfolge ihrer Spitzenspione beunruhigt, schickte der NATO-Stab direkte Geheimdienstoffiziere auf den Kriegs­pfad in die Deutsche Demokratische Republik. Was gedungenen Agenten nicht gelang, sollten nunmehr sie selbst an Informationen besorgen, auf die man in Bonn und Paris so sehnsüchtig wartet. Auch sie bissen aber auf Granit. Die Staatssicherheitsorgane der Deutschen Demokratischen Republik haben bereits kurz darauf, im Frühjahr 1960, Offizieren ameri­kanischer und englischer Militärmissionen, die besonders im Gebiet von Karl-Marx-Stadt Spionage trieben, höchst aufschlußreiche Kar­tenmaterialien abgenommen.

        So wurden von der amerikanischen Offiziersgruppe unter dem USA-Major Ramundo insgesamt 79 und von der britischen Aufklärergruppe unter Brigadegeneral Packard 122 Landkarten sichergestellt. Auf diesen Generalstabsmeßtischblät­tern waren bereits Absprungstellen für Luftlandetruppen, Lande­plätze für Spezialflugzeuge und andere militärisch höchst wichtige Angaben eingetragen.

        Am 19. Juli 1960 erklärte Walter Ulbricht auf einer internationalen Pressekonferenz in Berlin: „Bei dem bei amerikanischen und engli­schen Missionsangehörigen vorgefundenen Kartenmaterial gibt es Einzeichnungen über die Erkundung wichtiger Industrieobjekte, Kraft­werke, Umspannwerke, Hochspannungsleitungen, Versorgungsspei­cher, Silos, Wasserversorgungsanlagen, Dränage- und Kanalisations­systeme. Von den Offizieren, sowohl von den amerikanischen wie auch von den englischen, wurden in den Räumen von Magdeburg, Halle, Cottbus und anderen Gebieten der DDR Absprungstellen für Fallschirmspringer aufgeklärt und im Kartenmaterial verarbeitet. In den Räumen von Magdeburg, Halle und Cottbus wurden Lande­flächen für Flugzeuge aufgeklärt und kartenmäßig verarbeitet. Auf­geklärt wurden im Gebiet der DDR Bombenabwurfziele. […]

      • Thom Ram schreibt:

        Der Kommunismus so, wie ich ihn verstehe, ist eine menschenfreundliche Idee.
        Was alles unter Flagge „Kommunismus“ inszeniert wurde, war nicht so ganz das Ideale.

      • sascha313 schreibt:

        Lieber Thom, Du schreibst: „Was alles unter Flagge „Kommunismus“ inszeniert wurde, war nicht so ganz das Ideale.“ – Was soll ich Dir darauf antworten? Wir wissen selbst, daß die Lebensbedingungen bei uns nicht ideal waren. Und Du kannst sicher sein, daß ich Dir hier nicht die Taschen vollhaue. Aber warum erscheinen heute fast täglich in den Zeitungen und in Kommentaren solche einspaltigen kleinen Nachrichten über die DDR wie: „Die STASI hat doch alles getan um den Untergang der DDR bestmöglichst zu beschleunigen.“
        „Da herrschte organisierte Gewalt“ (gemeint ist in DDR-Spezialkinderheimen), „13 Priester beschuldigt“ (wo? – natürlich in Ostdeutschland!), „Die STASI war maßgeblich daran beteiligt, westliches Kapital in der DDR anzusiedeln, um damit die Volkseigenen Betriebe zu unterminieren und die Privatisierung voranzutreiben“, „Als der Weltkrieg endete, überlagerte Brutalität die Aufbruchstimmung“ – und das kommt 30 Jahre nach dem Ende der DDR??? Warum nicht gleich? Es gab dazu bisher weder ein Gerichtsurteil, noch einen einzigen Beweis. Es sind Behauptungen, die heute keiner mehr überprüfen kann. Die Unschuldvermutung wird ausgehebelt (wie Dr. Schacht schon feststellte). Doch wozu das alles? – Es kann und darf in den Augen der Bourgeoisie, der herrschenden Kapitalistenklasse, nicht die Spur von etwas Gutem bleiben, was man über die DDR sagen kann. Es ist pure Hetze. Und man geht davon aus – irgendetwas wird schon hängenbleiben. Goebbels läßt grüßen…

        Gab es einen Sozialismus in der DDR?

        „Der Sozialismus ist die erste oder niedere Phase der kommunistischen Gesellschaftsformation“ Jugendlexikon Philosophie (VEB Bibliogr.Institut Lpz. 1987, S.173) –

        Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste, immer weitertreibende Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.

        Der nächste Zweck der Kommunisten ist derselbe wie der aller übrigen proletarischen Parteien: Bildung des Proletariats zur Klasse, Sturz der Bourgeoisherrschaft, Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat. Die theoretischen Sätze der Kommunisten beruhen keineswegs auf Ideen, auf Prinzipien, die von diesem oder jenem Weltverbesserer erfunden oder entdeckt sind.

        (Manifest der Kommunistischen Partei)

  4. tommmm schreibt:

    aus der Jungen Welt von heute….bezüglich „Mauer“ oder geschlossener Grenze:

    „Im Westen Venezuelas hoffen viele Menschen derweil darauf, dass die seit dem 22. Februar geschlossene Grenze zu Kolumbien noch möglichst lange blockiert bleibt. »Würde heute jemand eine Umfrage machen, würden 70 oder 80 Prozent dafür stimmen, dass die Übergänge zu bleiben«, zeigt sich Migalys, eine Basisaktivistin aus dem Grenzort San Cristóbal, im Gespräch mit junge Welt überzeugt. Seit die Schmuggelrouten nach Kolumbien versperrt seien, könne man auf dem Markt wieder Gemüse kaufen, die Preise seien gefallen – Fleisch und Eier kosteten mittlerweile zwischen einem Viertel und einem Drittel weniger als vor der Grenzschließung. Sogar der öffentliche Nahverkehr funktioniere seitdem wieder regelmäßiger, weil kein Benzin mehr gestohlen werde, um es über die Grenze zu bringen.“

  5. tommmm schreibt:

    Das klingt alles sehr plausibel. Der entscheidene Unterschied zum Kapitalismus ist meiner Meinung nach die Zeit nach der Strafe. Während es in den USA zurück in die „Bronx“ geht, ohne Aussicht auf eine sinnvolle Perspektive, gab es im Sozialismus immer die Möglichkeit wieder ein normales Leben zu führen, da man ja sofort eine Arbeitsstelle bekam.

  6. Thom Ram schreibt:

    Nichts mache ich schlecht. Wahrheiten will ich.
    Es ist überflüssig, mir erzählen zu wollen, welche Zustände in der BRD herrschen. Ich bin recht genau im Bilde.
    Wenn ich nach Zuständen in der DDR frage, so darum, weil ich meine, dortens Bildungslücken zu haben, obschon oder gerade weil ich mich auch damals für das geteilte Deutschland innig interessierte. Gerade weil? He ja, ich sass natürlich der Westpropaganda auf, zu 100%, damals.

    • sascha313 schreibt:

      Thom, ich habe gestern im einem Sozialkaufhaus, wo DDR-Bücher landen, die bei Haushaltsauflösungen gefunden werden, einen sehr schönen Bildband über die DDR gefunden. Glücklicherweise gibt es Menschen, die Bücher noch zu schätzen wissen. Und weil einem doch so manches in Vergessenheit gerät, habe ich mich doppelt gefreut, meine Heimatstadt so zu sehen, wie ich sie kannte. Heute existiert das fast alles nicht mehr. Die Betriebe sind weg, die Städte überaltert und leer, weil die Jüngeren immer noch wegziehen, ganze Wohngebiete mit Tausenden Neubauwohnungen wurden abgerissen, dafür werden privatisierte Villen (die in der DDR mal Kinderheime waren) aufs Schönste saniert – als Geldanlage sozusagen, dann werden ein paar „altersgerechte“ Immobilien hingebaut… (und wer zieht da rein? Wessis, denen die Mieten im Westen zu hoch sind…)

      Wie oft höre ich von Leuten, die mal in der DDR gelebt haben, daß ihnen da die Tränen in den Augen stehen. Und das ist nun wirklich keine Nostalgie, keine Schwärmerei unter der Überschrift: „Früher war alles besser“. Ich hatte selbst eine sehr schöne, unbesorgte Kindheit. Aber – ich schrieb es schon – was man heute täglich in den Zeitungen serviert bekommt, sind Geschichten von Leuten, die unser Land gehaßt haben (und noch immer hassen), weil ihnen der ganze sozialistische Weg nicht gepaßt hat. Sie haben die Arbeiter verachtet und waren im Grunde schon immer Feinde des Sozialismus, also gegen das, wofür Generation gekämpft haben und – wenn man die Sowjetunion nimmt: gefallen sind: einfache Menschen, Arbeiter, oft unendlich fleißige Menschen! Und diese einfachen Menschen waren diesen Hassern zuwider. Und natürlich kamen (und kommen) solche DDR-Hasser den Kapitalisten wie gerufen…

      Und hier noch: Ein Tag im Leben der DDR

      • Thom Ram schreibt:

        Lieber Sascha,
        ich glaube dir und ich fühle mit, dein Bekenntnis rührt mich.
        Ich schrieb bereits, dass ich 88 in der DDR war (ohne dass ich auch nur eine Nase dortens gekannt hätte), ich weise nochmal darauf hin um zu illustrieren, wie sehr mich Gesamtdeutschland interessierte, mehr, faszinierte, ein Leben lang.
        Und so suche ich nun seit Jahren zu ergründen, was in den Grundzügen 33-45 (und Folgejahren…) geschah, welche Kräfte wirkten, und so interessierte und interessiert mich eben auch, was denn in der DDR wirklich vor sich ging.
        In meiner Berlinzeit lernte ich einen ehemaligen Stasi Major kennen. Ein ausgesprochen weicher Mann, das Gegenteil dessen, was „man“ sich unter einem „kalten gehorsamen Sturbeamten“ vorstellt. Er wurde selber immer wieder sehr kritisch überprüft von seinen Kollegen. Was besagt mir das? Nichts. Man hätte dabei sein müssen, um wahre Grundtendenzen erkennen zu können.

        Glaube mir, ich bin der erste, der halleluja denkt, wenn sich die Spur, wonach die breit angelegte Bespitzelung der Bürger Westpropaganda sei, zur Wahrheit führte. Und glaube mir, ich halte das für durchaus möglich, ja für wahrscheinlich…da ich nun mal verd mehr als nume es bitzeli Ahnung von der Krake Westpropaganda = NWO Diener habe.

        Die Mehrzahl meiner Berlin-Freunde sind ehemalige DDRler. Das fiel mir schon vor 15 Jahren auf. Ich fragte mich, warum. Irgendwie sowas wie „echtere Kerle“.
        Wir schaffen das Thema hier nicht, nicht über ein paar Kommentare. Und doch bin ich dir für weitere Hinweise schon im Voraus dankbar. Eine Spur hast du mir gelegt. Ich danke dir.

    • Johann Weber schreibt:

      Thom Ram, waren Ihnen auch diese Gefahren bekannt, denen die Menschen in der Alt-BRD und in der DDR ausgesetzt waren?
      In der Berliner Zeitung (Ost) vom 24.1.1953 konnten die Menschen in der DDR lesen, von welchen ungeheuren Gefahren sie bedroht waren. Ob dies die Menschen in der Alt-BRD wussten?

      Todesstaub und Gas über Deutschland
      New York (Eig. Ber.). Mit einer von den zynischsten Kriegsplänen bisher nicht erreichten Brutalität hat der Militärexperte der „New York Times“. Hanson W. Baldwin in der „Saturday Evening Post“ weitere Einzelheiten über die Taktik der „verbrannten Erde“, die bei Verwirklichung der USA-Kriegsvorbereitungen in Westdeutschland zur Anwendung kommen soll, veröffentlicht. Aus Westdeutschland als dem „Zentralabschnitt Westfront“ soll nach den Darlegungen Mr. Baldwins im Anschluß an den Überfall auf „Gebiete östlich der Elbe“ (!) ein mit Atombomben und Giftgas verseuchtes Rückzugsfeld (!) werden.

       „Ein Teil unserer Taktik“, schreibt Baldwin, „ist die Sprengung aller Tunnels, aller Straßenübergänge. Unterführungen und Brücken. Diese Zerstörungen sind bereits im einzelnen geplant und vorbereitet. Wichtige Brücken in der amerikanischen Zone Deutschlands stehen heute schon zur Zerstörung bereit.“ Als wichtigen Teil dieser Taktik bezeichnet er „Sabotageaktionen durch vorher geschulte Untergrundorganisationen“ und droht mit neuen Vernichtungswaffen. Seiner Ansicht nach müßte sich ein „lückenlos vergaster Gürtel quer über die ganze norddeutsche Tiefebene“ spannen. Von der Wasserstoffbombe prahlt Baldwin, „daß mit ein wenig Kobalt im Kopf der Bombe riesige Gebiete derart mit Radioaktivität angefüllt werden können, daß alles menschliche Leben in diesen Gebieten vernichtet wird.“

      • Thom Ram schreibt:

        Johann Weber 21:00

        Nein, dies war mir bislang nicht bekannt.

        Wohlbekannt aber ist mir eine, sag ma logische Fortsetzung, dass nämelich auf deutschem Boden Anglikaner stationiert sind mit Gewehr und Handgranat, von dir, den Deinen und deinen deutschen Mitbürgern bezahlt. Und dass so mehr oder mehr 100 Raketlis mit Atömli Bombelis bestücket auf deutschem Gebiet stationiert sind, leicht geneigt in Richtung der Lande der Russen, was zur Folge hat, dass Russen im Falle eines verrückten atomaren Angriffes des Waffenarmes der NWO – Vordenker, also von Seiten der US auf Russland – Russland als aller erste Massnahme vernünftigerweise diese zirka 100 A Basen auf D Boden zerstören müssten, womit Deutschland endgültich zu Täuschland würde, nämlich mehr oder weniger zu Stein und Staub.

        Unsere lieben Spezis unter den Anglikanern, ja, ich meine zieh oh nisten, seit so einigen Zeiten belieben sie, in Europa die Menschen dazu anzustiften, sich gegenseitig zu zerfleischen. Ein paar Millionen Russen, ein paar Millionen Deutsche, vor Jahrhunderten Millionen per Pest, oh, nicht nur auserwählte Russen und Deutsche, auch alle anderen Länder waren betroffen.

        Sie sind auf verlorenem Posten, die lieben zieh oh nisten. Zu viele sind erwacht aus tiefem Schlaf und sagen: Ups. Hallo. Wo bin ich da gelandet. Was wird da mit mir angestellt. Nö, da mache ich nicht mit. In Frankreich sind dies 99,9% der Gelbwesten. (0,1%) sind bezahlte Infiltrierer. Deutsche, mittels Schuldkomplex paralysiert (Mein Ururgrossvater war schuld an WKI, mein Grossvater war Schuld an WKII sowie natürlich selbstverständlich wir wissen das alle alle alle am geh no zieht eines seit Jahrtausenden besonders ungerechterweise verfolgten Völkleins)), geht eben nicht auf die Strasse, stürmt nicht die Gebäude der hochbezahlten Volks s ver Rat er an der umgeleiteten Spree, man könnte urteilen: Feiglinge…ich tue Solches nicht, ich kann meistens nachvollziehen, was wer warum tut und nicht tut.

      • Thom,

        du suchst immernoch den Gärtner, meinst ihn aber im Bock gefunden zu haben.

        Der Zionismus ist eine völkisch-rassistische Nationalbewegung mit nationalistischer Ideologie und hat sich erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts gebildet und sich politisch erst am 29. August 1897 auf dem Zionistenkongress in Basel formiert. Wie sollen also die Zionisten bereits “vor Jahrhunderten mit der Pest Millionen“ ermordet haben?

        Was du geschrieben hast, ist nichts als die Wiederholung der abscheulichen mittelalterlichen Mär vom Juden als Brunnenvergifter.

      • sascha313 schreibt:

        So ist es. Wer nicht aus der Geschichte lernen will, hat nur zwei Möglichkeiten: Rückzug in den Elfenbeinturm und Philosophische Nabelschau oder die gleichen Dummheiten nochmal….

    • Emil S. schreibt:

      Nur mal ein schönes Beispiel: Tiefensee protzt damit rum, daß ein neues Unternehmen in Thüringen 120 Arbeitsplätze schafft. Ich guck meine Frau an, die schüttelt den Kopf und meinte nur: 120 ist ein Witz. Soviele Kollegen saßen in meinem VEB bereits beim ersten Durchgang zur Frühstückspause im Speisesaal!

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