Der aufrechte ungarische Kommunist Mátyás Rákosi

Matyas_RakosiMátyás Rákosi [ˈmaːcaːʃ ˈraːkoʃi] war ein hervorragender ungarischer Politiker und Revolutionär. Über zehn Jahre lange (1945-1956) war er der Vorsitzende der Ungarischen Kommunistischen Partei (die sich 1948 in Ungarische Arbeiterpartei umbenannte). Kurz vor dem faschistischen Putsch in Ungarn und den zügellosen Massakern an ungarischen Kommunisten gelang ihm die Emigration in die Sowjetunion, in der er bis zu seinem Tode im Jahre Jahre 1971 lebte und seiner kommunistischen Überzeugung treu blieb. Kurt Gossweiler schreibt über ihn: „Rákosi, das ist die tragischste Gestalt der revolutionären Kommunistischen Bewegung. Es wird sich einmal ein sozialistischer Shakespeare finden, um die Menschen zu erschüttern mit der Darstellung der Tragödie dieses Mannes, den eine 16-jährige Haft in den Kerkern des Horthy-Faschismus nicht zu zerbrechen vermochte und der am Ende seines Lebens gefällt wurde nicht im offenen Kampf, sondern von einer Verschwörung, die er selbst sah, ohne von ihr sprechen zu können; der sich selbst beschuldigen mußte, obwohl er die wahren Schuldigen kannte; der bereit war, als Revolutionär, der er immer war, selbst seine revolutionäre Ehre zu opfern, in der Hoffnung, dadurch das Verhängnis aufhalten zu können.“ [1]  

SEIN LEBEN

Máthyás Rákosi (Rosenfeld), geboren am 9. März 1892,  war das sechste Kind einer armen jüdischen Familie. Während des Ersten Weltkrieges kämpfte an der Ostfront, wo in Gefangenschaft geriet und der Ungarischen Kommunistischen Partei (UKP) beitrat. Nach Ungarn zurückgekehrt, nahm an der Regierung von Béla Kun teil und übernahm in der Ungarischen Räterepublik [2] die Funktion eines Stellvertreters des Volkskommissars für Handel und gesellschaftliche Produktion. Nach einem konterrevolutionären Putschversuch und dem Einmarsch rumänisch-ungarischer Truppen nach Ungarn errichtete der österreichisch-ungarische Admiral Miklós Horthy ein faschistisches Regime, unter dem zwischen Sommer 1919 und Ende 1920 während des sogenannten „Weißen Terrors“ von den Truppen Horthys und ihnen nahestehenden Freischärlern (z.B. denen des berühmt-berüchtigten Pál Prónay) bis zu 5.000 Personen zum Teil bestialisch ermordet wurden. [3] Rákosi konnte in die Sowjetunion entkommen.

POLITISCHE TÄTIGKEIT – JAHRE IM FASCHISTISCHEN KERKER

In 1921-1924 Jahren war Mátyás Rákosi Sekretär der Kommunistischen Internationale. Im Dezember 1924 kehrte er nach Ungarn zurück, nahm an der Wiederherstellung der Ungarischen Kommunistischen Partei [4] teil. Im September 1925 wurde er vom Militär verhaftet, vor Gericht gestellt und vom Staatsanwalt, der zuvor die Todesstrafe gefordert hatte, jedoch aufgrund internationaler Proteste (darunter auch von Romain Rolland) zu acht Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Freilassung 1934 wurde er erneut verhaft und 1935 zur lebenslänglicher Haft im Zwangsgefängnis verurteilt. In Oktober 1940 tauschte ihn die Regierung der Sowjetunion gegen die von Rußland bei der Niederschlagung der ungarischen Revolution in den Jahren 1848-49 erbeuteten Ehrenbanner ein. 1940-45 leitete Rákosi in Moskau das Auslandsbüro des ZK der Ungarischen Kommunistischen Partei.

AN DER SPITZE DER PARTEI

Nach der Befreiung Ungarns vom Faschismus im Februar 1945 kehrte er nach Ungarn zurückt und führte die kommunistische Partei Ungarns. Er war bis Juni 1948 Generalsekretär des ZK der UKP. Nach der Vereinigung der UKP mit der sozialdemokratischen Partei zur Ungarischen Vereinigten Arbeiterpartei (UVAP) [4], von Juni 1948 bis Juni 1953 war er Generalsekretär, und bis Juli 1956 1. Sekretär des ZK der UVAP. Außerdem war Rákosi 1945-1952 Stellvertretender Vorsitzender, und 1952-1953 Vorsitzende des Ministerrats der Ungarischen Volksrepublik. Unter seiner Führung wurde die Politik der Nationalisierung der Wirtschaft und die beschleunigte Kooperation in der Landwirtschaft durchgeführt. Rákosi war ein Verteidiger der Politik Stalins und ein Freund der Sowjetunion.

DIE JAHRE DANACH

Nach dem berüchtigten ХХ. Parteitag der KPdSU wurde Rákosi als Generalsekretär des ZK der UVAP abgesetzt und aus dem Politbüros des ZK der UVAP ausgeschlossen. 1962 wurde er gänzlich aus der Partei ausgeschlossen. Von 1956 an lebte Mátyás Rakosi in der UdSSR – in Krasnodar, Tokmak (Kirgisische SSR), Arzamas und in Gorki. Bis zu seinem Lebensende blieb er seinem marxistisch-leninistischen Klassenstandpunkt und seiner Haltung zu Stalin treu. Er starb am 5. Februar 1971 in Gorki.

Rakosi_Kornilowa

Mátyás Rákosi war verheiratet mit der namhaften jakutischen Juristin Feodora Fjodorowna Kornilowa [6], der Tochter des berühmten jakutischen Musikwissenschaftlers und Komponisten Fjodor Grigorjewitsch Kornilow. Feodora Fjodorowna war eine bemerkenswerte Frau. Sie beherrschte mehrere Fremdsprachen, darunter Ungarisch, war Mitglied des Obersten Sowjets die UdSSR und arbeitete als Juristin in der Staatsanwaltschaft der RSFSR und war maßgeblich an der Freilassung Mátyás Rákosis aus der ungarischen Haft beteiligt. Sie teilte sein tragisches Schicksal bis zu seinem Tode und starb 77-jährig im Jahre 1980.

Quelle: Общединение коммунистиов Азербайджана

[1] Kurt Gossweiler: Die Taubenfußchronik oder Die Chruschtschowiade 1953-64 (Bd.I), Verlag zur Förderung der wissenschaftlichen Weltanschauung, München, 2002, S.106.
[2] Magyarországi Szocialista Szövetséges Tanácsköztársaság: die Ungarische Sozialistische Föderative Räterepublik existierte von März bis Ende Juli 1919; Ungarn war das zweite Land der Welt, in dem ein Rätesystem errichtet wurde.
[3] Vgl. dazu Béla Bodó: Actio und Reactio. Roter und Weißer Terror in Ungarn 1919–1921. In: Christian Koller und Matthias Marschik (Hg.): Die ungarische Räterepublik 1919. Innenansichten – Außenperspektiven – Folgewirkungen. Promedia Verlag, Wien 2018, S. 69–82.
[4] Die Ungarische Kommunistische Partei – Magyar Kommunista Párt (MKP) wurde am 5. November 1944 in Szeged gegründet.
[5] Die Ungarische Arbeiterpartei – Magyar Dolgozók Pártja (MDP) vereinigte sich mit der Sozialdemokratischen Partei – Szociáldemokrata Párt (SZDP)
[6] Vgl. Феодора Ракоши – первая леди Венгрии. (russ.)

Siehe auch:
Матьяш Ракоши (Aserbajdzhanische Kommunisten – russ.)
A RÁKOSI-PER (ungarisch) – Pro Rákosi. Zeitgenössische Dokumente (Budapest 1950)

pdfimage 04627 Pro-Rákosi (als pdf-Datei)

Der faschistische Putsch in Ungarn (1956)
Der angebliche „Volksaufstand“ in Ungarn 1956
Islamische Kommunisten: Matyas Rakosi (engl.)

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3 Antworten zu Der aufrechte ungarische Kommunist Mátyás Rákosi

  1. Don_A schreibt:

    „Kurz vor dem faschistischen Putsch in Ungarn und den zügellosen Massakern an polnischen Kommunisten gelang ihm die Emigration in die Sowjetunion“
    wie das denn? polnische und nicht ungarische?

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