Liebe, Ehe, Sex im Sozialismus? Gab es das überhaupt?

FamilieWenn man heute, angeregt durch die – achso! – moralbeflissenen Hüter der gesellschaftlichen Ordnung in den Zeitungen aktuell immer wieder von Vergewaltigungen, von Kindesmißbrauch und sexuellen Übergriffen lesen muß, so sind das doch typische Erscheinungsformen einer degenerierten, verfaulenden Gesellschaft – der Gesellschaft des Kapitalismus. Um aber von der Gegenwart abzulenken, werden haarsträubende Lügen über die DDR erfunden, werden nicht nur ehemalige Lehrer und Erzieher der DDR, ja sogar DDR-Bischöfe unter Generalverdacht gestellt. Und so liest man beispielsweise in schön-idiotischer „Gendermanier“ Schlagzeilen wie diese: „Ein Staat, der seine Bürger*innen bis unter die Bettdecke bespitzelte“, oder: „Raub, Totschlag, Morde gab es [in der DDR] selbstredend. Ebenso massenhaft sexuelle Gewalt, vor allem an Kindern und Jugendlichen“, oder noch unvergleichlich zynischer:  „Torgau, das Guantánamo für Kinder“ – ohne jeden Beweis, ohne jedes gerichtliche Urteil und ohne auch nur eine Spur von Realitätssinn…


Gleiches und Ähnliches wurde ja auch schon von der Pseudo-Gedenkstätte Hohenschönhausen behauptet, bis man eingestehen mußte, daß die sogenannten „Greueltaten der DDR“, reine Erfindungen waren; man sah sich schließlich gezwungen, zu erklären, daß „Fakten genannt werden, die wissenschaftlich nicht belegt sind.“ [1]  Doch wir schweifen ab! Der Kapitalismus benötigt die Lüge ebenso wie die Schönrednerei, um sein menschenverachtendes System zu kaschieren und jedweden Protest gegen ihn im Keime zu ersticken – oder, wenn es gar nicht anders geht, in falsche Bahnen zu lenken, wie die Proteste Jugendlicher gegen die Umweltverschmutzung…


Wenden wir uns nun den Tatsachen zu. Der französische Journalist und Sachbuchautor Georges Soria (1914-1991) – „Trotskyism in the service of Franco“ (1938), Grande histoire de la Commune“ (1970/71) schreibt, wie hier im folgenden aus eigenem Erleben, was alle diejenigen bestätigen können, die die Sowjetunion und ihre Menschen kannten – und damit ein Beispiel, das ebenso für die DDR seine Gültigkeit besaß:

Welche Rolle spielt die Liebe im Leben der Sowjetjugend?

von Georges Soria (geschrieben 1951)

Das ist eine von den Fragen, auf deren Beantwortung junge Menschen besonders gierig zu sein pflegen. Und was ist natürlicher, als daß man wissen möchte, wie andere lieben, wenn man selbst verliebt ist? Nur bringt mich diese Frage naturgemäß ein wenig in Verlegenheit. In der Tat verdanke ich alles, was ich über das Verhalten der Sowjetjugend in ihren Liebesbeziehungen weiß, nur zufälligen Freundschaften, vertraulichen Mitteilungen, belauschten Gesprächen in Eisenbahnzügen und Autobussen und jenen Begegnungen, die man eben in einer großen Stadt wie Moskau hat. Man wird unter diesen Umständen verstehen, daß es für mich schwierig ist, auf eine so heikle Frage eine gültige Antwort zu geben. Bis auf einige Unterschiede – und wir werden gleich sehen, welche – scheint mir das Verhalten der Sowjetjugend fast das gleiche zu sein wie das der westeuropäischen Jugend.

Mit Zurückhaltung in intimen Dingen

Wenn die sowjetischen Burschen die Freuden der Liebe entdecken, empfinden sie für den Gegenstand ihrer Leidenschaft das gleiche Entzücken, sind berauscht und meinen, „den Boden unter den Füßen zu verlieren“ – genau wie die französische, italienische oder englische Jugend. Soweit ich beobachten konnte, schienen die jungen Russen es jedoch nicht so eilig zu haben, ihre erste Liebesnacht zu erleben, wie die Jugend in den romanischen Ländern. (Sicherlich ist diese Zurückhaltung irgendwie durch das kühlere Klima und den strengeren Lebensrhythmus in dem osteuropäischen Raume bedingt, wie anderseits in den wärmeren Ländern – von den Tropen ganz zu schweigen – ein Mädchen ja mit 15 Jahren schon geschlechtsreif wird. Daß aber diese Faktoren allein ausschlaggebend wären, wage ich nicht zu behaupten. Schließlich kann ich diese delikaten Fragen hier auch nicht erschöpfend beantworten.)

Romantisch und ohne Geheimnistuerei…

Diese „romantische“ Liebesauffassung, die in einer ziemlich großen Zeitspanne zwischen dem Erwachen der Liebesgefühle und der Aufnahme sexueller Beziehungen zum Ausdruck kommt, scheint mir bei der Sowjetjugend viel verbreiteter zu sein als bei der Jugend kapitalistischer Länder. Sollte das nur durch klimatische Faktoren zu erklären sein, unter deren Einfluß in einem rauheren Klima der Geschlechtstrieb später erwacht? Ich meine das nicht. Sicher spielt das alles eine Rolle, ist aber nicht allein ausschlaggebend. Wahrscheinlich erklärt sich diese „romantische“ Auffassung der Sowjetjugend von der Liebe auch aus einer Erziehung ohne „Tabus“ [2] und ohne jene Formen religiösen Zwanges, die in den westeuropäischen Ländern die Entschleierung des Geschlechtlichen eher verfrühen als sie hinauszuzögern, sei es auch nur, weil man diese nicht zu unterdrückende und natürliche physische Aktivität mit solcher Geheimnistuerei umgibt.

Fortschrittliche Aufklärung in der Sowjetunion

In der Sowjetunion wurden auf dem Gebiet sexueller Aufklärung große Fortschritte erzielt. Knaben und Mädchen werden in der Schule ohne falsche Scham über die Fortpflanzung des Lehens in der Tier- und Pflanzenwelt unterrichtet. Diese Themen umgeht man nicht mit törichtem Schweigen, wie beispielsweise noch heute in Frankreich, wo man selbst in der Abiturientenklasse nach dem Studium der Anatomie und Physiologie des menschlichen Körpers schamhaft die Seite über die Organe der sexuellen Fortpflanzung überschlägt, obwohl die Funktion dieser Sexualorgane, über die zu sprechen man scheinheilig vermeidet, nur allzuoft bereits von den jungen Leuten enträtselt wurde. [2] Es erübrigt sich wohl, auf die Vorteile eines solchen Systems sexueller Aufklärung hinzuweisen.

  • Erstens einmal ist es dadurch ausgeschlossen, daß die Enthüllung der Geschlechtsbeziehungen solche hemmende Verstörungen auslöst, wie dies in Westeuropa bei vielen jungen Burschen und Mädchen der Fall ist. Daher gibt es in der Sowjetunion viel weniger sexuell gestörte Menschen als in Ländern, wo es „Tabus“ [3] gibt und wo man bei der Erziehung der Jugend die sexuellen Probleme stillschweigend übergeht.
  • Ein zweiter Vorteil von nicht zu übersehender Wichtigkeit ist es ferner, daß die sexuelle Aufklärung die Gefahr der Perversion beträchtlich verringert. Nach dem, was mir die sowjetischen jungen Leute sagten, sind ihre sexuellen Beziehungen normal, ohne jene Komplikationen und Entartungen, die man häufig in den Geschlechtsbeziehungen von Liebespaaren im Westen feststellen kann. Auch hier hüte ich mich davor, richten zu wollen. Ich glaube aber, alle Beobachter des Sowjetlebens, die jungen Menschen nahekamen und sie über diese Dinge reden hörten, waren beeindruckt von dem, was man den „gesunden“ Charakter der Beziehungen zwischen Burschen und Mädchen nennen kann.

Ein Liebesleben frei von Zynismus und Brutalität

Mir ist unter anderem aufgefallen, daß das Liebesleben der Sowjetjugend vollkommen frei von jenem Zynismus, jener Brutalität war, die manchmal in Westeuropa so bezeichnend für die Beziehungen junger Mädchen und Burschen sind (da Mann und Frau sozial nicht gleichgestellt sind), und um derentwillen so unnützerweise Tränen vergossen werden. Es gibt auch keine unnötige Ziererei bei den jungen Mädchen, kein Trachten, die näheren Beziehungen zu einem Mann zu komplizieren.

…im Gegensatz zur tendenziösen Propaganda

In der „romantischen“ Liebe der Sowjetjugend dominieren die großen und starken Gefühle, ohne daß dies dem Geschlechtstrieb, der von einem gewissen Moment ab glühend auflodert, Abbruch tut. Ohne Zweifel stellen die gemeinsamen sozialen Bestrebungen, das erhebende Gefühl, sein Lehen dem Aufbau einer neuen Welt zu widmen, die Liebesbeziehungen der Sowjetjugend auf ein höheres Niveau – ganz im Gegensatz zu dem Bild, das eine tendenziöse Propaganda von der Sowjetunion zu geben bemüht ist, wonach dort Männer und Frauen ihre Zeit damit verbringen, ihr Leben lang den Partner zu wechseln.

Eine neue, sozialistische Moral

Es scheint mir nicht unangebracht zu sein, in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß es auch in den ersten Jahren nach der Revolution nur eine kleine anarchistischc Minderheit war, welche sexuelle Ausschweifung mit sexueller Freiheit verwechselte, die „freie Liebe“ predigte und praktizierte. Die werktätigen Massen in den Städten und auf dem Lande blieben davon unberührt, Dieses Phänomen – eine Begleiterscheinung der durch die Oktoberrevolution in der Struktur des Landes hervorgerufenen Umwälzungen – war nur eine Ausnahme und ebensowenig kennzeichnend für das allgemeine Verhalten sowjetischer Männer und Frauen in ihren Liebesbeziehungen, wie gegenwärtig die sexuellen Sitten der „Keller-Ratten“, der Existenzialisten von Saint-Germain-des Prés, deren Sitten weder die von Paris noch die von Frankreich sind.

Lenin im Gespräch mit Klara Zetkin

Heute existiert die „freie Liebe“ nur noch in der Erinnerung. Aus dem Leben ist sie vollständig verschwunden. Als sie jedoch noch existierte – in welch beschränktem Maße dies auch gewesen sein mag –, wurde sie vom Obersten Sowjet scharf verurteilt, besonders von Lenin, dessen berühmter Ausspruch über die freie Liebe bekannt ist. Lenin sagte:

„Wird sich der normale Mensch unter normalen Bedingungen in den Straßenkot legen und aus einer Pfütze trinken? Oder auch nur aus einem Glas, dessen Rand fettig von vielen Lippen ist?“ [4]

Damit sind die seit dreißig Jahren gegen die Sowjetunion verbreiteten Lügen abgetan, nach denen das Sowjetregime angeblich die „freie Liebe“ offiziell fördert.

Im Kapitalismus: Die reinste Sklaverei!

Eine andere Besonderheit im Liebesleben der Sowjetjugend: „Geld“- oder Interessenheiraten sind vollkommen unmöglich. Als ich einem jungen sowjetischen Mädchen erzählte, daß in gewissen Gesellschaftsschichten Frankreichs, besonders in dem Groß- und Kleinbürgertum, auch heute noch derartige Heiraten üblich sind, rief es entrüstet aus: „Aber das ist ja die reinste Sklaverei! Wie kann man mit einem Mann unter einem Dach leben, den man sich nicht selbst gewählt hat?“ Und das hätte jedes andere junge sowjetische Mädchen mit der gleichen Entrüstung ausgerufen.

Gleichberechtigung der Frauen im Sozialismus

Ich erinnere mich dabei wieder an etwas, was ich während meines Aufenthaltes in der UdSSR bei Burschen und Mädchen beobachtete: Wenn sich in Westeuropa, besonders in Frankreich, eine Liebesbeziehung anspinnt, so ist es meist der junge Mann, der den ersten Schritt tut, die ersten bindenden Worte spricht; im Gegensatz dazu sind viele Liebschaften, viele Ehen in der UdSSR auf die Initiative der Frau zurückzuführen. Ist dies eine Folge der absoluten Emanzipation der Frau in der Sowjetgemeinschaft? Ich bin versucht, dies zu behaupten. Denn es ist eine Tatsache, daß die sowjetische Frau, nachdem sie auf allen Gebieten des wirtschaftlichen, politischen und sozialen Lebens des Landes dem Manne vollkommen gleichgestellt ist, ihm gegenüber nicht mehr die Hemmungen hat, die man noch oft bei Frauen in kapitalistischen Ländern bemerkt.

Sozialismus – äußerst günstige Umstände!

Natürlich macht sich dieses Verhalten und diese andere Denkungsweise am meisten bei der Jugend bemerkbar, die unter dem sozialistischen Regime aufgewachsen ist und erzogen wurde. Die Befreiung der Frau in der Sowjetunion, die Entfaltung ihrer Persönlichkeit, mußten sich unfehlbar auch im Verhalten der Geschlechter zueinander auswirken. Dadurch, daß weder beim Mann noch bei der Frau Hemmungen bestehen, bahnen sich die sexuellen Beziehungen unter äußerst günstigen Umständen an. Erweisen sich die Erfahrungen, die man miteinander machte, als nicht glücklich, so wird daraus keine Affäre: das Paar trennt sich, ohne daß dies eine persönliche oder gesellschaftliche Tragödie wird.

Gewalt in der Ehe?

Die UdSSR ist auch vor allen Ländern der Welt das Land, wo es am seltensten zu Liebesdramen kommt. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand. In der kapitalistischen Welt fühlt sich meistens (natürlich gibt es Ausnahmen) der Eifersüchtige, der betrogene Ehemann oder die betrogene Ehefrau, veranlaßt zu töten, weil der Mann bewußt oder unbewußt seine Frau als seinen persönlichen Besitz ansieht und daher, wenn er betrogen wurde, ihr gegenüber die Gewalt anwendet, mit der er sich verteidigen würde, wenn man ihm seinen Besitz raubt. Er gibt sich dabei nicht Rechenschaft darüber, daß das Bereich der Gefühle vom persönlichen Besitz ausgeschlossen ist. Die Frau wiederum tötet ebenfalls meistens nur deshalb, weil sie sich in ihrer sozialen Lage als Ehefrau bedroht fühlt.

Beziehungen in absoluter Gleichberechtigung

Da in der Sowjetunion die Beziehungen zwischen Mann und Frau auf absoluter Gleichberechtigung beruhen, denkt weder der Mann noch die Frau nach einer unglücklichen Eheerfahrung daran, zu töten. Er wird niemals das Gefühl haben, in seinem Besitzrecht verletzt worden zu sein, wenn ihn seine Frau betrügt. Die heterogene Frau wird sich auch nicht einmal im Unterbewußtsein in ihrer sozialen Lage als Ehefrau bedroht fühlen. Der eine wie der andere Ehepartner wird versuchen, sein Leben neu aufzubauen, in der Hoffnung, anderwärts das Glück zu finden, statt einen nicht zu ändernden Zustand zu verlängern oder zu Gewalttaten seine Zuflucht zu nehmen, die ihnen ihre zerbrochene Liebe doch nicht wieder ganz macht.

Prostitution – ein abscheuliches Symptom der sexuellen Sklaverei

Auf einen wichtigen Umstand in dem Liebesleben der sowjetischen Jugend, der von entscheidender Bedeutung für das sexuelle Verhalten ist, sei noch hingewiesen: Während in kapitalistischen Ländern von vier jungen Leuten zwei in das Geheimnis des Geschlechtsverkehrs oder dessen Ersatz in Bordellen eingeweiht werden, nähern sieh die jungen Sowjetmenschen dem so feinfühligen, zarten Gebiet des Sexuellen völlig rein von dieser abscheulichen Befleckung. Ich halte es für ausgeschlossen, daß die Atmosphäre eines Bordells, wo ein Mann den andern ablöst, dem Sexualleben eines jungen Mannes, der dort sein erstes sexuelles Erlebnis hatte, nicht den Stempel aufdrückt, wie geringfügig dies auch später in Erscheinung treten mag.

Kapitalismus: Herabwürdigung der Frau

Die kindische Komödie der Prostituierten, die geheuchelten Zärtlichkeitsgebärden, ihre körperliche Gleichgültigkeit angesichts des stürmischen Verlangens des jungen Mannes, den sie in das für ihn furchtbare Geheimnis einweihen soll, müssen in seinem Unterbewußtsein Spuren hinterlassen. Mit Ekel und Angst vor einer Geschlechtskrankheit lernt er das Geheimnis der Geschlechtsbeziehungen kennen, und er ist Zeuge der entsetzlichen Herabwürdigung der Frau, die aus allzu begreiflichen Gründen seinen wunderbaren Traum mit einem Schlage zerstört. Nach einer solchen Enttäuschung, nach einer solchen Verwundung seines Selbstgefühls bleibt bei einem jungen Manne, der seine sexuellen Erfahrungen bei Prostituierten macht, sehr oft etwas zurück, das später in seinen Beziehungen zu anderen Frauen sich als Wunsch nach Rache und Herrschenwollen äußert.

In der Sowjetunion gab es keine Prostitution

Da also in der Sowjetunion die erste geschlechtliche Begegnung unter ganz anderen Bedingungen erlebt wird – denn es existiert ja dort keine Prostitution! –, so wird ein junger Mann dabei auch keine derartige Enttäuschung erleben. Dies allein schon wirft ein bezeichnendes Licht auf die Art der Liebesbeziehungen der sowjetischen Jugend.

Quelle: Georges Soria: Wie lebt man eigentlich in der Sowjetunion? Paul List Verlag Leipzig, 1951, S.48-55. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

[1] Tagesspiegel v. 11.02.2018
[2] Tabu: bei den Südsee-Insulanern – Zustand der Unberührbarkeit eines Wesens oder Dinges, in den es angeblich durch „magische“ Kraft versetzt wird.
[3] In der DDR war vieles ähnlich. Fast jeder junge Mensch  kannte das Buch von Prof. Siegfried Schnabel „Mann und Frau intim“, und in der Schule wurde im Biologieunterricht ganz selbstverständlich über den Menschen aufgeklärt.
[4] Zu Klara Zetkin (1920), in: „Vom Sinn deines Lebens. Eine Anthologie“, Verlag Neues Leben, 1959, S.198.


Friedrich Engels schrieb:

Engels-Moral


Siehe auch:
Georges Soria: Das große Geheimnis der Sowjetunion

Dieser Beitrag wurde unter Geschichte, Geschichte der UdSSR, Sozialistische Wirklichkeit, Was ist Sozialismus? veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

11 Antworten zu Liebe, Ehe, Sex im Sozialismus? Gab es das überhaupt?

  1. Hanna Fleiss schreibt:

    Sascha, natürlich gab es in der DDR Kindesmissbrauch wie überall auf der Welt, ebenso Morde, die DDR war davon nicht frei. Konnte sie ja auch nicht, die DDR schleppte alles das aus der vorhergegangenen Zeit mit. Der Unterschied zum Westen war nur der, dass die Kriminalitätsrate in der DDR unendlich viel geringer als dort war und die Aufklärungsrate sehr viel höher. Dass die DDR auch über diese geringe Kriminalität im Verhältnis zu der im Westen nicht erfreut war, versteht sich. Es gab auch kirchliche Einrichtungen für Kinder in der DDR, ob es da solche Vorfälle in der katholischen Kirche gab, darüber bin ich nicht informiert. Das bringt doch nichts, wir machen uns unglaubwürdig, wenn wir Kriminalität in der DDR leugnen. Dass das instrumentalisiert wird, Schauermärchen über Kriminalität in der DDR erfunden werden – das ist typisch Westen. Die DDR war ein sozialistischer Staat, aber nicht alle DDR-Bürger waren auch Sozialisten.

    • sascha313 schreibt:

      Hanna, es war nie die Rede davon, daß es in der DDR keinen „Kindesmißbrauch“ (was ist damit überhaupt gemeint?) gegeben habe. Niemand will das „leugnen“! Die Dreistigkeit der Lüge besteht aber darin, es habe „massenhaft sexuelle Gewalt vor allem gegen Kinder“ gegeben. Du hast natürlich recht: Die Kriminalitätsrate in der DDR war im Vergleich zu heute nahezu „verschwindend“ gering. Auch gab es so gut wie keine Drogenkriminalität, die es heute flächendeckend in der ganzen BRD gibt. Der Sozialismus entzog der Kriminalität den Boden!

      Und es ist schon bemerkenswert: Die Anschuldigungen scheinen kein Ende nehmen zu wollen. Nach jeder solcher Aktion, Vorwürfe gegen die DDR zu erheben, die jedesmal brutaler inszeniert wird, knickten die Politiker ein. Genauso ist es jetzt mit dieser Heimkinderlüge. Und folglich geschieht genau das;

      „Barley will Entschädigung von DDR-Heimkindern erleichtern. Ende des Jahres laufen die Fristen für Rehabilitierungsanträge von Opfern durch DDR-Willkür aus. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) plant deshalb, Entschädigungen zu erleichtern. Es soll auch für frühere DDR-Heimkinder einfacher werden, zu ihrem Recht zu kommen.“ (sic!) Quelle: DNN Ein „Goldesel“ – wie es scheint!

      • Emil Schaarschmidt schreibt:

        Ich bin mit Heimkindern zusammen aufgewachsen. Wenn etwas eine düstere Vergangenheit hat, dann ist es das alte Schloß in dem sich das Kinderheim befand: Da sind gegen Kriegsende zwei grausame Morde passiert, der Täter war ein SS Unteroffizier aus Westfalen der in diesem Schloss, das der SS als Bordell diente, regelmäßiger Gast war. Die Gerichtsverhandlung fand 10 Jahre später in Münster statt, für den Spiegel war es nur eine „üble Geschichte“.
        In meinen Erinnerungen an eine glückliche Kindheit zusammen mit Heimkindern haben solche üblen Geschichten keinen Platz!

      • sascha313 schreibt:

        Es wurden ja die alten Villen und Schlösser der geflüchteten Nazibonzen, der Großkapitalisten und des schmarotzenden Adels zum Glück für die Arbeiter und deren Kinder enteignet und gleich danach als Kinderheime, Müttergenesungsheime, Sanatorien, Erholungsheime ausgebaut, bevor überhaupt die Möglichkeit gegeben war, solche schönen Ferien- und Erholungsheime des FDGB für die Arbeiter zu erbauen. Das bezahlte alles unser sozialistischer Staat – und den Arbeiter kostete das keinen Pfennig!

  2. Eleonore Kraus schreibt:

    Danke für den Text, mit dem ich mich schwer tue. Von 1951, bemerkenswert für die Zeit, man bedenke, sechs Jahre nach dem mörderischen Krieg, den unermesslichen, vor allem menschlichen Verlusten von Millionen von Sowjetmenschen. Die Wunden werden noch lange schmerzen und die Narben immer wieder. Grundsätzlich gehe ich von menschlicher Entwicklung aus und die braucht Zeit, auch in den veränderten, gesellschaftlichen Verhältnissen.

    Was ich lese, ist ein Blick, wo die Reise hingehen soll, nach Jahrtausenden Jahren Unterdrückung und Ausbeutung, nach Sklaverei, Not und Elend. Das tägliche Leben, der Alltag, die wirklichen Begegnungen, die Problem und Schwierigkeiten, die Bewegung, die Anziehung, die Liebe und Hingabe geht weit über das hinaus, was sich hier mehr oder weniger wissenschaftlich, stark biologisch liest. Jahrtausende Unterdrückung, im Stammhirn findet sich die gesamte Menschheitsgeschichte, denn das Rad wird nicht immer wieder neu erfunden werden müssen und auch die veränderten, gesellschaftlichen Verhältnisse, gemessen am Stand der Produktionsmittel sind Orientierung, an einer Gesellschaft mit zu bauen, die viel Kraft und Einsatz jedes Einzelnen fordert, denn der revolutionäre Weg ist ein erkenntnisreicher und lernender. So einfach, wie sich das liest, ist das weder mit den Menschen, ob sie jung oder alt sind, nicht, noch damit, dass es so ist, denn der Aufbau des Sozialismus hat Gesetzmäßigkeiten und die Widersprüche bleiben, auch im Sozialismus.

    Beim Suchen nach fortschrittlicher Wissenschaft, bin ich auf Wygotsky, Leontjew, Rubinstein, Pawlow, Makarenko und andere gestoßen. Für meine gesamte pädagogische Arbeit, immer mitten drin, in den sogenannten „Brennpunkten, in der Drogenarbeit, in der Altenarbeit, mit Sterbebegleitung, in der Erwachsenenbildung, in der Schulsozialarbeit, wo sich die Perspektivlosigkeit des kapitalistischen Systems in einer Deutlichkeit zeigte, die eine Entwicklung der Schüler, nur insofern möglich machte, dass mir ein „Werkzeug“ zur Verfügung stand, was ich mir zuvor erst habe erarbeiten, aneignen und verinnerlichen musste, dem Schüler bedingungslos zur Seite zu stehen und kompromisslos für ihn und seine Entwicklung, Partei zu ergreifen. Es war alles andere als einfach, mit Jantzen, Wygotsky und Leontjew zu kommen, gegen eine „altehrwürdige“ idealistische Weltanschauung sich zu positionieren, die misstrauisch von Schulleitern, von Vorgesetzten im allgemeinen beäugt wurde und die meist, verteidigt werden musste.

    Auch wenn die Verhältnisse eine Basis schaffen geht dann die wirkliche Arbeit erst los, aus meiner Sicht. Fähigkeiten müssen Fertigkeiten werden, Motive des eigenen Handelns erkennbar…., Erfahrungen in der Begegnung, Sexualität, eine der Wurzeln, sicherlich mehr als Fortpflanzung……
    und die Bewegung in den Begegnungen wird erkennen lassen, ob es mehr als eine Erfahrung in der Begegnung sein wird. Liebe, Zuneigung, Hingabe, Mitgefühl und Anteilnahme sind dem Menschen zu eigen. Man mag es anders ausdrücken wollen, jedoch ist darin die Möglichkeit der Entscheidung enthalten. Die menschliche Entwicklung beinhaltet , dass es keine Garantien gibt und das ein System, dass insbesondere Frauen nicht ins bodenlose stürzen lässt, wenn Beziehungen, Ehen auseinandergehen, einer der größten Errungenschaften des Sozialismus ist.

    Ziemlich sicher bin ich, wenn ich einige Biografien lese, oder dem eigenen Leben folge, es immer schmerzliche Trennungen, andere, neue Begegnungen geben wird und das sehe ich als Teil der menschlichen Entwicklung an, wie auch leidenschaftliche Beziehungen, die es sicherlich im Sozialismus auch gegeben. Da stellt sich die Frage, wofür man sich entscheidet. Es mag sein, dass es Paare gibt, die ein ganzes Leben unter einem Dach verbringen, weil sie es wollen, weil sie es so entschieden haben, frei, dass ist das entscheidende, aber sich genauso frei trennen können. Wie damit umgegangen wird, daran kann man erkennen, wo man selber steht und ob das, was man meint, im wirklichen Leben Bestand hat, denn wenn nicht, ist es nichts anderes, als schöne Gedanken.

    Im Alltag zeigt sich, was wirklich gelernt wurde, denn das ist der Maßstab, besonders dann, wenn man über den eigenen Tellerrand schaut. Es mag sein, dass ich mich etwas verzettelt habe, doch die Grenzen sind fließend in der menschlichen Entwicklung. „Man kann den Fluss nicht anschieben.“

  3. Emil Schaarschmidt schreibt:

    Sascha, im Westen wurde schon behauptet daß in der DDR die Paare zwangsverheiratet wurden und ihre Kinder ins Heim abgeben mussten!

  4. „Kindesmißbrauch“: körperliche, seelische und sexuelle Gewalt gegenüber Schutzbefohlenen minderjährigen Menschen hat es in der DDR – wie in jedem Land der Welt – gegeben. Der Unterschied zur BRD war, dass das eben in der DDR nicht systemisch war, in der BRD aber System hatte.

    • Emil Schaarschmidt schreibt:

      Korrekt! Das System besteht ja darin, daß kein einziges Kind der Bourgeoisieklasse zu einem Heimkind werden kann. Genau das ist der Knackpunkt!

      • Hanna Fleiss schreibt:

        Emil Schaarschmidt, das ist schon richtig, ein Kinderheim kommt für die wohlhabenden Schichten nicht in Frage, aber Internate. Und dort hat es auch Missbrauch an den Kindern gegeben. Vielleicht kocht das Thema besonders aus diesem Grunde hoch, dass eben
        eben auch die „Leistungsträger“ betroffen waren. Ansonsten würde wohl kaum jemand darüber eine Debatte beginnen mit Zielrichtung Kirche.

    • sascha313 schreibt:

      Das ist so eine Art von „Logik“, mit der man alles „beweisen“ kann.
      (a) „Dieser Hund hat Kinder, d.h. er ist Vater.
      (b) Aber er ist Dein Hund. Das heißt er ist Dein Vater.
      ——————————————————
      (c) Da Du ihn schlägst, schlägst Du Deinen Vater.“
      Logisch – nicht wahr?

      Ich will’s erklären! Der Kommentar von Georg ist reiner Sophismus („sophisma illiciti processi“ – Sophismus des unzulässigen Prozesses). Es ist ein logischer Trick, bei dem die Regel des einfachen kategorischen Syllogismus (= logischer Schluß) verletzt wurde, daß nämlich Begriffe, die in den Prämissen, nicht in vollem Umfang genommen werden können, auch im Schlußsatz nicht in vollem Umfang genommen werden dürfen.

      (a) „Kindesmißbrauch hat es in jedem Land der Welt gegeben“
      (b) „Die DDR ist ein kinderfreundliches Land“
      ————————————————————————————
      (c) „Auch in kinderfreundlichen Ländern werden Kinder mißhandelt“

      Jetzt klar?

      • Emil Schaarschmidt schreibt:

        Natürlich ist das klar! Internate im Kapitalismus sind Einrichtungen der Bourgeoisie. Im Westen ein Internat zu besuchen ist ein Privileg was der Bourgeoisie vorbehalten ist. Und die sog. Elite ist nocheinmal eine Auslese die die selber treffen.
        Aber Internat ist nicht Heim! Und ganz besonders nicht in der westlichen Gesellschaft! Und dass der Klassencharakter einer Klassengesellschft ALLE Bereiche des Lebens betrifft, ist unstrittig.

Schreibe eine Antwort zu Eleonore Kraus Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: