Ulrike Spurgat: Im Gedenken an Carl von Ossietzky

carl-von-ossietzkyCarl von Ossietzky war ein Publizist, wie die „Weltbühne“ keinen besseren hätte finden können. Er kämpfte für Frieden, Demokratie und Völkerverständigung. Und er kämpfte gegen den Militarismus, gegen den Faschismus und  gegen die verräterische Politik der SPD-Führung.  Von 1926 an war er als Nachfolger von Siegfried Jacobsohn Chefredakteur der Zeitschrift „Weltbühne“. Wegen eines Artikels gegen die verbotene Aufrüstung der Reichswehr wurde er 1929 verhaftet und zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Am 28.2.1933 wurde er von den Nazis erneut verhaftet und bis 1936 in verschiedene KZ verschleppt. Infolge internationaler Proteste wurde Carl von Ossietzky freigelassen. Er starb an den Folgen der faschistischen Haft.

Carl von Ossietzky

Herausgeber und Chefredakteur der „Weltbühne“

Carl von Ossietzky war kein Pazifist im bürgerlichen Sinne; er war Antimilitarist mit Leib und Seele, folgte dem herausragenden Jacobsohn, nach dessen Tod als Herausgeber und Chefredakteur der berühmten „Weltbühne, wo viele Intellektuelle eine Heimat fanden, wo sie ihre Artikel veröffentlichen konnten. So zählten zu den „Weltbühne“-Autoren: Heinrich Mann, Erich Kästner, Erich Mühsam, Ernst Bloch, Egon Erwin Kisch, wie auch Arnold Zweig und Kurt Tucholsky.

OssietzkyÜber die spitzeste Feder verfügte allerdings der Herausgeber selbst. Sein Sarkasmus, seine Pointen, sein analytischer Verstand brachten einigen das Fürchten bei und so traf es sich, daß er Käthe Kollwitz und Albert Einstein kennen lernte, die seine Agitation „Nie wieder Krieg“ unterstützen. Er diskutierte mit Thälmann und Bebel, war hin- und hergerissen, zwischen linker Demokratie und Sozialismus. Carl von Ossietzky lehnte mit einer Konsequenz Militarismus, aber insbesondere das Militär ab. Zu bedenken ist, daß es nicht nur die Wehrmacht war, die militärisch auftrat, im ganzen Land bildeten sich Freikorps, mit entlassenen Weltkriegssoldaten. Himmler, Hitler, Hess, gehörten solchen Freikorps an und trieben ihr Unwesen brutal und zielgerichtet gegen Andersdenkende und hetzten gegen die Sowjetunion. Ossietzky schrieb gegen den Zeitgeist an, arbeitete in der Organisation: „Nie wieder Krieg“ und veröffentlichte in der viel beachteten Berliner Volks-Zeitung 1923:

„Wo die Männer versagen, da ruft man nach dem Mann. Der Faschismus, der überall anders, überall in neuer nationaler Vermummung auftritt, weist in allen Ländern, den einen Wesenszug nach: Die Sehnsucht nach dem Diktator. Die erschlafften Völker suchen nach einem Hirn, das für sie denkt, nach einem Rücken, der für sie trägt“. (Berliner Volks-Zeitung, 13. Mai, 1923)

Verhaftet wegen „Spionage“

Immer mehr geriet Carl von Ossietzky in die Öffentlichkeit. Im März 1929 deckte Ossietzky in einem Artikel die verbotene Aufrüstung der Reichswehr auf. Es kam zur Anklage. Ende 1931 wurden Ossietzky und der Flugzeugexperte Kreiser zu achtzehn Monaten Gefängnis verurteilt. Kreiser floh. Tucholsky bekniete seinen Freund Ossietzky, das Land zu verlassen. Ossietzky lehnte dieses ab und äußerte sich so:

„Ich beuge mich nicht der in rotem Sammet gehüllten Majestät des Reichsgerichts, sondern bleibe als Insasse einer preußischen Strafanstalt eine lebendige Demonstration gegen ein höchstinstanzliches Urteil, das in der Sache politisch tendenziös erscheint und als juristische Arbeit windschief. (Aus: Die Weltbühne, 10. Mai 1932)

Der Faschismus zeigt sein wahres Gesicht

Die Zeiten wurden immer brauner, Angst verbreitete sich wie ein Lauffeuer, doch Ossietzky und seine Mitstreiter schrieben unbeeindruckt weiter gegen den Faschismus an, der ab 1933 sein wahres Gesicht zeigte. Die erste gezielte Verhaftungswelle erfolgte nach dem Reichstagsbrand, als  am 27. und 28. Februar 1933 und vom 3. bis 6. April 1933 die ersten 250 politischen Gefangenen in ein vorübergehend stillgelegtes, preußisches Zuchthaus getrieben wurden. Die Zahl stieg auf 931 Gefangene. Drei Viertel der Verschleppten aus Berlin und Brandenburg waren Mitglieder und Funktionäre, allen voran der KPD, darunter auch Zeugen beim Reichtagsbrandprozeß wie Wilhelm Kasper.

Die Moorlager im Emsland

10Für die berühmten Antifaschisten, wie Carl von Ossietzky, Erich Mühsam und den linken Strafverteidiger Hans Litten, dem der SA Sturm 33 („Mordsturm Maikowski“) nicht verzieh, daß er bei einem Gerichtsprozeß den Zeugen Adolf Hitler gegen die SA geführt und damit aufs Kreuz gelegt hatte, begann ein mörderisches und nicht enden wollendes Martyrium. Zwischen 1933 und 1945 gab es 15 Emslandlager [1] mit 260.000 Häftlingen. In erster Linie waren das politische Gefangene, Andersdenkende und alle, die sich gegen Hitler stellten. Auch Homosexuelle, Sinti und Roma verschleppte man einfach dorthin. Lange vor Buchenwald, Bergen-Belsen, Ausschwitz gab es diese Lager im Moor. Hier entstand auch das Widerstandslied der Häftlinge: „Die Moorsoldaten“

Ein Ort des Grauens

Der Häftling 562, Carl von Ossietzky, erlitt die Hölle, wurde getreten, bespuckt, erniedrigt, gedemütigt. Als politischer Journalist war er körperlich schwere Arbeit nicht gewohnt und nun zwang man ihn täglich ins Moor zu schwerster Arbeit. Die „Hölle am Wegesrand“ nannten die Häftlinge diesen Ort des Grauens. Carl von Ossietzky überlebte ihn mit Hilfe seiner Mithäftlinge. Sie stellten sich schützend vor ihn, lenkten die Wut der Faschisten auf sich, kümmerten sich um den schwachen und kranken Carl von Ossietzky.

Der faschistische Massenmord

Das war der Beginn der systematischen Menschenvernichtung, dort erprobten die Faschisten ihr System der Konzentrationslager. Neben Ossietzky waren der Kabarettist Werner Fink, der SPD-Funktionär Julius Leber, der Arbeiterführer Friedrich Ernst Husemann und viele, die ich nicht alle aufzählen kann. Unvergessen sind all jene Ungenannten. 20.000 starben an Unterernährung, überlebten nicht die zermürbende Arbeit, die Schläge, Mißhandlungen und ständigen Erniedrigungen.

Die schändliche Mißachtung durch die BRD

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KZ-Häftlinge Esterwegen, teilweise barfuß laufend (Quelle: Fotoalbum)

Nachdem ich das erste Mal vor vielen Jahren diesen Ort des Grauens besuchte, wollte ich erinnern an Carl von Ossietzky, an Erich Mühsam, an diejenigen, die die „Hölle am Wegesrand“ nicht überleben. Doch, wie soll man daran erinnern? Alles wurde abgerissen und plattgemacht, dem Erdboden gleich. Und nichts ist mehr da, was an Ossietzky und seine Mithäftlinge erinnert? Zuletzt stand auf dem Gelände ein Bundeswehrdepot: Zutritt verboten! Was blieb erhalten von einem solchen grauenvollen Ort, der für Hunderttausende die Hölle bedeutete? Ein Bundeswehrdepot?! Wortlos und voller Schmerz verließ ich diesen Ort.

Eine Universität erhält den Ehrennamen

Erst 1985 gelang es Oldenburger Studenten, die für den Namen „Carl-von-Ossietzky-Universität“ kämpften [3], in Papenburg ein „Dokumentations- und Informationszentrum Esterwegen (DIZ)“ zu eröffnen. Nach der Strukturreform der Bundeswehr wurde endlich auch der „Standort Esterwegen“ geschlossen und man entschied, eine Gedenkstätte zu bauen. 5,8 Millionen Euro bezahlten anteilig der Bund, das Land und eine Stiftung in Niedersachsen. Doch wie gedenkt man, wenn keine Andenken mehr vorhanden sind? Eine tieftraurige Geschichte, voller Schlaglöcher der Geschichte, voller Gleichgültigkeit, voller Ignoranz und voller Unmenschlichkeit. Es macht fassungslos – immer noch und immer wieder.

Erinnerung

„Nach zehn Minuten kamen zwei SS-Leute, die einen kleinen Mann mehr schleppten und trugen als heranführten. Ein zitterndes, totenblasses Etwas, ein Wesen, das gefühllos zu sein schien, ein Auge verschwollen, die Zähne anscheinend eingeschlagen.“ [2] so beschrieb der Schweizer Diplomat Carl Jacob Burckhardt den Gefangenen, nachdem er ihn 1935 im Namen des Deutschen Roten Kreuzes besucht hatte. Seine Erschütterung konnte er nicht verbergen. „Sagen sie den Freunden, ich sei am Ende, es ist bald vorbei, bald aus, das ist gut“, hatte Ossietzky den Diplomaten gebeten.

Er war ein wahrhaft Großer, dieser Carl von Ossietzky, der Friedensnobelpreisträger von 1936. Schwerkrank verstarb er 1938 in einem Berliner Krankenhaus infolge der Folter und der menschenunwürdigen Haftbedingungen. Und die Gestapo wachte vor seiner Türe – so groß war die Angst vor diesem Häuflein Mensch, der nichts mehr wollte, als den Frieden. So waren seine letzten Worte. Als Bertolt Brecht in Paris die Todesnachricht erhielt, schrieb er sein Gedicht [4]:

Auf den Tod eines Kämpfers für den Frieden

Der sich nicht ergeben hat
Ist erschlagen worden
Der erschlagen wurde
Hat sich nicht ergeben.

Der Mund des Warners
Ist mit Erde zugestopft.
Das blutige Abenteuer
Beginnt.
Über das Grab des Friedensfreundes
Stampfen die Bataillone.
War der Kampf also vergebens?

Wenn, der nicht allein gekämpft hat, erschlagen ist
Hat der Feind
Noch nicht gesiegt.


War Ossietzky ein Pazifist?

Carl von Ossietzky hatte mit dem Pazifismus, mit Händchen halten, Tee trinken und Kekse essen, nichts – aber auch gar nichts – zu tun. Ich verneige mich vor Carl von Ossietzky, dem Herausgeber der Weltbühne, dem Friedensnobelpreisträger, dem kompromißlosen Kämpfer für den Frieden.

Ulrike Spurgat


„Der Krieg ist ein besseres Geschäft als der Friede. Ich habe noch niemanden gekannt, der sich zur Stillung seiner Geldgier auf Erhaltung und Förderung des Friedens geworfen hätte. Die beutegierige Canaille hat von und je auf Krieg spekuliert.“

Ossietzky, Die Weltbühne, 8. Dezember 1931

[1] Die Emslandlager sind eine Gruppe von Konzentrations-, Straf- und Kriegsgefangenenlagern im Landkreis Emsland und der Grafschaft Bentheim. Es gab insgesamt 15 an der Grenze zu den Niederlanden errichtete Gefangenenlager. Sie dienten den Nazis 1933–1945 als Haftstätten mit wechselnden Funktionen und zentraler Verwaltung in Papenburg. Bis 1945 wurden mind. ca. 80.000 politische Häftlinge und Strafgefangene und bis zu 180.000 Kriegsgefangene in den Lagern inhaftiert. Von ihnen kamen bis zu 30.000 Menschen, überwiegend sowjetische Kriegsgefangene, in den Moorlagern um. Wegen der unmenschlichen Bedingungen erhielten die Lager den Beinamen „Hölle im Moor“. (Quelle: geibev) Siehe auch: Fotoalbum des KZ-Wächters Erich Mitzke
[2] Zitiert nach Bernd Faulenbach/Andrea Kaltofen (Hrsg.): „Hölle im Moor: Die Emslandlager 1933-45“, Wallstein Verlag, Göttingen, 2017, S.82
[3] Zur Namensgebung Carl-von-Ossietzky Universität. Ein gnadenloser, politischer Kampf wurde um die Namensgebung in Oldenburg und grenzüberschreitend geführt. Bürgerliche gegen den Fortschritt könnte man vereinfacht sagen. Die Pädagogische Hochschule sollte Universität werden. Also ging es bei Gründung um einen Namen für die Uni: entweder „Graf Anton Günther“, für die ewig Gestrigen, (Oldenburg – eine Angestellten- und Beamtenstadt mit dem höchsten Anteil an Stimmen für die NSDAP bei den Wahlen 1933) oder „Carl von Ossietzky“ – der letztere Namenvorschlag kam von uns, von der DKP. Der heutige „Linken“-Ratsherr Hans Henning Adler hatte den Antrag gestellt. Der Gründungsausschuß sprach sich einheitlich für den Namen „Ossietzky“ aus. Und die Studenten der Uni haben einen heldenhaften Kampf gekämpft, mit persönlichem Einsatz und mit Berufsverboten. Ihnen wurde die berufliche Existenz gestohlen, obwohl sie sehr gut ausgebildet waren, weil sie Mitglieder der DKP, des MSB Spartakus und auch des SHB (SPD) waren. Die Friedenstaube war unser Symbol, und „Kralle“ (Wilfried Krallmann) wurde abgeführt, als er das Friedensbanner oben auf die Uni setzte. Wir alle haben ihn solidarisch unterstützt. Es herrschte eine aufgeheizte, politische Stimmung und die Landesregierung hat alles, aber auch wirklich alles versucht, uns mundtot zu machen und – hat verloren. Nicht von ungefähr hatte der Lügner Brandt 1972 den Radikalenerlaß unterschrieben, was uns nicht davon abhielt, weiterzumachen. Wir alle haben Opfer gebracht und sind irgendwie, wie auch die KPD und deren Kampf vor und auch nach 1945, in den Strudel des Vergessens geraten. Das darf man nicht zulassen! Es darf keine Lücke in der Geschichte bleiben. Es ist eine Strategie der Herrschenden, unseren Kampf als nie gekämpft anzusehen. Vor kurzem sagte eine Oldenburger im Gespräch, dass er über all das, was in Esterwegen geschah und auch über den Kampf um den Namen „Ossietzky“ nie so richtig informiert worden sei. Das holen wir heirmit nach!
[4] Bertolt Brecht, GBA, 12, S.50

weltbuehneNachtrag: Im Bild links „Die Weltbühne“ – so wie sie von Carl von Ossietzky herausgegeben wurde. Ein interessantes Exemplar der Weltbühne von 1939 fand Nadja bei einem Buchhändler in Brüssel. In der DDR erschien die Weltbühne als Wochenschrift für Politik, Kunst und Wirtschaft wieder, zuerst herausgegeben von Maud v. Ossietzky und später geleitet von Hermann Budzislawski. Professor Dr. Budzislawski gehörte zu den namhaften journalistischen Persönlichkeiten der DDR. Er wurde Anfang der 1930er Jahre enger Mitarbeiter von Carl von Ossietzky in der „Weltbühne“, die er nach Ossietzkys Verhaftung 1934 von Prag aus selbst herausgab. Als ihr Chefredakteur kämpfte er gemeinsam mit den führenden Intellektuellen der Emigration, wie Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Anna Seghers, Lion Feuchtwanger, Arnold Zweig und F.C.Weiskopf, für die Volksfrontidee, gegen den Faschismus.  Nach abenteuerlicher Flucht, die ihn über Paris – wo er die „Neue Weltbühne bis zum Kriegsausbruch fortsetzte – nach New York führte, schrieb er unter dem Pseudonym Donald Bell und als Mitarbeiter der damals antifaschistischen Journalistin Dorothy Thompson aufrüttelnde Artikel gegen den Faschismus. Nach 1990 erschien eine gleichartige Zeitschrift unter dem Namen „ossietzky“. Im Gedenken an Carl von Ossietzky schrieb dort Eckart Spoo folgenden Beitrag: „Mit dem Gesang der Nationalhymne

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6 Antworten zu Ulrike Spurgat: Im Gedenken an Carl von Ossietzky

  1. Auf den Tod eines Kämpfers für den Frieden

    Der sich nicht ergeben hat
    Ist erschlagen worden
    Der erschlagen wurde
    Hat sich nicht ergeben.

    Der Mund des Warners
    Ist mit Erde zugestopft.
    Das blutige Abenteuer
    Beginnt.
    Über das Grab des Friedensfreundes
    Stampfen die Bataillone.
    War der Kampf also vergebens?

    Wenn, der nicht allein gekämpft hat, erschlagen ist
    Hat der Feind
    Noch nicht gesiegt.

  2. Versuch einer “Antwort“:

    Der sich nicht ergeben hat
    Ist erschlagen worden

    Ich habe mich nicht ergeben
    und wurde dennoch nicht erschlagen.
    obwohl es dazu ausreichend Möglichkeiten gab!
    (Oft frage ich mich: „Warum habe ‚gerade‘ Ich überlebt?“)

    Der erschlagen wurde
    Hat sich nicht ergeben.

    DAS IST WAHR!!! All die Menschen,
    die ich sah und erschlagen wurden,
    hatten Sich Selber Ihre Würde bewahrt:
    Sie haben sich nicht ergeben!

    Der Mund des Warners
    Ist mit Erde zugestopft.
    Das blutige Abenteuer
    Beginnt.
    Über das Grab des Friedensfreundes
    Stampfen die Bataillone.
    War der Kampf also vergebens?

    Das ist zwar wirklich WAHR! (und überaus traurig!!!)
    Aber diese Aussage MACHT hoffnungslos:
    “hat sowieso alles keinen Sinn und Zweck“!
    Die Aussage verbreitet die URANGST des Menschen
    vor seinem eigenen endlichen Leben, das im Tode endet!

    Wenn, der nicht allein gekämpft hat, erschlagen ist
    Hat der Feind
    Noch nicht gesiegt.

    Das ist grundfalsch!
    DENN:
    Die, die allein gekämpft haben,
    und erschlagen wurden!
    Haben allein durch ihr Gutes Dasein verhindert,
    “daß der Feind siegen konnte!“

    … weil die “Guten“ 99,99 % aller Menschen SIND!
    denen von 0,001% “verdorbener“ Menschen ins Hirn Geschissen wird!

  3. Emil Schaarschmidt schreibt:

    Es hat sich ja nun schon bis zur Junge Welt herumgesprochen: Die SPD hat 1914 die Kredite für den 1. WK bewilligt. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang:
    1916 fand eine Antikriegsdemonstration der SPD geführten Arbeiterjugend im Landkreis Weimar statt. Und zwar: Mitten im Wald. Kein Witz!

    Außer https://books.google.de/books?id=lNfmDQAAQBAJ&pg=PA14&lpg=PA14&dq=arbeiterjugend+herlitzenberg&source=bl&ots=vLmOwMcp9W&sig=ACfU3U19CakKCBckakAj4xBLC7Bk2SGCRA&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwiPkYnU4KfhAhXCh7QKHZAnBjoQ6AEwAHoECAAQAQ#v=onepage&q=arbeiterjugend%20herlitzenberg&f=false

    habe ich noch eine andere Quelle, muss ich aber erst raussuchen.

  4. Johann Weber schreibt:

    Danke liebe Ulrike Spurgat. Zu meiner Schande kannte ich zu Alt-BRD-Zeiten (Bayern) Carl v. Ossietzky nur auf Briefmarken. Während meiner Schulzeit, 1957-1969, Fehlanzeige. Als alter Briefmarkensammler hatte ich seit 1975 einen Block „Deutsche Friedensnobelpreisträger“ mit Carl v. Ossietzky. Mit Deinem Artikel hast Du mich „neugierig“ gemacht.
    In der Österreichischen Zeitschrift „Die Wiener Bühne“ Heft 7 von 1946 fand ich unter der Überschrift „Zwei Emigranten“ folgenden Text:

    […] Aber es gab auch die Sehenden; sie hatten schon früh und mit einem echten politischen Instinkt die deutschen Entwicklungen abgetastet. Warum sie blieben und mit offenen Augen ein infernalisches Schicksal auf sich nahmen, das hat der Tapferste von ihnen, Carl von Ossietzky‚ Nobelpreis-Träger von 1936, schon 1932 in einem Aufsatz: „Rechenschaft“ formuliert:

    „Das Reichsgericht hat mich vorsorglich in unangenehmster Weise abgestempelt. Landesverrat und Verrat militärischer Geheimnisse — das ist eine höchst diffamierende Etikette, mit der sich nicht leicht leben läßt. Geht man damit ins Ausland, so wird die gesamte Reichspresse aufjubeln: Zum Feinde geflohen! Und manche von den leicht Schwankenden werden die Achseln zucken; es muß doch etwas an der Sache sein! Der Oppositionelle‚ der über die Grenze gegangen ist, spricht bald hohl ins Land herein. Der ausschließlich politische Publizist namentlich kann auf die Dauer nicht den Zusammenhang mit dem Ganzen entbehren, gegen das er kämpft, für das er kämpft ohne in Exaltationen und Schiefheiten zu verfallen. Wenn man den verseuchten Geist eines Landes wirkungsvoll bekämpfen will, muß man dessen allgemeines Schicksal teilen.
    Ich gehöre keiner Partei an — wohin also? Keine der Internationalen nimmt mich auf‚ stellt mich an einen neuen Platz. Es gibt draußen viel flotte Herren, die gerne den Frieden hochleben lassen‚ wenn sie ihr neues Militärprogramm glücklich durchgedrückt haben, und die den deutschen Militarismus so verabscheuen, als wäre er der einzige in der Welt. Wollte der geflüchtete anti- militaristische Deutsche in ihrem Schatten gegen seine Generale und die Bellizisten schreiben‚ das hieße seiner Arbeit einen falschen Akzent geben. Denn dann dient er gewollt oder ungewollt einem fremden Interesse. Er wird eines der vielen Mundstücke fremder Propaganda. Er muß zu dem schweigen, was er sieht, um sich über das zu entrüsten, was er hinter sich gelassen hat und was mit der Zeit nicht nur den Augen, sondern auch der Urteilskraft entrückt. Der politische Journalismus ist keine Lebensversicherung: Das Risiko erst gibt seinen besten Antrieb . . .“

    • Das ist ein schockierendes Beispiel dafür, wie queer, verkehrt und irrig selbst die größten Geister liegen können, weil sie einem Idealismus folgen, statt “sich vom Zustand, der der Illusion bedarf, zu befreien‘, wie es Karl Marx bereits 1844 — es werde bedacht: da war er gerade einmal 26 Lenze alt! — in der Einleitung „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“ forderte!

      „Das Reichsgericht hat mich vorsorglich in unangenehmster Weise abgestempelt. Landesverrat und Verrat militärischer Geheimnisse — das ist eine höchst diffamierende Etikette, mit der sich nicht leicht leben läßt.“

      Mal ehrlich — und die absurden, weil abgerichtet und andressiert, — Emotionen außen vorgelassen, gefragt:
      Was interessiert es einen Menschen, der „sich selber erworben“ (Marx) oder „selber befreit“ (“Jesus“) hat, dass einen irgendwelche kranken Philosophien oder Religionen “abstempeln und einem eine diffamierende Etikette verpassen‘?

      Dem selber erworbenen, dem selber befreiten Menschen geht ein solcher Wahn am Arsch vorbei! — Freilich weiß ich, wie verwirrend solche Anklagen sein können – gerade dann, wenn ein Mensch, der kein VERBRECHEN begangen hat, einer Anklage und VOR-Verurteilung ausgesetzt ist.

      — Vielleicht habe ich aber auch bloß ‚Gut Reden‘?
      Im Oktober 1998 wurde ich in einem außereuropäischen Land festgenommen und in einem Kerker der Polizei festgehalten; nach 14 Tagen konnte sich die BRD Botschaft einschalten und die Zusage erhalten, dass ich in den nächsten 24 Stunden einem Haftrichter jenes Landes “überstellt werde“, der dann über den “weiteren Verlauf entscheidet“ … Georg Löding habe mit Gewalt gedroht … am nächsten Tag wurde mir im Beisein des Attachés der BRD mitgeteilt, dass ich mich für den MORD an meiner eigenen Frau zu verantworten hätte! … da dieser Mord jedoch in einen anderen “Gerichtsbezirk“ stattgefunden hätte, müssen ich dorthin überstellt werden; der Attaché der BRD in diesem Land war “konstaniert“: *Herr Löding: Ist da etwas dran!?“ … Ich: „Das ist Unsinn! Hier wird gerade ein (Komplott) gegen mein Leben fabriziert!

      … zwei Tage danach wurde mir tatsächlich a) eine “kriminaltechnischen Untersuchung“ (Fotos von mir, Fingerabdrücke und einer Befragung durch einen Kriminalbeamten) gewährt von der es zum “Haftrichter“ ging. „Ich habe keine Entscheidungsbefugnis über Ihr Ihnen zur Last gelegtes VERBRECHEN: Ihre Untersuchungshaft ist hiermit angeordnet“ — alle 14 Tage das Gleiche! … aber ich wußte: Ich habe niemandem etwas getan! … Mein “Fall“ war der lokalen Presse einige Berichterstattungen wert, selbst die BBC, die örtlichen Radiostationen berichteten über “diesen Mzunugu“ aus Deutschland! …

      Hatte ich vorher nur “vermeintlich“ eigene Folter erlebt? … so war das, und in einem “Keller“, in dem Menschen in knöcheltiefer eigner Pisse und Scheiße stehen mußten, weil dort nicht daran zu denken gewesen ist, sich hinzulegen … was ich in diesem “Gefängnis“desehen habe war für mich einfach unfassbar!!!

      Das “Gefängnis“ wurde von GB vor über 80 Jahren errichtet und kann unter “humanitären“ Gesichtspunkten 200 Menschen aufnehmen! Als ich dort inhaftiert war, lebten dort über 1.000 Menschen – die von überall aus dem Land dort hingebracht worden waren!
      Für mich “ganz sonderbar über 700 Muslime!!!

      Dort traf ich einen Menschen — dieser ist bis heute meine Freund! — hätte ich ihn Selber nie gesehen und angetroffen, könnte ich es niemals für wahr halten: ihm wurden in der Folter die Arme und Beine derart verdreht, daß er weder seine Hände, Arme, Beine oder Füße bewegen konnte!!! … Mit seinen Händen (Fingern) konnte er nichts halten … Die ihm dargereichte Nahrung konnte er nur kriechend-bückend — ähnlich wie es Schweine und Hunde tun — schlürfend über seinen Mund aufnehmen!

      In all diesen Monaten habe Ich Zuflucht in Geometrie, Mathematik und der Deutschen Sprache genommen und mich jeden Tag an die Metapher aus dem Evangelium erinnert: https://bibeltext.com/l12/romans/8.htm
      „Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht. Wer will [mich] verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und uns vertritt.
      … und

      (*a) es gibt keine Psyche (“Seele“)
      (*b) Gefühl(e) sind etwas materielles und führen zu körperlichen Reaktionen, wenn nicht gelernt wurde, die „Gefühle“ als etwas materielles (“körperliches“ aufzufassen. Diese körperlichen Reaktion(en) werden als Emotion(en bezeichnet.
      (*c) siehe (*a)
      (*d) siehe (*a) und (*b)

  5. Eleonore Kraus schreibt:

    Ganz sicher gäbe es einiges zum Sagen, jedoch bitte ich um Nachsicht mich nicht äußern zu wollen, da das Gedenken an Carl von Ossietzky an erster Stelle und für sich steht.
    Vielen Dank an Sascha, der mit Mitgefühl dem Text und seiner Gestaltung in einer besonderen Weise gerecht wurde.

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