Die Sorben – Bildung und Schule in der DDR

SorbenMit dem Artikel 40 der Verfassung der DDR wurde den Bürgern sorbischer Nationalität das Recht auf Pflege ihrer Muttersprache und Kultur eingeräumt. Die Gleichberechtigung der Sorben in der DDR wurde umfangreich und großzügig durch den Staat gefördert. Das war erstmalig in der Geschichte der Sorben so, denn bis vor 1945 wurden die Sorben sozial unterdrückt. Sie waren national entrechtet. Die Sorben gehören zu den westslawischen Völkern. Im Jahre 631 wurden die „Surbi“ erstmals urkundlich erwähnt. Nachweisbar siedelten die sorbischen Stämme seit dieser Zeit in den Räumen zwischen Saale und Elbe im Westen, Bober und Quais im Osten, Erzgebirge im Süden und der Linie Frankfurt/Oder, Köpenick, Dahme- und Saalemündung im Norden. Sprachquellen und kulturhistorische Spuren, besonders archäologische Funde, belegen das. Heute wohnen Sorben ausschließlich in der Lausitz. Im Faschismus wurde mit allen Mitteln versucht, die sorbische Sprache und das nationale Bewußtsein auszumerzen. Wie sah es nun aber mit der Bildung der sorbischen Minderheit in der DDR aus?

DIE SORBISCHE NATIONALE MINDERHEIT

Nahezu ein Jahrtausend haben die herrschenden Klassen der vergangenen Gesellschaftsordnungen die Sorben national und sozial unterdrückt. Den Höhepunkt erreichte die Gewaltpolitik gegen die Sorben zur Zeit des Hitlerfaschismus, der sich unter anderem zum Ziel gesetzt hatte, alle slawischen Völker zu versklaven.

Die Sorben in der DDR

Die antifaschistisch-demokratische Ordnung auf dem Gebiet der Deutschen Demokratischen Republik wurde zur Voraussetzung dafür, daß die Sorben aus ihren sozialen und nationalen Fesseln befreit wurden und die volle nationale Gleichberechtigung erhalten konnten. Auf Vorschlag der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands verabschiedete der damalige Sächsische Landtag am 23. März 1948 das Gesetz zur Wahrung der Rechte der sorbischen Bevölkerung. Dieses Gesetz und die am 12. September 1950 vom Ministerrat des damaligen Landes Brandenburg erlassene Verordnung zur Wahrung der Rechte der sorbischen Bevölkerung waren ein Ausdruck der konsequenten Anwendung der marxistisch-leninistischen Nationalitätenpolitik durch unseren Staat in den deutsch-sorbischen Gebieten.

Das Gesetz und die Realität

Sowohl das Gesetz zur Wahrung der Rechte der sorbischen Bevölkerung als auch der Artikel 11 der Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik hatten die Gewährung der vollen Gleichberechtigung sowie die Förderung und den Schutz der freien sozialen und nationalen Entfaltung der Sorben durch unseren Arbeiter-und-Bauern-Staat zum Inhalt. Die Deutsche Demokratische Republik war damit der erste deutsche Staat, der den Sorben das Recht gewährte, in voller Gleichberechtigung an der Lenkung und Leitung unseres Staates und an seinen sozialistischen Errungenschaften teilzuhaben.

Die sorbische Sprache

Die staatliche Förderung und der Schutz des Staates ließen die sorbische Sprache und Kultur voll zur Entfaltung kommen. Deshalb betrachteten die Sorben die Deutsche Demokratische Republik als ihr wahres Vaterland, und deshalb unterstützten sie mit ihrer ganzen Kraft den erfolgreichen Aufbau und die ständige Festigung unseres ersten deutschen Arbeiter-und-Bauern-Staates.

Das Schulwesen in der Vergangenheit

Das Schulwesen der DDR in den deutsch-sorbischen Gebieten zeigte besonders augenscheinlich die Gleichberechtigung der Sorben auf dem Gebiet der Volksbildung. Die bürgerliche Schule versagte den Sorben durch die verschiedensten Unterdrückungsmaßnahmen eine hohe Bildung. Sie schürte unter den Kindern und Jugendlichen des deutsch-sorbischen Gebietes einerseits Nationalismus und Chauvinismus und untergrub andererseits die Herausbildung eines gesunden Nationalbewußtseins. Der den sorbischen Kindern außerhalb der amtlichen Stundentafel formal zugesicherte sorbische Sprachunterricht wurde mit allen Mitteln bekämpft. Besonders brutale Formen nahm die Unterdrückung der Sorben unter der Gewaltherrschaft des Faschismus an.

Gleiche Rechte für alle Bürger

Die DDR garantierte allen sorbischen Kindern und Jugendlichen die gleichen Rechte und Möglichkeiten auf eine hohe Bildung. Die für die Volksbildungseinrichtungen festgelegten Bildungs- und Erziehungsziele hatten für dieses Gebiet volle Gültigkeit. Dabei wurden die konkreten Bedingungen berücksichtigt, indem sorbische Schulen und Schulen mit sorbischem Sprachunterricht unterhalten wurden.

Wissenschaftlicher Unterricht

Durch die konsequente Verwirklichung der Grundsätze des Marxismus-Leninismus in der nationalen Frage auf dem Gebiet der Volksbildung wurden Rückständigkeit, soziale und nationale Ungleichheit sowie Nationalismus und Chauvinismus überwunden. Die vielen ehemaligen weniggegliederten Schulen gehörten der Vergangenheit an.
Die Grundlage für den Unterricht bildten wissenschaftliche Stundentafeln und Lehrpläne, die in der Praxis erprobt waren und die auf den Erfahrungen der besten Praktiker und der Sowjetpädagogik basierten.

In den naturwissenschaftlichen, polytechnischen, gesellschaftswissenschaftlichen und musischen Fächern wurde nach den allgemeingültigen Lehrplänen unterrichtet. Die Lehrpläne für den Sprachunterricht berücksichtigten die besonderen Bedingungen dieses Gebietes: Die Kinder und Jugendlichen wurden im Geiste des proletarischen Internationalismus zur Liebe und zur Achtung anderer Völker sowie zum Stolz auf die revolutionären Errungenschaften und die kulturellen Werte des eigenen Volkes erzogen. Die Schulen waren mit modernen Lehr- und Lernmitteln ausgerüstet. Der Aus- und Weiterbildung der Lehrer wurde besonders großes Augenmerk gewidmet.

Sorbische Pädagogen und Kinder

Die Anzahl der Lehrer, die Deutsch und Sorbisch beherrschen, stieg von sieben im Jahre 1945 auf über 500 im Jahre 1961. Die Teilnehmerzahl am Sorbischunterricht
entwickelte sich wie folgt:

Sorben_Teiln

In den deutsch-sorbischen Gebieten der Bezirke Dresden und Cottbus (DDR) gab es nun auch sorbische Kindergärten, in denen die Umgangssprache Sorbisch war, in denen aber auch deutsch gesprochen wurde, und Kindergärten, in denen neben der deutschen auch die sorbische Sprache gebraucht wurde. In solchen Kindergärten arbeiteten Erzieherinnen, die beide Sprachen beherrschten.

Allgemeinbildende Oberschulen und Berufsschulen

1963 gab es beispielsweise zehn sorbische zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschulen, in denen Sorbisch Unterrichtssprache ist und Deutsch als Fach unterrichtet wurde, und rund hundert zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschulen mit sorbischem Sprachunterricht, in denen Deutsch Unterrichtssprache war und Sorbisch als Fach gelehrt wurde. Außerdem besaßen die Sorben je eine sorbische erweiterte Oberschule in Kleinwelka und in Cottbus, über die bereits eine große Anzahl von Kindern. sorbischer Arbeiter und Bauern zum Studium an die Hoch- und Fachschulen sowie an die Universitäten unserer Republik gelangte. Auch an Berufs- und Fachschulen im deutsch-sorbischen Gebiet wurde sorbischer Sprachunterricht erteilt.

Ausbildung sorbischer Fachlehrer in der DDR

In Bautzen befand sich eine Ausbildungsstätte für die Heranbildung von zweisprachigen Lehrern und Erziehern. An diesem Institut wurden zweisprachige Kindergärtnerinnen (Pädagogische Schule) und zweisprachige Unterstufenlehrer (Institut für Lehrerbildung) ausgebildet. Die Ausbildung von Oberstufenlehrern für die Fachrichtungen Sorbisch/Deutsch und Sorbisch/Russisch erfolgte dann auch an der Karl-Marx-Universität in Leipzig. Sorbische Lehrer für naturwissenschaftliche und andere nichtsprachliche Fächer wurden an den Pädagogischen Instituten, Hochschulen und Universitäten der Republik ausgebildet. An der Karl-Marx-Universität in Leipzig gab es ein Institut für sorbische Sprache und Literatur, an dem wissenschaftliche Kader und Lehrer der Sorabistik herangebildet wurden.

Sorbische Schulbücher und Lehrpläne

Der Volkseigene Verlag DOMOWINA gab im Auftrage des Ministeriums für Volksbildung für alle sorbischen bzw. zweisprachigen Einrichtungen der Volksbildung die notwendigen Lehrbücher heraus. Für die ordnungsgemäße Durchführung der Erziehungs- und Bildungsarbeit .in den Volksbildungseinrichtungen des deutsch-sorbischen Gebietes waren die örtlichen Organe des Staatsapparates in den Bezirken und Kreisen verantwortlich. Für alle zentralen Fragen der Schulen im deutsch-sorbischen Gebiet sowie für die Anleitung und Unterstützung der örtlichen Organe hinsichtlich der Durchsetzung der sozialistischen Schulpolitik in diesem Gebiet war das Ministerium für Volksbildung verantwortlich. Die Erarbeitung der Lehrpläne und die wissenschaftliche Forschungsarbeit zur Verbesserung der Unterrichts- und Erziehungsarbeit an den entsprechenden Volksbildungseinrichtungen oblag dem Deutschen Pädagogischen Zentralinstitut, Sektion Sorbische Schulen.

Fachzeitschriften für Schule und Unterricht

Die Zeitschrift „Serbska šula“ (Die sorbische Schule), ein in obersorbischer, niedersorbischer und deutscher Sprache publizierendes Presseorgan erschien als pädagogisch-methodische Zeitschrift monatlich im Auftrage des Ministeriums für Volksbildung für Lehrer, Erzieher und Schulfunktionäre dieses Gebietes. Sie gab ihnen Hilfe und Anleitung bei der Durchsetzung des intensiven Lernens und der Verbesserung der sozialistischen Erziehung im Sprachunterricht, in der außcrschulischen Arbeit und in den vorschulischen Einrichtungen. Die „Deutsche Lehrerzeitung“ hatte eine jeden zweiten Monat erscheinende Beilage „Beiträge zur sozialistischen Bildung und Erziehung im deutsch-sorbischen Gebiet“. Für die Jungen Pioniere und Thälmann-Pioniere erschien vierzehntägig die sorbische Pionierzeitschrift „Płomjo“ (Flamme).

Schon aus diesen wenigen Beispielen ist ersichtlich, daß die sozialistische Schule der Deutschen Demokratischen Republik der heranwachsenden sorbischen Generation alle Möglichkeiten für eine umfassende und allseitige Bildung und Erziehung gewährte und ihr auch die Pflege der sorbischen Sprache und Kultur sicherte.

Quelle:
Pädagogische Enzyklopädie (2 Bde.), VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1963, Bd.2, S.861-864 (bearbeitet, Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

Anhang

Hier noch einiges als Ergänzung und Beleg dafür, daß die Sorben als nationale Minderheit sich in der DDR, unserem sozialistischen Vaterland geborgen und auch ihre Traditionen wohlbewahrt fühlten. Es gab nicht nur spezielle Schulen, in denen Sorbisch unterrichtet wurde, sondern auch den Domowina-Verlag mit einem umfangreichen Literatur-Angebot. Hier nun ein paar Zeitungsausschnitte aus der DDR:


Lausitzer Sorben für SED

Bautzen. Die Domowina, die kulturelle Organisation der Lausitzer Sorben, nahm in einer Erklärung zu den Gemeindewahlen folgende Stellungnahme, ein:

„Da bei den Gemeindewahlen am 1. September 1946 nur politische Organisationen die Berechtigung haben, Kandidatenlisten aufzustellen, war es für die sorbische Bevölkerung notwendig, mit einer der politischen Parteien eine Vereinbarung zu treffen. Für das sorbische Volk kam von vornherein nur das Zusammengehen mit einer Partei in Betracht, die auf Grund ihrer antifaschistischen und sozialistischen Einstellung gewillt ist, die Interessen der arbeitenden Bevölkerung der Bauern und Arbeiter, nicht nur mit Worten, sondern auch in der Tat zu vertreten. Die SED hat gezeigt, daß sie nicht nur den Willen, sondern auch die Kraft hierzu besitzt-.

Wir wissen, daß die SED das Privateigentum der arbeitenden Bevölkerung achtet. Wir wissen, daß die SED der Religion vollkommene Freiheit überläßt, mehr Freiheit, als sie jemals unter Hitler und früher besessen hat.

Deshalb, sind wir überzeugt, daß nur durch ein Zusammengehen mit der SED den Interessen des sorbischen Volkes gedient ist. Wir haben deshalb mit dem Bezirksvorstand der SED vereinbart, daß die Domowina ihre Kandidaten auf die Kandidatenlisten der SED stellt, ohne daß diese Parteimitglieder der SED zu sein brauchen.

Wir fordern daher die sorbische Bevölkerung auf sich mit aller Kraft für die gemeinsame Liste der SED und der Domowina einzusetzen, unbeirrt durch jedwede Propaganda, welche versucht, mit unsachlichen und lediglich gefühlsmäßigen Argumenten das werktätige Volk von der Vertretung seiner wirklichen Interessen abzuhalten.

Neues Deutschland, Fr. 9. August 1946


Gerichtsverhandlungen in Sorbisch

Cottbus (ADN). Erstmalig in Deutschland finden im Bezirk Cottbus Gerichtsverhandlungen auch in sorbischer Sprache statt. Damit wird eine uralte Forderung der sorbischen Bürger erfüllt. Der junge sorbische Richter Helmuth Keil leitete in Hoyerswerda bereits drei Prozesse in sorbischer Sprache. Auch die Schöffen waren Sorben. Das Urteil wurde in deutscher und sorbischer Sprache verkündet und ausgefertigt.

Berliner Zeitung, Fr. 21. Januar 1955


Globke Urheber der Sorbenaussiedlung

Domowina unterbreitet neues belastendes Dokumentenmaterial — Lehrer und Geistliche verfolgt

Der Nachweis, daß Globke während der Nazi-Herrschaft der intellekte Urheber der geplanten und zum Teil verwirklichten Aussiedlung der sorbischen Bevölkerung war, wurde an Hand von Dokumentenmaterial auf einer Pressekonferenz geführt, die das Sekretariat des Bundesvorstandes der Domowina am Sonnabend in Bautzen veranstaltete. Auf der Grundlage dieser Dokumente wird bewiesen, daß die faschistische Rassentheorie — die der heutige Staatssekretär Adenauers, Globke, zu Gesetze ordnete — auch gegen die sorbische nationale Minderheit angewandt wurde. Die Teile des sorbischen Volkes, die sich trotz des Terrors der Faschisten zu ihrem Volkstum bekannten, sollten nach Polen ausgesiedelt werden. Verantwortlich für die faschistische Umsiedlungsaktion war Hans Globke.

Auf der Pressekonferenz, an der auch der Vorsitzende der Domowina, Volkskammerabgeordneter Kurt Krenz, teilnahm, wurden weitere Verbrechen Globkes, begangen an der sorbischen Minderheit, bekannt.

Der Erste Sekretär des Bundesvorstandes der Domowina, Bernhard Nowak, verwies in einer Erklärung darauf, daß die Unterscheidung und Einstufung der Staatsbürger in Globkes „Reichsbürgergesetz“ nach „deutschem oder artverwandtem Blut“ und nach „dem Willen und der Eignung zum Dienst am deutschen Volk“ die Grundlage für die Germanisierungspolitik der Faschisten gegenüber der sorbischen Bevölkerung bildete. Die Domowina als Bund der Lausitzer Sorben sollte zu einem „Bund wendischsprechender Deutscher“ umgeformt werden.

Von Jahr zu Jahr nahm die Unterdrückung der sorbischen Menschen unter Handhabung der Rassengesetze Globkes zu. Die „Erfahrungen“, die Globke während der Umsiedlungsaktionen in Polen und der Tschechoslowakei sammelte, fanden auch gegen die sorbische nationale Minderheit ihre Anwendung. Besondere Maßnahmen wurden gegen die sorbischen Lehrer eingeleitet. Die sorbische Intelligenz wurde nach Westdeutschland ausgesiedelt.

Viele Lehrer und Geistliche widersetzten sich der Aussiedlung und wurden deshalb verfolgt, verschleppt, geschlagen und gefoltert, betonte Bernhard Nowak. So mußten in den Konzentrationslagern der Nazis u. a. der sorbische Lehrer Paul Neck, der Kaplan Alois Andrecky und Dr. Maria Grollmuss ihr Leben lassen.

Die Verfolgung der Geistlichen geht auch aus einem Schreiben des erst kürzlich verstorbenen Erzbischofs Heinrich Wienken an den damaligen Bischof von Meißen, Petrus Legge, mit dem Datum vom 19. 10. 1940 hervor. Darin heißt es u. a. : „Das Reichskirchenministerium

hat mich gestern gebeten, nach dort mitzuteilen, daß die in anliegender Liste aufgeführten Geistlichen ihren Seelsorgerposten in der Wender aus volkspolitischen Gründen aufgeben müssen. Wie feststeht, waren sämtliche Geistliche aktiv in der wendischen Volkstumsarbeit tätig. Die Volkstumspolitik im Dritten Reich hat sich aber grundlegend geändert, so daß ein weiteres Verbleiben der Geistlichen in der Wendei nicht mehr geduldet werden kann. Wie ich vertraulich mitteile, geht diese Forderung zurück auf den Reichskommissar des Deutschtums.

Die Niederlagen der Faschisten in der Sowjetunion stoppten die barbarischen Aussiedlungspläne, die auf Befehl Hitlers „bis nach dem Kriege‘ zurückgestellt werden sollten.

Neue Zeit, So. 5. Februar 1961


Festival der Sorben

Bautzen (NZ/ADNK Das IV. Festival der sorbischen Kultur in Bautzen klang am Sonntagabend mit einem festlichen Konzert aus. Aus Städten und Gemeinden der Lausitz trafen im Laufe des Tages mit Sonderzügen und Omnibussen Tausende Gäste in der altehrwürdigen Stadt ein. Mit temperamentvollen Liedern und Tänzen erfreuten bekannte Volkskunstkollektive der Lausitz sowie weitere Ensembles der DDR und aus sozialistischen Bruderländern Tausende in- und ausländische Gäste, unter ihnen auch das Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der SED Prof. Kurt Hager.

Neue Zeit, Mo. 31. Mai 1976


Mitverantwortung für den Schutz des Geschaffenen

Von Georg Frenzel, Bürgermeister der Gemeinde Ralbitz

Ich stehe im 31. Dienstjahr als Bürgermeister der sorbischen Gemeinde Ralbitz. Kreis Kamenz, im Bezirk Dresden. Diese meine Heimatgemeinde wurde noch in den letzten Kriegswochen des Jahres 1945 durch aktive Kampfhandlungen stark zerstört. Wer heute unser so schön gestaltetes Ralbitz besucht, merkt davon nichts mehr. Wir sind überwiegend Bürger sorbischer Nationalität, wir haben in den vergangenen Jahrzehnten alles daran gesetzt, durch Fleiß, Ideenreichtum und eine gute Arbeit in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens unser Dorf schöner, wohnlicher und attraktiver zu gestalten. Von Anfang an wußten wir uns gerufen und verpflichtet, den Frieden zu erringen, Frieden zu schaffen und nicht zuletzt durch unser Bauen zu dokumentieren, daß wir als Christen, als sorbische Katholiken auch Menschen der Hoffnung sind, die sich ihre Zukunft gestalten und ausbauen.

Ein gutes Miteinander und Füreinander mit den Bürgern gehört zum Alltag unseres Gemeindelebens. Bei uns Sorben sind die Zusammengehörigkeit, das Vertrauen zueinander, das Verständnis dafür, dem anderen aus der Not zu helfen, unter besonderen Bedingungen gewachsen. Diese Eigenschaften wurden in der Zeit der Unterdrückung durch den Hitlerfaschismus geboren. Gerade diese Eigenschaften waren in den Nachkriegsjahren von großer Bedeutung und trugen wesentlich zur schnelleren Entwicklung der Kommunalpolitik in unserer Gemeinde bei. Aber nicht nur als Bürgermeister bin ich stolz auf das Erreichte, sondern zugleich als Vorsitzender der Ortsgruppe der CDU ist es mein Bestreben immer mehr Christen für ein aktives gesellschaftliches Engagement zu gewinnen. Aus der bitteren Erfahrung der Geschichte unserer Gemeinde sind wir uns stets darüber im klaren, daß wir das, was wir gemeinsam geschaffen haben, auch behüten und beschützen.

Ich möchte Ihnen einen kleinen Einblick geben, wie die Volksvertretung einer Gemeinde mit ungefähr 1000 Einwohnern ihre Mitverantwortung in der Zivilverteidigung wahrnimmt und welche Ergebnisse erzielt wurden. Als Bürgermeister bin ich gleichzeitig Leiter der Zivilverteidigung in Ralbitz.

Die Maßnahmen der Zivilverteidigung sind schon seit Jahren fester Bestandteil der Arbeitspläne unserer Volksvertretung und des Rates und werden ständig in die tägliche Leitungs- und Führungsarbeit einbezogen. Der Schutz der Bevölkerung steht dabei natürlich im Mittelpunkt. Eine kontinuierliche Arbeit auf dem Gebiet der Zivilverteidigung ist auch die beste Voraussetzung für eine hohe Einsatzbereitschaft. Unsere Erfahrung hat gezeigt: Wer für die Klarheit in den Köpfen der Bevölkerung sorgt, reicht hier die besten Ergebnisse So ist auch der Erfolg in Zivilverteidigung abhängig von der politisch-ideologischen Arbeit des Führungsorgans und insbesondere des Leiters des örtlichen Rates.

GEORG FRENZEL Foto: NZ/Tietz

Neue Zeit, Fr. 23. März 1984


„Österreichische Zeitung“ am 7.11.1947 erschien:

„Die UdSSR hat die Zivilisation gerettet

Von Akademiemitglied J. T a r l e
Es handelte sich um die Vernichtung ganzer Völkergruppen
[…] Für die Nazibanditen handelte es sich nicht nur um die Eroberung fremden Gebietes, nicht um die völlige Ausplünderunq der Opfer und um die Ermordung Tausender und aber Tausender. Es handelte sich darum — und diese Parole, wurde tatsächlich vom deutschen Kommando ausgegeben — eine Gruppe von Völkern völlig auszutilgen. Zu ihnen zählte man alle „für Deutschland unnötigen ehemaligen Besitzer der Gebiete, die von den deutschen Waffen erobert wurden“, in erster Linie die Polen, Tschechen, Sorben und selbstverständlich auch die Russen. Nicht kolonisieren, sondern vernichten — das war die Losung der deutschen Faschisten. Einen Teil der Bevölkerung, nämlich die Intelligenz, die geistige Blüte der besiegten Nationen, trachtete man unverzüglich zu beseitigen. Und als dann die deutsch-faschistischen Horden die Puschkinschen Gedenkstätte Jassnaja Poljana und das Haus Tschaikowskis zerstörten und schändeten, verbargen sie gar nicht ihre Absicht, jegliches Andenken an die russische Kultur mit der Wurzel auszureißen.“


(Danke an Johann Weber für die umfangreichen Recherchen!)

Dieser Beitrag wurde unter Bildung und Erziehung, Geschichte, Meine Heimat DDR, Sozialistische Wirklichkeit, Was ist Sozialismus? veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Die Sorben – Bildung und Schule in der DDR

  1. jan serbin schreibt:

    Ja, sicher. Kleiner Tipp: Einfach mal 1. die Schülerzahlen nach 1964 und 2. die Entwicklung der Zahl der Sorbischsprecher während der DDR-Zeit anschauen. Und vielleicht nicht alles vollkommen unkritisch übernehmen.

    • sascha313 schreibt:

      Danke für den Kommentar. Sorbisch war Unterrichtssprache in Schulen mit sorbischem Sprachunterricht, die Amtssprache in der DDR war Deutsch. Eine Aufgliederung der Einwohner nach Nationalitäten gab es in der DDR nicht. Heute wird jedoch geschätzt, daß es noch 20.000 aktiv sprechende Sorben gibt bzw. 60.000 nach subjektivem Zugehörigkeitsgefühl. Siehe: http://aserbsce.blogsport.de/

  2. Johann Weber schreibt:

    Danke sascha, dass Du uns über die Sorben informiert hast.
    Ich hatte einmal an den „mdr“ eine Anfrage zum Thema „Sorben in der DDR“ gestellt. In der Antwort stand u.a. „Die Sorben sind mehrheitlich katholisch und sie standen in der DDR-Zeit im kritischen Focus des Regimes“.

    Der Artikel „Globke Urheber der Sorbenaussiedlung“ in der Ost-CDU-Zeitung vom 5.2.1961 spricht eine andere Sprache. Diesen Artikel möchte ich noch um einen Artikel ergänzen, der in der „Österreichische Zeitung“ am 7.11.1947 erschien:

    „Die UdSSR hat die Zivilisation gerettet
    Von Akademiemitglied J. T a r l e

    Es handelte sich um die Vernichtung ganzer Völkergruppen

    […] Für die Nazibanditen handelte es sich nicht nur um die Eroberung fremden Gebietes, nicht um die völlige Ausplünderunq der Opfer und um die Ermordung Tausender und aber Tausender. Es handelte sich darum — und diese Parole, wurde tatsächlich vom deutschen Kommando ausgegeben — eine Gruppe von Völkern völlig auszutilgen. Zu ihnen zählte man alle „für Deutschland unnötigen ehemaligen Besitzer der Gebiete, die von den deutschen Waffen erobert wurden“, in erster Linie die Polen, Tschechen, Sorben und selbstverständlich auch die Russen. Nicht kolonisieren, sondern vernichten — das war die Losung der deutschen Faschisten. Einen Teil der Bevölkerung, nämlich die Intelligenz, die geistige Blüte der besiegten Nationen, trachtete man unverzüglich zu beseitigen. Und als dann die deutsch-faschistischen Horden die Puschkinschen Gedenkstätte Jassnaja Poljana und das Haus Tschaikowskis zerstörten und schändeten, verbargen sie gar nicht ihre Absicht, jegliches Andenken an die russische Kultur mit der Wurzel auszureißen.“

    • sascha313 schreibt:

      Danke, lieber Johann… eigentlich bin ich dir zu Dank verpflichtet, denn diese Zeitungsmeldung aus vergangenen Zeiten sprechend doch eine ganz andere Sprache als die böswilligen, DDR-feindlichen Unterstellungen, die heute immer wieder verbreitet werden, ganz gleich, ob es um „die Sorben“ geht oder bspw. um „Heimkinder“. Mein Kenntnisstand aus der DDR-Zeit besagt, daß heute in den Medien immer wieder gelogen wird, um den Sozialismus schlechtzureden.

    • Danke für die Informationen, die du zusammenträgst.

      Zu dem mdr „Kommentar: „Die Sorben sind mehrheitlich katholisch und sie standen in der DDR-Zeit im kritischen Focus des Regimes“.

      Das ist auch wieder so eine Geschichtsfälschung.

      Mit der „Germanisierung“ der Sorben durch die Evangelisch-Lutherische Kirche ab dem 17. Jahrhundert waren die Sorben noch Anfang des 20. Jahrhunderts zu 86,9 % ‚evangelisch‘ [*1]

      Mehrheitlich gehörten die Sorben ab 1945 gar keiner Religion mehr an und das hat sich bis heute auch nicht geändert. Die Sorben gehören mehrheitlich keiner ‚Kirche‘ an. Richtig ist nur, dass von den Sorben, die noch einer Kirche angehören, sowohl zur Zeit der DDR als und auch heute noch, die meisten davon ‚katholisch‘ sind.

      In der DDR gab es kein Regime

      [*1] Laut Volkszählung 1900, siehe Ernst Tschernik: Die Entwicklung der Sorbischen Bevölkerung. Akademie-Verlag Berlin, 1954, S. 34

  3. Rolf schreibt:

    Richtig Sascha!
    Johann Weber ist mit seinen Beiträgen und seinem Wissen eine große Bereicherung deines Forums. Andere Beiträge sind auch ein wichtiges Fundament für die Wahrheit – die Zukunft.
    Danke!

Schreibe eine Antwort zu Rolf Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s