Was geschah 1949 wirklich in der Ostzone?

Besatzung1945Nun ist es zwar schon viele Jahrzehnte her – und mancher wird sagen: Was interessiert uns das heute noch! Aber einige Lügen werfen eben doch einen verdammt langen Schatten auf die Gegenwart, wenn es beispielsweise um die Zahlungen von Reparationen an Rußland, Polen, Griechenland und andere von Nazi-Deutschland im 2. Weltkrieg überfallene Nationen geht. Diese berechtigten Forderungen werden von der BRD nach wie vor verweigert. Der durchschnittliche BRD-Bürger, der bisher nichts anderes kannte, als die gängigen Zeitungen und Illustrierten, die man auch heute noch an jeder Straßenecke kaufen kann, bildet sich natürlich seine Meinung nach dem, was er da so zu lesen bekommt. Die Realität sieht allerdings oft ganz anders aus, vor allem, was den östlichen Teil Deutschlands betrifft, der im Westen damals nur als „Ostzone“ bekannt war. Für uns jedoch war es die DDR, unser sozialistisches Vaterland. Heute gibt es die DDR nicht mehr, und nur die Älteren, die noch in der DDR aufgewachsen sind, können beurteilen, wie es bis 1990 dort wirklich war. Vergleichen wir also einmal einen Bericht aus der westlichen Tagespresse mit der Wirklichkeit. Mag sich nun jeder selbst ein Bild darüber machen…

Mittelbayerische

Am 17. Februar 1949 berichtete die Mittelbayerische Zeitung ihren Lesern über den angeblichen „Terror im Schatten von Hammer und Sichel“ und „das unmenschliche Verfahren der Zwangsarbeit“ in der sowjetischen Besatzungszone. „Untersuchungen“ hätten gezeigt, so schrieb der unbekannte Verfasser, daß die „Zahl der Konzentrationslagerinsassen“ in der Sowjetischen Besatzungszone größer sei als 1939 im faschistischen Deutschland. Man schrieb von fast vier Millionen Menschen, die sich angeblich oder mutmaßlich noch irgendwo in der Sowjetunion befänden. Der britische Staatssekretär Baron Christopher Mayhew habe erklärt, das „unmenschliche Verfahren“ der „Zwangsarbeit“ breite sich „im Gefolge von Hammer und Sichel weiter nach Westen aus“. Eine Horrordarstellung, die jedem Leser nur noch Angstschauer über den Rücken jagen konnten…
angeblicher Terror SBZ

Lüge oder Wahrheit?

Für einen normalen, denkenden Menschen stellt sich diese Frage nicht… was war dran an diesem „Bericht“? Nichts. Absolut nichts! Es war alles komplett gelogen! Im Lügen waren die bürgerlichen Medien schon immer unübertroffen. Regelmäßig wurden in den westlichen Zeitungen und im Rundfunk solche Horrormeldungen verbreitet, um vom eigenen Terror, von den Atombomben, den Angriffsplänen der NATO, der Kommunistenverfolgung und der Wiedereinsetzung der Nazis im Westen abzulenken, währenddem in der sowjetischen Besatzungszone bereits unmittelbar nach dem Ende des Nürnberger Prozesses mit der Entnazifizierung und dem friedlichen Wiederaufbau begonnen worden war.


Wie war es nun in Wirklichkeit?

Am 30. April 1945 hatten Sowjetsoldaten auf dem Gebäude des Deutschen Reichstages in Berlin die rote Fahne gehißt. Wenige Tage später, am 8. Mai 1945, besiegelten die Vertreter des Oberkommandos der faschistischen Wehrmacht mit ihrer Unterschrift die bedingungslose Kapitulation. Der imperialistische deutsche Staat hörte auf zu bestehen. Der deutsche Imperialismus hatte seine bis dahin schwerste Niederlage erlitten. Nach den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens vom August 1945 wurde Deutschland in vier Besatzungszonen eingeteilt, die von der UdSSR. den USA, Großbritannien und Frankreich besetzt wurden. Die Staatsgewalt ging an den Allüerten Kontrollrat über. Die vier Oberbefehlshaber bildeten ein gemeinsames Organ, den Alliierten Kontrollrat, mit Sitz in Berlin. Seine Entscheidungen über alle Deutschland als Ganzes betreffenden wesentlichen Fragen mußten einstimmig getroffen werden, damit ein einheitliches Vorgehen der vier Großmächte in den einzelnen Besatzungszonen gesichert war.

Das geteilte Berlin

Zur Gewährleistung einer erfolgreichen Tätigkeit des Kontrollrates und des Zusammenwirkens aller Besatzungsmächte sollten die Westmächte an der Besetzung Berlins beteiligt werden. Es wurde festgelegt, zur gemeinsamen Verwaltung Berlins eine Interalliierte Behörde zu errichten, die unter Aufsicht des Alliierten Kontrollrates arbeitete. Deswegen erhielten die Westmächte je einen Sektor in Berlin zugewiesen; sie stationierten dort eigene Truppen. Trotz dieses Viermächtestatus, dem Berlin damals unterlag, wurde es weder zu einem fünften Besatzungsgebiet, noch wurden Teile der Stadt den westlichen Besatzungsgebieten eingeglie­dert. Berlin blieb Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone. Diese Tatsache kam darin zum Ausdruck, daß in allen einschlägigen Dokumenten der Alliierten nur von vier Besatzungszonen die Rede ist. Die oberste Gewalt des sowjetischen Befehlshabers für Berlin wurde durch die besondere Berlin-Regelung nicht betroffen. Die Zuständigkeit der SMAD für ganz Berlin widerspiegelte sich auch in praktischen Maßnahmen. So verblieben die Anlagen der Reichsbahn und das Wasserstraßennetz Berlins unter alleiniger sowjetischer Zuständigkeit. Die Verkehrsverbindungen zwischen den Berliner Westsektoren und den westlichen Besatzungszonen auf den Straßen-, Wasser- und Schienenwegen unterlagen der Kontrolle der Sowjetischen Militäradministration.

Eine bittere deutsche Realität…

Zunächst mußte das schwere Erbe überwunden werden, das die faschistische Herrschaft hinterlassen hatte. Vielen Deutschen wurde erst jetzt, unmittelbar nach Kriegsende, die furchtbare Lage bewußt, in die sie der deutsche Imperialismus gebracht hatte. Deutschland war in seine größte Katastrophe gestürzt, in seiner Entwicklung um Jahrzehnte zurückgeworfen worden. In der ganzen Welt war sein Name mit Schimpf und Schande befleckt, waren doch die grausamen Verbrechen gegen den Frieden und die Menschlichkeit im Namen des deutschen Volkes geschehen. Millionen Deutsche hatten die Macht- und Eroberungsgelüste des deutschen Monopolkapitals, der Junker und Militaristen mit ihrem Leben bezahlen müssen. Die Rüstung und der zweite Weltkrieg hatten die Wirtschaft Deutschlands zerrüttet und die Währung zerstört. Unzählige Produktionsanlagen waren vernichtet oder funktionsunfähig. Nahezu 30 Prozent des städtischen Wohnraumes waren dem Krieg zum Opfer gefallen; in den Großstädten betrug der Anteil der schwer beschädigten oder restlos zerstörten Wohnungen sogar durchschnittlich 50 Prozent. Hundertausende Menschen irrten obdachlos umher. Der Mangel an den notwendigsten Lebensmitteln und Industriewaren, an Gas und Elektrizität, an medizinischer Versorgung schufen eine Situation, in der die Überlebenden des zweiten Weltkrieges Opfer des Hungers und der allgemeinen Not zu werden drohten. In Berlin existierten im Sommer 1945 von 33.000 Krankenbetten aus der Vorkriegszeit noch 8.500, von 6.500 Ärzten noch 2.400. Kranke mußten von ihren Angehörigen auf Tragbahren, Tote auf Handwagen befördert werden. In Dresden starben von 100 Neugeborenen 73.

Die sowjetische Besatzungszone (SBZ)

Auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone war das Ausmaß der Schäden besonders groß. Faschistische Truppen hatten der vorrückenden Sowjetarmee einen militärisch zwar sinnlosen, aber erbitterten Widerstand ent­gegengesetzt, während . angle-amerikanische Truppen große Teile im Westen Deutschlands fast kampflos einnehmen konnten. Ohne militärische Notwendigkeit wurden viele versorgungs­wichtige Einrichtungen zerstört oder funktionsunfähig gemacht. Der Sowjetarmee sollte nur ,,verbrannte Erde“ hinterlassen werden. Nicht weniger als das materielle Elend wog das geistige Erbe des Faschismus. Wenn auch derdeutsche Imperialismus militärisch geschlagen war, so wirkte die faschistische Ideologie zunächst weiter. Antikommunismus, Antisowjetismus, Rassenvorurteile und nationale Überheblichkeit gegenüber anderen Völkern bestimmten das Denken vieler Deutscher auch nach Beendigung des Krieges. So erleichtert die Menschen über das Ende des Krieges waren, so tief war bei den meisten von ihnen die Erschütterung, als sie sich der verheerenden Lage bewußt zu werden begannen, die Krieg und Faschismus hinterlassen hatten. Große Teile des deutschen Volkes sahen der Zukunft voller Angst entgegen; ihnen erschien der Untergang im Chaos unvermeidlich. Nur die fortschrittlichsten Menschen erkannten im Sieg der Sowjetarmee eine Befreiungstat von geschichtlicher Bedeutung.

Eine historische Chance

Die Befreiung vom Faschismus eröffnete dem deutschen Volk die Möglichkeit, sich für immer der Monopolkapitalisten und Junker zu entledigen und· den Weg zu Demokratie und Sozialismus zu beschreiten. Diese historische Chance wurde durch die Tatsache begünstigt, daß sich die Sowjetunion in ihrer Haltung gegen­über dem deutschen Volk von sozialistischen Prinzipien leiten ließ. Die UdSSR sah ihre Befreiungsmission sowohl in der konsequenten Politik zur Vernichtung des deutschen Faschismus und Militarismus als auch in der Unterstützung der demokratischen Kräfte des deutschen Volkes, insbesondere der Arbeiterklasse, bei der Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Die UdSSR war deshalb bemüht, einen einheitlichen, friedliebenden deutschen Staat zu schaffen. Die sowjetische Besatzungsmacht gab, um dieses Ziel zu erreichen, den deutschen Antifaschisten umfassende materielle und ideelle Hilfe.

Neubeginn in Ostdeutschland

Noch überwogen Resignation und Hoffnungslosigkeit. Doch nicht alle Menschen verharrten im Pessimismus. Unmittelbar nach der Befreiung stellten sich klassenbewußte Arbeiter – Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter – und antifaschistisch eingestellte Menschen aus anderen Bevölkerungsschichten dem demokratischen Aufbau zur Verfügung.

Aktivisten der ersten Stunde

An ihrer Spitze standen diejenigen Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands, die aus den Konzentrationslagern befreit, aus der Illegalität aufgetaucht oder aus der Emigration zurückgekehrt waren. Als Aktivisten der ersten Stunde griffen sie tatkräftig zu und begannen mit der Überwindung der Kriegsfolgen. Sie fragten nicht nach Lohn für ihre Arbeit. Mit bloßen Händen bargen sie aus den Trümmern Maschinen und Rohstoffe. Die Aktivisten der ersten Stunde brachten· die Produktion notdürftig in Gang. Sie kümmerten sich darum, daß Kraftwerke und andere lebenswichtige Einrichtungen wieder funktionierten. Sie suchten Kontakt zu den Besatzungsorganen. Anfang Mai 1945 begaben sich Gruppen von Beauftragten des Zentralkomitees der KPD aus der Sowjetunion in die von der Sowjetarmee befreiten Gebiete Deutschlands. Sie wurden von bewährten Funktionären des Zentralkomitees geführt. So stand die Berliner Gruppe unter der Leitung· Walter Ulbrichts, in Sachsen wirkten Hermann Matern und Kurt Fischer unter der Leitung Anton Ackermanns. Diese Initiativgruppen arbeiteten eng mit den Truppenführungen der sowjetischen Armee zusammen. und unterstützten sie bei der Bewältigung der dringendsten Aufgaben. Sie nahmen gemeinsam mit den sowjetischen Organen den Kampf gegen den Hunger, die Obdachlosigkeit, gegen die katastrophalen Verkehrs- und Versorgungsschwierigkeiten auf. Sie stellten die Verbindung zu den aus der Illegalität hervortretenden Parteiorganisationen, zu Sozialdemokraten und bürgerlichen Demokraten her.

Beispielhaftes in Ost-Berlin
Beispielhaft für die gesamte sowjetische Besatzungszone wirkte die Beauftragtengruppe in Berlin. Sie stellte in kurzer Zeit Verbindung zu den Antifaschisten und Hitlergegnern verschiedener politischer Richtungen her und schuf mit ihnen gemeinsam in allen Berliner Stadtbezirken neue, demokratische Selbstverwaltungsorgane. Bereits am 19. Mai 1945 trat der erste demokratische Magistrat von Groß-Berlin zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Ihm gehörten Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter und antifaschistische bürgerliche Politiker an. Der parteilose Demokrat Dr. Arthur Werner wurde vom ersten sowjetischen Stadtkommandanten, Generaloberst Bersarin, als Oberbürgermeister bestätigt und in sein Amt eingeführt.

Die demokratischen Selbstverwaltungen

So wie in Berlin sahen die sowjetischen Behörden in allen Ländern und Provinzen der sowjetischen Besatzungszone in den deutschen Antifaschisten die berufenen Vertreter des deutschen Volkes. Ihnen übertrugen die Orts- und Kreiskommandanten der Sowjetarmee die Verantwortung als Bürgermeister, Gemeindevorsteher oder Landräte. Die SMAD erkannte die demokratischen Selbstverwaltungen als einzige deutsche Machtorgane an und war bestrebt, deren Befugnisse zu erweitern. Die neugegründeten demokratischen Verwaltungen mußten vor allem den Kampf gegen die Hungersnot organisieren. In vielen Orten der sowietischen Besatzungszone, besonders in den Großstädten, war die Lebensmittelversorgung gefährdet; in Berlin und Dresden war sie völlig unterbrochen. Die Mehrheit der Menschen glaubte damals nicht, daß die erste Hilfe von der Sowjetunion kommen würde. Schon am 9. Mai 1945 traf der Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrats der UdSSR, Mikojan, in Berlin ein, um die entsprechenden Maßnahmen einzuleiten.

Das Potsdamer Abkommen

potsdamer abkommen

… und in den westlichen Besatzungszonen?

In den westlichen Besatzungszonen unterbanden die Militärregierungen – getrieben vom imperialistischen Klasseninteresse – weitgehend jede Initiative und Aktivität antifaschistisch-demokratischer Kräfte. Sie lösten antifaschistische Ausschüsse auf; es gab keine echte Zusammenarbeit zwischen Besatzungsbehörden, Antifaschisten und Demokraten. Parteien wurden nur auf Kreis- und Ortsebene zugelassen. Sie und die Gewerkschaften durften längere Zeit keine Zeitungen herausgeben. Die Aktionseinheit der Arbeiterklasse, die wichtigste Voraussetzung für demokratische Veränderungen, sollte durch diese Machenschaften der imperialistischen Besatzungsmächte verhindert werden

Quelle: Geschichte, Klasse 10. Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1980, S.48-54. 

In der DDR war von Anfang an das Potsdamer Abkommen in Geist und Buchstaben eingehalten worden. Anders war es in den Westzonen. Auf Betreiben der Westmächte wurde dort das Potsdamer Abkommen gebrochen, um Reparationszahlungen an die Sowjetunion zu entgehen. Einen Friedensvertrag lehnten Adenauer und die westlichen Besatzungsmächte ab. Nach der Einführung einer separaten Währungsreform im Westen und Vereinigung der Westzonen zur Bi- und Trizone wurde Bundesrepublik Deutschland (BRD) gegründet. Erst Monate später entstand Deutsche Demokratische Republik (DDR). Danach begann die Wiederaufrüstung und Militarisierung der BRD. Zu einer Verständigung war das Adenauer-Regime nicht bereit; die Spaltung Deutschlands war damit unumkehrbar geworden. Ein Wort noch zu den Internierungslagern in der DDR: Im Zuge der Entnazifizierung in der SBZ waren aktive Nazis, Beamte und Bonzen aus der Nazizeit verhaftet worden und in die ehemaligen KZ gebracht worden, um zu verhindern, daß sie den Neubeginn eines antifaschistischen Aufbaus störten. Was sollte man mit ihnen tun? Viele von denen wurden später unter Auflagen wieder freigelassen, die meisten aber zogen es vor, nach Westdeutschland zu ziehen, wo ohnehin führende Nazis im großen Stil amnestiert worden waren.

Bilder aus Ostdeutschland/DDR

Und hier ist eine Serie mit Bildern aus Dresden nach 1945:

05. Dresden Juni 1945 32. Dresden Juni 1945 33. Dresden Juni 1945 136. Dresden Juni 1945 34_Dresen Juni 1945

Quelle: https://humus.livejournal.com/4876360.html


Hier nun noch einige Bilder aus einem Pionierferienlager auf der Insel Rügen:

Rugen_106 Rugen_3 Rugen_6 Rugen_69 Rugen_78 Rugen_42

Quelle: http://istogram.info/ostrov-ryugen-pionerskaya-respublika-denatsifikatsiya-po-sovetski-134-foto/


 

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4 Antworten zu Was geschah 1949 wirklich in der Ostzone?

  1. Johann Weber schreibt:

    Die Internierungslager in der sowjetisch besetzten Zone wurden vom Westen und nach der Wiedervereinigung verstärkt durch die Akteure der DDR-Aufarbeitungsindustrie als „Sowjet-KZ“, „Ostzonen-KZ“ oder „DDR-KZ“ bezeichnet.

    Wie war es nun in Wirklichkeit? Der Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Regierung der DDR, Probst Heinrich Grüber schrieb im „Neuen Deutschland“ am 5. Januar 1950 über seine Eindrücke, die er zu Weihnachten 1949 im Internierungslager Sachsenhausen erlebte. Er hielt in Sachsenhausen einen Weihnachtsgottesdienst. Probst Grüber war von den Nazi´s im KZ-Sachsenhausen inhaftiert worden.

    Sachsenhausen 1940 und 1949
    Von Propst D. Dr. Heinrich Grüber (Berlin)
    „[..]Es waren gerade neun Jahre her, daß ich als Häftling. in dieses Lager eingeliefert wurde. Die Schreckenstage und Grauennächte traten wieder vor meine Seele. Der Stacheldraht und die bekannten Wachtürme ließen die Komplexe, die ich nun einmal gegen diese Einrichtungen habe, wieder wach werden.[..]
    Damals lief eine verschüchterte grau-blaue Masse durcheinander — es durfte ja keiner im Lager Schritt gehen oder gar herumstehen — , alle trugen damals die grau-blau gestreifte Sträflingskleidung, kurz geschnittenes Haar und Holzpantinen. Das einzige Unterscheidungsmerkmal war der Winkel und die Nummer. Die Nummer und nicht der Name war das Wesentliche.

    Jetzt standen hier Menschen in zwangloser Unterhaltung herum, gut angezogen — jeder trug seine eigenen Sachen — , gut gepflegt und normal ernährt. Die Frauen hatten allerhand Verschönerungskünste angewendet. Es fehlte sogar bei den Jüngeren nicht die rote Farbe auf den Lippen. Die ganze Haltung war, soweit das in einem Lager möglich ist, ungezwungen, auch das Gespräch, das ich nach dem Gottesdienst mit den Frauen hatte. Es stellte sich heraus, daß die Gottesdienstbesucherinnen auch regelmäßige Hörerinnen meiner Morgenfeiern im Berliner Rundfunk waren, und manche konnten noch ganze Sätze wiederholen die mir selbst längst entschwunden waren. Auch das Verhältnis zu den Wachmannschaften war, soweit ich feststellen konnte, kein verängstigtes. Das haben mir auch die früher entlassenen Häftlinge immer bestätigt, daß mehr Schwierigkeiten durch die Mitgefangenen als die russischen Wachmannschaften entstanden.[..]

    Ich habe als Erster öffentlich zu den Lagern der vier Besatzungsmächte Stellung genommen in einem ökumenischen Gottesdienst im Oktober 1946. Ich habe weithin den sowjetischen Behörden immer wieder die Wünsche auch der evangelischen Kirche vorgetragen. Aber es ist ein unverzeihliches Unrecht, dieses Lager von heute mit den KZs Hitlers in einem Atemzug zu nennen oder gar zu sagen „genau wie bei den Nazis, vielleicht noch schlimmer“.

    Lagerleben bleibt immer Freiheitsentzug, aber bei Hitler war es eine planmäßig und systematisch durchgeführte Grausamkeit. Hier handelt es sich um eingesperrte Menschen, bei Hitler um ständig mißhandelte und gequälte Menschen. Hier hält man Menschen vom Leben fern, aber man macht ihnen das Leben nicht unnötig schwer. Weder durch Arbeitsüberlastung noch durch ausgesuchte Torturen wurden die Menschen hier systematisch „liquidiert“.[..]

    Wir wissen auf der anderen Seite, daß wir als Deutsche den Besatzungsmächten, vor allem auch der russischen gegenüber, keine Forderungen aufzustellen haben. Wir sind ja alle mitschuldig geworden an dem großen Leiden, das über diese Völker gekommen ist. Gerade, als ich in Sachsenhausen an den Baracken 9 und 10 vorbeiging, wurde in mir die Erinnerung an die Augusttage 1941 wieder wach, wo in diesen Baracken Tausende von russischen Kriegsgefangenen eingepfercht waren, die dann nachts auf dem Industriehof auf die grausamste Weise „umgelegt“ wurden. Es bleibt dies für mich die dunkelste Stunde und die Sünde meines Lebens, mit der ich bisher noch nicht fertig geworden bin. [..]

    Was die Unterbringung, Verpflegung und sanitären Einrichtungen des Lagers angeht, so übertrifft dieses viele der Flüchtlingslager in der Westzone, die ich gesehen habe. [..]“

    Wegen dieser Äußerungen wurde Probst Heinrich Grüber vehement von Politikern und Journalisten aus Westdeutschland und Westberlin angegriffen und diffamiert.

    • sascha313 schreibt:

      Danke für den Kommentar! Gerade diesen Satz: „genau wie bei den Nazis, vielleicht noch schlimmer“ verwendeten die Kriegshetzer und Feinde der Sowjetunion, um von der Militarisierung der westlichen Besatzungszonen abzulenken. Man darf auch nicht vergessen, daß im Widerspruch zu den Beschlüssen der Antihitlerkoalition die gleichen Leute, die bereits zu den Stützen des Faschismus zählten, das Gesicht des Bonner Staates prägten. Sie alle saßen nach 1945 im Westen wieder in Amt und Würden, beherrschten die Bildung und Erziehung der Jugend und den Apparat der Massenbeeinflussung.

      Das wurde mit dem „Braunbuch der Kriegs- und Naziverbrecher in der Bundesrepublik“, das 1965 im Staatsverlag der DDR erschienen war, ausführlich und namentlich dokumentiert.

  2. Valeri Maser schreibt:

    Es gab den Versuch eines Umsturzes – Menschen gegen Parasiten… hat aber geklappt!

  3. Valeri Maser schreibt:

    ich lache wenn schuler gegen Klimawandel
    Habe auch auf Facebook ernannt sich als President.

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