Die rabenschwarze, antikommunistische „Rote Hilfe“

Schwarze Hilfe

…eine schwarze „Rote Hilfe“ und ein äußerst zynischer Spruch auf dem Titelblatt!

Im Januar 2019 war in einer Auflagenhöhe von 7.500 Exemplaren die Ausgabe 1/2019 der „Rote Hilfe Zeitung“ erschienen. Nach einem lapidaren „Offenen Brief“ der DKP gegen dieses Heft erschien dann eine erste scharfe Kritik zu diesem Heft von der „Kommunistischen Organisation“ und später eine Reihe weiterer kritischer Erwiderungen. Es handelte sich darum, daß der Verein „Rote Hilfe e.V.“ in diffamierender Weise und mit übelsten Verleumdungen über die DDR herzieht und damit den Antikommunismus von Conquest, Courtois und Konsorten fortsetzt. Der Verein befindet sich damit nicht nur in eklatantem Widerspruch zu den Absichten der Gründer der „Roten Hilfe“, Wilhelm Pieck und Clara Zetkin, sondern beschmutzt mit seinen Beiträgen im Heft auch die Ehre von Generationen aufrechter Kommunisten und Verfolgter des Nazi-Regimes. Und das nicht zum ersten Mal! Wer nun denkt, dies alles habe im dem Verein zum Nachdenken oder gar zu Entschuldigungen geführt, der irrt. Es war Absicht und bleibt Absicht: Der Verein ist antikommunistisch und DDR-feindlich orientiert. Eine sachkundige, klare und parteiliche Auseinandersetzung u.a. mit dem heuchlerischen und verlogenen Artikel des Antikommunisten Ulrich Schneider, der  bezeichnenderweise auch noch als „Bundessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ fungiert, liefert uns Klaus Hartmann vom Verband der Freidenker.

Rote Hilfe für die Schwarzen.jpg

15. März 2019

Die Gründung der „Roten Hilfe“

Es war einmal … eine linke Selbsthilfeorganisation der Arbeiterbewegung: Als vor 100 Jahren die Novemberrevolution 1918 und Rätebewegung in Deutschland von den Konterrevolutionären niedergeschlagen wurde, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet sowie Revolutionäre und ihre Angehörigen durch „weißen Terror“ verfolgt wurden, entstanden Anfang der 1920er Jahre Rote-Hilfe-Komitees zur Unterstützung der Opfer der Repression. 1924 wurde die parteiunab­hängige Rote Hilfe Deutschlands (RHD) gegründet, Vorsitzender war der KPD-Reichstagsab­geordnete Wilhelm Pieck, der 1949 Präsident der DDR wurde, 1925 wurde Clara Zetkin Vorsitzende. Die Organisation wurde 1933 von den deutschen Faschisten verfolgt und verboten, viele Mitglieder engagierten sich in der Illegalität weiter für die Unterstützung politischer Gefangener.

Neugründung in der BRD im Jahre 1975

In der Bundesrepublik Deutschland gründeten sich erst in Folge der 1968er Bewegung und der Außerparlamentarischen Opposition (APO) wieder Rote-Hilfe-Gruppen, verbunden mit langjährigen scharfen Auseinandersetzungen zwischen „Autonomen“, „Anarchisten“, „Revisionisten“, „Trotzkisten“ „Orthodoxen“, „Maoisten“ und diversen „K-Gruppen“ um die „richtige Linie“. 1975 folgte die bundesweite Gründung der RHD als „revolutionäre Massenorganisation“ unter maßgeblichem Einfluss der KPD/ML (die auf den Sozialismus in Albanien und der VR China orientierte). Die folgenden zwei Jahrzehnte bis 1994 waren durch fortgesetzte Auseinander­setzungen um Selbstverständnis und Aufgaben geprägt: „Parteiersatz, Richtungsorganisation oder karitatives linkes Rotes Kreuz?“ Der KPD/ML-Einfluß wurde zurückgedrängt, 1986 folgte die Umbenennung in RH (ohne D) und die Umwandlung in einen e.V., seit 1994 steht die „Antirepressionsarbeit“ im Mittelpunkt.

Kübelweise Schmutz und Hetze gegen die DDR

2018 wurden Überlegungen über ein Vereinsverbot publik, gestützt auf Einschätzungen des Inlandsgeheimdienstes („Verfassungsschutz“), die Rote Hilfe sei eine „linksextremistische“ Gruppierung mit „verfassungsfeindlicher Grundausrichtung“. Sich dagegen zur Wehr zu setzen, verdiente Unterstützung, nicht allerdings der Einfall, auf den die Organisation zu diesem Zweck jetzt offenbar verfiel: Kübelweise Dreck über die DDR auszugießen und sich vor dem Antikommunismus in den Staub zu werfen. Die „Rote-Hilfe-Zeitung“ 1-2019 leistet ihren Beitrag zum bevorstehenden 70. Jahrestag der DDR-Gründung, der sich – nicht durchgängig, aber überwiegend – liest wie eine Fortschreibung des „Schwarzbuches des Kommunismus“. Da das Feld der Hetze gegen die DDR von Reaktionären aller Art schon bis zum Gehtnichtmehr bestellt ist, kommt durch die „Rote“ Hilfe nun eine zielgruppenspezifische „linke“ Variante daher, nach dem bekannten Motto: im Namen des „wahren“ oder „echten Sozialismus“ gegen den realen Sozialismus.

Die Delegitimierung der DDR im Namen Kinkels

Vorgeblich geht es um „Repression gegen linke Oppositionelle“, also hat es sich die DDR auch selbst zuzuschreiben – schließlich habe sie ja „zu einer Diskreditierung des ‚Sozialismus‘ beigetragen“. Dabei wollen wir auch nicht übersehen: Sozialismus in Anführungszeichen setzt sie, die Rote Hilfe, hier und heute, wie weiland die „echten Rechten“ die „DDR“. Spät, aber nicht zu spät, hat der gerade von uns gegangene vormalige BND-Chef, Bundesjustiz- und Außenminister Kinkel sogar noch ein paar „rote“ Helfer gefunden, die bei seinem Tagesbefehl (v. 23.09.1991) stramm stehen: „Es muß gelingen, das SED-System zu delegitimieren“.

… beginnt mit einer Geschichtsfälschung

Die „rote“ Delegitimierung beginnt mit einem Blick zurück, in die 1920er Jahre, der dabei erkennt, daß „die These vom ‚Sozialfaschismus‘ vom sowjetischen Altbolschewiken Sinowjew“ von 1924 stammt. Aha, Altbolschewiken, aufschlußreiches „wording“. Dann wird die Volksfront-Losung des VII. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale 1935 so gedreht, daß „die Kommunistische Partei auch mit den nicht ganz so ‚reaktionären, chauvinistischen, imperialistischen Elementen‘ der Bourgeoisie zusammenarbeiten“ durfte. Die kommunistische Unterstützung der Spanischen Republik erscheint geradezu verbrecherisch: „Die sowjetischen Waffenlieferungen wurden auch dazu benutzt, syndikalistische und kommunistische Organisationen zu zerstören“, „der sowjetische Geheimdienst GPU bekämpfte mit schlimmsten Mittel die soziale Revolution.“

Verleumdungen der SED

Und nach 1945 (?) Bestrebungen, „ein sozialistisches Land aufbauen“ habe „auch die sozialistische Sowjetunion unterbunden“, weil dies „eine Gefahr für die ‚unfehlbare‘ Partei und die sowjetischen Behörden“ gewesen sei! „Die Eigeninitiative von Teilen der Bevölkerung in der SBZ wurde niedergeschlagen. Die Partei hatte weiterhin Recht.“ „Damit wurde auch ein Grundstein für die nächste Niederlage des Sozialismus gelegt,“ so der weitsichtige – Rückblick.

Niederträchtige Lügen über Buchenwald

Ohne Zerstörung des „Mythos Antifaschismus“ kommt kein DDR-Delegitimierer aus. Besonders niederträchtig wird der kommunistische Widerstand im KZ Buchenwald behandelt, dabei über Widersprüche flott hinweggeschrieben: Einerseits habe die SED das Gedenken an „Buchenwald, seine Opfer und seine Widerstandsgeschichte“ abgelehnt, trotzdem wurde es „zum mahnenden Zeigefinger, der an die sozialistischen Pflichten und Tugenden erinnerte, auf daß die Verbrechen des Faschismus in Deutschland sich nie wiederholen mögen.“

  • Einerseits wollte man „den Namen ‚Buchenwald‘ soweit wie möglich aus der Öffentlichkeit halten, da das KZ-­Gelände seit Ende des Zweiten Weltkriegs in sowjetischer Hand als Speziallager genutzt wurde“, dann wieder sei es der SED mit Buchenwald um die „Herstellung einer linearen Geschichte vom antifaschistischen Widerstand in Nazi­-Deutschland bis zur Gründung der DDR“ gegangen. Dies sei ein „Prozeß der Aneignung einer Erzählung durch die moskaunahen Kräften innerhalb der SED, der sich in Machtkämpfen und Auseinandersetzungen um die Hoheit über die Geschichtsdeutung und ­schreibung vollzog“ gewesen.
  • Natürlich geht es nicht ohne Delegitimierung des kommunistischen Widerstands im Lager mit Kronzeugen wie dem notorische Lutz Niethammer, der „die roten Kapos von Buchenwald“ zu Verbrechern machte, die „ihre Überlebensstrategien auf Kosten anderer“ betrieben hätten. Der Blockälteste des Judenblock, Mitglied der illegalen KPD-Lagerleitung wird dabei kurzerhand zum „Altstalinist und ehemaligen Funktionshäftling Emil Carlebach“.

Die umgelogene Geschichte des CIA-Agenten Noël Field

Als weiterer Kronzeuge für „Politische Repressalien gegen Antifaschisten“ tritt ausgerechnet Ulrich Schneider an, „Historiker und Bundessprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“. Angesichts der Repressalien gegen die VVN in den Westzonen, kann er für die SBZ/DDR wenigstens „verstärkten ideologischen Druck“ vermelden. Dazu zählt er „Vorwürfe wegen Zusammenarbeit mit dem ‚amerikanischen Agenten‘ Noël H. Field“ in der Emigration, die „Ablösung von Karl Raddatz, Generalsekretär der VVN“, der später wegen „Spionage für das Ostbüro der SPD zu mehrjähriger Haft verurteilt“ wurde, „eine Kampagne gegen ‚zionistische Agenten‘ im Nachvollzug der Moskauer Ärzteprozesse“.

Frontalangriff gegen die Kommunisten in der DDR

Besonders schmerzt Schneider der Beschluß von 1953, die Tätigkeit der VVN in der DDR einzustellen, wozu sie selbst damals formulierte: „Die von der VVN seit 1945 gestellten Aufgaben sind durch die Entwicklung in der Deutschen Demokratischen Republik gelöst.“ Daß Walter Bartel, Vorsitzender des illegalen internationalen Lagerkomitees im KZ Buchenwald, der seit 1946 persönlicher Referent von Wilhelm Pieck war, ab 1953 allerdings eine „akademische Karriere“ machte, heißt für Schneider, er sei „entmachtet“ worden. Und dass Bartel nie vor Gericht stand, heißt für Schneider, dass „eine Anklage offenbar politisch nicht opportun war“. Welch ein armseliges Geschreibsel.

Die Lüge vom „Antisemitismus in der DDR“

Als nächster Punkt im Sündenregister folgt der schon gebetsmühlenhaft durchgekaute Vorwurf des „Antisemitismus in der DDR“. Es habe einen „Pauschalverdacht“ gegen „imperialistische“ und „zionistische Agenten“ gegeben, „trotzkistisch­-titoistische Verschwörer“, einen „wachsenden Antisemitismus in der Sowjetunion“ und „unter dem Deckmantel des ‚Antizionismus‘ zunehmend traditionelle antisemitische Stereotype“. Und dann habe es die Beschuldigung gegen den „‘amerikanischen Imperialismus‘, gezielt ‚fortschrittliche Genossen durch die Bezichtigung des Antisemitismus zu diskreditieren‘“ gegeben – kurzum: die DDR hatte das „Feindbild Zionismus“. Damit liegt der RHZ-Beitrag voll im heutigen Trend, jede Kritik an Israels Kriegsverbrechen mit dem Vorwurf „Antisemitismus“ mundtot machen zu wollen. Als ob der „Antisemitismusbeauftragte“ der Bundesregierung selbst mitgeschrieben hätte. Jedenfalls kann sich Kanzlerin Merkel mit ihrem „Israel als deutsche Staatsräson“ bei diesen roten Helferlein bedanken.

Im Fahrwasser berüchtigter „Dissidenten“

Ein weiterer Beitrag diffamiert den stellvertretenden Chefredakteur der „jungen Welt“, Dr. Arnold Schölzel, wegen seiner Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR. Zunächst erfährt man, dass der „Fachbereich Philosophie an der Humboldt­Universität … als eine Art Kaderschmiede für Karrieristen des DDR-­Staatsapparats“ zu gelten hat, dann bekennt der Autor, die Einschätzung in einem „Opus des Antikommunisten Ehrhart Neubert“ zu teilen, daß die Dissidentengruppe im besagten Fachbereich auf „der Suche nach einer sozialistischen Alternative“ war, nach dem Rezept: „Der Marxismus als kritische Theorie, inspiriert durch Elemente des Eurokommunismus, Neo­marxismus und Einflüsse der neuen Linken aus dem Westen.“

Das angebliche „Klima der Repressionen“ in der DDR

Man erfährt, „Leo Trotzki übte für die sozialistischen Dissidenten einen besonderen Reiz aus“, aber für den Autor erklärt und legitimiert dies nicht das Interesse der Staatssicherheit, sondern dieses „kennzeichnet das allgemeine Klima der Repression in der DDR“. Einen besonders „feinsinnigen“ Humor legen die Blattmacher an den Tag, indem sie ausgerechnet unter diesen Artikel die Werbeanzeige platzieren, mit der die „junge Welt“ die Herausgabe der Schmähschrift mitfinanzieren darf. Nach dem bekannten Motto „Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde.“

Hetze gegen die DDR im Stil des Kalten Krieges

Nächste Station Homosexualität: Die 1969 erfolgte Streichung des Strafparagrafen 175, der gleichgeschlechtliche Handlungen zwischen Erwachsenen unter Strafe stellte, ebenso die „Verbesserungen der Rechtssituation von Frauen“ bringt der DDR zunächst Lob ein: Auf „rechtlicher Seite war man östlich des Eisernen Vorhangs wesentlich fortschrittlicher“, jedoch – „blieb die Staatsführung bei einer impliziten Abwertung von Homosexualität“. Zwar bedauert die eigens in den Zeugenstand gerufene Heinrich­-Böll­-Stiftung, dass „Dokumente fehlen, welche eine gezielte staatliche Führung der repressiven Maßnahmen belegen“, über jeden Zweifel erhaben sei „jedoch die Stoßrichtung, die aus Aufklärung, Infiltrierung und Zersetzung bestand“. Hoffen wir, dass zumindest dieser Hinweis nicht als Kritik gemeint ist: „Übrig blieb das explizite Verbot homosexueller Handlungen zwischen Voll­ und Minderjährigen.“

Die „Weisheiten“ der Verräter Modrow und H. Mayer

Drei Beiträge des Konvoluts haben in gewissem Sinn eine Sonderrolle: Ein Interview über Erfahrungen am Ende der DDR, wo damals Jugendliche ihre subjektiven Erfahrungen und Bewertungen über die Skin- und die Punk-Szene, Neonazis und Antifa sowie die sehr unter­schiedlichen staatlichen Reaktionen schildern; ein weiteres Interview mit Hans Modrow, der auf die teils sehr „gefärbten“ Fragen mit Geduld und Weisheit, aber teils auch recht defensiv antwortet; schließlich ein Beitrag des Historikers Herbert Mayer, den er bei Helle Panke, der Berliner Rosa-Luxemburg-Stiftung veröffentlicht hat, zu den „Parteisäuberungen in der KPD (1948-1952) und der Mitwirkung der SED“. Damit wird deutlich, dass es um die DDR eher weniger geht, sondern Entwicklungen in Westdeutschland, und der Autor von der zentralen These einer praktisch vollständigen SED-Kontrolle über die westdeutsche KPD ausgeht.

Gab es „Besatzerwillkür“ und „Gewaltherrschaft“ in der DDR ?

Im Detail werden die Mechanismen und die Entwicklung eines Beherrschungs- und Abhängigkeits­verhältnisses beschrieben, aber dessen Grundlage und Ursache nur kurz vorweg erwähnt: „Als 1946 die SED gegründet wurde, geschah dies nur in der sowjetischen Besatzungszone, im Westen existierte weiter die KPD, da die SED nicht zugelassen wurde. Beide Parteien betrachteten sich weiterhin als eine Partei …“. Nicht erwähnt wird das westalliierte Verbot von Vorbereitungs­ausschüssen aus KPD und SPD zur Gründung einer gemeinsamen Arbeiterpartei im Westen. Diese Unterdrückungsmaßnamen führten zu dem „trotzigen“ Selbstverständnis einer einheitlichen Partei in Ost- und Westdeutschland, die nur wegen Besatzerwillkür unterschiedliche Namen tragen mußte, sodaß der sich bei den folgenden Schilderungen aufdrängende Eindruck einer SED-Gewaltherrschaft über die KPD verfehlt ist.

Fehler und Irrtümer zum Prinzip erhoben

Mayer schildert detailreich die folgenden Parteibeschlüsse, Kampagnen, Überprüfungen, Ausschlüsse, Verhaftungen und Urteile sowie damit verbundene Ungerechtigkeiten und tragischen Schicksale im Einzelfall. Auch wenn dies hier nicht konkret verifiziert werden kann, kann es ebenso wenig grosso modo negiert werden. Ohne Frage gab es in der Geschichte der Arbeiterbewegung und -parteien Irrungen und Wirrungen, Unreife und Unerfahrenheit, Fehlentscheidungen und Fehler, Unrecht und auch Verbrechen. Dies zu bestreiten, wäre so unsinnig wie vergeblich. Das gilt freilich ebenso für die Geschichtsfälschungen, die der Gegner mit Namen Klassenfeind den Arbeiterorganisationen unterschieben will. Aber die Fehler von KPdSU, SED, KPD und anderer Parteien waren weder Vorsatz noch Wesensausdruck, sondern geschahen in Situationen zugespitzten Klassenkampfes, in Konfrontation mit einem Gegner, der Inbegriff des Verbrechens ist: dem Imperialismus.

Werden die Zeitumstände werden ignoriert?

Der Kalte Krieg, die Systemauseinandersetzung, die Rehabilitierung von Faschisten und die Kriegsvorbereitung im Westen waren Tatsachen. Das Einschleusen von Agenten in die Organisationen der Arbeiterbewegung, die Sabotageakte gegen die SBZ und DDR waren keine „Hirngespinste Stalins“, sondern sehr real. Das alles deutet Mayer nur „sehr diplomatisch“ mit seinem Schlußsatz an: „Daß damals komplizierte internationale und nationale Bedingungen bestanden, daß die KPD zunehmend staatlichen Repressivmaßnahmen ausgesetzt war, daß sich der Verbotsprozeß ankündigte, all diese Faktoren, auf die hier nicht eingegangen wurde, kann das in den Parteisäuberungen Geschehene weder entschuldigen noch rechtfertigen.“ Der Autor dieser Zeilen erwähnt „diese Faktoren“ auch nicht in relativierender oder entschuldigender Absicht, es geht nicht um Rechtfertigung, sondern um Erklärung. Denn geschichtliche Ereignisse müssen immer im Zusammenhang mit den Zeitumständen, als Wechselspiel der gesellschaftlichen Akteure analysiert werden, sonst versteht man sie nicht, und man lernt insbesondere auch nichts.

Orientierung verloren zwischen „rechts “ und „links“…

An anderer Stelle liest man in derselben Ausgabe der Rote Hilfe Zeitung: „Oftmals generieren Angriffe, egal ob vom Staat oder rechten Akteuren, Lähmung.“ Offenbar will die Rote Hilfe darin nicht nachstehen, die meisten Artikel folgen dem Trend: ohne historisches Wissen mit Adjektiven Stimmung machen, keine Diskussion und Bewertung von konkreten, nachvollziehbaren und nachprüfbaren Ereignissen in ihrem politischen Kontext, sondern Herumirren in virtuellen, am Schreibtisch herbeiphantasierten Welten. Damit leistet die Rote Hilfe einen speziellen Beitrag zur Verwirrung und Zersetzung der Linken, sowie zur Sinnentleerung der Begriffe „links“ und „rechts“. Mehr noch: es wird der irrigen Auffassung vorgearbeitet, daß Faschismus „falsches Denken“ sei, nicht jedoch eine spezielle Herrschaftsform des Imperialismus.

Ein Heft – geschrieben im Auftrag des Imperialismus

Daß die Sowjetunion militärisch den deutschen Faschismus zerschlug und in Folge die DDR die ökonomischen Voraussetzungen für dessen endgültige Beseitigung schuf, soll vergessen gemacht werden. Diesen Auftrag der westlichen Wertegemeinschaft zu erfüllen, da gibt sich die Rote Hilfe redlich Mühe.

Solidarität mit der DDR !

Wir beherzigen aber die nachfolgende Empfehlung zu besagten Angriffen, daß „es gilt den Spieß umzudrehen, die Fälle öffentlich zu machen und so die eigene Seite zu stärken. Solidarität ist eine Waffe!“ Deshalb gilt unsere Solidarität auch weiterhin allen Genossinnen und Genossen, die für den Aufbau und den Schutz der DDR, des besseren Deutschland, wirkten und sie damals und bis heute als größte Errungenschaft der deutschen Arbeiterbewegung verteidigten und verteidigen.

Klaus Hartmann
Bundesvorsitzender des Deutschen Freidenker-Verbandes

Quelle: https://www.freidenker.org/?p=6018 (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

pdfimage Rote_Hilfe_für_die_Schwarzen_v02

Siehe auch:
Eine Stellungnahme der „Kommunistischen Organisation“ zum Antikommunismus der „Roten Hilfe“

Die vollständige Beseitigung des Faschismus in der DDR

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11 Antworten zu Die rabenschwarze, antikommunistische „Rote Hilfe“

  1. Eleonore Kraus schreibt:

    Eine notwendige und wichtige Auseinandersetzung, die lange kein Ende finden wird, weil es um eine grundsätzliche Haltung in der RH geht.
    Was ist aus der RH geworden ? Ein „strömungsübergreifender“ Saftladen, der vergessen hat, wo seine Wurzeln sind und man möchte wetten, dass die wenigsten, die da mitmischen die Geschichte der RH kennen und da würde ich dringend empfehlen Schulungen anzubieten, um sich nicht wieder so entsetzlich zu blamieren, wie sie es getan haben.
    Da ist mir jeder lieber, der mit offenem Visier kämpft, weil meine politische Haltung nicht teilt, als solch einen antikommunistischen Dreck lesen zu müssen von einer Organisation mit dieser stolzen Geschichte. Schmerzlich ist es allemal.
    Danke für die Veröffentlichung, für die Gestaltung des Textes und ein herzliches Danke an den Verfasser, der eine richtige Antwort gegeben hat.

  2. einseinsnull schreibt:

    völlig andere blickwinkel, gleich harte kritik: meine persönliche erfahrung mit diesem verein.

    mehrfache versuche zur lokalen zusammenarbeit aufzufordern scheiterten daran, dass an originären themen wie „repression“, die die rote hilfe für in anspruch nimmt – z.b. bei der erschießung eines mitgbürgers durch polizeibeamte – offenbar kein interesse bestand.

    jüngstes beispiel, wenn ich nichts übersehe, war die vorbereitung der auftaktkundgebung zur occupy demonstration in frankfurt. auf meine anfrage hin, ob die anwälte der RH als ermittlungsausschuss zur verfügung stünden, wurde entgegnet man „mache hier nur linke projekte.“
    wenn der normalbürger aufsteht um gegen die ausplünderung des staates durch die banken zu protestieren, ist das also „nicht links“.

    was diese leute unter „links“ verstehen, kann man in ihrem tätigkeitsbericht nachlesen: sie vertreten überwiegend leute, die in teilweise schwere straftaten zum nachteil von polizeibeamten verwickelt sind oder irgendwo aus jugendlichem übermut öffentliche einrichtungen beschädigt haben, und zwar vor allem dann, wenn diese nicht unschuldig verfolgt werden.*)

    +) während man das einem rechtsanwalt kaum vorwerfen könnte, ist es für eine politische gruppierung ein kompletter witz seinen schwerpunkt auf die förderung von straßenkämpfen zu legen anstatt bürgerrechtsgruppen, betriebsräte oder streikende arbeiter zu unterstützen, wenn diese von kriminellen kapitalisten oder politikern zu unrecht angegriffen werden, weil sie etwas gesellschaftlich relevantes tun.

    hinzu kommt, dass viele der dort organisierten anwälte ihre eigenen politischen interessen über die wahrnehmung ihrer mandate stellt. wer mal erlebt hat, wie diese idioten mit der polizei reden, wenn es einen konflikt im zusammenhang mit dem versammlungrecht kommt, der weiss was ich meine.
    aber so sind die juristen, auch ganz links: anstatt ihr wissen über raketenwissenschaft zum wohle der gemineschaft zu nutzen, nutzen sie es um andere von sich abhängig zu machen und sich in den vordergrund zu spielen. die ach so „autonome“ rote flora mit ihrem sprecherinnerat, der nur aus anwälten besteht, lässt grüßen.

  3. Johann Weber schreibt:

    Zum Thema „Hetze gegen die DDR im Stil des Kalten Krieges“ der „Roten Hilfe“.
    In den drei größten DDR-Zeitungen („Neues Deutschland“, „Berliner Zeitung“ und der Ost-CDU-Zeitung „Neue Zeit“ erschienen von Juni 1946 bis November 1989 über 660 Artikel, die sich mit der „Roten Hilfe“ befassten. Von 1990 bis 1993 waren es nur noch 13 Artikel. Ich kann mich nicht erinnern in Bayern je den Namen „Rote Hilfe“ gelesen bzw. gehört zu haben.

    Aus der großen Zahl an DDR-Artikeln hier nur 3 zur Auswahl.
    Berliner Zeitung, Fr. 5. September 1958:
    Statt Schuhsohlen gespaltene Autoreifen
     Die amerikanische Wirtschaftskrise greift jetzt auch nach Westberlin über. Viele Konzernbetriebe sind schon zur Kurzarbeit übergegangen und die Arbeiter müssen die Verdiensteinbuße tragen. So war es auch 1929, als die amerikanische Weltwirtschaftskrise über Europa hereinbrach.
     Ich arbeitete damals als Bauarbeiter. Mit lügenhaften Argumenten wurden unsere Tariflöhne von 1,56 auf 1,03 RM die Stunde gekürzt. Und kurz danach flogen Tausende von Bauarbeitern auf die Straße. Unter ihnen auch ich. Ich empfing für meine Familie 19,50 Mark wöchentliche Unterstützung, das heißt für zwei Erwachsene und drei Kinder. Davon mußten wir 20 Mark Miete zahlen. Zum Leben blieb nicht viel übrig. Statt Schuhsohlen nagelte ich gespaltene Autoreifen auf die Schuhe. Holz besorgten wir uns durch Stubbenbuddeln im Walde. Im Herbst fuhr ich weit hinaus, um auf den abgeernteten Feldern Kartoffeln zu stoppeln. Es war ein aufreibender Kampf um das nackte Leben. Dabei ging es meiner Familie nicht einmal am schlimmsten. Wo unter diesen Verhältnissen noch Krankheit hinzukam, wurde das Elend zur tödlichen Gefahr.
     Ich arbeitete für solche Kollegen mit in der „Roten Hilfe“. Mit Genossen und Freunden verhinderten wir in vielen Fällen Exmissionen und Pfändungen indem wir uns auf alle Möbelstücke des Opfers setzten. War waren dann „auf Besuch“, und die Exmission mußte unterbleiben.
     So hart traf uns die Krise 1929, daß wir Jahre brauchten, um uns einigermaßen zu erholen. Aber härter noch war unser Wille, einmal mit diesem Tanz auf unserem Rücken Schluß zu machen.
     Volkskorr. Otto Engler. Köpenick“

    Neues Deutschland, Do. 28. März 1963:
    Aus dem Bonner Kerker ins Vaterland aller Deutschen – Genosse Albert Norden auf der Empfangskundgebung für Rudolf Esterle im VEB Bergmann-Borsig
    „[…] Es gab im Deutschland der Weimarer Republik eine von Wilhelm Pieck geleitete Organisation der Solidarität für die politischen Gefangenen, die Rote Hilfe. Heute ist die ganze Deutsche Demokratische Republik eine einzige Organisation der roten Hilfe: der Hilfe der Menschen untereinander, der Hilfe für unsere kämpfenden westdeutschen Klassenbrüder, der Hilfe für die heldenmütig streikenden französischen Bergarbeiter, der Hilfe für die unterdrückten und In ihrer Freiheit bedrohten Völker. Jede Sache, die menschlich und edel ist, findet durch die Deutsche Demokratische Republik großherzige Unterstützung.“

    Berliner Zeitung, So. 6. Dezember 1970:
    Da gaben viele Landser den sinnlosen Kampf auf
     21. April 1945. Die Straßen rings um den S-Bahnhof Ostkreuz hatten sich in Frontgebiet verwandelt. Müde Soldaten der Hitlerarmee gingen in Stellung, um – wie es die faschistischen Machthaber an diesem Tage noch einmal demagogisch formulierten — „dem deutschen Volk Leben und Freiheit zu bewahren“. Offiziere brüllten Befehle. Landser fluchten. Melder flitzten zu den Befehlsständen. Der abgekämpfte Heerhaufen sollte um jeden Preis den faschistischen Führern einen Ausweg aus der eingeschlossenen Stadt bahnen. Unterdessen vegetierte die dezimierte Zivilbevölkerung in stickigen Kellern und Luftschutzbunkern, verstört vor Angst und dem Hungertode nahe.
     Zu jenen Berlinern, die die Situation klar erkannten, gehörte Fritz Fieber. Er war Kraftfahrer, Kriegsversehrter des ersten Weltkrieges; hatte in den 20er Jahren für die „Rote Hilfe“ gearbeitet, marxistische Schotten gelesen, und er hatte sich für die Befreiung der Arbeiterklasse von Ausbeutung und Unterdrückung eingesetzt. […]  In den Tagen der Einkreisung Berlins durch die Sowjetarmee stellte sich Fritz Fieber hinter die Forderung des Nationalkomitees „Freies Deutschland‘ aktiv für die Herbeiführung der Kapitulation Hitlerdeutschlandi zu wirken. [..]
     An jenem 21. April 1945 konzentrierte er seine Agitationsarbeit auf eine in
     der Nähe stationierte Luftwaffeneinheit. Mit Erfolg. Eine Reihe von Soldaten war bereit, die Waffen niederzulegen, zögerte aber, weil ihrer Einheit ein fanatischer Polizeioffizier und ein SS-Mann zugeordnet waren. Was war da zu tun? Fritz Fieber und andere Widerstandskämpfer spielten diesen beiden Faschisten die „Nachricht“ zu, auf dem Hof Stralauer Allee 30 hätten sich Deserteure versteckt. Als die beiden Menscheniäger dort ankamen, wurden sie in der Uniform eines Oberleutnants der Hitlerarmee – vom NKFD-Beauftragten Heinz Müller in Empfang genommen, Müller „beschuldigte die beiden der Desertion und Feigheit und forderte sie auf, sofort ihre Waffen auszuhändigen. Sie machten indes „Schwierigkeiten“ . Eine Genossin war es. Hertha Stickelmann, die von Fritz Fieber gedeckt, dem Polizeioffizier eine Pistole auf die Brust drückte und ihn entwaffnete. Der andere, der SS-Mann, wollte fliehen, konnte aber schnell gefaßt und festgesetzt werden. Danach legten viele Landser die Waffen nieder und gaben den Kampf auf.
    Es kam der 23. April 1945. Sowjetische Soldaten stießen bis zum S-Bahnhof Ostkreuz vor. Kurz darauf eröffnete die SS Granatwerferfeuer auf das Haus, Stralauer Allee 26.
     Zu dieser Stunde bewachte Fritz Fieber auf dem Hof des Grundstücks ein Waffenlager. Er geriet in das Feuer der Granatwerfer und wurde tödlich getroffen.
     von seinem tapferen Leben kündet heute die Gedenktafel an seiner ehemaligen Wohnung in der Krossener Straße 27.
     Dr. Heinz Habedank“

  4. prkreuznach schreibt:

    Hier nochmal meine Erfahrungen und Beiträge zur heutigen ROTEN HILFE. https://prkreuznach.wordpress.com/category/brd/rote-hilfe/

  5. Pingback: Der Verräter Sjuganow und die russischen Liberalen… | Sascha's Welt

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