Über die Meinungsverschiedenheiten in der kommunistischen Bewegung

kommunisticheskoe-dvizhenie-vverh_posterK.Poljakow schreibt: Überschaut man einmal einen kurzen Zeitraum von – sagen wir – fünf Jahren, so wird deutlich, daß die kommunistische Bewegung in Rußland einen sichtbaren Aufschwung erlebt hat. Wobei dieser Aufschwung seinen Ausdruck in verschiedenen Formen findet. Besonders bemerkenswert bei der Propaganda marxistisch-leninistischer Ideen im Internet ist jedoch, daß sie zur Heranziehung von Sympathisanten in die Bewegung beiträgt.

Vorweg gesagt: Es handelt sich hierbei um Erfahrungen russischer Kommunisten, die selbstverständlich nicht ohne weiteres auf die Verhältnisse in der BRD übertragbar sind. Es gibt jedoch viele Anregungen, über die man heute nachdenken sollte. Insbesondere dann, wenn idealistische Voreingenommenheit, revisionistische Abweichungen vom Marxismus, zentralistische Eigenheiten und antisozialistische „Analysen“ zur Geschichte der DDR und der Sowjetunion die weitere wissenschaftliche Herangehensweise an die Entwicklung der kommunistischen Bewegung in der BRD behindern oder sogar blockieren. Wir stellen daher den folgenden Beitrag zur Diskussion:

Der allmähliche Aufschwung in der kommunistischen Bewegung

K.Poljakow

Perm

1. Mai in Perm

Über die veralteten Methoden der Propaganda wird in linken Kreisen oft gesagt, sie erinnerten ein wenig an die Schwarz-Weiß-Bilder auf Kundgebungen. Und es wird erklärt, daß man auch beim Feind lernen muß, sich neue Methoden der Arbeit mit den Massen anzueignen, sich neuen Trends zu öffnen, wirksame Verfahrensweisen zu studieren, um nicht endgültig hinter dem Zug der Zeit zurückzubleiben. Den Kommunisten stehen heute viele Instrumente zur Verfügung, wie sie von bürgerlichen Massenmedien und Marktforschern genutzt werden, um notwendige Informationen wirksamer an die Massen heranzutragen.

Informationsmöglichkeiten

In den Weiten des Internets kann man heute unzählige Dokumentarfilme finden, die aus marxistischer Sicht aufgenommen wurden, man kann sich die populären „Schlachten“ der Klassenkämpfe ansehen, die scharfen Vorträge der roten Videoblogger anhören oder man kann sich auf aktuellen roten Webseiten umsehen, interessante Artikel lesen und Bilder betrachten. Haben nicht viele Marxisten einmal von solchen Möglichkeiten geträumt?

Die Scheinwelt und die Wirklichkeit

Natürlich darf man die unterschiedlichen Einflüsse der Massenmedien auf das proletarische und bürgerlichen Publikum nicht miteinander vergleichen, aber wir dürfen auch nicht vergessen, daß auf der Seite der Kommunisten das Leben steht, dessen Bedingungen sich für die Mehrheit der Lohnarbeiter in Rußland von Tag zu Tag verschlimmern. Die russische Wirklichkeit gleicht immer weniger jenem himmlischen Paradies, das im Fernsehen vorgeführt wird, und die Führer des Landes sind erst recht nicht vergleichbar mit jenem olympischen Atlas, auf dessen Schultern der Himmel der Proletarier ruht.

Fehlendes Klassenbewußtsein

Die Klassiker des Marxismus haben schon seit langem erklärt, daß es nicht die Aufgabe der Kommunisten sein kann, allen Lohnarbeitern ein proletarisches Bewußtsein einzupflanzen, weil etwas derartiges im Kapitalismus objektiv nicht möglich ist. Für ein proletarisches Klassenbewußtsein, dessen Fehlen man gern den Kommunisten zum Vorwurf macht, muß eine einmütig handelnde Organisation von Gleichgesinnten geschaffen werden, die unmittelbar mit den Massen verbunden ist, und die bei der Mehrheit der Lohnarbeiter des Landes über Sympathisanten verfügt.

Planmäßige ideologische Arbeit

MEW-origMögen die Historiker einst urteilen, wer zuerst die roten Programmierer, Blogger, Journalisten, Videoproduzenten, die 2D- und 3D-Designer auf den Plan gerufen hat – Goblin oder Putin –, aber die Welle ist vorübergegangen und das „souveräne Internet“ braucht kein Hindernis mehr zu sein für die Vergrößerung der Bewegung. Zweifellos kann eine schöne Verpackung und ein kompetentes Marketing den Aktivisten den Zugang zum Volk erleichtern und die roten Ressourcen eines großen Publikums heranziehen, aber ohne nachfolgende planmäßige Arbeit mit den Massen können Kommunisten nicht auskommen.

Einheit von Theorie und Praxis

Für eine richtige Führung der planmäßigen Arbeiten ist wissenschaftlich-theoretische Vorbereitung notwendig, und dazu wiederum braucht man Wissen, das man sich nicht anders als im Selbststudium aneignen kann. Das ist nun aber nicht so zu verstehen, daß man den ersten Punkt vom zweiten trennen kann oder eine strenge Reihenfolge einzuhalten hat — zuerst das Wissen, später die Theorie und zum Schluß die Praxis. Doch offensichtlich ist: Je tiefer das Wissen, je genauer die Theorie, desto wirksamer die Praxis. Marxisten verstehen diese Notwendigkeit bei der Lösung der bevorstehenden Aufgaben, doch ungeachtet dessen, daß sich der Schwerpunkt der Kräfte in der kommunistischen Bewegung zur Seite der Internet-Propaganda verschoben hat, bemühen sich viele progressive Genossen, „offline“ zu agieren.

Marxistisch-leninistische Bildungsarbeit

Es werden marxistische Zirkel organisiert, die sich mit Selbststudium beschäftigen (bzw. mit der Bildung derer, die daran teilnehmen). Bei weitem nicht alle Zirkel können auf prima Lehrern zählen, solche Lehrer werden an den Elitehochschulen nicht ausgebildet, doch immerhin bahnt sich das Streben nach Wissen seinen Weg. Die verantwortungsbewußtesten und fleißigsten Teilnehmer der Zirkel übernehmen – auch ohne pädagogische Vorbildung – Lehraufgaben, und die übrigen Genossen folgen, je nach ihren Fähigkeiten und Wünschen, dem Beispiel ihrer Führer, um in den Granit der Wissenschaft einzudringen. In erster Linie geht es dabei um politische Ökonomie, Philosophie und Geschichte.

Beseitigung des ideologischen Unrats

Fursow

Fursow – ein Demagoge

Es gibt auch bei den Marxisten einige Verbesserungen in theoretischen Planung. Die über das Land verstreuten Kommunisten bemühen sich je nach den Kräften, den historischen Müll, die Verleumdungen und den ideologischen Unrat zu beseitigen, der von den bürgerlichen Schriftstellern und Ideologen über die UdSSR, die Bolschewiki, die drei russischen Revolutionen und den Genossen Stalin ausgeschüttet wurden. Das ist heutzutage der Schmutz solcher populärer Schwätzer und Schmierfinken wie Jewgeni A. Fjodorow, Nikolaij W. Starikow, Valentin J. Katasonow, Andrej I. Fursow und anderer bekannter oder versteckter Sowjetfeinde.

Analysen zur Sowjetwirtschaft

Vom Jahr zu Jahr wird die Wirtschaftsgeschichte der UdSSR immer vollständiger analysiert, es werden die Veränderungen untersucht, die an der Basis und im Überbau der sowjetischen Gesellschaft vor sich gegangen sind. Mit Hilfe statistischer Daten werden die Engpässe in der sozialistischen Wirtschaft in verschiedenen Zeitabschnitten untersucht, ob diese oder jene politischen Lösungen der Parteiführung ökonomisch gerechtfertigt waren und umgekehrt wird untersucht, welche Rückwirkungen politische Beschlüsse auf die Wirtschaft hatten.

Die Suche nach dem „Stein der Weisen“

Wozu wird das alles untersucht? In kommunistischen Kreisen, und auch in dem ganzen Nostalgie nach der UdSSR empfindenden Teil der Bevölkerung gibt es eine große Nachfrage nach einem „Gegengift“ zur „Wiedergeburt“ von Parteien und Ländern. Die Volksmassen verlangen von den Kommunisten Garantien über eine helle Zukunft oder zumindest die Zusage für die Zeit des Weges. Deshalb sind viele marxistische Theoretiker mit der Suche nach dem „Stein der Weisen“ für die zukünftige sozialistische Gesellschaft beschäftigt, nach einem Allheilmittel gegen alle möglichen kapitalistischen Viren.

Hinauswachsen über gegenwärtige „Autoritäten“

Allmählich kommt nun Licht ins Dunkel, es gibt Veröffentlichungen über die Erfahrungen des kommunistischen Aufbaus in der UdSSR gedruckt oder im Internet und als Videovorlesungen. Es erscheinen interessante Arbeiten, die die postsowjetische Wirklichkeit analysieren. Heute ist in linken Kreisen die interessante, aber wohl auch unvermeidliche Tendenz der „Überwindung“ oder des „Hinauswachsens“ über bekannte Autoritäten von deren Schülern festzustellen. Ungeachtet ihrer einstigen Verdienste und der Zeit der grauen Haare, unterstützt die neue Generation von Marxisten „die Alten“ unten. Sie kritisieren die Aktionen und theoretischen Ausarbeitungen ihrer ehemaligen Lehrer und sie beschuldigen „die Alten“ sogar manchmal des Opportunismus, des Revisionismus und des Antimarxismus.

Kritik an Kurginjan, Popow, Sorkin und anderen…

kurginjan

Theaterregissuer und Politscharlatan Kurginjan

Doch meist gelang es „den Alten“, aufgrund ihrer Verdienste, der Bedeutung ihrer Worte, ihrer polemischen Meisterschaft und der großen Zahl ihrer Anhängerschaft ein theoretisches, d.h. das politische Fiasko zu vermeiden, doch das hält die jungen Marxisten nicht ab. Man kann sich in der linken Szene an bekannte Figuren erinnern, auf die in den letzten Jahren einige Pfeile der Kritik abgeschossen wurden, wie z.B. S.J. Kurginjan (in der linken Szene gehört er zum Vortrupp), M.W. Popow, M.A. Sorkin, D.J. Putschkow und sogar B.W. Julin. Ihnen allen diese haben diese Pfeile der Kritik verschiedene Verluste beigebracht, den einen haben sie gekratzt, den anderen haben sie nur betäubt, aber das dicke Ende kommt noch!

Mängel in der marxistischen Propaganda

Auch die marxistische Bewegung ist nicht frei von Mängeln. Am deutlichsten sind sie gerade in jener Richtung sichtbar, in der die Marxisten in den letzten fünf Jahren am weitesten vorangekommen sind – in der Internet-Propaganda. Die totale Begeisterung marxistischer Zirkel und einzelner Marxisten von der Propaganda über Video-Postings, in den sozialen Netzwerken und mit Hilfe der übrigen Internet-Hilfsmittel hat den Umfang der Informationen um das -zigfache multipliziert. Was soll man sich da noch wünschen?

Kann man der bürgerlichen Informationsflut widerstehen? 

Ja, doch leider sinkt die Qualität der verbreiteten Informationen mit jedem neuen Aufguß. In dem stürmischen Strom der marxistischen Informationen versinken schon die wirklich wichtigen Neuigkeiten, Videos und wissenschaftlichen Arbeiten. Sie haben nicht die Kraft, den „populären Strömungen“ zu widerstehen, sie zu überwinden. Und es scheint fast so, als bilde sich um sie herum ein freundlicher Informationskordon. Deshalb brauchen die entfesselten Ressourcen unbedingt Unterstützung, damit die bereitstehenden Materialien, die unbedingt bekanntgemacht werden sollen, auch verbreitet werden. Doch wer entscheidet das? Um sie zusammenzufassen, bedarf es eines gewissen Rates von Vertretern der bekanntesten marxistischen Persönlichkeiten, wobei kleinere Informationsressourcen gewiß nicht stören würden, sie in den geplanten Rat aufzunehmen.

Ist eine Vereinigung der Kommunisten zu jetzigen Zeitpunkt sinnvoll?

Zwischen den Organisationen sollte die gemeinsame Arbeit eingestellt, und nicht einfach ein Chat eingerichtet werden, der ohne die gemeinsame Sache in der Luft hängen bleiben würde. Ungeachtet des gemeinsamen Informationsraumes, verhält sich die Sache mit der Vereinigung der Informationsressourcen und Zirkel jedoch schwach. Wie die Praxis gezeigt hat, besteht der Wunsch der Kommunisten nach Vereinigung, es fehlen jedoch oft die notwendigen Voraussetzungen für eine Vereinigung und so wird die Vereinigung immer mehr zur Qual.

Warum ist das nicht der Fall?

Wenn zum Beispiel eine große marxistische Ressource wünscht, eine kleinere Ressource zu absorbieren, um sie in die größere einzubauen, doch in der größeren Ressource hat sich schon eine innere Hierarchie der Arbeit herausgebildet und sie wurde zwischen den Einheiten verteilt, und aus der kleinen Ressource werden nur wenige der Mensch gebraucht, um Löcher zu stopfen oder gar um die erstere zu rühmen. In Analogie: das kleine Boot wird abgeschafft, die Ruderer finden nicht nur keine Arbeit auf dem großen Boot, sondern werden sogar über Bord geworfen. So etwas sollte es unter marxistischen Zirkeln nicht geben und die Vereinigung (oder Verschmelzung) sollte durchdacht und einvernehmlich stattfinden.

Wie entwickelt sich das Selbststudium?

likbesDie Wege der marxistischen Zirkel zum Selbststudium sind verschieden. Ein einheitliches Programm für die Ausbildung ist in den vergangene fünf Jahren nicht erschienen und Versuche, in dieser Richtung voranzukommen gibt es nicht, hauptsächlich tanzt jeder nach seiner eigenen Pfeife. Es unterscheidet sich die Art und Weise der Herausgabe und des Studiums des Materials (Vorlesungen, Seminare, Erörterungen); es unterscheidet sich die Art und Weise der Prüfung des Wissens (von Prüfungen und selbständigen Arbeiten bis hin zum gänzlichen Fehlen einer Prüfung); es unterscheiden sich die Literaturverzeichnisse für die Ausbildung; es fehlt an qualifizierten Lehrkräften.

Die „marxistischen“ Gurus…

Ist es nicht merkwürdig, wenn sich die Vertreter verschiedener marxistischer Zirkel im Internet oder im Leben treffen, daß sie einander nicht verstehen können, Argumente oder theoretische Fragen nicht vereinbaren können, da sie sich an verschiedenen Büchern orientieren und sich verschiedene angeschafft haben. Wahrscheinlich ist die schlecht gestellte selbständige Ausbildungsarbeit in den Zirkeln, wie auch die „Abhängigkeit von den Autoritäten“ unter den Marxisten der Grund. Doch, wie oben schon beschrieben, muß die Tendenz zur Überwindung solcher Abhängigkeiten beachtet werden.


Zum Thema Gewerkschaften

Wenn die Kapitalisten die Daumenschrauben anziehen und die Arbeiter einen Ausweg suchen, so können sie ihn nur im kollektiv organisierten Widerstand finden.

SPR_press_800Das Thema der Gewerkschaften muß man gesondert behandeln. Nach den Worten der Gewerkschaftsaktivisten erlebt Russland gewiß eine Übergangszeit. Die alten Formen der Arbeit, wie auch die Reste der Struktur, verfallen überall. Der Bund der unabhängigen Gewerkschaften Rußlands (BUGR) — die größte gelbe Gewerkschaft Rußlands hat die Daten über die Anzahl ihrer Mitglieder geheimgehalten, aber ausgehend von den Insiderinformationen hat der enorme Mitgliederschwund die Führung der BUGR in letzter Zeit entmutigt. Da rettet sogar die Aufnahme von Studenten und Rentnern in die „Gewerkschaft“ nicht.

Wird es neue Gewerkschaften geben?

Neue Formen der Gewerkschaftsarbeit sind im Entstehen, es gibt sie noch nicht massenhaft und natürlich haben sie bislang noch nicht den Erfolg, aber weltweite Erfahrung besagt, daß in den nächsten Jahren eine Wiederbelebung unvermeidlich ist. Ein Katalysator dafür wird das Anwachsen der Zahl der Arbeitskonflikte in Russland und deren geografische Ausweitung sein. Der Kapitalismus wird immer mehr monopolistisch, monolitisch und dynastisch. Perspektiven und Hoffnungen haben junge Lohnarbeiter nicht, hinzu kommt ein totaler Angriff auf die Rechte der Werktätigen an allen Fronten. Gerade das bewirkt jetzt ein solches Interesse an der Gewerkschaftsthematik, und das wird sich in nächster Zeit auf die Praxis auswirken.

Überwindung des Kapitalismus nur im gemeinsamen Kampf

Wenn die Kapitalisten die Daumenschrauben anziehen und die Arbeiter einen Ausweg suchen, so können sie ihn nur im kollektiv organisierten Widerstand finden. Selten gelingt es bewußten Arbeitern im Alleingang, ihre verbliebenen Rechte zu verteidigen, aber im Effekt ist ein solcher Sieg nicht von langer Dauer. Und die nicht klassenbewußten Arbeiter müssen dafür unter dem Druck der Kapitalisten Einbußen an Lohn und Gesundheit, den Verlust ihres Arbeitsplatzes, in besonderen Fällen sogar ihres Lebens (Uralwagonsawod) in Kauf nehmen. Sie klettern auf der Flucht vor den weltlichen Problemen hin zu paradiesischen Zuständen buchstäblich von selbst in die Schlinge und hinterlassen auf der sündhaften Erde ihre Familien und ihre Schulden.

Die Hauptaufgabe der Kommunisten

Die Organisierung von Gewerkschaften ist eine der Hauptaufgaben auf der Tagesordnung der heutigen Kommunisten. Einige den Genossen haben sich schon ans Werk gemacht, und andere bereiten sich darauf vor. Die neuen unabhängigen Gewerkschaften werden verschieden organisiert sein: auf der Grundlage von Internetverbindungen, auf Internetseiten oder in marxistischen Zirkeln. Und umgekehrt werden erfahrene linke Gewerkschaftsaktivisten Zirkel bilden und den Aufbau der Gewerkschaften beschleunigen, indem sie mit dem Erfahrungsaustausch zur Erhöhung des Niveaus des Bewußtseins der Kollegen beitragen. Die Umstände selbst bringen aus der Umgebung der Lohnarbeiter nicht gleichgültige, sachkundige Menschen hervor, die am Arbeitsplatz um sich herum allmählich ein Kollektiv scharen – sie sind die zukünftigen Gewerkschaftsaktivisten.

Aufgaben der kommunistischen Jugendbewegung

Crimea(15)Der kommunistischen Bewegung schließen sich heute jedenfalls viele kenntnisreiche, junge Menschen an, und das stimmt optimistisch. Sie verhalten sich kritisch gegenüber den bisherigen „Autoritäten“, sie kennen bereits einige bedeutende Werke der Klassiker des Marxismus (Marx, Engels, Lenin und Stalin), und finden sich in ideologischen Fragen zurecht. Zudem sind sie auch arbeitsfähig. Freilich fehlt es ihnen, wie auch allen jungen Männern, an Lebenserfahrung, aber die kann man erwerben. Solche bewußten Genossen verstehen gut, daß das nächste Ziel der kommunistischen Bewegung sein muß, eine proletarische Partei mit einer revolutionären Theorie zu schaffen, die nicht nur die vorrevolutionäre Vergangenheit, sondern auch die sowjetische Ordnung und die Gegenwart gut erklärt.

Das Vorhandensein solcher Menschen in der kommunistischen Bewegung verspricht ihnen eine glänzende Zukunft, und bei einem wissenschaftlichen Herangehen an die Sache in russischen kommunistischen Bewegung wird die Arbeit allen bewußten Lohnarbeitern unabhängig vom Alter von Nutzen sein.

Quelle: https://prometej.info/kommunisticheskoe-dvizhenie-vverh/

(Übersetzung: Alissa Weiner u. Florian Geißler)


Und hier noch einige wichtige Zitate aus den Werken der Klassiker des Marxismus-Leninismus:

Lenin zur „Kampfgemeinschaft“:

Die Geschichte revolutionärer Epochen liefert viele, allzu viele Beispiele für die ungeheure Schädlichkeit voreiliger und nicht ausgereifter Experimente mit einer „Kampfgemeinschaft“, die die ungleichartigsten Elemente in den Komitees des revolutionären Volkes zusammenleimt und daher zu gegenseitigen Reibereien und bitteren Enttäuschungen führt.

Wir wollen uns die Lehre dieser Geschichte zunutze machen. Wir sehen gerade im Marxismus, der euch ein engstirniges Dogma scheint, die Quintessenz dieser geschichtlichen Lehre und Anleitung. Wir sehen in der selbständigen, unversöhnlich marxistischen Partei des revolutionären Proletariats die einzige Gewähr für den Sieg des Sozialismus und den Weg zum Sieg, der am wenigsten von Schwankungen begleitet ist. Wir werden daher niemals, auch nicht in den revolutionärsten Augenblicken, auf die absolute Selbständigkeit der Sozialdemokratischen Partei, auf die absolute Unversöhnlichkeit unserer Ideologie verzichten.
Euch scheint es, daß dies die Kampfgemeinschaft ausschließt? Ihr irrt.

Quelle:
W.I. Lenin: „Über ein Kampfabkommen für den Aufstand“. In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1959, Bd.8, S.147.

Lenin über Spaltungen und Fraktionszank:

Dieser Kampf hat viel Schlimmes an sich, das ist unbestreitbar. Diese Spaltungen fügen der sozialistischen Sache schweren Schaden zu, das steht außer Zweifel. Und trotzdem möchten wir diese traurige Wahrheit auch nicht für eine Minute gegen eure „ganz kleinen“ Lügen vertauschen. Die schwere Krankheit unserer Partei ist die Wachstumskrankheit einer Massenpartei. Denn es kann keine Massen-, keine Klassenpartei geben, ohne daß die wesentlichen Schattierungen in ihr durchaus klar herausgearbeitet werden, ohne offenen Kampf zwischen den verschiedenen Tendenzen, ohne Aufklärung der Massen darüber, welche Parteiführer, welche Parteiorganisationen die eine oder die andere Linie vertreten. Ohne diese Voraussetzungen kann keine Partei geschaffen werden, die dieses Namens würdig ist. Wir aber schaffen diese Partei.

Wir haben erreicht, daß die von unseren beiden Richtungen vertretenen Auffassungen klar, deutlich, wahrhaftig vor allen dastehen. Persönliche Schärfe, Fraktionszank und -krakeel, Skandale und Spaltungen – das alles ist bedeutungslos im Vergleich damit, daß an Hand zweier Taktiken wirklich proletarische Massen, wirklich alle diejenigen lernen, die in politischen Dingen einer bewußten Einstellung fähig sind. Unsere Raufereien und Spaltungen werden in Vergessenheit geraten. Unsere taktischen Prinzipien werden, geschärft und gestählt, als Grundsteine in die Geschichte der Arbeiterbewegung und des Sozialismus in Rußland eingehen. Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte werden vergehen, und an hunderterlei praktischen Fragen wird man den Einfluß der einen oder der anderen Richtung verfolgen können. Die Arbeiterklasse Rußlands und das ganze Volk wissen, mit wem sie es in der Gestalt des Bolschewismus oder des Menschewismus zu tun haben.

Quelle:
W.I. Lenin: „Und wer sind die Richter?“. In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1982, Bd.13, S.154-155.

Friedrich Engels über die „Einigung“:

Man muß sich durch das Geschrei nach „Einigung“ nicht beirren lassen. Die dies Wort am meisten im Munde führen, sind die größten Zwietrachtstifter… Diese Einigungsfanatiker sind entweder beschränkte Köpfe, die alles in einen unbestimmten Brei zusammenrühren wollen, der sich bloß zu setzen braucht, um die Unterschiede in weit schärferem Gegensatz wiederherzustellen… oder aber Leute, die die Bewegung unbewußt … oder bewußt verfälschen wollen.

Quelle:
245, Engels an August Bebel, 20. ]uni 1873. Dietz Verlag Berlin, 1976, Bd.33, S.590.

Lenin über Autoritäten:

Die Marxisten können nicht auf dem üblichen Standpunkt des radikalen Intellektuellen stehen, der scheinrevolutionär verallgemeinernd erklärt: „Keine Autoritäten“. Nein. Die Arbeiterklasse, die in der ganzen Welt einen schweren und hartnäckigen Kampf für die volle Befreiung führt, braucht Autoritäten, aber selbstverständlich nur in dem Sinne, in dem junge Arbeiter der Erfahrung alter Kämpfer gegen Unterdrückung und Ausbeutung bedürfen, der Kämpfer, die in vielen Streiks gestanden und an einer Reihe Revolutionen teilgenommen haben, die sich revolutionäre Traditionen angeeignet und einen breiten politischen Gesichtskreis erworben haben. Die Autorität des internationalen Kampfes des Proletariats brauchen die Proletarier eines jeden Landes. Die Autorität der Theoretiker der internationalen Sozialdemokratie brauchen wir, um uns klarzuwerden über Programm und Taktik unserer Partei. Aber diese Autorität hat natürlich nichts mit den offiziellen Autoritäten der bürgerlichen Wissenschaft und der Politik des Polizeiregimes gemein. Diese Autorität ist die Autorität eines vielseitigeren Kampfes in denselben Reihen der internationalen sozialistischen Armee.

Quelle:
W.I. Lenin: Vorwort zur russischen Ausgabe der Broschüre: K.Kautsky „Triebkräfte und Aussichten der russischen Revolution“. In: W.I. Lenin, Werke Dietz Verlag, Berlin, Bd. 11, S.413f.

Эти цитаты по-русский: https://prometej.info/kommunisticheskoe-dvizhenie-vverh-video/


Siehe auch:

Analyse der kommunistischen Bewegung in der Bundesrepublik Deutschland
Lenin: Aufgaben der Kommunisten in unserer Zeit
A.Tscherepanow: Über die aktuellen Aufgaben der Kommunisten
Die DDR im Visier der Antikommunisten

Dieser Beitrag wurde unter Arbeiterklasse, Marxismus-Leninismus, Wider den Antikommunismus! veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Über die Meinungsverschiedenheiten in der kommunistischen Bewegung

  1. Auf der verzweifelten Suche nach Antworten auf den beispiellosen Verrat von Gorbatschow, Jelzin und den vielen „kleinen“ Verräter in meiner politischen und geistigen Heimat DDR habe ich mir die Mühe gemacht auch die 17 Bücher von Nikolai Starikov in russischer Sprache zu lesen. Für mich war das Buch „Wer hat HITLER gezwungen STALIN zu überfallen?“ zum damaligen Zeitpunkt (2016) die einzige richtige Antwort auf die Neuauflage des Buches „Mein Kampf“ von Adolf Hitler in der BRD mit den vielen völlig irreführenden Kommentaren „unserer“ neuen Historiker aus dem „goldenen Westen“! In diesem Buch von Starikov wird m.E. sehr überzeugend bewiesen, dass der Machtantritt von Adolf Hitler und des Faschismus in Deutschland kein historischer Zufall war, sondern von den Angelsachsen (GB und USA) von Anfang an bewußt organisiert und finanziert worden ist. Mit seiner Hilfe sollte Stalin gestürzt und der Aufbau des Sozialismus/Kommunismus in der Sowjetunion ein blutiges Ende finden. Das ist m.E. die wichtigste Aussage des Buches von Nikolai Starikov!
    Wie ein roter Faden zieht sich durch das Buch die Frage, ob der Machtantritt von Adolf Hitler hätte verhindert werden können. Ja, ohne den politischen Verrat der europäischen Aristokratie und ohne die verhängnisvolle Rolle der SPD-Führung wäre das durchaus möglich gewesen. Natürlich, in der Geschichte gibt es kein Konjunktiv („Was wäre wenn?“). Sicher gibt es in diesem Buch – wie auch in vielen anderen Büchern – Aussagen, die politisch, ideologisch und sachlich sehr kritisch hinterfragt werden müssen.
    Als Kenner und Leser der Werke von Nikolai Starikov erlaube ich mir jedoch zu behaupten, dass die Aussagen im o.g. Punkt „Beseitigung des ideologischen Unrats“ nicht zutreffen.
    Nikolai Starikov ist in meinen Augen ein Mensch, der verzweifelt nach Wahrheiten und Antworten auf den tragischen Untergang der Sowjetunion sucht. Der Untergang der Sowjetunion gehört ohne Zweifel zu den größten Katastrophen der Menschheit! Seine klare und patriotischen Haltung zur Rolle STALINS beim Aufbau einer wirtschaftlich und politisch starken Sowjetunion betrachte ich als vorbildlich! Bevor wir einen Menschen politisch und ideologische verurteilen, d.h. einen Stab über ihn brechen, sollten wir uns bemühen, alle seine Werke kritisch zu lesen und zu studieren. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und Ihr Verständnis!

    • sascha313 schreibt:

      Allerdings. Dem stimme ich vorbehaltlos zu. Auch ich war nicht selten fasziniert von der sachlichen und ruhigen Art, mit der Starikow in seinen Vorträgen immer wieder versucht, seinen Zuhörern die Hintergründe zu erklären und Antworten zu finden auf Fragen, die viele Menschen bewegen. Doch leider (bei allem Richtigen, was er sagt) gerät er dabei immer wieder in folgenschwere Sackgassen, was ihm bei einer durchgängig marxistischen Sichtweise sicher erspart geblieben wäre. Zweifellos sind bspw. Fursow oder Kurginjan, die ich beide für Demagogen halte, ein anderes Kaliber als Starikow. Und wahr ist auch, daß ich einige Aussagen und Empfehlungen von Poljakow durchaus für unzutreffend bzw. für ungeeignet halte. Umso besser ist es daher, wenn dem Text Zitate der Klasssiker beigefügt wurden.

    • „… sondern von den Angelsachsen (GB und USA) von Anfang an bewußt organisiert und finanziert worden ist.“

      Das ist sicherlich richtig, aber warum wird das Großkapital Deutschlands, die BIZ in Basel – das Bankensydikat des Papstes – und die instutionalisierte Religion (fast) nie erwähnt?

      „… Ja, ohne den politischen Verrat der europäischen Aristokratie und ohne die verhängnisvolle Rolle der SPD-Führung wäre das durchaus möglich gewesen.“

      Für mich klingt das wie der Versuch, diese Gruppen zu entschuldigen? Welchen “politischen“ Verrat soll denn die Aristokratie begangen haben, die schon immer gegen die Demokratie und den Sozialismus im besonderen gekämpft hat. Eine verhängnisvolle Rolle hat die SPD-Führung mitnichten gespielt, sondern bewusst mit den Nazis, dem Großkapital und der Aristokratie, die immer noch die Führung über das Militär hatte, zusammengearbeitet – wenn sie nicht sogar von ihr eingesetzt wurde.

      • Ich habe nicht die geringste Vorstellung, wer Sie sind. In der von Ihnen vorgeschlagenen Art und Weise bin ich nicht gewohnt und auch nicht bereit mit Ihnen über irgendetwas zu diskutieren. Ich empfehle Ihnen, die deutsche Geschichte gründlich zu studieren.

        Klicke, um auf Gehoert_der_Verrat_zu_ihrem_Programm.pdf zuzugreifen

      • Sehr geehrter Herr Dr. Wolfgang Schacht! …

        (gelöscht! Admin. Lieber Georg, bitte keine persönlichen Kontroversen. Ich verstehe sehr gut, daß hier manchmal gegensätzliche Ansichten, Erfahrungen, Lebenswege usw, aufeinanderprallen. Doch wir sind alle irgendwie „Lernende“ und daher sind Streitereien nur wenig fruchtbar, zumal man sich ja nicht gegenübersitzen kann, um einander kennenzulernen und den Grund vermeintlicher oder tatsächlicher Widersprüche zu verstehen und aufzuklären. Gerade auch durch den jahrzehntelangen konträren Einfluß der im antagonistischen Gegensatz einander gegenüberstehenden Gesellschaftssysteme (Kap.-Soz.) und ihrer Ideologien ist der Lernprozeß – auf beiden Seiten! – mitunter sehr schmerzlich. Und ich möchte nicht, daß Mißverständnisse sich durch „Rede und Gegenrede“ zuspitzen. Das hat mit der Dialektik der Situation nicht das geringste zu tun: Kontradiktorische Aussagen lassen sich nur klären, wenn man die Dinge im dialektischen Zusammenhang betrachtet, und also Weiterentwicklungen der Erkenntnis zuläßt und die objektive Realität zum Maßstab der Richtigkeit und Wahrheit der Erkenntnis zugrundelegt. Einverstanden?)

        … Mit welcher Laus bin ICH Ihnen bloß über die Leber gelaufen!? ??? Was habe ich Ihnen nur angetan, dass … — aber dies wissen Sie ja – so gut wie Ich — !!!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s