Putsch in Venezuela?

KarteDer Bundesstaat Venezuela ist ein politisch souveräner Staat mit reichen Rohstoff-Vorkommen, wozu vor allem Erdöl zählt. Venezuela mit seinen ca. 32 Millionen Einwohnern (die Einwohnerzahl hat sich seit 1983 mehr als verdoppelt!) ist in 20 Estados (Staaten) untergliedert. 66% der Einwohner sind Mestizen und Mulatten, 10% Afroamerikaner und 2% Indios. Mehr als zwei Drittel der Bevölkerung lebt im erschlossenen nördlichen Landesteil. 94,8% bekennen sich zum römisch-katholischen Glauben. Venezuela hat ein mittleres kapitalistisches Produktionsniveau erreicht und entwickelt sich zu einem Industrie-Agrarstaat. Grundlage der venezolanischen Ökonomie ist die 1976 verstaatlichte Erdölwirtschaft. 1982 kontrollierte der staatliche Sektor noch 72% Wirtschaft des Landes…. Nun ist allerdings die Frage: Warum sind die USA, die BRD und einige andere kapitalistische Länder so stark und offensichtlich an einem Putsch in Venezuela interessiert?

Das venezolanische Erdöl

Die 1983 mit 100 Milliarden Barrel angegebene Schätzung der Erdölreserven dürfte sich allerdings als weitaus zu niedrig erwiesen haben. Ungeachtet die Manipulierung solcher Angaben, da größere Reserven nach OECD-Vorgaben auch höhere Förderquoten erlauben, werden die nachgewiesenen Reserven Venezuelas heute mit einem Welthöchststand von etwa 300 Milliarden Barrel angegeben. Zweifellos ist das auch der Grund, warum die USA mit einem täglichen Erdölverbrauch von über 20 Millionen Barrel (damit mehr als das Zehnfache der BRD!) nun nach der gescheiteren Okkupation Syriens das größte „Interesse“ daran haben, sich dieses südamerikanische Land zu unterwerfen und deren Erdölreichtümer in Besitz zu nehmen.

Das venezolanische Finanzwesen

Zentral- und Emissionsbank Venezuelas ist die 1939 gegründete Banco Central de Venezuela, deren Aktienkapital mehrheitlich in Staatsbesitz ist. Es gibt mehrere staatliche Entwicklungbanken und Kreditinstitute. Die Geschäftsbanken sind im wesentlichen in privater Hand und werden z.T. vom Auslandskapital kontrolliert. Aufgrund der ökonomischen und finanzpolitischen Krise kam es zu Beginn der 1980er Jahre zu einer bedeutenden Kapitalflucht aus Venezuela. 1983 wurden die Auslandsguthaben von Venezolanern auf 12 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Einnahmen des Staates kamen in den vergangenen Jahrzehnten bis zu 75% aus dem Erdölexport. Die Auslandsschulden Venezuelas werden zur Zeit mit rund 130 Milliarden US-Dollar angegeben.

Aufforderung zum Putsch

Daß auch die BRD-Regierung bei den US-amerikanischen Umsturzplänen kräftig mitmischt, darüber schreibt German Foreign Policy am 1.5.2019:

Außenminister Heiko Maas (SPD) sichert dem venezolanischen Umstürzler Juan Guaidó auch nach dessen gestrigem Putschaufruf vollste „Unterstützung“ zu. Dies habe sich „in keiner Weise geändert“, erklärte Maas in Brasília, wo er sich zu Gesprächen mit Brasiliens Präsident Jair Messias Bolsonaro, einem erklärten Anhänger der brasilianischen Militärdiktatur, aufhielt. An diesem Mittwoch will Maas in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá venezolanische Exiloppositionelle treffen. In Bogotá unterstützt die Außenstelle der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung die Diskussionen des venezolanischen Exils über den Umbau des Landes nach dem erhofften Umsturz. Auch der Botschafter der Bundesrepublik in Kolumbien hält Kontakt zu Guaidós Zirkeln in Bogotá. Der ehemalige deutsche Botschafter in Venezuela ist bereits des Landes verwiesen worden, weil er den Umstürzler offen unterstützte. Das Auswärtige Amt hält zudem Kontakt zum „Botschafter“ Guaidós in Berlin. Der Mann war schon am Putsch gegen die venezolanische Regierung im April 2002 beteiligt, der ebenfalls aus Deutschland gefördert wurde. (Quelle: GFP 1.5.2019)

Dabei wird sogar ein militärisches Eingreifen nicht ausgeschlossen. German Foreign Policy schreibt am 8.5.2019:

Auch nach der Ankündigung des venezolanischen Umstürzlers Juan Guaidó, bei Bedarf auf eine US-Militärintervention in dem Land zu setzen, hält die Bundesregierung an der Förderung des selbsternannten „Übergangspräsidenten“ in Caracas fest. Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte schon unmittelbar nach Guaidós gescheitertem Putschversuch am 30. April mitgeteilt, die Tatsache, dass der Mann einen Staatsstreich unternommen habe, ändere „in keiner Weise“ etwas an der deutschen „Unterstützung“ für ihn. Guaidó hat nun am Wochenende in einem Interview mit der „Washington Post“ erklärt, falls John Bolton, der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, ihm einen US-Truppeneinsatz anbiete, dann werde er sich dafür bedanken, das Angebot überprüfen, gegebenenfalls im Oppositionsparlament darüber beraten und die Militärintervention, „sofern nötig, billigen“. Gestern hat er die Aussage gegenüber dem US-Fernsehsender CBS bekräftigt. Trotz seiner offen zur Schau getragenen Bereitschaft, gegebenenfalls einen USA-Angriffskrieg gegen Venezuela zu befürworten, bleibt weiter jegliche Distanzierung aus Berlin aus. (Quelle: GFP 8.5.2019)

Der Angriffskrieg ist ein Verbrechen

Daß ein Angriffskrieg gegen ein souveränes Land ein Verbrechen ist, dürfte eigentlich jedem klar sein. Ein solcher Krieg ist ein aggressiver Akt und ein eklatanter Bruch des Völkerrechts. Damit setzen sich die USA, die BRD und andere den Krieg unterstützenden Staaten in menschenverachtender Weise über den Willen des venezolanischen Volkes und die Souveränität Venezuelas hinweg.

Zudem mißachtet die BRD das Gebot, daß VON DEUTSCHEM BODEN NIE WIEDER EIN KRIEG ausgehen soll. Deshalb soll an dieser Stelle erneut daran erinnert werden, was über diese Frage im Ergebnis des Nürnberger Prozesses festgestellt wurde. In einem dieser Verfahren, dem sogenannten Flick-Prozeß, erklärte der amerikanische Hauptankläger Brigadegeneral Telford Taylor, zugleich einer der Mitarbeiter der amerikanischen Anklagebehörde im Hauptkriegsverbrecherprozeß:

„Die Diktatur des Dritten Reiches stützte sich auf die unselige Dreieinigkeit des Nationalsozialismus, Militarismus und Wirtschaftsimperialismus.“

[Quelle: Flick-Prozeß, Deutsches Protokoll, S. 37, Privatdruck]

Diese in der Nürnberger Praxis gewonnene Erkenntnis eines nach anderen Äußerungen ausgesprochen antikommunistischen Mannes verdient festgehalten zu werden, da sie mit größerer Exaktheit auch von einem Marxisten nicht hätte ausgesprochen werden können, und noch aus einem anderen Grund. Ideologisch nur ein wenig anders drapiert, in eine überaus schlissige pseudodemokratische Toga gehüllt, gefährden heute der gleiche deutsche Militarismus und der internationale Wirtschaftsimperialismus – unter den verschärften Bedingungen des Atomzeitalters – wiederum den Frieden in der Welt. Ein falscher Knopfdruck genügt heute, um eine ganze Millionenstadt vom Antlitz der Erde auszulöschen…

Literatur:
Länder der Erde – Pol.-ökon. Handbuch. Verlag die Wirtschaft Berlin, 1985, S.641ff.
Der Nürnberger Prozeß. Protokolle, Dokumente und Materialien. Berlin, S.8-25.

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4 Antworten zu Putsch in Venezuela?

  1. roprin schreibt:

    „VON DEUTSCHEM BODEN NIE WIEDER EIN KRIEG“ ??? – Was war denn mit dem Krieg gegen Jugoslawien und der Mord an Milisevic? Es war ein Krieg von deutschem Boden! Und von einem Soldaten, der dort war erfuhr ich, wie furchtbar sich die deutschen Soldaten gegen das Jugoslawische Volk benommen haben. Dieser mir bekannte Soldat sagte, daß er sich geschämt habe und er hat dann seinen Dienst quittiert. Aber das liest man in keiner Zeitung, hört es in keiner Nachrichtensendung.

  2. Johann Weber schreibt:

    Roprin schreibt: „Aber das liest man in keiner Zeitung, hört es in keiner Nachrichtensendung.“

    Leider. Es war nicht immer so. In den Archiven der drei DDR-Zeitungen („Neues Deutschland“, „Berliner Zeitung (Ost)“ und dem CDU-Ost-Blatt „Neue Zeit“ kann man vom 21. Mai 1945 bis zum 8.11.1989 die andere Seite einer „Medaille“ nachlesen. Seit der sogenannten Wiedervereinigung gibt es diese Möglichkeit nicht mehr.
    Hier nur drei kleine Beispiele von Nachrichten, die wir Alt-BRD-ler in unseren Medien nicht lesen konnten:
    1) Die Berliner Zeitung (Ost) berichtete am 1. August 1950:
    „Sie suchen Kanonenfutter
     Hamburg (rg. Eig. Ber.). „Wir werden Waffenausbildungen durchführen“, wurde den Angehörigen der in amerikanischen Diensten stehenden deutschen 589. Nachrichtenausbildungs-Kompanie beim Antreten auf dem Kasernenhof in Ansbach gesagt. Als sich 120 weigerten, wurden sie als „Kommunisten“ verschrien. Nachdem man ihnen mit Entlassung drohte, erklärten sich 30 der Männer immer noch nicht bereit, die Gewehre in die Hand zu nehmen. Sie wurden sofort entlassen.“
    2) Ebenfalls am 1. August 1950 berichtete die Berliner Zeitung:
    „Todbringende „Chocolate“
     Hamburg (sa. Eig. Ber.). In einem Waldstück bei Iverungcn, Kreis Höxter, fand ein Schüler eine Schokoladentafel mit der englischen Aufschrift „Chocclate“. Da die Tafel an ihrer Unterseite eine Erhöhung aufwies, von der ein kleines Stück Draht gerade in die Tafel hineinführte, schöpfte der Vater des Kindes Verdacht und begab sich zur Polizei, wo festgestellt wurde, daß die Tafel aus hochexplosivem Stoff bestand. Die Tafel war neu und kann keineswegs aus der Kriegszeit stammen.“

    3) Noch ein Beispiel aus der Berliner Zeitung vom 2. August 1950:
    „Sie predigen Religion der Gewalt – Westdeutsches Echo auf die Kriegshetze des Kardinal Frings
     Berlin (Eis. Ber.). Das der West-CDU nahestehende „Hamburger Abendblatt“ veröffentlicht in seiner Ausgabe vom 29. Juli eine Anzahl Leserbriefe zu den kriegshetzerischen Äußerungen des Kardinalerzbischofs Frings, der kürzlich seine Gläubigen zum Kampf für die „in Gott gegründete Ordnung“ mit Waffengewalt aufrief. „Ich finde es unerhört, die Lehren der christlichen Religion so zu verdrehen“, schreibt Frau Dorothy E b e r t h aus Hamburg. „Traurig genug, wenn Politiker Gott bitten, die Waffen zu segnen, aber traurig, wenn Priester nicht den Mut aufbringen, einen Krieg, welcher nur maßloses Elend und Leid bringt, auf alle Fälle zu verdammen. [..]
    Auch die ..Nürnberger Nachrichten“ verurteilen in ihrem Leitartikel vom 29. Juli die kriegshetzerischen Erklärungen des Kardinal Frings und stellen fest: „Wir müßten aus der Not unserer vergangenen Jahre die besondere Pflicht ableiten, uns selbst und die Welt im Kampf gegen den Krieg zu mobilisieren. Diesmal sollten wir die Zeit nutzen, um Verständnis zu wecken und die notwendige Brücke zu bilden, um den Frieden zu erhalten. Diesmal sollten wir-auf diese Art einiges von dem gutmachen was wir alle 1914, 1933 und 1939 mitverschuldet haben. Diesmal sollte die Publizistik, sollten die deutschen Intellektuellen auch zeigen, daß sie sich ihrer geschichtlichen und ethischen Aufgaben bewußt sind. Wer die Aufrüstung zuläßt, der dient dem Kriege.“

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