Dreißig Jahre danach: Was wäre gewesen, wenn…?

DiskussionsrundeEs gibt im Leben immer wieder einmal Zeiten und Anlässe, wo man darüber nachdenkt, wie die vergangenen Jahre so gelaufen sind – was hätte anders oder besser sein können. Ganz zu schweigen davon, wie denkt man über die heutige Zeit. In diesem Jahr liegt die als „Wende“ bezeichnete Konterrevolution nun schon dreißig Jahre zurück – ein halbes Menschenleben fast. Wer von uns noch in der DDR aufgewachsen ist, und das ist die Generation der heute über 50Jährigen, hat die Möglichkeit, beide Systeme miteinander zu vergleichen – den Sozialismus und den Kapitalismus. Und es ist eben ein Unterschied, ob man darüber nur vom Hörensagen urteilt oder aus dem persönlichen Erleben….

J.T. aus Naumburg: Ich wüßte gerne mal gewußt, wie unser Leben aussähe, wenn wir nicht von der BRD übernommen worden wären und welchen Deutschen es jetzt besser ginge.

Die wirtschaftliche Entwicklung

A.D. aus Berlin: Wie es der DDR ginge, weiß ich nicht, ich denke mal, sie hätte auch ihr brüderliches Stückchen vom Kuchen gehabt, wenn man bedenkt, daß die postsowjetischen Länder nun fast 30 Jahre vom sowjetischen Erbe leben, ohne irgendwas Eigenes geschaffen zu haben, und sich dieses Erbe erst jetzt dem Ende zuneigt, wenn man bedenkt, wie viele märchenhafte Vermögen aus dem sowjetischen Erbe gebildet wurden und wie viele Tausende Milliarden Dollar sich der Westen da geklaut hat, wenn man weiß, daß die Entwicklungspläne im wesentlichen, manchmal mit Verspätung, aber ebem doch eingehalten wurden und sich heute diese damals realistischen, heute phantastisch wirkenden Pläne ansieht, wenn man zur Kenntnis nimmt, welche Sprünge China machte und macht … dann will ich gar nicht darüber nachdenken, denn dann müßte ich mir den Strick nehmen ob des gestohlenen Lebens.

Der Wohnungsbau

K.L. aus Leipzig: Aber man kann auch zur DDR einige Aussagen mit Bestimmtheit treffen. Die Umstellung des extensiven Wohnungsbaus auf innerstädtischen Wohnungsbau und Sanierung von Altbausubstanz hat bereits Mitte der 80er Jahre begonnen, und der Prozeß intensivierte sich zunehmend. Mitte der 90er wären die letzten großen Wohngebiete „auf der grünen Wiese“ fertiggestellt worden, und man kann angesichts der phantastischen Leistungsfähigkeit der DDR-Bauwirtschaft mit Sicherheit sagen, daß der Sanierungs- und Unterhaltungsrückstand bei der Altbausubstanz bis spätestens 2005 beseitigt worden wäre. Daß das auch qualitativ hochwertig geschehen wäre, kann man in Leipzig beispielsweise an den Häusern in der östlichen Mariannenstraße feststellen, die Ende der 80er saniert worden sind und bis heute dem aktuellen Standard entsprechen, ohne daß es einer nochmaligen Sanierung bedurft hätte.

Die Energiewirtschaft

J.T. aus Naumburg: Richtig. Und die Gasmagistralen aus der UdSSR waren bereits größtensteils fertiggestellt, weitere Stränge im Bau. Die beiden AKW’s waren im Ausbau, das dritte in Stendal stand vor der Fertigstellung. Man kann daher mit Sicherheit sagen, daß bis Mitte der 90er die Braunkohle als Hauptenergieträger abgelöst worden wäre. Wir hätten auch ohne die „Wende“ saubere Luft.

Die Computertechnik

B.D. aus Rostock: Na, und außerdem – der erste DDR-Personalcomputer war ja bereits da, ich habe selbst einen solchen gehabt. Wer da noch wen überholt hätte, war die große Frage. Das wäre ein Wettlauf mit dem Westen, wie es der Wettlauf um den Weltraum gewesen ist. Wer den Wettlauf um den Weltraum gewonnen hat, muß ich hoffentlich niemandem erzählen. Vor allem: Es gäbe nach wie vor all die Spitzenbetriebe, all die Kombinate, all die gewaltige industrielle Basis der DDR. Wie hätten wir also gelebt? Tausend Mal besser, als heute. Und vor allem. Mit Würde!


Nachbemerkung: Viel gäbe es dazu heute noch zu sagen. In allen Bereichen des tägliches Lebens spüren wir, daß Dinge nicht immer so gelaufen sind, wie wir sie uns gewünscht hätten. Auch wenn uns die Zeitungen schönfärberisch besäuseln, welche Freiheit wir doch heute haben, wie vielfältig unser Leben doch ist und wie die Welt uns doch offensteht, die Wahrheit liegt oft ganz woanders. Auch wenn in den Rundfunksendern jeden Morgen eine fröhlich zwitschernde Stimme uns mit allerlei Belanglosigkeiten überschüttet, auch wenn im Fernsehen tolle, phantastisch schöne Landschaften gezeigt werden, darf man sich nicht täuschen lassen: Der Kapitalismus ist und bleibt eine knallharte und brutale Ausbeutergesellschaft mit einer unberechenbaren Gewaltbereitschaft, mit Kriminalität und unendlich vielen Problemen, die täglich mehr werden und nicht lösbar sind. Ja, ja – Zukunft wird aus Ideen gemacht! – welche Ideen haben Sie denn? Nichts wird sich ändern, solange die Produktionsmittel sich im Privatbesitz befinden – denn Geld regiert die (kapitalistische) Welt! Nun verlangen schon „die Forscher“ aus Angst um ihren Job, man möge doch die „Marktwirtschaft“ ins Grundgesetz aufnehmen… Wie lächerlich! Da hatten wir es in der DDR doch besser. Das Leben war einfacher, perspektivreicher, unbürokratischer, besser organisiert, friedlicher, gleichberechtigter, demokratischer, freundlicher und vor allem und für alle sozial gesichert… 

So war die DDR:

0_18e951_33f4a2bb_orig 0_1889a5_e21bc57f_orig 2fd58eb8383f4bc95f6c42f6f8157ec1 3f8cc80ccfb2 3c66c4599bb2 0_18895a_22e2eff7_orig Берлин, Частичный вид торговой улицы0_1889a1_6201182f_orig.jpg Kraftwerk

(Bilder aus dem russischen Internet und Veröffentlichungen der DDR)

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6 Antworten zu Dreißig Jahre danach: Was wäre gewesen, wenn…?

  1. Rolf R. schreibt:

    Auf Meinungen „aus dem Volk“ gebe ich nicht viel. Meine Oma zum Beispiel konnte bei einem Aufmarsch der Kampfgruppen keinen Unterschied zur Wehrmacht feststellen. Und neulich war Eine im Fernsehen, die den Einmarsch russischer Panzer in Prag 1968 mit dem Einmarsch der Neonazies im heutigen Chemnitz gleichsetzte.
    Solche und ähnliche Beispiele lassen sich beliebig fortführen. Ein Volk marschiert dahin wohin es geschickt wird. Die Regierung der DDR und ihre Ministerien hingegen haben sich vor unseren Augen sozusagen von selbst aufgelöst!

    • sascha313 schreibt:

      Genauso hat auch Goebbels kalkuliert, klar – dann geht alles wie von selbst: „russische Panzer“, „selbstauflösende Ministerien“ und eine Oma, die einen Nazi nicht von einem Arbeiter in Uniform unterscheiden kann

  2. giskoe schreibt:

    Ich sehe es noch deutlich vor meinem geistigen Auge: 1968 kam unser erster Trabbi und später ging es wöchentlich über die F96 (zum Teil noch gepflastert) über Fürstenberg, Gransee und Oranienburg nach Berlin. Anfangs stand da am Ortseingang noch ein Kontrollposten, der die Ausweise sehen wollte. Was mich aber mehr beeindruckte, war das Wachsen des Telespargels: 68 mußte man noch bis Pankow um den Turm zu sehen, 69 sah man ihn schon von Oranienburg aus. Kolossal wirkte auf mich dann die Montage der Kugel!
    Und mit Stolz kann ich auf meine Zeit bei „Heckerts“ zurückblicken:
    https://giskoesgedanken.wordpress.com/2017/12/31/mein-erster-computer/

  3. Helga schreibt:

    Ich vermisse vor allem auch die Wärme unter den Menschen, es ist nicht zu übersehen, das sich hier jeder selbst der nächste ist, ohne Rücksicht aufeinander, es mag da Ausnahmen geben, aber wir sind in einer Ellenbogengesellschaft angekommen.

  4. Rolf schreibt:

    Vollkommen richtig, Helga!
    Ende der 80er gab es auch in der DDR immer mehr Egoisten und Karrieristen – auch in Fürhrungsposten. Aber in der ganzen DDR anzutreffende Menschlichkeit, die lachenden Kinder und viele andere Sachen fehlen mir auch. Die Grundlage dieser DDR-Menschlichkeit kann nur der Sozialismus gewesen sein.

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