M.B. Kassumow: Aserbaidshans kulturelle Blütezeit

Aserbajdh_Die kleine Kaukasusrepublik Aserbaidshan, mit der Hauptstadt Baku, am Kaspischen Meer und an der Grenze zum Iran gelegen, ist eine der vormaligen Sowjetrepubliken, die nach der Zerschlagung der UdSSR im Jahre 1991 ihre Selbständigkeit erklärten. Aserbaidshan verfügt über bedeutende Erdöl- und Erdgasreserven sowie Eisenerz, Alunit, Kupfererz, Baryt und andere Bodenschätze, nach denen schon die Nazis ihre schmutzigen Finger ausstreckten. Und man braucht nicht lange zu rätseln – die USA versuchen es auch. Die Große Sozialistische Oktoberrevolution brachte auch dem aserbaidshanischen Volk die Freiheit von sozialer und nationaler Unterdrückung. In den Jahren der Sowjetmacht unter der Führung Stalins wurde Aserbaidshan von einem rückständigen, von fremden Mächten ausgeplünderten Erdöllieferanten zu einem hochentwickelten eigenständigen Industrieland. Das war die kulturelle Blütezeit Aserbaidshans. Doch heute herrscht auch dort wieder Kapitalismus mit seiner Ausbeutung, seiner Unterdrückung und seiner ideologischen Volksverdummung, wie überall dort, wo das Kapital die Macht hat…

Ein Blick zurück in die Geschichte

Der erste Sieg der Sowjetmacht in Aserbaidshan

Sechs Tage nach dem Siege des bewaffneten Aufstands in Petrograd am 31. Oktober (13. Novemer) 1917 wurde gegen den erbitterten Widerstand der konterrevolutiionären Parteien in Baku die Sowjetmacht verkündet und am 2. (15.) November hatte der Sowjet in Baku faktisch die Macht überneommen. Am 25. April 1918 siegte die Sowjetmacht in weiteren Städten, ein antisowjetischer Aufstand der Mussawatisten (bürgerlich-nationalistische Partei) im März 1918 in Baku wurde niedergeworfen. Am 25. April 1918 wurde der Rat der Volkskommissare Bakus unter der Leitungvon S. Schaumjan gebildet. Er erließ Dekrete über die Nationalisierung der Erdölindustrie, der Basnken, der Kaspischen Handelsflotte, über die Sozialisierung der feudalen Ländereien, führte den Achtstundentag ein und ergriff weitere Maßnahemn zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter.

Türkische und englische Besatzer erobern erneut die Macht

Durch den verrat der Mussawatisten, Daschnaken, Sozialrevolzutionäre und Menschewiki und unter dem Druck englischer, deutscher und türkischer Interventenwurde die Sowjetmachtam 31. Jukli 1918in Aserbaidshan gestürzt. Die 26 Kommissare von Baku (S.Schaumjan, M. Asisbekow, A. Dshaparidse, I. Fioletow u.a.) wurden erschossen. Vom 4. August bis zum 14. September 1918hielten die britischen Interventen Baku besetzt, am 15. September nahmen es türkische Truppen ein. Nach dem Ausscheiden der Türkei aus dem Krieg rückten im November 1918 erneut englische Verbände ein. Die Mussawatisten, die die nationalen Interessen des aserbaidshanischen Volkes verrieten und bereits mit den Türken zusammengearbeitet hatten, traten nun in den Dienst der englischen Besatzern und errichteten gemeinsam mit ihnen ein grausames Terrorregime.

Befreiung

Im April 1920 begann in Baku der bewaffnete Aufstand gegen die englischen Besatzer und deren mussawatistische Kollaborateure und mit Hilfe der Roten Armee wurde die Sowjetmacht in Aserbaidshan wieder errichtet. Von erstrangiger Bedeutung war dabei die revolutionären Reformen, die Einführung des Volkseigentums und die Verwirklichung der Leninschen Nationalitätenpolitik. Am 12. März 1922 schlossen Aserbaidshan, Armenien und Grusinien einen Vertrag über die Bildung der Transkaukasischen Föderation. Am 13. Dezember 1922 wurde diese Föderation auf dem 1. Transkaukasischen Sowjetkongreß in Baku in die Transkaukasische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik (TSFSR) umgewandelt.

Aufbau des Sozialismus in Aserbaidshan

Am 20. Dezember 1922 trat Aserbaidshan innnerhalb der TSFSR in die UdSSR ein. Als einer der ersten Industriezweige wurde die Erdölindustrie rekonstruiert. Bereits 1926/27 waren die wichtigsten Zweige der Volkswirtschaft der Republik wiederhergestellt. In den Planjahrfünften vor dem 2. Weltkrieg verwandelte sich Aserbaidshan in eine Republik mit hochentwickelter Industrie. Am Ende des zweiten Planjahrfünfts stand es, gemessen am Investitionsvolumen und an den Grundfonds, an der Bruttoproduktion der Großindustrie und der Erzeugung von Elektroenergie innerhalb der UdSSR an 3. Stelle.

Ein hochentwickeltes Land

1940 war die Industrieproduktion gegenüber 1913 auf das 6fache, die Bruttoproduktion der Großindustrie sogar auf das 18,6fache gewachsen. Schon 1938 wurden mehr als 96% aller Industrieerzeugnisse von Betrieben produziert, die in den Jahren der Sowjetmacht gebaut oder völlig rekonstruiert wurden. Während des Großen Vaterländischen Krieges kämpften auch die Völker Aserbaidshans heldenhaft an der Seite ihrer russischen, armenischen, ukrainischen Genossen gegen die faschistischen deutschen Okkupanten.

Progrome gegen die armenische Bevölkerung

Sumgait_GenozidIn der gesamten multinationalen Sowjetunion hatte die Bevölkerung stets friedlich zusammengelebt. Doch 1990 gab es, wie schon nach der Konterrevolution 1918 und in der Zeit des Perestrojka 1988 in Sumgait blutige Progrome gegen die armenische Bevölkerung. Vergeblich hatten sich aserbaidshanische und armenische Kommunisten damals an Gorbatschow gewandt, der dem mörderischen Treiben der Nationalisten tatenlos zusah. Der Massenmord in Sumgait 1988 gehört zu den schrecklichsten Verbrechen, die während der Perestrojka verübt wurden. Die sowjetische Regierung unter Gorbatschow versuchte das Verbrechen geheimzuhalten und spielte die Zahl der Todesopfer auf 38 herunter. Doch andere Angaben nennen weit über 200 Tote.

In den Jahren von 1959-1980 hatte die Aserbaidshanische Sozialistische Sowjetrepublik mit 38% den höchsten Bevölkerungszuwachs der Sowjetunion. Heute leben in Aserbaidshan rd. 10 Millionen Einwohner verschiedener Nationalität. Hier nun ein Bericht aus der Blütezeit Aserbaidshans von 1918 bis zum Beginn des Großen Vaterländischen Krieges.


Aserbaidshan

von Mir Baschir Kassumow,

Vorsitzender des Obersten Sowjets der Aserbaidshanischen SSR

(geschrieben im Oktober 1948)

Ich bin schon weit über 60 Jahre alt. Als Sohn eines aserbaidshanischen Bauern kenne ich das Geschick meines Volkes und meiner Heimat – die lichtlose schwere Vergangenheit ebenso wie unsere freudvolle Gegenwart. Schier unerträglich war das Leben für die Millionen einfachen Menschen, die auf den Feldern oder in der Erdölindustrie arbeiteten. Der Boden und die Fabriken gehörten den Reichen, meistenteils sogar Ausländern, die in uns nur billige einheimische Sklaven sahen. Das Volk war damals rechtlos, arm und rückständig.

Kultureller Aufschwung nach der Oktoberrevolution 1917

Vor der Revolution war Aserbaidshan ein Land des Analphabetentums. Meinem Volk, dem man die Möglichkeit nahm, Lesen und Schreiben zu lernen, waren nicht nur die Schätze der Weltliteratur, der Kunst und Wissenschaft verschlossen, es kannte nicht einmal die großen Schöpfungen seiner eigenen Söhne – Nisamis, Fisulis und Chaganis. Erst die Große Sozialistische Oktoberrevolution gab dem aserbaidshanischen Volk zusammen mit seiner staatlichen Selbständigkeit auch die volle Gleichberechtigung und öffnete ihm den Zutritt zu Wissenschaft und Kultur.

Die industrielle Revolution in Sowjet-Aserbaidshan

Heute rauchen auf unserem Boden die Schlote zahlreicher Werke und Fabriken, wir haben uns eine mächtige, nach dem letzten Stand der Technik ausgerüstete Industrie geschaffen. Aserbaidshans Erdölindustrie ist der Stolz des ganzen Sowjetlandes. Und überall, in den Fabriken, den Bergwerken und auf den Ölfeldern, arbeiten viele tausende hochqualifizierte asarbaidshanische Arbeiter, lngenieure und Techniker.

Ein neues Leben begann…

Auch unsere Bauern haben sich in Kollektvwirtschaften vereinigt, besitzen Traktoren und Combines, bestellen den Boden auf Grund der neuesten Forschungen der Wissenschaft und bedecken das Land mit modernen Bewässerungsanlagen. Die Sowjetmacht hat uns aber nicht nur wirtschaftlich, sondern auch kulturell zu neuem Leben verhelfen. Unser Volk hat seine eigene Schriftsprache bekommen, es besitzt heute Zeitungen, Zeitschriften und Bücher, die den breitesten Massen zugänglich sind. In ihrer Muttersprache lesen die Aserbaidshaner nun die Werke der großen Klassiker des Marxismus-Leninismus und das unsterbliche Schaffen Puschkins, Tolstojs, Gorkis, Byrons und Goethes.

Die revolutionäre Entwicklung des Bildungswesen

Wenn man früher die Schulen im ganzen Land an den Fingern abzählen konnte, so besitzt Sowjet-Aserbaidshan heute 3.200 Elementar- und Mittelschulen. Es besitzt seine eigenen Hochschulen nicht nur in der Hauptstadt Baku, sondern auch in einer Reihe anderer Städte der Republik. Die aserbaidshanische Universität hat in den letzten acht Jahren gegen 2.000 Mathematiker, Physiker, Geologen, Historiker und Kenner der aserbaidshanischen, der russischen und der Weltliteratur ausgebildet. Das Industrieinstitut der Republik hat dem Lande 7.500 Ingenieure, das Medizinische Institut 5.500 Ärzte, das Landwirtschaftliche Institut mehr als 2.000 Agronomen gegeben. 2.180 Professoren und Dozenten sind an den Hochschulen des Landes derzeit tätig, 1945 erhielt Aserbaidshan eine eigene Akademie der Wissenschaften. Drei Jahre sind eine kurze Frist, und doch hat unsere Akademie in dieser Zeit viel getan, um unserer Wirtschaft und unserer Kultur auch in Hinkunft ein rasches Wachstum zu gewährleisten.

Gleichberechtigung der Frauen

Ganz besonders möchte ich darauf verweisen, daß es unter der aserbaidshanischen lntelligenz heute schon viele Frauen gibt. Vor der Revolution waren unsere Frauen bekanntlich die rechtlosesten Geschöpfe, die man sich nur denken kann und die von einer Schulbildung nicht einmal träumen konnten. Heute stehen die Frauen Aserbaidshans mit in den ersten Reihen der Erbauer unseres neuen Lebens. Sie lernen, arbeiten und nehmen nicht selten verantwortungsvolle Posten im Staat ein. Selbst unter den aserbaidshanischen Gelehrten gibt es nicht wenige Frauen.

Kultur, Kunst und Theater

Alle Gebiete der aserbaidshanischen Kultur erleben eine Zeit der Blüte. Unsere Schriftsteller haben die besten Traditionen der russischen und der modernen sowjetischen Literatur übernommen und erfreuen ihr Volk durch immer neue vorzügliche Werke, die dem neuen sozialistischen Leben und seinen Menschen, den Helden von heute, gewidmet sind. Auch das aserbaidshanische Theaterleben hat in den letzten Jahren einen großen Aufschwung genommen. Davon zeugt nicht zuletzt das erfolgreiche Auftreten des aserbaidshanischen Dramatischen Theaters in Moskau, wo es durch seine Aufführungen von Werken aserbaidshanischer Dramatiker sowie von Stücken Ostrowskis und Shakespeares ungeteiltes Lob erntete.

So war der Sozialismus!

Am Beispiel Sowjetisch-Aserbaidshans kann sich jedermann davon überzeugen, daß das Vorhandensein vieler nationaler Kulturen in der UdSSR die Völker nicht voneinander trennt, sondern sie umgekehrt zu einer einheitlichen sozialistischen Familie vereinigt.

Quelle: Österreichische Zeitung vom 8. Oktober 1948.

481908 ÖsterZeitung Aserbeidshan

KasumowMir Baschir Kassumow [Mirbəşir Qasımov] wurde 1879 in Süd-Aserbaidshan als Sohn eines armen Bauern geboren. Von 1905 an arbeitete er Erdölarbeiter in Baku. Kassumow nahm teil an der revolutionären Bewegung, wurde Mitglied der kommunistischen Partei und war 1920 einer der Organisatoren des Aufstandes gegen die reaktionäre mussawatistische Gewaltherrschaft. Er wurde zweimal mit dem Leninorden und einmal mit dem Rotbannerorden ausgezeichnet und war von 1938 bis zu seinem Tode im April 1949 Vorsitzender des Obersten Sowjets der Aserbaidshanischen SSR.


Das heutige Aserbaidshan

KarteAserbajdshan

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Siehe auch:
Оъединение коммунистов Азербайджана
(Vereinigung der Kommunisten Aserbaidshans)

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