Matthias Krauß: Erich Honecker – Ein Deutscher unter Deutschen

ehMan muß große Hochachtung vor ihm haben, dem Staatsratsvorsitzenden der DDR und Generalsekretär des ZK der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, unserem Genossen Erich Honecker (1912-1994), nicht minder auch vor seiner Ehefrau, dem langjährigen Minister für Volksbildung, Margot Honecker (1927-2016). In seiner 1981 auf Wunsch des anglo-amerikanischen  Verlages Pergamon Press Ltd., Oxford, und seines Präsidenten Robert Maxwell entstandenen und veröffentlichten Biografie schreibt Genosse Honecker: „Mein Eintritt in die Partei im Jahre 1929 vollzog sich in einer Zeit verschärfter sozialer Spannungen und politischer Gegensätze. Die große Weltwirtschaftskrise des kapitalistischen Systems warf ihre Schatten voraus….“ [1] Dankenswerterweise hat der Autor Matthias Krauß sich in seinem Artikel auch über den unwürdigen und verächtlichen Umgang einiger Deutscher mit einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der deutschen Geschichte des vergangenen Jahrhunderts geäußert…

Nach der Niederlage des Sozialismus sahen antikommunistische und faschistoide Kräfte ihre Stunde gekommen. Und nicht nur auf Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, sondern auch auf führende Parteimitglieder wurde regelrecht Jagd gemacht. Daß es dabei nicht soweit kam, wie 1956 in Ungarn, kann man eigentlich nur als einen Glücksfall bezeichnen. Die sowjetische Führung unter Gorbatschow, der selbst noch im Oktober 1989, also nur wenige Wochen vor dem konterrevolutionären Putsch in der DDR zu Gast gewesen war und sich lügnerisch zum Sozialismus bekannt hatte, wie auch das Putschkomitee mit Modrow, Krenz und Konsorten an der Spitze rieben sich die Hände – endlich war erreicht, was lange geplant worden war: die Beseitung ersten Arbeiter-und-Bauern-Staates auf deutschen Boden und des Sozialismus in der DDR. Vor 25 Jahren, am 29. Mai 1994, starb Erich Honecker im chilenischen Exil.


Erich Honecker als Gast des Bundeskanzlers der BRD

Am 7. September 1987 begrüßte Bundespräsident Richard von Weizsäcker in der Villa Hammerschmidt in Bonn einen Gast aus der DDR: »Herr Vorsitzender! Sie sind mit den Mitgliedern Ihrer Delegation als Gast des Bundeskanzlers in die Bundesrepublik Deutschland gekommen. Ich begrüße dies nachdrücklich und freue mich, Sie bei uns willkommen heißen zu können – als Vorsitzender des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik und als Deutscher unter Deutschen.« Der »Gast des Bundeskanzlers« war Erich Honecker.

Eine historische Begegnung

Für den aus dem Saarland stammenden Kommunisten war das zweifellos die größte Stunde seines Lebens [2]. Der Besuch Erich Honeckers in der Bundesrepublik hatte mitnichten etwas von den heutigen »Gipfeln«, die oft die Dauer von zwei Stunden nicht übersteigen. Fünf Tage lang genoß Honecker die Gastfreundschaft des Bundespräsidenten, des Bundeskanzlers und mehrerer Ministerpräsidenten – bis hin zum unvermeidlichen Franz Josef Strauß. Zu diesem Besuch und seiner Dauer war der Westen nicht gezwungen gewesen, und er war von der DDR auch nicht erbettelt worden.

Gejagt und verfemt im eigenen Land

Zwei Jahre später war dieser Erich Honecker ein Gejagter und Verfemter im eigenen Land. Aus seinem Rücktritt wurde schnell ein Sturz, dann ein Absturz. Obdachlos irrte er mit seiner Frau Margot über die Straßen Berlins, kam schließlich nicht bei alten Genossen, sondern bei einem Pfarrer unter. Er floh danach in eine sowjetische Garnison, später nach Moskau in die chilenische Botschaft. Absichtlich falsche ärztliche Expertisen bildeten die Grundlage für die Auslieferung des fast 80jährigen, zwangen ihn in das Gefängnis in Moabit, in dem er als kommunistischer Widerstandskämpfer schon in der Hitlerzeit hatte einsitzen müssen.

Der Haß der westdeutschen Bourgeoisie kennt keine Menschlichkeit

Kein anderer Gefangener mit dem Krankheitsbild Honeckers hätte auch nur einen weiteren Tag im Gefängnis bleiben müssen – Honecker mußte dort 170 Tage verbringen, bis der Todkranke schließlich nach Chile ausreisen durfte. All jene, die vor Honecker ein paar Monate zuvor noch den roten Teppich ausgerollt hatten, überboten sich an Verachtung und Verächtlichmachung.

Das bedeutsame Lebenswerk von Erich Honecker

Erich Honecker steht für eine ruhige, friedliche und besonnene Phase der deutschen Geschichte – und das in komplizierten Zeiten. Er hat nie einen Krieg begonnen und die abscheulichen Aggressionen des Westens angeprangert, statt sie zu unterstützen, wie es die westdeutschen Bundeskanzler alle taten. Zweifellos, er war im SED-Politbüro zuständig für den Mauerbau 1961.

Wie war das eigentlich mit dem „Mauerbau“?

Honecker hatte diesen Bau nicht entschieden, sondern einen in Moskau gefaßten Beschluß aller sozialistischen Staaten umgesetzt (»Maßnahmen zum Schutz des Friedens«) [3]. Die Reaktionen im europäischen Umfeld lassen nur einen Schluß zu: Die Westmächte waren eingeweiht, sie nahmen diese Abriegelung als Maßnahme der politischen Stabilisierung hin. Die Bundesregierung könnte die einzige Ausnahme gewesen sein. Hinzuzufügen wäre – der Mauererbauer Honecker hat später diese Mauer auch wieder durchlässiger gemacht; im Jahr seines BRD-Besuches fuhren prozentual mehr DDR-Bürger in die Bundesrepublik als umgekehrt.

Eine großartige Epoche des sozialistischen Aufbaus in der DDR

Unter Erich Honecker wurden Millionen neue Wohnungen gebaut – nach seinem Sturz wurden in Ostdeutschland Wohnungen abgerissen. In den knapp 20 Jahren seiner Amtszeit wurden in Ostdeutschland zwei Millionen Kinder mehr geboren als in den 20 Jahren danach. Erich Honecker hat die Todesstrafe abgeschafft – als einziger im Osten. Er hat die Befreiungsbewegungen auf diesem Erdball unterstützt und für das großartige Bild gesorgt, das die Dritte Welt bis heute von der DDR bewahrt. Daß der völlig Mittellose in den letzten anderthalb Lebensjahren im Exil von diesen Bewegungen unterstützt wurde, war der Lohn dieser guten Tat.

…die große Wut der westdeutschen Imperialisten

Honecker hat seinen Staat aus der diplomatischen Isolation geführt und die weltweite Anerkennung wie auch die UNO-Mitgliedschaft für die DDR durchgesetzt. Am Ende tauschte sie mit 138 Staaten Botschafter aus. Erneut war die Bundesrepublik mit ihrer Abstinenz allein geblieben und gezwungen, die DDR, wenn schon nicht de jure, so doch de facto, als einen souveränen Staat zu behandeln. Und eine historische Sekunde lang mußte sie die DDR ja doch anerkennen, sonst hätte es 1990 nicht den Zwei-Plus-Vier-Vertrag der beiden deutschen Staaten mit den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges geben können. Da hatte sich am Ende viel ohnmächtige Wut angesammelt.

Ohne Kapitalisten ging es uns wesentlich besser!

Was diese Wut und den aus ihr sich ergebenden Haß aber so dauerhaft macht, ist dies: Erich Honecker hat für alle Zeiten bewiesen, daß auch auf deutschem Boden ohne diese blutbesudelte und schuldbeladene herrschende Klasse eine achtbare und erfolgreiche Entwicklung möglich ist. Diese »Eliten«, die zweimal im vergangenen Jahrhundert das Unglück der ganzen Welt gewesen sind und die sofort nach 1945 im Westen das Heft des Handelns wieder in die Hand bekamen, hatten 45 Jahre lang in einem Teil des deutschen Territoriums nichts zu sagen. Ihre Wut und die ihrer Lakaien darüber ist das beste Denkmal, das man Erich Honecker setzen kann. Vor 25 Jahren, am 29. Mai 1994, ist er im chilenischen Exil gestorben.

Quelle: Zeitung „junge Welt“ von 29.05.2019
(Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)

[1] Erich Honecker: Aus meinem Leben, Dietz Verlag Berlin, 1981, S.23. Eine sehr interessante und lesenswerte Biografie!
[2] …das ist die persönliche Sicht des Autors, dem ist jedoch keinesfalls zuzustimmen! Es gab Hunderte von unvergeßlichen, bedeutsamen Ereignissen in der DDR, die auch Erich Honecker und mit ihm die DDR-Bürger beeindruckt und bewegt miterleben dürften.
[3] Siehe dazu: „Walter Ulbricht sagte „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen…“

Siehe auch:
Erich Honecker: Erklärung am 3. Dezember 1992 vor der 27. Großen Strafkammer beim Landgericht Berlin-Moabit
Erich Honecker: Über den Sozialismus und seine Zukunft
Emil Collet: Erich Honecker mußte weg
Margot Honecker: Bildung ist die wichtigste Waffe im Kampf gegen den Imperialismus

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5 Antworten zu Matthias Krauß: Erich Honecker – Ein Deutscher unter Deutschen

  1. Eleonore Kraus schreibt:

    Man muß dem Matthias Krauß an der Stelle danken, dass er den Mut hatte, diesen Artikel in einer Zeitung wie der Jungen Welt zu veröffentlichen, einer Zeitung, die überhaupt keine Probleme hat, beliebige, politische (auch antikommunistische) Meinungen zu veröffentlichen, die z.B. auch einen Artikel von einem Mellenthin veröffentlicht, der S. Wagenknecht frech in die Nähe der Nazis rückt. Da ist es fast beruhigend, wenn es nur bei solchen Äußerungen wie „Mauerfall“ geblieben ist, was mich doch sehr nachdenklich macht, wo sich diese Zeitung doch für ein linkes Blatt hält.

    Was dem Ehepaar Honecker von diesen widerlichen, kleinkarierten Dumpfbacken und von den politischen Halunken angetan wurde, ist unverzeihlich – an Widerwärtigkeit und Unmenschlichkeit kaum zu überbieten, Damit sind die gemeint, die mit „westlichen Werten“, mit „Menschenrechten“ und dergleichen von Haustür zu Haustür schleimen und sich damit bis auf die Knochen blamieren, dieses Pack von geistigen Tieffliegern. Nichts ist mehr zu verachten, als das, was diese hohlen Nüsse tun. Man müßte sie anklagen. Da können wir froh sein, dass dem Ehepaar Honecker hiermit ein Stück seiner Würde zurückgegeben wurde. Und das muss man hoch anerkennen.

    Noch einmal zu Frau Wagenknecht: Ob ich ihre Politik teile, ist völlig wurst und NEIN, ich teile sie nicht. Allerdings sind ihre Analysen zu gesellschaftlichen Themen glasklar und belastbar. Was unerträglich ist und bleibt, dass Sahra Wagenknecht ausgerechnet von ihrer eigenen Partei ihren „Gegnern“ zum Fraß vorgeworfen wurde. Heute ist sie krank, und man weiß um die Zusammenhänge, daß Gemeinheiten, Mobbing, Bösartigkeiten, Anfeindungen und der daraus resultierende Stress und die Schwäche des Immunystems, Krankheiten Tür und Tor öffnen können.

    Es ist beschämend für diese Partei, wo man für eine andere Gesellschaft eintritt, gegen Krieg ist, sich „links“ positioniert und dann mit den eigenen Mitgliedern „Schlitten fährt“, sie öffentlich bloßstellt, in die Nähe von Nazis stellt, sie schlecht macht, ihre Würde verletzt. Das macht mich immer noch fassungslos. Mit solchen „Linken“, die auf einem solchen Niveau agieren ist, kein Staat zu machen – und nie würde ich in eine solche Partei gehen, geschweige denn sie wählen. Pfui Teufel! Da gehen ihre politische Gegner wahrlich etwas respektvoller mit S. Wagenknecht um.

    Wenn diese Leute in der Partei „Die Linke“ nicht selber vorleben, sich auch im Umgang miteinander nicht klar von anderen Parteien unterscheiden, warum sollten die dann gewählt werden? Wenn sie genauso nickelig und rachsüchtig sind, wie die in anderen Parteien? Hoffentlich hat sie Unterstützer, die ihr ohne wenn und aber zur Seite stehen.

  2. prkreuznach schreibt:

    Hat dies auf Die Trommler – Archiv rebloggt und kommentierte:
    Ein Beitrag aus dem befreundeten Blog „Sascha’s Welt“ über Erich Honecker.

  3. Johann Weber schreibt:

    „Daß der völlig Mittellose in den letzten anderthalb Lebensjahren im Exil von diesen Bewegungen unterstützt wurde, war der Lohn dieser guten Tat.“

    Auf der Internetseite von archiv.rhein-zeitung vom 14.6.1999 wird über die Vermögensverhältnisse der Familie Honecker berichtet.

    Kein Geld für Honecker-Witwe
    Vermögen des DDR-Staatschefs rechtmäßig eingezogen

    Berlin – Das Vermögen von DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker ist 1990 rechtmäßig eingezogen worden. Das Berliner Verwaltungsgericht lehnte am Montag in letzter Instanz die Klage der Witwe Margot Honecker auf Herausgabe von mehr als 100.000 Mark ab. Der 1994 gestorbene, einst mächtigste Mann in der DDR habe sein Vermögen unter Ausnutzung seiner Stellung zu Unrecht erworben, urteilte die 25. Kammer. Lediglich 12.630 Mark Rente, die erst nach der Wende versehentlich auf ein Sperrkonto gelangt waren, müssen Margot Honecker ausgehändigt werden (Az.: VG 25 A 116.91)
    Auf den Konten Erich Honeckers waren 1990 rund 235.000 DDR-Mark sichergestellt worden, die den Umrechnungsmodalitäten zufolge knapp 118.000 D-Mark entsprechen. Nach dem Urteil erhält die Staatskasse nunmehr rund 105.000 DM, erläuterte Richter Pee. Strafrechtlich konnte der DDR-Staats- und Parteichef wegen der Toten an Mauer und Stacheldraht aufgrund seiner Krebskrankheit nicht mehr zur Verantwortung gezogen werden.“

    Warum schrien denn diese sogenannten „Bürgerrechtler“ von Bonzen?
    Wir im Westen hatten Politiker, für die wäre ein so bescheidenes Vermögen, wie das der Familie Honecker, nur Peanuts gewesen.

    In der Amigo-Affäre berichtete der Spiegel Ausgabe 24/1994:
    „[..]Schon die Aussagen der ersten Zeugen zeigten, daß die früheren CSU-Regierungschefs Franz Josef Strauß und Max Streibl Nebenämter mißbraucht haben, um kräftig zu verdienen. Beide führten als Testamentsvollstrecker die gemeinnützige Friedrich-Baur-Stiftung im oberfränkischen Burgkunstadt, die Versandgroßhändler Baur gegründet hatte. Jeder von ihnen sackte ohne großes Zutun weit über eine Million Mark Honorar ein.“

    Weiter berichtete der Spiegel in seiner Ausgabe Nr. 27/1996:
    „Max Streibl, 64, ehemaliger bayerischer Ministerpräsident, hat eine seiner Affären klammheimlich zu den Akten gelegt. Vor zwei Jahren hatte der Amigo-Spezi angekündigt, er wolle eine Stiftung gründen – mit Geld, das ihm nicht zustand. Streibl war wie sein Vorgänger im Amt des Ministerpräsidenten, Franz Josef Strauß, als Testamentsvollstrecker der Friedrich-Baur-Stiftung eingesetzt gewesen. Gegen den Willen der Stifterin Katharina Baur hatte Strauß, und nach seinem Tod Streibl, jährlich bis zu 300 000 Mark kassiert – ohne großes Zutun. Während die Strauß-Erben jede Rückzahlung ablehnten, versprach Spezi Streibl zur eigenen Entlastung die Gründung einer Stiftung.[..]“

    • sascha313 schreibt:

      „Kein Geld für Honecker-Witwe. Vermögen des DDR-Staatschefs rechtmäßig eingezogen“

      Diese – man muß schon sagen: Chuzpe! – ist umso zynischer, als man weiß, daß die Vermögen sämtlicher Nazibonzen, Blutrichter und Monopolkapitalisten in der BRD nicht „rechtmäßig eingezogen“ wurden, daß nicht bestraft wurde, was einst zum „Holocaust“ (dem Massenmord an den Juden), zum Überfall auf die UdSSR und zur Ausplünderung der Nachbarvölker geführt hat. Man muß also wissen, daß all diese Verbrechen noch immer nicht gesühnt sind.

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