Die kriminelle Energie der Miethaie…

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Dutzende Wohnungen sind hier zum Abriß freigegeben

Kein Mensch möchte in den Osten ziehen. Dort ist ohnehin  kaum noch was zu holen. Und die dort wohnen, sind sowieso vom Aussterben bedroht, bis auf die nach Hunderten zu zählenden Beamten, Polizisten, Versicherungsverteter, Postboten, und Pflegekräfte. Ein paar andere sind auch noch da, aber die fahren täglich mit dem Auto viele Kilometer ihrer Arbeit nach, in den Westen oder Süden. Zahlreiche DDR-Wohnsiedlungen in schöner Lage am Stadtrand, die Neubaublöcke aus den 80ern und die Schulen, die nun schon seit Jahren nicht mehr gebraucht wurden, hat man nach und nach abgerissen. Ein heute dünn besiedeltes Gebiet, was früher voller Leben war. Ja, und Gewerbegebiete gibt es da natürlich auch, schön sanierte Häuser. Museen und Theater für die Besserverdienenden. Doch dort, wo noch Arbeitsplätze zu finden sind, in den Großstädten und Ballungsgebieten wie Berlin, Leipzig oder Dresden sind die Mieten bis zuletzt ins Unermeßliche angestiegen…

Klar, wo Geld verdient wird, kann auch ein Vermieter entsprechend abkassieren. Und zwar gewaltig! Einmal investiert, ist das ein leichtverdientes Geld. Heute kaum noch vorstellbar, daß man in der DDR für eine komfortabel ausgestattete Dreiraum-Neubauwohnung in Berlin-Hellersdorf gerade mal 80-100 Mark Monatsmiete hinlegen mußte. Das war etwa ein Zehntel des Monatseinkommens eines Arbeiters. Arbeitslose oder Pendler gab es bei uns nicht. Erst recht keine Obdachlosen! Und der Handwerker der Kommunalen Wohnungsverwaltung kam selbstverständlich kostenlos, wenn einmal ein Wasserhahn tropfte oder das Türschloß klemmte. Undenkbar im Kapitalismus!

Maximaler Profit – das ist das Ziel eines jeden Kapitalisten!


Michael Beltz

Mietenexplosion – Wohnungsnot – Obdachlosigkeit

Nicht nur in Gießen, wir berichteten mehrfach, auch bundesweit wird die Wohnungsnot unerträglich. Tausende Menschen gehen deswegen auf die Straße: 13.000 in Berlin, 5.000 in Frankfurt, auch in Göttingen, Leipzig und Gießen. Mehr als eine Million Wohnungen fehlen in der BRD; gleichzeitig sinkt die Zahl der Sozialwohnungen: von drei Millionen im Jahr 1990 auf nun nur noch eine Million.

Die Mieten explodieren, ein Drittel des Einkommens muß durchschnittlich dafür ausgegeben werden; in Ballungsgebieten wie München bis zu 75 %. Fast die Hälfte aller Haushalte hat inzwischen laut Angaben des Mieterbundes einen Anspruch auf eine Sozialwohnung, aber nur für jeden siebten gibt es eine. In Gießen ist die Lage auch wegen der vielen Studenten zugespitzt. Hier wurde Ende Oktober zum zweiten Mal in diesem Jahr ein leerstehendes Gebäude besetzt und mit einer Mahnwache vor dem Uni-Hauptgebäude auf die katastrophale Mietsituation hingewiesen.

Auf einer Kundgebung des ASTA am 24. 10. vor dem Rathaus wurden Mietpreise in Höhe von 400 Euro für 14 qm und 500 Euro für 16 qm genannt. Alle Anträge der Linksfraktion zur Linderung der Wohnungsnot wurden vom Magistrat abgelehnt, nicht nur nach dem Bau von mehr Sozialwohnungen, sondern auch kleine Schritte wie die Forderung nach einer Sozial-quote von 30 % bei allen großen Bauvorhaben, einem Mietpreisstop bei der Wohnbau, Erhebung einer Leerstandsabgabe. Folge die-ser asozialen Wohnungspolitik ist ein drastischer Anstieg der Obdachlosigkeit. 860.000 Obdachlose wurden 2016 gezählt, heute wird ihre Zahl auf 1,2 Millionen geschätzt (nach Angaben der Wohnungsloseninitiative „Die Brücke“). Das ist eine Zunahme um 40%!

Kümmert das die Stadt Gießen? 2009 hatte sie zum letzten Mal den Sozialstrukturat-las herausgegeben. Vor einem Jahr hatte die Fraktion Gießener Linke die Fortschreibung der Sozialberichterstattung in Form eines Kommunalen Armutsberichts beantragt. Das wurde abgelehnt und statt dessen beschlossen, einmal jährlich eine Zusammenstellung zu veröffentlichen. Daß diese jetzt endlich vorgelegt wird, hat der Stadtverordnete Michael Janitzki (Partei Die Linke) für die nächste Sitzung beantragt.

Quelle: „Gießener Echo“, Nr. 11, November 2018.

Friedrich Engels

Woher kommt die Wohnungsnot?

Wie entstand sie? Na, klar! Ein guter Bourgeois darf natürlich „…nicht wissen, daß sie ein notwendiges Erzeugnis der bürgerlichen Gesellschaftsform ist, daß eine Gesellschaft nicht ohne Wohnungsnot bestehen kann, in der die große arbeitende Masse auf Arbeitslohn, also auf die zu ihrer Existenz und Fortpflanzung notwendige Summe von Lebensmitteln, ausschließlich angewiesen ist; in der fortwährend neue Verbesserungen der Maschinerie usw. Massen von Arbeitern außer Arbeit setzen; (…) in der endlich der Hausbesitzer, in seiner Eigenschaft als Kapitalist, nicht nur das Recht, sondern, vermöge der Konkurrenz, auch gewissermaßen die Pflicht hat, aus seinem Hauseigentum rücksichtslos die höchsten Mietpreise herauszuschlagen.

In einer solchen Gesellschaft ist die Wohnungsnot kein Zufall, sie ist eine notwendige Institution, sie kann mitsamt ihren Rückwirkungen auf die Gesundheit usw. nur beseitigt werden, wenn die ganze Gesellschaftsordnung, der sie entspringt, von Grund aus umgewälzt wird (…) Und solange die kapitalistische Produktionsweise besteht, solange ist es Torheit, die Wohnungsfrage oder irgendeine andre das Geschick der Arbeiter betreffende gesellschaftliche Frage einzeln lösen zu wollen. Die Lösung liegt aber in der Abschaffung der kapitalistischen Produktionsweise, in der Aneignung aller Lebens- und Arbeitsmittel durch die Arbeiterklasse selbst.“

Quelle:
Friedrich Engels: Zur Wohnungsfrage. In: Karl Marx/Friedrich Engels: Werke. Dietz Verlag, Berlin, 1962. Bd.18, S.236/263.

…und so sieht es nach dem Abriß aus: Bauschutt… und dann Grünflächen! Massenhaft verließen, nach der Konterrevolution in der DDR, nach 1990 die Menschen ihre Heimat, weil ihre Betriebe ausgeplündert und an westliche „Investoren“ verhökert worden waren. 

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Siehe auch:
Die Wohnungspolitik in der DDR

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2 Antworten zu Die kriminelle Energie der Miethaie…

  1. Hat dies auf Muss MANN wissen rebloggt und kommentierte:
    „Die Lösung [der Probleme] liegt aber in der Abschaffung der kapitalistischen Produktionsweise, in der Aneignung aller Lebens- und Arbeitsmittel durch die Arbeiterklasse selbst.“

  2. Was für eine Verschwendung von Möglichkeiten und Ressourcen!
    Hier fehlt massenhaft Wohnraum und dort wird gnadenlos Wohnraum vernichtet!

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