Wiktor Markowitsch Posner: Lenins Kampf gegen den ideologischen Zerfall

WMPosner

Wiktor Markowitsch Posner (1877-1957)

Es ist an der Zeit, wieder einmal an den unermüdlichen Kampf Lenins um die weltanschauliche Klarheit der Partei zu erinnern. Zwar sind wir heute in einer anderen Situation als Lenin. Es gab nirgends wieder in Europa solche heftigen Klassenauseinandersetzungen, daß sich die herrschende Klasse genötigt sah, mit Waffengewalt gegen protestierende Arbeiter vorzugehen, und es gibt keine revolutionäre Partei, die imstande wäre, die politische Führung zu übernehmen. Allerdings herrscht auch heute nicht weniger Verwirrung in den Köpfen wie damals, und auch die deutsche Arbeiterklasse ist alles andere als revolutionär. Doch ohne Klarheit wird die kommunistische Bewegung nicht erfolgreich sein. Der sowjetische Philosoph W.M. Posner schreibt über das bedeutende Werk Lenins „Materialismus und Empiriokritizismus“…

Das geniale Buch von W.I. Lenin „Materialismus und Empiriokritizismus“ erschien im Mai 1909. Es wurde das ideologische Banner, um das sich die Bolschewiki in den Jahren der Reaktion, die nach der Niederlage der Revolution des Jahres 1905 eingesetzt hatte, scharten.

Gegen ideologischen Zerfall und Zersetzung

In der Periode des ideologischen Zerfalls und der Zersetzung in den Reihen der kleinbürgerlichen Intelligenz, des Verrats der Mitläufer der Revolution, in einer der schwersten Perioden im Leben unserer Partei rief Lenin zum Kampf um den revolutionären Marxismus, um die Partei auf und unterstrich mit allem Nachdruck das Prinzip der Parteilichkeit in der Philosophie. Lenin entlarvte die angebliche Unparteilichkeit, die „Neutralität“ und den Objektivismus der bürgerlichen Philosophie und Wissenschaft und bewies, daß die „Parteilosigkeit … in der bürgerlichen Gesellschaft nur ein heuchlerischer, verhüllter, passiver Ausdruck der Zugehörigkeit zur Partei der Satten, zur Partei der Herrschenden, zur Partei der Ausbeuter“ [1] ist. Lenin wies darauf hin, daß in der „Wissenschaft einschließlich der Philosophie kein Platz für Unparteilichkeit sein darf, daß vielmehr nur die bewußte Parteilichkeit ein wirklicher Dienst an der Sache des revolutionären Proletariats ist.

Gegen Opportunismus und Versöhnlertum

Das Buch Lenins ist ein Muster des unversöhnlichen parteilichen Kampfes gegen die Feinde des revolutionären Marxismus. Lenin zeigte, daß zwischen der Abkehr von der marxistischen Philosophie und dem Opportunismus – dem Verrat an der Sache des Proletariats – ein direkter und unmittelbarer Zusammenhang besteht. Indem er die philosophischen Doppelzüngler und Entarteten, die russischen Machisten, die den Versuch unter­nahmen, den Marxismus mit der bürgerlichen machistischen Philosophie zu „versöhnen“, entlarvte, entwickelte Lenin die theoretischen Grundlagen der Partei, um sie zu befähigen, das Proletariat zum Sturm auf den Kapitalismus zu führen.

Lenins Weg war absolut richtig!

Das Buch Lenins war die theoretische Vorbereitung der Partei neuen Typus, der Bolschewistischen Partei. In den vier Jahrzehnte, die seit dem Erscheinen des philosophischen Werkes W I. Lenins verstrichen waren, hatte die von Lenin und seinem genialen Mitkämpfer, dem Genossen Stalin, geschaffene Partei einen langen kämpferischen, ruhmreichen Weg durchschritten.

  • Die Partei Lenins und Stalins hat der Arbeiterklasse den einzig möglichen Ausweg aus dem imperialistischen Kriege gezeigt, einen Ausweg, der den Interessen aller Werktätigen gerecht wurde, nämlich – den Sturz des Zarismus.
  • Die Partei führte die von der Dorfarmut unterstützte Arbeiterklasse zum Sturm auf den Kapitalismus, zur siegreichen Großen Sozialistischen Oktoberrevolution.
  • Die mit der fortschrittlichen Theorie des Marxismus-Leninismus ausgerüstete Partei leitete – mit dem genialen Führer der Werktätigen und Lehrer des Kommunismus, dem Genossen Stalin, an der Spitze – den Aufbau des Sozialismus in unserem Lande und den Kampf des Sowjetvolkes im Großen Vaterländischen Kriege, der mit der Zerschmetterung der beiden schlimmsten Feinde des Sozialismus und der Demokratie – des räuberischen deutschen Faschismus und japanischen Imperialismus – endete.
  • Unter der Führung der Partei Lenins und Stalins verwirklichte das Sowjetvolk den allmählichen Übergang vom Sozialismus zum Kommunismus.

Der Marxismus als Waffe gegen Imperialismus und Krieg

Die genialen Ideen des Leninschen Buches, die durch die Werke des großen Fortführers seiner Sache, des Genossen Stalin, weiterentwickelt und bereichert wurden, sind eine unwiderstehliche Waffe im Kampf gegen die Feinde des Marxismus, gegen die imperialistische Reaktion, gegen die zersetzende Ideologie des verfaulenden Imperialismus, gegen die von den Imperialisten der USA geführten Kriegsbrandstifter. Das Studium des Buches von W. I. Lenin „Materialismus und Empiriokritizismus“ ist ein wichtiger Schritt auf dem Wege zur Beherrschung der Theorie des Marxismus-Leninismus und seiner philosophischen Grundlage – des dialektischen und historischen Materialismus.

Die liberale Bourgeoisie – Feinde der Revolution

Die Niederlage der Revolution von 1905 rief im Lager der bürgerlichen Intelligenz Zweifel und Zersetzung hervor. Die Vertreter der liberalen Bourgeoisie, die Kadetten, gingen offen ins Lager der Feinde der Revolution über, indem sie in der Rolle von Verteidigern des Monarchismus auftraten. ,,Im Jahre 1909 gab eine Gruppe prominenter Schriftsteller aus dem Lager der Kadetten den Sammelband „Wiechi“ (Marksteine) heraus, worin die Kadetten im Namen der Bourgeoisie dem Zarismus für die Unterdrückung der Revolution dankten. In ihrer Kriecherei und Liebedienerei vor der zaristischen Regierung der Knute und des Galgens schrieben die Kadetten ganz unverblümt, man müsse diese Macht segnen, die allein noch mit ihren Bajonetten und Gefängnissen uns ( das heißt die liberale Bourgeoisie) vor der Volkswut schirmt.“ [2]

Zweifel und Enttäuschungen der Kleinbürger

Im Lager der kleinbürgerlichen Partei der Sozialrevolutionäre herrschten Zweifel und Enttäuschung über die Revolution. Die prominenten Schriftsteller aus den Reihen der Sozialrevolutionäre begaben sich auf den von den Kadetten beschrittenen Weg der Entthronung der Ideale der Revolution, der Propagierung der „Selbstvervoll­kommnung“ der Persönlichkeit und suchten die Rettung in der Wiedergeburt von Religion und Mystik. ,,Auf der Bildfläche erschien ein ganzer Schwarm von Modeschriftstellern, die den Marxismus ,kritisierten‘ und ,erledigten‘, die Revolution verunglimpften, sie verhöhnten, den Verrat verherrlichten und sexuelle Ausschweifungen unter der Flagge eines ,Kultus der Persönlichkeit‘ anpriesen.“ [3]

Nach der Niederlage: Rückzug einer geschlagenen Armee?

Der menschewistische Flügel der Sozialdemokraten bot das traurige Bild eines regellosen, von panischem Schrecken erfüllten Rückzuges einer geschlagenen Armee. Plechanow verkündete, daß „es nicht nötig gewesen wäre, zu den Waffen zu greifen“; die Menschewiki traten mit der Losung des Liquidatorentums, die die Auflösung der illegalen revolutionären Partei beinhaltet, auf. Nur die Bolschewiki trugen das Banner des revolutionären Marxismus unbefleckt aus der Niederlage der Revolution heraus.

Überläufer und Gottsucher auf dem Holzweg!

Die ideologische Zersetzung, die breite Schichten der Intelligenz ergriffen hatte, wirkte sich auf alle Mitläufer der Revolution aus, die sich ihr zur Zeit des revolutionären Aufschwungs angeschlossen hatten. Die durch die Niederlage der Revolution verursachte Enttäuschung hatte die Flucht eines bestimmten Teiles der Intelligenz aus den Reihen der Partei zur Folge, hatte ihr Vertrauen zur revolutionären Theorie des Marxismus erschüttert und stieß sie in die offenen Arme der idealistischen Philosophie und der in den bürgerlichen Kreisen Mode gewordenen „religiösen Suche“. Sie verrieten den Marxismus und gingen offen in das Lager des pfäffischen Obskurantismus über. Alle diese sogenannten „Gottsucher“ uad „Gottbildner“ machten sich daran, die Schaffung einer „neuen“ Religion zu propagieren, womit sie in Wirklichkeit der Bourgeoisie halfen, das Proletariat vorn revolutionären Wege abzulenken.

„Einheitsfront“ von Antikommunisten, Zentristen und Renegaten?

Es hatte sich eine Einheitsfront der Feinde der Revolution gebildet – angefangen von den erzreaktionären Schwarzhundertern über die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Liberalen bis zu den Renegaten des Marxismus, den Revisionisten und den gegen den revolutionären Marxismus zu Felde ziehenden Entarteten. „Verfallstendenzen und Unglaube“, wird im „Kurzen Lehrgang der KPdSU (B)“ gesagt, „erfaßten auch einen Teil der zur Partei gehörenden Intellektuellen, die sich für Marxisten hielten, aber niemals fest auf den Positionen des Marxismus gestanden hatten. Zu ihnen gehörten Schriftsteller wie Bogdanow, Basarow, Lunatscharski ( die es 1905 mit den Bolschewiki gehalten hatten), Juschkewitsch, Valentinow (Menschewiki).“ [4]

Was wollen die „Erneuerer“ des Marxismus-Leninismus?

Diese Abtrünnigen gaben sich für Anhänger des Marxismus aus und verkündeten, daß sie angeblich den Marxismus „ergänzen“ und „verbessern“ wollten – das taten sie, indem sie ihn von einigen „veralteten“ Begriffen befreiten – und daß sie den Marxismus durch die Ergebnisse der „neuesten Philosophie“ und die Schlußfolgerungen aus der Philosophie der „modernen Naturwissenschaft“ zu vervollkommnen beabsichtigten. In Wirklichkeit waren aber diese ganzen heuchlerischen propagandistischen Bemühungen nichts anderes als der getarnte Versuch, die theoretischen Grundlagen des revolutionären Marxismus – den dialektischen und historischen Materialismus – zu untergraben und ihn auf neue Art durch die verkappte reaktionäre subjektive idealistische Philosophie von Avenarius und Mach zu ersetzen.

Die Gefährlichkeit der pseudo-marxistischen Phraseologie

Die Gefährlichkeit einer solchen heuchlerischen Kritik an den philosophischen Grundlagen des Marxismus seitens dieser Doppelzüngler bestand darin, daß sie, indem sie sich hinter einer marxistischen Phraseologie versteckte, auf die Täuschung der einfachen Parteiarbeiter berechnet war. Die Theoretiker der 2. Internationale, die schon seit langem den Weg der Entartung beschritten hatten, gingen in das Lager der idealistischen Philosophie über Kautsky, der lange Jahre als „orthodoxer“ Marxist angesehen wurde, nahm eine versöhnlerische Haltung gegenüber dem Machismus ein und ermöglichte die Propagierung der machistischen Anschauungen in den Spalten des theoretischen Organs der deutschen Sozialdemokratie.

Den Entartungen eine Abfuhr erteilen

In dieser Situation der Ausbreitung des Idealismus im Westen, der· Zerschlagung der Mehrzahl der Organisationen der Arbeiterklasse in unserem Land, der Flucht der Intelligenz vor der Revolution, der ideologischen Krise und theoretischen Zersetzung entstand die unbedingte Notwendigkeit, allen Entarteten eine Abfuhr zu erteilen, den angeblichen „Freunden des Marxismus“ die Maske herunterzureißen, ihre antimarxistischen Anschauungen zu entlarven und die theoretischen Grundlagen des revolutionären Marxismus zu verteidigen.

Die Lebensinteressen der Werktätigen vertreten

Lenin wies darauf hin, daß in der Periode des ideologischen Zerfalls- und Zersetzungsprozesses sowie der Schwankungen auf ideologischem Gebiet der theoretische Kampf um die Ideologie, der die Lebensinteressen der werktätigen Massen zum Ausdruck bringt, eien ganz besonders wichtige Bedeutung erlangt.

„Wenn die Massen die neue, unerhört reiche Erfahrung des unmittelbar revolutionären Kampfes verdauen,“ sagt Lenin, „dann wird der theoretische Kampf um die revolutionäre Weltanschauung, d.h. um den revolutionären Marxismus, die Losung des Tages.“ [5] 

W.M.Posner: Über Lenins Buch „Materialismus und Empiriokritizismus“, Verlag Kultur
und Fortschritt Berlin, 1951, S.5-12.  (Siehe: W.I. Lenin, Werke Bd.14)
[1] В.И.Ленин, соч. (W.I. Lenin, Werke), 4. Aufl., Bd.10, S.61; deutsch: Lenin, Sämtl. Werke, Bd. VIII, Wien-Berlin 1931, S.561. oder W.I. Lenin: Sozialistische Partei und parteiloser Revolutionismus. In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1970, Bd.10, S.66.
[2] „История ВКП(б), Краткий курс“ [Geschichte der KPdSU (B), Kurzer Lehrgang], S.93; deutsch: ehenda, Berlin 1950, S.123.
[3] Ebenda, S.96-97, deutsch: a.a.0. S.127.
[4] „История ВКП(б), Краткий курс“ [Geschichte der KPdSU (B), Kurzer Lehrgang], S.97; deutsch: ebenda, Berlin 1949, S.127.
[5] В.И.Ленин, соч. (W.I. Lenin, Werke), Bd.15, S.265 oder: W.I. Lenin, Über zwei Briefe. In: W.I. Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, 1970, Bd. 15, S.287.
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