Kleines Lexikon: Geld und Währung in der DDR und in den kapitalistischen Ländern.

money-coins1945 wurde im Osten Deutschlands das gleiche zerrüttete und vom Faschismus zugrunde gerichtete Geld- und Kreditwesen übernommen wie im Westen Deutschlands. Doch nachdem die Westmächte unter eklatantem Bruch des Potsdamer Abkommens 1948 die Bildung eines westdeutschen Separatstaates beschlossen hatten, ein Staat, der zugleich dem westlichen imperialistischen Paktsystem angehören sollte, und nachdem sie am 20. Juni 1948 in ihren Besatzungszonen und in den drei Westsektoren Berlins eine separate Währungsreform durchgeführt hatten, war die wirtschaftliche Spaltung Deutschlands besiegelt. Diese Währungsreform diente vor allem der Ausraubung der sowjetischen Besatzungszone und der Bereicherung der westlichen Monopolkapitalisten. Der Klassenkampf hatte sich innerhalb dieser kurzen Zeitspanne bereits erheblich verschärft. Nachdem die BRD gegründet worden war, wurde am 7. Oktober 1949 die Deutsche Demokratische Republik gegründet. Mit der Veränderung der gesellschaftlichen und politischen Grundlagen veränderte sich auch in der DDR das Geld- und Kreditsystem. Doch worin bestand der Unterschied zwischen dem kapitalistischen Westen und der DDR? Welche Bedeutung hatte das Geld und was verstehen wir unter einer Währung? Und was geschah nach 1953?

Was verstehen wir unter Geld?

Geld ist eine Ware, deren spezifischer Gebrauchswert darin besteht, allgemeines Äquivalent für alle anderen Waren zu sein, d.h., sie ist gegen alle Waren (und alle Waren und gegen sie) austauschbar; sie bringt deren Wert zum Ausdruck und kann demzufolge ihren Austausch vermitteln. Die besondere Ware Geld entstand mit der Entwicklung der Warenproduktion und des Warenaustausches.

Entstehung und Funktionen des Geldes

Bevor sich die Edelmetalle wegen ihrer günstigen natürlichen Eigenschaften (beliebige Teilbarkeit, hoher Wert bei kleinem Volumen, lange Haltbarkeit u.a.) als Geldware behaupteten, dienten verschiedene Pridukte (z.B. Vieh, Getreide, Salz) zeitweilig diesem Zweck. Seine vielfältigen Aufgaben als gesellschaftlich anerkanntes Äquivalent löst das Geld in folgenden Geldfunktionen:

a) Maß der Werte. Grundfunktion ist Maß der Werte, d.h., der Wert aller Waren wird mit Hilfe des Geldes gemessen. Der Geldausdruck des Warenwertes ist der Preis. Dieser kann nur mit Hilfe einer Geldeinheit als Maßstab festgelegt werden.

b) Zirkulationsmittel. Geld als Zirkulationsmittel vermittelt den Warenaustausch; diese Funktion umschließt den unmittelbaren Händewechsel von Ware und Geld. Geld kann hierbei durch Geldzeichen (Metallmünzen, Papiergeld) vertreten werden, was in der modernen kapitalistischen und sozialistischen Warenzirkulation auch die Regel ist.

c) Zahlungsmittel. Geld als Zahlungsmittel dient der Bezahlung von Verbindlichkeiten, wenn Kauf und Verkauf zeitlich getrennt sind, sowie sonstiger Verpflichtungen wie Steuern, Mieten usw. In dieser Funktion wird das Geld Grundlage des Kredits.

d) Akkumulationsmittel. Geld als Akkumulationsmittel oder Mittel zur Schatzbildung; als solches fällt es aus dem Zirkulationsprozeß heraus und dient insbesondere als Voraussetzung für die Erweiterung der gesellschaftlichen Reproduktion. Geld ist auch notwendig als Reserve für die zirkulierende Geldmenge.

e) Weltgeld. Als Weltgeld fungiert es in den internationalen Ware-Geld-Beziehungen. Diese Funktion kann es nur ausüben, wenn es in Gestalt des Goldes auftritt. Eine Landeswährung kann diese Funktion nur ausüben, wenn sie gegen Gold konvertierbar ist ( → Konvertibilität).

Das Geld bringt die Produktionsverhältnisse zum Ausdruck. In der kapitalistischen Warenproduktion vermittelt das Geld die Bereicherung der ausbeutenden Minderheit. Es verwandelt sich in Kapital.

Welche Rolle spielt das Geld im Sozialismus?

Durch die Warenproduktion im Sozialismus bleibt das Geld als objektive Notwendigkeit erhalten. Es erfüllt zwar dieselben Funktionen, jedoch spielt es eine besondere Rolle als Instrument des sozialistischen Staates bei der planmäßigen Entwicklung der Volkswirtschaft und bei der Durchsetzung des Prinzips der materiellen Interessiertheit. Das Geld wird planmäßig für die Festigung der sozialistischen Produktionsverhältnisse eingesetzt und spiegelt diese wider. Eine Verwandlung des Geldes in Kapital ist unmöglich. Das Geld vermittelt die ökonomischen Beziehungen aller am Wirtschaftsleben Beteiligten, insbesondere zwischen den Industriezweigen und Wirtschaftsbereichen, zwischen den Betrieben, Genossenschaften, Institutionen usw. sowie zwischen der Bevölkerung und dem Staat. Es dient insbesondere der Durchsetzung der wirtschaftlichen Rechnungsführung.

Quelle: Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin 1967, S.219f.

Was verstehen wir unter Währung?

Unter einer Währung verstehen wird die gesetzliche Ordnung des Geldwesens eines Landes. Sie umfaßt:

a) die Festlegung der Währungseinheit und ihrer Stückelung als nationale Form des Geldes (Rubel, Mark der Deutschen Notenbank usw.);

b) die Bestimmung der gesetzlichen Zahlungsmittel (Noten oder Münzen mit Annahmezwang);

c) die Ordnung über die Emission der Noten und Münzen und die Art und Weise der Regulierung der Geldmenge;

d) die Festlegung ihres Goldgehalts und ihres Austauschverhältnisses zu ausländischen Währung;

e) den Währungstyp (metallische Währung, an Gold oder Silber gebunden; Papier-Währung mit und ohne Goldreserve usw.).

Was ist das Währungssystem eines Landes?

Die Währung der DDR war die Mark der Deutschen Notenbank (MDN). Der Bargeldumlauf, die bargeldlose Geldzirkulation, die Geldbeziehungen zum Ausland sowie die Organisation des Geldumlaufs bilden das Währungssystem eines Landes. Währung anderer Länder gelten als → Valuta.

Wodurch wird die Währung bestimmt?

Die Währung wird von den jeweiligen Produktionsverhältnissen und den sich daraus ergebenden Bedingungen für das Wirken der ökonomischen Gesetze, insbesondere des Wertgesetzes und der Geldumlaufgesetze, bestimmt. Die nationale wirtschaftliche Situation (Produktion, Zirkulation, Distribution, Finanzen, Außenhandel, Zahlungsbilanz usw.) hat unmittelbar Einfluf auf die Währung.

Wie entwickelte sich die Währung im Kapitalismus?

Im vormonopolistischen Kapitalismus war die Währung durch relative Stabilität gekennzeichnet, da der Wert des Geldes in engeren Grenzen schwankte. Die umlaufenden Noten waren in der Regel gegen das Währungsmetall Gold oder Silber einlösbar. Im Imperialismus wurde die Goldwährung immer stärker ausgehöhlt und schließlich in fast allen Staaten zu Beginn des ersten Weltkriegs beseitigt. Für den monopolistischen Kapitalismus sind Labilität und Zerrüttung der Währung typisch. Als Versuch, die kapitalistischen Währung zeitweise zu stabilisieren, werden Kursherabsetzungen durchgeführt. In der gegenwärtigen Etappe der allgemeinen Krise des Kapitalismus versuchen die staatsmonopolistischen Regierungen, die Währungskrise durch internationale währungspolitische Kooperationen zu mildern.

Wodurch unterscheidet sich die Währung im Sozialismus?

Im Sozialismus ist die Währung durch ihre Stabilität gekennzeichnet. Sie beruht auf dem sozialistischen Eigentum an Produktionsmitteln und der bewußten Ausnutzung der ökonomischen Gesetze des Sozialismus. Die sich auf die Währungsstabilität auswirkenden volkswirtschaftlichen Proportionen, z.B. zwischen Geldeinnahmen der Bevölkerung und Kauffonds, werden planmäßig hergestellt und überwacht. Zur Sicherung der Währungstabilität besteht das Außenhandels- und Valutamonopol. Die nationalen Geldzeichen und Münzen der sozialistischen Länder sind im allgemeinen nur innerhalb der Landesgrenzen zur Zirkulation zugelassen. Dadurch wurde die planmäßige Gestaltung der internationalen Geldbeziehungen wie auch die von der krisenhaften Entwicklung der kapitalistischen Währungssysteme ungestörte Gestaltung der Währungssysteme der sozialistischen Staaten gewährleistet.

Was war das sozialistische Weltwirtschaftssystem?

Mit der Entwicklung des sozialistischen Weltwirtschaftssystems entwickeln sich zwischen den sozialistischen Staaten neue Währungsbeziehungen. Es wurde der Übergang zum multilateralen Clearing (mehrseitige Verrechnung) auf der Grundlage von transferablen (übertragbaren) Rubeln und die Gründung einer gemeinsamen Bank der sozialistischen Länder, der Internationalen Bank für wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Sitz in Moskau, erforderlich. ( →Währungsparität, →Konvertibilität)

Quelle: Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin 1967, S.704f.

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Weitere Erklärungen

Sehr ausführlich haben sich in der DDR bereits Anfang der 1950er Jahre Ökonomen und Finanzwirtschaftler darüber Gedanken gemacht, welche Gesetzmäßigkeiten beim Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus zu beachten sind und wie man dabei die reichen Erfahrungen der Sowjetunion nutzen kann. Unter den Bedingungen des sich verschärfenden Klassenkampfes bestand das große Ziel darin, den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaftsordnung zu verwirklichen. Damit sollte die Währung der sozialistischen Länder unabhängig gemacht werden von der krisenhaften Entwicklung und den Währungsmanipulationen des Imperialismus. Es versteht sich von selbst, daß das erreichbar ist, wenn von einer klaren marxistisch-leninistischen Position aus an diese Aufgabe herangegangen wird. Den Grundstein dafür hatte Stalin gelegt. Anfang 1953 fand auf seine Initiative hin in Moskau eine Weltwirtschaftskonferenz statt, deren Ziel es war, ein einheitliches, vom Kapitalismus unabhängiges Währungssytem zu entwickeln. Kurz danach wurde Stalin ermordet, die antikommunistische Verschwörer-Clique unter Chruschtschow blockierte dieses Vorhaben und machte bereits eingeleitete Schritte rückgängig.

Siehe dazu: Sowjetischer Rubel anstatt Dollar

Zusammenfassung

Quelle: Zimmermann/Fraas/Rätzer: Geld und Kredit in der Deutschen Demokratischen Republik, Verlag Die Wirtschaft, Berlin 1957, S,136f.

Siehe auch: Die deutsche Währung vor und nach dem Weltkrieg


Anhang

Noch einmal zum Nachlesen: Der gesamte Text zum Thema Geld und Währung in der DDR aus dem Lehrbuch „Geld und Kredit in der Deutschen Demokratischen Republik“ von 1957 hier als pdf-Datei:

pdfimage Dr. Horst Zimmermann: Geld und Währung

 

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2 Antworten zu Kleines Lexikon: Geld und Währung in der DDR und in den kapitalistischen Ländern.

  1. Eleonore Kraus schreibt:

    Damit habe ich mich vor Jahren wirklich schwer getan, mit dem Thema. Nun gehts an die Überprüfung dessen was ich gelernt habe und ob es wirklich angeeignet und verinnerlicht ist.

    • sascha313 schreibt:

      Sehr interessant ist natürlich auch, was Stalin 1953 gewollt und begonnen hatte. Wenn das damals verwirklicht worden wäre und er am Leben gelieben wäre, dann hätten wir heute wahrscheinlich keinen Kapitalismus mehr.

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