„Volkswille“: Ein Österreicher kehrt aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück…

KlagenfurtAuch in Österreich war es keine Seltenheit, daß nach Kriegsende 1945 in den wieder erscheinenden bürgerlichen Zeitungen falsche, verleumderische Meldungen über die Sowjetunion verbreitet wurden. Ehemalige Nazis und Grundbesitzer versuchten mit allen Mitteln den Demokratisierungsprozeß zu behindern. Doch die Schatten der braunen Vergangenheit ließen sich nicht so leicht beseitigen. Die Österreichische Volkspartei (ÖVP) bestritt ihren Wahlkampf mit Parolen aus dem Arsenal des alten Kampfes gegen den „Linksradikalismus“, den „Bolschewismus“ und gegen „Bauernenteigungen“. Häufig wurden schlimme Dinge behauptet über Kriegsgefangene in der Sowjetunion. Hier nun der Bericht eines Klagenfurter Heimkehrers der das ganze Gegenteil davon erlebt hat…

Ein Heimkehrer berichtet

Mit Erstaunen mußte ich nach meiner Rückkehr aus der zweijährigen russischen Kriegsgefangenschaft die Feststellung machen, daß hier in der Heimat eine Greuelpropaganda gegen die Sowjetunion betrieben wird, die nicht nur jeder Grundlage entbehrt, sondern als bewußte, einem bestimmten Zweck dienende Propaganda zu bezeichnen ist,

Rote Armee rettet verwundete deutsche Soldaten

Ich wurde am 28. Februar 1944 bei Charkow verwundet und von den Deutschen drei Tage und drei Nächte liegen gelassen, kein deutscher Offizier oder Soldat kümmerte sich um mich. Wohl aber nahm sich die Rote Armee sofort der dort verwundeten herumliegenden deutschen Soldaten an, obwohl sie bei den heftigen Kämpfen, die dort stattfanden, anderes zu tun gehabt hätten, als sich Angehörige jener Wehrmacht anzunehmen, die so namenloses Unglück über ihre Heimat gebracht hat. Ich wurde mit meinen verwundeten Kameraden in ein Lazarett gebracht, wo uns sofort ärtzliche Hilfe zuteil wurde.

In einem sowjetischen Lazarett gesund gepflegt

Nach 13wöchiger ausgezeichneter ärztlicher Behandlung bei mehr als ausreichender Verpfle­gung in diesem Gcfangenenlazarett bei Charkow wurde ich in ein Kriegsgefangenenlager entlassen. In diesem Lager befand ich mich über vier Wochen, bei voller Bewegungsfreiheit und ausreichender Verpflegung und entsprechender Rauchwarenzuteilung, worauf ich in ein anderes Lager über­stellt wurde, wo es mir ebenfalls besser ging als jemals bei der deutschen Wehrmacht. Von der ganzen Zeit meiner Kriegsgefangenschaft kann ich nur feststellen, daß. die Gefangenen ausnahmslos gut behandelt wurden.

Von deutschen Offizieren erschossen

Mir ist kein einziger Fall bekannt, wo ein kriegsgefangener deutscher Soldat sich über Hunger und schlechte Behandlung beklagen konnte. Ich kann nur die Feststellung machen, daß bei der deutschen Armee viele verwundete Soldaten bei dem Rückzug von ihren eigenen Offizieren erschossen wurden, aber niemals wurde einem deutschen Soldaten von Rotarmisten auch nur ein Haar gekrümmt, im Gegenteil, die Rotarmisten haben sich uns gegenüber niemals als Sieger, sondern immer nur als Kameraden gezeigt. Es ist beschämend, wenn uns Heimkehrern heute in der Heimat nicht im entferntesten diese Behandlung zuteil wird, die uns als Kriegsgefangene in einem Lande zuteil wurde, das heute für seine riesigen Opfer, das es für unsere Freiheit gebracht hat, noch auf die gemeinste Art verleumdet wird.

J. L., St. Peter, Klagenfurt.


Hier nun der Original-Zeitungsausschnitt:
Heimkehrer
Quelle: „Volkswille“ – Nr.7, Klagenfurt, 8. Dezember 1945, Seite 6.
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9 Antworten zu „Volkswille“: Ein Österreicher kehrt aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück…

  1. Johann Weber schreibt:

    Sascha, danke für diesen Heimkehrerbericht. Solche Berichte konnte bei uns in den Wessi-Zeitungen keiner finden. Hätte es eine Zeitung gewagt, solche Berichte zu drucken, der Verlag wäre sofort zugesperrt worden. Zuerst von den Westalliierten, ab Gründung der Alt-BRD von Adenauer und dergleichen.

    Wer mehr authentische Heimkehrerberichte lesen will, den empfehle ich das Büchlein „Ein Heimkehrer erzählt“ von Rudolf Vieweg, Verlag Kultur und Fortschritt Berlin 1952. Rudolf Vieweg schrieb in der Ost-CDU-Zeitung vom 8. November 1953 über ein Erlebnis, dass er in der sowjetischen Kriegsgefangenschaft erlebt hatte. Leider viel Text. Der Inhalt rechtfertigt jedoch diesen langen Text:

    Schwester Nina opferte ihr Blut – wie Felix Trobisch das Leben gerettet wurde
    Erzählung von Rudolf Vieweg

    Heute habe ich meinen Freund Felix wiedergesehen — auf einem großen Bild in der Zeitung! Sein Gesicht strahlte, und seine Augen leuchteten. Und — er hat auch allen Grund dazu, mein Freund Felix. Der Gießer Felix Trobisch entwickelte eine völlig neue Methode zur Herstellung von Stahlgußformen, die jährlich einige hunderttausend Mark einsparen hilft. Jetzt wurde der verdiente Aktivist nun auch als verdienter Erfinder ausgezeichnet.

    Ja, so steht es unter dem Bild, und ich lese es mit Staunen und Freude. Das also ist aus meinem Freund Felix geworden! Und noch etwas steht unter dem Bild: ,Alles, was ich geworden bin, alles, was ich euch heute geben kann, verdanke ich den Sowjetmenschen. Ich verdanke ihnen selbst mein Leben . . .‘ sagt der Gießer Felix Trobisch leuchtenden Auges.‘ Zwei kleine Zeilen umfassen diese Worte nur, aber — wer von den Tausenden, die sie lesen, ahnt, wie inhaltsschwer diese Worte sind, die Felix Trobisch da ausgesprochen hat?

    Es ist wert, sein Erlebnis zu erzählen Im Frühjahr 1946 kamen wir als Kriegsgefangene in ein Gebiet, das unter den Hitlerarmeen furchtbar gelitten hatte. Zahllose Dörfer waren verwüstet, die Häuser zerstört. Die männlichen Einwohner waren zum größten Teil gefallen. So gingen Frauen, Jugendliche, ja selbst Kinder und Greise daran, ihre Dörfer wieder aufzubauen. Und wir sollten ihnen dabei helfen. [..]

    Eines Tages stürzte Felix Trobisch durch eigene Unachtsamkeit vom Baugerüst eines Hauses. Er erlitt schwere Verletzungen, die sofort einen starken Blutverlust zur Folge hatten. Ohne Besinnung, mit kreidebleichem Gesicht, lag Felix Trobisch eine Stunde später im Lagerlazarett auf dem Operationstisch. Der sowjetische Oberarzt untersuchte ihn lange und schüttelte dann bedenklich den Kopf, „Bluttransfusion! Sofort!“ sagte er schließlich zu der Schwester, die neben ihm stand.

    Dann sahen beide zu uns herüber, die wir noch immer abwartend im Türrahmen standen. Der Oberarzt erklärte uns, daß unser Kamerad in höchster Lebensgefahr schwebe und daß ihn nur eine sofortige Blutübertragung retten könne. Er sah uns der Reihe nach an, dann sagte er nur ein Wort: „Probe!“ Er gab der Schwester einen Wink. ,Für den da — nee!‘ sagte der Mann neben mir hart, drehte sich um und ging rasch zur Tür hinaus. Die beiden anderen Kameraden folgten ihm. Die Probe an mir ergab eine andere Blutgruppe, als sie der Verunglückte hatte. Der Arzt schickte mich wortlos weg.

    Herrgott — da drinnen ging ein Mensch zu Grunde — einer von uns — und er könnte gerettet werden! Ich rannte durch das Lager, von Baracke zu Baracke. Einer mußte sich doch finden, der bereit war! „Blutübertragung? Bin ich zu schwach für! sagte einer. ,Gruppe A‘. . . ? Habe ich nicht!‘ sagte ein anderer. Der Mann aus der Schmiede hatte schließlich die erforderliche Blutgruppe, und er war auch nach langem Hin und Her bereit. Kostbare Zeit war vergangen. Im Lauf-schritt rannte ich mit dem Blutspender zum Lagerlazarett, riß — ohne anzuklopfen — die Tür zum Operationsraum auf und — blieb starr im Türrahmen stehen.

    Neben dem Verunglückten, auf einem zweiten Tisch, lag die sowjetische Schwester. Ihr rechter Arm war bis zur Schulter entblößt. Der Arzt hielt ein Glas-röhrchen mit einem Gummischlauch in den Händen, der zu dem Arm des Kranken führte. Er gab mir ein unmißverständliches Zeichen. Rasch schloß ich die Tür.

    Erst nach acht Tagen durfte ich Felix besuchen. Zwei Blutübertragungen hatten ihm das Leben gerettet. Und was kaum einer von uns für Feiix Trobisch getan hätte, das tat bedenkenlos für einen deutschen Kriegsgefangenen eine sowjetische Frau: Schwester Nina! Für Felix war diese Tatsache zunächst einfach unfaßbar. Er, Felix Trobisch, war doch ihr Feind…? Er hatte doch mitgeholfen, daß unzählige Dörfer und Städte . . . Und doch diese Frau gab ihm von ihrem Blut, damit er lebe!

    Und Schwester Nina? Sie sah es gar nicht als besonderes Opfer an, das sie gebracht hatte. Ein Mensch war in Lebensgefahr — einfach ein Mensch! Nur das war entscheidend für sie. Also war es für sie auch eine ganz selbstverständliche Pflicht zu helfen, da sie es konnte. Mit Felix Trobisch ging in den Wochen seines Lazarettaufenthaltes eine zweifache Wandlung vor sich: Er genas sichtbar, körperlich und seelisch. Vom ersten Tag an, als Felix wieder mit uns zur Arbeit ging, zeigte er sich von einer ganz anderen Seite als früher. In kurzer Zeit wurde er der beste Arbeiter unserer Brigade.

    Monate später wurde ich mit einigen Kameraden nach Moskau versetzt. Auch Felix Trobisch war dabei. Wir arbeiteten in einer Eisengießerei. Hier, im Eisenwerk, erlebte Felix zum zweiten Male die Freundschaft der Sowjetmenschen. Als der Abteilungsleiter hörte, daß Felix keinen Beruf erlernt habe, meinte er vorwurfsvoll: ,Ja, Kameraden — wie wollen Sie dann daheim am großen Aufbau mithelfen? Aber Sie können das Versäumte hier nachholen! Lernen Sie! Lernen Sie!‘ Und — Felix tat es.

    Mit ganzer Kraft und mit freudiger Hilfsbereitschaft der Arbeitskollegen und der sowjetischen Freunde. Mehrmals wurde er für gute Arbeitsleistungen ausgezeichnet und wurde schließlich einer der besten Facharbeiter des Werkes. Alles, was ich geworden, bin, alles, was ich euch heute geben kann, verdanke ich den Sowjetmenschen. Ja, Felix Trobisch, du hast sehr recht!“

    • sascha313 schreibt:

      Danke, Johann, für diesen wertvollen und wichtigen Beitrag!
      Man kann es gar nicht oft genug hervorheben: Der Sozialismus ist eine absolut menschenwürdige Gesellschaftsordnung, die solche großartigen Menschen hervorgebracht hat, wie die Krankenschwester Nina. Der Faschismus hingegen hat in vielen Fällen das Gegenteil davon hervorgebracht.

  2. einseinsnull schreibt:

    in einzelnen lagern sollen ja bis zu 90% der deutschen gefangen nicht mehr zurückgekommen sein, und sicherlich war die versorgungslage nicht überall so rosig wie in diesem propaganda brief eines heimkehrers geschrieben steht.

    man muss sich aber die umstände auch mal vor augen halten. wir reden hier über lager mit bis zu 100,000 gefangenen, die niemand erwartet oder eingeladen hat, wir reden über ein vom krieg gebeuteltes land und wir reden über kalte winter. hinzu kommt, dass die westrrelichen invasoren vor ihrer gefangenschaft selbst auch meistens an kriegsverbrechen beteiligt waren und nicht wirklich erwarten konnten, dass man sie menschlich behandelt.

    ob es wirklich überall warme kuscheldecken und „ausreichend rauchwaren“ gab oder nicht auch die ein oder andere massenerschießung ist daher vollkommen egal. denn selbst wenn sich rote armee nachweislich regelmäßig an gefangenen vergangen hätten, könnte man davon sicherlich keine aussage über deren boshaftigkeit oder das nichtfunktionieren eines sozialistischen staates machen.

    grundsätzlich gilt: wer nicht in einem gefangenenlager im ausland verrecken will, der hat stets die möglichkeit, es einfach zu unterlassen, andere länder zu überfallen. der versuch von nazis, sich – bis heute – auch noch als opfer derer darzustellen, deren länder sie überfallen haben, ist so ekelhaft wie durchsichtig.

    • einseinsnull schreibt:

      CEP (captured enemy personnel) wurden übrgiensnach 1949 auch von den US streitkräften nicht nach der genfer konvention behandelt und nach deren rechtsauffassung musste man das auch nicht.
      aber beim bösen russen wird der gleiche sachverhalt dann kritisiert.

    • sascha313 schreibt:

      Also erstens: Woher wissen Sie das „…sollen ja bis zu 90% der deutschen Gefangenen nicht mehr zurückgekommen sein“ – das ist ein Gerücht! Sie sollten solche Bemerkungen hier tunlichst unterlassen!

      und zweitens: Ihre Bemerkung, daß es sich um einen „Propaganda-Brief“ handelt – ist Nazi-Jargon. Grundätzlich werden solche Äußerungen immer nur von denen vorgebracht, die selbst massenhaft antikommunistische Propaganda betreiben.

      schließlich drittens: „…wenn sich die Rote Armee nachweislich regelmäßig an Gefangenen vergangen hätte…“ das ist ebenso eine plumpe disqualifizierende Unterstellung in Stile der Nazis (mit wenn und hätte), die jeglicher Grundlage entbehrt und daher nur als Provokation aufgefaßt werden kann

      Und Fakt ist aber auch – da haben Sie zwar recht: „es einfach zu unterlassen, andere Länder zu überfallen“, doch das ist aber sinnlose Forderung, die mit der Realität nichts zu tun hat. Denn es waren keine Söldner und auch keine Freiwilligen, die 1941 die Sowjetunion überfallen haben.

      Und zum 2. Kommentar:
      Die USA waren 1882 ebenfalls der Genfer Konvention beigetreten. Daß die Rechtsauffassungen imperialistischer Staaten sehr dehnbar sind und i.d.R. keine Rolle spielen, dürfte ja auch Ihnen bekannt sein…

  3. Johann Weber schreibt:

    „Einseinsnull“ schreibt „sicherlich war die versorgungslage nicht überall so rosig wie in diesem propaganda brief eines heimkehrers geschrieben steht.“

    Normalerweise antworte ich nicht auf solche, im Geiste des von Adenauer verordneten Antikommunismus, der heute noch immer sein Unwesen treibt, aber dieser „einseinsnull“ soll einmal sehen, welch menschenverachtende Hasspropagande bei uns im Westen gegen die Menschen in der Sowjetunion betrieben wurde.

    Ich gebe einen Auszug aus dem Buch „Als die Uhren stehen blieben“ von Werner Steinberg. Mitteldeutscher Verlag 1976 Seite 386-387 wieder. Zuerst noch kurz zum Inhalt dieses Buches. Werner Steinberg floh im Januar 1945 aus Breslau. Breslau wurde zur Festung erklärt. Sein Buch beschreibt die brutale Vorgehensweise der Wehrmacht, des Volkssturms, der Ortsgruppenleiter gegen die deutsche zivile Bevölkerung bei der von den Nazi angeordneten Zwangsevakuierung in Breslau. Er schildert das Leben seiner Hauptfigur „Jutta Münch“ auf dem Weg von Breslau in den Westen. Folgender Auszug schildert wie westdeutsche Verlage das Buch von Werner Steinberg abscheulich missbrauchten:

    „Nach dem Austausch freundlicher Begrüßungsworte fragt er: „Kennen Sie übrigens die Neue Illustrierte mit dem Fortsetzungsabdruck ihres Romans?
    „Ich weiß zwar, daß der Roman dort abgedruckt wird. Gesehen habe ich das Blatt nie, – es erscheint in Köln, ich lebe in Leipzig. Ich kenne ja meinen Roman!“
    „Wirklich?“ Er spielt den Erstaunten. Ich sehe ihn dumm an.
    Er kramt in der Aktentasche, zieht einige Ausgaben der „Neuen Illustrierten“ heraus, fragt (und beobachtet mich scharf): „Wollen Sie einmal diese Stelle lesen“
    Ich nehme die Zeitschrift, finde groß aufgemacht: WERNER STEINBERG, ALS DIE UHREN STEHENBLIEBEN. Tatsachenroman vom Untergang der deutschen Stadt Breslau. Und klein und beinahe unleserlich: Für die „Neue Illustrierte“ bearbeitet von Willi Berthold.

    Eine Stelle ist angestrichen:

    „In der Nacht waren die Russen eingedrungen. Eine Vorhut, die sich nach zwei Stunden wieder zurückgezogen hatte. Aber diese zwei Stunden hatten genügt, um alles Leben im Dorf zu vernichten.Der von Jutta begleitete Soldatentrupp stieß auf Rinder, die mit dem Seitengewehr erstochen waren. Auf Schafe, die erhängt an Zäunen baumelten. Auf Hunde, die man mit der Maschinenpistole durchsiebt hatte. Und noch grausamer als die Tiere hatten die Russen die Menschen zu Tode gequält. Im ersten Haus sahen die Soldaten zwei kleine Mädchen, die mit dem Seitengewehr auf einen Stuhl genagelt waren. Eines der Kinder bewegte sich noch. Im Nebenzimmer lag die Großmutter, eine vielleicht siebzigjährige Frau. Die Kleider waren ihr heruntergerissen worden. Die Greisin mußte sich mit der Kraft der Verzweiflung gewehrt haben. In der verkrampften Hand hielt die Tote ein Büschel Haare. In der Scheune fanden die Soldaten den Vater der Kinder. Sie fanden nur den Rumpf. Der Kopf lag auf dem Hof, an einer Mistgabel aufgespießt. Jutta sah Menschen ohne Augen, ohne Hände, ohne Beine. Vor dem Pfarrhaus lag der Priester. Die uniformierte Mörderbande hatte ihm den Schädel zertrümmert. Die Kirche brannte. Die meisten Häuser brannten. Nur ein einziges Gebäude war nach außen hin unversehrt. Aber gerade da stand den Soldaten das Schlimmste bevor. Ein Siebzehnjähriger war von den Russen mit der Zunge an einen Türpfosten genagelt und zu Tode geprügelt worden. An der Decke hing der Vater, mit dem blutüberströmten Kopf nach unten.“

    Ich glaube, ich muß in diesem Augenblick blaß geworden sein. jedenfalls ließ ich das Blatt sinken, wußte nichts zu sagen und starrte Carle an.

    Dies also hatte die „Neue Illustrierte“ unter meinem Namen veröffentlicht! Diese dreckige, blutrünstige, geifernde, perverse Schmiererei, diese stinkenden, dreckigen Unterstellungen, diesen heimtückischen Angriff auf die Rote Armee, diese Sturzflut von Verleumdungen der sowjetischen Soldaten im Zusammenhang mit meinem Roman, der dem Frieden und der Völkerverständigung dient, mußte natürlich beim Leser durch diese Fälschung die gegenteilige Reaktion hervorrufen: Mit einem Volk, dessen Armee solche Schändlichkeiten begangen hat, verhandelt man nicht; da rüstet man, da schießt man!

    In diesem Augenblick erst begriff ich, warum ich jenen Brief meines Düsseldorfer Freundes Joachim erhalten hatte!

    „Daß etwas geschehen mußte, war mir sofort klar. Ich rief den Cheflektor des Mitteldeutschen Verlages an. Ich sagte: „Hören Sie zu! Ich las ihm, ohne Kommentar, diese Stelle vor. Ich wartete:…[…]“

    Die Berliner Zeitung vom 12. Februar 1960 schrieb:
    „ [..] Damit war der Anstoß gegeben zu dem „Prozeß um Jutta Münch“, der — wie wir nicht voraussehen konnten — länger als siebzehn Monate dauern sollte [..]!

  4. Johann Weber schreibt:

    Noch ein Nachtrag wie in der Alt-BRD die Hasspropaganda gegen die Sowjetunion organisiert und mit viel Steuergeld gefördert wurde
    In der von Adenauer gegründeten Bundeszentrale für Heimatdienst waren sehr viele beschäftigt, die schon in der Zeit des Hitlerfaschismus führende Positionen einnahmen? Auch Kriegsverbrecher wie der estnische Faschist Hjalmar Mäe, der für seine Untaten zu einem der Hauptverantwortlichen des Landes erklärt wurde, fanden sich im Kreis dieser Einrichtung. Die DDR informierte schon 1975 über den gesuchten Kriegsverbrecher. Im vom Akademie-Verlag herausgegebenen Buch „Deutschland im zweiten Weltkrieg“ ist zu lesen: „In Estland wurde der berüchtigte estnische Faschist Landrat Dr. Hjalmar Mäe eingesetzt, der mit der SS-Einsatzgruppe A nach Tallinn zurückgekehrt war.“
    Und genau dieser Mäe konnte im Auftrag dieser Bundeszentrale für Heimdienst die Hetzschrift „Drei Reden gegen den Kommunismus“ herausgeben. Er bekam 1955 für diese abscheuliche Propaganda 15.000 DM als Honorar. Nur ein Vergleich, damit man mitbekommt was 15.000 DM damals wert waren. Mein Vater hatte 1955 ein Jahresbruttoeinkommen von 2.000 DM. Mit diesem Jahresgehalt musste er eine sechsköpfige Familie ernähren.

  5. Rolf Becker schreibt:

    Lügenpresse schon Immer !
    Habe hier eine „Berliner Illustrierte“ Nr. 50 /58
    Da wird die West Gräul Story u.a. Film des „Arztes von Stalingrad“ kommentiert.
    Primitiv, dümmlich wie heute auch.
    Übrigens wir haben ca. 100 alte Zeitungen u Bücher aus dieser Zeit z.vk-ab 1€ /Stck

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