„Ein großer Tag für Amerika!“ – Eine US-amerikanische Haß- und Neid-Olympiade

OlympScanDrei Männer saßen an einem Tisch, auf dem zwölf Mikrofone installiert waren, und versicherten einer stattlichen Schar von aufmerksamen Journalisten, daß dies ein „großer Tag für Amerika“ sei. Den Platz an der linken Seite des Tisches – über einem Plakat, das vorn herabhing und durch die Füße der Mikrofone ge­halten wurde – hatte Anthony Mazeika eingenommen, ein Mittvierziger mit vollem, schwarzem Haar und einem breit und flach wirkenden Gesicht. In der Mitte führte David Balsiger das große Wort, ein junger, agiler Typ mit vollen Lippen, und rechts von ihm brachte Valdis Pavlovskis sein bärtiges Gesicht ins Bild. Die „Los Angeles Times“ hatte Maura Dolan und den Foto­grafen Gary Ambrose zu der Pressekonferenz geschickt, und der Chefredakteur entschloß sich, das Bild davon auf ein Sechstel der Seite zu bringen und daneben Bericht und Schlagzeile zu setzen, deren Buchstaben so groß gewählt wur­den, daß nur 34 in die dreispaltige Schlagzeile paßten.

Welcher Art war dieser „große Tag für Amerika“? Das NOK der UdSSR hatte Stunden zuvor mitgeteilt, daß es angesichts einer Reihe von Umständen, die ausnahmslos eine Verletzung der Olympischen Charta darstellen, keine Möglichkeit sehe, sowjetische Sportler zu den Spielen der XXIII. Olympiade nach Los Angeles zu entsenden. Die drei Herren vor den zwölf Mikrofonen nannten diese Ent­scheidung einen „großen Tag für Amerika“, und Balsiger fügte hinzu: „Es ist gut für Amerika, daß eine Gruppe von Bürgern eine solche Macht entwickeln kann, wie wir es vermochten.“ (Los Angeles Times, 9. Mai 1984.)

Soviets

Niemand widersprach, am nächsten Morgen konnten die Einwohner von Los Angeles diese Feststellung in allen Zeitungen nachlesen, und mancher dürfte sich seine Gedanken über diese Feststellung gemacht haben. Sicher auch solche, die nicht die Olympische Charta daheim im Bücherschrank haben, in der sie im Grundprinzip 3 hätten nachlesen können: „Keinerlei Diskriminierung wird ei­nem Land oder einer Person gegenüber aus rassischen, reli­giösen oder politischen Gründen geduldet.“

Die „Los Angeles Times“ desselben Datums meldete von der Pressekonferenz auch:

„Die Koalitionsmitglieder wurden überschwemmt mit Anträgen auf Interviews, und die allge­meine Aufregung sichtlich nutzend, sahen sie eine Gelegen­heit, den eisernen Vorhang anzuklagen und den amerikanischen Weg zu preisen.“

Der Name jener Koalition – er wurde einige Male variiert: „Verbannt die sowjetische Gruppe!“ Ihr Ziel: Ausschluß der sozialistischen Länder von den Olympischen Spielen in Los Angeles! Es war dies übrigens nicht das erste Mal, daß man in den USA danach trachtete, jemanden von den Spielen auszu­schließen. Die Geschichte der Spiele in den USA ist ziemlich bewegt.


Coubertin war 1904 über St. Louis entsetzt

Die Spiele der III. Olympiade waren für das Jahr 1904 nach Chicago vergeben worden, aber St. Louis behauptete, die Stadt habe ein größeres Recht auf das Spektakel, das man als zusätzliche Attraktion einer Weltausstellung betrachtete, und nach längerem und sehr intensivem Streit, in dessen Verlauf zuweilen damit gedroht worden war, die Spiele ausfallen zu lassen oder sie erst 1905 auszurichten, triumphierte schließlich St. Louis. Es blieben die einzigen Spiele der olympischen Ge­schichte, bei denen der IOC-Präsident nicht anwesend und das Komitee auch nur durch zwei Delegierte vertreten war.

Der sportliche Gedanke…

Die IOC-Sitzung fand in London statt, und in seinen Memoiren schrieb der Begründer der modernen Spiele, Pierre Baron de Coubertin:

„Tatsächlich boten die Spiele von St. Louis wenig Anziehungskraft. Ich persönlich hatte keine Lust, ihnen beizu­wohnen … Was die Originalität anbetrifft, so bot das Pro­gramm eine, und zwar eine ziemlich peinliche. Es gab nämlich zwei, sonderbarerweise anthropological days: (anthropologi­sche Tage, wörtlich übersetzt: menschenkundliche Tage. – K. U.) benannte Tage, an denen die Wettbewerbe den Negern, Indianern, Philippinern und Ainus vorbehalten waren. Ihnen wagte man die Türken und Syrier zuzugesellen. Das geschah vor sechsundzwanzig Jahren … Kann man nicht sagen, daß die Menschheit seitdem vorwärts geschritten ist und der sportliche Gedanke Fortschritte gemacht hat?“

Quelle: Pierre de Coubertin: „Olympische Erinnerungen“, Frankfurt (Main), 1959, S.73/74.

Angesichts jener Pressekonferenz in Los Angeles ist man geneigt, Coubertins Freude über das Vorankommen der Menschheit zumindest in Frage zu stellen …


Das größte Sportfest, das es jemals gab?

Wer übrigens in den USA erfahren wollte, welche Höhe­punkte die Spiele in St. Louis – zu deren Programm auch Da­menboxkämpfe gehörten – beschert hatten, konnte in der „Chicago Tribune“ lesen, und das 1953 in New York erschie­nene Buch „The greatest Sport Stories from the Chicago Tri­bune“ überlieferte es der Nachwelt:

„Der Gipfel der dritten Olympiade, dem größten Athletikfest, das je stattfand, ergab sich aus dem knappen Ausgang zwischen dem New York Ath­letic Club und der Chicago Athletic Association in der Mann­schaftswertung. Das Endresultat war sehr umstritten, und der Vorsitzende Brown vom CAA-Komitee legte Protest gegen vier Punkte ein, die den New Vorkern zugeschrieben worden wa­ren.“

Ein internationales Fest? Man findet kaum eine Spur. Ein großes Spektakel, das den USA die Gelegenheit lieferte, nach­zuweisen, daß man allen anderen haushoch überlegen sei. Der olympische Gedanke blieb vor der Tür …


Stones und der elektrische Stuhl

DDR-Athleten waren bereits ein Jahr vor den Spielen mit der „Anti-Rothäute“-Atmosphäre konfrontiert worden, als sie zum Länderkampf nach Los Angeles kamen. Marita Koch und Mar­lies Göhr, zwei der weltbesten Sportlerinnen, waren am Tag nach der Ankunft zu einer Pressekonferenz eingeladen wor­den, zu der man übrigens die DDR-Journalisten einzuladen „vergessen“ hatte. Die meisten Fragen galten damals der möglichen Zahl der „Flüchtlinge“ in der Mannschaft. Als die­ses Thema unergiebig blieb, sorgte Hochspringer Dwight Sto­nes dafür, daß die Journalisten wenigstens ein druckreifes Zitat in den Blöcken hatten:

„Wir wollen ja gar nicht, daß sie in diesem Jahr schon flüchten. Sie werden es nächstes Jahr tun. Dieses Jahr werden wir sie am Sonnabend verbrennen, daß ih­nen die Haare zu Berge stehen.“ (Das Wort „burn“ ist im Ame­rikanischen sowohl für „brennen“ zu setzen als auch für „je­manden auf den elektrischen Stuhl bringen“. Daß Stones ge­nau das meinte, brachte er mit dem „Haare zu Berge stehen“ zum Ausdruck.)

Ungeachtet dieser skandalösen Erklärung trug Stones am nächsten Tag die Flagge ins Stadion – als Kapitän der USA­-Mannschaft. Zwar distanzierten sich viele seiner Mannschafts­kameraden schweigend von dem antikommunistischen Maul­helden, als er die einmütige Ablehnung der DDR-Athleten zu spüren bekam, aber der amerikanische Verband hielt es nicht für nötig, auch nur eine Silbe des Bedauerns zu äußern oder Stones wegen seines unsportlichen Verhaltens zu rügen.

USA: Brutalität anstatt sportliche Fairness

Amerikanische Journalisten haben ein Jahr später während ihres Besuchs der DDR-Leichtathletikmeisterschaften in Erfurt versucht, die Stones-Erklärung als „typisch“ für die brutale Sprache im amerikanischen Sport abzutun. Indes: Niemand, der zu Olympischen Spielen reisen will, muß sich auch noch darauf vorbereiten, daß der Gastgeber ein gestörtes Verhält­nis zum Sport hat.

USA: „Blutige Spiele“

Tatsächlich haben sich amerikanische Psychoanalytiker im Vorfeld der Spiele intensiv mit Verhaltensweisen im USA­Sport beschäftigt. Die Resultate waren niederschmetternd. „Wir haben keinen Sport mehr um des Sports willen“, erklärte Dr. Robert E. Gould, ein New-Yorker Psychiater, „wir haben ihn in einen brutalen, kommerzialisierten Aspekt unserer Ge­sellschaft verwandelt. Zuschauer und Spieler sind korrum­piert. Es ist eine Krankheit unserer Gesellschaft.“ Gould, der die Sportsendungen im amerikanischen Fernsehen im Mai 1984 analysierte, stellte weiter fest: Die Zuschauer „hungern nach Blut. Das hat nichts mehr mit Sport zu tun. Es hat nur et­was mit Siegen um jeden Preis zu tun, was soviel wie Krieg ist.“ (Los Angeles Times, 7. Mai 1984). Und einen Sieg um jeden Preis will auch Reagan bei den Spielen erzwingen! Dafür hatte man übrigens schon ein Jahr zuvor in besonde­rer Weise zu üben begonnen.

USA: Geld ist wichtiger als Sport

Daß die Gastgeber des Leichtathletik-Länderkampfes nach der aufsehenerregenden Niederlage des Jahres 1982 gegen die DDR Revanche nehmen wollten, war noch zu verstehen. Athleten, die zwölf Monate vorher den USA-Trainern nicht zur Verfügung standen – weil sie zur gleichen Zeit an Meetings teilnahmen, die einträglicher waren als der Länderkampf –, wurden diesmal verpflichtet, die Farben der USA in Los Ange­les zu vertreten. Als der Speerwerfer Petranoff mit dem Ver­trag für einen Start in Schottland am gleichen Wochenende erschien, verlegte man das Speerwerfen im Zeitplan, so daß Petranoff teilnehmen und noch ein Flugzeug nach Glasgow er­reichen konnte.

USA: Neid statt ehrlicher Wettkämpfe

Am Abend des ersten Tages führten die USA mit acht Punk­ten Vorsprung, und der Sieg schien schon gesichert, als die DDR am zweiten Tag zu einer imponierenden Aufholjagd star­tete. Die Geher machten am Vormittag fünf Punkte wett, über­ließen aber dem außer Konkurrenz gestarteten Italiener Mauri­cio Damilano den Sieg, weil ein amerikanischer Gehrichter DDR-Olympiasieger Hartwig Gauder bereits einmal verwarnt hatte und, ihm ständig auf den Fersen, auf die Gelegenheit wartete, ihn disqualifizieren zu können. Mit neuem DDR-Re­kord und einem sicheren zweiten Rang holten die Hammer­werfer als erste Starter des Nachmittags fünf weitere Punkte und brachten die DDR zum ersten Mal in Führung.


Peinliche Verwechslung

Danach wurde der 3000-m-Lauf der Frauen gestartet. Die bei­den Amerikanerinnen liefen nebeneinander, um jeden Vorstoß 1 von Ulrike Bruns und Gabriele Meinel kontrollieren zu können. Als Ulrike Bruns angriff, versuchte Brenda Webb, sie zu Fall zu bringen, geriet dabei aber selbst in Schwierigkeiten und fiel zurück. Die beiden DDR-Frauen gewannnen, und damit betrug der Vorsprung der DDR sieben Punkte. Als zur Siegerehrung aufgerufen wurde, fiel der Name Gabriele Meinels nicht. Rück­fragen ergaben: Wegen Rempelei disqualifiziert. Die DDR legte Protest ein. Der Kampfrichter, der die Dis­qualifikation beantragt hatte, wurde den beiden DDR-Läuferin­nen gegenübergestellt und sollte diejenige identifizieren, die angeblich gegen die Regeln verstoßen hatte. Er wies ohne zu zögern auf Ulrike Bruns …

Die Disqualifikation mußte aufgehoben werden, ebenso wie die gegen Ellen Fiedler verhängte, die im 400-m-Hürdenlauf angeblich eine Hürde nicht korrekt übersprungen hatte. Die Filme gaben andere Auskunft. Am Ende gewann die DDR den Länderkampf mit 16 Punkten Vorsprung. Mit den Disqualifika­tionen hätte sich die Differenz auf sechs Zähler verringert und eine weitere Verwarnung für Gauder das Unentschieden ergeben…

USA: Brutale Polizeimethoden gegen DDR-Sportler

Auch in anderer Hinsicht sammelte die DDR-Mannschaft seltsame Erfahrungen. Nach der Landung in New York wurde der Hindernisläufer Hagen Melzer plötzlich von zwei Beamten in Zivil abgeführt. Er verschwand hinter einer Tür ohne Klinke. Einer der Betreuer hämmerte derart energisch gegen die Tür, daß sie nach einiger Zeit geöffnet wurde. Man eröffnete dem Mannschaftsleiter, daß Melzer gegen die amerikanischen Einfuhrbestimmungen verstoßen habe. Seine „Vernehmung“ hatte ohne Dolmetscher stattgefunden, der Dresdner wußte überhaupt nicht, was man eigentlich von ihm wollte.

Am Ende eines heftigen Disputs bequemten sich die Beam­ten, ihre „Anklage“ mitzuteilen: Amerikanische Zollbestim­mungen untersagen die Einfuhr von Fleisch und Wurst. Melzer hatte in seiner Reisetasche Brote, von denen eines mit Wurst belegt war…
Der Nachdruck, mit dem die DDR-Offiziellen die sofortige Freilassung Melzers forderten, führte zum Erfolg, aber man er­innerte sich daran, daß es eine beliebte Methode der CIA ist, jemandem auf diese Weise irgendein belastendes Dokument oder auch ein Päckchen Rauschgift ins Gepäck zu schmuggeln und ihn dann endgültig festnehmen zu lassen.

Quelle:
Klaus Ulrich: „Olympia – made ein USA“, Dietz Verlag, Berlin, 1984, S.5-8 und S.64-67. (Zwischenüberschriften eingefügt, N.G.)


Siehe auch:
Leistungssport in der DDR – Ein positives Phänomen
Sport in der DDR
Sportler in der DDR: Monika Zehrt
Warum gab es in der Sowjetunion keine Berufssportler?
Westliche Lügenkampagne gegen russsische Sportler

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9 Antworten zu „Ein großer Tag für Amerika!“ – Eine US-amerikanische Haß- und Neid-Olympiade

  1. Johann Weber schreibt:

    Liebe sascha, vielen Dank für diesen Artikel. Ein sehr lesenswertes Buch. Welche tausendfache Schikanen, Verfolgungen durch Westdeutsche Sicherheitsorgane die Sportler, Funktionäre, Schlachtenbummler aus der DDR beim Betreten des Gebiets der Alt-BRD und der NATO-Länder ausgesetzt waren, ist einer der ganz schwarzen Punkte aller Alt-BRD-Regierungen vor 1969. Diese „DDR-Sportlerverfolgung“ wurde noch nie aufgearbeitet. Ich habe den Verdacht, diese mit vielen Millionen Euros an Steuergelder geförderte „DDR-Zwangsdoping-Kampagne“ hatte auch die Wirkung, dass diese menschenverachtende DDR-Sportlerverfolgung nicht ans Tageslicht kam.

    • sascha313 schreibt:

      Ja. Ganz so sieht es auch. Die Sportler könnten sicher noch mehr davon berichten… doch nur wenige Sportler haben am Ende so ein klares politisches Bewußtsein und zeigen soviel Charakter, wie der Ringer Werner Seelenbinder, den die Nazis am 24. Oktober 1944 ermordeten…

  2. Johann Weber schreibt:

    Nachtrag: In der Ost-CDU-Zeitung „Neue Zeit“ vom 30. April 1961,also vor dem Bau der Berliner Mauer, schilderte ein Artikel die Dramatik der Verfolgung aller Menschen aus der DDR, die irgendetwas mit Sport zu tun hatten.

    Ernste Gefahr
    In ihrem Amoklauf gegen alles, was der Verständigung der Deutschen untereinander dient, rennt die Bonner Regierung erneut gegen den gesamtdeutschen Sport an. Der Dritte Strafsenat des Bundesgerichtshofes in Karlsruhe erklärte in einem Grundsatzurteil, daß der gesamtdeutsche Sportverkehr — soweit er nach dem Ermessen jeder beliebigen Polizeidienststelle „den Bestand der Bundesrepublik gefährdet“ — strafbar sei. Der Deutsche Turn- und Sportbund der DDR soll nach Meinung des Gerichtes als verfassungsfeindlich hingestellt werden.

    So ungeheuerlich und unfaßbar diese Maßnahme ist, so ist sie angesichts der hektischen Störtätigkeit Bonns in den letzten Jahren doch keine Überraschung. Sie ist vielmehr das bisher stärkste Glied einer Kette von Provokationen, die regelmäßig gegen den gesamtdeutschen Sport gestartet wurden. Die Flaggenprovokation vor den Olympischen Spielen 1960, die Eingriffe der Polizei des SA-Mannes Schröder gegen DDR-Sportler, die Bemerkung von Brentanos, der gesamtdeutsche Sport sei „Unfug“, und die Querschüsse bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in der Schweiz, die mit einer der blamabelsten und empfindlichsten Schlappen Bonns endeten, sind weitere markante Stationen dieses unheilvollen Weges.

    Noch nie war die Gefahr für den gesamtdeutschen Sport, besonders aber für den westdeutschen, so groß wie jetzt. Der Adenauer-Polizei ist es nun praktisch in die Hände gegeben, Begegnungen zwischen den Sportlern aus beiden deutschen Staaten über gemeinsam interessierende Fragen aufzulösen und die Teilnehmer für Freiwild zu erklären. Jeder DDR-Sportler, der sich bei gemeinsamen Wettkämpfen in der Westzone, die — wie es in dem Gerichtsbeschluß heißt — „für sich allein weder verboten, noch strafbar sind“, kann gehetzt und eingekerkert werden, wenn es den Adenauer-Bütteln gefällt.[..]“

    Ich frage mich, wem sind diese menschenverachtenden Vorgänge in der Alt-BRD bekannt? Heißt es nicht „Sport ist die schönste Nebensache der Welt!“. Für DDR-Sportler, sobald sie Alt-BRD-Boden betraten nicht, sie waren der Verfolgung der Alt-BRD-Sicherheitsorgane gnadenlos ausgesetzt.

    • sascha313 schreibt:

      Das wußte ich auch nicht. Aber ich denke, man wollte die DDR-Sportler damit auch nicht unnötig beunruhigen. Hier zeigt sich wieder einmal, daß die gesamte Justiz der BRD auf faschistischem Boden gewachsen ist… Über den DDR-Verteidiger Prof.Dr. Kaul schreibt E.Honecker in seinen „Letzten Aufzeichnungen“: „Ein Dr. Kaul fehlt mir und auch uns.“ Und im Kommentar dazu heißt es: „Er besaß Berliner Schnoddrigkeit, Witz, großes Fachwissen und einen festen politischen Standpunkt, von dem aus er in jedem Verfahren agierte.“ (E.H. – Letzte Aufz., edition ost, 2012, S.118/122) – Unnötig zu sagen: Prof. Kaul war Kommunist. Er wies die Nazianwälte in ihre Grenzen.

  3. Johann Weber schreibt:

    Zu „Über den DDR-Verteidiger Prof.Dr. Kaul schreibt E.Honecker in seinen „Letzten Aufzeichnungen“: „Ein Dr. Kaul fehlt mir und auch uns.“
    Warum Honecker Dr. Kaul fehlte, ist aus folgendem Video ersichtlich.
    Ab Minute 4:16

    Und zu „Aber ich denke, man wollte die DDR-Sportler damit auch nicht unnötig beunruhigen.“
    Sascha, den DDR-Sportlern, den Funktionären und Anhängern war das Risiko schon bewusst, dass sie eingingen sobald sie Alt-BRD-Gebiet betraten. Hier nur einzelne Beispiele:

    1) „Berliner Zeitung“ vom 24.9.1961:
    Wieder Einreise verweigert
    Berlin (ADN/BZ). Durch eine erneute grobe Verletzung der internationalen sportlichen Gepflogenheiten seitens der britischen Regierung bleibt es dem Präsidenten des DFV, Helmut Riedel, und dem Generalsekretär des Deutschen Fußball-Verbandes, Kurt MichalskL versagt, am bevorstehenden außerordentlichen Kongreß des Internationalen Fußball-Verbandes (FIFA) in London teilzunehmen. Da den DDR-Vertretern trotz rechtzeitiger Einreichung der Visa-Anträge die Einreise verweigert wurde, protestiert der DFV mit allem Nachdruck gegen diese Schikane und fordert, in Zukunft Kongresse der FIFA nur in Ländern abzuhalten, in denen statutgemäß eine ungehinderte Arbeit der FIFA und ma Gleichberechtigung aller Mitglieder gewährleistet sind.“

    2) „Berliner Zeitung“ vom 20.1.1962:
    Erneute Einreise-Schikane
     Berlin (ADN/BZ). Nach dem Vorbild der USA-Regierung, die den DDR-Eishockeyspielern noch immer die Einreise zur Weltmeisterschaft in Colorado Springs vorenthält, beabsichtigt nun auch die französische Regierung, den DDR-Skisportlern zu den alpinen Weltmeisterschaften in Chamonix keine Visa zu erteilen. Das französische Konsulat in Westberlin verweigerte die Annahme der Visa-Anträge. Gleichzeitig lehnte das Reiseamt der Besatzerbehörden in Westberlin die Herausgabe der seit Monaten ordnungsgemäß beantragten Pässe ab. Die französische Nachrichtenagentur AP meldet dazu aus Paris, die Frage werde gegenwärtig geprüft, doch herrsche in „eingeweihten Kreisen“ die Auffassung, daß die DDR-Sportler keine Visa erhalten werden.“

    3) „Berliner Zeitung“ vom 14.2.1962
    Schikanen gegen Kontakte
    Kiel (ADN/BZ). Schon unmittelbar nach ihrer Rückkehr von Freundschaftskämpfen gegen die Greifswalder Universität wurden die Volleyballer der Universität Kiel empörender Schikanen ausgesetzt. Unter dem Druck der Adenauer-Regierung, die künftig durch Gesetzeskraft sportlichen Verkehr zwischen den Sportlern Westdeutschlands und der DDR unterbinden will, sperrte der westdeutsche Hochschul-Sportverband die Kieler Volleyballer für alle Sportwettkämpfe der Studenten. Die gemaßregelten Sportler waren der Greifswalder Einladung mit ausdrücklicher Billigung des Kieler Studenten-Parlaments gefolgt.“

    4) „Neues Deutschland“ vom 6.6.1962
    Brutaler Eingriff der Ultras in den internationalen Sport
    Eisenbahner-Sportler der DDR von Westzonenpolizei ausgewiesen
     Hannover (ADN/ND). Innerhalb von 48 Stunden haben die Bonner Ultras zweimal brutal in die Belange des Sports eingegriffen. Nachdem sie am Wochenende ihre Polizeibüttel und Spürhunde auf die Fußballmannschaft der BSG Lok Leipzig-Engelsdorf gehetzt hatten, die in Bochum ein Freundschaftsspiel austrug, wurden am Dienstagmorgen die Sportschützen der DDR, die an den Schieß- meisterschaften der Internationalen Eisenbahner-Sportorganisation (USIC) in Hannover teilnehmen wollten, unter Gewaltandrohung von der Adenauer-Polizei ausgewiesen. Die DDR-Sportler wurden zur Kriminalpolizei zitiert, wo man ihnen abzureisen befahl, da jeglicher Start von DDR-Sportlern in Westdeutschland auf Anweisung Bonns verboten sei.
    Wie sich herausstellte, standen die westdeutschen Ausrichter der USIC-Meisterschaften bei der Vorbereitung der Titelkämpfe unter ständiger Kontrolle des Verfassungsschutzes und der Polizeistellen. Sie mußten u. a. alle Telegramme, die den Start der DDR-Schützen betrafen vorlegen.
    Mit dieser Provokation der Ultras wurde erneut bewiesen, daß sich die reaktionäre Regierung der Westzone brüsk und brutal über sämtliche internationale Gepflogenheiten hinwegsetzt:  Empörung rief die Schikane der Bonner Ultras bei den Sportschützen Frankreichs, Norwegens, Österreichs, Polens, Schwedens, der Schweiz und auch Westdeutschlands hervor.“

  4. sascha313 schreibt:

    Danke – genau das meinte ich auch!

  5. Lieber Sascha, vielen Dank für Deinen interessanten und sehr überzeugenden Artikel. Ich habe im Jahr 2016 zu dieser Thematik folgenden Beitrag geschrieben:
    in deutscher Sprache
    http://www.dr-schacht.com/Olympische_Spiele-dreckige_Politik_mit_fiesen_Mitteln.pdf
    in russischer Sprache
    http://www.dr-schacht.com/Olympische_Spiele-dreckige_Politik_mit_fiesen_Mitteln_russ.pdf
    Herzliche Grüße
    Wolfgang

    • sascha313 schreibt:

      …da drängt sich einem die Aktualität dieses Textes doch geradezu auf. Je mehr man sich mit der Vergangenheit befaßt (und man wird sich dem auf Dauer nicht entziehen können!), desto erschreckender werden einem die Parallelen zu Gegenwart bewußt. Auch wenn heute noch „jeden Tag eine andere Sau durchs Dorf getrieben“ wird, was die Aufmerksamkeit ja doch wieder für eine gewisse Zeit in Anspruch nimmt, läßt sich die Erkenntnis nicht verdrängen, daß nicht das Klima, nicht die angebliche Mondlandung, nicht die immer wieder strapazierte „Demokratie“ oder sonstwas die entscheidenden Fragen des Tages sind, sondern der Mechanismus der kapitalistischen Gesellschaft und dessen Überwindung. – Danke für Deine beiden Links!

  6. Johann Weber schreibt:

    Den Wenigsten dürfte bekannt sein, mit welchen menschenverachtenden Schikanen der Adenauer-Staat gegen die Sportler der DDR vorgingen. Adenauer erreichte, dass die DDR-Sportler nicht an den Olympischen Spielen in Helsinki 1952 teilnehmen konnten. Nüchtern betrachtet kann festgestellt werden, der Kampf gegen den DDR-Sport begann bereits mit Gründung der DDR 1949 und dauert bis heute an. Gut bezahlte (Steuergelder) Helfershelfer standen bzw. stehen zu Hauf zur Verfügung.

    Die Ost-CDU-Zeitung „Neue Zeit“ vom 17. Juli 1952 schildert das Komplott gegen die DDR-Sportler.
    „Helsinki ohne gesamtdeutsche Olympia -Mannschaft
     Von Fred Müller, Leiter des Deutschen Sportausschusses
    Wenn am 19. Juli 1953 unter den Klängen der Glocken das Olympiaturmes die Mannschaften der Nationen die Eröffnung der 15. Olympischen Sommerspiele in das olympische Stadion in Helsinki einmarschieren, dann wird auf dem Platz, der einer gesamtdeutschen nationalen olympischen Mannschaft zukommt, nur eine Mannschaft des Saargebietes und daneben eine westdeutsche Mannschaft aufmarschieren. Die annähernd zwei Millionen Sportler der Deutschen Demokratischen Republik werden überhaupt nicht vertreten sein.
    Das ist das Ergebnis des unsportlichen und unerhörten Ränkespiels, das die Feinde des einheitlichen deutschen Sports, die reaktionären westdeutschen Sportführer gemeinsam mit ihren US-hörigen Komplizen im Internationalen Olympischen Komitee gegen die Sportler der DDR und damit gegen den gesamtdeutschen Sport betrieben haben.
    […]
    Nachdem man im Jahre 1949 dem deutschen Saargebiet ein eigenes NOK zubilligte und durch das IOC anerkannte, war man gern bereit, das NOK der Bundesrepublik international anzuerkennen. Selbstverständlich forderten auch die Sportler der Deutschen Demokratischen Republik eine olympische Interessenvertretung, und so kam es am 22. April 1951 zur Gründung des Nationalen Olympischen Komitees für die DDR. Dieses Komitee unterbreitete auf seinem Gründungskongreß dem westdeutschen NOK einen Vorschlag zur Bildung eines gesamtdeutschen Nationalen Olympischen Komitees auf paritätischer, gleichberechtigter Grundlage. Zugleich beantragte das NOK der DDR seine Anerkennung durch das Internationale Olympische Komitee.
    Nun erkannten Ritter von Halt und Mr. Brundage, daß die Zeit zum Handeln gekommen war. Obwohl mit der Tagung des IOC in Wien vom 6. bis 7. Mai 1951 die Anträge beider NOK vorlagen, wurde nur dem westdeutschen NOK die Anerkennung ausgesprochen. Obwohl gemäß den Statuten und des gestellten Antrages sein Einfluß an der Zonengrenze aufhört, ließ man den Antrag des NOK der DDR unter den Tisch fallen und damit die Belange und berechtigten Forderungen der Sportler der DDR unberücksichtigt. Darauf folgte die Tagung des IOC in Lausanne am 17. Mai 1951 die von Präsident Edstroem geleitet werden sollte. Plötzlich war an dessen Stelle Mr. Brundage erschienen. Der Beauftragte der amerikanischen Kriegspartei setzte seinen Kurs rücksichtslos durch. Die Frage der Bildung des gesamtdeutschen NOK wurde gleich zu Beginn von der Tagesordnung gestrichen und statt dessen die Aufstellung einer deutschen Mannschaft für Helsinki behandelt und festgelegt, daß die Sportler der DDR nur unter Führung und Botmäßigkeit des westdeutschen NOK an den Olympischen Spielen teilnehmen dürfen. Die Stärke der Mannschaft und der Begleitung, ja selbst Aussehen und Form der Bekleidung der Olympia-Mannschaft wurde fixiert, ohne ein einziges Mal Verbindung mit dem NOK der DDR aufzunehmen.
    Trotzdem setzte das NOK der DDR im Interesse der Sportler der DDR und des gesamtdeutschen Sports seine beharrlichen Bemühungen um die Schaffung einer gesamtdeutschen Olympiavertretung fort. […] Große Freude herrschte bei den Sportlern in Ost und Wert über diese kurz bevorstehende Einigung. Diese Einigung forderte aber die Wut der amerikanischen Beauftragten und ihrer Helfer heraus Die gesamte Kriegshetzerpresse heulte auf Kommando los, und die westdeutschen Vertreter wurden gezwungen, ihre Verpflichtung rückgängig zu machen.[…]
    Da das schändliche Spiel, das gegen die Sportler der DDR betrieben wurde, immer ruchbarer wurde und das Interesse der internationalen Sportwelt immer mehr auf sich lenkte, inszenierte man eine neue Konferenz im Februar 1952 in Kopenhagen. Die westdeutschen Vertreter, die zeitig ihre Einreiseerlaubnis erhielten, verhandelten bereits tagelang mit den Vertretern des IOC, während den Vertretern der DDR einen Tag vor Beginn der Konferenz von der dänischen Militärmission noch nicht einmal die Einreisegenehmigungen ausgehändigt wurden. Als unsere Vertreter nach großen Reiseschwierigkeiten in Kopenhagen mit Verspätung ankamen und noch für den gleichen Nachmittag den Beginn der Besprechung festlegten, waren bei ihrem Erscheinen am Tagungsort, kurz vor dem zugesagten Zeitpunkt, die westdeutschen und internationalen Vertreter bereits abgereist. Auch hier war Mr. Brundage anwesend und hatte seine Hand im Spiel.“

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