DER FASCHISMUS IN LETTLAND

ridus2012Riga

Marsch der Legionäre der Waffen-SS in Riga. – Марш легионеров SS в Риге, фото с сайта www.ridus.ru

Am 16.03.2005 gab es im Zentrum von Riga eine Zusammenrottung von einigen Hundert Menschen: etwa zweihundert Teilnehmer einer Prozession, von denen die Hälfte ehemalige Legionäre waren, die andere Hälfte jugendliche Anhänger ultrarechter Gruppierungen Lettlands. Dagegen protestierte eine ebensolche Anzahl von Antifaschisten (viele waren ihnen mit gestreiften Anzügen, ähnlich der Häftlingskleidung der Hitlerkonzentrationslager bekleidet). Da die Demonstration der Nazis, im Gegensatz zu der der Antifaschisten, als „nicht gesetzwidrig“ angesehen wurde, haben die Rigaer Polizisten die Menschen in der gestreiften Sträflingskleidung ohne Zögern vom Weg abgedrängt. Im Verlauf der entstandenen Schlägerei wurden ca. 25-30 von ihnen von den Kräften der Rechtsordnung verhaftet.

Das KZ Salaspils in Litauen

Ist der heutige Bürgermeister auch ein Nazi?

Und im Oktober 2014 beschrieb die lettische Zeitung „Latvijas Avīze“, daß wie jährlich jeden letzten Sonntag im September geschichtsbewußte Einwohner und ehemalige Gefangene des Lagers in Salaspils zur Gedenkstätte kommen, um dort der gefolterten und ermordeten Menschen zu gedenken. Der Artikel beginnt damit, daß erklärt wird, warum die Letten diesen Ort nicht mögen und dorthin nicht zu Gedenkveranstaltungen gehen. Bei den Letten, so erklärt der Bürgermeister von Salaspils, Rajmondis Tschudars, gäbe es eine „Allergie gegen diese Stätte“. Und sie gingen schon deshalb nicht dorthin, weil sie dort hauptsächlich auch russischsprachige Leute mit ihren „unrichtigen Ansichten“ über die Geschichte von Salaspils anwesend seien.

Was schreiben die lettischen Zeitungen?

Heute spricht die offiziöse lettische „Prawda“ über Salaspils, daß diese Stätte ja gar nicht so furchtbar gewesen sei. Und in einem Zeitungsartikel wird dem Leser erklärt, daß das Lager „weder ein Sanatorium, noch ein Vernichtungslager“ gewesen sei. „Die Haftbedingungen waren dort besser, als im Zentralgefängnis“ – obwohl es Zeugenerinnerungen darüber gibt, die genau das Gegenteil davon aussagen. Um die Schuld der Naziverbrecher zu verharmlosen, die die Menschen zu Tausenden in dieses Lager trieben, schreibt der Autor dieses Artikels, daß viele der Ankommenden, besonders Kinder, sowieso schon krank gewesen seien und aus diesem Grund im Lager gestorben seien. Was man den Nazis hier nicht vorwerfen kann — die Häftlinge starben von selbst im Lager.

Eine Konferenz der Geschichtsfälscher

Am 25.09.2015 fand in Salaspils eine internationale „wissenschaftliche Konferenz“ statt: „Das Lager Salaspils 1941-1944. Geschichte und Gedenken“. Sie war von der Ortsduma von Salaspils, vom Museum der Okkupation Lettlands und vom Museum in Daugav organisiert worden.

Der Doktor für Geschichte Kārlis Kangeris, Mitglied der Historikerkommission beim Präsidenten, erklärte, daß das Lager Salaspils kein Todeslager gewesen sei. Er begründete das übrigens damit, daß die Nazis es als Lager für Arbeitserziehung bezeichnet hätten, und daß hier, wie dieser “Wissenschaftler“ sagte, keine „systematische Massenvernichtung von Menschen“ stattgefunden habe.

War Salaspils nur ein „Arbeits- und Erziehungslager“?

Nach den Hitlerschen Dokumenten trug dieses zentrale Konzentrationslager die Bezeichnung „AEL Salaspils“ (Arbeits- und Erziehungslager Salaspils) und es gehörte zu den mustergültigen „Fabriken“ zur Unterdrückung und Vernichtung der Persönlichkeit. Der deutsche Name des Konzentrationslagers Salaspils war „Lager Kurtenhof“. Offizielle Bezeichnung: Erweitertes Polizeigefängnis Salaspils und Lager für Arbeitserziehung.

Wie K.Kangeris behauptet, hätten die Deutschen selbst das Lager Salaspils nicht Konzentrationslager genannt, da nur solche Lager so hießen, die der wirtschaftlichen und administrativen Verwaltung der SS unterstanden hätten, und das Lager von Salaspils habe dieser Verwaltung nicht unterstanden. Nach der Deutung von Kangeris, habe sich in Salaspils ein Lager besonderen Typs befunden, ein erweitertes Polizeigefängnis. Er erklärte auch, daß er festgestellt habe, daß die sowjetischen Angaben über die Anzahl der Toten nicht nur überhöht, sondern um ein Vielfaches übertrieben seien. Nach seinen Angaben seien etwa Tausend Juden – Bauarbeiter des Lagers – umgekommen; einige Tausend Gefangene, darunter ein paar Hundert Kinder und eine gewissen Anzahl sowjetischer Kriegsgefangener. Die Organisatoren erlaubten russisch-lettischen Historikern nicht aufzutreten, darunter auch denen nicht, die bereits Veröffentlichungen über das Lager Salaspils herausgegeben haben.

 Gedruckte Lügen lettischer „Historiker“

LitaunazisAm 27.01.2016 wurde vom lettischen Militärmuseum das Buch „Aiz šiem vārtiem vaid zeme. Salaspils nometne: 1941-1944“ („Hinter diesem Tore stöhnt die Erde“. Das Lager Salaspils 1941-1944“) vorgestellt, geschrieben von den offiziellen Historikern Kārlis Kangeris, Uldis Neiburgs, Rudīte Vīksne. Dieses Buch wird nicht nur in Schulen, Hochschulen und in staatlichen Institutionen Lettlands verbreitet, sondern auch Besuchern der Stadt Salaspils und den ausländischen Delegationen feierlich überreicht. Und sie nehmen es dankbar entgegen. Dessen Autoren behaupten, daß es in Salaspils kein Konzentrationslager, sondern nur ein Übergangslager gegeben habe.

Uldis Nejburgs schreibt: „Wir verneinen es kategorisch, daß dort 7.000 Kinder gestorben sein sollen. Wir wissen zwar, daß dort es dort 3.000 Kinder gegeben hat, aber wir bestreiten kategorisch, daß den Kindern Blut für die Behandlung verwundeter Deutscher abgenommen wurde.“

Die Historiker teilen mit, daß aller früheren Untersuchungen über den Tod Tausender minderjähriger Gefangener im Lager von Salaspils „eine sowjetische Mythologie“ gewesen sei, und daß im Lager „insgesamt 2.000 Menschen“ umgekommen seien, und zwar aus Gründen, die „nicht mit unzulänglichen Beziehungen zu den Häftlingen verbunden sein können“. Das russischsprachige Internetportal „Latwijskie westi“ schreibt, daß nach den Erklärungen der Historiker das Lager Salaspils kein Konzentrationslager, kein Todeslager gewesen sei, sondern eine Art Transitstation, die den „Verkehr der Bevölkerung der UdSSR zur Arbeit nach Deutschland“ abgesichert habe.

* * *


Was geschah wirklich in Salaspils?

Während der drei Jahre der Existenz des Konzentrationslagers Salaspils wurden mehr 3.500 Liter Kinderblut abgezapft. Nicht selten wurden die minderjährigen Gefangenen zu „vollständigen Spendern“. Es bedeutete, daß man ihnen das Blut entnahm, bis sie starben. Die Leichen wurden über die Ofen der Krematorien beseitigt oder in die Abfallgruben geworfen.

Die nachfolgend dargelegten Informationen wurden auf der Grundlage von Materialien des Staatlichen Sonderausschusses zur Untersuchung der Verbrechen der deutschen Faschisten zusammengestellt. Die umfangreichsten Berichte über die Kinderkonzentrationslager befinden sich bei den Archivdokumenten unter dem Titel „Kinderlager und Begräbnisse“ (LVVA P-132, ap.30, l.27.), aber es existieren auch noch ziemlich viele fragmentarische Informationen verteilt im Archiv unter R-132, in dem Berichte und Auskünfte der Kommission erfaßt sind. Teilweise wurden die Informationen auch „Akten und Protokolle der gerichtlichen Expertise“ (LVVA P-132, ap.30, l.26.) entnommen, einige wenige Informationen über die Kinder-KZ finden sich gesammelt in „Auskünfte über die Verwüstungen von Salaspils“ (LVVA P-132, ap.30, l.38.) und einen Teil der Daten kann man auch in „Über die Opfer der Nazis in der Litauischen SSR“ (LVVA P-132, ap.30, l.5.) nachlesen. Die dargelegten Informationen sind Aussagen von Augenzeugen, Zeugen, Teilnehmern an den Ereignissen als Gefangene, aber auch aus Verhören der beschuldigten Aufseher und Polizisten.

35.000 ermordete Kinder von Salaspils

Salaspils_KinderLaut Angaben des Sonderausschusses zur Untersuchung der Verbrechen der faschistischen Okkupanten, erreichte die Zahl der auf dem Territorium Lettlands ermordeten Kinder eine Zahl von 35.000 Kindern. In den Materialien des Rigaer Gerichtes von 1946 über die Kriegsverbrechen der in den Lagern auf dem Territorium von Riga vernichteten Kinder wird eine Zahl 6.700 genannt, außerdem muß man zu dieser Zahl noch die mehr als 8.000 toten Kinder der Ghettos hinzufügen. Eines der größten Massengräber von Kindern auf dem Territorium Lettlands befindet sich in Salaspils mit 7.000 Kindern, ein weiteres ist im Wald von Dreiliņi in Riga, wo etwa 2.000 Kinder ruhen.


1. Kinderkonzentrationslager

Die Kinder waren in gesonderten Baracken im Konzentrationslager Salaspils untergebracht, in Zellen des Rigaer Vollzugsgefängnisses, im Rigaer Zentralgefängnis sowie in den Gefängnissen anderer Städte Lettlands, Kinder wurden gefangen gehalten in der Abteilung des SD [1] in der Reimers-Str. 1 [2], in der Präfektur auf dem Aspasias-Boulevard 7 [3] und an anderen Orten.

Kinderblut für die Wehrmacht

Pedantisch vernichtete die Hitlerführung die Zivilbevölkerung im gesamten okkupierten Gebiet der Sowjetunion. Auf barbarische Weise wurden die verheizten Kinder vor ihrem qualvollen Tod massenhaft als lebendiges Experimentiermaterial für die unmenschliche Versuche der „arischen Medizin“ verwendet. Die Deutschen organisierten Kinderblutfabriken für den Bedarf ihrer Armee, der deutschen Wehrmacht, und es wurde ein Sklavenmarkt eingerichtet, wo der Verkauf der Kinder für die Sklaverei der örtlichen Besitzer abgewickelt wurde.

Der nazistische Henker Friedrich Jeckeln

jeckelnAuf besondere Direktive des Polizeiführers und SS-Obergruppenführer Friedrich Jeckeln, wurde die örtliche Bevölkerung unter dem Deckmantel des Kampfes gegen das Banditentum in den vorübergehend okkupierten Grenzgebieten der Lettischen SSR zu Weißrußland, zum Leningrader und Kaliningrader Gebiet, sowie in Latgale während der Jahre 1942-44 systematisch in spezielle Lager von Riga, Daugavpils, Resekne und andere Orte der Lettischen SSR deportiert. Die Zivilbevölkerung wurde unter der Bezeichnung „Evakuierte“, unter unmenschlichen Bedingungen in die Konzentrationslager verschleppt. In den Lagern verwendeten die Deutschen ein speziell von ihnen entwickeltes und erdachtes System zur systematischen Vernichtung Zehntausender Menschen.

Der Zeuge M.G. Brinkman, der ins KZ Salaspils deportiert worden war, berichtete: „In Salaspils … Vor der Kommandantur waren Tische aufgestellt, es wurden alle Mütter mit Kindern aufgerufen, und … die Kommandanten … ließen sie am Tisch antreten. Gewaltsam wurden die Kinder den Händen der Mütter entrissen. Die Luft war … vom Schreien der Mütter und dem Weinen der Kinder erfüllt.“

Jelena Gribun, Häftling im KZ Salaspils, berichtet: „Die Kinder hatten Schmerzen. Sie weinten und schrien. Und als die Kinder ganz krank waren, wer behandelte sie dort? Niemand behandelte sie. Sie starben jeden Tag. Am Morgen wurden sie herausgebracht. Einige haben sich vielleicht auch dort noch bewegt.“

Mörderische Experimente

Die ununterbrochene Massensterblichkeit der Kinder war durch Experimente verursacht, wofür die minderjährigen Häftlinge des KZ Salaspils als Versuchstiere verwendet worden waren. Die deutschen Mörder-Ärzte verpaßten den kranken Kindern Injektionen verschiedener Flüssigkeiten, führten Urin in den Mastdarm ein und zwangen sie, verschiedene Mittel einzunehmen. Nach dieser Einnahmen kamen die Kinder unweigerlich ums Leben. Die Kinder wurden mit vergiftetem Brei gefüttert, wovon sie eines qualvollen Todes starben. Diese ganzen Versuche leitete der deutsche Arzt Meißner.

Aus dem Protokoll der gerichtsmedizinischen Kommission

Die gerichtsmedizinische Kommission, die die Ermittlungen im Gebiet des Standortfriedhofs von Salaspils durchführte, stellte fest, daß ein Teil des Friedhofs über eine Fläche von 2.500 m² in den Abständen 0,2 bis zu 0,5 Metern gänzlich mit Höckern übersät war. Bei Ausgrabungen von nur einem Fünftel dieses Gebiets wurden 54 Gräber mit 632 Kinderleichen im Alter von 5 bis zu 9 Jahren freigelegt, in den Mehrzahl der Gräber waren die Leichen in zwei oder drei Schichten übereinander gelegt worden. In 150 m Entfernung vom Friedhof in Richtung der Eisenbahn entdeckte die Kommission einen Bereich von 25х27 Meter, wo der Boden mit einem öligen Stoff und mit Asche durchsetzt war und Reste nicht verbrannter menschlicher Knochen enthielt, darunter auch eine Unmenge von Knochen 5-9 Jahre alter Kinder, Zähne, Schädel, Hüft- und Schulterknochen, Rippen und andere Knochen.

Zeugenaussagen und Beweise

Aufgrund von Materialien der Ermittlungen und von Zeugenaussagen und den Ergebnissen der Exhumierung wurde festgestellt, daß während der drei Jahre der Existenz des KZ Salaspils durch die Deutschen auf dem Standortfriedhof nicht weniger als 7.000 Kinder umgebracht worden waren, die teils verbrannt, teils begraben worden waren.

Die Zeugen Laugulajtis, Elterman, Wiba u.a. berichteten: „Die weggenommenen Kinder im Alter bis zu 5 Jahren wurden in einer gesonderten Baracke unterbracht, dort erkrankten sie an Masern und starben in Massen. Erkrankte Kinder wurden ins Lagerkrankenhaus gebracht, wo sie in kaltem Wasser gebadet wurden, wovon sie nach zwei bis drei Tagen starben. Auf diese Weise wurden im Laufe eines Jahres von den Deutschen im KZ Salaspils mehr als 3.000 Kinder im Alter bis zu 5 Jahren umgebracht.“

In den Prozeßakten des Angeklagten F.Jeckeln findet sich die Aussage der Zeugin Emilia Salejuma (*1886): „Da ich bis zum Schluß im Lager Salaspils war, sah ich am 21. August 1944, daß sich in der gesonderten Baracke Nr.10 B mehr als 100 sowjetische Kinder im Alter bis zu 10 Jahren befanden. Anfang September 1944 haben die Deutschen diese Kinder herausgebracht und erschossen. … im Januar 1942 sah ich persönlich, wie die deutschen Faschisten an der Bahnstation Schkirotawa aus den herangetriebenen Scharen von Kindern sofort bis 30-40 Kinder in grüne hermetisch abgeschlossene Autos hineinzwängten. Die Türen der Autos wurden fest verschlossen, und dann wurden die Kinder weggebracht. Nach einer halben Stunde kamen die Wagen wieder zurück. Mir ist es bekannt, daß die Deutschen in solchen Wagen die Kinder vergasten. Wieviele Kinder mit Gas vernichtet wurden, kann ich nicht sagen, aber es waren sehr viele.“

Die Kindermörder von Salaspils

Nach von Zeugenaussagen ehemaliger Häftlinge des KZ Salaspils, sind allein im Zeitraum von Ende 1942 und bis zum Frühjahr 1944 mehr als 12.000 Kinder durch dieses Lager gegangen. Die unmittelbaren Kindermörder im Konzentrationslager Salaspils waren die Kommandanten Nickel und Krause, sowie deren Gehilfen Hepper, Berger und Teckemeier.

Natalja Pudjakowa: „Ich kannte eine Frau, die das Lager Salaspils im Großen Vaterländischen Krieg mit den Kämpfern befreit hat. Der Kommandant Krause hatte einen Schäferhund, er veranstaltete sich das Vergnügen. Auf dem Weg ließen sie die Frau sich ausziehen und der Hund griff sie an und biß sie in die Brust. Dort auf diesem ,Todesweg‘ gibt es ein Denkmal – eine Frau kniet und bedeckt ihre Brust.“


2. Gestapo-Gefängnisse

Das allmähliche Sterben in stinkenden Zellen

Bei der Gestapo und in den Gefängnissen wurden Kinder ermordet. Die schmutzigen und stinkenden Zellen der Gefängnisse wurden nie gelüftet und waren sogar bei strengem Frost nicht beheizt. Auf den schmutzigen kalten Fußböden wimmelte es von verschiedenen Insekten, und die unglücklichen Mütter waren gezwungen, das allmähliche Sterben ihrer Kinder mit anzusehen. 100 Gramm Brot und ein halber Liter Wasser – das war ihre dürftige Ration für einen Tag. Eine ärztliche Betreuung gab es nicht.

Erschießungen nach Termin

Bei blutigen Abrechnungen mit den Häftlingen in den Gefängnissen, wo die Deutschen bis zu einigen Hundert Menschen erschossen, wurde auch für Kinder keine Ausnahme gemachten. Sie starben genauso wie die Erwachsenen. Manchmal wurden die Kinder bei den Erschießungen „vergessen“, und sie waren gezwungen, ihr beklagenswertes Schicksal fortsetzen und bis zur nächsten Erschießung einsam dahinvegetieren.

Der Anwalt K.G. Munkewicz, der über ein Jahr im Zentralgefängnis eingesperrt war, teilte der Kommission mit: „Vom 1. Juli 1941 an wurde damit begonnen, das Zentralgefängnis mit Häftlingen zu füllen, die zusammen mit ihren minderjährigen Kindern untergebracht wurden. Die Kinder waren zusammen mit den Erwachsenen den gleichen Bedingungen des Regimes und der gleichen Ernährung ausgesetzt. Die Kinder teilten das Schicksal ihrer Eltern, und sie starben denselben Tod wie auch die Eltern. Man brachte auch viele schwangere Frauen ins Gefängnis. Viele Schwangere wurden erschossen, viele brachten hier im Gefängnis ihr Kind zur Welt, wurden dann in den Wald gebracht und zusammen mit dem Kindchen erschossen. Nimmt man die Periode von 1941 bis 1943, wo ich im Gefängnis war, so wurden etwa 3.000-3.500 Kindern von dort weggebracht und erschossen oder auf andere Weise getötet. Natürlich ist das nur eine ungefähre Zahl, aber denke ich, daß sie geringer als die tatsächliche Anzahl ist.“

Kindermord der Nazis im besetzten Litauen

31108Nach den Angaben der Ermittlungen stellte die Kommission fest, daß in den Rigaer Gefängnissen und Gestapo-Folterkammern die Deutschen etwa 3.500 Kinder getötet wurden. Ebensolche Verbrechen an Kindern begingen die Deutschen auch in anderen Städten Lettlands. Zum Beispiel wurden in Daugavpils 2.000 Kinder und in Resekne 1.200 Kinder vernichtet. So wurden während der deutschen Okkupation in den Gefängnissen und bei der Gestapo von den Deutschen in Riga 6.700 Kinder vernichtet. Organisator der Vernichtung der Kinder in den Gefängnissen war die deutsche Verwaltung, namentlich die Personen Birkhahn, Wieja, Matels, Egel, Tabord und Albert.


3. Billige Arbeitssklaven

In Riga gab es spezielle Verteilungspunkte für den Verkauf von Kindern geschaffen worden, die lebendige Ware im Alter von 5 bis 12 Jahren anboten. Einige den Adressen dieser Punkte waren: im Hof der „Volkshilfe“ in der Gertrudes-Straße 5 [4], im Gebetshaus der Grebenschtschikow-Gemeinde in der Krasta-Straße 73 [5], im Kinderheim in der Jumaras-Straße 4 [6] und anderen. Kinder, die man zu Arbeiten nicht verwenden konnte, im Alter von einem bis zu fünf Jahren wurden ins Nonnenkloster in der Baron-Krishan-Straße 126 [7] gebracht. Kinder-KZ gab es auch in Dubulti, Saulkrasti, Igate und Strenči.

Ein gespenstischer Kindertransport

Im April 1943 kamen geschlossene deutsche Militärfahrzeuge zum Nonnenkloster in Riga in der Baron-Krishan-Straße 126. Sie wurden begleitet durch deutsche Soldaten unter dem Kommando eines Offiziers.

Den Augenzeugen bot sich folgendes Bild: „…aus den verdeckten Fahrzeugen war kein Laut zu vernehmen, nicht eine Kinderstimme war zu hören. Als die Plane zurückgeworfen wurde, erschienen Dutzende gequälter, kranker und ausgemergelter Kinder. Sie kauerten zusammen und zitterten vor Kälte. Lumpen bedecken ihre kleinen Körper, die von Geschwüren, Flechten und Schorf übersät waren. Die Kinder waren barfuß, hatten keine Mützen. Vor den schmutzigen Lappen auf der Brust trugen sie Pappschilder, die mit einer Schnur um den Hals befestigt waren. Auf den Schildern waren Aufschriften: Familienname, Vorname und Alter. Einige Anhänger waren beschriftet mit dem Wort: „Unbekannt“. Die Kinder schmiegten sich aneinander und schwiegen. Die Kinderbaracke im Lager, die ewige Angst und die Drohungen, die Foltern und der Terror hatten es ihnen abgewöhnt, zu reden. Ein Fahrzeug folgte dem anderen. 579 Kinder im Alter vom einem bis zu fünf Jahren lieferten die Faschisten ins Kloster. Den Transport befehligte der deutsche SD-Offizier Schiffer.“

Die Zeugin L.P. Skoldinowa sagte aus: „Als ich den ersten Wagen sah, dessen Ladefläche voller Kinder von ein bis fünf Jahren war, die bewegungslos und vor Kälte zitternd darauf saßen, und die mit irgendwelchen Lumpen bekleidet waren, ist mir der Frost unter die Haut gegangen. Alle. Die das sahen, sogar die Männer hatten Tränen in den Augen.“

Sowjetische Kinder für die Sklavenarbeit

Das den faschistischen Behörden unterstehende Sozialdepartement, das von Direktor Silis geleitet wurde, und die deutsche Organisation „Volkshilfe“, die auf Befehl des deutschen Polizeikommandanten und SD-Führers von Lettland von Strauch handelten, verteilten die Kinder von den Sammelpunkten in die Bauernhöfe als Knechte. Im Frühjahr 1943 wurde in den Zeitungen eine Erklärung über die Verteilung der Arbeitskräfte veröffentlicht.

Die Zeitung „Tēvija“ vom 10.03.1943 schrieb auf Seite 3: „Hirten und Hilfsarbeiter werden aufgeteilt. Eine große Zahl junger Leute aus den Grenzgebieten Rußlands möchte gerne Hirten und Hilfsarbeiter im Dorf sein. Mit der Verteilung dieser jungen Leute hat sich die ,Volkshilfe‘ befaßt. Die Landwirtschaften können Anträge auf Hirten und Hilfsarbeiter an die Adresse Raina Boulevard 27 [8] einreichen.“

„…den Kindern geht es gut!“

Der Kommandant des KZ Salaspils Krause fuhr auf die Landwirtschaften, wo die Kinder arbeiteten und überprüfte den Zustand der Sklaven. Als er von solchen Fahrten ins Lager zurückkam, erklärte er allen, daß es den Kindern gut geht. Anhand der Ermittlungen wurde festgestellt, daß ungefähr nach einem Jahr der Existenz des Dubultsker Kinder-KZ, von den 450 dort eingelieferten Kindern nicht weniger als 300 Kinder zur Sklaverei verkauft wurden. Ähnlichen Umstände herrschten auch in den Kinderlagern in Saulkrasti, Strenči, Igate und im Rigaer Kinderheim in der Jumaras-Straße 4.


4. Das Juden-Getto von Riga

Getto_RigaIn der furchtbaren Gedrängtheit des Rigaer Gettos, in dem sich jeder menschlichen Würde hohnsprechend 35.000 Menschen befanden, wurden etwa 8.000 Kindern im Alter bis zu 12 Jahren gequält. Sie alle wurden von den deutschen Faschisten und ihren einheimischen Handlangern zwischen dem 29. November und 09. Dezember 1941 in einem blutigen Gemetzel abgeschlachtet. Als die zum Tode verdammten Kolonnen unter einer Eskorte von Polizei und SS zum Abschlachten in die Rumbuler Wälder getrieben wurden, vergnügten sich in den Straßen der Stadt die Henker damit, daß sie mit speziellen Stangen Mütter mit ihren Kindern aus der Kolonne der Todeskandidaten herausholten, sie an den Rand zogen und dort an Ort und Stelle töteten.

Die Grausamkeiten der deutschen Nazis

Das zweigeschossige Gebäude des Getto-Krankenhauses war zu jener Zeit mit kranken Kindern überfüllt. Die Deutschen warfen die kranken Kinder aus den Fenstern heraus, und versuchten, die vor dem Krankenhaus stehenden Lastwagen zu treffen.

Dr. Press teilte der Kommission mit: „Beim Tor des Gettos, wo sich der Wachschutz befand, warfen die Polizisten ein Kind in die Luft und belustigten sich in Anwesenheit der Mutter damit, dieses Kind mit ihren Bajonetten aufzufangen.“

Der Zeuge K.K. Salijums sagte vor der Kommission aus: „Frauen mit Kindern wurden zur Erschießung getrieben, es waren sehr viele Kinder. Andere Mütter hatten zwei, drei Kinder. Viele Kinder gingen in Kolonnen unter verstärkter Bewachung durch die deutsche Polizei. Etwa Ende Dezember 1941, früh gegen acht Uhr, trieben die Deutschen drei große Gruppen Kinder im Schulalter zur Vernichtung. In jeder Gruppe waren nicht weniger als 200 Kinder. Die Kinder weinten furchtbar, schrien und riefen nach ihren Müttern, schrien um Hilfe. Diese Kinder wurden in Rumbula ermordet. Die Kinder wurden nicht erschossen, sondern durch Schläge mit Maschinenpistolen und mit den Griffen der Pistolen auf den Kopf umgebracht in direkt in eine Grube geworfen. Als sie die Grube zuschaufelten, waren noch nicht alle tot, die Erde bewegte sich von den Körpern der vergrabenen Kinder.“


Über die Vernichtung der Kinder in der Stadt Riga und Umgebung

Es wurde ermittelt, daß in den Jahren 1941-43 im Rigaer Zentralgefängnis ständig nicht weniger als 2.000 Kinder festgehalten wurden, ein Teil dieser Kinder wurde zusammen mit Erwachsenen zur Erschießung nach Biķernieki verschleppt. Bis zum 21. Juli 1943 wurden aus den Rigaer Gefängnissen mehr 2.000 Kinder erschossen, davon wurden aus dem Rigaer Vollzugsgefängnis Anfang 1942 sofort 150 Kinder zur Erschießung gebracht.
Das ständige Kontingent der Kinder in Salaspils betrug im Verlaufe von 1943 bis 1944 mehr 1.000 Kinder. Dort verlief ihre systematische Vernichtung auf folgendem Weg:

  • Organisation einer Blutfabrik für den Bedarf der deutschen Armee, Blut wurde sowohl bei Erwachsenen, als auch bei gesunden Kindern, einschließlich Kleinkindern entnommen, bis sie ohnmächtig wurden, danach erkrankte Kinder wurden ins sogenannte Krankenhaus verbracht, wo sie starben;
  • Man gab den Kindern vergifteten Kaffee zu trinken;
  • An Masern erkrankte Kinder wurden gebadet, wovon sie starben;
  • Man machte den Kindern eine Injektion von kindlichem, weiblichem und sogar Pferdeurin. Bei vielen Kindern vereiterten die Augen;
  • Alle Kinder litten unter Durchfall, Dysenterie und und Dystrophie;
  • Die nackten Kinder wurden zur Winterzeit über den Schnee zu einer 500-800 Meter entfernten Sauna getrieben und bis zu 4 Tage nackt in den Baracken gehalten;
  • Verkrüppelte Kinder und Kinder mit Verstümmelungen wurden zur Erschießung gebracht.

Aus obengenannten Gründen betrug von 1943 bis Juni 1944 die durchschnittliche Sterblichkeit unter den Kindern 300-400 Kinder im Monat. Nach den vorläufigen Angaben wurden im Konzentrationslager Salaspils 1942 über 500 Kinder, und in den Jahren 1943-44 mehr 6.000 Menschen vernichtet.

Kurz vor ihrer Vertreibung aus Riga, luden die deutschen Faschisten am 4.-6. Oktober Säuglinge und Kleinkinder im Alter bis zu 4 Jahren aus dem Rigaer und dem Majorsker Kinderheim, Kinder von Eltern, die erschossenen worden waren, die aus den Folterkammern der Gestapo, aus Präfekturen und Gefängnissen und teilweise auch aus dem Lager Salaspils kamen, auf den Dampfer „Menden“ und vernichteten mit diesem Schiff auch 289 Kinder.

In den Kinderheimen wurden die Kinder mit Polizeimethoden erzogen und gehalten, und sie standen unter der Aufsicht des Kommandanten des KZ Salaspils, Krause, und eines weiteren Deutschen namens Schäfer, die zur „Inspektion“ in die Kinder-KZ und Kinderhäuser fuhren, wo Kinder aufbewahrt wurden.

Es wurde auch festgestellt, daß im Lager von Dubulti Kinder in den Karzer gesteckt wurden. Dazu rief die ehemalige Lagerkommandantin O.E. Benua die deutsche Polizei und SS zur Hilfe herbei.

Allein in der Umgebung von Riga haben die Deutschen durch Massenerschießungen etwa 10.000 Kinder vernichtet und deren Leichen verbrannt. Bei Massenerschießungen wurden insgesamt 17.765 Kinder ermordet. In Riga wurden die toten Kinder auf den Friedhöfen von Pokrowsk, Tornjakalnsk und Iwanowo, sowie im Wald beim KZ Salaspils verscharrt.

Vielen Dank für die Übermittlung des Textes an Boris Ichlow!
(Übersetzung: Florian Geißler – kommunisten-online)

[1] SD — gemeint ist der faschistische «Sicherheitsdienst» der Nazis, ein Geheimdienst der SS. Der SD wurde im Rahmen der Nürnberger Prozesse neben der SS und der Gestapo als verbrecherische Organisation verurteilt.
[2] In dem Gebäude in Riga, Reimers-Str.1 (Reimarsa iela 1) befand sich die Zentrale des SD, heute Generalstaatsanwaltschaft der Republik Litauen.
[3] In dem Gebäude in Riga (Aspazijas bulvāris 7) befand sich während der faschistischen Besatzungszeit das Polizeihauptquartier der Nazis.
[4] Gertrudes-Str. (Ģertrūdes iela
[5] Gebetshaus der altgläubigen Gemeinde in Riga (Rīgas Grebenščikova vecticībnieku draudze, Mazā Krasta 73, Rīga)
[6] Ehemaliges Kinderheim (heute: Ernesta Birznieka-Upīša iela 4)
[7] Frauenkloster der Dreifaltigkeitskathedrale in Riga (Krišjāņa Barona iela 126)
[8] Raina Boulevard 27 (Raiņa bulvāris 27) — hier befindet sich heute ein Medizinisches Zentrum.

russischer Text:

ФАШИЗМ В ЛАТВИИ

16.3.2005 в центре Риги столкнулись несколько сотен человек: около двухсот участников шествия, половину из которых представляли легионеры-ветераны, а половину — молодые последователи ультраправых группировок Латвии, и примерно такое же количество антифашистов (многие из них были одеты в полосатые робы, похожие на традиционную одежду заключенных гитлеровских концлагерей). Поскольку колонна гитлеровцев была «законной», а антифашистов — нет, рижские полицейские без долгих раздумий оттеснили людей в полосатых робах с дороги. В ходе завязавшейся потасовки 25-30 человек – по одним данным 30, по другим 25 — были задержаны силами правопорядка

В октябре 2014 г. латышская газета «Латвияс авизе» описала, как ежегодно каждое последнее воскресенье сентября неравнодушные жители и бывшие узники лагеря в Саласпилсе приходят на мемориал почтить память погибших и замученных там людей. Начинается статья с того, что поясняется, почему латыши не любят это место и не ходят туда на памятные мероприятия. У латышей «аллергия на это место», — поясняет мэр Саласпилса Раймондс Чударс. А не ходят они по причине того, что там, в основном, присутствуют русскоязычные со своими «неправильными» взглядами на историю Саласпилса.

Сегодня латышская официозная «правда» о Саласпилсе говорит о том, что это место не было таким уж страшным. Вот и в газетной статье читателю разъясняется, что лагерь «не был ни санаторием, ни лагерем смерти». «Условия содержания там были лучше, чем в Центральной тюрьме», хотя при этом есть свидетельские воспоминания, говорящие с точностью до наоборот1. Чтобы умалить вину нацистских преступников, которые тысячами сгоняли людей в этот лагерь, автор статьи говорит, что многие из прибывших, особенно дети, были уже больны и по этой причине умирали в лагере. Так что нацисты тут не при чем — заключенные сами в лагере умирали.

25.9.2015 в Саласпилсе прошла международная научная конференция «Саласпилсский лагерь, 1941-1944. История и память». Она была организована Саласпилсской краевой думой, Музеем оккупации Латвии и Музеем Даугавы.

Доктор истории, член комиссии историков при президенте Карлис Кангерис заявил, что Саласпилсский лагерь не был лагерем смерти. Мотивировал он это, впрочем, не тем, что нацисты называли его лагерем трудового воспитания, а тем, что здесь, по словам ученого, «не было систематического и массового уничтожения людей».

По гитлеровским документам центральный концлагерь имел обозначение «AEL Salaspils» (Саласпилсский трудовой и воспитательный лагерь) и относился к числу образцовых «фабрик» подавления и уничтожения личности. Немецкое название концлагеря Саласпилс — «Lager Kurtenhof». Официальное название — Саласпилсская расширенная полицейская тюрьма и лагерь трудового воспитания.

Как сообщал К. Кангерис, сами немцы не называли Саласпилсский лагерь концентрационным, так как подобным образом именовались лишь те лагеря, которые подчинялись административно-хозяйственному управлению SS, а Саласпилсский лагерь не находился в подчинении этого управления. По определению К. Кангериса, в Саласпилсе находился лагерь особого типа, расширенная полицейская тюрьма. Он также заявил, что утверждал, что советские данные о погибших не просто преувеличены, а преувеличены многократно. По его данным, погибло около тысячи евреев — строителей лагеря; пара тысяч заключенных, включая несколько сот детей, и некоторое количество советских военнопленных. Организаторы не дали выступить русским латвийским историкам, в том числе тем, которые имеют публикации о Саласпилсском лагере.

27.1.2016 в латвийском военном музее состоялась презентация книги Aiz šiem vārtiem vaid zeme. Salaspils nometne: 1941-1944 («За этими воротами стонет земля. Саласпилсский лагерь: 1941-1944»), написанную официальными историками Карлисом Кангерисом, Улдисом Нейбургсом и Рудите Виксне. Книга распространяется не только по школам, вузам и госучреждениям Латвии. Ее торжественно вручают гостям города Саласпилса и иностранным делегациям. И те благодарно принимают. Авторы которой утверждают, что Саласпилсский концлагерь — был всего лишь пересылочным. Улдис Нейбургс: «Мы категорически отрицаем, что там умерли 7 тысяч детей. Мы знаем о том, что там всего было 3 тысячи детей и категорически отрицаем, что у детей брали кровь для лечения раненых немцев».

Историки сообщают, что все ранее исследования о гибели в Саласпилсском лагере тысяч малолетних узников – «советская мифология», и что погибли в лагере «всего 2 тысячи человек», да и то по причинам, который «не могут быть связаны с ненадлежащим отношениям к заключённым». Портал «Латвийские вести» пишет, что по заявлениям историков Саласпилсский лагерь не был концентрационным лагерем и не был лагерем смерти, а был своего рода транзитной площадкой, которая обеспечивала «трафик населения из СССР на работы в Германию».

За три года существования Саласпилсского лагеря было выкачано более 3,5 тыс. литров детской крови. Нередко малолетние узники становились «полными донорами». Это означало то, что кровь у них брали до тех пор, пока они не умирали. Трупы уничтожали в печах крематориев или сбрасывали в утилизационные ямы.

***

Изложенная ниже информация собрана на основе материалов расследования Государственной Чрезвычайной комиссией злодеяний немецких фашистов. Наиболее обширные сведения по детским лагерям дает архивное дело под названием «Детские лагеря и захоронения» (LVVA P-132, ap. 30, l. 27.), но довольно много обрывочной информации разбросано по всему фонду Р-132, посвященному отчетам и справкам комиссии. Частично информация была почерпнута в деле, посвященному «Актам и протоколам судебной экспертизы» (LVVA P-132, ap. 30, l. 26.), немного информации о детских лагерях есть в деле, где собраны «Справки об уничтоженных в Саласпилсе» (LVVA P-132, ap. 30, l. 38.), часть данных можно найти в деле «О жертвах нацистов в ЛССР» (LVVA P-132, ap. 30, l. 5.). Вся изложенная информация – это показания очевидцев, свидетелей, участников событий как самих узников, так и из допросов обвиняемых надзирателей и полицейских.

Согласно данным Чрезвычайной комиссии по расследованию преступлений немецко-фашистских захватчиков, число истребленных детей на территории Латвии достигает цифры 35.000 человек. В материалах рижского суда 1946 года над военными преступниками называется количество уничтоженных детей в лагерях на территории Риги – 6.700, кроме того, к этой цифре следует прибавить еще более 8.000 погибших в гетто. Одно из самых больших захоронений детей на территории Латвии находится в Саласпилсе – 7.000 детей, другое – в лесу Дрейлини в Риге, где покоятся порядка 2.000 детей.

Детские лагеря

Детей содержали в отдельных бараках в концлагере Саласпилс, в камерах Рижской срочной тюрьмы, Рижской центральной тюрьмы, а также в других тюрьмах городов Латвии, детей содержали в отделении СД на ул.Реймерса 1, в префектуре на бульв. Аспазияс 7 и других местах.

Гитлеровское руководство педантично истребляло мирное население на всей оккупированной территории Советского Союза. Массы загубленных детей перед их мучительной гибелью варварскими способами использовались в качестве живого экспериментального материала для бесчеловечных опытов «арийской медицины». Немцы организовали фабрику детской крови для нужд немецкой армии, был сформирован невольничий рынок, где шла продажа детей в рабство местным собственникам.

По особой директиве начальника полиции обергруппенфюрера СС Ф.Эккельна, под предлогом борьбы с бандитизмом во временно оккупированных граничащих с ЛССР областей Белоруссии, Ленинградской, Калининской, а также Латгалии на протяжении 1942-44 гг. систематически угонялось местное население в специальные лагеря в городах Риге, Даугавпилсе, Резекне и других местах ЛССР. В концлагеря мирные жители, под названием «эвакуированные», сгонялись в нечеловеческих условиях. В лагерях немцы применяли специально разработанную и продуманную ими систему методического истребления десятков тысяч человек.

Рассказывает свидетель Бринкмане М.Г., содержавшаяся в концлагере Саласпилс: «В Саласпилсе… Перед комендатурой были поставлены столы, были вызваны все матери с детьми, и… коменданты… выстроились у стола. Из рук матерей они силой выхватывали детей. Воздух был наполнен… криками матерей и плачем детей».

Елена Грибун, узница лагеря Саласпилс: «Дети болели. Плачут, кричат. А если совсем уж дети заболели, кто их там лечил? Никто не лечил. Они же умирали каждый день. Утром вывозили. Некоторые, может быть, еще и шевелились там».

Массовую беспрерывную смертность детей вызывали эксперименты, для которых в роли лабораторных животных использовались малолетние узники Саласпилса. Немецкие врачи-убийцы больным детям делали инъекции разных жидкостей, вводили в прямую кишку мочу, заставляли принимать внутрь разные средства. После всех этих приемов дети неизменно погибали. Детей кормили отравленной кашей, от которой они умирали мучительной смертью. Руководил всеми этими опытами немецкий врач Майзнер.

Судебно-медицинская комиссия, обследовав территорию гарнизонного кладбища в Саласпилсе, установила, что часть кладбища площадью в 2.500 кв.м сплошь покрыта холмиками с промежутками 0,2 до 0,5 метров. При раскопке только одной пятой части этой территории в 54 могилах обнаружено 632 детских трупа в возрасте от 5 до 9 лет, в большинстве могил трупы расположены в два-три слоя. На расстоянии 150 м от кладбища по направлению к железной дороге комиссия обнаружила площадь размером 25х27 метров, грунт которой пропитан маслянистым веществом и пеплом и содержавший части несгоревших человеческих костей, в том числе множество костей детей 5-9 лет, зубы, суставные головки бедренных, плечевых, ребер и других костей.

На основании материалов расследования, свидетельских показаний, данных эксгумации, установлено, что за три года существования лагеря Саласпилс немцы загубили не менее 7.000 детей, частью сожженных, а частью захороненных на гарнизонном кладбище.

Рассказывают свидетели Лаугулайтис, Эльтерман, Виба и др.: «Отобранных детей в возрасте до 5 лет поместили в отдельный барак, там они заболевали корью и массами умирали. Больных детей уносили в больницу лагеря, где их купали в холодной воде, от чего они через день-два умирали. Таким путем в Саласпилсском лагере немцами было умерщвлено детей в возрасте до 5 лет более 3.000 в течение одного года».

Из материалов на обвиняемого Ф.Эккельна, свидетель Салеюма Эмилия, 1886 г.р.: «Находясь в заключении в Саласпилсском лагере с 21 августа 1944 года, я видела, что в отдельном бараке №10Б находилось более 100 советских детей в возрасте до 10 лет. В начале сентября 1944 года всех этих детей немцы вывезли и расстреляли. … В январе 1942 года я лично видела, как немецкие фашисты на станции Шкиротава из пригнанных эшелонов детей погружали в зеленые герметически закрытые автомашины по 30-40 человек сразу. Крепко запирали двери автомашин, затем детей увозили. Через 30 минут машины возвращались обратно. Мне известно, что в таких машинах немцы истребляли детей газами. Сколько было истреблено детей газами, сказать не могу, но очень много».

По показаниям свидетелей, бывших заключенных Саласпилсского концлагеря, только в течение с конца 1942 года и до весны 1944 года через этот лагерь прошло более 12.000 детей.
Непосредственными истребителями детей в концлагере Саласпилс были коменданты Никель и Краузе, их помощники Хеппер, Бергер, Теккемейер.

Наталья Пудякова: «Знала женщину, которая в ВОВ с бойцами освобождала лагерь „Саласпилс“. У коменданта Краузе была овчарка, он устраивал себе забаву. По дороге пускали женщину раздетую, собака нападала на неё и выгрызала грудь. Там есть памятник, женщина стоит на этой „дороге смерти“ на коленях и прикрывает грудь».

Тюрьмы

В гестапо и тюрьмах также происходило уничтожение детей. Грязные и вонючие камеры тюрем никогда не проветривались, не отапливались даже в самые жестокие морозы. На грязных холодных полах, кишевшими от разных насекомых, несчастные матери были вынуждены смотреть на постепенное угасание своих детей. 100 граммов хлеба и пол-литра воды – вот и весь их скудный рацион на день. Медицинская помощь не оказывалась.

При кровавых расправах с заключенными в тюрьмах, где немцы расстреливали до нескольких сотен человек, исключений для детей не делали. Они гибли наравне со взрослыми. Иногда детей «забывали» расстреливать и они продолжали влачить свое жалкое существование в одиночестве до следующего расстрела.

Адвокат Мункевич К.Г., содержавшийся в Центральной тюрьме больше года, сообщил комиссии: «С 1-го июля 1941 года Центральная тюрьма стала наполняться заключенными вместе с их малолетними детьми. Дети содержались вместе со взрослыми в одинаковых условиях режима и питания. Дети разделяли участь родителей и умирали той же смертью, как и родители. Многих женщин помещали в тюрьмы беременными. Многие беременные женщины были расстреляны, многие рожали тут же, в тюрьме, и затем увозились в лес и расстреливались вместе с малютками. Если представить период от 1941 до 1943 гг., пока я содержался в тюрьме, оттуда было увезено и расстреляно или иначе умерщвлено около 3.000-3.500 детей. Конечно, это число приблизительно, но думаю, что ниже действительного количества».

По данным расследования комиссия установила, что в Рижских тюрьмах и гестаповских застенках немцы убили порядка 3.500 детей. Точно так же немцы совершали злодеяния над детьми и в других городах Латвии. Например, в Даугавпилсе истреблено 2.000 детей, в Резекне – 1.200. Таким образом в тюрьмах и гестапо за период немецкой оккупации немцами было уничтожено в Риге 6.700 детей. Организаторами истребления детей в тюрьмах была немецкая администрация в лице Биркхан, Вия, Мательс, Эгель, Таборд, Альберт.

Детские лагеря в Риге

В Риге были созданы специальные распределительные пункты по продаже детей, предлагавшие живой товар в возрасте от 5 до 12 лет. Вот некоторые из адресов этих пунктов: во дворе «Народной помощи» по ул.Гертрудес 5, в Гребенщиковской общине по ул.Краста 73, в детском доме по ул.Юмарас 4 (ул.Бирзниека-Упиша) и во многих других. Детей, которых нельзя было использовать на работах, в возрасте от одного года до пяти свозили в женский монастырь по адресу ул.Кр.Барона 126. Детские лагеря располагались также в Дубулты, Саулкрасты, Игате, Стренчи.

В апреле 1943 года к женскому монастырю в Риге по ул. Кр. Барона 126 подходят крытые военные немецкие автомашины. Их сопровождают немецкие солдаты под командой офицера. Перед глазами очевидцев такая картина: из закрытых кузовов не раздается ни звука, не слышны детские голоса. Когда откидывается брезент, показываются десятки замученных, больных и изнуренных детей. Они скорчились и дрожат от холода. Лохмотья еле прикрывают их тела, покрытые нарывами, лишаями и коростой. Дети босы, без шапок. Из-под грязных тряпок на груди виднеются картонки, привешенные на веревке. На табличках имеются надписи: фамилия, имя, возраст. Ряд бирок содержит одно слово: «Унбеканнтер» (неизвестный). Дети жмутся друг к другу и молчат. Детский барак в лагере, вечный страх и угрозы, пытки и террор отучили говорить. Машина следует за машиной. 579 детей в возрасте от года до пяти лет фашисты доставили в монастырь. Транспорт ведет немецкий офицер из СД Шиффер.

Свидетель Сколдинова Л.П. показывает: «Когда я увидела первую машину, кузов которой был полон детьми от года до пяти лет, неподвижно сидевших, скорчившись от холода, т.к. одеты они были в какие-то лохмотья, мороз у меня пошел по коже. На глазах у всех, даже у мужчин были слезы».

Подчиненный фашистским властям Социальный департамент, возглавляемый директором Силисом и немецкая организация «Народная помощь», действующая по указанию командующего немецкой полицией СД Латвии Штраухом, распределяли детей из сборных пунктов по сельским хозяйствам в качестве батраков. Весной 1943 г. в газетах появляются объявления о раздаче рабочей силы.
Газета «Tēvija» от 10.3.1943, стр.3: «Раздаются пастухи и подсобные рабочие. Большое количество подростков из пограничных областей России хотели бы охотно быть пастухами и подсобными рабочими в деревне. Распределением этих подростков занялась „Народная помощь“. Сельские хозяйства могут подавать свои прошения о пастухах и подсобных рабочих по адресу бульв. Райня 27».

Комендант Саласпилса Краузе, объезжая хозяйства, где работают дети, проверял состояние невольников. После таких поездок, приезжая в лагерь, он объявлял всем, что дети живут хорошо.

Расследованием установлено, что за, приблизительно, год существования Дубултского детского лагеря, из общего числа прошедших через него 450 детей-малюток в рабство были проданы не менее 300 детей. Аналогичные обстоятельства установлены в детских лагерях в Саулкрасты, Стренчи, Игате и в рижском детском доме по ул.Юмарас 4.

Гетто

В страшной скученности рижского гетто, в котором изощренным издевательствам над человеческой личностью подвергались 35 000 человек, томились около 8.000 детей в возрасте до 12 лет. Все они были уничтожены немецким фашистами и их местными пособниками при массовой бойне за период между 29 ноября и 9.12.1941.

Когда колонны обреченных на смерть под конвоем полицаев и эсэсовцев гнались на убой в румбульский лес, тут же на улицах города палачи развлекались тем, что специальными палками вылавливали из колонны смертников матерей с детьми, вытаскивали их на край и тут же убивали в упор.
Двухэтажное здание больницы гетто в тот период было переполнено больными детьми. Немцы выбрасывали больных детей через окна, целясь попасть в стоявшие у больницы грузовики.

Доктор Пресс сообщил комиссии: «У ворот гетто, где жила охрана, полицейские бросали ребенка в воздух и в присутствии матери забавлялись тем, что подхватывали этого ребенка на штыки».

Свидетель Салиюмс К.К. комиссии показал: «На расстрел гоняли женщин с детьми, детей было очень много. У иных матерей было два-три ребенка. Много детей шло в колоннах под усиленной охраной немецкой полиции. Примерно к концу декабря 1941 г., утром около 8 час., немцы гнали на истребление три большие партии детей школьного возраста. В каждой партии было не менее 200 человек. Дети страшно плакали, кричали и звали матерей, вопили о помощи. Все эти дети были истреблены в Румбуле. Детей не стреляли, а убивали ударами автоматов и рукоятками пистолетов по голове и сваливали прямо в яму. Когда закапывали могилу, то еще не все были мертвы и земля колыхалась от тел закопанных детей».


СПРАВКА По истреблению детей в городе Рига и окрестностях

Установлено, что в Рижской центральной тюрьме постоянно содержалось не менее 2.000 детей в 1941-1943гг., часть из которых вместе со взрослыми вывозилась на расстрелы в Бикерниеки. Только по 21.07.1943г. было расстреляно из рижских тюрем более 2.000 детей, в том числе из Рижской срочной тюрьмы только в начале 1942 г. было вывезено сразу на расстрел 150 детей.

Постоянный контингент детей в Саласпилсе был в течение 1943 и по 1944 год более 1.000 человек. Там шло систематическое их истребление путем:

А) организации фабрики крови для нужд немецкой армии, кровь брали как у взрослых, так и детей здоровых в том числе малюток, до тех пор пока те не падали в обморок, после этого заболевших детей относили в так называемую больницу, где они умирали;

Б) поили детей отравленным кофе;

В) больных корью детей купали, от чего они умирали;

Г) делали детям впрыскивание детской, женской и даже конской мочи. У многих детей гноились и вытекали глаза;

Д) все дети страдали поносами дизентерийного характера и дистрофией;

Е) голых детей в зимнее время гоняли в баню по снегу на расстоянии 500-800 метров и держали в бараках голыми по 4 дня;

З) детей калек и получивших увечья вывозили на расстрел.

Смертность среди детей от вышеуказанных причин в среднем составляла 300-400 человек в месяц в течение 1943/44гг. по июнь месяц. По предварительным данным в Саласпилсском концлагере было истреблено детей в 1942г. свыше 500, в 1943/44гг. более 6.000 человек.

Накануне изгнания из Риги немецких фашистов, они 4-6 октября грузили на пароход «Менден» грудных детей и детей малюток в возрасте до 4 лет с Рижского детского дома и Майорского детдома, где содержались дети расстрелянных родителей, поступившие из застенков гестапо, префектур, тюрем и частично из Саласпилсского лагеря и истребили на том корабле 289 детей малюток.

В детских домах методы воспитания и содержания детей были полицейские и под надзором коменданта Саласпилсского концлагеря Краузе и еще одного немца Шефера, которые выезжали в детские лагеря и дома, где содержались дети для «инспектирования».

Также установлено, что в Дубултском лагере детей сажали в карцер. Для этого бывшая заведующая лагерем Бенуа прибегала к содействию немецкой полиции СС. Путем массовых расстрелов только в окрестностях Риги немцы уничтожили около 10 000 детей, трупы которых были сожжены. При массовых расстрелах уничтожено 17 765 детей. В Риге хоронили погибших детей на Покровском, Торнякалнском и Ивановском кладбищах, а также в лесу у лагеря Саласпилс.

* * *

В середине нулевых в исполкоме троцкистского Международного союза трудящихся CI UIT (центр – Аргентина), в тот же период и распавшегося на 3 организации, числился Даниэль Калищук, клички – Стефан Страпко и Поляк, как выяснилось чуть позже – агент ЦРУ. Его большой друг, Лисандро Платцер, работавший в то время топ-менеджером гостиницы «Орленок» в Москве, утверждал, что эсэсовские марши в странах Прибалтики – это нормально, «для вас они захватчики, а для местного населения – освободители».

Вот так.

Использованы материалы Влада Богова.

5.5.2018, Пермь

См. тоже:
Концлагерь Куртенгоф (Саласпилс, Латвия)
Правда о детском концлагере Саласпилс
Нацизм наступает: Сейм Латвии запретил советскую форму и символику

(Unter dem Motto der lügnerischen Totalitarismus-Doktrin verbot der Sejm Lettlands nun die sowjetischen Uniformen und die sowjetische Symbolik)

 

Dieser Beitrag wurde unter Faschismus, Geschichte der UdSSR, Kapitalistische Wirklichkeit, Verbrechen des Kapitalismus veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

12 Antworten zu DER FASCHISMUS IN LETTLAND

  1. Es erstaunt immer wieder die Fähigkeit des Menschen selbst die schrecklichsten Schrecklichkeiten zu verdrängen, zu beschönigen oder zu leugnen.

    • sascha313 schreibt:

      Wenn man die Bilder von Lettland oder aus der Ukraine so sieht, möchte man bald nicht glauben, daß diese Nazis später in der Sowjetunion frei herumlaufen durften… Sogar ein Pfarrer marschiert heute in Riga bei den Nazis vorneweg!

  2. Ulrich Schliz schreibt:

    Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Es ist so weit über das Vorstellbare hinaus. Während ich das schreibe, kann ich die Tränen nicht verhindern. Nach der Niederschlagung des Faschismus haben die Kommunisten versucht menschlich, zivilisiert unf politisch korrekt zu sein. Das heisst sie wollten die Abwicklung dieser Verbrechen legal sauber abhalten – wie es halt normaler Weise sein soll. Das war sicher gute Absicht. Recht vor Rache.

    Nehmt es mir nicht übel, aber manchmal denke ich, ob es im Westen nicht richtiger gewesen wäre, diese Schweine, für die das Wort „Verbrecher“ schon längst zu mickrig ist, selbst hinzurichten und nicht auf die bürgerliche Justiz zu warten , die ja unendlich Vielen dieser Bestien Persilscheinfreiheit gewährt hat, auch mit hohen Posten, wie ehedem, Rente und allem drum und dran. Die Genossen mögen es mir verzeihen – aber ich lebe in einem Dritt-Welt Land und war hier auch in einem Krieg. Da geht es ein wenig ruppiger zu. Meine Erfahrung ist die, dass ab einem gewissen menschlichen Verrohungs- Verrottungsniveau Gesetze, Argumente, Dikussionen, Erziehung, Ethik und Legalitat entweder zwecklos sind oder der Preis der bis bis zu einem Ergebnis weiter anfallenden Opfer einfach zu hoch ist. Ab einem gewissen Niveau von Verrottung und Verrohung ist es lediglich die konsequente revolutionare – und jawohl – gnadenlose Strafgewalt, die noch irgenwie einen Eindruck macht und die respektiert wird. Wer mir widersprechen will ist willkommen.

    • sascha313 schreibt:

      Ja, Ulrich … schon beim Übersetzen kommen einem die Tränen. Und ich weiß, daß die Jugendlichen, die in der Sowjetunion (oder auch noch heute in Rußland) den Erzählungen Überlebender zuhören, zutiefst erschüttert sind … so wie auch wir es waren, als wir in Buchenwald von Walter Barthel durch die Gedenkstätte geführt wurden und den Film gesehen hatten (der heute nicht mehr gezeigt wird!) – ich sah auch Jungs oft weinen…

      Da ist bei uns immer wieder der Glaube an das Gute im Menschen, das bei diesen Mördern nicht mehr vorhanden ist. Jeckeln wurde Anfang 1946 in der UdSSR öffentlich aufgehängt. Der Mörder von Oradour, der in der DDR zu „lebenslang“ verurteilt worden war, beantragte nach 1990 Haftentschädigung.

    • an Ulrich,
      Ich kann dir nicht widersprechen.
      Recht vor Rache. (?)
      Da muß ich zugeben, daß ich eine andere Auffassung habe: Weder Recht noch Rache!
      Das Recht (lateinisch: jus) ist eine idealistische Philosophie.

      Marx schrieb 1844 in seiner Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie: „Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben, oder schon wieder verloren hat. […] Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie (die Religion) ist das Opium des Volks.“

      Das Fundament der nicht-philosophischen Kritik der Philosophie Recht ist: Der Mensch macht das Recht, das Recht macht nicht den Menschen. Und zwar ist das Recht das lächerliche Selbstbewusstsein und das Selbstgefühl des Menschen, der einem von Menschen gemachten Idealismus folgt und das Primat der Materie kategorisch ablehnt.

      Er leugnet die Eigenschaft der Materie, nämlich die Eigenschaft, dass die Materie objektive Realität ist; dass sie objektiv-real ist und außerhalb und unabhängig vom Bewußtsein existiert. Er stellt die Dinge auf den Kopf und phantasiert, daß das Bewußtsein außerhalb und unabhängig von der Materie existieren würde. Und damit stellt er sich dann auch die Philosophien – wie etwa das Recht – und die Religionen als unabhängig und außerhalb der Materie real-existierend vor, obwohl diese bloß subjektiv-real in seinem Bewußtsein existieren., da Religion und Philosophie vom Bewußtsein hervorgebracht werden und von ihm abhängig sind.
      „Die materielle Realität existiert selbstständig und ist unabhängig von der ideellen Realität, die nicht selbstständig, sondern von der materiellen Realität ist.“

      Deshalb: Weder Recht noch Rache! denn diese existieren nur subjektiv-real und werden vom Bewußtsein hervorgebracht und existieren nicht ohne Bewußtsein.

      • sascha313 schreibt:

        …aber was dann? Wenn damit das bürgerliche Recht gemeint sein soll – klar. Aber das Recht im Sozialismus hat andere Wurzeln. Auf einen Kommentar eines Lesers hin, der schrieb:

        „Wie sagte doch (sinngemäß) LENIN in „Staat & Revolution“ so drastisch schön: ,Erst müssen wir einen neuen Typus Mensch entwickeln, bevor wir einen erfolgreichen Weg zum Kommunismus beschreiten können.‘ Nur leider ist bis heute daraus nicht wirklich etwas geworden.“

        (abgesehen davon, daß Lenin das nicht gesagt hat) fand ich im Gegenteil dort das folgende Zitat:

        „Wir sind keine Utopisten. Wir ,träumen‘ nicht davon, wie man unvermittelt ohne jede Verwaltung, ohne jede Unterordnung auskommen könnte, diese anarchistischen Träumereien, die auf einem Verkennen der Aufgaben der Diktatur des Proletariats beruhen, sind dem Marxismus wesensfremd, sie dienen in Wirklichkeit nur dazu, die sozialistische Revolution auf die Zeit zu verschieben, da die Menschen anders geworden sein werden. Nein, wir wollen die sozialistische Revolution mit den Menschen, wie sie gegenwärtig sind, den Menschen, die ohne Unterordnung, ohne Kontrolle, ohne ,Aufseher und Buchhalter‘ nicht auskommen werden.“ („Staat und Revolution“ in: LW, Bd.25, S.438) – Hervorheb. von mir.

        Siehe auch hier: Die sozialistische Rechtsordnung
        und hier: Altersarmut in der BRD – ein Merkmal kapitalistischer Menschenverachtung

      • Ulrich Schliz schreibt:

        Ok! Aber was heisst das nun im konkreten Fall. Was sagst du zu dem, was die Schlussfolgerungen aus meinen konkreten Erfahrungen sind. Ich bin – was den Marxismus anbelangt – nur ein begrenzt belesener Mensch. Ich habe mir erlaubt eine eigene Maxime su formen. Ich sage: Es is nicht nur eine Frage, ob man das Recht zu töten hat. Es kann durchaus eine Frage sein, ob man das Recht hat leben zu lassen. Das ist mal meine erwähnte Erfahrung auf den Punkt gebracht. Ich rede hier nicht nur von Recht oder Rache schlechthin – ich rede von Verantwortung. Das ist der entscheidende Punkt für mich. Im Extremfall kann das schwere Gewissenskoflikte bedeuten, die keine eindeutige Lösung haben.

      • sascha313 schreibt:

        Es muß immer in aller Öffentlichkeit geschehen, was dann auf der Basis des sozialistischen Rechts ge- oder verurteilt wird. Wer der menschlichen Gemeinschaft bewußt und vorsätzlich einen solchen hohen, nicht wiedergutzumachenden Schaden zufügt, der hat sein Recht auf Leben verwirkt. Zurecht wurden die Nazi- und Kriegsverbrecher 1946 zum Tode verurteilt.

      • „Ok! Aber was heisst das nun im konkreten Fall. Was sagst du zu dem, was die Schlussfolgerungen aus meinen konkreten Erfahrungen sind.“

        „Niemand steht über dem Gesetz“, ist so eine Redewendung, mit der gemeint ist, daß niemand über dem Recht steht und damit ist ganz „automatisch“ verbunden, dass ich mich einem Abstraktum, einer Idee, einer Philosophie oder Religion zu unterwerfen habe. Und dies bedeutet für mich in letzter Konsequenz, daß ich das subjektiv-reale „objektiviere“; quasi aus einer Idee ein Ding und aus einem Ding eine Gottheit bastel.

        Die Frage, was es im konkreten Fall heißt, kann so nicht beantwortet werden, weil alle Fälle gleich sein können und trotz der Gleichheit zweier Fälle unterschiedliche Entscheidungen getroffen werden (können und dürfen).
        Beispiel: Ein Mensch hat am Ort A einen Menschen getötet; ein anderer Mensch hat an Ort B einen Menschen getötet. An Ort A kann es richtig sein, einen solchen Menschen hinzurichten, während es an Ort B falsch sein könnte, ihn am Leben zu lassen.

        Um es mal ganz krass zu formulieren: Es kann falsch sein, einen Hitler durch ein Attentat zu töten und falsch sein, einen Obama leben zu lassen; ebenso kann es richtig sein, einen Hitler leben zu lassen und einen Obama zu töten.
        Und um es auf die Spitze zu treiben: Für mich ist es richtig, die meisten Abgeordneten des BRD-Parlamentes und der Länder-Parlamente, die BRD-Regierung und die Länder-Regierung, die meisten Richter, Staatsanwälte und leitende Verwaltungsbeamte der Legislative, Judikative und Exekutive, im Militär und den Polizeien und die führenden Köpfe von Unternehmen, Banken und Versicherungen auszuschalten.

  3. Eleonore Kraus schreibt:

    „Aber das Recht im Sozialismus hat ANDERE WURZELN“
    So ist das !

  4. Johann Weber schreibt:

    Ohne Kommentierung ein Auszug aus einem Artikel der Ost-CDU-Zeitung „Neue Zeit“ vom 14. Juni 1969.

    Um den unteilbaren Frieden
     Von OTTO HARTMUT FUCHS, Mitglied des Vorbereitungskomitees
    Wer an diesem Pfingstmorgen von Riga zur Gedenkstätte Salaspils hinausgefahren war, um die lettischen Widerstandskämpfer gegen den Faschismus zu ehren, wird das dort Erlebte wohl kaum vergessen. Vor unseren Augen bleibt das Bild: die breite Autostraße, linksab dann der schmale Weg durch den Birkenwald, roter Schotter unter den Sohlen, schließlich die riesige, wie aus dem Boden gestampfte steinerne Barriere scheinbar jedes Durchkommen, jede Aussicht verwehrend….

    Doch wir kamen hindurch, gebückt und bedrückt vom Gedenken an jene Zehntausende, die damals nicht mehr durchgekommen waren. Und dann weitete sich plötzlich der Blick auf ein beinahe unübersehbares Feld, dessen Ende am grünblauen Horizont verschwamm. Inmitten, wie zum Himmel gereckte Fäuste, einige wenige Plastiken von monumentaler Größe, von echter Monumentalität: die Mutter, der Ungebeugte, Solidarität…..

    Ich habe so manche Gedenkstätten gesehen. Doch Salaspils bleibt unerreicht. Das macht den Atem stocken, die Mundhöhle trocken. Zum Optischen kam das Akustische: ein vielstimmiger Chor, bald Flüstern der Birken, bald Brausen des Meeres, erst Klage der Nacht, dann Fanfare des Sieges. Und unablässig — bald leise, bald laut — das Stakkato des Chronometers. Es begleitete uns, als wir die Kränze niederlegten und als wir beim Rundgang an einem Stein verharrten, auf dem wir lasen: „Hier wurden Menschen ermordet, weil sie Menschen waren und ihre Heimat liebten.

    Damit sich solches nie und nimmer wiederhole, waren sie zu den pfingstlichen Friedenstagen der Ostseeländer nach Riga gekommen: die Friedensdelegationen aus den baltischen Sowjetrepubliken, aus Polen, Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark und den beiden deutschen Staaten. Ueber alle Unterschiede hinweg einte die im Saal der lettischen Philharmonie versammelten Hunderte das Anliegen: „Für Frieden an der Ostsee — für Sicherheit in Europa!“

    Seite an Seite saßen alt und jung, erfahrene Parlamentarier und Vertreter der Gewerkschaften, Kulturschaffende, Frauen und Jugendsprecher. Christen (unter ihnen Bischöfe aus mehreren Ostseeländern), Marxisten und Menschen anderer humanistischer Ueberzeugung, um gemeinsam die Zeichen der Zeit zu deuten, um ohne Zögern Taten des Friedens zu tun. Die Delegation aus unserer Republik gab dem folgendermaßen Ausdruck. Die Ostsee muß ein Meer des Friedens werden!“

  5. Johann Weber schreibt:

    Nachtrag:
    Um die Geschehnisse der heutigen Zeit zu verstehen, hilft ein Artikel aus der österreichischen Zeitung „Der Neue Mahnruf“ Heft Nr. 12 von 1965:

    Bonn liefert litauische Kriegsverbrecher nicht aus
    Vor dem Obersten Gericht der Litauischen SSR wurde eine öffentliche Verhandlung gegen 6 ehemalige lettische Kollaborateure deutscher SS-Einheiten durchgeführt. Den Angeklagten wurde vorgeworfen, für den Tod von 15.000 Menschen verantwortlich zu sein. Im Distrikt Rezek haben sie zwischen 1941 und 1943 an Massenexekutionen, vor allem an Juden und Kriegsgefangenen, teilgenommen. Bei den Angeklagten handelt es sich um die Kriegsverbrecher B. Maikovskis, H. Puntulis, J. Basankowitsch, J. Krasowskis, P. Beitschuks und Albert Eichelis.

    Drei von den Verbrechern saßen in Riga auf der Anklagebank. Die restlichen drei, nämlich Puntulis, Maikovskis und Eichelis, befinden sich in Freiheit. Puntalis in Kanada, Ontario, Vilovdeila, Alfred St. 98; Maikovskis in New York, Mineol Grant Str. 23, Telephon 62-7-53, und Eichelis in der Bundesrepublik Deutschland, Neureut bei Karlsruhe, Klammweg, Am Wald 5, auch er besitzt Telephon: 24-5-17.[..]

    In der Note der Sowjetunion vom 9. Juni 1965 wurden alle Verbrechen genau aufgezählt und jedem einzelnen vorgehalten. Darüber hinaus kann weiter mitgeteilt werden, daß durch das Amtsgericht Ludwigsburg beziehungsweise der Staatsanwaltschaft Stuttgart Dokumentationssendungen an Privatpersonen aus Riga widerrechtlich beschlagnahmt und dem Eigentümer (Centre du dokumentation Baltic) nicht ausgefolgt wurden. Darunter eine Buchsendung mit dem Titel „KZ-Todeslager Salaspils“ und zwei Filmstreifen mit etwa 600 Metern Dokumentations-Bildmaterial.

    So einfach erledigt die Staatsanwaltschaft ihre Suche nach Dokumenten und Zeugen. Anstatt daß sie Ermittlungsbeamten selbst nach Riga entsendet, versucht sie, mit Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmen beim „Centre du dokumentation Baltic des combattants aux resistance et les victimes du fascisme“ nach „dem Rechten“ zu sehen. Ein bezeichnendes Bild für die Ernsthaftigkeit der Aufklärung der Vergangenheit.“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s