Die Heldin der Sowjetunion Jewgenija Shigulenko. Kampfpilotin im Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion (1941-1945)

Shigulenko_1Jewgenija Andrejewna Shigulenko, Heldin der Sowjetunion, Garde-Leutnant und der Kommandeur des 46. weiblichen Garde-Nacht-Bombenflieger-Regiments der 325. Nachtbombenfliegerdivision.

Jewgenija Shigulenko wurde am 1. Dezember des 1920 Jahres in Krasnodar geboren. Vor dem Krieg studierte Jewgenija Andrejewna in Luftschiffbau-Institut (heute: Moskauer Flugtechnologisches Institut) und beendete die Flieger-Schule beim Moskauer Fliegerklub. Zur Roten Armee kam sie im Oktober 1941. Ein Jahr später schloß sie das Pilotenstudium an Schule für Militärluftfahrt ab und absolvierte Weiterbildungslehrgänge für Flieger in der Stadt Engels, die sich unweit von Saratow befindet. Von Mai 1942 bis Mai 1945 kämpfte sie an den Fronten des Großen Vaterländischen Krieges.

Aus den Erinnerungen einer Kampfgefährtin

Ich war mit Jewgenija Andrejewna persönlich bekannt und verkehrte mit ihr in den Jahren 1983 und 1984. Sie nannte sich „Attacke-Fliegerin“. Beachten Sie, daß es auf dieser Fotografie keinen goldenen Stern des Helden der Sowjetunion gibt. Als ich sie fragte, wie sie Heldin der Sowjetunion geworden war, antwortete Jewgenija Andrejewna:

„Als das Regiment an die Front kam, teilte mich die Regimentskommandeurin Jewdokija Berschanskaja nicht bei den Kampfeinsätzen als Fliegerin, nicht als Pilotin ein, sondern gab mir den Befehl, die Flieger zu trainieren. Als meine Kampfeinsätze als Pilotin begannen, stand ich beim Antreten als erste in der Linie, der Größe nach als erste, und so kam ich als erste dazu, zum Flugzeug zu laufen und zum Kampfeinsatz abzufliegen. Da konnte ich in der Nacht, einen Start mehr machen, als andere Pilotinnen. So wurde ich eben dank meiner langen Beinen Held der Sowjetunion“…

Zitat aus dem Buch von Irina Wjatscheslawowna Rakobolski und Natalja Fedorowna Krawzowa „Wir wurden die Nachthexen genannt“:

Bei uns war die ganze Besatzung des Regiments weiblich. Die Pilotinnen hatten schon Berufserfahrung, die Ingenieure, die älteren Techniker und die Mehrzahl der Mechaniker auch, und die Ko-Pilotinnen und Bordschützinnen waren neuausgebildete Mädchen, die einem Aufruf des kommunistischen Jugendverbandes (Komsomol) gefolgt waren. Es wurden zwei Flugstaffeln (FS) geschaffen. Das Regiment bestand insgesamt aus 115 Personen.

Unser Lehrflugzeug war ursprünglich nicht für Kampfflüge bestimmt. Der hölzerne Doppeldecker hatte zwei offene, hintereinanderliegende Kabinen und war mit einer doppelten Steuerung versehen — für den Flieger und den Ko-Kiloten. (Vor dem Krieg wurden die Piloten an der Schule auf diesem Flugzeug ausgebildet). Ohne Funkverbindung und ohne Panzerung, die die Besatzung vor Geschossen schützte, und mit einem schwachen Motor, der eine Höchstgeschwindigkeit den 120 km/Stunde entwickeln konnte. An Bord des Flugzeuges gab es keine Bombenfach, die Bomben waren direkt am Boden unter dem Flugzeug an einem Bombenhalter befestigt. Es gab kein Visier, wir haben es uns selbst hergestellt und nannten es einfach Rübenhalter. Die Anzahl der Bomben pro Ladung änderte sich von 100 auf bis zu 300 kg. Im Durchschnitt nahmen wir 150-200 kg mit. Nachts mußten wir mit dem Flugzeug mehrere Starts machen, und die summarische Bombenlast war mit der Belastung eines großen Bombers vergleichbar.

PO-2In den ersten Tagen des Großen Vaterländischen Krieges hat die Po-2 den Armeen einen riesigen Nutzen gebracht. Damit transportierten wir die Verwundeten, sie diente für die Verbindung zu den Partisanen im Hinterland des Gegners, für die Aufklärung. Stabil im Flug, leicht in der Handhabung, brauchte unsere Po-2 keine speziellen Flugplätze und konnte auch auf Landstraßen oder am Waldrand aufsetzen.

Besonders erfolgreich erwies sich der nächtliche Abwurf von Bomben mit diesem kleinen Flugzeug hinter der Hauptkampflinie des Gegners. Natürlich war es unmöglich, am Tag damit zu fliegen — es stellte eine ausgezeichnete Zielscheibe dar, und in der Nacht ließ die geringe Geschwindigkeit zu, die Ziele im nahen Hinterland des Gegners mit einer Genauigkeit zu treffen, die für andere Flugzeuge jener Zeit unzugänglich war. Bei Anbruch der Dunkelheit und bis zur Morgendämmerung hingen die Po-2 ununterbrochen über dem Ziel, einander methodisch ersetzend und alle 2-3 Minuten eine Bombe auf den Feind abwerfend. Deshalb nahmen während des Krieges an allen Fronten immer einige Regimenter auf Po-2-Flugzeugen teil.

Jedoch — und es gibt immer ein „jedoch“ — nachts ohne Bordfunk, ohne Schutz und Deckung, bei voller Tarnung am Boden mußte man genau auf das Ziel zu fliegen und es treffen; und ohne Landescheinwerfer den Flugplatz finden, wo der Aufsetzstreifen meistens mit Laternen markiert war, die nur nach einer Seite geöffnet waren. Die Flieger sagten: „man muß sich nach der Papierossa des Regimentskommandeurs richten“….

Ракобольская И., Кравцова Н. «Нас называли ночными ведьмами». Так воевал женский 46-й гвардейский полк ночных бомбардировщиков. 2-е издание, дополненное. — М.: Изд-во МГУ, 2005. — 336 с. Тираж 2000 экз. ISBN 5–211–05008–8.

Jewgenija Andrejewna war Mitglied im sowjetischen Frauenausschuß. Sie erhielt 20 staatliche Auszeichnungen, darunter acht Orden. Jewgenija Andrejewna Shigulenko starb am 2. März 1994 und wurde in Moskau auf dem Trojekurow-Friedhof beerdigt.

Quelle: https://светстаниц.рф/khau2/ (Übersetzung: Florian Geißler)

Yevgeniya Zhigulenko | Евгения Жигуленко, 1944

Leutnant J.A. Shigulenko (1920-1994) – Foto: colour by Klimbim

Zhigulenko was born on 1 December 1920 in Krasnodar to a working family. After graduating from secondary school in Tikhoretsk in 1939 she studied at the Moscow Aviation Technology Institute and then graduated from flight school a Moscow Aeroclub. She became a member of the Communist Party of the Soviet Union in 1942. In October 1941 she joined the Soviet military and participated in battles on the Eastern Front starting in May 1942 after graduating from her military navigation courses. She initially served as a navigator but went on to become a pilot, after which she was promoted to the position of promoted flight commander. Her regiment was officially designated the 588th Night Bomber Regiment until it was renamed in 1943 to the 46th Taman Guards Night Bomber Aviation Regiment. During the war she participated in bombing campaigns on the Southern, Caucasian, and Belorussian fronts as well as in Berlin, Crimea, Kerch, Kolberg, Kuban, Mlavsko-Elbing, Mogiljov, and Osowiec. In addition to bombing enemy targets she flew missions to resupply the Red Army. By November 1944 she had dropped 89 tons of bombs on targets, destroyed three crossing points, a searchlight, three artillery batteries, and started 177 fires. Upon the end of the war she flew 968 missions, during which she had encountered many close-calls with death. For completing her first 773 sorties she was awarded the title Hero of the Soviet Union on 23 February 1945.

Quelle: Zhigulenko – wikipedia (engl.)


Held der Sowjetunion

MGoldStarDie Tapferkeit und der Heldenmut der Komsomolzen und der ganzen sowjetischen Jugend in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges haben die unumschränkte Anerkennung des Volkes, der Partei und der Sowjetregierung gefunden. Ungefähr 3,5 Millionen junger sowjetischer Krieger wurden mit Orden und Medaillen der UdSSR ausgezeichnet. Unter den ungefähr 11.000 Kämpfern die des Ehrentitels „Held der Sowjetunion“ für würdig befunden wurden, befanden sich rund 7.000 Komsomolzen bzw. Zöglinge des Komsomol. In den Kämpfen mit dem Feinde des Vaterlandes zeichneten sich auch tapfere Mädchen aus, die den Gegner zu Lande und in der Luft mit grenzenloser Kühnheit angriffen. Ungefähr 100.000 weibliche Kriegsteilnehmer wurden von der Regierung ausgezeichnet; 66 von ihnen erhielten den hohen Ehrentitel eines „Helden der Sowjetunion“. Auch junge Partisanen wurden für ihre Heldentaten mit Kriegsauszeichnungen belohnt. Über 50.000 junge Partisanen und Partisaninnen erhielten Orden bzw. Medaillen; 99 jungen Partisanen wurde der Ehrentitel eines „Helden der Sowjetunion“ verliehen.

Quelle: Große Sowjetenzyklopädie, 2 Bde. Verlag Kultur und Fortschritt Berlin, 1952, S.1814f.

Siehe auch:
Der Große Vaterländische Krieg der Sowjetunion (1941-1945)

Salzburger Tagblatt

Siehe: Die Sowjetunion und der Krieg (1941-1945)

Okkupanten

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2 Antworten zu Die Heldin der Sowjetunion Jewgenija Shigulenko. Kampfpilotin im Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion (1941-1945)

  1. Johann Weber schreibt:

    Im Kulturteil des „Neues Deutschland“, vom 9. August 1982 informierte die Zeitung unter der Überschrift „ Für Freunde der russischen Sprache“ über folgendem Film der im DDR-Fernsehen gezeigt wurde:
    „NACHTHEXEN AM HIMMEL.
    Nach authentischen Ereignissen während des zweiten Weltkrieges drehte Jewgenija Shigulenko, die als Jagdfliegerin selbst 968 Kampfeinsätze geflogen war, einen Film (mit Untertiteln) über jene mutigen Frauen, die mit ihren Maschinen Nacht für Nacht faschistische Stellungen bombardierten und so zum Schrecken ihrer Feinde wurden. (Sonntag, 15.30 Uhr, Fernsehen 2)“

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